Samstag 23. Juni 1910
Erstes Blatt
Die heutige Nummer umfaßt 16 Seiten.
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160. Jahrgang
Nr. 146
Der Lietzener Anzeiger erschein! täglich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich GietzenerZannlienblätteri zweimal wöchenll.Nrett- dltrtt für den lLreir Sietzen (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Land wirtschaftliche Settfrage» Fernsprech - Anschlüsse: für die Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Adresse für Depeschen
Anzeiger Gießen.
Annahme von Anzeig« für die Tagesnummer his vormittags 9 Uhr.
unerheblich zuri ,, _ gang -war nicht sehr
Die Stichwahl in zriedberg-Büdingen.
Gießen, 25. Juni.
Bei der gestrigen Stichwahl im 2. oberhesfischen Reichs- tagswahlkreis Friedberg-Büdingen siegte der sozialdemo- krati sche Kandidat Bus old mit einer Mehrheit von rund 2200 Stimmen.
Bei wesentlich stärkerer Wahlbeteiligung erhielt Rechtsanwalt Dr. v. Helmolt (Bund der Landwirte) 9565 und Schreincrmeistcr und Parteisekretär Busold (Soz.) 11 766 Stimmen.
Damit ist ein Wahlkreis, der seit der Gründung des Deutschen Reiches stets bürgerlich — und zwar liberal — vertreten war und zu den wohlhabendsten im ganzen Reichsgebiet gezählt werden darf, der Sozialdemokratie anheim- gefallen. Dieses vom vaterländischen Standpunkt aus durchaus unerfreuliche Ergebnis wird überall in Deutschland Aufsehen erregen und zugleich eine loeithin leuchtende War- ,nlng sein, doch es so nicht weiter gehen Fann, weder in der Art, wie bei uns regiert wird, noch in der Art der seitherigen ParteiLolitik, die an der Stelle allgemeinpolr- tischer, von großen Gesichtspunkten getragener (Grundsätze und Erwägungen lediglich einseitige Klasseninteressen
2Hi$ Beföctt.
Der Präsident der Zweiten Kammer, Geheimrat Haas, toirb am Dienstag eine vicrwöchentliche Erholungsreise antreten- Wah-- rend dieser ^eit roirb wieder Vizepräsident K ore l l die Führung der Geschäfte übernehmen. — Heber die W ahlkrers ei n t er -i lung hielt der zweite Ausschuss unter Vorsitz des Abg. von Brentano am Samstag vormittag eine Beratung ab, enw weitere Sitzung soll am Dienstag früh stattfinden.
für eine Staatskasse vorzudeugen, gewisse Praventwvor- schriflen für die grundsätzliche Anerkennung von Ersatz- Instituten nötig sind: die Bedingungen können aber so gestellt werden, daß sie erfüllbar sind und nicht der Vernichtung privater Kassen gleichkommen.
Der Friede im Baugewerbe.
R. B. Darmstadt, 24. Juni. Die Maurer, Zimmerer und Bauhilfsarbeiter hielten heute vor mittag eine sehr ,10x1 >. uchte Versammlung ab, in der mit großer Majorität beschlossen wurde, die Arbeit sofort wieder aufzunehmen.
politische Tagesfchau.
Aus der deutschen Koloaialverwaltung.
Aus kolonialen Börsenlreisen schreibt man uns: Gouverneur v. Rechenberg dürfte vorläufig sein Amt nicht niederlegen, doch wird man mir einem Wechsel int Gouvernement: zu Beginn des Winters rechnen dürfen. Zwischen dem neuen Staatssekretär v. Lindequist und Herrn v. Rechenberg bestehen allerdings Meinungsverschiedenheiten, es wird sich aber erst spärer zeigen, ob diese so groß sind, daß ein Zusammenarbeiten beider Männer unmöglich wird. Es steht fcht, daß Herr v. Rechenberg bei seiner Abreise von Berlin Ende Mai von dem Entlassungsgesuch Dernburgs unterrichtet war und in die Kolonie zurückkehrte in dem Glauben, daß v. Lindequist sein höchster Vorgesetzter werden würde. Man nimm vorläufig aber an, daß auch der neue S-err in den Dernburgschen Bahnen weiter wandeln wird, namentlich in den Fragen der Eingeborenenpolitik, so daß sich Meinungsverschiedenheiten mit dem ostafrikanischen Gouverneur nicht ergeben werden. Betreffs des Gouverneurs von Südwest.crfrika nimmt man an, daß Herr von S ch u ct m a n n aus gesundheirlichcn Gründen sein Abschiedsgesuch aufrechterhalten und schon in der nächsten Zeit einen Nachfolger erhalten wird. Die Aera Lindequist dürste in der Diamanten- und Landgejellschaftsfrage von der Dern- burgschen Politik abweichen und sich den Wünschen des fetzigen Gouverneurs mehr anpassen.
