Die heutige Nummer umfaht 16 Seiten.
kapette auf Rheirr-eck, Entwurf zweier Kaiserbilder für den Römer ^n diesen Arbeiten ist Steinl.« ganz unter Veits Einfluß, der die Wonfcbe und religiöse Auffassung zu verbinden suchte. Steinle erhielt im Städelschen Institut ein Atelier und wurde hier 1850 Professor für die historische Malerei. Sehr zahlreich sind seine Werke vom Rhein: Die Engelchöre im Kölner Domchor, die Wandbilder rot Tiep-penhaus des Wallraf-Richartz-Museums, die Brlder in den Nischm der Aachener Marienkirche stammen von seiner Xxntb, außerdem die Ausmalung des' Apsis vom Straßburger Münster. Auch alle Bilder im Frankfurter Dom sind von ihm. Das alles sind Fresken, Von seinen Oelbildern sind dre bekanntesten: „Die tiburtinische Sibylle" im Städelschcn Jn- üllut, der „Thürmer" und „Der Geiger" in der Münchener Achackgalerie und zahlreiche, meist int Privatbesitz befindliche Martendem und Porträts. Am 19. September 1886 ist Steinle in Frankfurt, das ihnr seit einem Menschenalter zur zweiten Heimat geworden war, gestorben.
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— Das wahre Bildnis deZ Angnstus. Dem D. T. wnd aus N o Ni geschrieben: Die vor Poe'? Maggiore gefundene Ilugustusstatue beschäftigt die römischen Gelehrten nicht wenig. Eine interessante Studie hierüber veröffentlicht der auch in Deutschland bekannte Professor Felice Barnabei, früher Generaldirektor der schönen Künste Barnabei weist nach, daß es sich nicht eigentlich nm einen opfernden Augustus handle. Vielmehr stellt die Statue mit der über den Kopf gezogenen Toga den Kaiser einfach bei irgend einer ainklichen Funktion dar, wie denn hervorragende Persönlichkeiten der Antike bei derartigen Anlassen stets die Toga über das Haupt zu ziehen ' pflegten (vergl. die Reliefbilder von Augustus, Etaudius und Agrippa'aus der Ara Pacis). Ter etwas leidende Gesichtsausdruck läßt darauf schließen, daß Augustus nach der Krankheit dargestellt ist, die ihn m seinem vierzigsten Jabre befiel und von der ihn Antonius Musa heilte. Es ist, erklärt Professor Barnabei, das einzige gut erhaltene Bild des Kaisers Augustus, das auf uns gelangt ist — also auch das ernzig wahre.
~ ~ lieber Hausmusik im Konzertsaal spricht Pros. E. Säubert tm letzten Hefte von Heber Land und Meer, wobei
a meint: Wer jemals ein Streichquartett in einer Familie hat, wo ein paar gute Bekannte still in sich gekehrt den Metern mit innerer Sammlung lauschen, nürd zugeben müssen, üag uteje Musik alsdann weit mnerlichLr in der Stimmung winkt
Em Maier der Romantik.
Eduard Jacob von Steinle, her vor einem Jahrhundert, am 2. Juli 1810, zu Wien geboren wurde, ragte zwar noch in die Seit hinein, die wir gewohnt sind, die moderne zu nennen, er blieb eper zeitlebens wie fein, zweiter auf dem Gebiet der Malerei der Sscrtreter jener romantischen Stimmungen, die das Deutschland der dreißiger und vierziger Jahre im 19. Jahrhunderts beherrschte.
war der Sohn eines tüchtigen Graveurs und erhielt feine erfte Ausbildung auf der Wiener Akademie, wo damals die akademische Richtung herrschte, deren Repräsentant Füger war. Mit Sege-ifterung hing der junge Steinle dieser Richtung an da brachte ihn ein Zufall mit dem eben aus Rom zurückgekehrten Maler Kiwpelw.efer in Verbindung, der ihn von seinen ersten Idealen adbrachte imb zu einer Studienreise nach Rom bewog Dort geriet Steinle in den .Kreis imb Einfluß Philipp Veits und Overbecks, und noch 1884, wenige Jahre vor feinem Tobe, schreibt er über den völligen Umschwung seiner Kunstanschauungen: „Es war eine Fügung Gottes, die mich so frühe aus der Richtung Fügers heraus rohren wollte, und daran hat der Glaube und die Enennlnis oes hohen Wertes der mittelalterlichen Kunst angerecht."
