Ausgabe 
21.2.1910 Zweites Blatt
 
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<w !?/'>v'>rbi. A Mbaut ^9 bet an- Akratischem Vribatc ,Cddf .mit ,5 f1c,nc" 1 anj, -ußerungen in erlegen, We er and) nicht £! _Qn dic et «nschaullngev Mcht'g! lintz.s ' Fürsten ^'Programm - die er einM- er Reiche ^ussührcr -n^ürsten ) A bin bet cn Reichs, scN gcför- dch toir einen Wicklung getan n Suiamtncib cn Wahliechl? lob) gezeichnet )e bet Gegen- luic bet iien laße ausgcar Programms ab an. (Zu- iche Reichs- tagSivahl- für weitaus- ksichtskieis bc- ählc, Et ist mit stark Klag. (Seht

et Anflächung ich, mit bet aifent von alten. (Sehr ipondetanz be- Einflug aus-

. Dic Rcichs- unb betfchli, >eu bat. dabei mS tiefer Gr- t] des ptcus'i- bet WW stw rtluL 8» die Rcchüm ist.

enilvicklung bet ablenken durch Kationen sind. Straßendemon- ttcl. die Dahl- i Gcgncm der für den Fort­echt gegen alle usi bet

Beifall links.)

ollweg:

l ausgestellt, dcc Er hat getagt, itscinrichtunge" dazn, nur ich dock' "V M »«alj- , Betrachtungen, * Worte von nut rcuh-ns 3« da -pogt: «J chwiitnM^ n, die ,, d täume. sE - s»nn e» 'Mit erhoben» °ßKch-

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Sfbg. «fetfnnh) n^eFe)'?

Unsere fSttüting ist ja bekannt. Das Abgedrtzite4enhrM? ist nur der Teil einet Volksvertretung. Es dient der DillkiK der Regierung. Am Reichstag sollte sich dos Abgeordnetenhaus cm Beispiel nehmen.

Der NeicvskanZlec ist ein Verächter des Zeitgeister, der offentlrrfvn Meinung und der Presse. Kein Staatsmann darf den Zeitgeiu mißachten, sonst scheitert er, was ich Herrn esu Betbrnann Hollweg wünsche und hiermit Voraussage. Er lebt tti einer verflossenen Zeit. Er iit ein talentloser Ro man schreibet und seine Werte werden Makulatur sein.

Abg. Liebermann v. S»««enberg (Wirlsch. Bg.):

Ich bade im Namen der Wirtschaftlichen Bereinigung eine kurze Erklärung abjugelxm. Die Wirtschaftliche Ver­einigung hat nie einen Zwei fei darüber gelassen, daß sic an dem durch die Reichsverfassung erngeführlen allgemeinen, gleichen, direkten und geheirncn Wahlrecht unverbrüchlich feithält. Sie kann aber in den Satterungen des Herrn Reichskanzlers im Abgc- ordnctenbansc weder eine Bedrohung noch eine Her­absetzung des im Reiche und einzelnen Bundesstaaten gewähr- leisdeten Wahlrechts erblicken und zwar in Verbindung mit dem eben vom Reichskanzler dem Abg. Wiemer gegenüber zitierten Satz aus seiner Rede, worin er die Eigenart der süddeutschen Volksstimme erwähnt und ihr gerecht wird. Meine Fraktion vjt vielmehr der Ansicht. daß seine Rede durchaus zur Sache gehörte, und daß die jedem deutschen Staatsbürger durch die BerfassungS- urlunde her deutschen Bundesstaaten gewährleistete Freiheit des Wortes auch dem Reichskanzler zustehü Wir weisen daher die sozialdemokratische Interpellation als unberechtigte Anmaßung zurück.

Wg. Ledebonr (Soz.)r

Redefreiheit aus dem Munde eines Mannes, der den Terroris- gegen die Beamten gesetzlich festlegen Willi Wenn er das allge- mcine, gleiche, geheime Wahlrecht für so mangelhaft hält, dann darf ex das Reichskarizleramt nicht übernehmen (fachen rechts); oder er wartet auf die günstige Gelegenheit, es zu beseitigen. !(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Der Reichskanzler fast die leidenschaftlichen Kämpfe im Parlament als Zeichen der Verrohung auf. Dci Ton entspricht dem Milieu. Ist das Ver­rohung, wenn man sagt, die Amerikaner wollen auch einen Schluck aus her Pulle? (Zuruf rechts: Wer sagt das?) Herr v. Oldenburg-! l Große Heiterkeit.) Von wem geht denn die Mißachtung des Reichstag? aus? Von den alten Jungfern in M a n n S b o s e n. (Große Heiterkeit.)