scheinen die ländlichen nationalliberalen Wähler die Parole ihres Wahlausschusses viel einheitlicher befolgt zu haben. Darüber hinaus ist aber in den Landorten eine erheblich bessere Wahlbeteiligung festzu stell en, da auch die für Busold abgegebenen Stimmen um rund 1200 zunahmen. Die stärkere Wahlbeteiligung in den Landgemeinden ist in der Hauptsache aus die eifrige Agitationstätigkeit des Reichsverbandes gegen die Sozialdemokratie in der Zeit zwischen Haupt- und Stichwahl zurückzuführen und auch in den Zentrumsorten sind noch erhebliche Reserven für v. Helmolt in Bewegung gesetzt worden. Somit ist es in der Tat gelungen, daß in den LandorteneineMehrheitfür von Helmolt Herauskain. Er erhielt nämlich in ihnen 172 Stimmen mehr als Busold. Daß in den Städten nicht das gleiche in Erscheinung trat, beruht einmal darauf, daß dort die Anhängerschaft der fortschrittlichen Volkspartei bedeutend stärker ist als auf dem Lande, zum anderen hat es feine Ursache darin, daß die zahlreiche Beamten- und Lehrerschaft der Städte keine besondere Begeisterung für den Stichwahlkandidaten von Helmolt entwickelte. Einige untergeordnete bündlerische Agitatoren waren nämlich vor der Hauptwahl gerade gegen diese beiden Stände mit ungewöhnlicher Schärfe üorgegangen Herr von Helmolt mißbil igte zwar öffentlich dieses Befahren einiger seiner Wahlhelier, aber seine loyale Erklärung reichte nicht aus, das wieder gut zu machen, was der agitatorische Unverstand einzelner verdorben hatte.
Immerhin zeigt das diesmalige Wahlergebnis, daß die Rückgewinnung des Wahlkreises für die bürgerlichen Parteien sehr leicht möglich ist, wenn bei den Wahlvorbereitungen, besonders bei der Kandidatenauswahl, geschickter vorgegangen wird, als es diesmal leider der Fall war.
Das österreichische Abgeordnetenhaus nahm den S t a a t s v o r a n s ch l a g für das Jahr 1910 in dritter Lesung an.
In der Sitzung der niederländischen 2. Kammer riducte van Toorn an die Regierung die Anfrage, ob sie rn oct Angelegenheit der Bor r o in aus - Enz y k l i ko protestiert habe ober zu protestieren gedenke. Ter 'Obmifter des Auswärtigen erwiderte, es handle sich um eine rem innere Angelegenheit der katholischen Kirche. Verschiedene Abgeordnete der orotestantt)chen. Parte, schlossen sich der Regierung an. Nolens erklärte uti Namen der Katholiken unter Hinweis auf die Antwort des Papstes an Deutschland, daß seine Partei sich an der Ausivrack" nicht bet'-thge.
2cc icbweizerischc Nationalrat und der Ständerat nahmen das Aussührungsaesetz zu dem Artikel der Verfassung betreffend das A b s i n t h v e r b o t an. Dadurch wird vom 7. Oktober ab die Fabrikation, die Einfuhr und der^Verkanf von Abfmtft und aller Nachahmungen in der ganzen Schweiz verboten.
Ter französische Senat nahm beit Gesetzentwurf an betontenb die Abänbcrung der Berner Konvention zum Schatz von Werken der Literatur und Kunst.
