Ausgabe 
26.9.1910 Erstes Blatt
 
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Act letzten Jahre. Der Kasse gehören 1161 Mitglieder mit 648 520 Mark Versichernngskavital an.

Der Geschäftsführer der Sterbekasse^ Syndikus Engel- b a ch - Darmstadt, gab einen Ueberblick über das Wirken und die Bedeutung dieser Einrichtung. Während ihres 10 jährigen Be­standes seien an die Hinterbliebenen, meist kleinere Handwerker, in 246 Fällen insgesamt 120 000 Mk. zur Äuszahlung gekommen, während ein Reservefonds von z. Z. 1110000 Mk. den Mit­gliedern Gewähr für ihre versicherten Summen biete. In den letzten Jahren seien außerdem insgesamt 16 125 Mk. Dividende den Mitgliedern zurückvergütet worden. Sache der einzelnen Gewerbevereine und der Bezirksverbande sei es dgher, in den kommenden Win ter Versammlung en auf die Bedeutung der Ein­richtung aufmerksam zu machen und besonders ihre jüngeren, wirt­schaftlich noch nicht erstarkten Mitglieder zum Beitritt anzuhalten. Für die nächste Hauptversammlung erhielt Offenbach die Mehrheit.

Eine ausgiebige Aussprache entstand über die Lehrlings- Fürsorge. Gewerberat Fa 1 ck - Mainz, Reallehrer K a h l - Darmstadt und Dr. Becker-Sprendlingen wünschen, daß an die bereits bestehende konfessionelle Jugendfürsorge angeknüpft werden solle. Syndikus Engelbach führt aus, die Frage der 'Jugendfürsorge bedürfe heute mehr wie bisher der Beachtung aller Kreise. Es sei dankbar anzuerkennen, daß die einzelnen Konfessionen in der praktischen Jugendpflege vorgegangen seien Aber für die konfessionell geleiteten Heime bestehe die Gefahr der Einseitigkeit, so daß unsere Jugend sich nicht zu ihnen hinge­zogen fühle. Neben der Frage einer religiös-sittlichen Heran­bildung in den Lehrlingsheimen müßten diese auch mehr all­gemein bildend, beruflich fördernd und den Sinn für nationales Wesen weckend- auf die Besucher einwirken, Kirche und Schule, Gemeinde und Famllie müßten bei der Jugend­erziehung Hand in Hand gehen. Das Ergebnis kommt unserer Volkswohlfahrt wie unserem Vaterland zu statten. Lotz-Offen­bach will in den Fortbildungsschulen mchr die sozialpolitische Gesetzgebung gelehrt haben. Der Vorsitzes verliest einiges aus der verhetzenden Jugenderziehung der Sozialdemokraten". Mit Hilfe der Volkswohlfahrtvereine und anderer lokaler Vereini­gungen sollten Vereinsabende für Schüler abgehalten werden.

Bezüglich der Reichsversicherungsordnung teilte der Vorsitzende die Beschlüsse der Hauptversammlung der deut­lichen Gewerbevereine in Regensburg mit, denen die Versammlung zustimmt. Zum Vortragswesen in den Gewerbever- **' einen teilte der Vorsitzende mit, daß der Ausschuß einen Aus­schuß gewählt und dieser sich mit einigen Abänderungen befaßt habe. Die Vorträge seien für Heinere Vereine unentbehrlich; die Vereine können sich auch mit den Volksbildungsvereinen zusammen- tun. Die Abhaltung von Lichtbildervorträgeu soll gefördert wer­den, Wanderausstellungen mit Vorträgen sind zu empfehlen, wie es in Baden und Württemberg geschieht. Der Antrag Vllbel, der Landesgewerbeverein möge korperatives Mitglied des Rhein-Main- Verbandes für .V-olksblldung werden, findet Annahme. K u l l - m au n-Vllbel ei mattet hrervon das Beste, da der Verband eine reichhaltige Bibliothek, ein Volkstheater u. dergl. mehr zur Verfügung habe.