Von den Herren vom Bundesrat, die zu Initiativanträgen nicht Herkommen und zinn .Toleranzantrerg nur den braunschwei­gischen Gesandten als Streikposten herschicken. (Große Heiter­keit.) Solche Mißachtung des Reichstags liegt darin, daß der Reichskanzler nach seiner berunglüdten Rede plötzlich van der Bildflache verschwindet und wie damals bei der Kaiserinter- pellatiou die Jgeltakiik verfolgt, sich zusammenrollt, den Kopf chineinsteckt nrrd die Stacheln nach außen. (Heiterkeit.) Wenn ex damit wieder mit einem Erfolg der auswärtigen Politik cwf- luaricii kann, iieer den Fürsten von Bulgarien, der ja angeblich in Braunschweig divlomatische Verwicklungen angeschlagen hat (große Heiterkeit', dann erscheint er wieder! strahlend mit lächeln­dem Blick hier im Hause und nimmt den Beifall der Herren auf der Rccksten entgegen. Das ist nicht die Art, wie der einzige verantwortliche Minister im Reiche sich dem deutschen Reichstag gegenüberznstellen hat. (Sehr richtigI links.) Aber schuld an dieser Jgeltaktik tragen auch Sie hier; warum ziehen Sie nicht dic äußersten Konsequenzen aus Ihrem Budgetrechr? Sie sollen fdjen, wie die .Herren dann geschmeidig werden. ^Heiterkeit.) Das Wahlrecht ist nicht nur ein preußischer Kamvf, sondern ein deutscher .stampf. Herr Wiemer hat es wirklich fertig gebracht, uns vorzuwcrsen, daß wir Ihnen im Wahlxechts- lampf mit den Straßendomoustratiouen in den Rücken faßen. Krawalle gibt es nur, wo die abgehetzte Polizei sich cunnischt. (Lachen rechts.) Das Blut, das in Neumünster, Frankfurt und Halle geflossen ist, dieses Blut klebt an den Fingern des Reichskanzlers. (Unruhe rechts.) Aber das lasten Sie sich gesagt sein, meine Herren Liberalen: alle Ihre Hoffnungen, daß die Sozialdemokratie so so so verflachen fbiuiie, daß sie sich in ihre Rockschöße oder sich, s Volten würde, sollten Sic ausgeben; aber auf diesem

SßgTeBi'ZäUötti ja giittr guten Teil das 1«$®etaWt «Seht richeig.' rechts.) Wir batten es mit dem Ausspruch van Marx: Gehr Euren Wog und laßt die Leute reden! (Lebhafte Zustimmung nie) große Heiterkeit.) Wir werden unseren Weg »mntergehen. auch mit ^traße»dcmon st ra­tionell. Wir werden vielleicht a u cb noch schärfere Mittel gebrauchen, (Hört! Hört!) und werden es endlich dahin bringen, daß das preußische Volk das allgemeine Wahlrecht erkämpft gegen allen Widerstand. Wenn die herrschenden Klassen die Machtmittel, die noch in ihren Händen sind, das Militär und die Polizei zur Entrechtuna des Volkes und zur Zerstörung des Reichstags mißbramHcn würden, dann ivürde es allerdings zu Gewalttätigkeiten kommen.

Die jüngsten Ausführungen lasten keinen Zweifel darüber daß damit gerechnet wird, die Waffengewalt gegen eine siegreiche Volksbewegung in Deutschland anzuwenden. Deshalb war mir be­sonders interessant dic Aeutzerung des Herrn Kricgsministers, der, wie ich jetzt erst erfahren trabe, cm Sohn des ehemaligen Lirhessi- schen Generals Josias v. Heringen ist, daß dic Offiziere oeShalb nicht auf die Verfassung vereidigt werden dürfen, weil sie unter Umständen von einem eidbrüchigen Monarchen gegen die Ver­fassung sich mißbrauchen lasten mästen. Das ist ein deutlicher Be­weis, daß diese Klassenherrschaft am Ende ihrer Macht ist, daß sie dem Untergang entgegcngebt, und daß sie wert ist, zugrunde zu gehen. (Beifall bei den Soz.)

