Dienstag 24. Mai 1910
Erstes Blatt
Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhesfen
Re6aftion, 4rpci>ition uns Druderei: Schulftratze 7. Anz->«-ni-n'°
160. Jahrgang
für Ole T-qMmmm« RotnNsnrdruck und Verlag der vrühl'schen llniv.-vuchi UN» Sleindruckerei R. Lange. dis vormittags v nt)r.
Bezugspreis: monatlich 75Di., vierteljährlich Mk. 3.20; durch Ab hole- u. Zweigstellen monatlicb 65 Pf.: durcv die Post 2L 2.—viertel- jährt. ausschl. Beüellg. ZeileiwrelS: lokal 1b Pf.. auswärts 20 Mennig. Lheiredakteur: A Goetz. Perailiworttlch tüt deu polnischen Teil: August Goeq. iür .Feuilleton^ und.Vermischtem" ZI. Neurath; für ^Stadt u.Land" und „Gerichts-
Nr. 118
Ter Siebener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich SiehcnerZamilirnblätter; zweimal wöchenil.Lreir- dlatt für den Lrrir Stehen (Tienstag und Freitags; zweimal monatl. Landwirtschaftliche Seiftragen Fenisprech - Anschlüsse: für die Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Adresse für Depeschen
Anzeiger Gictzcu.
Annahme von Anzeigen
Der Lasier und die Friedensbewegung.
Kaiser Wilhelm soll in London Gespräche von erheblicher politischer Bedeutung geführt haben. Namentlich dem französischen Minister des Auswärtigen, Pichon, gegenüber soll er davon gesprochen haben, daß die europäischen Mächte sich ancinanocr anschließen mußten, um einen Bund zur Erhaltung des Friedens zu schließen. Dieser Bund zur Erhaltung des Friedens sei, so hieß es weiter, eines der vom Kaiser seit längerer Zeit erstrebten Ziele.
Es mag sein, daß die Aeußerungen des Kaisers dem Sinne und Wortlaut nach willkürlich ausgefaßt und weiterverbreitet worden sind, jedenfalls ist die Wirkung der neuen Meldungen eher unerfreulich als nützlich. Mit der unverfälschten Schwermut und Hoffnungslosigkeit Hamlets mag mau auch über den schönen Friedensbund sagen: so wäre „ein Ziel, aufs Innigste zu wünschen." AVer wie viel schwierige Unterfragen wären zuvor zu lösen! Müßte dann sogleich abgcrüstet werden? Könnten die Völker ihre Schiffe und Soldaten am Ende glcicl) abschaffen? Wer würde „den Guten lohnen und den Bösen strafen ?" Erst auf der letzten Tagung des Deutschen Flottenvereins find die idealen Träume der Friedensschwärmer wieder im rechten Lichte gezeigt worden. Die erste Enttäuschung über das neue Kaiserwort kommt uns aus Paris. Das amtliche Wolffsche Bureau hat die dortigen Zeitungsstimmen durchgesiebt und offenbar nur folgende halbamtliche Notiz des „Temps" für bemerkenswert gehalten:
Paris, 23. Mai. Der ,,Temps" bespricht die politische Bedeutung der Entsendung PuhonS zu der Leichenfeier nach London und erwähnt die Unterhaltung des Kaisers mit Pichon. Man uerrät (ein Geheimnis, wenn man sagt, daß beide ihr Vertrauen auf die Zukunft des Friedens und der Eintracht aus- gedrückt haben, welche sich aus ehrenvolle Ausgleiche stützt überall, wo solche Ausgleiche möglich sind. Frankreich und Deutschland verwirklichten seit einigen 9Jämaten diese Eintracht auf gewissen Punkten, ohne ihrer Würde ober Interesse etwas ,)U vergeben. Hin in gutem Einvernehmen zu leben, genügt es, wenn sie auf diesem Wege ausharren.
