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25.6.1910 Erstes Blatt
 
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Aus und

Gießen, 25. Juni 1910.

" Taaeskalender. Kolosseum: Samstag, Sonntag und Montag Spezialitäten-Vorstellung: Gastspiel von Danny

K i n e m a t o g r a p b: Täglick) Vorstellung.

Biograph: 'Täglich Vorstellung.

** Geländeerwerbskoften für die Bahn Bondorf-Lollar. Der Provinzial-Ausschuß hat in der Sache der Gemeinde Lollar und der S'tadt Gießen wegen der Kosten des Geländeerwerbs für die Bahn Lollar-Grun- bero auf den 2. Juli einen Termin angesetzt. Oberbürger­meister Mecum wird zur Wahrnehmung des Termins am 1 Juli aus seinem Urlaub wieder cintreffen.

** Ncuwah l zum Provinzialtag. Das Mandat folgender Mitglieder des Provinzialtages geht im laufen­den Jahre zu Ende: Bürgermeister Atles-Nieder-Florstadt, H Bausch-Niedcr-Wöllstadt, Bürgermeister Braun-Nidda, Brauereibesitzer Jhring-Lich, Oberbürgermeister Mecum- Gießen, Bürgermeister Nispel-Gedern, Geh. Justizrat Ra­benau-Büdingen, Joh. Rcibling I.-Brauerschwend, Geh. Justizrat Dr. Schaefer-Gießen, Graf Wilhelm zu Solms- Zaubach, Apotheker Welcker-Allendorf a. d. Lda. und Bürger­meister Zinscr-Schlitz. Hierzu kommen die Mandate der verstorbenen Mitglieder Graf Oriola und Bürgermeister Schmalbach. Tic Wahlen haben durch die Kreistage der einzelnen Kreise zu erfolgen.

** Geheimerat Dr. Heß wurden gestern auch von dem Lehrkörper der Landes-Universität Glückwünsche zum 75. Geburtstag dargebracht. Rektor und Dekan der philoso­phischen Fakultät erschienen, begleitet von zahlreiche Kollegen, in der Wohnung des Jubilars und hielten von Herzen kommende Ansprachen, in denen seine mehr als 40jährige akademische Mrksamkeil hervorgehoben und ge- w-ürdigt wurde. Blumenspenden arls Universitäts- und sonstigen Freundeskreisen verschönten die Feier, für die er tief ergriffen dankte. Dr. Heß ist nicht nur das älteste aktive Mitglied unserer Universität, sondern auch der Nestor unter allen akademischen Lehrern der Forstwissenschaft an den Hochschulen des Deutschen Reichs, Oesterreichs und der Schweiz'. Seine wissenschaftlichen Verdienste aber finden noch weit über das Gebiet deutscher Junge hinaus A.n- erkennmrg und Erfolg. Der gestrigen Notiz sei noch be- richtigend hiirzugefügt, daß mit der 75. Geburtstagsfeier nicht das 40jährige hessische Dienftjnbiläum verbunden war, denn dies ist im Februar 1909 bereits durch Fackelzug und Kommers gefeiert worden; vielmehr ist cs mit Einschluß der Bordienstzeit im Groß Herzogtum Sachsew-Kobürg-Gotha die 50jährige Dienstzeit, welche zum Fortbezug des vollen Gehalts auch im Ruhestand berechtigt.

Studentische Unterrichtskurse für Arbeiter und Unter beamte. Morgen, Sonntag, 26. Juni, vor­mittags 11 Uhr, sindet eine Führung durch die Uni­versitätsbibliothek statt. Zusammenkunft vor dem Bibliotheksgebäude; Zutritt frei für jedermann.

Kunstverein. Neu ausgestellt sind: Radierungen und Aquarelle von Kurt Leyde-Berlin und einige andere Bilder. Sämtliche zurzeit ausgestellten Bilder bleiben nur noch bis zum kommenden Freitag in der Ausstellung.