Vizepräsident Dr. Spahn:

Auk dem stenographischen Protokoll erscbc ich, daß der Abg. Ledebour unter anderem gesagt hat:2nc faulen Witze des Herrn Äreth" und ferner:wenn in Zukunft lwchmats behauptet werden sollte, daß die Aeußerungen des Horm v. Oldenburg sich nicht auf die Disziplin in der Armee beziehen, so ist das bewußte Lüge. Diese Aeußerungen widersprechen der Sitte des Hauses. Außerdem bat derselbe Abgeordnete erklärt:Einzelne Fürsten haben ihre Länder durch Räubereien arrondiert", und endlich hat er gesagt, daß das in Halle und Neumünster vergosteue Blut an den Fmgern des Herrn Reichskanzlers Hebt. Wegen dieser beiden Aeußerungen sehe ich mich genötigt, ihn zur Ordnung zu rufen.

Abg. Fürst Hatzfeld (Rp.):

Der Abg. 5lcdebour hat unter anderem behc«aptei, daß ich mich gegen das Reichstagswahlrecht erklärt habe. Ich konstatiere, daß ich erklärt Hobe, doß eine Aendermig des Reichstagswahlrecht nur mög­lich Wäre, wenn eine Mehrheit des Reichstages dafür vorhanden Wäre und habe hinzugefügt, daß deutsche Volk möge immer vor einer solchen Mehrheit bewahrt werden. Dos ist also genau dos Gegenteil von dem was der Abg. v. Ledebour behauptet (Stür­mische Heiterkeit, Zurufe: Er ist noch nicht geadelt!). Lllso der Abg. Lcdebour behauptet.

Abg. Dr. Wiemer (Fr/ 23p., persönlich):

Der Abg. Lcdebour hat sich gegen meine Bemerkung gewen­det, daß die Sozialdemokratie den Freisinnigen im Kampf um das Wahlrecht in den Rücken gefallen ist. Ick stelle fest, daß ich dazu durch die höhnische Anzweiflung genötigt wurde, die aus den Reihen der Sozialdemokraten mir entgegentönte, als ich da­von sprach, daß wir den Kampf mit allem Ernst führen wollen. Der Herr Reichskanzler hat sich in einer erregten Aeußerung gegen meine abfällige Beurteilung eine Aeußerung von mir über die Wirkung seiner Rede auf die süddeutschen Verhältnisse gewendet. Er sagte, ich hätte, so loyal sein sollen, seine Bemer­kung zu zitieren. Ich stelle fest, daß ich den Wortlaut der Aeuhe- rung, auf die es mir ankam, zitiert habe, nämlich daß die Demo­kratisierung des Wahlrechts dazu beigetragen habe, die politischen Verhalttuste zu verflachen und zu verrohen. Daraus habe ich gefolgert, daß auch in Süddeutschland nach der Ansicht, des Herrn Reichskantzlers, wo ja das Wahlrecht demokratisiert, ist, die poli­tischen Verhältnisse verflacht und verroht fein müssen. Ich bin ausdrücklich von meinen süddeutschen Freunden ersucht worden, hier, festzustellen, daß diese Aeußerung des Herni Reichskanzlers rn Süddeutschland Mißstimmung erregt hat.

Abg. v. Oldenburg (Kons., persönlich):

Der Abg. Ledebonr hat sich erneut mit meinen Ausführun­gen befaß. Es galt bisher nicht für anständig, den poli­tischen Gegnern eine andere Deutung ihrer Worte zu unterschie­ben, als sie selbst ihnen geben. Der Abg. Ledebour hat mit dieser Ueberlieferung gebrochen. Ich überlasse die Scklußfolge-

nttefl aus 'bei bwdgtH AvutzüNrvgen bc5 Abg. Sebf&om: allen normal Levkroden und allen anständigen Leutzen.

rechts.),

Abg. Ledebour (Soz.):

