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19/03/1910 Erstes Blatt
 
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Die heutige Nummer umfaßt 20 Seiten.

über

Ton

Da Herr v. Bethnrann-Hottweg in erhobenem

versprach, die auswärtige Politik im deutschen Interesse nachhaltig, aber loyal" vertreten zu Mollen, kann man den Aktendeckel über der Marokko-Mappe einstiveilen zu- schlagen, lieber Herrn v. Schoen aber ivöM sich kein sonnig heiterer Himmel; jeden Tag können neue Stürme losbrechcn,

2lrbeiter!unbgebimgcn zum 18. März.

Aus Berlin wird berichtet: Der Friedhof den Märzgefallenen wurde ihn Laufe des Freitag voic 22 700 Personen (im Vorjahre 14 500) besucht; diese legten insgesamt 346 (198) Münze nieder, von denen bei 52 (11) Wie Schleifen wegen ihrer Jnschrislen entfernt wurden. Der Friedhof wurde um 6 Uhr geschlossen. Nach Schließung des kleinen Friedhofes der Märzgefallenen kam es abends anr Landsbergplatz und in der Landsbergerstraße zu Zu­sammenstößen zwischen den Rückkehrenden und der Schuhmannschaft. Unter den 1500 Personen, welche in Be­wegung waren und abwechselnd Arbeiterlieder fangen, Hoch­rufe ans das Wahlrecht und Pfuirufe aus die Polizei aus^ brachten, befanden sich au f f a l l e n d bi e l e j u n g e Bur-

Der rauflustige Herr, der seine Bedeutung offenbar weit überschätzt und für den Gipfel preußischer Ritterlichkeit halt, was nur geschmacklose Karikatur heranSsordernder Holo­fernes Tölpelei ist, bat eine Lehre erhalten, die überall befriedigen muß. Der Vorsitzende seiner eigenen Parier hat ihn'öffentlich preisgeben müssen, niib das ist mehr als der Ordnungsruf, der ihm verspätet zuteil wurde. Die konservativen werden im engeren Mtcife sich über die nache wolil noch weiter unterhalten, nnb sie lverden sich ernstlich zu fragen haben, ob dem Tatendrang des Herrn, der schon mehrmals unnütze und peinliche Auseinandersetzungen ver­anlaßt hat, für die Zukunft nicht kräftigere Zügel an­gelegt lverden könnten. Zwar wird Herr v. Oldenburg sür eine solche Anregung wohl auch wiedersich jederzeit, zur Verfügung" stellen, aber dann könnte, ihm der Frak- lionsvorstnnd in einer geeigneten Form das begreiflich machen, lvas der Mgevrdnele Haußmann unter Einheimsung eines Ordnungsrufes öffentlich ausrief, daß Don Quichot- terie im Reichstage sich nicht breit machen darf.

wolle der Kanzler möglichst schnell und schmerzlos diese unerquickliche ^ache hinwegtommen, an deren Ein­fädelung er ja schuldlos ist.

politische Wochenschau.

Gießen, 19. Mrz.

