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Freitag 3. Juni 1910
Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.
Aus Hefien
gsgesetz er Gesetzes
160. Jahrgang
R-B. Darmstadt, 2. Juni. Vom Sonderau s'- schußfürdieRevr^ion der Verwaltungsgesetzgebung wurden heute die beiden Restteile der Gesetzesvorlage über die S tä d t c or dn u n g, die Magistrats-
«eznqSvret»: monatlich 75 Pf., vierteljährlich Mk. 2.20; durch Abhole- il Zweigstellen
Eine Reise öes ftanzösischen Präsidenten.
o Paris, 2. Juni. Die Reise des Präsidenten Falliäres nach der Schweiz wird sich nach folgendem Programme vollziehen: Herr Fälliges tritt am 15. August bei Neuchatel auf Schweizer Gebiet über und langt um 3 Uhr in Bern an; der Bundes p r ä si d e n t, Herr Com- tesse, begibt sich an den Bahnhof, von wo aus sich der Zug nach dem Bundespalast in Bewegung setzt. Von dort aus sucht der Präsident der Republik Den Sitz der französischen Botschaft aus, um die Vertreter aller französischen Kolonien in der Schweiz und alle Franzosen zu empfangen, dre srch in diesem Lande aufbalren und die das Staatsoberhaupt begrüßen wollen. Ain diesen Empfang in der Botschaft schließt ilch das vom Bundesräte veranstaltete Galadiner im Berliner Hof. Am Abend findet dann ein Tee in der französischen Botschaft statt, wo der Präsident auch die Nacht zubringen imrd. Am nächsten Tage wird ein Ausflug nach Thun unternommen, nach dem S^err Fallisres über Bern nach Frankreich zurückkehrt.
bei allen treuen Katholiken die höchste Liebe und Verehrung genügt, in der protestantischen Presse die verletzendsten Ausdrücke gebraucht werden, die jedem glaubenstreuen Katholiken geradezu empören
Gewiß, die Korrespondenz des evangelischen Bundes hat wieder scharfe Worte gebraucht, aber sie waren doch nur eine Abwehr. Die „Germania" fährt noch fort:
Wir fönnen unser Bedauern darüber nicht unterdrücken, daß das halbamtliche Organ der Regierung in diesem Falle, wenn auch in milder Form, in einem konfesuonellen Streck einseitig Partei ergriffen hat. Abgesehen von den Zeiten des Kulturkampfes, mar das früher nicht der Fall, auch nicht bei der in den heutigen Erörterungen der Presie vielfach in die Erinnerung zurückgerufenen Canisius-Enzyklilä des Papstes Leo XIII. vom 1. August 1897. . ,fjr
Ein etwas anderer Geist weht uns aus dem rhemischen Zentrumsblatt, der „Köln. Volksztg." entgegen. Dem Blatt kommt der päpstliche Brief offenbar sehr ungelegen, es steht bisher von der Veröffentlichung ab, druckt die im anderen Lager beanstandeten Stellen nach und unterrichtet seine Leser in ziemlich objektiver Weise über die Streitsache. Dann folgen nur diese Sätze:
Gegenüber den Bemühungen liberaler Organe, das Zentrum in diese Debatte zu ziehen, den „blau-schwarzen" Block zu verdächtigen im gleichen Augenblick, wo sie selbst einen liberalkonservativen Block zustande bringen wollen, kann man nur un Interesse des bürgerlichen Friedens raten, daß alle besonnenen Elemente durch die Versuche, die öffentliche Aufmerksamkeit einseitig auf das konfessionelle Gebiet her üb erzu- z ich en, um einen Streit herbeizuführen, den sie politisch ausschlacht m können, sich nicht verlocken lassen. m sollten wir auf diesem Wege kommen!
Wem gilt dieser Rat? Der katholischen Presse, damit sie den einseitig konfessionellen Stoff des Hirtenbriefes nicht weiter veröffentliche? Ein so zahmer Ausruf kann doch nicht an die Nichtkatholiken gerichtet sein! So lugt selbst durch dieses große Zentrumsblatt das Bekenntnis, daß die Verfasser des römischen Briefes damit sich aufs Glatteis begeben und die Gefahr hevbeigeführt haben, daß ein bedauerlicher neuer Kulturkampf ausbricht.
Julius Wolff f.
Berlin 3. LUni. Der Dichter Julius Wolff ist heute früh gestorben.
