HL 25Z
Swelle, Via»
160. Jahrgang
Erscheint KgNch mit vu-nahn« de» Sonntag».
Die „Sletzener Famlliendlätter" werden dem .Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, das „Urelrblatt für de» Kreis Sieben" zweimal wöchentlich. Die .^tandwiNschafUtchr« Leit- frage»" «schemen mono tiuh zwennal.
Gießener Anzeiger
Eeneral-Anzelger für Gberhefsen
MMooth, 2. November X910
Notattsnsdrink «nd Verlag der Brühlfche« UnlversnälS - Buch- unb Sleindructerei.
Ä. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul-
Praße 7. Expedition und Verlag: 5L
BUhaftwtcea® 111 Tell-Adru AnzergerGießen»
Die ^wchrheit" vor Gericht.
yn.
4 0erltn, r. Twv.
Dor Eintritt tn die heutige siebente Sienna bcd Bruhn- Prozesses nahm der Vorsitzende Landgerichtsrat Lampe das Wort zu folgender
Erklärung:
CS ist urrr ein Brief »ugcg äugen, der von feinem Verfasser mit vollem Warnen unterzeichnet ift, so daß ich leinen Aiüaß habe, ihn nicht nntzuletten. Der Schreiber dieses Breeses, befjen Warnen ich jetzt noch nicht nennen toill, macht mich darauf auf- merlsam, daß in der „Berliner Nkorgenpost" ein 'Artikel gestanden habe, der meine Pwzeßführung als eine „seltsame" bezeichnet und der behauptet, daß bie Verhandlung durch meine SchrUd in eine Burleske ausarte, 3n dem Schreiben wird mir bann weiter nutgeteilt, wer der Verfasser des Artikels ist. Ich habe dazu zu erklären, daß ich mich aus derartige Auslassungen grundsätzlich nicht erkläre. Doch möchte ich die Sache hier etwas niedriger hängen. Das Urteil über meine Prozeßlettung überlasse ich benen, von deren Carlscheidung das Sch ulf al dieses Prozesses ab bangt
R.-A. Brederek: Auch ich möchte eine Erklärung ab geb en: Ein hier neu erschieiienes Nünttagsblatt schreibt in seürer letzten Ausgabe, daß ich hier mit dürren Worten von der Berliner Presse gesagt hatte, bag sie durch Inserate tüuslich sei. Ich habe das aber nicht gesagt, sondern nur ausge,uhrt daß es eure allgemein übliche und daher auch allgemein geübten Curwis'.e entspreche, daß die Presse auf ihre Großuijereitten Düid- sicht nehme. In dem gleichen Artikel wird bann auch noch behauptet, daß der Angellagte Wilhelm Bruhn den Waincn des Schriftstellers Eduard Gowbeck hier hüteuigezogen habe, weil er sich Hutter Goldbeck verf'tetten und den angebltären Schmutz, der m dec „Wahrheit" enthalten sei, aus die Schultern des Derrn Goldbeck ad walz en wolle. Der demokratische verr Gott>- bett habe überhaupt nur einigcniale sür die ,pchahrhett" geschrieben und daun auch „nicht ohne Haiwschuhe". Laifachlich hat aber Derr Goldbett zu euiem der sleißigftcn Mitaroetter der „Wahrheit" gehört Er hat vom Nooeuiver l(J06 bis zum Sepieuu-cr 1007 zusammen 46 Lettartitel und 90 andere Artikel verfaßt mrd nach den Kajsenbucyeru von ^eiin Bruhn 2u<'J.6O Mart erhalten. Daß Derr Goldbett letzt eine Soule der linlslUntaten Iounialiftik ist, dafür tonn doch Derr Bruhn nutzt — Augekt Wilhelm Bruhn: Ich möchte noch benteilen, daß meinerfetts der Warne Goldbett überhaupt nicht in die Berhalidlung htneui- gcjöoqm wordeu ist Los Hal vielmehr der Redallcur Weber getan.