Die Parlamente sind in die Osterferien gegangen, und Herr v. Bethmann-Hollweg kann heute abend seine Romreise antreten, uim den wiederholt verschobenen Antrittsbesuch beim König Bittor Emanuel und beim Papste abzustatten. Er kann an seine diplomatische Aufgabe, die wohl auf die weitere Sicherung des Dreibundes und besonders die bessere Gestaltung des Verhältnisses zwischen Italien und Oester­reich-Ungarn gerichtet ist, mit umso größerer Sicherheit rind festerem Selbstgefühl herantreten, als die Haushaltsbcra tung des Ausivärtigen Amtes im Reichstag Verhältnis^ mäßig sehr kurz abgetan worden ist. Der Kanzler hat mit kräftigen Worten die uneingeschränkte Verantwortung auch für diesen wichtigen Zweig der Reichspolitik sür sich in Anspruch genommen. Das ist das wichtigste Ergebnis der zweitägigen Beratung, aus der im übrigen nicht viel heraus gekommen ist. Der Reichstag hat seine Schuldigkeit getan, indem er, den wiederholten amtlichen Andeutungen gemäß, davon Abstand nahm, das Ansehen unserer amtlichen aus­wärtigen Politil vor der Welt zu beeinträchtigen. Aber das darf doch mit allem Nachdruck öffentlich festgestellt werden, daß das Auswärtige Amt in der letzten Zeit, die ^allerdings mancherlei Anforderungen gestellt hat, sich nicht mit Ruhm bedeckt hat. Wir haben die bekannte En.schließung des Ausschusses bereits in diesem Sinne gedeutet. Aber auch in der Vollversammlung des Reichstags hat der Staats­sekretär v. Schoen noch manches Achselzucken über sich er­gehen lassen müssen. Zwar haben der konservative Graf Kanitz und Herr v. Dirksen von der Reichspartei der Führung unserer auswärtigen Geschäfte anerkennende Worte gewid­met, aber die nationalliberalen Herren Stresemann und Arning haben mit desto größerem Freimute sich zu Sprechern der bitteren Volksstimmung gemacht, die beim auswärtigen Amt so ost die mangelnde Tatkraft und Entfchlossenheit bei der Wahrnehmung deutscher Interessen vermißt hat. Herr Liebermann v. Sonnenberg von der wirtschaftlichen Bereinigung legte seinem Unmut noch weit weniger Zügel an als die nationalliberalen Abgeordneten. Das brachte dann den leicht erregbaren Kanzler auf die Beine. Mit überraschender Heftigkeit hielt er den Schild über seinen verdienstvollen Staatssekretär". Was er vorher über die Angelegenheit der Brüder Mannesmann gesagt hatte, war nicht viel neues. Er hielt sich an den auch von Deutschland autgeheißenen Beschluß vom 20. August 1908, mit welchem die Mannesmann'schen Bergrechte im Widerspruch stünden. Mit dürren und kurzen Worten erklärte er, daß er sich zu einem Bruch dieses Vertrages nicht hergeben wolle. Be­rühmte und anerkannte Rechtslehrer vertreten bekanntlich einen anderen Standpunkt. Wir hatten den Eindruck, als

denn das Volk, das über den Reichslagsverhandlungen die aus allen politischen Lagern DeulschlandS laut gewordenen Warnungssignale nicht oergef'cn hat, wird wachsam bleiben. Der Kanzler, der eben erst durch die völlige Beiseiteschiebung seiner Wahlrechtsvorlage eine offene Niederlage erlebt hat, mag aus den paar auswärtigen Pressestimmen, die sich anerkennend über sein Verhalten ausdrücken, sich fein falsches Bild über feine Lage machen. Auch die deutsch-konservativen lassen sich ja zweifellos in ihrer Stellungnahme von inner- politischen Rücksichten leiten. Die dentschc auswärtige Poli­tik braucht eine feste Hand, die allen redlichen Deutschen in der Welt eine kraftvolle Stütze fein muß, braucht einen Mann, der feine deutsche Karte abgibt und dem Staats­sekretär Dernburg nochmals begreiflich machen mag, daß man auch in Kam er n n die deutsche Sprache nicht belei­digen darf. Es darf dort nicht wieder Vorkommen, daß ein farbiger Händler, der in deutschen Lauten sprechen will, zum Gebrauch der englischen Sprache angehalten wird. Der deutsche Sprachverein aber würde sich ein Verdienst er­werben, wenn er die letzten Kanzlerreden nach den darin vorkommenoen absonderlichen Fremdworlen ab.uchcu wolllc! In deutschen Landen wird nichtextrahiert" und nicht vinkuliert", nichtapprafondiert" und nichtdiskreditiert". Dann schon lieber nach Bülows Beispiel ein paar Stellen aus Büchmann! Schon haben im Reichstag einige Redner und danach auch einige mißgelaunte Zeitungen die sprach­lichen Ungetüme des neuen Kanzlers, der sonst gute deutsche Sätze zu sprechen weiß, derb bewitzelt.

In der Schlußsitzung des Reichstags hat sich, bevor der Präsident seinen friedlichen Osterwunsch aussprach, noch ein unerfreulicher Vorgang abgespielt, der eine Siedehitze von Erregung hervorrief und auch in der Presse mit Heftig- leit besprochen wird. Der Held dieser Aufregung ist der westpreußische Abgeordnete v. Oldeuburg-Januschau, und der Gegenstand, um den es sich handelt, ist wiederum der bekannte Ausspruch über die militärische Erhabenheit Preußens in der Geschichte, den, tote alle Welt durch die Zeitungen erfahren hat, der bayerische Kriegsminister in der bayerischen Kammer als eine Geschmacksverirrung und Entgleisung bezeichnet hat. Wie daraufhin der Elbinger Abgeordnete nut dem Minister einen Ehrenhandel einleiten und den versammelten Reichstag zum Zeugen seiner un­angebrachten Auseinandersetzungen machen konnte, ist uns schlechthin unverständlich. Wenn auch der Abgeordnete Müller-Meiningen auf die Erklärung des bayerischen Bundesratsbevollmächtigten besser nicht in so spitziger und herausfordernder Form gesprochen hätte, so waren die Kollegen deS selbstgefälligen Herrn aus Westpreußen doch zweifellos berechtigt, ihm ihre Meinung zu sagen. Herr v. Oldenburg freilich rief später, die Sache gehe nur ihn und den bayerischen .Kriegsminister an, aber bann hätte er für seine Privatangelegenheiten eben den Reichstag nicht in Anspruch nehmen Dürfen. Sein parlamentarisches An­sehen ist durch sein neuestes Rededuell zweifellos nicht ge­wachsen, und der Vizepräsident Spahn hätte unbedingt sofort mit einem Ordnungsruf einschreiten müssen, als Herr von Oldenburg sich darauf verflieg, feinen drei Widersachern denEhrenstandpunkt in persönlichen Sachen" abzusprechen.