Die mittÄalterliche Kunst ober vielmehr die Stimmung, die er ro ihr chnd, blieb seit feiner ersten römischen Zeit auch wirklich fern >5deal. (fr folgte damit nur dem allgemeinen Zug der Zett, die von d^ui^klassischeu Ideal nichts mehr wissen wollte und rn romantischem Schwärmen Mysterien suchte und sie im Mittel- ■5' a ’ . Mittelalter, über das man mir geringe histo- ^iüh^ - tenntttts hatte, wurde fast von der gesamten Romantik sehr wchekttv und gewissermaßen geschichtslos ausgelegt Auch Mn .rtentfe, Seine mittelalterlichen Figuren, so gut sie in der Zeichnung aus) fein mögen, haben alte etwas vom Theater, wie la da.- -'Atttelalter der, Romantik überhaupt oft ein auf der Bühne gesplettcs zu fein scheint. Zu dem romantischen Hang der Zeit gehörte auch eine bewußte Vertiefung in den Glauben, und auch in Mer Beziehung wurde Steinle ein Repräsentant feiner Epoche Sie Rainen feiner Lehrer, Overbeck und Veit, bürgen dafür. In Rom entwarf -steinle zwei Fresken für die Kirche St. Trinitü der mnrlc, kehrle 1830 mich Wien zurück, fand aber hier jahrelang reim genügende Beschäftigung. 1837 kam er nach Frankfurt, das damals für die Malerei von Bedeuttuig war Tort «HE er tne ersten größeren Auftrage- Ausmalung der Schwß-
5tudentenexzefse in Lemberg.
Lernb erg, 1. Juli. Äks heute in aller Frühe über .300 ruthenische Studenten ohne Erlaubnis des Rektorats den Saal der Universität besetzten, kam es zu einem Handgemenge mit polnisch en Studenten. Der Amtsdiener wurde verwundet, das Universitätsgebäude von der Polizei besetzt und niemand weder aus- noch eingelassen. Der Staatsanwalt und der Untersuchungsrichter begaben sich in die Universität. — Nach einer amtliches Darstellung der Vorgänge in der Universität ist, wie durch eine Zeugenaussage festgestellt wurde, der erste Schuß auf der Seite der Ruthenen gefallen, worauf der Rüthens K o ck e am Kopf getroffen wurde. Die dann eindringenden Polizeimannschasten trennten die Kämpfenden und schlossen einen großen Tell derselben in den Hörsaal ein, während die übrigen provisorisch vernommen wurden; die Mehrzahl ist aber in Freiheit gesetzt worden. Die in den Saal eingeschlossenen Studenten wurden in Untersuchungsh äst go
nommen. Neun Verwundeten wurde durch, die Rettungsgesellschaft die erste Hilfe zuteil; drei mustben ins Krankenhaus geschafft werden. Einer davon ist am Abend gestorben. In dem Hörsaal, in'dem die Studenten» gefangen gehalten wurden, sind 15 Browningpistvlen gefunden worden.
Die ruthenischen Abgeordneten brachten töt Abgeordnetenhause eine Interpellation ein, in der behauptet wird, daß in Hemberg die polnischen Studenten, welche mit Revolvern bewaffnet gewesen seien, auf die ruthenischen Studenten zwei Salven abgegeben hätten. Durch die Schüsse seien ein Theologe getötet, sechs polnische und ruthenische Studenten, sowie drei Universitätsdiener verletzt worden Die Inter- lellanten behaupten ferner, daß die Behörden, trotzdem ie von den drohenden Vorbereitungen der polnischen Stu- >enten Kenntnis gehabt haben, nichts zur Verhütung der blutigen Ausschreitungen getan hätten. Endlich wird in der Interpellation die Errichtung einer selb ständigen ruthenisch en Universität in Lemberg als einziges Mittel zur Herstellung gesunder Verhältnisse in Galten gefordert.