Krausmüller -Gießen weist einen Vorwurf Lotz-Offen- bach, die Vereine der größeren Städte hätten für die Landvereine nichts übrig, zurück. Der Vertreter von Lollar spricht über die Wichtigkeit der Frage der Reichsversicherungsordnung, die auch . -ferner in Vorträgen behandelt werden müsse. Der Vorsitzende itellt hierzu mit, daß mit Beschlüssen jetzt nichts mehr zu ändern ist, bald werde die Reichsversicherungsordnung Gesetz, dann solle darüber ausgiebig aufgeklärt lverden. Ein Antrag Homberg a. d. Ohm wandte sich gegen die Wanderlager und den Hausierhandel. Ilm 2 Uhr schloß der Vorsitzeltde die arbellsreiche Tagung.

Im großen Saale der Turnhalle fand das Festessen statt, bei Lern die Kapelle des Kaiser-Wllhelm-Regünents die Tafelmusik stellte. ________________ ______________

1 Die landwirtschaftliche ltteisschau in Lauterbach.

r. Lauterbach, 24. ,Sept.

Die Kreisschau wurde heute vormittag 11 Uhr im Bei- ernes Regierungsvertreters, der Kreis- und Stadtbehörden,

ö'oroic verschiedener Ehrengäste eröffnet. Bürgermeister StöPier begrüßte die Erschienenen, wahrend der Vorsitzende des Land- Lvirtschaftskammer-Ausfchusses, Landtagsabgeordneter K o r e l l - felitgenroö, dankte und auf die Bedeutung der Veranstaltung Hin- Wies. Dann folgte ein Rundgang durch die Ausstellung und shieran anschließend ein Festessen in der Turnhalle. Heule vor­mittag erfolgte die Schau und Prämiierung des Viehes; ange- triebm sind Pferde, Rinder, Schafe, Ziegen und Schweine, zum Dell in erheblicher Zahl, darunter sehr stattliche Tiere. In Folgendem soll ein allgemeiner Ueberblick über die einzelnen Gruppen der Kreisschau gegeben werden. Die erste Gruppe (Pferde) ist mit 37 Nummern vertreten, durchgehend schone Tiere leichten und schweren Schlages und deshalb sind vielfach Prä­mien erteilt worden. Die PferdeMcht und Pferdehaltung ist erft in güngster Zeit im Kreise nennenswert hervorgetreten, das Pferd hat erst verhältnismäßig spät bei uns im Landwirtschaftsbetrieb den Ochsen als Zugtier abgdöft, deshalb hat diese Gruppe keine Hohe Bedeutung im Kreise. Dagegen gilt von der folgenden Gruppe'(Rinder) das Gegentell, die Rinderzucht steht in hoher Mute und einige Orte des Kreises, wie Angersbach, Maar, Allmen­rod, haben durch ihre Simmentaler und Berner Reinzucht einen Ruf seit langer Zeit. Deswegen mar auch die Zahl der ausgestellten Tiere bebeutertb, etwa 170, alles Herdbuchtiere und durchweg prächtige Stücke, gut genährt und von schwerem Körperbau. Die 'Rindviehzucht bildet die Haupterwerbsquelle der heimischen Lanb- nnrtschaft. Das gleiche gilt von den Schweinen, hier fällt line Aufzucht junger Tiere gar nicht ins Gewicht gegenüber der 'Zahl der in Betrieben und Haushaltungen gehaltenen Schweine, die sehr bedeutend ist, da im Kreise sehr viele Wurst- und Fleisch­waren zum Versand gdangen. Man bezieht die jungen Tiere in der Mehrzahl aus Hannover. Doch macht man neuerdings An­strengungen, um auch hier Wandel zu schaffen. Die Gruppe weist daher auch nur einige 30 Nummern auf, darunter allerdings sehr schone Tiere. .Die Gruppe Ziegen weift dagegen etwa 160 Nummern auf. In der ZiegenzucK genießt unser Kreis ebenfalls Semen Ruf, es ist die kurzhaarige Saaner Milchziege, die man mit ^Erfolg eingesührt hat und wellerzüchtet. Es sind Zuchtböcke, Mutterschafe und Lämmer ausgestellt, die sich im schneeweißen Haarkleid sehr hübsch ausnehmen. Die Gruppe Schafe ist nur mit etwa 20 Nummern vertreten. Die Schafzucht spielt im Kreise nur eine untergeordnete Rolle, ganz im Gegensatz zu früheren 'Zeiten, sie ist wie in anderen Gegenden auch bei uns in der Neuzeit immer mehr zurückgegangen. Die ausgestellten Tiere sind von schwerem. Körperbau und werden als veredelte Land­schafe bezeichnet. .Die Gruppe Geflügel ist mit 235 Nummern besetzt, doch haben fast nur Liebhaber und Züchter ausgestellt, durchweg sehr schone Tiere. .Am meisten sind die Hühner ver­treten, dabei in vielen Arten, dann Tauben, auch Brieftauben in erheblicher Anzahl, Enten, Gänse und Puten. Der Geflügelzucht widmet unser Landwirt fast gar keine Beachtung, sehr zu seinem Schaden angesichts der hohen Preise für Eier und Schlacht­geflügel. Den Bestrebungen der Geflügelzuchtvereine wird es wohl auch gelingen, hier aufklärend zu wirken. In der Gruppe Erzeugnissedes Pflanzenbaues fallen schon zusammen­gesetzte Sammelausstellungen größerer Gutsverwaltungen, sowie eine solche der Üandw. Winterschule zu Alsfeld auf. Körner­früchte sind in großer Mannigfaltigkeit und vielen Sorten vor­handen, Roggen U7td Hafer überwiegend, letzterer gedeiht im Kreise sehr gut, Hülsenfrüchte treten dagegen zurück und sind wenig ausgestellt. Tie Kartoffeln haben dieses Jahr unter der Ungunst des Wetters und unter Krankhellen gelitten, trotzdem liegen be­achtenswerte Leistungen vor. Weil für die Viehzucht wichtig, befleißigt man sich, wie die Ausstellung zeigt, durch Anbau neuer Sorten den Ertrag zu heben. Zu erwähnen sind noch Futterrüben und Runkeln, zum Teil von erstaunlicher Große, die übrigen. <Futtermittel find nicht erheblich vorhanden, ebenso nicht die Pro- der Gärtnerei, da letztere eilte Bedeutung im Kreise nicht b-Utz'. Tu Gruppe Obstbau war überreich beschickt, und weil ^hr unterschiedliche Höhenlagen ausweist, die den OWbau stark beeinflussen, hatte .mos bm Zoseg gebildet, m