politische TagesSchau.

Ein Fürst, der feine Zivilliste erhält, sondern noch zuzahlt.

Der regierende Fürst Georg zu Schaumburg- Lippe hat seinem Minislerinm durch einen vom 7. Marz, 1910 datierten Erlaß mitgeteilt, daß er, um die Aufbesse­rung der Beamten - und Lehrergehälter zu ermöglichen, bei? LandeSkässe aus seinem eigenen Vermögen bic Summe von 100000 Mark zur Verfügung stelle, mit der Bestimmung, daß diese Summe solange in Anspruch genommen werden könne, bis die regelmäßigen Einnahmen, wieder die zum Ausgleiche des durch die Gdhältererhohun gen erstehenden Mehrbedarfs erforderliche Höhe erreicht, haben. Der Fürst fügt hinzu, daß er mit dieser Zuwendung feinem Lande und seiner Beamtenschaft einen erneuten Be­weis feiner landesväterlichen Fürsorge und Zuneigung geben wolle.

Seine Landeskinder haben, so schreibt dazu dieD. Tagesztg.", ilrsache, ihm dafür um so bantbarer zu sein, als! der Fürst zu Schaumburg-Lippe wohl der einzige von allen europäischen Monarchen ist, der nicht nur keine Zwilliste bezieht, sondern für das Vergnügen, ein Ländchen von 340 Quadratkilometern und 41992 Bewohnern (nach der Zählung vom 1. Dezember 1905) verwalten zu dürfen, noch jährlich aus seiner eigenen Tasche seit einigen Jahren un ­gefähr 200000 Mark zuzahlt! Allerdings ist der Fürst in der glücklichen Lage, diese Zahlung ohne besondere Schwie rigtciten leisten zu 'können, da er bekanntlich zu den reichsten deutschen Souveränen gehört

Nr. 66 Erstes Blatt 160. Jahrgang Samstag 10. März 1910

Der A 9 m^atli'ch7öV"oiertel-

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wirtschaftlicheSeitsragenSr K J W efflMr >r w W Chefredakteur: A Goetz.

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für d.e Redaktion 112, _ ** politischen Teil: Ananst

General-Anzeiger für Gberheffen Z-M

Annahme von Anzeigen v <5. Heß; für den

jiir Oie Tagesnnnnner Rotationsdruck und Verlag der Vrühl'schen Univ.'vuch- und Steindruckerei R. Lange. Nedaklwn, Lxpedltion und oruaeret: Schltlstraste r. hii..ej(,enteil: H. Beck, bis vormittags 9 Uhr. "

GieSzcner Stadttheater.

Das Konzert.

Lustspiel von Hermann Bahr.