Julius Wolff wurde am 16. Sept. 183-1 in Qu edlin- bürg geboren, wo sein Vater eine Tuchfabrik besaß und kehrte nach einer frohlickten Studentenzeit nt Berlin, wo er sich hauptsächlich der Literatur widmete, in die Vaterstadt zurück. Hier arbeitete er eine Zeitlang in der väterlichen Fabrik: aber das kaufmännische Leben behagte chm nicht auf die. Dauer. Er gab die Fabrik auf und gründete im Jahre 1869 die Harzzeitung, deren Verleger, Redakteur und zugleich einziger Mitarbeiter er war. Bei Ausbruch des Krieges mii Frankreich verabschiedete er jiqj in einem begeisterten Aufsatz von feinen Lesern und machte in der Armee des Kronprinzen als Landwehrofftzier in der Front den Krieg mit und errang vor Toul das Eiserne Kreuz. Im Alter von vierzig Jahren trat er dann mit seinem ersten größeren Wert, dem Epos Till Eulenspiegel redivivus, an die beff entlieh feit. Er errang mit dem Werk einen außerordentlichen Erfolg und zählte von da an zu den beliebtesten und gelcfensten Dichtern. Seine Werke wurden in mehr als einer halben Million Bänden verbreitet und zeigten immer die zierliche, anmutige Form und den w- rischen Spielmannston, dessen hauptsächlichste Vertreter Jul. Wolfs und R. Baum bach gewesen sind. Tiefgründiger als in seinen Epen ist er in seinen Prosadichtungen, von denen namentlich der mittelalterliche Roman Der Suls- meister und die Erzählung Der Lan^knecht von Cochem viel Beachtung gefunden haben. Von seinen übrigen Werken sind am bekanntesten: Singus, eine Sammlung von Liedern im Spielmannston, die Epen Der Ra ttcn fänger, der wild e Jäger, Tannhäu ser , Lurlei, Afsalide, Renata, ^ulius Wolff, der erst kürzlich seine goldene Hochzeit gefeiert hat, war Ehrenbürger von Hameln.
farbige. In ber Schule wurde uns noch gelehrt, es gäbe fünf: in Wirklichkeit ist klar, daß Kaukasier, Mongolen und Indianer eng zu einander gehören. Die Malapcn sind eine Mifchraffe aus Mongolen und Schwarzen, und nur die Schwarzen sind eine Rasse für sich. Eine intcrcifante Analogie, aus der ich aber keineswegs auf eine unmittelbare Deszendenz im Sinne mißverstandener Darwinscher Ideen schließe, zeigt sich bei den menschenähnlichen Affen Auch hier haben wir eine dunkle Rasse, Schimpanse und Gorilla, und eine helle, den Drangutang. Beider Heimat liegt am Aequalor, wo auch der Mensch zu Hause ist. Denn käme der Mensm rächt vom Aeguator, so wäre er nicht nackt. Die schwarzen Menschen wohnen dort, wo die schwarzen Assen sitzen: die hellen kommen von dort I)cr, wo die hellen Assen vorkommen. Die schwarzen Assen und Menschen haben krauses, die hellen itraffeä Kopfhaar. Wann die Gablung vorgekommen ist, weiß ich nicht."
— Das Rätsel des Hallen scheu Kometen scheint nach der Ansicht eines Pariser Gelehrten nach nicht endgültig gelöst zu sein. Oberst Marchand behauptet tm „Gaulois", daß der Hallcysche Komet erst im Augu st sichtbar sein werde. Die Berechnungen der Astronomen seien falsch gewesen, well ihre Voraussetzung das Newtonsche Graoitationsgesetz sei, das nach Marchands Ansicht aus irrigen Vorstellungen beruht, lieber seine eigene Anpassung macht Marchand einige Andeutungen, mit denen sich die Gelehrten zu beschäftigen haben roeroen. Seine ganze Theorie wird er verkünden, wenn das Erscheinen des Hallet)scheu Kometen im August oder September ferne Berechnungen bestätigt. Er hatte am 9. Mai oorausgefagt, dan der Komet am 19. Mai nicht fichtbar sein würde und versichert, daß alle angeblichen Beobachtungen auf Täuschungen zurückzuführen seien. — Was ber Komet nicht alles verbrochen hat.