während Geheimerat Becker die Regierung u. a. gegen den Vorwurf dieses Redners in Schutz nahm, daß sie in der Frage einer Besteuerung der Genossenschaften umgefallen sei. Er wies auch darauf hin, daß die Konsumvereine den Gewerbetreibenden eine schwere Konkurrenz bereiteten und schon deshalb eine Heranziehung zur Gemeindesteuer für Konsumvereine mit offenen Läden durchaus gerechtfertigt sei. Auch die von vielen kleinen Gewerbetreibenden dringend geforderte Warenhaus- und Filialsteuer fand keine Gnade vor den Augen der Sozialdemokraten. — Am letzten Tag nahm die Beratung einen raschen Fortgang und es schien, als pb das Gesetz ganz in der Ausschußfasfung von den Mehrheitsparteien gegen die wenigen sozialdemokratischen Stimmen glatt unter Dach und Fach kommen würde. Da tauchte plötzlich zur allgemeinen Ueberraschung der Abg. Brauer mit einem Antrag seiner Partei auf, die Geltungsdauer des Gesetzes auf nur fünf Jahre zu beschrän^n. Das mußte sowohl der Regierung, wie der Ausschußmehrheit wie ein Schlag ins Gesicht erscheinen. Seit elf Jahren hatten sich die Gemeinden in Hessen und ihre Steuerzahler mit einem Gesetzes-Provisorium behelfen müssen, das von den Ständekammern dreimal verlängert wurde. Und nun, da das Gesetz glücklich angenommen zu sein scheint, nun, da die Mehrzahl der Gemeinden erleichtert aufatmen zu können hoffte, daß in der so wichtigen Frage der .Aufbringung, oer Gemeindelasten endlich stabile Verhältnisse geschaffen werden würden, kommt man mit einem solchen Verlangen. Mit Recht wuvde Dom1 Regierungstische darauf hingewiesen, daß mit einer derartigen zeitlichen Begrenzung des Gesetzes neue Beunruhigung im Lande geschaffen werde und die Regierung ganz außer stände sei, schon nach einigen Jahren wieder ein neues Gemeindeumlagegesetz vorzulegen.
Auch wir sind der Meinung, daß sich im Falle des Bedürfnisses nach einiaen Jahren Aenderungen in einzelnen Bestimmungen des Gesetzes viel besser durch eine Novelle zu dem Gesetz erreichen ließe — wie dies jüngst erst noch beim Fürsorgelassengesetz geschah — als durch die Beschränkung auf eine kurze Irrst. Wenn auch schließlich die Fristdauer des Gesetzes auf sieben Jahre erhöht wurde, so müssen wir doch unser Bedauern darüber aussprechen, daß überhaupt eine zeitliche Begrenzung beschlossen wurde. Da die Erste Kammer schon früher einen Beschluß auf beschränkte Zeitdauer des Gesetzes abgelehnt hat, so ist mit der Zunahme dieses Anttags die Gefahr abermals vorhanden, daß die Gemeindeumlagen-Neuordnung auch diesmal nicht zustande kommen wird. Und hat die Zwecke Kammer zu ihrem seit einem Jahrzehnt vorbereiteten Schmerzenskind wirllich selber so wenig Zutrauen, daß sie sich das Recht Vorbehalten will, nach sieben Jahren eine anderweitige Regelung vorzunehmen?
als rot großen Konzertsaale. Als wahrer Unfug, der sich ut den letzten Jahren immer mehr durchgefetzt hat, erscheinen mir die Liederabende, in denen ein Herr oder Dame mit mehr oder weniger ausgebildeter Stimme vom Konzertpodium auu den Hörern tra paar Stunden hindurch Lieder vorsinget. Der gesamte deutsche wieder,chatz mit seiner reichen Fülle ganz eigenartiger, scharf «y zeichneter Charakterköpfe unserer Tonsetzer ist erst recht für das Haus geschaffen. Als einst ein Stockhausen als der Erste unternahm, Huberts Müllerliebe und WiMerreise, Schumanns Dichterliebe, die Magelonenlieder von Brahms hintereinander im Konzert zu singen, so war das zur Zeit seiner reifen Künftter- Ichaft, kraft deren er jedes einzelne der Lieder seinem Inhalt, seinem ^timmungsgehalt nach in vollendeter Weife auszugestalten vermochte. Und doch gönnte selbst dieser Vorttagsmeister noch anderer Musik Raum in seinen Liederabenden. Aber wenn ein Muges Mädchen, das kaum der Gesanasschule entwachsen ist, wie es leider gar zu oft der Fall ist, sich einbildet, mit einem Lieber--
abende vor die O e f f e n t l i ch k e i t treten zu müssen, sollen Eltern und Lehrer sich entschieden dagegen tvehren. Es ist ia in so vielen Fällen wirllich nur die liebe Eitelkeit, die zum off ent-- lichen Auftreten hindrängt. Und wemi dann die Zeitungs-» berichte den hochgespannten Erwartungen nicht ent- iV^ec?en' da doch am Konzertabende die lieben Verwandten und tfreunbe der Familie, die von den Agentuveri massenhaft herangelotsten Freiberger einen entschiedenen Erfolg, womöglich einen Datäporuf oder eine Ertragabe dilrchgesetzt hatten, dann sind es natürlich wieder die boshaften Kritiker, welche das empor strebende Talent gleich im Keime zu knicken versuchen. Und derselbe Unfug wie mit dem öffentlichen Liedersingen wird mit den Klavier abenden getrieben. Wie oft habe ich es erlebt, daß eine Kvmer-- vatoriumsschülerin, die recht hübsch in der Schulprüfnng abgeschnitten hatte, gleich danach es für durchaus notwendig hielt einen Klavierabend zu geben, und dann durchaus nicht den Erfolg in der Oeffentlichkeit eroberte, den sie erträumt hatte Merkwürdig wie gerade u-ngc Mädchen aus allen Ständen maifenhnfi aufs Konzertpodlum hinaufdrängen, sich durchaus nicht befdierbat wollen un Hause zu bleiben mit ihrer Musik, sie nur als Schmuck des Lebens zu treiben.
