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Erstes Blatt
Nr. 52
160. Jahrgang
Donnerstag 3. März 1910
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WGletzener Anzeiger 'är di« Redaktion 112, *äSä General-Anzeiger für Oberheffen Annahme von Anzeigen " '
<ür oic Taaesnummer NolationLdrnck und verlaa der vrüdl'fchen Univ.'vuch: und Steinöruderei K. Lange. Redaktion, Expedition und vruderei: Zchulstrahe 7.
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Bezugspreis: monatlich 75'13i.,üiertd- lährlich Mk. 2.20. durch 21bhole* u. Ziocigftellen monatlich «io Pf.; durch die Poft Mk.2.-oiertel- jährl. ausjchl. Bestellg. Zellenpreis: lolallbPf., auswärts 20 Pfeimiq. (SbeftebafteuT: A Goey. Verantwortlich für den oolitischcn Teil: Auquft Goetz; für „Feuilleton" und.Vermischtes' ft. Neurath: für „Stabt u. L'anb“ und „(Sevidite- jnal": E. Heß; für den Anzeigenteil: H. Beek.
Die heutige Nummer umfatzt 10 Seiten.
Das Ende der Briefmartc?
Die bayerische Po st Verwaltung hat eine für das Schicksal der Briesmarre höchst bedeutungsvolle Verfügung getroffen. Danach können — zunächst versuchsweise — Briesseudnitgelt jeder Art an Stelle der Briefmarken seitens der Pvil mit einem sog. Frantostempel versehen werden, der das bezahlte Franko und die Aiifgabezeit gleiche zeitig zum Ausdruck bringt. Das neue Verfahren, das mit dem 1 Februar b I. in «Taft getreten ist, beschränkt sich vorläufig aus Massen Bri e f s e n d u n gen, die bei.den Postämtern 2 in München und Nürnberg nach innerhalb Deutschland zur Auflieferung kommen, welche bann Je nach dem Franrowert mit einem roten oder grünen Stempel bedruckt werden. Mit der Einführung des Bar fr an- kierungsv erfa hrens Hal nun auch in Deutschland eine Einrichtung Eingang gesunden, die bisher mit in einigen Staaten Australiens und unter gewissen Beschränkungen für einzelne Gattungen von Briefsendungen in England, Frankreich und Italien in Anwendung war.
Den zweisellvs vorhandenen Vorteilen des neuen Verfahrens steht, jo schreibt die „Volksw. Karr.", eine Reihe von Nachteilen gegenüber, die der allgemeinen Einführung der neuen Einrichtung nicht gerade das Wort reden. Zunächst ist mit der Einführung des Frankostempels daS zeit raubende Ausliebeu der Briefmarken in Wegfall gekommen, was gerade bei Massenauflieferungen sehr ins Gewicht fällt. Sodann wäre das Bercithalten von Briefmarken in größeren Mengen, deren besondere Verwahruno und Verrechnung nicht mehr erforderlich, worin sicher ebenfalls gewisse Erleichterungen für Geschäftshäuser und Personen mit großem täglichem Briefversand erblickt werden müssen. Ferner wird aus ber geringeren Herstellungszaht der Freimarken ein materieller Vorteil für die Post entstehen, eine Ersparnis an Arbeitskräften für die Verrechnung großer Briefmarken bestände, und es kommt in Fortfall die umständliche Weiter gäbe und Uebernahme derselben von Hand zu Hand und das nicht seltene Unbi auchbarn erden einzelner Freimarken. Daß der häufige Abfall der Briefmarken aus geglätteten Briefumschlägen und der Umlauf von Briefmarken als kleines Papiergeld, sowie die Fälschung von Freimarken gleichzeitig unterbunden wäre, ntug nebenbei erwähnt werden. Der Hauptvorzug für die Post muß aber darin gesehen werden, daß die" Auflieferung der betreffenden Senoungen in wohlgeordneter, zeitlich gleich- und regelmäßiger Weise erfolgen wurde, was auch eine Entlastung der Briefkasten im Gefolge hätte. Die Ausnutzung elektrischer und auto- matiijfier Stemvelmaschinen könnte viel rationeller betrieben werden, weil der Stempelanfdruck deutlicher und nicht mehr an in er bestimmten Stelle — aus den auf- geklebten Freimarken - angebracht werden müßte.
