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27.8.1910 Erstes Blatt
 
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Samstag 27. August 1910

160. Jahrgang

Erstes Blatt

Gietzener ZMgek

Die heutige Nummer umfatzt 12 Seiten.

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Mr bie r°g-rnumm-r Kofatiottsöntd und Verlag der vrühl'schen UnIv.'Vuch- und Ltelndruckerel R. Lange. Redaktion, Lrpedition und Druckerei: Schulstrahe 7.

dis vormulags y uyr. ___

Wort und Schrift in gewissem Siirne ein Modernist. Bei : allem, was er schreibt, hat man den Eindruck, als wolle er nicht restlos alles sagen, was er denkt. Ebenso geht der Straßburger Professor Dr. Martin Spahn nicht überall mit durch dick und dünn, wenn er auch in Augsburg die geistliche Schulaufsicht pries. Der erregte Streit über den Borromäus-Hirtenbrief hat genugsam gezeigt, daß es viele besonnene Katholiken gibt, die jene Nebechebung geistlicher Pharisäer über anders Gläubige verurteilen, wenn auch auf dem Katholikentag das bedauerliche Vorkommnis nur behutsam erwähnt und von dem Präsidenten gar mit ernsten Mahnungen" an die mit Grund empörten Pro­testanten höchst unbillig umgedeutet worden ist. Herr Bachem aber hat, während bei der Augsburger Parade die Disziplin im Glauben gezeigt wurde, gleichzeitig im Tag" wieder einmal den Vorhang über den inneren Vor­gängen gelüftet. An der Hand eines Aufsatzes von Prof. Mausbach, dem Münsterer Moraltheologeu, weist er seinen Gegnern von derB-erlin-Trierer-Richtung" schwerwiegende Irrtümer nach.Alles wahrhaft Natürliche ist wahrhaft gut, alles wahrhaft Gute ist katholisch. Das ist die Uni­versalität, die Weitherzigteit des katholischen, d i. uni­versalen Gedankens." So hatte Kaplan Schopen, Bachems Widersacher, stn einer Streitschrift dieeinzige Geltung des katholischen Külturideals" begründet und er würde damit in Augsburg zweifellos des stürmischsten Beifalls sicher ge­wesen sein. In den stillen Gelehrtenstuben erwachen aber ob so absonderlicher Logik doch Zweifel. Herr Bachem schließt sich dem Ausspruche des Professors Mausbach an: Hier werde mit dem Worte katholisch ein Spiel getrieben, das bis zur Absurdität gehe."

Der deutsche Kronprinz hat bei den Königsberger Pro­fessoren sich zum Dolmetsch von Wünschen der deutschen Jugend gemacht:Dabei ist uns nicht damit allein ge­dient, die Schwächen und Mängel unseres Landes zu kennen, denn diese Erkenntnis führt leicht zu Verdrossenheit und unfruchtbarer Kritik, vielmehr sehnen wir uns nach der Betonung unseres deutsch-nationalen Volkstums im Gegen­satz zu internationalisierenden Bestrebungen, welche unsere gesunde völkische Eigenart zu verwischen drohen." Wir habens schon so herrlich weit gebracht, daß ob dieses so natürlichen, bescheiden vorgetragenen Wunsches, der gerade einen jugendlichen Thronfolger ziert und sympathisch macht, einzelne vielgelesene Blätter Deutschlands in ängstliche Sorge und hämische Kritclei verfielen. Selbstverständlich sott der freie Weg der Wissenschaften nicht durch irgend welche Selbsttäuschungen vernebelt werden, aber läßt sich der kronprirrzliche Wunsch nicht schon in der Aufstellung der Lehrpläne zum Teil verwirklichen? Kann in den Vor­lesungen deutscher Geschichte und Kulturgeschichte, deut­scher Kunst und Literatur etwa nicht der studierenden Jugend das Herz für unsere völkische Eigenart geöffnet werden? Und sind die internationalisierenden Bestrebungen nicht mit Händen zu greifen? Brauchte es z. B. eines Weltkongresses für freies Christentum, auf dem unsere deutschen Gelehrten die Stufen zu einem ungeordneten Tummelplatz von Meinungen und Bestrebungen herabzu­steigen sich bequemen mußten? Können die deutschen Pro­fessoren zur Reinhaltung unserer Sprache und Beseitigung der Fremdbrocken nicht ganz besonders beitragen? Aber dasBerliner Tageblatt", das Organ des Ausländertums, das sich getroffen fühlen mußte, weil es unserevölkische Eigenart" grundsätzlich bemäkelt, glaubte an den Kron­

prinzen seine vorlauten Spötteleien richten zu dürfen. Das hat ihm von allen Seiten wohlverdiente, schürfe Absertv- gungen eingetragen.