Was hier das amtliche Berlin anscheinend vergnügten Sinnes weiterverbreitet, ist also nichts, als die Hv,fnung der französischen Regierung, in der Praxis^möge au, dem bisherigen Wege verharrt werden. Die Schlichtung der Marokkosache i|r den Franzosen gut bekommen, und )\e erwarten von Deutschland, daß es auch bei den neuen französischen Reibereien mit Mulay Hafid geduldig nur ein paar Züge aus der Friedenspfeife tun werde. Leute, die in Parts amtlich nicht verpflichtet sind, haben sogar ihrem offenen Spo.t die Zügel schießen lassen. Unser Pariser Mtlarbetter sendet uns folgende Mitteilungen:
( Pans, 23. Mai. Zu der Unterredung Kaiser Wilhelms mit Pichon über die Einigung der Nationen im Hinblicke aus den Frieden haben sich die Pariser Zeitungen bisher wenig geäußert. Die inrzen Bemerkungen, die an meist unauffälliger Stelle darüber veröffentlicht worden sind, waren zwar höflich gehalten, aber gewöhnlich mit der leicht ironischen Andeutung versehen, daß der deutsche Kaiser es sich wohl in den Kopf gesetzt habe, den verstorbenen König (Sbuarb als Friedens- fürft zu ersetzen. Dieses Thema wirb nun etwas länger von der „A u r o r c" entwickelt:
„Wir werden uns sicher nicht der Verwirklichung des großartigen Friebensprogramms bes deutschen Herrschers widersetzen, wenn es ausrichtig ist Gewiß fällt es uns schwer, die Vergangenheit zu vergessen. Wollten wir es selbst, so würde doch die einen Augenblick geschlossene Wunde immer noch brennen.
Aber nichts stellt sich dem entgegen, daß wir als ehrliche Widersacher unsere Anstrengungen vereinigen, um weit, so weit als möglich von uns, alles zu entfernen, was in gewissen Augenblicken den Weltfrieden gefährden könnte. Es ist eine edle Aufgabe, der sich der deutsche Kaiser widmen will. Sie hat aber ihre Schwierigkeiten. Sie verlangt eine Reihe persönlicher Eigenschaften, die die Kraft König Eduards bildeten, der aus feine königlichen Kollegen mit dem ganzen Gewichte seiner Autorität, feiner Herzlichkeit und seiner schlichten Gutmütigkeit einzuwirken verstand. Wenn der deutsche Kaiser sich für die Fortsetzung des bewunderungswürdigen Aposteltums des verstorbenen Königs befähigt hält, wenn er die Einigung für den Frieden Herstellen will, so ist es Aller Pflicht, ihm zu helfen. Man erwartet ihn bei der Tat."
Dabei ist es nicht einmal ausgeschlossen, daß auch der Verfasser dieser Notiz zuvor im auswärtigen Amt in Paris gehorcht und gefragt hat. .....
Den Engländern umreit die spärlichen, unverbürgten Worte des Kaisers wohl noch nicht genug. Das R enter - sche Bureau hur nämlich auf feine, an den deutschen Kaiser gerichtete Bitte, dem englischen Volle ein Abschiedswort zu sagen, folgende Antwort er- hälten: ,
„Sie sind ermächtigt, milzutecken, daß Seine kaiserliche Majestät die aufrichtige Sympathie, die ihm von der Stadt London und Dom Publikum im allgemeinen in seiner tiefen Trauer bezeugt worden ist, herzlich zu würdigen weiß."
Diese iurze Abfertigung ist die etuztg treffende Antwort gewesen. Für gar zu naiv soll man uns im Auslande doch nicht halten. Ueber die Abreise des Kaisers sind noch folgende Meldungen eingelaufen:
L o n b o n, 23. Mai. Der deutsche Kaiser trat am Nachmittag 3V3 Uhr die Rückreise nach Deutschland an.
Vor der Abfahrt des Kaisers hatten sich in der Umgebung des Bahnhofes große Menschenmengen angesammelt. Bald nach 3 Uhr erschienen das Personal der deutschen Botschaft, der Lordmayor, der ehemalige Lordmayor und andere offizielle Persönlichkeiten. Kurz vor 31/9 Uhr betraten der Kaiser und die königliche Familie den Warte raum. Der Kaiser ließ den Lord mayor zu sich entbieten und unterhielt sich mit ihm; dann begab er sich
in Begleitung des Königs, des Herzogs von Eonnaught, der Prinzen Ehristian von Schleswig-Holstein und Arthur von Eon- naught, sowie des Herzogs von Eornwall und des Prinzen Albert auf den Bahnsteig. Dort nahm der Kaiser von den Anwesenden herzlich Abschied; er küßte dem König beide Wangen und schüttelte ihm herzlich die Hände. Sodann bestieg er in Begleitung von Lord Roberts und des Grafen von Wolff-Metternich den Zug.
£ London, 23. Mai. Lord Kitchener hatte am samstag auf Wunsch Kuß er Wilhelms eine längere Audienz bei die,em Monarchen. Ter Kaiser soll sehr eingehend eine Menge militärischer Fragen mit bem englischen General besprochen haben, der ihm vieles über die Eindrücke seiner rürzlich zuructgelegten Weltreise erzählen mußte. Kaiser Wilhelm lud zum Schluß Lord Kit- cheuer ein, als sein Gast das diesjährige Kaisermanöver mitzumachen. _____________________________
politische Saacsicbau«
Tie Zentrumsalbeit im südlichen Hessen.