Das „Journal Ofsicicl." teilt mit: Minister Pichon habe eine Anftage des Deputterten Brousse betonend die deutschen Z o l l c r h ö h u n g e n aus Champagner, Schaumweine und Liköre schriftlich dahin beantwortet, daß der Botschafter in lin, Cambc> n , beauftragt worden sei, bei der deutschen Regie rung über diese Maßnahme Klage zu führen, die in Frankreich einen sehr peinlichen Eindruck hervorgchoben habe. Frankreich wurde u. II. genötigt sein, entsprechende Maßnahmen zu er- areifen Es wäre bedauerlich, wenn ein solcher Zustand von Zollrevressalicn zwischen den beiden Ländern einträte. Das deutsche Auswärtige Amt habe geantwortet, indem cd auf die Notwendigkeit hinwies, neue Hilfsinittel zu schaffen, und hervorhob, daß die deutsche Regierung durchaus keine übelwollende Absicht gehabt habe. Auch Oesterreich-Ungarn und Italien würden von den Zollerhöhungen betroffen. Am Schlüße seines Antwortschreibens versichert Pichon, er werde alles tun, um die fraiv, zösischen Interessen ?,u schützen und Frankreich die Gegcnsctttgkett der guten Behandlung zu sichern, die es in seinen wirtschafte sichen Beziehungen zu einem großen Nachbarlcurdc beanspruch dürfe. ö _
Nach einem unter dem Vorsitz des Königs von Spanien abgehaltenen M i n i st e r r a t erklärte der Ministerpräsi- b ent, er wiederhole dem Könige die feste Absicht der Regierung, von dem bisher in der Religionssrage beobachteten Verhalten nicht abzugehen. Er werde die Vorrechte der Krone, fowie die Rcgie- rungsgewalt ausrecht erhalten. In der Aushebung der Beschränkung religiöser Gemeinschaften werde man sortsahren. Die jüngsten Erlasse, die sich auf die Ausübung der Kulte bezögen, berührten in keiner Weise das Konkordat und würden nicht abgeändert. Die Regierung erhielt auf die b c i d c n an den Vatikan gerichteten Noten erst eine Antwort und werde sich die Beantwortung der zweiten Note erbitten.
Der König und die Königin der Bulgaren begaben sich am Freitag in Begleitung des französischen Präsidenten und seiner Frau zum Pariser Rathaus, wo sie von dem Präsidenten des Stadtrates und dem Präsekten des Seine-Departements empfangen wurden. Pichon gab zu Ebren des Königs und der Königin der Bulgaren ein Festessen, an dem u. a. Präsident Fallieres, sowie die Präsidenten des Senats und der Kammer teilnahmen. Nach dem Essen sand Empfang statt.
Das bulgarische Königspaar gab hn Ministerium des Aeußern cm Frühstück, an dem Loübet, Bricrnd und Pichon teilnahm.
Die Wahlen zur griechischen Nationalversammlung sind aus den 14. August festgesetzt.
Der Boykott in der Türkei gegen die Griechen wird auf das strengste gehandhabt. Mehrere griechische Kaufleute toirrben gezwungen, ihre Läden zu schließen Der Boykottausschuß beabsichtigt, ben Boykott bis zur entgültigen, für bie Türkei günstigen Lösung ber krettschen Frage fortzusetzen. Zahlreiche Wechsel griechischer Kaufleute wurden nicht eingelöst.
Das Repräsentantenhaus ber Vereinigten Staaten von Amerika nahm bas Gesetz, bas bas Spielgeschäft im Terminhandel mit Baumwolle verhiubern soll, an.
Für die diesmalige Stichwahl gab die nationalliberale Partei Wahlparole siir Herrn v. Helmolt aus, wahrend die fortschrittliche Bollspartei zur Wahl BusoldS aufforderte Taburd) wäre die Wahl BusoldS ohne weiteres geschert gewesen, da die freisinnigen Stimmen ausreichten, um ;nm eine sichere Mehrheit zu versck)asfen. Aber einmal pflegen Stichwohlvarolen nicht durchweg befolgt zu werden und dann waren immerhin nod) erhebliche Reserven vorhanden. O. emc cd gelang, von diesen und) einen größeren Bruchtell für die Stichwahl auszurütteln, so war ein ^ttÄwahlfteg des Bundes ber Laiidwirte durchaus möglich. Tatsächlid) war denn auch die Wahlbeteiligung im zweiten Wahlgang erheblich ftarter als im ersten. Sie stieg von 20 351 giftigen stimmen auf 21 232, also jetzt wieder auf 85 Proz. Das iit um so bemerkenswerter, als in den Städten eine. e r qi eb li d) geringere Wahlbeteiligung sesHuftellen ist.