ES wird dann nochmals über die Frage her Vereidigung der gestrigen beiden Dauptzeugen, des Injecutcuageitteu Ao- varra vom Kaufhause Israel und des früheren Redakteurs der Staaisbürger-Zeitung Wolf Sommer verhandelt Wach längerer Beratung vereidigt das Gericht den Zeugeii Diovarra und setzt die Vereidigung des Zeugen Sommer vorlausig aus. — Zu bau heute zu verhandelnden Fall des Klavierhcuidlecs Dintze tettt der Vorsitzende baiui mit Dintze trotz Ladung nicht erschienen ist, und da es gerichtsbetanitt fei, daß vuitze überhaupt nur sehr schwer aus gerichtliche Ladungen reagiere, jo habe das Gericht befchlossem den Gerichtsarzt Dr. Dofsuiann zu ihm zu entsenden, um ihn untersuchen tu lassen. Wettere Pchßnahme» behatt sich das Geruht vor. Zum Fall Gowbeck bemcrtt der AngeÜagte Wilhelm Bruhn dann auch noch,, daß Goldbeck doch bei chm sehr schön vewiatt habe und daß er, der Angeklagte, keine Veranlassung habe, sich über Gowbecks jetzige Mttarbät an demokratischen Blättern zu entrüsten, da er sich wohl gesagt habe: Brot schmectt süß. Im übrigen habe Goldbett auch bei chm scharf geschrieben. Der VlrliM „Eduard am Trapez^ dessen lieber schrift Huer gegen Um aus genutzt ja, rühre vou Goldbett her.
Dreruuf wiio oer o a 1 l I a n do r f erörtert, und dazu zunächst der Zeuge Iacobsohn vernommen. Bors.: Sie nennen sich mcht Jacob fohn, sondern Jackson. Zeuge: Ich war lange in Englaiid und Amerika und da habe ich mich anglifiert (Detterlett.) Bors.: Sie «sotten den Mittelsmann zwischen dem Kouimerzitti- rat Iandorf And dem Angeklagten Wühelm Bruhn gespielt Haden. Zeuge: Eines Tages wurden, als ich im Eass Weftmuister (dem betanuten Lebens länglich) saß, Artikel gegen Iandors ausgebrüllt. Ta itt) alle möglichen Geschäfte mache — bie Skrteibigung hat ja hier schon für mich Diefiame gemacht, indem sie von mir erzählte, daß ich mit Sekt und Schuhwichse handele (Deiterkett) — fo sah ich mi ) vercuttaßt, zu Derrn Iandorf zu gehen und ihm zu lagen, daß in England und Amerika ein derartiger Skandal doch unmöglich fei. Er müsse mtt seinem Inseratcnetat ganz anders arbeiten und bann würden im Dandumdrehen alle Ang risse gegen ihn verstummen. Tie ganze GeseUfchast von der „Wahrheit" bis zu Derrn Gehlson könne man mtt Inseraten mundtod uiachen. Er sagte: Ich kaiin doch nicht als Jude und Warelchausbesitzer in euiem antisemitischen und warenhausseindlichen Blatte mserieren! Ich erwidene ihui: Was biudols Dertzog kann, können Sie auch. Durch den früheren Direktor des Monopolhotels Loth und den Dotelier Louis Schaurtd vom Dotel Wesüiiüister wußte ich, daß sie gute Freunde des Derrn Bruhn waren. Sie rieten mir, doch einmal zur „Wahrhett" httizugehen und es mit Ianbors-In,traten zu versuchen. Ich ging nun aber nicht als Elegant, als Gentteman (Detterkett) zu Bruhn, sondern m der Maske eines Inseraten- agenien, eines Commis Voyageur. Bors.: Was ist das für eine Maske? (Deiterkeit.) Zeuge: Nun, ich sah schäbig aus mw sprach Berliner Dialekt. (Große Detterlett.) Den Bruhn sagte mir allerdings von vornherein: Ich werde meine Position gegenüber den Warenhäusern niemals ändern. Ich fragte: Weim ich Ihnen aber nun große Inserate von Iandors bringe? Bruhn erwiderte: Ich weiß nicht, was Sie wollen. Meinetwegen können Sie mir Inferctte bringelt Ich habe auch gar keine Veranlassung, etwas gegen Derrn Iandors zu sagen. Es handelte sich damals um die Eroiftiung des Kaufhauses des Westens. Den Bruhn meinte, daß das wohl rin Spezialgeschäft werben solle. Ich sagte ja und brachte ihm bann einige kleinere Inserate. Bei der Abrechnung i— ich bin noia bene em sehr guter Jude und würde einem Aitti- semiten niemals Inserate abneymen (Heiterkeit) — war Derr Bruhn sehr schäbig, beim er kürzte mir meine Provision. Derr Bruhn sagte nun, er sei niemals bestechlich gewesen Aber er, der prinsipielleWarenhausgegner, schrieb damals gleich den glänzeiidsteii Slttilel über das Kaufhaus des Westens. Er fand auch dejseii Injeratenches, einen Derrn Löwinsohn, sehr nett und bezeichnete
ihn als emen retteiiden Menschen. Ich iuill nicht fragen., daß Derr Bruhn durch Inserate käuslich ist, aber es gibt noch eine andere Art, die sich eben in Worten nicht ausdcütten läßt.