Tie „Köln. Votlsztg.", das .ührenoe rijeuüsche Zen- trumsblatt (in der gestrigen Nummer hat em Druck feyler aus „Köln. Volisztg." „Kvin. Ztg.' gemachi), slcl-t in einem bemertenvroenen Lei.cnuUel ,e>t, daß d.e Zentrumsacbeii im südlichen Hessen, insbesondere die Errichtung eines S^re- .ariates in Worms, von Erfolg gekrönt gewesen fei. Die Organisation baut sich aus den b-.anuten „Volisverein für das katholische Teutschland" auf. Die „Köm. Volisztg." schreibt u. q*:
Allgemein erkennt man auch hier jetzt den großen Wert, die ungeheure Bedeutung des BoUsvereins für die iiatljoiucii in den religiösen u nd wirtichafllickjeu Kümpfen der Gegenwart, und Dementitnccbeni) hat auch der Voltsvcrem seit einigen Jahren in Hepen beinerlenswerte Fortschritte gemacht. Um sich tu: Die weitere Organisation und AgUalion einen festen Stützpunkt zu schaffen, hat der Vollsvercin im November vorigen Jahres ein Sekretariat für das südliche Hessen mit dem Sitz in Worms errichtet, dem die Kreise Worms, Bensheim und ein Teil von Groß-Gerau unter [teilt sind. Die umliegenden Landgemeinden sind großenteils von Worms wirtschaftlich abhängig, und ihre Bewohner finden Arbeit und Brot in den beiden Wormier Lederfabriken. Ter Besitzer der größten der beiden Lederfabrüen ist der bekannte nationallibcrale Reichstagsavgeordnete Baron Heyl zu Herrnsheim, der das Wormser Reichstagsmandat inne hat. Derselbe gehört als Arbeitgever und Sozialpolitiker der alten Schule an. Er hat es Derftanben, durch kluge Maßnahmen und Wohlsahrtseinrichtungen, einen testen Arbeiterstamm an sich zu ketten. Die Tatsache, daß von den etwa 4000 Arbeitern des.Heylschen Lederweries au 80J schon über 25 Jahre in demselben tätig sind, beweist schon genügend den konservativen Geist dieser Arbeiterschaft. Natürlich fehlen auch die Schatten- ieiten dieses patriarchalischen Regiments nicht. Das Selbständig- leiisgesühl der Arbeiterschaft ist noch wenig entwickelt, hie Zahl der jugendlichen Arbeiterinnen ist eine unverhältnismäßig hohe, and felbst die Töchter kleinerer Landwirte gehen zahlreich in die Fabrik. Die Svzialdemoiratie arbeitet schon seit Jahren mit Hochdruck an der Gewinnung der Arbeiterschaft des^Wormser Bezirks und nicht ohne Erfolg. Aus katholischer Seite hakte man schon längst erkannt, daß die Schaffung einer Zentrale für Die katholisch-sozialen Bestrebungen eine unbedingte Notwendigkeit fei. Schon die ersten sechs Monate des Bestehens haben gezeigt, daß die Errichtung des Sekretariats kein Fehlschlag war. Ende April tagte in Worms eine Konferenz der Gefchäftsführer des Voltsvereins, bei welcher Gelegenheit der erste Tätigkeitsbericht des Sekretariats bekannt gegeben wurde. Aus diesem Bericht ergibt sich, daß der Volksverein im Seiretariatsbezirk 27 Ortsgruppen mit über 4000 Mitgliedern besitzt. Davon ent- tallen auf die Stadt Worms allein 930 Mitglieder gegen 772 im Vorjahre, womit Worms wohl die höchste Mitgliederzahl in Hessen erreicht haben dürste. Ta der Geschästsbczirk des •sefre- tariatö einen vorwiegend ländlichen Charakter hat, in welchem Der Wein- und Ackerbau vorherrscht, so ist es von vornherein ausgeschlossen, daß hier jemals solche Mitgliederzahlen erreicht werden, wie sie in den dichtbevölkerten .Bezirken des rheinisch- westfälischen Industriegebietes' gang und gäuc sind. Der größte Platz des Bezirks ist Worms mit etwa 46 Out) Einwohnern, wovon knapp bet britte Teil katholisch ist, bann folgt in weitem Abstande Bensheim an der Bergstraße mit nur wenig über 80UU Einwohnern. Schon jetzt besteht in den weitaus meisten Gemeinden im südlichen Hessen eine Ortsgruppe des Volksvereius, im letzten Halbjahr wurden allein im Wormier Bezirk sechs neue Ortsgruppen gegründet, und der Tag dürfte nicht mehr fern fein, wo teinc katholische Gemeinde mehr ohne Volksoerein ist.