* * Volksfest der fortschr. Volkspartei. Man schreibt uns: Die fortschrittliche VolkSpartci wird Sonn­tag, 3. Juli, auf dem Staufenberg bei Lollar für Mitglieder und Freunde mit ihren Familien eine gesellige Unterhaltung mit Musik, Gesang und Tanz veranstalten. Ansprachen werden außer von anderen Rednern und Rednerinnen ge­halten von: Professor Rade-Marburg, Dr. Strecker- Nauheim und Pfarrer K orell-Königstädten. Es ist schon zahlreiche Beteiligung aus der näheren und weiteren Umgebung m Aussicht gestellt. Auch die benachbarten hessischen und preußischen Wahlkreise werden Teilnehmer senden.

* * Vom Schlachthofs-Neubau. Nachdem der innere Ausbau der neuen Schlachthofsbauten soweit ge­diehen ist, werden jetzt die beiden Dampfkessel ein­gebaut. Es handelt sich um einen Kessel von 60 und einen solchen von 45 Quadratmeter Heizfläche. Der größere Dampfkessel ist für den Sommerbetrieb, wo auch Eis her­gestellt wird, berechnet, während der kleinere im Winter gefeuert wird, so daß zu jeder Zeit eine Reserve vor­handen ist. Auch die beiden Wasserbehälter im Turm, ein Bassin für taites1 Wasser, 60 000 Liter Inhalt, und ein solches für warmes Wasser, 30 000 Liter, werden dem­nächst an Ort und Stelle montiert. Außerdem wird eine 60 P. S. Dampfmaschine und ein Eiserzeuger zur Aus­stellung gelangen. Der verhältnismäßig bedeutende Wasser­bedarf des Schlachthofes wird unmittelbar aus einem Brunnenschacht mittels einer Pumpenanlage gewannen.

* * Die Oktroierhebung wird mit dem 1. Juli eine Zentralisierung erfahren. Der Erheber Bergemann am Selterstoc wird die verbleibende einzige Zahlstelle am Selterstor weiter versehen. Die Hebeftellen am Neuen­weger, Wall- und Neustadter Tor gehen ein. Der seit­herige Erheber Roloff wird die Kontrolle des bahnseitig eingehenden oktroipflichtigen Guts übernehmen und neben­bei als Marktgelderheber bei Viehmärkten tätig sein. Der Erheber Belz ist für die neueingerichtete Schlachthoftasse als Kassierer bestimmt. Ter Erheber Watther steht vor- . läufig Lur Verfügung der Bürgermeisterei.

* * Kreisziegenzuchtv er ein. Der Ziegen­markt des Kreisziegcnzuchtvereins Gießen findet am 6. Juli, verbunden mit Prämiierung, auf der Ziegen- werde des Gießener Lokalziegenzuchlvereins statt. Die Marttkommission hat ihre Vorbereitungen bereits begonnen. Für die Prämiierung sind in diesem Jahre größere Mittel zur Verfügung gestellt. Die Beteiligung am Markte ist jedem gestattet, an der Prämiierung dürfen aber nur Tiere von Vtttgliedern des Kreisziegenzuchtvereins teilnehmen. Ter PreiÄbewerb erstteckr sich mir auf reinrassige Sa a ner - ziegen und deren Kreuzungen mit ausgesprochenem Schweizertypus. Es können auf dem Markte Tiere noch angekört werden. Auch für den Umtausch von Böcken und Ziegen bietet sich auf dem Markt Gelegenheit, von der Ge­meinden und 'Ortszuchtvereine wohl regen Gebrauch machen werden.

** Die Freiwillige Sanitätstolonne Gießen hält nächsten Sonntag vormittag 8 Uhr in der Nahe des Rangierkopfs bei Klein-Linden eine Uebung ab. Es wird angenommen, daß ein Eisenbahn­unglück an der Einfahrr in den Rangierbahnhof statt­gefunden habe. Der Bahnhof kann aber nicht alle .Verwundeten fassen, so daß die Sanitätskolonne alar­miert werden mußte. Tie Verwundeten werden auf allen möglichen Fahrzeugen, die rasch am Unfallort eingerichtet werden, nach der Klinik in Gießen gebracht. Ter Trans­port wird, unterwegs abgebrochen mW. im Gasthaus zur