Dors.: Auch Derr Bruhn stellt die Sache mit Ihnen anders dar. Er sagt, er hätte zunächst mit Ihnen überhaupt nicht ver- haiidelt und sich erst, nachdem Sie soruvähreiid auf chn eingeredet uiid ihm erzählt hätten, daß Sie bei dem Geschäft etwas verdienen Uiochten, sich zu der Aimahme der Inserate eiuschlossen habe. Zeuge: Ich kaim nur wiederholen: AIS ich dem stommerzienrat Iandorf sagte: Bruhu nimatt Inserate von Ihiien, konnte ich auch gleich mit Sicherheit hinzusugeii: Er wird niemals etwas gegen Sie schreibeii. Und tatsächlich hat auch niemals in der ,Fahlheit" mehr etwas gegen Iandorf gestanden.
Rechtsanw. Brederek: Womu besttfäftigen Sie sich eigentlich? Zeuge: Ich bin selbständiger Agent, verkaufe Millionen von Zigarelien, uiid da der Derr Berteioiger schon so gütig war, gestern für mich Uieflanie zu machen, gelegentlich auch Seife uiid Stiefelwichse. (Dettertett.) Recytsanw. Brederek: Sie haben also Derrn Jaiidors die Nachricht überbracht, daß Angriffe nicht mehr erscheinen würden. Rechtsanw. Schwindt: Darm haben Sie dvtt) Derrn lüommerzienrat Iandorf eltvas falsches gefügt. Denn nach Ihrer eigenen Aussage hat Bruhn doch ausdrüttlich erklärt, daß er feine Stellung zu der Wareichausfrage nutzt ändern werde. Wilhelm Bruhn: Ich will sofort auf eine weitere Unrichtigkeit der Aussage des Zeugen ausmerksam machen. Ter Zeuge hat behauptet, ich als Neichstagsabgeordneter hätte als Gegner der Warenhäuser ber Cröjsnung des Kaufhauses des Wefteiis beigeroohnt. Ich bm überhaupt nicht dagewe,eii, sondern mein polttisch untätiger Bruder. Daes ist also eure dreiste Erfindung. Aus Doslichlett gegen einen Inferenten, den ich nun doch einmal akzeptiert hatte, werden satt)lictze Befpr^chungen stets gebracht. Äochversiäudiger Kluge befiäiigt dies.
Nöttstsamv. Brederek (zum Zeugen Iaeobsohn): Sie sind um Ihre Provision geünmnen, welche Sie glaubten, noch sür fernere Inserate zu erhalteu? Daher die Wut auf Bruhn. Der Zeuge meint, dag er auf die Provijion pfeifen wolle, verr Bruhn habe aver wenig nobel gehandelt, beim er habe chm 15 Mark abgezogen, fo daß er nur 2bo Mark, start 3UU wiark, erhalten habe. Auf Oie Frage eines Beifchers bestätigt der L)achverslänbige Kluge, daß dies ganz in der Ordnung sei, beim er habe ja die über ein Jahr vertettre Provifion fosort erhalteii. Der Abzug eures Zins- verlustes sei bahrr sehr berechtigt.
Wilhelm Bruhn i>uli dem Zeugen weiter vor, daß er vorher etwas Unwahres gefragt habe, er hatte noch einen ferneren Provisionsanspruch gehabt, diesen aber niajt geltenb gemacht. Die Oem Gericht üoiliegenbai Quittungen beiucijen, baß er keinerlei Provifionsanfpruetze mehr hatte. Er habe also leichtfertig bie Unwahrheit gesagt.
Der Vvrfitzende hält dem Zeugen vor, daß er tatsächlich zwei Austräge zeitlich um einen Pronat getrennt, gebracht habe, während er nur immer bisher von einem Ausirage gesprochen habe. Dies weisen die Qutttmigen pofitiv nach. Er stellt ferner fest, daß es dem Zeugen doch fehr an der Provisioiiserlaiigung gelegen habe. Die bei den Akren befindlichen Briefe lajfen dies deutlich erkennen. Da der Zeuge auch behauptet habe, er hätte vor der „Wahrheit" einen tiefen Ekel empfmiden, freut Nechrsanwalt Dr. Schwindt fest, baß dieser Ekel eeft gekommen sei, nachdem er bie Provision erhalten hatte.