so mich den Orten in ungünstiger Lage einen Wettbewerb zu ermöglichen, was ihnen sonst nicht gelungen wäre. Tie einzelnen Zonen traten dann unter sich in Wettbewerb. Außerdem hatte man den Wettbewerb dadurch erschwert, daß man Aufgaben zur Losung stellte, ein Umstand, der Veranlassung zu mancher Ent­täuschung wurde. Tie Aufgaben zu lösen, fällt dem mit dem Obstbau nicht genügend bekannten privaten Züchter schwer. Auch in dieser Abteilung traten einige Sammelausstellungen in den Vordergrund, im übrigen war das Obst in einer Qualität und Mannigfaltigkeit vorhanden, die in Erstaunen setzte, trotzdem der hiesige Landwirt im allgemeinen dem Obstbau eine beharrliche Gleichgültigkeit gegenübersetzt. Aus den besseren Lagen des Kreises lagen feine Tafelsorten vor, die jeben Vergleich mit den aus begünstigteren Gegenden aushalten, außerdem waren feltene Obstsorten aus Herrschaftsgärten vorhanden, die Baume hat man, wie vermutet wird, vor Jahren aus Frankreich bezogen. Vom Landwirtschaftskammer-Ausschuß für Oberhessen war ein größeres Sortiment Obst ausgestellt in solchen Sorten, welche zum Lln- bau im Kreise empfohlen werden können, gleichfalls nach Öen drei Zonen geordnet. Auf Grund dieses Obstsortiments wird in Kürze eine Liste aus gearbeitet und gedruckt mit genauer Angabe der Sorten, welche Interessenten zur Verfügung, steht. Eine Ab­teilung für Obst- und Gemüseverwertung schloß sich der Gruppe an. Tie ausgestellten leckeren Früchte zeigen, was die Hausfrau namentlich unter Zuhilfenahme eines Einkochapparates erreichen kann. Schließlich sei noch eine Llbteilung .für bieneiuvirtschaft- liche Geräte und Bienenzucht erwähnt, die aber nicht er­heblich beschickt war, da die Bienenzucht nicht viel ausgeübt wird im Kreise. Tie Gruppe landw. Maschinen und Geräte ist gut beschickt, neben einheimischen Firmen und solchen aus Oberhessen sind bekannte deutsche Großfirmen mit ihrer Er­zeugnissen vertreten. Tiefe Ausstellung zeigt, daß auch der Hand­werker .und Techniker fortwährend bestrebt ist, durch neue Ideen und Verbesserungen dem Landwirt zu Hllfe zu kommen. Neben allen erdenklichen, rein landwirtschaftlichen Maschinen und Ge­räten, erstere vielfach im Betrieb befindlich, sind Krafttnotove, sowie Maschinen und Hilfsapparate für die Milchwirtschaft in großer Anzahl vorhanden. Es wären noch anzuführen: Stall- und Futtereinrichtungen, Tünge- und Futtermittel, außerdem sehr beachtenswerte Erzeugnisse der Sattlerei und des Wagenbaues. Tie Gruppe milchwirtschaftliche Erze u g n i ff e war zum erstenmal auf einer Kreisschau vertreten. Tas Molkereiwesen hat in unserem Kreise eine hohe volkswirtschaftliche Bedeutung, größere Molkereien sind im Kreise vorhanden. Tie ausgestellten Erzeugnisse beschränkten sich auf Butter, der kleine Landwirt, auf dessen Be­teiligung an der Ausstellung man hoffte, war ferngeblieben, ein Umstand, der wohl nur in der Neuheit der Sache begründet ist. Die letzte Gruppe wissenschaftliche Arbeiten weist in der Hautsache Wirtschafts- und sonstige Pläne auf, einen Stammbaum für Haustiere, außerdem war die landw. Abteilung des Ministeriums des Innern mit Plänen für Meliorationswesen und Feldbereinigung usw. vertreten, dann liegen noch Pläne für landw. Bauten aus, desgleichen veranschaulicht die Landwirt­schaftskammer die landw. Buchführung. Bis spät nachmittags hatten die Preisrichter ihres ansttengenden Amtes gewaltet und nachdem noch eine Vorführung der prämiierten Tiere stattge­funden, erfolgte eine allgemeine Berichterstattung nebst Krllik der Preisrichter über die einzelnen Abteilungen der Kreisschau. Sämtliche Herren waren der Ansicht, daß man der Bevölkerung unseres Kreises das Zeugnis ertellen könne, tüchtig vorangeschritten zu sein. Die angdrachten Erzeugnisse bewiesen, daß man es im großen und ganzen verstehe, den Anforderungen der Zell gerecht zu werden, man solle bei dem Erreichten nicht stehen­bleiben, sondern unverdrossen weiterarbellen an der Hebung der Landwirtschaft und des Handwerks. Auch fehlten dazwischen nicht Ermahnungen, wie man dieses und jenes besser zu machen habe. Damit war der offizielle Teil des Tages bei vorgerückter Zell erschöpft, der Abend ist dem Vergnügen gewidmet. Es ist Kon­zert, außerdem haben Gesangvereine, sowie der Turnverein ihre Betelligung an der Verschönerung des Abends zugesagt. Die Ausstellung wies heute regen Besuch auf, doch entstand fast nirgends ein belästigendes. Gedränge, da die verfügbaren Raume und Plätze groß sind.