, Deutschen Eiche" die Kritik von einem höheren Milttar- arzt abgehalten. Anschließend daran wird ein Vortrag über das Wesen und die Ziele der freiwilligen Santtäts- kolonnen gehalten werden. Wenn eine genügende Anzahl Leute von Klein-Linden sich zu einem 24 stündigen Aus­bildungskursus bereit erklärt, so soll eine Abteilung Klein- Linden ins Leben gerufen werden. Alle Herren, nicht unter 20 Jahren, die geneigt sind, Mitglieder an der Ko­lonne zu werden oder sonst Interesse für bic Sache zeigen, werden zum Besuch eingeladen. ....

= Steinbach, 23. Juni. Am 17 .Ium feierten K'irchenvovfteher Karl Gerhard und Ehefrau in geistiger und körperlicher Frische das Fest ihrer goldenen Hoch­zeit. Der Großherzog hatte dem Jubelpaare sein Bild in iÄüdrahmcn mit eigenhändiger Unterschrift nebst Glück­wunschschreiben durch die Kabinettsdirektion zugeyen lassen. Auch das Oberkonftstorium hatte ein Glüttwunschschreiben nebst neuem Testament übersandt, das der Ortsgeist- liche im Auftrag des Kirchenregimeitts überreichte. Der Ortsgeistliche sprach sodann im Namen des Kirchenvor­standes und der Kirchengemeinde dem Jubelpaar seine Glück­wünsche aus und überreichte ihm zur Erinnerung an den JubeltagDas Leben Jesu" von Farrar. Bürgermeister Krämer gratulierte namens der Sparkasse, dessen lang­jähriger Direktor der Jubilar ist, und überreichte ein Bild. Mit Rücksicht auf die Heuernte fand die eigentliche Feier erst am Sonntag statt. Umgeben von Kindern und Enkeln feierte das Jubilpaar den Tag. Zahlreich waren die Gratulanten, die im Hause aus- und eingingen und ihre Glückwünsche darbrachten. Am Abend brachte noch der G e s a n g v e r e i n Germania" dem Jubelpaar ein Ständchen. Möge es dem Jubelpaare vergönnt sein, auch die diamantene Hoch­zeit feiern zu können.

r. Londorf, 24. Juni. Die Vorbereitungen zu dem am 3. und 4. Juli hier stattsindenden Bezirks-Krieger- fest des Bezirks Gießen, verbunden mit dem 25- jährigen Stiftungsfeste des KriegervereinsRabenau", sind in vollem Gange. Wenn der Himmel will, verspricht das Fest recht schön zu werden. Am Sonntag, 3. Juli, ist ein Sonderzug genehmigt, der um 12.11 Uhr ab Gießen fährt und um 1 Uhr hier eintrifft. Abends fährt der Zug um 8 Uhr hier ab und ist um 8.50 Uhr in Gießen.

= Grünberg, 22. Juni. Nachdem nun die Arbeiten auf dem Festplatze des Gauturnsestes seit dieser Woche schon recht im Gange sind, wurden vor einigen Tagen im Beisein des Gauturnwarts Will-Gießen die genaue Einteilung des Turnplatzes, die Plätze für die Geräte, sowie für Stein­stoßen, Hindernislaufen und Springen festgelegt. Die Ge­räte werden, sowett sic der Turnverein nicht selbst besitzt, von der bekannten Turngerätefabrik Dietrich und Hannak- Chemnitz bezogen. Bezüglich der Beleuchtung wird etwas Großartiges geboten, da die Firma Ed. Leister-Kassel ihre Beonidgasanlage mir mehreren 300kerzigen Lampen aus- statten wird. .Auch die Festwirtschaft ist bekannten Wirten übertragen, es sind dies für dieBayrische Bierhalle" der Besitzer desWilden Mann" (Schmitt), für die übrigen Hallen L. Spuck aus Gießen. Von beiden Herren ist zu erlvarten, daß fie verstehen, allen und auch den verwöhn­testen Anforderungen Rechnung zu tragen.

§ Burkhards, 24. Juni. Hier erhgngte sich der 18jährige Dienstknecht Christian Bücher. Der Grund des Selbstmordes ist unbekannt.