Es wirb bann ber Jnsercttenchef Lewinsohn vom Kaufhaus ocs Westens vernommen. Er ertlätt, baß der Inseraierr- verkehr mit ber „Wahrhett" sich nach öenielbeu Grund,atzen ab* gewickelt habe, wie der mit anderen Berliner Zeitungen. Der Zeuge Iacobsohn habe den Bertehr mit ber „Wahrheit" hergestellt und bann sei in ber Folge der zweite Angeklagte Paul Bruhn als Exped! ousleiter ber „Wahrhett" jewetts gekommen, um die Aufträge eurgegenzunehmen. N.-A Mever fragt den Zeugen: Kam Derr Bruhn von selbst oder auf Ihren Wunsch. Zeuge: Stets nur aus meinen Wunsch. N.-A. Meyer: Dat er jemals Drohungen ausgeiprochen? Zeuge: Netti, er hat sich benommen, wie jeder andere der Derren Inieratenalquiftteure, und der Verkehr spielte sich immer in den liebenswürbigften Formen ab. Angeklagter Wilhelm Bruhn: Bin ich jemals bei Ihnen geioeien? Zeuge: Nein. Angeklagter: Erinnern Sie sich, daß einmal ein Flugblatt des deutschnationalen DandlungsgehilfenverbanOes gegen das Kaufhaus des Weitens verbrritet wurde, wett Masientünbigungen vorgelommen fern sollten und baß wir bieses Flugblatt veröffentlicht haben, wett wir bem Berbanbe nahe standen? Zeuge: Ja. Angeklagter Bruhn: Bin ich bei ber Eröffnungsseier bes Kaufhauses zugegen gewesen? Zeuge: Nein. Angeklagter: Drs hat ber Zeuge Iacobsohn hier behauptet. Ist es Nicht allgemein üblich, Derr Zeuge, baß alle Berliner Zeitungen zu solchen Eröffnungsfeiern emgdaben werden und Artikel darüber bringen? Zeuge: Ja.
Der folgende Zeuge ist der zweite der Berliner Warenhauskönige, Kommerzienrat Iandors, tm kleiner Derr, dem man ebenfalls feine bedeutenoe Stellung in bem gewaltigen Gefchästsleben Berlins nicht ohne weiteres an» sieht. Er bekundet im Gegensatz zum Zeugen Iacobsohn, daß dieser nicht wegen ber Inserate ber „Wahrheit" zu ihm gekommen sei, sondern zunächst Offerte in verfchiedeneu Sachen gemacht habe. Bon den Angriffen in ber „Wahrhett" gegen chn, Zeugen, fei weder damals noch später die Nede gewesen. Iacobsohn habe nur gesagt, er, Zeuge, verwalte fernen Juseratenetat nicht geschickt genug; in England und Amerika gebe man allen Zeitungen Inserate, weshalb er nicht auch in der „Wahchett" inseriere. Bors.: Was sagten Sie daraus? Zeuge: Ich wendete zunächst ein, baß ein jüdisches Warenhaus doch nicht gut in der antisemitischen Wahrhett" inserieren könne. Er ließ aber nicht nach, sondern sagte: Dieben Sie nichts rnetzr, überlas,en Sie mir bie Sache, ich werde es schon machen. Dann kam er eines Tages ins Kontor und sagte, Bruhn sei bereit, Inserate zu nehmem Ein Beisitzer: Nach ber Darstellung JacobsohnS sollten biese Inserate aber etwaige Angriffe ber ^Wahrheit" auf Sie hintanhalten. Sie sagen nun, davon sei keine Diebe gewesen. Das ist doch ein mttösbarer Widerspruch. Bors.: Daben Sie Überhaupt damals gehört, daß AngrislSartikel gegen Sie Unter den Linden lautausgerufen wurden? Zeuge: Nein. Bors.: Derr Jacob- sohn sagt, daß Sie gewissermaßen in Anknüpfung an das Geschrei ber Straßenhändler Ihre Geneigthett zur Ausgabe von Inseraten bekundet hätten. Zeuge: Das stimmt nicht. Beisitzer: Das genügt mir. Staatsanwalt: War aber doch nicht der Um* fiand mttbestimmcnd, daß gerade in der „Wahrheit" Artikel gegen Sie erschienen waren, als Sie Inserate aufgaben? Zeuge: Nein,
denn andere Zeitungen hatten die Angriffe auf uns ebenfalls gebracht. Damals als ich in der „Wahrheit" inserierte, standen wir gerade vor der Eröffnung des Kaufhauses oes Westens und hatten viel Geld zu verwalten. Wir mutzten also überall Die Haine machen. Sind zu der Eröfsnungsieier Vertreter der Presse ein- geladen worden? Zeuge: Ja, alle Berliner Zettungen. Bors.: Befand sich Derr Bruhn unter Ihren Gästen? Zeuge: Nein. Ich habe bis fetzt überhaupt noch nicht das Vergnügen gehabt, Derru Bruhn persönlich leimen zu lernen, sonbecn habe es erst heute. (Detterlett, als Iandors und Bruhn gegenteilig Verbeugungen machen und Bruhn hrnzufügt: Auch ich habe das Bergungen heute zum ersten Mal.)