Bei ber Hauptwahl mürben in Friebberg, Bad-Nau- heim, Butzbach, Vilbel inib Bübingen 2235 stimmen sur »an Gatter, 2623 für Busolb unb 446 für von Helmolt, zusammen 5324 Stimmen abgegeben, währenb in ber äj wähl in diesen Städten Busolb 3566 unb von Helmolt 1180 Stimmen erhielt, zusammen also nur -stimmen abgegeben würben. Im einzelnen gaben in biesen Stabten Sttmmen ab: Bad-Nauheim: Hauplwahl v. Catter 57o, Busold 752, v. .Helmolt 62, Stichwahl Busold 830, v Hel- molt 210- Bübingen: Hauptwahl van Ealrer 2,8, Bujolb 321, Helmolt 24, Stichwahl Busolb ^6, Helmolt 110; Butzbach: Gaffer 395, Busolb 204, Helmolt 34, Stichwahl Busolb 372, Helmolt 23.5; Friedberg: hauptwahl Calker 7/6, Busolb 746 unb Helmolt 2:39, Stichwahl Bufolb 1000, molt 454: Vilbel: Hauptwahl Gatter 211, Busolb .80, Helmolt 87, Stichwahl Busolb 928 unb Helmolt 1 <\ ^hni' men. Außerbem mürben in der Stichwahl autzerordentlich viele weiße Zettel abgegeben, bie offenbar üon solchen Wählern herrührte», bie ber uationalUoerafen Parceiparole für von Helmolt nicht folgen wollten, aber auch bem ^ozial- bemnrraten ihre Stimme nicht geben wollten.
Währenb sonach in ben Städten die Stimmenzahl von Helmolts nur um 734 stieg Xgegen eine Zunahme BusoldS um 943 —........f,wo M,r Mnt1
fördert.
Mit der Wahl BusoldS tritt der 49. sozialdemokratische Abgeordnete in den Reichstag ein. Seit den Tagen ber Reichsfinanzreform ist es ber 6. sozialbemokratsiche Wahlsieg bei Nachwahlen, ein Beweis bafür, wie stark btc Erregung ist, bie von biefjr Reform unb ber jid) ihr anschließenden Entwicklung unserer innerpolitischen Dcrhält- niffc ausgegangen ist.
Die jetzige Ersatzwahl für ben Grafen Oriola hat be- fannrlid) unter wesentlid) oeränberten Parteiverhaltnissen ftattgefunben wie bie Wahl von 1907. Damals gingen iiatiönalliberale Partei unb Bunb ber Lanbwirte zusammen unb brachten für ben int ganzen Wahlkreis hochgeachteten unb beliebten Grasen Oriola 8492 Stimmen auf, währenb auf ben Sozialbemokraten Busolb 7234 Stimmen, auf ben vom Zentrum unterstützten Anttsemtten Bahr 3299 unb auf ben Freisinnigen Dr. Strecker 1472 Stimmen entfielen. Es stauben also damals 13 263 bürgerlichen Stammen 7234 sozialbemotratische gegenüber. Bei ber Stichwahl erhielt Graf Oriola 11 525 unb Busolb 8515 Stimmen.
Bei ber jetzigen Wahl trennten sich Nationafliderale unb Bunb ber Lanbnnrte. Dafür fand ber Bunb ber Landwirte bie Unterstützung bes Zentrums, sowie ber Deutsch- und Christlich-Softalen, währenb bie fortschrit:lick>e Dottspartei ben national liberalen Kcmbibaten unterstützte. Die Verhältnisse brachten cs mit sich, baß sich int Dahltampf bie beiben bürgerlichen Parteigruppen scharf befehbcten uuo btc Sozialbemottatie verhältnismäßig unangefochten ließen. Taburd) mag es z. T. gekommen sein, Vaß trotz ber außer- orbentlich lebhaften Wahlagitation bie Wahlbeteiligung nickst ’ ückgegangen ist Zahlenmäßig i't btefer Rua- ttuxm d.vu. .vvuit sehr bebculciid (;907 wählten tu ber Hauptwahl 20 497 unb in ber Stichwahl 20 040 Wähler, rnahrenb 1910 im ersten Wahlgang 20 351 Stimmen abgeaeben würben). Mittlerweile ist aber bie Zahl ber B>ahlberechtig> en von 23 887 auf 24 957 gestiegen, bei etwa oOO ber neuen Wähler die auf bie Bab-Nauheimer -saisonangestellten entfallen. Prozentual ftel also bie Beteiligung von 85,8 Pro^ bei ber Hauptmahl unb 83,4 Proz. bei ber vsttchmahl 190.
Zur Frage der Brivalbeamten-Verstchernng.