25. September. Heute ist die Ausstellung geöffnet und wies zahlreichen Besuch auf. Auf dem Platz ist vormittags Konzert. Ter am Nachmittag geplante Festzug hat eine große Menschenmenge nach der Stadt gelockt. Die Veranstaltung selbst war als durch­aus gelungen zu bezeichnen. Dem F e ft z u. g lag die Idee einer allegorischen Darstellung von Frühling, Sommer, Herbst und Win­ter auf dem Lande zugrunde und wies eine größere Anzahl einzelner Wagen und Gruppen auf. Ms besonders, gelungen seien genannt ein Frühlingswagen der Kasinogesellschaft Lauterbach, ein Wagen Frühlingseinzug auf dem Lande von Angersbach, der Herbsteiner Hochzeitszug mit schonen Volkstrachten, ein Wagen der hiesigen Metzgerinnung, sowie ein solcher der Riedeselschen Brauerei. Sehr gut nahmen sich im Zug auch die Schlitzerländer Trachtengruppe, sowie ein Schlitzerländer Hochzeitszug aus. Na­mentlich die Schlitzerländer Bauernmädchen in der sehrIeidsamen Tracht, mit buntem Mieder, kurz geschürztem Rock und Strümpfen mit Stickerei, auf dem Kopf das schwarze, bändergeschmückte Häubchen, sahen allerliebst aus. Die ganze Vorführung fand großen Beifall, und es würde zu weit führen, auf wellere Eintel- hellen einzugehen. Der Zug bewegte sich durch mehrere Straßen nach dem Festplatz. Programmäßig fand nachmittags nochmals die Vorführung des gestern prämiierten Viehes statt. Der übrige Teil des Tages ist der Geselligkeit und dem Vergnügen Vor­behalten : es findet Konzert statt, auch ein Tanzpodium ist errichtet, welches stark beansprucht wird, ebenso die anderen Veranstaltungen für Volksbelustigung. Dazwischen bewegt sich eine riesige Men­schenmenge auf dem Festplatz.