Weit größeres Aussehen als die Worte des Kronprinzen wird eine lange programmatische Rede des Kaisers Her­vorrufen, der am Donnerstag bei der Abendtafel in Königs­berg aus der Zurückhaltung, die er sich seit nahezu 2 Jahren auferlegt hatte, sebr lebhaft wieder hervorgetreten ist. Seine Anschauungen sino demnach ganz die alten geblieben, und er bekannte sich in geschichtlichen Rückblicken zu der oft ge­äußerten Idee vom Gottesgnadentum seiner Krone, wobei er eine sehr scharfe Spitze gegen seine Kritiker vom No- oembersturm her richtete, betonend, daß er ohne Rück­sicht auf Tagesansichten und Meinungen seinen Weg gehen werde. Das neue Bekenntnis wird man nicht ohne Sorge vernehmen, der Königsberger Jubel hat den Kaiser offenbar leide wieder an der wahren Stimmung des Volkes irre gemacht, 'imbi der größte Teil der deut­schen Presse wird mit ernsten Vorstellungen sicher nicht zurückhalten. Die Kaiserrede enthält eine Anzahl guter und beifallswerter Gedanken. Daß wir unsere Rüstung, lückenlos erhalten müssen, ist jedem Vaterlandsfreunde klar, und wenn auch die dynastischen Verdienste vom Kaiser wieder gar zu überschwenglich erhoben werden sind, so darf man sich doch des begeisterten, rednerischen Schwunges freuen, mit dem der Redner seiner Ahnsrau, der Königin Luis« gedachte. Auch die Folgerungen, die daraus für Frauen­beruf und Frauenarbeit gezogen wurden, werden nur in der radikalen Volksschicht und Presse auf Widerspruch stoßen, dort nämlich, wo man vor unserer völkischen Eigenart scheu sich die Augen verschließt. Es mag nur auf ein treffendes Wort des Königsberger Weisen, dessen Geist in diesen Tagen vielfach wieder heraufbeschworen worden ist, hingewiesen werden, das so scharfsinnig die Frauenseele beleuchtet:Es ist merkwürdig, daß das weibliche Geschlecht'in Ansehung dessen, was das gemeine Beste betrifft, völlig gleiche giltig sei, daß, ob sie glejich nicht immer in Ansehung einzelner Personen, die sie kennen, lieblos sind, doch die Idee vom Ganzen ganz und gar ieine bewegende .Kraft Hai- So lange das noch unangetastet bleibt, was ihre besondere Neigung interessiert, so sehen sie den Laus der Dinge, wie er geht, ohne daß es sie anficht. Sie waren nicht geschaffen, um an dem ganzen Gebäude Hand anzw» legen, und sehen es für Torheit an, sich um etwas mehr als seine eigne Angelegenheit zu bekümmern."

Während demokratische und linksliberale Blätter aus dem Hinweis aus die kriegerischen Tugenden ziemlich will­kürlich die Ankündigung neuer Militärforderungen ableiten, scheinen uns die letzten Sätze in der kaiserlichen Rede am ehesten eine Anspielung auf den Gang unserer gegenwärtigen inneren Politik zu enthalten.Alles soll Mitarbeiten am Wohle des Vaterlandes, gleichgültig, wer und wo er sei." Liegt in diesen Worten nicht ein Hinweis auf die Stel-i lung des Zentrums unter den Parteien, enthalten sie nicht den Sammelruf gegenüber der sozialdemokratischen Hochflut? Wir füunten aber in solchen halben Andeu­tungen nichts Niitzliches erblicken, und bedauern es, daß die schroffe Hervorkehrung dos eigenen kaiserlichen Willens an die betrübliche Zeit despersönlichen Regiments" wie­der erinnern muß. Ob der Reichskanzler mit dieser Sturm­rede einverstanden war, oder ob er nachträglich seine Be­denken geltend machen wird?

politische Wochenschau.

Gießen, 27. August.