— Ausstellung für Freistunden - Kunst und F r e i st u n d c n - A r b e i l. Im Februar ds. Js. hat in Fran k° furt a. M. eine Arbeiter - Dilettanten - Kunst - Ausstellung statt- gefunben. Das Ausstettungsmaterial, Gemälde, Zeichnungen und plastische Darstellungen, die Arbeiter in ihren Musestunden an- qefertigt haben, ist von Tr. Levenstein ans Berlin im ganzen Deutschen Reiche gesannnelt worben. Sie wurde zuerst in Berlin gezeigt und hat sowohl dort, als aud) in Frankfurt allgemeines Aufsehen erregt. Ter gute Besuch und bas rege Interesse, das sich in allen sozial interessierten Kreisen, msbesonbere and) in der Presie sand, erweckte in den Settern der Franksnrter Volksbildungsarbeit, die die Levenstein'fche Ausstellung veranstaltet hatten, den Gedanken, eine ähnliche Ausstellung lediglich aus Frankfurt und dem Rhein-Main-Gebiet zusalnmenzubringen. Diese neue Ausstellung, die nun voraussichtlich im Herbst dss. Js. zu,lande kommen wird, soll neben künstlerischen Arbeiten auch andere Erzeugnisie bringen, aus dte Personen aus den werktätigen Bolkskreisen nach Feierabend
Deutsches Reich.
JU der Sitzung des Bundesrats am 2. d. M wurde den Ausschußanrrägen betr. Aenderungcn der Aussührungs- bestimmungen zu den Paragraphen 1 bis 11 des Tabak-« steu cr g e's etzes vom 15. Juli 1907 zugestimmt, ebenso den Ausschußanträgcn zum Entwurf eines c^setzes für
— Professor Koch über die Menschwerdung. Nach feiner Meinung über die Herkunft ber Menschen gefragt^ erklärte Koch, der „Tal. Rdsch." zufolge: ,Zch glaube, daß es nur zwei Menschenrassen gibt, ehre hellfarbige und eine bunreh
3um Hirtenbrief öes Papstes.
Jin allen Zeitungen außer der Zentrumsprefse macht sich Empörung geltend gegen die Verletzung der (Yefühle Andersdenkender durch den päpstlichen Hirtenbrief. Die Zentral- auskunfts stelle der katholischen Presse verbreitet folgende Ausführungen:
Das päpstliche Rundschreiben, das in italienischer Sprache ab- gesaßt ist, tocubet sich an das katholische Volk Italiens und hat in erster Linie die italienischen Reformatoren im Auge, betten Pius X. den heiligen Erzbischof von Mailand Karl Borromäus gegcitübcrftclit. Selbstverständlich sind aber n i ch t a u s s ch l i e ß - I i ch die italienischen Reformatoren gemeint. Wenn man dies vor ?Iugcn behält und bedenkt, daß der Papst keine geschichtliche ober gar kirchenpolitische Abhandlung schreiben wollte, sondern als oberster Hirte und Lehrer vom dogmatischen Standpunkte aus spricht, so erscheinen die Aeußerungen Pins X. über die Reformation und die Reformatoren in einem anderen Licht als die Beleuchtung, die ihnen in einem großen Teil ber akatlwltschen Presse zu Teil wird. Es liegt bekanntltch im Wesen ber katholisckfen Kirche, daß sie dogmatisch intolerant ist. Wenn sie also die Reformation dogmatisch betrachtet, wie das hier der Papst tut, so kann sie dieselbe nur eine Revolution gegen die katholische Glaubens . und Sittenlehre nennen. Das haben übrigens aud) protestantische Schriftsteller wiederholt getan. Eine Beschimpfung her evangelischen Christenheit liegt darin ebensowenig wie z. B. in ber sachlich-historischen Darstellung von ehemaligen oder etwa noch bestehenden Mißständen ober Aergernissen auf latholischer Seite eine Beschimpfung der katholischen Kirche erblickt werden kann.
Diese Rechtfertigung der römischen Angriffe wirkt keines- wcgs überzeugend. Auch von ihrem dogmatisch intoleranten Srandpunil aus kann doch die katholrsche Kirche nicht dre Gefühle der Andersgläubigen so schroff verletzen, wenn anders sie nicht eenen Kulturkampf entfesseln will. Solche Gelüste l)at die Zentrumspresse sehr gekränkt bisher öfter ihren Gegnern vorgeworfen. Wir fürchten, der päpstliche Brief wird sehr viel bedauerliche Reibereien Hervorrufen und ferne religiöse Absicht nur sehr unvollkommen verwirilichen.
Auch die „Kreuzztg" meint, die Ausführungen der 'katholischen Auskunstsstelle seien „fehi: schwache und üble Ausreden":
Hier aber handelt es sich um m o r a l rsche Verunglimpfungen. Will ber Papst, daß ihm die evangelische Kirche durch ihre amtliche Vertretung mit einem Sündenregister der Päpste, des katholischen Klerus und der katholischen Fürsten und Völker antwortet? Oder welchen anderen Zweck haben seine Angriffe? Darauf möge die katholische Presse, die sich die Verbreitung der Enzyllika angelegen sein läßt, eine klare und unzweideutige Antwort geben. Aber davon abgesehen: die ganze gesittete Welt, ob katholisch oder „akatholischwird die Aeußerungen des Papstes als höchst be- bäuerliche Verirrungen des sittlichen Empfindens auffassen.