Aus Statt unt Laut.

Gießen, 26. Sept. 1910.

Audienz. S. K. H. der Großherzog empfing am 24. September u. a. den Oberlehrer Professor Dr. Frhrn. v. Gall von Gießen.

Erledigte Lehrerstellen. Erledigt ist die mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle zu Erzbach, Kreis Erbach. Dem Inhaber der Stelle kann eine besondere Ortszulage gewährt werden.

** Steuerwesen. Erledigt sind die Stellen zweier Steuerkontrolleure. Die eine kann mit einem Bewerber be­setzt werden, der die Prüfung im Finanzfach I. Kategorie bestanden hat. Die Eingaben sind bet der unmittelbar vor­gesetzten Behörde bis spätestens 29. September lsd. Js. ein­zureichen.

** Ei n e außerordentlich reiche Obsternte steht der Kreisstraßenverwaltung bevor. In diesen Tagen werden rund 3300 Zentner Obst versteigert, darunter befinden sich in erster Linie vorzügliche Sorten Tafeläpfel, wie Goldparmänen, Schöner von Bostoop, Landsberger, Edelapsel und mehrere Reinettearten. Birnen und Zwet- schen gibt es nur in geringen Mengen. Die Straße Gießen Rodheim hat schätzungsweise 350 Zentner, Klein-Linden Großen-Linden 335 Zentner, Klein-LindenDutenhofen 280 Zentner, Lich^-Langsdorf 230 und GießenReiskirchen 205 Zentner Obst.

** Blumenpflege durch Schülerinnen der Stadt-Mädchenschule. Die im Frühjahr d. I. ausge­gebenen Topfpflanzen wurden auch llr diesem Herbst durch zwei Sachverständige einer Beurteilung und Wertung unterzogen. Äe Pflanzen waren schöner und besser entwickelt, denn je zuvor. Es erhielten denn auch von den insgesamt 200 Pflegerinnen weit über die Hälfte eine lobende Anerkennung für ihre guten Leistungen. Von einer Öffentlichen Ausstellung hatte man in diesem Jahre abgesehen, da nach einem früheren Beschluß eine solche nur alle 2 JcchrL ftattftndW soL

Die Abonnementskarten für das Stabt« theater gelangen an der Tageskasie von morgen, Dienstag, 27. d. MLS., an täglich von 101 Uhr zur Ausgabe. Die auf Grund der bestellten Abonnements erhaltenen Ausweis, scheine sind hierbei vorzulegen. Von demselben Tage an sind Neubestellungen von Abonnements nur an die Theaterkasse zu richten.

