Ausgabe 
19.11.1910 Viertes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

IHitbürger

t

Der Verein der Fortschrittlichen Volkspartei hat in seiner Generalversammlung vom 14. l. Mts. zu den bevorstehenden Stadtverordnetenwahlen Stellung genommen und bittet Sie, den unten aufgeführten Männern Ihre Stimme zu geben.

Wenn wir mit einem Wahlvorschlag vor die Wählerschaft treten, wir als politischer Verein, so verwahren wir uns doch gegen die Annahme, daß wir die Politik in das Stadtparlament und in die Wahlvorbereitungen tragen.

Wir waren bereit und haben diese Bereitschaft bewiesen, mit den anderen politischen und mit unpolitischen bürgerlichen Vereinigungen gemeinsam die Wahlvorbereitungen zu betreiben man hat uns die Mitarbeit unmöglich gemacht, indem man einen politischen Gegensatz heraushob und Bewerber, die einer bestimmten politischen Partei angehören, von vornherein zurück­wies und ausschloß.

Wer so handelt treibt einseitige Parteipolitik. Wer gerecht ohne Rücksicht auf Parteistellung Vertreter aller Beruss- und Bevölkernngsklassen zulassen will, handelt liberal und gesteht allen Bürgern die Gleichberechtigung zu, die auch das Gesetz gewährleistet. Liberal sein heißt alle Kräfte, die int Volke ruhen, zur Mitarbeit für das Ganze heranziehen! Wie hätten wir zu uuseren Mitbürgern bestehen können, wenn wir die Grundforderungen unserer Weltanschauung preisgegeben hätten?

Es erscheint uns überdies, wie auch weitsichtigeren Parteigenossen unserer Gegner höchst unklug, den Angehörigen der sozial­demokratischen Partei eine Vertretung in der Stadtverwaltung nicht zugestehen zu wollen, denn mit solchem Tun wird nur Ver­bitterung erzeugt, wird der arbeitenden Klasse gesagt, daß man ihr Einfluß auf die Leitung der kommunalen Angelegenheiten nicht zngestehen will.

Wir sind der Uebcrzeugung, daß man Bewerber keiner Partei, auch der sozialdemokratischen, grundsätzlich ansschließen darf, daß man auch der Klasse der.wirtschaftlich. Schwächsten, die ihre Interessen durch diese Kandidaten gewahrt'sieht, eine Vertretung gestatten soll; auch die Wünsche und Beschwerden der Arbeiter sollen in der Stadtverordnetenversammlung gehört werden.

Die Auswahl der Kandidaten, die wir Ihnen Vorschlägen, ruht zunächst auf der Erwägung, daß die freisinnigen Männer, die schon der Stadtverordnetenversammlung angehören, sich bewährt haben und daß wir mit gutem Gewissen sie Ihnen zur Wieder­wahl empfehlen dürfen. Ebenso bitten wir Sie, Ihre Stimme drei weiteren erprobten Stadtverordneten zu geben, von denen zwei Mitglieder der nationalliberalen und einer der sozialdemokratischen Partei sind.

Wir schlagen neu einen Herrn vor, der geeignet ist, der Stadtverwaltung in sanitären Angelegenheiten und in den Be­ziehungen, welche zwischen Universität und Stadt bestehen, mit seinem Rat und seiner Mitarbeit zu dienen; er ist als menschen­freundlicher Arzt und freidenkender Mann der Bürgerschaft, der er dauernd angehören wird, bekannt.

Wir präsentieren ihnen ferner einen Kaufmann, der als ein guter Kenner des Handels und des Finanzwesens gilt, und außerdem einen Schulmann von weitem offenem Blick für die modernen Aufgaben der Schulen, einen Oberlehrer, der auch das Vertrauen der Volksschullehrer besitzt.

Wir haben schließlich auszusprechen, daß die drei neuen Bewerber um das Stadtverordnetenmandat, welche der sozial­demokratischen Partei angehören, mit Recht das Vertrauen der Kreise, von denen sie uns bezeichnet worden sind, als ehrenhafte Männer genießen.

Wir bitten die Wählerschaft, unsere Haltung in dieser Sache und unsere Vorschläge gewissenhaft zu prüfen und ihre Entscheidung in unserem Sinne zu treffen. Wir haben nicht einen einseitigen Parteizettel formuliert, sondern geeignete Männer ans allen Bevölkerungsschichten und politischen Richtungen ausgesucht.

Noch manchen anderen trefflichen Manu hätten wir gern auf die Liste gesetzt, wenn die geringe Zahl der frei werdenden Stellen es nicht leider verboten hätte. Wir hoffen aber, daß man uns das Zeugnis nicht versagen wird, daß wir uns nach Möglichkeit bestrebt haben, alle Bevölkerungsschichten und Stadtbezirke, alle politischen Grundrichtungen und Berufsklassen nach Möglichkeit zu berücksichtigen.

Wir bitten Sie um die Stimme für die Herren:

i. Aeckmann, Georg, Kontrolleur

2. Eichenauer, Kermann, IaöriKant, Stadtverordneter

3. Kmmelius, Louis, Kommerzienrat, Stadtverordneter

4. Jaber, Karl August, Spenglermeister, Stadtverordneter

5. Iriedöerger, War, Kaufmann

6. Grünewald, Wilhelm, Austizrat, Stadtverordneter

7. Lelm, Iriedrich, Weinhändler, Stadtverordneter

8. Kuhn, Ludwig, Architekt, Stadtverordneter

9. Gröig, Karl, Gastwirt, Stadtverordneter

10. Schnell, Iran;, Wrivatbeamter

11. Sommer, Dotiert, Ar., Aniversttäts-Wrofestor

12. Wrstadt, Gtto, Arofcstor, Gkerlehrer

13. Wetters, Iriedrich, Wedakteur

Der Vorstand der Fortschrittlichen Volkspartei.