Der Augsburger Katholikentag hat dem Zentrumsofen neuen Brandstosf geliefert und eine ziemliche Siedehitze noch dazu. Wieviel Temperament und Kampfesfener wendete man an, um gegen den Unglauben anzukämpfen! Nach allen Richtungen erscholl der Schlachtruf wider die Gegner, überall hatte man auch ein Programm zur Hand. Die Zentrumstaktiker haben wieder eine neue Bahn vor sich. Wir ruhiger und duldsamer Denkenden haben mit vielen Forderungen, die in Augsburg erhoben wurden, nichts zu tun. Man soll die Modernisten und Freigeister nicht alle in einen Topf werfen, denn sie haben mitunter nur wenig Gemeinsames. In Augsburg aber ist nicht unterschieden worden zwischen Materialisten und gläubigen Reformern, der Präsident Marx rief sogar, welcher Widersinn liege infreiem Christentum" undreligiösem Fortschritt"? Immer wieder wurde nachdrücklich hervorgehoben, daß die Kirche unveränderlich sei, heute noch genau so aussehe wie ums Jahr 1500, und welche Lust es wäre, katholisch zu sein. Man vergaß es freilich, sestzustellen, daß das Ver­hältnis zwischen Kirche und Staat inzwischen sich doch etwas verschoben hat, daß die kirchliche Vorherrschaft mich in weltlichen Dingen unwiderbringlich dahin ist. Frankreich und Spanien bieten neue Belege dafür. Es wäre bedauer­lich, wenn man in Augsburg dennoch die mittelalterlichen Zustände sich zum Vorbild gesetzt hätte, bei denen es Duld­samkeit, Verständnis und Achtung für anders als streng römisch Gesinnte nicht gab. Heute sollte das Christen­tum der Tat mehr sein als ein Christentum der Worte. Die schlichte Ehrfurcht vor Gott, die treue Befolgung mo­ralischer, christlicher Gesetze müssen allem andern voran­gehen. Unsere heutige Staatsform schützt und bewahrt diese hohen Güter, darum brauchen wir keine Herrschaft der Priester. Sobald der Staat dafür sorgt, daß der Reli­gionsunterricht in der Schule in bestimmtem Maß und Umfang gelehrt werde, hat er der Kirche gegeben, was der Kirche ist; darüber hinaus kann nur ihm und seinen Organen das Aufsichtsrecht in der Schule obliegen, und nur er kann die Lehrfreiheit der Lehrer nach bestimmten Plänen und Grundsätzen begrenzen. Darum ist das Streben nach Abschaffung der geistlichen Schulausjicht, wo diese noch vorhanden ist, durchaus berechtigt. Und da gerade im heu­tigen Unterrichtsbetrieb manches wird geändert werden müssen, um unnützen Wissensballast abzuschütteln und besser als bisher selbständig denkende und sittlich empfindende Menschen heranziehen zu können, so sollte das Zentrum das Streben nach vermehrten geistlichen Rechten über die Schule sich endgültig aus dem Kopfe schlagen. f

All die Lebhaftigkeit und Stürmischkeit, mit der man sich in den Augsburger Versammlungen die Hände reichte, mit der man darauf hinwies, daß Grafen, Barone und schlichte Arbeiter eins seien in ihrem Glauben, kann dar­über nicht hinwegtäuschen, daß innerhalb der geistig ge­bildeten und wissenschaftlichen Vertreter des Katholizis­mus doch erhebliche Verschiedenheiten in Grundauffassungen vorhanden sind. Vielleicht hat man Herrn I. Bach em über die Entschließung zurrömischen Frage" mir deshalb sprechen lassen, um ihn als völlig strenggläubig erscheinen zu lassen. Und doch ist auch dieser ferne und geduldige Diplomat in

Die Eisenbahn Paris-Peking.