Der Abg. Oldenburg (Gelächter, Zuruf: von tuibeiwütsi)- hat mehrfach hier den Versuch gemacht, die Tatsachen aus dem Spiel zu lassen, auf die ich meine Ausführungen gründe, nämlich daß er damals Nachtrag ch im Anschluß an dic Ausführungen eines anderen Redners seinen Worten eine andere Deutwtg zu geben versucht, als sie nach den Gesetzen der deutschen Spracor (Zuruf rechts: Unsinn!) der Logik und dem klaren Wortlaut seiner Rede überhaupt haben konnte. Gegenüber den Bemer­kungen, was hier anständig ist, erlaube ich mir meinerseits zu erklären, daß es bisher in diesem Hause nicht als Norm und als anständig gegolten hat, daß ein Abgeordneter seinen Worten eine dem wirklichen Sinn diametral enkgegengesetzte Auslegung zu geben versucht. Ich muß das schließliche Urteil darüber allen Herren im Hause, mit Ausnahme des Herrn v. Oldenburg, über lassen. Jcki meine, daß jeder zu seinen Worten stehen und das verantworten müßte, was er sagt. (Beifall b. d. Soz.).

Abg. v. Oldenburg (Kons.):

Es ist unter meiner Würde, darauf zu antworten. (Beifall rechts, Gelächter links. Abg. Ledebour ruft. Sic wollen wchl wieder abreisen? Heiterkeit.)

Damit ist dic Interpellation erledigt.

Etat des Ncichsamt des Inner«.

Die zweite Lesung des Etats des Rcichsamt be£ Inner« wird fortgesetzt.

Abg. Kaempf (Fr. Vp.)k

Wir sind weit davon entfernt, uns im Gegensatz zu den gestrigen Ausführungen des Herrn Staatssekretär zu stellen. Im Gegenteil, was in der letzten Zeit auf sozialpolitischem Gebier Vom Reichsamt des Innern geleistet worden ist, liegt in der Rich­tung unserer Anschauungen, wenn es auch nur Anfänge von devn sind, was wir verwirklicht wissen wollen. Bezüglich» der Vcr. Handlungen mit Frankreich hoffe ich, daß es zu einer Vexfiaudigung. lcmmen, und daß ein Zollkrieg mit Frankreich vermiede« werde. Dos Zentrum bat dem Hansa-Bund eine scharfe Ablage erteilt. Das ist erstaunlich, wenn man hört, daß das Prograuun des Zen­trums dem Ausgleich der Jntereffcn aller Erwerbs stände enthält, beim das ist ja auch ganz genau das Prograwm des Hansabund^- Auch er will eine gerechte Verteilung der Lasten aUcx ErweiM-- stände. Das Zentrum betont ja immer, daß es da» unterstützen will, tvaS uns alle eint, nicht das was uns trennt. Worum wollen Sie also das nicht auch in diesem Falle tun? Der erwähnt« Abgeordnete hat ferner von dem Andrängen des Publikums zu Käufen au der Börse gesprochen. Das ist richtig, hat aber feinen Grund darin, daß sich allgemein die Ueberzeuguiig durchgesetzt hat, daß die Perhältnisie unserer Industrie nach Ueberroinbnng der RückschlggeS eine Besserung erfahren haben. Er hat and) über Kartelle gesprochen. Ich tann den Nutzen der Kartelle nicht ver­kennen. Durch Schiffahrtsabgaben Würbe die Produktion der. Jndustrio verteuert werden. Wir ivisten genau, daß wir btt. Agrarzölle nicht durch einen brüsken Eingriff auf einmal Ix-fl seiligen können, aber allmählich müsseii sie obgebaui werden. .Dak kann auch'die Landwirtschaft ohne Schaden ertragen, llnfctc Ab­satzgebiete müssen erweitert werden. Die machtvolle Entwicklung des deutschen Handels und der deutschen Industrie muß Nkächtig gefördert werden. (Beifall.),-

Das Haus vertagt sich.

Der Vizepräsident Dr. J5pahu beraumt dic nächste Sitzung auf Montag, 1 Uhr an: 1. Schleuniger Antrag dec beiden Dize» präftbeiden, an Stelle des erkrankten Präsidenten Grafen Stol­berg den. Abg. Graf Schwerin-Löwitz (Äons.) als Hilfs- Präsidenten zu berufen; 2. Reichskontrollgesetz; 3. Etat, des llteüchs- amts des Innern. . ,

Abg. Gotbeiu (Fr. Bg.):

Wenn niemand widerspricht, kouucn wär die Wahl gt«ch- vornehmen.