Die Verteidigung beantragt dann noch die Ladung des bekannten Sck-riftstellecs Dans D e i n r i ch Ewers, der zu der Selbstmordaffäre ber Tochter des Wareichausbefitzers Wertheim gehört werden soll. Der Zeuge Iacobsohn beantragt bann ferne Entlassung. Bors.: Wcr nulffen er ft iwch den Doteliei Schaurle hören. Zeuge: Der kornutt nicht. (Dettertett.^ Di.-A. Schwindt: Wenn er doch ko mutt, fehlen Sie vielleicht. Zeuge: Mit Ihnen habe ich nickst zu verhaiidetn. Bors.: Der Derr Anwalt brauckst Sie aber. N.-A Schwindt: Sie müssen hier bleiben. Zeuge: Sie haben mir garuichls zu sagen. eiter*, teit) Ich mutz mich erholen. Bors.: Aber Sie haben doch eben erst gefrühstückt. (Deiterkeit.) Zeuge: Ich habe Neuralgie. Dtt-A. Schwindt: Ich auch. Zeuge: Das ist mir gleichgültig. (Detterkeit.) R.-A. Schwindt: Mir aber nichü Der Zeuge muß schlietzlich dableiben.
Es wird bairn der Jnserutenagent Leupold vernommen. Er sagt aus, daß, nachdem der Zeuge Iacobsohn das erste DJlal bei Bruhn gewesen war, dieser sofort Bedenken geäußert habe, ob man überhaupt mtt dein Kaufhaus des Westens Inseratengeschäfte machen könne, da ja doch, Iandorf u. Eo. dahrnterslehe. Er, Zeuge, habe eingewendet, daß das^Kaufhaus des Wefteiis doch aber die Diechtsiuichfolgeriu deS Offiziersivarenhauf'es sei, das bekanntlick) m dem Kau,Hause aufgegangen sei. wton könne also bas Kaufhaus bes Wefteus nicht als Wareiihaus im Sinne von Wettheim oder Tietz aiispreck-en. Außerdem rechutte das Kaufhaus auch sehr mtt ber Kundschaft ber Offiziere. Angell. Bruhn: Dabe ich Ihnen die Au,nähme schlüpfriger Inserate untersagt? Zeuge: Ja. Angekl. Bruhn: War es nicht bei ber „Wahrhett" überhaupt fo, baß wir alle zusammen — Redattion uiid Expedttwn — eine einzige große Famttie bildeten und in allen die Zeitung betrefseiidcn Angelegeichetten keinerlei Deimlichketten vor einander hatten, jo daß ich über die Redensarten des Redakteurs Weber dem Denn Iacobsohn gegew» über sehr erstaunt fern muß? Zeuge: Ja.
Ein Zeuge ist der ReichStagSabgeordtteteDertter. Bors.: Der Angellagte behauptet, daß er vor Lufnuhme der Warenhaus ms erate m bie „Wahrhett" an alle Abgeordnete seiner Patt ei herangetreten sei, wie sie darüber dächten. Zeuge: Ja. Er sagte uns eines Tages im Reichstage, daß man seitens der Warenhäuser mit Inseratenangebote an ihn herangetreten sei. Ich glaube speziell Icuidorf. D«c Bruhn wieS darauf hin, daß bie Spezialgeschäfte trotz aller polttijcheu ULttrstützung nichl so üijcriereii, wie es wohl richtig sei, mW baraufhm erllätteal wir uns mtt seinem Vorgehen einver stauben. D«r Bruhn fügte noch hüizu, er würde aber trotz Aufnahme der Inserate dieselbe Kampsfrellung wie bisher eiimehmcn. Vors.: Davou^ baß er beu Warschaus em gegenüber von da ab vorsichtiger sem würde, hat er ncchiS gejagt? Zeuge: Nein. R.-A. Schwindt: Dat er nickst auch un Reichstage bei der Behaut»' lung ber Mittelstands frage nutzt auch immer gegen die WareA- haufer gesprochen? Zeuge: Ja.