Daß bei der Neuerung das Postreservat einzelner Bundesgebiete, namentlich der bayerische Leu, nach außen hin nicht mehr in Erscheinung tritt, darf bei aller Hochachtung des föderativen Charakters des Deutschen Reichs doch wohl als angenehme Nebenwirkung des Barfrankie rungs verfahrens augefvrochen werden. Au Mängeln dagegen hat dasBarfrantierungsfyftem aufzuweisen, daß, während die Prüfung der entrichteten Brieffrantatur durch die ctufgeklebte Freimarke sich ohne weiteres regelt, die Barentrichtuug des Frankos äußerst umständliche und peinlich genaue Nachprüfung der aufgelieferten Stückzahl^der Briefsendungcn erfordert. Der Annahmebeamte der öem düngen muß die vom Absender namhaft gemachte Stückzahl nachprüscn, für die Stempelung weitergeven und nach Vollzug derselben muß ein dritter Beamter deren richtige und ordnungsgemäße Weitergabe bestätigen. Dieses höchst komplizierte Verfahren tst absolut unerläßlich. Durch dieses Kontrotlsystem entstehen aber nicht unwesentliche Aufenthalte in der Versendung der betreffenden Sendungen, ganz abgesehen von den besonderen Stoßen für die Ausübung solcher .Kontrolle. Bei dem Umfang, den der Massenverkehr mit Drucksachen allmählich angenommen hat, würde^etne dreimalige oder auch nur zweimalige Zählung der Stückzahl zuzeiten geradezu unmöglich sein. Es widerspricht aber der staatlicherseiis gepflogenen Wahrnehmung des fiskati- jchen Interesses, bei Massensendungen weniger peinlich oder weniger sicher für die richtige Vereinnahmung zur Post- tasfe schuldeiider Beträge zu verfahren, als dies im Einzelfalle geschehen muß. Dabei wäre eine so absolute Zuver- lässigteit wie bei der Markenfrantierung bei aller Ehrlichkeit und allem guten Willen der beteiligten Beamten doch nicht zu erreichen, meif unvermeidliche Irrtümer nach der Abstempelung nicht mehr entdeckt werden tonnten, während die Martenfrantatur vis zur Auslieferung an den Empfänger unter Äontrolle steht.
Durch unzuverlässiges oder auch nur nachlässiges Verhalten einzelner Beamte: bei der Annahme, Weitergabe ober Abstempelung ber Massensenbungen entstunden ohne Risiko sür die betr. Beamten unter Umständen recht iveseut- liche Einnahmeaussälle zum Schaden für den Fiskus. Der Aufgeber dieser Sendungen aber ist an gewisse Zeiten gebunden, muß die Auslieferung hei bestimmten Postämtern und Annahmestellen und nichl durch die Briefkasten vornehmen, er muß sie ab gezählt und abgebunden zur Aus liefernng bringen und hier deren Nachzählung abwarten, so daß 'auch sü» ?>as Publikum wesentliche Nachteile aus dem neuen Verfahren zu erwarten sind.
Tie Ersayrnngen, die in anderen Ländern, England, Belgien und Frankreich, mit dem Barfranlierungs- oersahren gemacht wurden, sind keineswegs ermutigende." Mau muß. cs deshalb der bayerischen Poft-, Verwaltung als ein nicht zu unterschätzendes Veroienst anrechnen, das; sie trotzdem sich entschlossen hcu, wenigftens
Versuche mit der Barfrankierung zu machen, die mit der Zeit vielleicht durch automatische Zählvorrichtungen oder andere Vorkehrungen sich lohnender gestalten mögen.
Der neue Heichstagspräfiöent.
Graf Hans Axel von Sch worin-Löwitz, ber neue Reichslagsvräsldent, ist am 19. Mai 1847 zu Schwerinsburg in Pommern geboren. Er besuchte baS Franzöüscho Gymnasium in Berlin unb trat 1865 in daS Halberstadter Kürassicrreginient ein. Sowohl an dem Feldzüge von 1866 wie an dem von 1870/71 nahm er mit Auszeichnung teil und erwarb sich das Eiserne Ärenz. Im Jahre 1881 nahm er als Rittmeister den Abschied unb roibmetc sich fortan ber Verwaltung seines großen Besitzes, besonberS bos Gutes Löwitz im pommerschen Kreise Anktam. Seine großen praktischen Erfolge als Landwirt, zumal in der Moorkultur unb Viehzucht, verschafften ihm bald ein hervorragonbeS Ansehen unter seinen Berussgenoffen; er ist seit einer Reihe von Jahren Präsident des doutschen Landwirtschastsrats und führt den Vorsitz im preußischen Landesökonomielollegium uns in der Lanbwirtfchastskammer für Pommern. Seit 1893 gehört Gras Schwerin bein Reichstage, fei’ 1897 dem preußischen Abgeorbnetenhause als 'DHtglieb ber konservativen Partei an. Jin Reichstag vertritt er den Wahlkreis Anklam-Demmin. -— Graf Schwerin vermählte sich 1878 mit Fräulein Mario bon Gerstenberg, Edlen von Zech. bei Tochter eines alten» vurgischen StaatLministerS. Die Ehe blieb kinbcrloS.