(5s widerspricht niemand. Graf Schwerin-Löwitz ist also als H i l f s p r ä f i be n t gewählt. Er nimmt dic Waht dankend an.

Im übrigen bleibt cs bei der vorgeicklaaericn Tagesordnung.

Schluß 4%, Uhr.

Seneraloersaminiung der Bundes der Handwerker.

4. Berlin, 20. Febr.

Unter zahlreicher Beteiligung von Delegierten sonstigen Mitgliedern trat der Bund der Handwerker, eilte über ganz Deutschland verbreitete Organisation zur Wahrung der Berufs- und Standkäsragen des deutschen Handwerks, hier zu seiner fünften Generalcersamiiilimg zusammen. Der Reichstagsabg. Werner berichtete in seiner Eigenschaft als stellvertretender Provinzial- Vorsitzender für Brandenburg über d i e Aussichten für das deutsche Handwerk unter der neuen Ae r a. Er ist der Ansicht, daß der neue Staatssekretär des Innern Delbrück, nach ben Ausführungen zu urteilen, die er am letzten Donnerstag im Reicl>stage gemacht hat, bestrebt fein wird, dem notleidenden Hand­werkerstände nach Möglichkeit entgegenzulommen. Vor allem müsse es Ausgabe der Gesetzgebung sein, zunächst ein mal, die Schäden des Subutissionsweseus zu beseitigen. Es sei ganz satsch^ wenn der Zuschlag bei Subnussionausschreibungen an die Mindest fordernd eri vergeben werde, die ost 50 Prozent unter den Kostenanschlag beruntergingen. Ferner müsse das Wanderausverkausswesen ein» heittid) geregelt werden, über welche Materie in den einzelnen, Staaten'noch ganz verschiedene Best immun gen beständen. Es mülle durch Reichsgesetz erreicht werden, daß,Wanderausverkäufe von der Bedürsnisjrage abljängig werden, weil sie den seßhaften Hand- wert erstand jchädigen.' Auf die Warenhausfrage übergehend, er­klärte es der Redner für bedauerlich, daß das Warenhaus Wertheim von einer a l l e r h ö.d) ft en' Pe r s on b ei u cp t worden sei. Das sei jedenfalls die beste Reklame für das Waren­haus, und man müsse es verurteilen, daß der Kaiser von seiner Umgebung zu dem Besuche veranlaßt worden sei.

Der nächste Punkt der Tagesordnung betraf das neueReichs­gesetz über Sicherung der Bankorder ungc nch 4-cr erste Berichterstatter hierzu, RcchlSanwalt Müller (<r>ck)keuditz), der Syndikus des Bnndes, skizzierte das Gesetz und kam zu devi Schluss, daß die Bestimmungen des ersten Abschnittes des Ent­wurfes mir einen höchst problematifchien Schutz der Bauforderungen gewährten. Er lasse Bestrasiingen cintretcn, erst wenn das Uebel schon geschehen sei. Nur der zweite Abschnitt kann durch seine Bestimmnngeii Über die Hinterlegung einer Kaution und die (S'in tragung des Baüverinerks eine gewisse 3id^mng_ geben, xarum mußten die Handwerker vor allem an diesen Bestimmungen feft- halten. Die Versanrmlnng nahm zu dem Thema folgende Ent­schließung an:

Die G en erat vers a in mlung lieht einhellig auf dem Stand­punkte, daß anch der ziveite Abschnitt des Gesees zur Sicherung her Bausorderungen Gesetzeskraft erlangen muß, wenn ein wirk­samer Schn» der Bausorderungeii wirklich erreicht werden soll. Die Generalversammlung ist brr einmütigen Ueberzeugung, daß dieser Schub durch die Bestimmungen des 1. Abschnittes des Gesetzes überhaupt nickit, im besten Falle nur ganz unvollkommen erreicht wird, und nur der 2. Abschnitt geeignet ist, den Zweck, den der Gefctztitel verspricht, zu erfüllen. Die bundesstaatlichen Regierungen werden daher dringend ersucht, im Interesse des redlichen Handels und Gewerbes, und besonders auch des Hand­werkers und des Arbeitgebers, sür baldige und allgemeine Ein­führung auch des zweiten Abichnittes des Gesetzes in den einzelnen Bundesstaaten Sorge tragen zu wollen."