Ziemlich bald nach der Berliner Uraufführung, die einen recht dankbaren Zuhörerkreis fand, wurde uns Bahrs neuestes LustspielDas Konzer t" gegeben, über das wir gelegentlich der Berliner und der Mainzer Ausführung eingehend berichteten. !Auch hier fand das lustige ^Stückchen trotz mancher Schwächen eine freundliche Ausnahme, an der die gute Darstellung einen wesentlichen Anteil hatte. Ohne sich durch besondere Tiefe and-- zuzeichnen, behandelt das Merkchen in manchmal platter, manch­mal aber auch recht geistvoller Art die Liebeleien eines Pianisten, die von einer stillen, klugen Frau gutmütig übersehen werden, !bis sie durch den Gatten einer derseltsamen Geschöpfe" bestimmt ;totrb, ihren Mann in seinemKonzert" zu überraschen und ihm «eine Trennung vorzuschlagcn, damit er seinDelfinchen" heiraten könne. Aber weder Delfine noch auch der Pianist sind damit zufrieden, und so ziehen denn die alten Paare wieder in altem Frieden heimwärts, nachdem der Musiker so im Vorüber gehen mit einer anderen)ülerin kosende Worte tauscht. Die Aufführung war, wie schon gesagt, recht gut und fand auch leb hafte Anerkennung. Rudolf Göll spielte den Pianisten mit dem liebenswürdigen Reiz, der diesen Mann seinen Schülerinnen als das Ideal eines Mannes erscheinen läßt, und schuf so die .köstliche Gestalt eines kindlich unselbständigen Mannes, der sich bloß in der Nähe schmachtender Fraucnaugen wohl fühlt. Seine wackere Frau wurde von Lore Scholz mit treffender Lebensechtheit aufs glücklichste wiedergegeben. Besonders gelang cs ihr, das mütterliche Mesen sehr geschickt herauszuarbeiten, so daß sie in Wahrheit der Pol ihrer Ehe ist, wie Dr. Iura der seinen. Der etwa- sehr unwahrscheinlich anmutcndc Dr. Jura, ein toller Geselle, wurde von Karl Bolck gespielt, und es gelang dem hochbegabten Künstler dank einer klugen Mäßigung, dieser Gestalt den Schern eines wahren Menschen abzugewinnen. Sein kleines, kindliches Frauck»en war bei (Vusty Ney sehr gut aufgehoben. Fesch und nett war Fränzi Kock als Eva, drollig und humor­voll Hermann Norden als Pollinger. Von denckibrigen Dar­stellern, die sich unter Direktor Steingoetter^ Leitung zu einem schönen Gesamtbild vereinten, sind nameicklich noch Ada Pauly lFrau Pollinger) und Elly Gühnc (Frau Floderer) zu erwähnen.'v-

Die kostbarste Gabe, die Paul tzeyse zu seinem 80. Geburtstage empiaiigeii hat, ist ein Album, ein in roten (Saffian gebundener Foliant mit Widmungen von Fürsten, Staats­männern, Dichtern und Künstlern. Das erste Blatt gehört dem Kaiser, der mit kräftiger Hand darauf schrieb:Dem Dichter

von (solberg sein dankbarer Wilhelm, Deutscher Kaiser, König von Preußen". Das ziveile Blatt war dem Regenten Luitpold emgerauml, der darauf den eigenhändig ilnterzcichueten Eintrag machen ließ:3n Ihren Jugenderinnerungcu bezeichnen Sie es, Mein lieber Doktor Paul Heyse, als eine besondere Gunst des Geschickes, daß Ihr Leben in jungen Jahren nach Alünchen ver­pflanzt wurde. Auch für Plüncheu erblicke ich in dieser Fügung eine besondere Gunst des Schicksals und iviinsche von Herzen, daß ivir uns dieser Gunst noch manches Jahr erfreuen dürfen". Die Prinzen Rupprecht und Leopold begnügen sich mit dem Eintrag ihres Namens. Prmz Ludivig schreibt:Alles, was man tut, soll man zur rechten Zeit, am rechten Platze und in der rechten Art und Weise tun". Tie Hunderte von Einträgen machen das Buch, in das auch Fürst Bulow und der jetzige Reichskanzler sich cin- gezeichnei, zu dem Fritz Aug. v. Kaulbach, Defregger, Hans Thoma, Knaus, HanS v. Bartels u a. künstlerische Beiträge geliefert haben, zu einem Unikum von hohem Werte.

I n dem Wettbewerb für den Monumental- brunnen der Deutschen in Buenos-Aires hat, wie aus Berlin gemeldet wird, das Preisgericht irach zweitägiger' Be­ratung die Entscheidung gefällt. Den ersten Preis erhielt der Entwurf des Stuttgarter Bildhauers Gilstav Adolf Bredow. Der zweite Preis fiel dem gemeinsamen (Entwurf des Charlotten­burger Architekten Wilhelm Bo u rein und des Berliner Bild Hauers Hermann Hosäus zu. Den dritten Preis erhielt der Darmstädter Bildhauer Heinrich Jobst, den vierten Prof. Hugo Lederer (Berlin).