-r. Ulrichstein, 24. Juni. Als der Landwir Johannes Schmiermund IV. von Ober-Seibertenrod von seinem mit einem jungen Pferd bespannten Wagen steigen wollte, ging das Pferd durch. Schmiermund wurde von dem einen Hinterrad gefaßt, eine Strecke geschleift und eclit einen dreifachen Schlüsselbeinbruch sowie starke Verletzungen an Kopf und Rücken. Nachdem es etwas wärmer ge­worden, haben wir auch schon wieder heftige Gewitter. Heute zogen mit starken Regengüssen drei Wetter über unsere Gegend. In Köddmgen schlug der Blitz in einen an der Försterwohnung stehenden Kirschenbaum.

Bad-Nauheim, 24. Juni. Bis zum 23. Juni sind 14 13 5 Kurgäste angekommen, wovon an genanntem Tage noch 6850 anwesend waren. Bäder wurden bis zum 23. Ium 156 909 abgegeben.

I-. Friedberg, 24. Juni. Die Arbeiten zur Her­stellung der Zentralheizung für das Lehrerseminar, sowie die größeren Renovierungsarbeiten im Innern des Internats sind von dec Baubehörde ausgeschrieben. Im Herbste wird bann da§ Seminar eine der Neuzeit ent­sprechende Heizungsanlage haben und auch im Innern einen schmucken Anblick darbieten.

R. B. Darmstadt, 24. Juni. Wie wir seinerzett be­richteten, beabsichtigte das Offizierkorps des Leibgarde- Regiments feinen bei Frohnhofen am 13. Juli 1866 gebliebenen Angehörigen an Ort und Stelle einen Gedenk- ftein zu setzen. Dieser ist nunmehr aufgestellt und soll durch eine kleine Feier am 13. Juli eingeweiht werden. Mitkämpfer des Regiments werden hierbei hochwillkommen sein. Die ehemaligen Unteroffiziere und Mannschaften, die den Feldzug 1866 in den Reihen des Regiments mitgemacht haben und die am 13. Juli an der Einweihung des Gedenk­steins teilzunehmen gedenken, werden gebeten, umgehend ihre Adresse an das Regiments-Geschäftszimmer einzusenden, von wo aus ihnen das Nähere mitgeteilt werden wird.

Worms, 24. Juni. Seit heute mittag steht die Dampfpappenfabrik Zollhaus zwischen Weinheim und Klein-Niedesheim in Flammen. Die große Fabrik und das umfangreiche Lager sind vollständig abgebrannt, das von der Fabrik etwas entfernt liegende Wohngebäude ist bisher unversehrt geblieben, aber stark gefährdet. Die Entstehungs­ursache des Brandes ist noch unbekannt.

F. C. Bensheim a. d. B, 24. Juni. Im nahen Schönberg verstarb gestern im 78. Lebensjahr der ehemalige Kurfürstlich-Hessische Premier-Leutnant a. D. Ferd. von Goerck, einer der wenigen noch lebenden ehe­maligen Offiziere der kurhesfischen Kavallerie-Brigade. Der Verblichene stand früher im 2. Knrfürstlich-Hessischen Hn- saren-Regiment Herzog von Sachsen-Meiningen, jetzt Hu- saren-Regiment Nr. 14, und nahm noch vor 1866 seinen Abschied. Er wurde dann Gouverneur des Erbprinzen, jetzigen Fürsten Friedrich-Wilhelm zu Ysenburg und Bü­dingen in Wächtersbach, in welcher Stellung er vom Her­zog Georg von Sachsen-Meiningen in den erblichen Adel­stand erhoben wurde. Sett Ende der 70 er Jahre nahm von Goerck in Schönberg seinen Wohnsitz.

X Berleburg, 24. Juni. Zwei Lehrlinge ent­wendeten 1500 Mark und verschwanden damit. SBei: werden die Burschen wohl kaum fonnnen.

Universitäts-Nachrichten.

II Marburg, 24. Juni. Dem Professor der juristijchen Fa­kultät, Dr. Träger, wurde der Titel Geh. Juslizrat verliehen.