Die „Germania" wendet und dreht sich rn spaltenlangen spitzfindigen Erörterungen, um die stärksten päpstlichen Aus- drücke 'n rechtfertigen. Sie ständen ja in „Gänsefüßchen" und seien Zitate aus Briefen des Apostels Paulus und des Propheten Jesaias. Als ob die Anwendung solcher Zitate auf Männer, die den Andersgläubigen verehrungswurdtg sind, feine Beleidigung bedeutete! Ein halbes Etngejtand- nis liegt in folgenden Worten der „Germania":
Man beklage sich doch nicht über „Störung des konfessionellen; Friedens", wenn die Wahrheit gesagt wird. Und wird von der anderen Seite nicht auch der konseNtonelle Friede gdtort, wenn der Evangelische Bund fortroäljrenb ferne Hetze gegen Rom betreibt, und wenn jetzt über den hl. Vater Papst Pius X., ver
Verfassung und die Bestimmungen betr. die staatluhc Oberaufsicht über die städtische Verwaltung, erledigt. Nach diesen Artikeln (204 a u. ff.l kann für Gemeinden für mindejbenS 10 000 Einwohnern, einschließlich der aktiven Milttarper- fönen, auf Antrag der Stadtvertretung mit Genehmigung des Ministeriums des Innern die M a g i str ats v e r fa s- sung eingeführt werden Der Magistrat besteht aus dem Bürgermeister, den Beigeordneten und einer Anzahl von besoldeten und unbesoldeten Stadträten und zwar gehören zum Magistrat in Stadtgemeinden bis $u 50 000 Einwohnern ,cchs Stadtxätc, in Städten von 50 000 bis 100000 Einwohnern acht Stadträte und von mehr als 100 000 Einwohnern zehn Stadträte. Durch Ortssatzung können jedoch auch abweichende Festsetzungen Über die Zahl der ^tadt- täte getroffen werden. Magistrat und Stadtverordnetenversammlung bilden in solchen Städten die Stadtvertrctung. AM drei Jahre scheidet die Hälfte der Stadträte aus dem Magistrat aus und wird durch ordentliche Ergänzungs-y wählen ersetzt. Die Wahlen der Stadträte und, der bc- soldeten Magistratsmitglieder bedürfen der Bestätigung durch das Ministerium. Die Vorschriften über die Tätigkeit der Stadtverordnetenversammlung und ihr Verhältnis zum Magistrat, sowie über die Beschlüsse der Stadtverordnetenversammlung und ihre Ausführung sind vom Ausschuß neu gefaßt worden. Es herrschte im Ausschuß das Bestrebest toor, die Magistratsverfassung in eine Form zu bringen, die ihre Einführung in Hessen erleichtern wird. Tie Regierung hat den früheren Ausschuß- anträgen in der neuen Vorlage fast überall stattgegebew und der Ausschuß hat neue Vorschriften hinzugefügt, welche die Möglichkeit der Wiedereinführung des Bürgermeisteramts auch nach der Einrichtung des Magistrats gewährleisten sollen. Die Vorschriften über die staatliche Oberaufsicht' üjbcr die städtische Verwaltung find vom Ausschuß ebenfalls sehr eingehend bearbeitet worden. Namentlich haben die Bestimmungen über die Genehmigungspflicht der Akte und Beschlüsse der Stadtverordnetenversammlung eine wesentliche Abänderung erfahren. Der Ausschuß befolgte dabei die Absicht, die Se l b st v e r w a l t n n g zu starken und nur zu den wirklich bedeutungsvollen Akten das Erfordernis einer staatlichen Genehmigung zuzulassen.
