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24.1.1910 Zweites Blatt
 
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Nr. 19 Zweites Blatt

160. Jahrgang

Montag 24. Januar 1910

Erscheint tSglich mit Ausnahme des Sonntag«.

V« ^Gietzener LamttiendlLNer" werden dem ,SlnAeigcre vrerma! wöchentlich bcigelcgt, das ^Krdsblett fäi Hw Kreis Eietzen" zweimal wöchentlich. Die ..Landwtttschastiichen Seit- frage«" erscheinen monatlich zwennal.

Giehener Anzeiger

General-Anzeiger für Cderhejjen

Rotationsdruck and Verlag der vrühl'sche» UnwersrlätS Buch- unö 6teindrudc«t, 8t Lange, Hieben.

Redaktion. Lxoeditton and Druckerei: Schuß» strabe 7. Exvedrnon und Verlag! dl. Redaktton:«-EK 112. Tel.-AdruAnzetgerHrebeuo

Zum hessischen Gesetzentwurf, betreffend die Semeindeumlagen.

Dir erhalten folgende Zuschrift, deren Inhalt zweifellos noch vielen Erörterungen begegnen muß una namen. lich von lanowirtschastlichen Kreisen Widerspruch erfahren wird.

Die hessischen Handelskammern haben durch ihren Vor­ort, die Handelskammer Mainz, im Anschluß an die-Ver­handlungen des letzten Hessischen Äaudetskammertags noch- nrals eine ausführlich begründete Eingabe an den Ersten 'Ausschuß der Zweiten Kammer der Landftände in Angelegen­heiten des Gemeindeumlagengesetzes gerichtet.' Die Eingabe befaßt sich speziell mit der Gewerbe ste u e r.

. Die Eingabe erklärt sich damit einverstanden, daß das Anlage- und Betriebskapital die Grundlage der Besteuerung bilden soll und auch damit, daß der Abzug von Schulden int allgemeinen, d. h. abgesehen von der im Artikel 9, Absatz 2 vorgesehenen Ausnahme, nicht gestattet wird. Hinsichtlich der Berücksichtigung des Ertrags lvird ausgeführt, das; der Rsgierungsvorschlag sowohl in seinem theoretischen Zlusbau wie nach seinen praktischen Folgen nicht annehmbar sei. Die .Einwände gegen den Regierungsvorschlag gehen dahin, daß

1. der Begriff einer normalen Rente für die gcrocrblid;eu 'betriebe grundsätzlich fehlerhaft sei, da je nach der Höhe deS Betriebskapitals und der Art der Gewerbe die not­wendigerweise zu erzielettde Rente außerordentlich verschie­den ist;

2. die Berechnung des normalen Ertrags aus dem rauhen Ver­mögen eine Bevorzugung der Betriebe mit eigenen Grund­stücken und eigenen Gebäuden enthält gegenüber solchen, die auf ftemdem Grund und in gemieteten Räumen unter- gebracht sind;

3. die Multiplikation des absoluten Mehrertrags mit Faktoren! zwischen 3 und 20 keine richtige Kapitalberechnung darstellt und außerdem zu einer schweren Belastung der gut rentieren­den Großindustrie führt;

'4. die Bestimmung, wonach Erträge bis 1300 Mark Zuschlags- frei bleiben, eine sprunghafte und ungerechte Gestaltung der Steuern notwendig zur Folge hat.

Diese Kritik wird durch Anführung einer Reihe von Bei­spielen unterstützt. Ferner wird nod) auf die Umständ­lichkeit der Steuer bcrechnung und lauf die schwere Verständlichkeit der Bestimmung hingewiesen.

Demgegenüber wird der Vorschlag der hessischen Handelskammern, der dahin geht, daß als Steucrkapital ein Betrag anMnehmen ist, Her aus 3/i des Anlage- und Be- triebskapiatls uttd i/< des kapitalisierten Ertrags besteht, wiederholt nachdrücklich vertreten. Dieser Vorschlag ver­meide die Mängel der Regierungsvorlage und führe eine größere Stetigkeit in den Steuererträgen bei, was für die Gwreindeverwaltung ein Haupterfordernis ist.