Kasseiibote Trautmann von ber „Wahrheit" erinnert sich, baß nach dem Fvttgaiige Iacobsohns Bruhu erllatt habe, a müsse sicy uocy erst über das Kuushaus des Westens erkundigen, bam fernen Anschauungen laufe cs zunuder, von Iandors Inserate entgegen zu nehuteu.
Es kvnrntt daim ber Fall Dintze zur Verhändluug. Hier wirst die Aiillage Weber und damtt auch Bruhn vor, daß a Aruioncen von Dintze, den er erst angegriffen, angenommen habe. Weder steltt die Sache so dar, daß em Freund ihn an Schied- mayers Pianofabrik verwiesen habe, der Inserate auf geben würde. Er sei dott hrngegangen und habe Inserate erhallen, tste für ihn 400 Rtark Provifion aus machten. Erst später habe er erfahren, daß Dintze der Generatagertt der Firma sei und da habe Bruhu zunächst bie Aufnahme abgelehnt, bann aber mit Rückficht auf Webers Provisionsanspruch angenommen, ohne Diutzc ledoch ein Versprechen zu geben, baß fernere Angriffsartikel unterbleiben. Dintze bcohte auch mtt cuicr Klage, wenn er bie Inserate adletzue.
Diunmeyc mewei füy zum dreien wiale der Z e u g e I a c o b- sohu und bittet abermals, entlassen zu werden Er leide an Reißen und sei sehr traut Rechtsaniv. Brederek bezweifell die Krankhett. Nach seiner Anficyt simuliere der Zeuge, der überhaupt unter den allergrößten Mühen zu bewegen war, heute als Zeuge zu erscheineii, da er angeblich nach Paris reisen wollte^ Der Zeuge wehrt sich, muß aber schließlich auf Befragen settenH des Vorfitzenden und euidringlicher Vermahiiung, zugeben, daß er sich während der lebten Nächte noch sehr spät in Cafös auf- gehalten habe. Angellagter Bruhn: Ich habe eine Fülle von Material gegen den Zeugen, durch das des,en Glaubwürdigkeit in allen Punkten erschüttert werden wird. Bors.: Wird gegen die Vereidiguiig des Zeugen Iacobfohn Einspruch erhoben? Diechts- anwalt Brederek: Ader jeibfiverstäudllch. Die ganze Ber- haiidlung hat doch die erheblichflen Zweifel nicht nur an derl Glaubwürdigkeit, sondern sogar an der Zurechnu...gsfähigkett des Zeugen ergeben und die Vettcidigung hak die Absicht, den Beweis zu fuyreu, dag der Zeuge geifu^craitt ist.
Ter Staatsauwalt butet ttotzdem um bie Vereidigimg des Zeugen, das Gericht setzt sie jedoch ans und entläßt den Zeugen vorläufig.
Tie dami folgende sehr umfangreiche Zeugenvernehmung zum Fall Dintze ergibt ebenfalls nicht, daß die Inserate der ^Vahr- yett" in diesem Falle erpreßt worden fiiid.
Jnzwifcheu ist der frühere Leiter des RkonopvlhotelS und des Dotels Wesimmster Unter den Linden, der betau nie Doflieferant Schaurtö, an Gerichts stelle erschienen. Er bekundet: Ich war früher Reichslagsrestauraleur und kam durch meine Inserate auch einmal mit Derrn Jacobfoyn zufammen. Er erfudjie mich eines Tages, ihn mit Derrn Bruhn bekannt zu machen Da ich häufig im Reichstage war und Dereu Bruyn gut kcuutte, gab ich vcrrn Iacobsohn eine Enipfehlung an ihn mit Später erfuhr ich dann« daß Iacobsohn mit Derrn Bruhn rin Jnseratengeschäft gemachi
Durch die Elektrizitätswerke und Installatlons-