Aus dem englischen Unterhaus.
London, 2. März. Im Unterhaus stellte Lough (Liberal) den Antrag auf Reduzierung des Haushalts und sagte: Alle alarmierenden Behauptungen des verflossenen Jahres seien zerstreut; Premierminister Asquith habe im März vorigen Jahres erklärt, Deutschland werde im April 1912 17 Dreadnoughts besitzen. Balfour habe diese, Zahl für den Monal August 1912 auf 25 beziffert und dabei einen heftigen Angriff auf eine befreundete Großmacht gerichtet. Nur um dem deutschen Flottenprogramm zu begegnen, habe die engt. Regierung die in ihrem jetzigen Haushalt enthaltenen Schiffe, vorgesehen. Deutschland habe sich Mühe gegeben, um England nicht nur durch den Mund des Chefs der Admiralität," sondern auch durch feinen Botschafter selbst zu versichern, daß die Absichten gänzlich mißverstanden toarbeit seien. Dies war, so sagte Lough weiter, ein höfliches unb freundliches Wort. Wir hatten kein Recht, es gering zu schätzen. Wir haben es nicht nötig, Millionen gedankenlos weg zu werfen. Deutschland konnte seine Dreadnoughts nicht so schnell bauen wie wir. Wir hätten es 1912' wohl nur mit 13 Dreadnoughts zu tun gehabt. Schließlich tadelte der Redner die Regierung, daß sie nicht langsamer vorgehe: er hätte gern eine höfliche Antwort auf die Erklärung Deutschlands gesehen.
Admiral Beresford erklärte, es sei die Wahrheit gesagt worden, als man im März vorigen Jahres erklärte, daß'für das Land eine Krise in der Geschichte feiner Marine gekommen sei. Man sollte von den Deutschen immer nur mit großer Hochachtung sprechen und nichts sagen, was Erregung Hervorrufen könne, dann Deutfch- land tue nur, was zu tun es vollkommen berechtigt sei. Beresford bedauerte bann, daß die Etatsansätze zu gering seien, baß. England zu lang,am vorgehe mit dem Bag von Torpebobootszerstörern und baß diese Schiffe für die Nordsee nicht geeignet gebaut würden.
Barnes (Arbeiterpartei) erklärte, er werde für den Antrag Lough stimmen, da er der Ansicht sei, baß. die alarmierenden Erklärungen des Ministers und der Mitglieder der Opposition im vergangenen März unwahr unb ungerechtfertigt gewesen seien.
Im weiteren Verlaufe erklärte ein Regierungsvertreter, die Regierung habe nicht den Wunsch, Dreadnoughts zu bauen aus rein kranlhaftem Vergnügen daran, aber sie müsse für die Sicherheit ber Nation im weitesten Umfange Sorge tragen. Schließlich zog Lough seinen Antrag zurück; der Haushalt wurde ange- n o mmen.___________________________________
Aus den Reichstagsausschiiffen.
:: Berlin, 2. März.
Im Budgctaus schütz wurde heule bi Beratung des Kapitels Kmutfchou forme setzt.
Beim Kap.tel Militärverwaltung erhebt ein svzial- demo kroli scher Redner Iran neuem die Frage, ob man nicht die Besatzung von Urauisck-ou ganz zurückziel>ni solle. Der Staats- fcL'icfir bemerkt dazu: Die Chinesen sehen den Nutzen bi-3 deutschen Kcantschous immer mehr ein. Ein Port Arthur wolle man nicht fd asten, aber das jetzige Minimum an Truppen sei nötig. Eine Reduzierung der Besatzung würde als Anfang des Rückzuges über- bamrt angefeheu werben. Oiegen chinesische Unruhen reichten bic Truppen unb Anlagen zudem burdxiue aus. Miautid -u gebe Dein Reiche eine Stellung in .Oslafien, bic für den Handel von größtem Einfluß sei, eine Chance für b.e Beteiligung am wirl- sckacklidien Aufschwung. Von natumallideraler Seite wirb ans- creführt, das. ein: weitere Schwächung der Besatzung nicht möglich sei. Ter Hansl-alt für das Marinedctachement sei ganz verschwunden. Die pr-oduktiven Ausgaben müssen den Erfolg bringen, dast die Einnahmen road,ien. Im Verlaufe ber weiteren Beratung sagt die Verwaltung aus den einmütigen Wunsch des Ausschusses eine Stdlenberminberung bei ber .Intendantur für das .nächste Jabr zu. Es wird bic Stelle eines Finanzbirektors angeregt. — Weilerbcratung am Donnerstag.