** Konz^ert des Hannoverschen Lehrer-Ge­sangvereins. Auf einer Sangerreise zum Rhein halt wie wir schon mitgeteilt haben der Chor am 9. Oktober mit über 100 Sangern in Gießen Einkehr und wird am Nachmittag desselben Tages um 5 llhr in der Neuen Aula der Universität ein Konzert veranstalten. Nach allem, was man über den Verein gehört hat, zählt er zu den angesehensten Norddeutschlands. Er hat in seiner Vaterstadt und auf Sängerreisen sich durch die musikalische Hohe seiner Konzerte ausgezeichnet. So auch für das Konzert hier in Gießen ein erstklassiges Pro­gramm aufgestellt, das in feinen Hauptnummern Kompositionen, von Hegar, Mozart, Ramrath, Elams, Silcher, Bünte, Geller usw. aufweist. Außer dem Chor wirst auch das Solo-Quartett des Vereins nut, das sich aus sicher eingesungenen Herren des Chores gebildet hat. Ueber das Quartett schreibt eine Göttinger Zeitung, daß man um ein solches Quartett den Verein fast be­neiden mochte. Eine willkommene Abwechslung in den gesang­lichen Darbietungen gibt die Mitwirkung des als Pianist be­deutenden Dirigenten des Vereins Emil Taegener. Dieser wird Isoldes Liebestod" von Wagner Liszt undAndante spianato. Polonaise Esydur" von Chopin barbieten. Der Verein wird einen Teil des Reinertrag es des Konzertes einem wohltätigen Zweck zufließen lassen.

** Stenographie. Das Mitglied des Gabelsberger Stenographen-Vereins, stud. phll. Hans R o 1 o ff, hat dieser Tage einen Preis für eine vorzügliche schnellschriftliche Arbeit aus der Raetzsch-Stiftnng, einer der Verwaltung des Stenogr. Landesamts in Dresden unterstehenden Stiftung, erhalten. Der Verein eröffnet am Dienstag, 11. Oktober, im (Safe Ebel, einen Anfängerkursus für Damen und Herren. (S. Anzeigenteil.)

* * Zum Arbeitsnachweis im Gastwirts­gewerbe wird uns mitgeteill, daß der Deutsche Kell­ner-Bund IL G. entschieden für die .Einführung des paritätischen Arbeitsnachweises ist.

* * Dieb stähle. In der Nacht zum Sonntag statteten Diebe einer Metzgerei und Wirtschaft in der Kaiser-Mee einen Besuch ab. Durch Eindrücken einer Fensterscheibe und Einsteigen gelangten der oder die "Täter in das Wirts- lokal und den Laden, plünderten die Ladenkasse, die 5 bis 6 Mk. enthielt und verließen das Lokal auf demselben Wege. Vor einiger Zeit wurde in demselben Lokal schon einmal ein ähnlicher Diebstahl ausgefiihrt., Dem Knecht eines Pferdehändlers wurden am vorigen Samstag aus dem Vorplatz einer Wirtschaft der oberen Bahnhofstraße drei Pserdeteppiche gestohlen. Der Täter wurde in der Person eines hiesigen Taglöhners sestgestellt. Er hatte die Teppiche versteckt und gab der Polizei gegenüber das Versteck an, so daß der Bestohlene sein Eigentum alsbald wieder bekam.

* * Unfall. Am Sanis tag abend unternahmen acht Radfahrer einen Ausflug nach Wetzlar. Gegen 3 Uhr nachts, auf der Rückfahrt, stürzte einer der in kurzen Abständen hintereinander fahrenden Herren an einer abjchüssigei^ Stelle bei Garbenheim infolge Bruch des Vorderrades und blieb bewußtlos liegen. Der hinter diesem Fahrende stürztc über den Daliegenden und wurde ebenfalls bewußtlos. Es stürzten dann noch zwei Fahrer über die Räder. Einer dieser war zum Glück so leicht davon gekommen, daß er zurück nach Wetzlar fahren und ein Automobil requirieren konnte, das die Verletzten in die Klinik brachte. Der schwer verletzte Kaufmann Schäfer muhte in ärztlicher Behandlmi^ in der Klinik bleiben, wahrend die anderen sich in ihn Wohnung begeben konnten.