Gegenüber dem von der Regierung neuerdings auf Grund einer Probeberechnung ermittelten (Minder- erträgnis aus der Gewerbesteuer nach dem Vorschläge der Handelskammerrt wird betont, daß solchen Probeberech­nungen eine maßgebende Bedeutung für die Beurteilung der Steuervorschläge überhaupt nicht beizumessen sei, wer! die Berechnungsgrundlagen zu unsicher seien, daß außerdem die Verhältnisse in den einzelnen Gemeinden nach der Zu­sammensetzung sehr verschieden feien und sich daher auch bei verschiedenen Grundsätzen ein ganz verschiedenes Ergeb- ms Herausstellen werde, daß es ferner nicht darauf an- komme, ob eine bestimmte Steuerart gegenüber einer anderen im ganzen mehr oder weniger Ertrag bringt, sondern darauf, ob der einzelne Steuerpflichtige nach seinem Einkommen und seinem Gewerbe gerecht und richtig veranlagt ist. Rach ben Darlegungen der Eingabe könne es keinem Zweifel unterliegen, daß die Vorschläge des Handelskämmertags in dieser Hinsicht durchaus den Vorzug verdienten.

Die Denkschrift führt weiter aus, daß es begreiflich sei, wenn der Grundbesitz int ganzen bei einer Steuer­reform mehr aufbringe als unter den seitherigen Gesehen, weil die Grundsteuer für landwirtschaftliche Grundstücke, da sie auf gänzlich veralteten Ertragsberechnungen beruhe, in ihrer Entwicklung völlig hinter der Gewerbesteuer zurück-

geblieben sei, wie dies auch in einem Aufsatz des Ministe­rialrats Dr. Becker in den Schriften des Vereins für Sozial­politik dargelegt werde.

Schließlich werden noch die Anregungen erörtert, die auf eine allgemeine Begünstigung der Landwirtschaft hinaus- gehen, indem matt das landwirtschaftlich angelegte Kapital nur zu einem Teil heranziehen will. Dadurch werde die ganze Basis des Steuergesetzes verlassen. Sie genannte For­derung erscheine aber umsoweniger gerechtfertigt, als in den Beschlüssen des Finanzausschusses zu Artikel 4 des Gesetzes den besonderen Verhältnissen der Landwirtschaft bereits Rechnung getragen sei und als für das Gewerbe keinerlei Ermäßigung, sondern nur ein nach der Höhe des Ertrags abgestufter Zuschlag «u dem normalen Steuerkapital vor­gesehen sei, der nach den Vorschlägen der, Handelskammern bis zum Zt/sfachen des Anlage- und Betriebs-Kapitals und nochHöher steigt. Der Handelskammertag hat einer derartigen Regelung der Gewerbest.'uer trotz mancherlei Be­denken zugestimmt, um das Zustandekommen des Gesetzes critch seinerseits zu erleichtern.

Neue russische vorstötze in Persien.

Aus London erhalten wir folgenden Brief: «London, 21. Jan.