™ -n7 ?Hrichten aus Kunst u. Wissenschaft. Ehristine V e b o e l s Zersetzung hat gestern in Wien unvp großer Beteilrgung siattgetunden: der Direktor des Burgtheaters Barou vog Berger, hielt au der GrM ta Gede«ru<d<tt'
Arrr Hessen.
** Laindtaaswahlkreis Stadt Gießen. Wie aus dem Berichte des Gieß. Mz. Nr. 148 hervorgeht, hat der Hessische Bauernbund den in 2. Lesung gestellten Antrag, der Stadt Gießen die zwei Orte Heuchelheim und Wieseck zn- zuteilen, von neuem eingebracht. Wie s. Zt. ist auch diesmal der hiesige N a t i o n a l l i b e r a l e Verein sofort nach Be- lanntwerden dieser Beistrebungen bei der nationalliberalen Fraktion unseres Landtages vorstellig geworden und hat gebeten, den erwähnten Antrag energi'schzubekämpfen und abzulehnen. Z.
R.B. Darmstadt, 1. Juli. Der Gesetz g ebuugS* ausschuß der 2. Kammer trat heute irr Gegenwart beH Staatsministers Dr. E w a l d nochmals zu einer Besprechung über die verschiedenen Vorschläge zur Wahlkreisein'^ teilung zusammen und vollzog alsdann die Wsttmmnng darüber. Zuerst wurde ein Antrag Reh mit vier aeqen zwei Stimmen (Wolf und Fulda) abgelehnt. Dann erfolgte die Absttrnrnung über die Wahlkreiseinteilung nach der Regierungsvorlage, die mit allen gegen die Sttrnrne desj Abg. Reh abgelehnt wurde. Die nattonalliberalen tBoi- schläge für die Wakflkreiseiiiteiluug in Starkenburg wurden darauf mit vier gegen zwei Stimmen angenommen, ebenso die neuen Vorschläge, die Wa. Dr. Wiuller namens der nattonalliberalen Fraktion für Rheinhessen eingebracht hatte. Bei der Abstimmung über die Vorschläge des Bauernbundes in betreff der Provinz Oberhessen sttm.mten drei Ausschußmitglieder dafür, drei dagegen, die Abgg. Dr. Glässing, Reh unb Fulda, doch gab die Sttrnrne des Vorsitzenden Abg. v. Brentano den Ausschlag für diese Vorschläge, deren Hauptpuntt die Zuteilung der Ortschaften Heuchelheim und Wieseck zu den Stadtkreisen Gießen bildet. Da jedoch die Durchführung dieses Vorschlags eine Aendernng des «Art. 3 des eigentlichen Wahlgesetzes bedingen würde, die nur mit einer Zweidrittel- Mehrheit erfolgen könnte, erscheint es sehr fraglich, ob sich die Kammer damit einverstanden erklären wird Die Bauerubündler sollen dem .Vernehmen nach bemerkt haben, daß sie ihre Zustimmung zu dem ganzen Gesetz von der Annahme dieser Forderung abhänaia machen würden. Der Sondervorschlag des Abg. Bach kür anbertoeitige Einteilung in Rheinhessen wurde mit drei gegen drei Stimmen (Wolf, Reh, Fulda) adgelehnt. Der Sondervorschlag des Abtz. Joutz-Butzbach in betreff Butz4 bach-Nauheim fand esnsttmmige Ablehnung.