** Eine verspätete Kinderstube konnte man gestern bei dem schönen Wetter im Forst gart en beobachten. Ein Blaumeisenpaar flog geschäftig zum Nest, um die darin spät geborenen heftig schreienden Jungen zu füttern.

4 Lich, 25. Sept. Die letzte Einquartierunc lag gestern und heute in unserer Stadt. Es waren bre Batterien der 27er Artillerie aus Wiesbaden, die sich eben auf dem Marsch in die Garnison befinden. Wegen bei Einquartierung wurde unsere Kirmes auf den nächsten^ Sonntag verlegt.

4- Nieder-Bessingen, 25. Sept. Zu einer ex hebenden Feier gestaltete sich heute die Einweihnnc unseres neuen Schulhauses, die mit der Kirchweisi verbunden war. Gegen 2 Uhr versammelte sich am alter Schulhause eine große Festgemeinde, darunter die 28 er tretet der Regierung und viele Lehrer der näheren und weiterei Umgebung. Lehrer Graulich hielt eine treffliche An spräche, in der er einen Ueberblick über die Geschichte bei bereits 1615 gegründeten Schule gab und in herzlicher Worten von der Stätte Abschied nahm, an der er übe 20 Jahre segensreich wirkte. Nach dem GesangUnsen Ausgang segne Gott" der Schulkinder setzte sich ein statt licher Festung nach dem neuen Schul Haus in Bewegung. Dor hielt Pfarrer F r e y t a g - Lich die Weiherede, die mit großen Beifall aufgenommen wurde. Daran schloß sich ein ßk sangsvortrag des GesangvereinsEacilia"-Lich. Die Hanb lung der Schlüsselübergabe eröffnete Regierungs baumeister Knö 11-Gießen mit einer kurzen Ansprache, r der er allen Bauunternehmern, Handwerkern und Anbei tern dankte. Er überreichte den Schllissel Regierungsra Dr. Merck-Gießen, der ihn dann, indem er im Namen de Kreisverwaltung her Gemeinde für ihre Opferwillig!^ dankte, Schulrat Kleinschmidt-Gießen.übergab. E richtete ebenfalls warme Worte an die Festgemeinde. Mc dem Vortrag eines Gedichtes, in dem die Schulkinder ih neues Heim begrüßten, durch die Schülerin Hedwig Grau lich, öffnete Bürgermeister Horst das neue Haus, da dann im Lause des 9Lachmittags noch von Hunderten oo Einwohnern und Festgästen besichtigt wurde. Der Bar dessen Kosten sich auf rund 50000 Mark belaufen, enthäl einen großen, allen modernen schulhygienischen Ansordi rungen gerecht werdenden Schulsaal und eine geräumig Lehrerwohnung. Das neue Haus steht am Ausgang bc Dorfes an der Licher Straße mit dem herrlichen Blick die Wiesen und Wälder des Wettertals und die Höhen de Vogelsbergs. Nach der Schulhauseinweihung suchten ßn woyner und Festgäste, die besonders von Lich aus in große Scharen hierhergetommen waren, bei der sich anschließer 1 den Kir m es Unterhaltung und Belustigung.

/\ Strebendors, 24. Sept. Mit jeirtetn schw' beladenen Müllerwagen fuhr Hch. Llst die stelle Kreisslral bei Romrod herunter, die Pferde scheuten und gingen burö per Fuhrmann stürzte vom Wagen und wurde von de> schweren Fuhrwerk aus der Stelle getötet.

? Rodheim a. d. Bieber, 25. Sept. Die Schreiner Ka und Friedrich S ch l i c r b ach von hier unb Joh. Kraft ans 5roi Hausen bestanden die Meisterprüfung.

Wetzlar, 25. Sept. Die 3. Bo 1 ks a k a d em ie b< Rhein-Mainischen Verbandes für Volksbildung wurde heute m einer gesellig«; Zusammenkunft eröffnet Zen Vortrag übci