DemDaily Chroniele" wird aus Teheran gemeldet: Nachdem die Bevölkerung von Teheran kaum Zeit ge­habt hat, sich von der Wirkung zu erholen, die das Vor­gehen der russischen Truppen in Kaswin und an­deren Distrikten hervorgerufen hat, ist sie jetzt durch die Nachricht von der Entsendung von drei Detache­ments russischer Truppen nach Ahar, der Haupt­stadt von Käradagb, beunruhigt. Die Entsendung der Truppen wird als eine äußerst mysteriöse und unverlangte Aktion betrachtet. Erst ganz kürzlich haben die Regierungs- tMipen unter Sardar Bahadur Bakhtiari und M. Ephrem einen glänzenden Sieg über Rahim Khan und seine An­hänger bei Ahar erfochten. Rahim Khan, der 200 Mann verlor, mußte sein Heil in der Flucht suchen; er ist seither mit dem Führer der Regierungstruppen in Unterhandlungen getreten und bittet um Begnadigung. Man glaubt, daß die Handlung der russischen Regierung unter dem Vor­wande, über die Lage berichten zu lassen, jetzt Trrrppen nach dem Kharadagh-Distrikt zu entsenden, die Arbeit der Regierung zunichte machen und den vorzüglichen Eindruck neutralisieren wird, der dadurch hervorgerujen wurde, und daß sie nur dazu dienen kann, Rahim Khan und andere Rebellen zu ermutigen.

Welche Gründe die russische Regierung immer dafür haben mag, eine Truppenabteimng nach Karadaah zu ent­senden, wo vollkommene Ordnung herrscht, und wo die persische Regierung einen so schlagenden Beweis ihrer Fähigkeit gegeben hat, die Lage zu kontrollieren, die Hand­lung der russischen Regierung hat den schlechtestmöglichen Eindruck unter den Persern geschaffen Ihr Argwohn gegen den nördlichen Nachbar ist seit einiger Zeit amt ge­worden, und die Bewegung der russischen Truppen gegen Karadagh kann nur die allgemein herrschende Ansicht be­stätigen, daß Rußland insgeheim den Rahim Khan unter­stützt und ihn als agent provocateur benutzt, um Ruhe­störungen zu provozieren und dadurch die Besetzung der nördlichen Provinzen durch, russische Truppen in die Länge zu ziehen.

Wenn dies nicht der Fall wäre, so führen die Perser aus, würden die Russen den Rahim Khan freigelassen haben, als sie ihn vor einigen Monaten gefangen genommen hatten, obwohl sie wußten, was er tun würde, wenn sie ihn frei ließen und wie sehr die persische Regierung wünschte, ihn in ihre Gewalt Au bekommen? Welchen besseren Beweis kann man dafür haben, so fragen sie weiter, daß Rahim Khan ein protegö Rußlands ist, als daß der Sekretär des russischen Konsulates fid} Arm in Arm Mit ihm photographieren ließ? Ich erfahre, daß die per­sische Regierung dem hiesigen russischen Konsulat ernste

Vorstellungen inbetreff der Absendung der russischen. Truppen gemacht hat, aber die Antwort erhalten hat, daß es jetzt zu spät sei, den Abmarsch zu Verbindern. Die persische Regierung hat daher angedeutet, daß die Ver- antwortung bei Rußland liegen muß."

Aus dem preußischen Abgeor-neiekhause.

:: Berlin, 22. Jani.

Das Abgeordnetenhaus beschäftigte sich heute mit der Zentrumsanfrage über den Arbeitsnachweisim Ruhr­kohlengebiet. Der neue Mann im Handelsministerium, Herr S y d o w, war mit seiner Jungfernrede im Landtag der Chor­führer der stattlichen Nednerschar, und seine Darlegungen deckten sich fast durchweg völlig mit dem. was sein Amtsvorgänger, Herr Delbrück, in seiner neuen Würde als Staatssekretär im Reichstage zu dieser Frage zu sagen hatte. Der Minister ver- trat den Standpunkt, daß angesichts der bisherigen, anarchischen Zustände in der Arbeitsvermittclung im Rnhrrevier der von den Zechenverwaltungen organisierte Arbeitsnachweis immer besser sei als gar keiner. Und da es ihm als dem Mandatar' der vier Bergarbeiterorganisattonen gelungen ist, die Zechen zur Aendcrung der Bestimmungen des Nachweisstatuts zu bewegen, in denen die Bergleute vornehmlich eine Gefährdung ihrer Frei­zügigkeit und ihrer Freiheit in der Verwertung ihrer ArbeüS- kraft erblicken zu müssen glaubten, da er ferner sich auf die ihm von den Zechen gegebene Versicherung einer loyalen und völlig unpolittschen Handhabung des Arbeitsnachweises berufen koirnte, so sah er in dieser Jnstittition einen wesentlichen sozialen und ökonomischen Fortschritt. Mit einer eindringlichen Warnung an die Bergarbeiter vor einem unüberlegten und unbegründeten Streik verband er die Versicherung, die Regierung »verde Unternehmern wie Arbeitern gegenüber den Hohenzollernwahlspruch, das SuutN cuiguc, unparteiisch zur Geltung brütgen.