Landwirtschaft.

Ulrichstein, 24. Juni. Die Heuernte ist in vollem Gange. Mit Quantität und Qualität des Heues ist man hier überaus zufrieden. Frucht, Kartoffeln, Gemüse, alles scheint in diesem Jahre gut zu geraten. Auch die Beerensträucher in den Gärten und im Walde hängen sehr voll.

Wien, 24. Juni. dem Bericht des Ackerbaumunste- riums war der Saatenstand in Oesterreich-Ungarn Mitte Juni, wenn 1 sehr gut und 2 über mittel bedeutet: bet Weizen 1,9, bei Roggen 2,2, bei Gerste 2,6, bei .Hafer 2,8, bei Nttiis 2,2, bei Kattoffeln 2,3, bei Zuckerrüben 2,3, bei Futter­rüben 2,5, bei Kraut 2,9, bei Klee 2,9, bei Wiesen 2,0, bei Weiden 2,5._______

GerichtrsaaL.

te. Wiesbaden, 24. Juni. Die Strafkammer verurteilte heute den 35jährigen Installateur Emil W i n t e r m e y e r aus Sonnenberg bei Wiesbaden, der aui Grund einer gefälschten Ur­kunde bei der Ortskrankenkasse in Gießen 32 Mark erschwindelte, wegen Urkundenfälschung zu drei Wochen Gefängnis. . , v . ...

Koblenz, 24. Juni. Das Oberkriegsgerrcht der lo. Twiiion verhandelle heute als Berufungsinstanz im Falle Verth gegen den jetzigen Fähnrich Freiherrn v. Schröder, den Einjährig» Gefreiten F i ch t e r und Leutnant B i e r k o r n. Die beiden ersteren waren des tätlichen Angriffes gegen einen Vorgesetzten vor ver- ammeUer Mannschaft beschuldigt, weil sie beide Bonner Borusien den Unteroffizier Beith beim Baden in der Sieg ins Wasser ge­worfen hallen. Leutnanl Bierkorn ivurde beschuldigt, er habe cs an der nötigen Aussicht fehlen lassen. Leutnant Bierkorn wurde zu zwei Tagen Stubenarrest verurteilt, die beiden anderen Angeklagten wurden freigesprochen.

Hamburg, 24. Juni. Der Handlungsgehilfe -Holft, der am 12. Januar ds. Js. die Pfandleiherin Luise Merkt ermordet und beraubt hat, ist vom Schwurgericht zum Tode verurteilt worden.

Wien, 25. Juni. Hosrichter soll zu 20 Jahren Kerker verurteilt sein ohne Anrechmmg der Untersuchungshaft. Der Kaiser Franz Josef habe, so ivird gemeldet, gestern in Budapest das Urteil oestätigt. _________________________

Bombenattentat und Bantraub in Friedberg.

Gießen, 25. Juni 1910.

Die Ermittelungen der Polizeibehörden haben unsere seitherigen Mitteilungen vollauf bestätigt, es ist nur noch nachzutragen, daß die Bombe von zwei Leuten gelegt wurde. Zwei Männer, die kurz vor der Explosion das Rathaus verließen, bekunden, daß sich zwei junge Leute im Treppenhaufe zu schaffen machten. Sie hatten angeuom- men, ^ es Arbeiter seien, die Hier zu Lun Hatten, und sich nur gewundert, daß die Leute so rasch fertig waren. Ter eine stand oben auf der Treppe Schmiere, ivährend der andere die Bombe entzündete. Ob es sich um noch mehr als zwei Verbrecher handelt, das ist noch nicht feft- gestellt, es ist aber jedenfalls anzunehmen. Heute erläßt das Frankfurter Polizeipräsidium folgendes.