Line Heöe der ungarischen Ministerpräsidenten.
Ofenpest, 23. Mai. Ter Ministerpräsident Hedetvary hielt vor der Wählerschaft des vierten Ofenpester Bezirks eine P r o g r a m m r e ö e, in welcher er jagte, die günstige Stimmung, mit welcher das gegenwärtige Kabinett bei seinem Aints- antriti in weiten Kreisen ausgenommen worden sei, könne als ein Beweis dafür angesehen werden, daß das Land einer Politik der ALätzigung unö der friedlichen Entwickelung iuncige. Tas Kabinett genieße das Vertrauen, daß es zu der beivährten Tradition der dualistischen Politik zurückkehren werde. Tiefe Politik werde überall als eine Garantie für die Großmachtitellung der Monarchie anerkannt. Tie Stellung der i"'''rreichifch-ungarischen Monarchie in Europa werde demnächst bebcu..ibe sinanzielle Opfer für biejenigcn militärischen Zwecke erforbern, welche schon seit längerer Zeit als unerläßlich bezeichnet würben, xie Schlagfertigkeit der Armee sei bas oberste Interesse bes Vpterbanbes, für ihre Erhaltung bürie man feine Opfer scheuen; es fei baljer nicht angemessen, bie Bewilligung dieser Kredite an gewisse belanglose Konzessionen seitens der Krone knüpfen zu wollen. Er verurteile entschieden Pie Ob- ftrudtion, welche die Rödolution zu herabgesetzten Preisen m; yof- fenklich werde das Land in imposanter Weise bei den Wahlen seinem Willen Ausdruck geben, daß die gesetzgeberische Tätigkeit bes "Abgeordnetenhauses nicht durch die Obstruktion lahm gelegt roerbe, welche dem Geiste bes Parlamentarismus wiberspreche.
Tic Rebe würbe mit großem Beifall aufgenommen.
Aus Hessen.
R. B. Darmstadt, 33. Mai. Der Sonderausschuß fürdieVerwaltungsge fetze hielt heute vormittag unter dem Vorsitz des Abg. Tr. Glässing eine
längere Sitzung ab, der die drei Minister und $ehc;'mri B e st beiwohnten. Es wurde beschlossen, alsbald mit ber Beratung ber Städteorbnung und der Landgerneindeoi d nung zu beginnen. Tie erste Sitzung soll nächsten Donner- tag stattfinden. Zuerst wird die Städteordnung in An griff genommen, und es ist zu hoffen, daß der Entwurf, auch der der Saabgemeinbeorbnun^, im Oktober zur Boll beratung in der Zweiten Kammer fertig gestellt sein wird. Ten Bericht über die Städteorbnung hat Abg. Tr. G tä s sing, den über bie Landgemeindeorbnung haben die A'bgg. Stöpler und Hebet übernommen. Der Ausschuß wird uann noch an die Beratung des Gesetzentwurfs, betr. die Verwaitungsgesetzpflege herantreten, wenn ihnen dies dem Stand der Arbeit nach mö^lid) ist. Geheimerat Haas nahm an den Beratungen teil.
Ocntbches Ucid>.
Den Berliner Blättern wird aus Brüssel gemeldet, das englische Königspaar werde feinen ersten offiziellen Besuch dem Berliner Hof machen und zwar Ende Mat oder Anfang Juni.
Die in Berlin versammelten Vertreter des R e i ch s verbands deutscher Aerzte stellen sich im wesenl Lid)en auf den Standpunkt des Regierungsentwurfs her Reichsversicherungsordnung; besonders wird verlangt: erstens, die gesetzliche Festlegung der beiden Arzt systeme; zweitens, die Einrichtung gesonderter Vertrags- ausschüsse; drittens, die Wahl der Arztvertreter zu diesen Ausschüssen nur durch die einzelnen Aerzte des Bezirks, nicht durck) die zuständige Standesvertretung; viertens, Un- zu lästig leit des Vorgehens der ärztlichen Ehrengerichte und Aerztetoalitionen gegen die Aerzte, die nach den „Grund sätzen" Verträge schließen; fünftens, die Vermeidung jeden Zwanges zum Wechsel des Arztsystems. Im übrigen weist der Reichsverband die Behauptung zurück, daß 24 000 Aerzte mit den Beschlüssen des letzten Aerztetages einverstanden seien und begründet das damit, daß die Zahl der dif,entierenden Kollegen auf 10 000 zu schätzen fet.