Zum folgenden Punkt der Tagesordnung:Tisko-ntiernng von Buchforderungeii der Bundesmitglieder" berichtete zunächst der Landesvorsitzende von Thüringen, SchMsexineiswr Dietz (Weilach. Tie folgenden Beratungm betrafen die Fortbildungs- schulftage. Hierüber sprachen Klempnenneister Peiet (Berlin, als Jnchkehrer der ziveiten Handwerker schule in Berlin und der Landesrorsmende für Mecklenburg Hosnialerme,stLr Schultz (Neu- bTaitbcnbuig'. Zuletzt iprad^n das Pvovinzia 1 vorstaiidsmitglied Kc Hcsfen-Nafsall, KupseiTschmiedemerÄLv Schrtzer (Hersfeld) und

der stellvertretende Pwvinzialvorsitzende sürPommeni Bialer-Ober- meiftcr Senk'id? , Stargard, über die Alters- und Invaliditäts- Versicherung für das selbständige Handwerk.______________________

Vcnmicbtcs.

* Tas Orcheste r der Aerzte. Die Pariser Aerzte- schast zahlt gegen 150 Mediziner, dic leidenschaftliche Musil liebhaber sind: drei der begeistertsten, Prof. Richelot, Dr. Robert Simon und Dr. Raoul Blondcl, der auch als Komponist bekannt ist, haben den Plan gefast, ein Orchester zu bilden, an dem nur. Aerzte mihnirfcit iollen. Der Direktor des Opern,orchesters Busser hat unter den 150 musikalischen Medizinern 70 ausge­wählt, die das neue Aerzte-Orchester bilden werden. Dic musika­lisch^ Leitung führt Kapellmeister Busser, der mit den Proben sehr zitsrreden ist. Bereits iin April soll das Aerzte Orchester in einem großen Konzert zum erstenmat vor die Ocssentlichkcit treten, dessen Erträgnisse den medizütijchen Wohltätigleitsanstalten zu- fließen' sollen.

* Der wievielte Geburtstag? Dem -Bcrl., Börs.-Cour." wird geschrieben: Dic Zalilenbezeichnung des (Geburtstages wächst nachgerade bei uns zu einer allgemeinen Verwirrung an5. Die Frage, ob man bei der Zahl des Ojc- burtskages den Tag der Geburt mitzählcn soll, oder nicht, wird von den einen so, den andern so beantwortet, und leider wird diese Verivirrung der Begriffe von der Presse vielfach nritgemacht. In den.Hamburger Nachrichten" fand ich dieser Tage eine ^lotiz, die mit folgenden Worten begann: Am 28. Januar 1909 wurde in deutschen Blättern die Wiederkehr des, sechzigsten Gel urtstages der berühmten Heroine unseres Deutschen Schauspielhauses in Bild und Wort gefeiert. Es war verfrüht. Erst in diesem Jahre an dem genannten Tage überschreitet die ansgezeichnete Frau und große Künstlerin die Schim'lle ihres sechsten Lebensjahrzehuts." Da sind zwei grobe Gedankenlosigkeiten enthalten.Wiederkehr des sechzigsten Geburtstages" mutet beinahe ironisch an und könnte so verstanden werden, als ob Franziska Ellmeureich, um die cs sich bei dieser Notiz handelt, schon ein paar Jahre hindurch den sechzigsten Ge­burtstag feierte. Der Verfasser der Notiz meinte vermutlich sechzigsten Wiederkehr des Geburtstages". Die Schwelle des sechsten Lebensjahrzehuts aber überschritt die Künstlerin, als sie das neunuudfünfzigste Lebensjahr vollendete. Aehnlichc Verwirrungen finden sich täglich beiualje tn bezug auf die Zählung des Geburtstages in den Zeitungen. Es fällt niemandem ein, wenn ein Kind ein Jahr alt wird, anders als von dessen erstem Geburtstage zu sprechen, und die hundertsten Geburtstage bedeutender Menschen feiern feie Leute stets richtig, hundert Jahre nach der Geburt der Berühmtheiten. Aber zwischen dem ersten und dem hundertsten Geburtstage ist jeder Mensch neunundneunzig Irrtümern und Verwirrungen ausgesetzt. Ten Tag der Geburt alsGeburtstag" zu zählen, ist einfach ein Sprach­fehler, den gebildete Leute sich abgewöhnen sollten, denn Geburtstag heißt nichts anderes als Geburts-Gedenktag, wie Tobey tag Gedenktag des Todes bedeutet. Würde Ge­burtstagTag der 'Geburt" heißen, so wäre es ja ein Unsinn, von einem zweiten und dritten und siebzigsten Geburtstag Ku sprechen, denn nicnrand wird mehr als ein­mal in seinem Leben geboren. E. I.