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Ter verstärkte Geschäftsordnungsausschuß ver- lumbclte am Miltwvch über ben § 35 ber 6)eid)ärt^orbnung betr. Die Feststellung der 2agcstirbnung, die Verhandlung der Jnitialw- anträge unb Bittschriften. Zu Besttzüsfen kam es noch nicht.
Der I u st i z a u s s ä) u ß des Reichstags führte Du* Beratung des Erprcssungsparagraphcn der Strajredusnovcllcn fort unb verbanbelte namentlich über einen Antrag bec Jen krums, ber den Begriii ber Drohung einzuschrünken suchte. Ter Antrag würbe mit Rücksicht barani abgclclml. Daß gelegentlich einer cugbegrenzten Novcllengesetzqebimg und ohne auf benad) barte 18erbrcd)cne-1atbcftänDe Rücksicht zu nehmen, ber Begriff der Ervressnng nickt entsckeidcnb geändert werben könne. Hier auf wandte man fick zu dem Boridilag des Entwurfs, bei übler N a ck r c d c in gewissen Fällen ben Wahrheit» b c w eisauS zuschlicßen. In erster Sefung war bic Regierungsvorlage mit unwesentlichen Acnderungen angenommen worden. Zur zweiten Lesung lag ein neuer Regieningsvoischlag vor, der '?lnreguitgen aus dem Aiissäiuy entfvrechenb mit Geldstrafe, Haft ober Ge fängnis benjenigcu bestrafen wollte, ber red)tswidrig bett Frieden des Privatlebens anderer bnburd) verletzt, das; er ösfentlick ober btnck Verbreitung von Schriften, Abbilbungen ober Darstellungen, Mitteilungen über besten persönliches, hättsliches ober Familien leben macht. Dieser Vorsd)lag würbe abgelehnt. Desgleichen würbe ber in erster Lesung gefaßte Besdiltist gegen bic Stimmen der Uvnservativctt, Freikonservativen und s)intionnHibcralen unb einigen Zentrunisstitnmen abgele h n t. Alle weiteren auf bie Beleibigntig bcjüglidieu Vorschläge des Entwurfs mürben gleich falls nhgelehnt. Es bleibt s o in it bezüglich der Bc - leidig u ng beim geltenden Rechtszustand.
Zins ßefien.
Der Abg. Haas beantragt, das Landeskrieger-' dentmal in Darmstadt, das vor dem früheren Zeug Haufe stand und bei der Errichtung eines neuen Prachtbaues für Musenmszivecke anstelle des alten Zeughauses aus einen ungeeigneten Platz versetzt morden sei, wieder zu verlegen und dem Landtage die erforberließe Vorlage zu machen.
Der Abg. Dr. G l ä s s i n g beantragt: Die Zweite Kammer wolle den Gesetzen über den U r kun d e nstie rn p el, des Notariats- und K o st e n w e s e n S eine Bestimmung beifügen, welche Eigenkuntsveränderungen von den Kopcu befreit, sofern die Beteiligten ans Gründen des öffcntlichen Wohls den Veränderungen sich zu unterwerfen haben.
Die L a n d t a g s c r s a tz w a h l für das ausgeschiedene Landtagsmilglied Dr. Pagen stech e r wurde auf Donners tag den 10. März anberaumt.
Deutsches Reich.
Am Mittwod> abend fand beim Ä a tferpaare iml Weißen Saale des Königlichen Schlosses Hnskonzert statt, zu welchem ungefähr 550 Einlabungcti ergangen waren, u. a. an daS^diplo mackschc Korps, Mitglieder des hohen Adels, Minister, Staats fefretäre ustv. Während der Pause zeichnete bas Kailervaar zaht rrirt;e Anwcfenbc burd) Ansprachen aus, itiöbcipiibcrc auch Mit- gliiber bes biplomatischen Korps. An bas Konzert schloß sich ein Souper.