Die Sachlichkeit des Ministers begegnete auch bei den Volks- boten, die seiner Meinung nicht beipflichteten, anerkennender Sym­pathie. Tie Rechte ließ hem Minister durch bat Mund des Münsterschen Regierungspräsidenten v. Ges eher ihre volle Zu­stimmung aussprechen; ihr scheint eine Hinderung der Zechen an der Einrichtung ihres Nachweises; wie |ie bas Zentrum von der Regierung verlcutgte gesetzlich unzulässig. In die­selbe Kerbe hieb der Nattonalliberale .Hirsch-Essen, der by" sonders die Schlußworte des Ministers als Gewähr für eine unparteiliche Vermittlerrolle der Regierung in dem Interessen- gegensatz zwischeit Zechenbesitzem und Bergknappen willkommen hieß. Im übrigen ließ sichs der nattonalliberale Redner an- gelegen sein, den Sizialdeinokraten vorzuhalten, daß sie den Arbeitsnachweis der Zechen nicht, wie das Zentrum, aus sach­lichen, sondern allein auS parteitaktischen und agitatonschen Gründen bekämpften. In der Anerkemtung der Objektivicht ber~ Regierung in der Behandlung der ganzen Frage fand sich der? Sprecher der Freisinnigen, Herr Gyßling, mit dem National- liberalen zusammen, und auch die Einwirkung dc-s Münsters auf' die Zechen zu gunsten einer Aenberung des Statuts int (Strati der Arbeiterwünsche hatte seinen Beifall. An bem paritätischen, Nachweis aber hielt der Freisinnige fest, und ferner trat er für eine allgemeine, organische Regelung des Arbeeitsnachwets- und Stellenvermittelungswesens ein. Der Dole Korfanty und Herr. Krause-Waldenburg von den Freikonservativen sprachen kurz' und selbstverständlich in entgegengesetztem Sinne.-Dann kam ein übertrieben pathetischer Agitationsspeech deS . Sozialdemokraten 2einert, der den Minister persönlich attackierte und sich da­für eine schlagfertige Quittung von &errn Sydow holte, die die Lacher auf des Ministers Seite brachte. Noch eine kurze, ein­tönige und im ganzen belanglose Rede des ZentrumsabgeordrietOi I m b u s ch , dann nahm als letzter Sprecher der Nattonalliberale Dr. Beumer das Wort. Er trat entschieden für die Zechen­verwaltungen ein, die nicht nur in ihrem guten Rechte seien, sondern mit der Begründung des Arbeitsnachweises auch dem wohlverstandenen Interesse der Arbeitnehnter dienten.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 24. Januar 1910.

** Goldenes Doktorjubiläum. Am 23. Jan. beging der Generäl-Oberarzt a. D. Dr. Martin Schäfer in Darmstadt sein fünfzigjähriges Doktorjubiläum. Aus diesem Grund hat ihm die medizinische Fakultät der Landes-- Universität das Diplom erneuert.

** Kaisers Geburtstag bei unserer Gars nif on. Am Vorabend des Geburtstages des Kaisers findet? großer Zapfenstreich statt. Er gehl unter Führung des)

Der dritte Dante-Abend.

Von! feinem treuen Begleiter Virgil verlassen, findet der Dichterzum Fluge nach den Sternen" in Beatrice eine Führerin durchs Paradies.