Die Hauptversammlung ber Pensionskasse des Deutschen Privat-Beamten-Ver eins in Mag- beburg am 19. Juni richtete an das Reich samt bes Innern bi» bringenbe Bitte, bei ber Ausarbeitung eines Gesetzentwurfes über eine staatliche Pensionsckrsicherung ber "Privat-Beamten bie wohlerworbenen Rechte ber in privaten Versicherungskassen versicherten Angestellten burd) Anerkennung bestehenber Kassen als Ersatz-Jnsti:ulc schützen zu wollen. Zur Begrünbung bieses Ersuchens roirb ausgeführt: Die staatliche Sozial- versicherulig har bisher nur ben wirtschaftlich Schwächsten einen Schutz durch Sicl?erung eines Eriftenzmmimums gewährt, so baß fürsorgliche und einsichtige Angestellte zu einer angemessenen Sicherung ber Zukunft auf bie Selbsthilfe burd) Beteiligung an ber privaten Versicherung angewiesen waren. Dieser Weg ist auch von sehr zahlreichen Privatbeamten, häufig unter Mithilfe ihrer Arbeitgeber, beschritten unb auch behörblicherseits wieberholt nachbrück- lid) empfohlen worben. Es würbe eine große sozialpolitische Gefahr, eine Erschütterung bes sozialen Denkens unb Empfindens weirer Kreise bedeuten, wenn dieser Standpunkt jetzt verlassen und die Selbsthilfe aufgegeben würde. Die grundsätzliche Nichtanerkennung von Ersatzinstittlten wurde aber diese Folge zeitigen, jedenfalls auf eine Ablenkung von der Selbsthilfe hinauskommen und den immer noch gesunden Kern der Selbsthilsebesttebungen und -Einrichtungen vernichten. Tie Vernichtung und die Eutwicklungs- beschränkungen seit Jahrzehnten bestehender b ül^ender Versicherungslassen, namentlich soweit sie auf Gegenseitigkeit beruhen, würbe für bie an ihnen beteiligten Angestellten ferner mit schweren wirtschaftlichen Schädigungen verbunden sein, da Privaibeamke nach Einführung eines ausnahmslosen Beitragszwanges zur staatlichen Kasse bestehende private Versicherung wegen der sonst zu hohen Belasttmg fallen lassen müßten. Die Aufgabe von unter großen pekuniären Opfern abgeschlossenen privaten Verh eerungen würde aber wiederum eine große Ungerechtigkeit bedeuten, da nach den übereinsttmmenden Gutcuhten von, Versicherungs-Sachverständigen ben Versicherten in Rücksicht auf bie inbiDibueu verfchiebenen Verhältnisse vielfach größere Dorteile bei einer privaten Kasse als bei einer Staatskasse erwachsen. Die Rechte ber versicherten Beamten an ben privaten Kassen- oemernsthaften sollen baburch gewahrt werben, baß burch bie Anerkennung ber privaten Versicherungsge.ellichafren als Ersatz-Institute für -eine staatliche Versicherung bie freie
Dcutfcbcs Kciäh
Der Kaiser fuhr mit ber Jacht „M eteor" nach 9 Uhr in ben Kieler Hafen ein. Die Jacht ttntrbc zur Bose geschleppt, worauf ber Kaiser an Borb ber „Hohenzollern" zurücklehrte. Zur Abenbtasel waren geloben Prinz und Prinzessin Heinrich, Hosmarschall Frhr. v. Seckenborff mit Gemahlin und der Fürst von Monaco mit Begleitung, m ber sich Professor Her gesell befinbet
Die Leiche ber Prinzessin Feodora zu Schleswig-Holstein traf gestern abend, vom Herzoge Ernst Günther erwartet, auf dem Bahnhöfe in Primkena u ein. Sie wurde unter Glockengeläute nach der Hofkapelle überführt, wo eine kurze Trauerfeier stattfand.
Ter König von Sachsen ist nachmittags um 5 Uhr von der Reisc nach Essen und Bitsch Mieder in Dresden eingetroffen. Bei her Einfahrt bereitete ihm die Dresdener Bürgerschaft vor bem Hauptbahnbos eine Kundgebung wegen seines Ern t re t e n s gegen die päpstliche Enzyklika. Der König banne und suhr durch die slaggen- und blumcngeidimürftcn Slraßen, in denen öic Schulen und Vereine Spalier bilderen, im offenen Wagen, mit lebhaften Znrnfen begrüß!, zur königlichen Villa in Wachlitz
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MUr politischen Teil: August
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Rotafionsbrttd und Verlag ber vrShl'schen Univ.'vmh- und Steinbruderet R. Lange. Rebaftion, Crpebttion und Dmderei: Lchulftrahe ?. Anzei'gen'tcü?'h." Beck.