Der Provinzialvorstanddernarionallibc ralen Partei in Hannover erklärte sich, so wirb aus Hannover bemelbet, einstimmig mit aller Entschiedenheit gegen die Beschlüsse des Herrenhauses in der Wahlrechtsvorlage und hält an der Forderung des direkten und geheimen Wahlrechts fest; er spricht zugleich die Hoffnung aus, daß es gelingt, in dieser wichtigen Frage eine geschlossene Haltung der Landesfraktion zu erzielen
2iusiattü.
Nach amtlicher Mitteilung wurden in Brüssel 9 Klerikale, 7 Liberale uiib 0 Sozialdemokraten gewählt. Tas Gesamt ergebnis der Wahlen ist: 49 Klerikale, 23 Liberale und 13 Sozialisten. Die Sozialisten gewinnen einen Sitz von den Kleri kalen.
Im dänischen Minister rate wurde der Minister Präsident ermächtigt, bem König bei seiner Mcktehr von Lonbon unverzüglich bie Demission bes gesamten Mnisteriums ein zureichen. ,
Tie Gewerkschaft der S ch lo sser g c hil fe n ät Paris beschloß in einer Versammlung, wegen verweigerter Lohnerhöhun gen in den Ausstand zu treten.
Aus Konstantinopel wird gemeldet: Ueber hundert Ab geordnete, verschiedene Senatoren, Journalisten und andere Personen richteten an die mohammedanischen Abgeord neten der kretischen Kammer ein 2c leg ramm, in bem sie diese zu ihrem energischen Auftreten beglückwünschen und versichern, daß bie Ottomanen keinen Augenblick zögern werben, ihr Leben zu opfern.
Aus Teheran wirb gemelbet: -Lorbar Mansur wurde 3u.n1 Justizminisler, Muschired Tauloh zum Hanbelsministcr und Musta midi Atakan zum Atiuister für Post und Telegraph:» ernannt. Der Medschlis beschloß, die verantwortungsvollen Posten im Ministerium des Aeußern durch Deputierte bes Mebschlis besetz zu lassen. Drei Offiziere sollen nach Teutschland entsendet werben, um für bie persische Armee 30 000 Gewehre an ^kJn S a'iba m Algerien würbe ein verabfchiebeter Fremden legionär namens H u l m verhaftet unter dem Verdacht, baß er Frembenlegionäre geschäftsmäßig zur Fahnenfluchi verleite. In einer Schankwirlschaft, wo er häufig mit Fremarn tegionären zufammentraf, würben zahlreiche Uniformen vorg ]unden und beschlagnahmt.
cujljchifiahrt.
Unglückliche Lanbung.
Paris, 23. Mai. Der gestern früh in Saarbrücken aufgestiegene Kugelballon „Saar", in besten Gonbel ii<r, .in deutscher Offizier und zwei Ingenieure bejanDcn, ui gestern nachmittag bei Sanzey in der Nähe van Toni nied i gegangen. Tie Luftschifser gerieten bei bem Anprall unter Gonbel, würben jeboch von Automobilisten rasch rreigemadjt. Ter Offizier, ein Leutnant des 70. Infanterie-Regiments, erlitt bu bei eine Verstauchung. Ein Polizeikommifiar unterzog di Luftschifser bem üblichen Verhör.
Zeppelinsfahrt nach Wien.
Wien, 23. Mai. Mit Genehmigung des Kaisers ist für die Z e po e l i n f a h r t nach Wien der 10. Juni feftgefetu Am 10 Juni, nachmittags 3 Uhr, soll der Ballon nach ernt'. Zwischenlandung in Korn-Neuburg vor dem »mönbrun n e r Schloß eintresfen.
Zm Flug über Berkin.
Berlin, 23. Mai. Ter Flieger Frey ist heute aberw in Johannisthal mit entern Farman-Zweidecker aufgestiegen und flog in schöner Fahrt über Berlin hinweg. Um 8 Uhr befand sich Frey auf dem Rückfluge nach Johannisthal.
Berlin, 23. Mai. Frey landete nach einem Fluge von 37 Minuten, wobei er eine Höhe von 1U0 bis 500 Metern erreichte, glatt in Johannisthal. Der Flug führte von Johannisthal Üb. das Tempelhofer Feld, deu Tiergarten, die Linden entlang, üb Das Königliche Schloß und dann der Spree hin nach Johannijtfwi zurück, wo Frey auf dem Flugfelde noch zwei Runden ausführt:.