Eingesandt.

(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt dic Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Kurz vor Beginn eines neuen Schichahres ist es wohl uiancheir Eltern erwünscht, über die Erfahrungen etwas zu hören, die man anderwärts mit der gemeinschaftlichen Erzieh u n g von NkäScheii und Knaben in reiferem Alter, hauptsächlich aber an den toiinmäfien, gemacht hat. Das Ergebnis einer iasl zehnjährigen Erfahrung in den höheren Schulen Badens lautet int hochsten Maße imgünflig. Der Besuch höherer Knabenschulen seitens der Mädchen hat für beide Teile nur Nachteile gebracht- Die erhofften Vorteile die Jungen würden angespornt zum Lernen, würden siitlich geadelt und dergleichen schöne Dinge mehr sind nicht ein* getreten.' In diesem Sinne haben sich 90 v. H. dec badischen Ober­lehrer ausgesprochen, und cs ist vielleicht einer der Leser im Besitz dieser Gutachten, deren Veröffentlichung im Gießener Anzeiger wohl recht zweckdienlich und lehrreich für manche Kreise wäre.

Teiefomsche Kursberichte

des Giesseuer Anzeigers, mitgeteilt rou der.Bank für»Bande] und IndnstrieV'G'<ssen.

Frankfurter Börse, 19. Februar, i,lä Uhr.

3*L% Reichsanleihe .3^. v. 03-90 3°/ do. 4- ^5.05 3'te°/0 Kousols P.S. v. 113.90 3°/ do. «4.95

3'//', UessenT^I.^.U. 92-80 3" Oberbessen «r-.-.=r.- 93-0u 4n/0 Oesterr. Goldrente . 100 25 4'/-°/» Oesterr. Silberreute. 100.00 4" 0 Ungar. Goldrente 94.10 4° 0 Italien. Rente .

3® 0 Portugiesen Serie I 64.80 3°,0 Portugiesen III . 66.25 4/,fi/a russ. Staatsaul. 1905 100 00 4' Japan. Staatsanleihe 98.00 4% Conv.Türken von 1903 95.00 Ttirkenlose..... 179.00

4",0 Griech. Monopol-Anl. . 46.75 4" o äussere Argentinier .. 91.60 3% Mexikaner . . . .. 69.30 4'/,% Chinesen . . . . 100.00

Aktien:

Bochum Guss ... .245.10 Buderus E. W......113H0

Tendenz ruhig.

BeMiner

Canada E. B......181.50

Darmstädter Bank . . . 137.50 Deutsche Bank . . . . 257.20 Dortmunder-Union C. - . . 92,10 Dresdner Bank . . 166.20

Tendenz: behauptet.

Elektriz. Lahmeyer 1Ü7.2B Elektriz. Sehuckert . 136.00

Eschweiier Bergwerk-05.50 (Gelsenkirchen Bergwerk . 216.60 Hamborg - Amerik. Paketf. 137.60 Harpener Bergwerk 2t>6.00 Laurahütte . A.... . . IdT.CO1

Nordd. Lloyd .t . . . 105L5

Obersehles. Eisen-Industrie 108.25 Berliner Handelsges. , . . 181JJ& Darmstädter Bank - . . . 127.15 Deutsche Bank .... 257.20 Deutsch-Asiat. Bank . _. 157.25

Diskonto - Kommandit . t. Ib7^5 Dresdner Bank . . ,.J?. 16740 Kreditaktien . . . 211,70

Baltimore- und Ohio- -E-

Eisenbahu 7

Gotthardbahn .jg;r; . ". Lombard. Eisenbahn .e.^. 23.60 Oesterr. Staatsbahn . 16L90

Prince-Henri-Eisenbahn F. 134.60

Aufaa^aiarsj.

Harpener Bergwerk .x.. . 206.00

Laurahütte . . . 187.10

Lombarden E. B....i..4\?~. 23.50

Nordd. Lloyd____G.L.T. 105.50

Tüikenlvsc , ,4.2..?.«

Börse, 19. Februar.

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