Die Beratung bts hessischen Gememdeumlagengesetzes.
Es ist der Zwecken Kammer der Landstände glücklich gelungen. in sechs Sitzuugstagen die Beratung über die Regierungsvorlage, die Reform der Gemeindenmlagen, zu beendigen und damit fürs evste ein Gesetz zum Abschluß zu bringen dessen Zustandekommen schon seit Jahren erftrebt wurde mb cm dessen gerechter Ausgestaltung alle Greife der Bevölkerung in weitem Maße interessiert sind. Die dreitägige allgemeine Besprechung in der vorigen Woche ist ruhiger und int allgemeinen befriedigender verlausen, als S bei der großen Schwierigkeit der ftaglichen Gefetzes-
rie und vem lebhaften Widerstreit der Interessen bei Fe>stsetzung der einzelnen Besteuerungsarten zur Aufbringung der Gemein de lasten hätte erhoffen dürfen. Am ersten Tage nahm der neue Finanzmtnister Dr. Braun Gelegenheit, in einer sachlichen und sehr fteundlich au fg en o mm en en Darlegung die Stellung der Ministerien des Innern und der Finanzen näher zu kennzeichnen und zugleich die Hauptmomente in der Enttoickelung des hessischen Gemeindesteuerwesens geschickt darzulegen. Seine Ermahnung an das Haus, die Neuordnung der Gemeindeumlagen durch neue Grundlagen des wirtschaftlichen Lebens der Gemeinden zu sichern und mit ehrlichem Wollen und Können am die Lösung der wichtigen Aufgabe heranzutreten, fand bei der aufmerksamen Zuhörerschaft lebhafte Zusttmmung. Auch der Berichterstatter, Abg. M o l t b a n, dessen sachlicher Bericht allgemeine Anerkennung ftndet, wies auf die Vorteile der neuen Vorlage gegen die bisherige Gemeindebesteuerung hin und em-feahi in eindringlicher Weise die Annahme der Ausschußbefcblüsse, die auch Abg. Reinhart als Äus- schußvorsitzender kurz befürwortete. Der bei Steuerftagen in der nationalliberalen Fraktion stets eine Sonderstellung einnehmende ?tbg. Schönberger vermochte nicht, die Kammer mehr als den Ausschuß von der Richttgkeck seines Standpunktes zu überzeugen, der in der Hauptsache darin gipfelt, daß der staatliche Besteuerungsmodus anch auf die Gemeinden übertragen und der Schulden ab zu g gestattet werden müsse. Dann tarn Abg. Ulrich an die Reihe, der nach alter Gewohnheit weck ausholte und dabei zu beweisen r>er,uchte, daß das neue Gesetz die Besitzenden enttccste, die Minderbemckte''ten aber mehr betagte. In äußerst wirksamer und sachlich überzeugender Darlegung wandte sich dann am folgenden Tage Geheimerat Dr. Becker, gegen diese ungerechtfertigte Ulrich'sche Behauptung. Er stellte fest, daß der Redner auch nicht den geringsten Beweis für seine Ansicht beigebracht habe und ferne ganzen Pläne und Vorschläge zur Ausbringung der nun einmal notwendigen Gemeindelasten Utopien und undurchführbar seien. Die schlagende Widerlegung der Ulrich'schen Utopien unter Anführung zahlreicher Beispiele aus dem eigenen Wahlkreis des Redners bildete den Schluß der ganzen Aussprache. Von den Rednern des Hauses hatte schon der Wortführer! des Bauernbundes, Abg. Brauer, eine Anzahl treffender Einwände gegen die Ansichten des Abg. Ulrich erhoben. Noch überzeugender tat dies Abg. Dr. Osann.
In der Einzelberatung nahm die Frage der Steuerfreiheit der landwirtschaftlichen Oekonomiegebäude, die von agrarischer Seite als das Mindestmaß der Forde- 1 rung für die Zustimmung zu der Vorlage bezeichnet wurde, und die Besteuerung der Konsumvereine mit offenem Ladengeschäft den breitesten Raum ein. Die letztere Frage rief namentlich den sozialdemokratischen Abg. Raab auf den Plan, der den Konsumvereinen ein Loblied sang und sich gegen ihre Besteuerung ereiferte. Er wurde dckbei vom t>lbg. Dr'. G u t f l ei s ch unterstützt, der an der Lebensfähigkeit her deutschen Genossenschaften nicht gerüttelt haben wollte, ।
Erstes Blatt 160. Jahrgang Samstag ».Juli l«10
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