Am nächsten Mittwoch wird der Ausschuß eine weitere Sitzung abhalten, in der noch zu mehreren Punkten, wie die Provorrionalwahl und die Bestätigungsfrage, Stellung, genommen werden soll. Dann wird eine gemeinsame Sitzung mit der Regierung statt finden, in welcher die noch streitigen, vorerst Kurückgestellten Punkte erledigt werden dürften und dann wird der Ausschußberichterstatter, Abg. Dr. G l ä s s i n g, seinen umfangreichen schriftlichen Bericht fertig stellen. — An die Erledigung der Städteordnung soll sich die Schlußberatung und Abstimmung über die Landgemeindeordnung im Ausschuß unmittelbar anschließen. Beide Gesetzentwürfe können alsdann gleich noch in einer frühzeitigen H e r b st t a g u n g vom Plenum der Zweiten Kammer in Beratung genommen und verabschiedet werden.
und am Sonntag zu ihrem Vergnügen Geduld und Ausdarler verwendet haben. 'Gedacht ist insbefondere auch an literarifche und misienschaflliche Arbeiten, an Sammlungen künstlerischer, historischer und naturwlsfenschaftllcher Gegenstände usw. Was sich nicht unmittelbar ausstellen läßt, soll auf photographischem Wege gezeigt werden. Auch Frauen als Aussteller sind erwünscht. Ausgeschlosien- sind Arbeiten, die zu gewerblichen ober hauswirlschastlichen Zwecken augelerngt sind. Die Ausstellung soll zeigen, was in unserer Gegend von 9(rbettem geleistet wird, um in ihre Freistunden Freude und ein höheres Interesse zu dringen. Sie soll denen, die vielleicht nach harter Tagesarbeit nur mühsam die Zeit finden, sich eine eigne Welt auszubauen, Gelegenheit geben, die Ergebnisse ihrer Arbeit einmal Fernerstehenden zu zeigen. Die Ausstellung soll keine Kunst- Ausstellung sein; es handelt sich nicht um das Ausfinden unerkannter Talente, sondern um ein Bild des in u n s e^r e m Volke allgemein verbreiteten Wirkens und Strebens.
— Die Zahl der Analphabeten. Ein schwedischer Gelehrter hat über die Zahl der Analphabeten, die jedes tränt* zählt, genaue Forschungen gemacht. ,Die gesammelten statisticheu, Taten", so lieft man im „Movimento Magistrale", „können Italien, zum Tröste gereichen". Während sich nämlich in Italien die Zahl der Analphabeten aus 31,3 v. H. beläuft, zälstt Bulgarien 53 v. H. Analphabeten, Serbien und Rußland je 62 v. Y., Portugal 60 v. H., Rumänien 75 o. H. Und nun zu den Nationen, die an der Spitze der Kultur marschieren: das Deutsche Reich mit nur 0,05 v. H. Analphabeten, Schweden mit 0,01 v. H., die Schweiz^ mit 0,1 v. H., Dänemark mit 0,2 v. H., England mit 1 v. ö., die Niederlande mit 2,1 v. H., Frankreich mit 2 v. H., Italien fommt/ nach Oesterreich-Ungarn und auch nach Griechenland, das 30 v. H. Analphabeten zählt. Andere statistische Untersuchungen des Gelehrten betreffen den Schulbesuch in denselben europäischen Staaten, und es ergibt sich aus seinen Berechmmgen, daß insgesamt 50 v. H.' der schulpflichtigen Kinder (vorn 6. bis zum 15. Lebensjahre) regelmäßig die Schule besuchen. Für den Volksunterricht gibt Europa im ganzen zwei Milliarden Kronen aus: aus Rußland entfällt davon nur ein Zwanzigstel, auf Deutschland ein Drittel, auf England ein Viertel, auf Frankreich ein Achtel, auf Oesterreich ein Zehntel. Europa hat endlich 465 451 Schulen, 1 050 634 Schullehrer und 41 281691 Schüler — ein wahres Heer, das ständig noch wächst.
— Eine neue Wibukinbhanbfchrift. Mim schreibt ber F. Z.: Aus Londoner Privatbefitz stammend, ist int Dezember vorigen Jahves in London eine bisher unbekannte Ueberlieferuitg der „Drei Bücher sächsischer Geschichte" des Chronisten Widukind von E o r v e v , des Hauvtgeschichtsschreibers Heinrichs I. und Ottos des Großen, verjtetgert unö von der Kgl. Bibliothek zu B e r l i n erworben worden. Die tm 13. Jahr,
Nr. 127 Erstes Blatt
Der Gießener Anzeiger dB
erscheint täglich, außer W ▼
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wirtschaftlicheSeitftagen ^8NT U U? V V V NI V W V Chefredakteur:A.Goetz.
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General-Anzeiger für Oberhe en MM
Annahme van Anzeigen v . faal": E. Heß: für den
für die Tagesnummer RotationL-rnS «n- Verlag -er Vrübl'schen Untv.-Vuch- und Zteindruckeret R. Lange. Redattion, Expedition und ornaerel: Zchulstrane 7. Anzeigenteil: H. Beck, bis vormittags 9 Uhr. * iii^MTinnwirT—~*
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