Entführung i t a l i e n i f ch e r st u n st f ch ä tz e nach England. Aus Rom, 17. März, wird bem B. T. gemeldet: Peinliches Ausselwn erregte hier der Umstand, daß in London u e u n wertvolle Statuen in den Handel kamen, die den versunkenen K a i s e r s chi s f e n im Nemisee entstammten. Die Statuen feine Diana und acht Nymphen) waren von einem engischen Antiquar um eine riesige Summe an den König Eduard verkauft worden. Die Angelegenheit erschien hier völlig unbegreiflich, da fortwährend eine Anzahl Karabimerie den Nimsee überwacht, um eine unerlaubte Hebung der unter­gegangenen Kunftschätze zu verhindern. Es hat sich nun herans- gestellt, daß Taucher aus Civitavecchia, angeblichim Auf­trage des Ministeriums", im Nimsee arbeiteten und allerlei Kost- barfeiten der Tiefe entrissen. Es scheint, daß es sich hierbei um die nach England geschmuggelten Statuen handelte.

Eine etrusk i sch e Toten st ad t. Aus Italien bringt in letzter Zeit fast jeder Tag dem Altertumsfreund eine erfreulich. Kunde. Auch auf dem umstrittensten aller Gebiete, der Geschichte des dunklen Etturiervotks, wird jetzt, wie das B. T. meldet, manches durch neue Funde ausgehellt. Soeben geht uns wieder die Nachricht von einer bedeutungsvollen Entdeckung

zu. In B o l o g n a hat man eine hochinteressante etruskische Totenstadt ausgefunden, von der man »vertvolle Ergebnisse erwartet. Bisher wurde ein Grab auSaegraben, das ein wohlerhal tenes Skelett, außerdem prächtige Basen, Statuetten und ein Würfelspiel enthielt. .'Die Ausgrabungen sollen in großem Um­fang fortgesetzt werden.

DK. Der Dieb deS i l l e t" entdeckt! Einern Tele­gramm aus Sau Fraueiöeo zufolge hat ein junger Dialer den Diebstahl des vor einigen Tagen in San Francisco ver- schlvundenen Gemäldes von M i l l e t cingestandeu. Er be­hauptet, daß er das Gemälde nur genommen habe, um es zu kopieren und beabsichtigte, eS wieder an feinen Platz zu schaffen, nachdem er mit der Kopie fertig geworden sei. TuS Gemälde hat keine nennenswerte Beschädigung erlitten.

Eine interessant« Na turvrschei nnng. An! den Untergang Pompejis erinnert bis zu einem gewissen Grade eine Naturerscheinung, bic sich in den letzten Tagen in N e w - Orleans gezeigt Hai Ticke schwarze Wolken erschienen plötz­lich in großer Höhe über der Stadt, nfa sie den Hellen Dpg in beinahe völlige Nacht verwandelten. Außerdem siel allerorten ein seiner Staub, der den Bewohnern daS Atmen außeriordcnt^. (irt ersclMerte Auch die bekannten Erscheinungen im Leben der Tierwelt ängst'lichles Umherflieaen ber Vögel, Unrnhigwerdwi aller aHnstiere nsw. - eigte sich. Wie vonz Meteorologen behauptet n>irb, müssen in Mexiko und Zentralamerika große Vulkanansst brüche stattgefunden haben. Die dabei in große Höhe geschleu­derten Staubmasseir sind von heftigen Luftströmungen erfaßt unb bis nadj New^OrlemiS getrieben worden.

- Westafrika im Altertum. Die Kenntnis, die die, alten sstömer von den Ländern im Süden des Atlas hatten, scheint doch erheblich ausgedehnter gewesen zu sein, als bisher gewöhnlickx, aeqlaubt wurde. Mit der Frage, wie weit diese Kenntnis gereicht' hat und wie sie ben Tatsachen entsprach, beschäftigt sich ein Buch, des Kapitäns R. Avelot:LAfriqac occidentale an temps den Antonius, das vor kurzem in Parts erschien. Avclot geht von der Nauiengebung des PtolemänS für die Küste und das Innere Mest- afrikaö, sowie von seinen Berichten über die dort wohnenden Stämme aus und kommt dabei ztim Restiltat, daß die Kenntnis der Römer von Westafrika etwa btS zu einer Linie reichte, die von der Jtisel Sherbro am Atlantischen Ozean quer durch den Niger bogen nach Say läuft. Diese Kenntnis soll ztl einem Teil auf direkten Erfahrungen, zum anderen auf Erzählungen von Ein­geborenen beruht haben, die an der Küste mit den römischen Handelsschisfen tn Berührung kamen. Der Fluß Tarad des Ptole- inänS ist nach Llvelot der Senegal, den die beule dort wohnenden Wolof als Tdar kennen, Kap Arsinarion soll Kap Berde fein und der Fluß Nta der Gambia, an dessen Quelle ein Hügel noch heute Niafwa, d. u Haupt des Nia, heißt. Dieschwarzen Getuler",