Wie bas ,.Berl. Tgbl." wissen will, sind bic Regiments- dammandeure der 2 in i enrcg imen t e t aller Waffengattungen durch bas Militärkabinett aufgeiorbert worden, re einen bürget. Ti,d>< n Offizier namhaft zu mach.'u, ber sich für die 93c r f« tz ung in bie Garde eignet.
Ter Entwurfüberdi e Verlängerung des deut sich- f d it cdischcn Handelsvertrag es ist dein Reichstage am Mittwoch zugegangen. Ter Entwurf fchiägt vor, ben zurzeit gcl lenden Handelsocrtrag zwischen Teutschland unb Schweben bis . um 1. Dezember 1911 zu verlängern. Ein bahingehenber Entwurf ist vom'schwedischen Reichstag kürzlich verabschiedet war ben. Tem Entwurf bürste auch vorn beutschen Reichstage ohne Ansfdmtz-Beratnng zugestimmt werden.
Am 11. Mai treten etwa 100 Mitglieder des Zentral- Verbandes der deutschen Veteranen- unb Kriege r - bü n b c v o n Nordamerika aus eine Deutschlanbfahrt an. Sic werden der Ftuhjahrsvaradc auf dem Tcmvclhofcr Felde beiwohnen und die größeren Städte Deutschlands besuchen.
Tic VePiandlungen der konictvalivcu Parteien, des Zentrums imb der Nanmallibetalcn über einen V c r m i 11 l n n g s a n t r a g zur preußi scheu W ahl r c cti l s v o r la g c haben aud; am' Mittwoch fortgebauert. Bisher ist, so wird uns aus Berlin geschrieben, eine Einigung nach nicht erfolgt, doch hofft man bis Tonncrstoq eine Form gefunben zu haben, bic als Basis für bie 'Weite Ansüluß-Lcsung benutzt werden kann. Tic Hauptschwicrig Feit besteht darin, daß bei Beibchaltting bet indirekten Wahl birrd)meg die geheime Abstimmung beschlossen werden müsse, wenn ein Block von tzeydebrand bis Friedberg gesdulostcn werden soll. An der Beibehaltung der inbiretten Wahl stößt sich aber nach wie vor bie Regierung. Ob sie auch gegen bic geheime Wahl ihr Bottmi abgeben wirb, steht noch nicht fest. Im allgemeinen ist die Mehrheit d.S Ausfd usses aber zuversichtlich, lieber bie Art des Dermittlungsvvrschlags wirb Stillschweigen beobachtet.
Dem Hamburger Bürgermeister Tr. Burchard ist zu seinem 25 jährigen Jubiläum als Senator folgenbes Telegramm des Kaisers zugegangen:
Eurer Magnifizenz spreche ich zu bem heutigen Lage, an dem Sic vor 25 Jahren bie mit so reich ein gekrönte
Tätigkeit als Mitglicb bcs Senats ber Freien Hanscstäbt Ham bürg begonnen haben, herzliche Glückwünsche aus. Möge eS Ihnen noch lange vergönnt sein, Ihre wcrtt'ollcn Dienste bem Wohle des Reiches und Ihrem Heimatstaate zu widmen.
2luslcrnd.
Dor Landesaiisschust in Prag beschloß rücksichtlich der Notlage ber Landes stnanzen, 280 Irre aus ben Landesirrenanstalten zu entlassen. Es handelt sich um nicht gemeingefährliche, leichte Kranke.
Tas österreichische Herrenhaus nahm das Dkekru tcn-Kv^tingcnl in allen Lesungen an. Im Lause ber Besprechung begrüßte (fwaf Latour die Anbahnung frcunbsd-cistlidn'r ziclnmgni zu Rußland, mit dem Dcftrrmd;. Ungarn durch dynastische Bezielnmgcn Erinnerungen an nationale Bündnisse und Waffen- brudersch/ast verbunden sei.
Wie ans Petersburg beridüct wirb, überreichte ber König ber Bulgaren dem Kaiser Nikolaus als erstem Ritter des ncitgegrünbeten Chrillus-NLethobiumsordens die Kette dieses Ordens.
Präsident Taft erliest bic Proklamationen, welche 36 Läw bem die Minimalzölle ein räumen, unter ihnen auch samt lichen deutschen Kolonien.