Mit dem SchlagwortParisPetersburgPeking" läßt sich ein verkehrsgeographisches Programm bezeichnen, das in den letzten Monaten aufgestellt worden ist und in China ebenso freudig be­grüßt und gefördert werden wird wie in Rußland. Es handelt sich darum, Peking, die wichtigste Stadt das ostasiatischen Kontinents, durch Schaffung eines neuen Verkehrsweges näher an Europa heranzubringen, als sie es gegenwärtig ist, und dieser großzügige Plan, der durch Vorgänge der jüngsten Zeit der Verwirklichung entgegenzugehen scheint, soll erreicht werden durch einige neuer Eisenbahnlinien, die in Verbindung mit der großen Sibirischen Bahn des russischen Staates eine wichtige neue Straße des Welt­verkehrs Herstellen sollen, einen Schnellverkehr nicht nur auf der Linie PetersburgPeking, sondern sogar zwischen Paris bezw. Berlin und Peking. In einer Korrespondenz aus Peking werden der Internationalen Wochenschrift Einzelheiten über dieses wichtige Projekt mitgeteilt. Um von Europa nach Peking zu gelangen, ist man zwar seit ein paar Jahren nicht mehr ausschließlich auf den früher allein benutzbaren Seeweg angewiesen, aber die Große Sibirische Bahn und die sogenannte^Südmandschurische Bahn, die einen Anschluß der europäischen Schienenwege an dieNord­chinesische Staatsbahn" vermitteln, machen einen gewaltigen Um­weg durch die Mandschurei. Nun hat aber die russische Regierung in den letzten Monaten der chinesischen den Plan unterbreitet, eine Bahn aus der Gegend des Baikal-Sees von der Großen Sibirischen Bahn abzuzweigen und geradewegs quer durch die Wüste Gobi nach Peking verlaufen zu lassen. Dadurch wird eine erheblich kürzere und wirklich wertvolle Verbindung zwischen Petersburg und Peking möglich gemacht. Da die beiden interessierten Staaten zu dem Bau bereit sind, so scheint die Bahn Baikal-SeePeking gesichert zu sein. Auf chinesischem Boden würde der Bau dieser Bahn technisch keinerlei Schwierig­keiten Hervorrufen, da die große Wüste Gobi, durch die der Schienenweg gehen wird, ein jo gut wie vollkommen ebenes Land darstellt und von Peking bis Kalgan, der letzten größten Stadt vor dem Eintritt in die Wüste, eine Bahn seit Jahresfrist vorhanden ist. Diese Bahn PekingKalgan, das erste Glied der künftigen Bahn zum Baikal-See, verdient besonderes In­teresse, weil sie die erste national-chinesische Bahn ist und im Eisenbahnbau die Sympathien der Chinesen erworben hat. Währeno nämlich bis vor weniger als zwei Jahrzehnten die Söhne des Himmlischen Reiches den Eisenbahnen ablehnend gegenüberstanden, möchten sie jetzt am liebsten alle in China neu zu bauenden Bahnen selber Herstellen und die europäischen und amerikanischen Nationen, bereit Angehörigen früher Bahnkon­zessionen ertzeilt wurden, ganz aus diesen Unternehmungen heraus-'

drängen. Die glückliche Vollendung der 220 Kilometer langen PekingKalgan-Bahn, die ganz und gar mit chinesischem Gelde, chinesischem Material, von chinesischen Ingenieuren und chine­sischen Arbeitern im Zeitraum von 4 Jahren erbaut wurde, hat die Chinesen mit hohem Stolz erfüllt und viel dazu beigetragen, ihre Emanzipationsgelüste von fremden Industrien zu steigern. Nur an einer Stelle mußte man zu fremden Kräften Zuflucht nehmen: die Tunnels, welche die chinesischen Ingenieure im Chingan-Gebirge bauten, das von der Bahn durchschritten werden mußte, stürzten immer wieder ein, und man sah sich genötigt, zur Vollendung dieser technischen Leistungen englische Ingenieure heranzuziehen. Eine Fortführung der Bahn über Kalgan hinaus durch die Wüste nach Urga und weiterhin zur sibirischen Grenze nach Kjachta bietet feine Schwierigkeit und würde die Durch­querung der Wüste Gobi in noch nicht 40 Stunden gestatten, während der bisherige Karawanentransport nicht weniger als 4060 Tage dauerte; so würde die Bahn speziell für die chinesische Teeausfuhr von größter Wichtigkeit werden. Auf russischem Gebiet, auf dem nur ein verhältnismäßig kurzes Stück der neuen Bahn liegen würde, wären fteilich mancherlei Hindernisse zu überwinden, aber dafür würde die neue Bahn alle andern russischen Bahnen jenseits des Baikal-Sees bald an wirt­schaftlicher und allgemeiner Bedeutung übertreffen. Doch auch im internationalen Verkehrsleben würde die neue Bahn, die dem Projekt nach schon Ende 1912 fertiggestellt sein soll, eine groß­artige Bedeutung erlangen. Es würde bann möglich sein, die gesamte Strecke von Paris bis Peking in nur 91/2, von Peters­burg bis Peking in 71/2 Tagen zurückzulegen. Auch bie Ent­fernung Berlin Peking würde künftig auf 9085 Kilo­meter zusammenschmelzen und in nur 211 Stunden oder knapp neun Tagen zurückgelegt werden können.