Ausschreiben:

1. In der Nacht znm 15. 6. 1910 ist in dem Luftschacht an der Billa des Bankier Meyer, Hier Unkerlin- dau 2, eine Zeitzünderbombe zur Explosion ge- bracht worden, welche das Haus und die Nachbargebäude beschädigte. Als Bombc war eine Blechbüchse, gefüllt mit einem Nitro spreng fto ff und Eisenstückeu, verwendet worden. Die Täter ergriffen, von herannahenden Pvlizeö Beamten überrascht, auf Fahrrädern die Flucht. Zwei Tage nach diesem mißlungenen Anschlag erhielr der Ban­kier Meyer einen Erpresserbrief, in welchem er unter An­drohung der Ermordung zur Hergabe von 10 000 Mk., post­lagernd Amsterdam, aufgefordert wurde. Diesem Schrei­ben folgte am 19. 6. 1910 ein neuer Drohbrief in eng­lischer Sprache.

2. Am 22. 6. 1910 nachmittags gegen 4 Uhr ivurde unter der Rathaustreppe in Friedberg i. H. eine ähnliche Bombe wie zu 1. zur Explosion gebracht. Das Ge­bäude ist stark beschädigt. Kurz nach der Explosion ver­buchten zwei maskierte Personen, die dortige Reichsbank­stelle zu berauben und den Bankvorsteher zu ermorden: er ist durch einen Revolver schuß erheblich verletzt. Als Täter für die beiden Verbrechen zu 1. und 2. sind folgende Personen ermittelt worden:

a) Ein Unbekannter, ca. 25 Jahre alt, etwa 1,80 Meter groß, schlanke Gestalt, hageres Gesicht, duntel- blondes, lints gescheiteltes volles Haar, bartlos, trug dunkel­blauen zweireihigen i->ackanzug, weißen Strohhut. Täto­wierung: jüit dem rechten Unterarm deutsche und amerikanische Flagge gekreuzt, sülfrte bei sich: Frem­den Befähigungsnachweis als Chauffeur auf den Namen Anton Burkenftein, geb. 17. 7. 84 zu Neu-Roh­lau (Bezirks-Amt Fattenau a. d. Eger) aus Halle a, S. NB. Lin ter Oberkiefer fehlt Eckzahn.

Bei der Verfolgung entleibte sich der Unbekannte durch einen Schuß.

In dem Besitz des Toten wurden die Photographien von zwei Frauen vorgefunden.

b) Ein Unbekannter, ca. 2023 Jahre alt, 1,60 bis 1,65 Meter groß, schmächtig, blasses Gesicht, blondes Haar, bartlos, trug dimkclvlaucn oder grauen modernen Sackcmzug, weißen Strohhut oder Reisemütze oder grünen Sammethut, nannte sich Reisender Friedrich Schmitt aus Darmstadt. Ist nach der Tat flüchtig ge­worden.

Beschlagnahmt wurden folgende Effetten der Täter: 2 schwarze -Lann-Halbmasken, 2 weitere Bomben mit Zünd­schnur versehen, das Brcnnabor-Fahrrad, Modelt Is Nr. 389 196, 2 gleiche graue Gummimäntel und Sportmützen und 4700 Mk. bar.

Besonders interessiert der Verbleib eines schwarzen Muster-Handkoffers wie ihn Reisende führen, der im Besitze der Täter gesehen worden ist.

Ich ersuche er geben ft um geeignete Ermittelungen auch in benachbarten Strafanstalten, möglichste Weiter' Verbreitung, auch an etwa unterstellte Bchördeii und Draht­nachricht. Personen, die sachdienliche Angabeu niachen können, wollen sich ' an die nächste Polizei-Verwaltung wenden.

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Fri edb erH, 24. Jmn. Auf dem hiesigen Bahn­hof wurde heute abend in der Gepäckabfertigung eilt Karton aufgefunden, in dem sich der Anzug des einen der beiden Verbrecher befand, die den Bombenanschlag verübten Außerdem fand man auch eine Anzahl lvichliger Schrift stücke, die aus Frankfurt Hinweisen und nut denen man hofft, auf die Spur des Komplizen des sich'erschossenen Bankräubers zu tömmen. In Friedberg ist jetzt ein Berliner Kriminalkommissar eingetroffen. Nach den bis herigen Ermittelungen sind bet dem Attentat vier Personen beteiligt gewesen. Eine Frau hat um die Zeit, als der

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