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E i n klassischer Tiermaler. Am 23. August 1810 wurde zu Sövres bei Paris Constantin Tr 0 y 0 n geboren, einer der größten französischen Tier- und Landschaftsmaler und aus beiden (Gebieten ein Führer seiner Kunst, wie er seit dem Verfall der niederländischen Landschafts- und Tiermalerei nicht mehr existiert Hal. Troyon, der sich zuerst mit Porzellanmalerei befaßte, wurde erst von Rioereux und Poupart beeinflußt, dann aber durch C. Rogueplan mit Roussegu, Tiaz und Duvrs bekannt und damit in neue Bahnen gedrängt. Mit den letztgenannten führte er bie sogenannteRomantische Schule" der Malerei Frankreichs zur Höhe. Seine Studienreisen in Limousin, in der Bretagne und vor allem in bev Gegenb von Fontainebleau sanden ihren künstlerischen 'Niederschlag in einer Reihe außerordentlich sein und intensiv ge­malter Bilder, die aber im Auslande zuerst und mehr gewürdigt wurden als in Frankreich. Troyon besuchte auch die Niederlande; diese Reile hat seine Kunst nur insofern beeinflußt, als er durch die

niederländische Kunst des 17. Jahrhunderts bie Vorliebe für Tier­barstellungen bekam. Jnbessen stellte er Tiere nicht allein bar, fon- bet» nur als lebenbe Teile seiner Lanbschaften. Zu feinen be­rühmtesten Bilbern gehören bas (in der Normanbie 1852 entflanbene) Wiesental La Tongue", bas große GemälbeOchsen auf bem Wege zur Feldarbeit", bas sich im Pariser Louvre befinbet, und eine ebendort befindlicheHeimkehr der Viehherde". Das Louvre ge­langte mit der Zeit in den Besitz zahlreicher anderer Werke Troyons:; von deutschen Museen besitzen die Berliner Nationalgalerie und die Ravenä'scbe Sammlung, sowie die Hamburger Kimsthalle her­vorragende Werke von seiner Hand. Troyon starb am 20. März 1865 zu Paris.

Amerikanische Aerztehonorare. In den Ver­einigten Staaten hat sich eine lebhafte Agitation gegen die über­triebenen Honorarsorderungen der Aerzte erhoben. Die Jünger Aeskulaps in Amerika, die den Armen ost unentgeltlich ihre ärzt­lichen Bemühungen zuteil werden lassen, scheinen sich bei den wohl­habenden Patienten dafür entschädigen zu wollen und stellen häufig ungemessene Ansprüche. Eine Konsultation, die den Arzt einen Tag lang von seinem Wohnsitz fernhält, kostet 20004000 Mk., ganz abgesehen von besonderen Fällen, wie dem eines Eisenbahnkönigs, der zur Behandlung seiner Tochter einen. bekannten Frauenarzt berief und ihm 28 000 Mk. bezahlte. Ein Millionär in Virginia mußte einem Newyorker Arzt, der eine Woche lang zu seiner Be­handlung bei ihm weilte, einen Scheck über 100 000 Mk. ausstellen, und ein Arzt, der einen Milliardär für 10 Tage an Bord seiner Pacht behandelte hatte, forderte nach dem Tode des Patienteii gar 240 000 Mk., und er erhielt sie. Gegen diese fabelhaften Summen hält dieAmerican Review" die Honorare, die in früheren Zeiten auch die berühmtesten Aerzte erhielten: Cooper, der Chirurg des Königshauses in England war, verdiente im ersten Jahre seiner Praxis ganze 101 Alt., im zweiten 440, im dritten 1200, im vierten 1920, im fünften 2 00, im sechsten 8000, im achten 13050 und erst nach neun Jahren brachte er es auf 20 000 Alk. Einmal overierte Cooper einen Greis, der an Blafensteinen litt, und bie Operation gelang wunderbar. Als er zu dem Kranken zurüctkehrte, warf ihm biejer feine eigene Nachtmütze zu unb jagte :Nehmt bas, junger Alaun, es ist bas einzige, was ich euch bieten kann." Unb bei- junge Arzt nahm bas feltfame Geschenk an, um ben Kranke» nicht zu beleibigen und auszuregen. Ein anderer berühmter eng-, Uscher Arzt, Sir Janies Paget, verdiente nach lOjähriger an­gestrengter Arbeit kaum 2000 Mk. im Jahr, bann hatte er bas Glück, einem hochstehenden Patienten bas Leben zu retten, und wurde nun mit einem Schlage berühmt. Jetzt stiegen seine 6in- künfte schnell unb nach wenigen Jahren hatte er ein regelmäßiges Einkommen von 200 000 Alk.