Der erste Flua.gilt deut Monde, der ersten Stufe der Selig­keit und Frl. Bassermann gelang cs hier-, Piccardas prachtvolle Worte über das Wesen der Seligkeit, der Sonne, innig nachzu- entpfrnben inib packend voorzutragen. Die Schilderung, die Dantes Ahn Eacciaguida von bem ehemaligen und bewitigen Florenz gibt, mutet wegen ihrer Schürfe im versöhnlichen Stile desPara-- dieses" zwar etwas beftemdlich an, aber die Vorleserin brachte das Ganze wirkungsvoll zum Ausdruck. Mit Rocht folgte der sechs­zehnte und siebzelmte Gesang,da sie ein Helles Licht auf bte Persön­lichkeit und das Leben des Dichters werfen.

Licht, Licht, umstrahlt uns im ganzenParadiese": so auch wieder im dreißigsten Gesang, der Dante den Lichtstrom des Lwiaen Heils erblicken läßt. Ehe er von seinem' Traumgesicht icheidet, muß er Beatrice noch unter den Seligsten, der Seligen fitzen sehen. Und deshalb wird Dante in Bernhard von Claitt>aux ein neuer Führer. Im dreiunddreissigsten Gesang geht sein Wunsch in Erfüllung, er erblickt Beatrice im Kreise der Seligen in der Himrncklsrvse sitzen. Ohne seine Rückkehr zur Erde zu schildern, bricht er ab. Aus den Irrsalen des Levens hat er den Weg zum Glauben, an die göttliche Gnade gufenben, seine Sehnsucht ist geftült. Man darf Frl. Vassermann dankbar sein, daß sie uns das erhabene Werk des großen Meisters mit echter Begeisterung vorgettagen bat.

Die stattliche Versammlung wußte den Verständnisreichmr Vor­trag durchaus zu würdigen, und es ist anzunehmen, daß die^ ge­gebene Anregung ihren Zweck nicht verfohlt hat. F.

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n. Mainzcr Stadt theatcr. Unter der Regie des Direktor Georg Burg gab die Hofburgschauspielerin Adele Sandrock mit ihrer Truppe am Domrerstag ein Gesamt- GaUpiel auf unserer Bühne. Die Künstlerin, die hier feinet wegs unbekannt ist, spielte eine ihrer hervorragendsten Rollen, dieSappho" in Grillparzers gleichnamigem Trauerspiel. Sie bot in ihrem Spiele ein großartiges Bild Der gefeierten Griechin, öeren Charakter sie in großen, musassendar Zügen zu beleben wußte. Xie vielen Schönheiten der Rolle erschloß sie und mit dyrem edlen Feuer riß sie die Zuschauer mit sich Allerdings l Sanfte ihre Darstellung an zwei Fehlern: erstens war die Künst­lerin etwas unpäßlich und zweitens glaubt man ihr nicht mehr; |

die Fülle ihrer Gestalt findet sich Nicht gut als die einer idealen! Griechin. Neben ihr ist besonders die Darstellerin der Melitta zu erwähnen (Frl. Hübler-Berlin), die in ihrem Spiel äußerst geschickt mädchenhafte Scheu mit der erwachenden und empor- lodernden Weibesliebe zu vereinigen wußte. Gegen diese beiden Gestalten tritt der Darsteller des Phaon (Otto Fricke) etwas in den Hinterhalt, der in bezug auf Gestalt sowohl wie auch aus sein Spiel seine Rolle nicht gut ausfüllte.

Daö Universitätsstudium in Deutschland im Winter 1909/10. An den 21 Universitäten_beö Reichs befinden sich iml lausenden Winterhalbjahr 52 407 Studierende (worunter 1851 weibliche), gegen 48 730 im Vorjahr und erst 32 800 vor hebn, 28 000 vor zwanzig und gegen 20 000 vor dreißig Jahren. Drese Entwickelung deS Universitälsstudiums ist übrigens nicht 'nur in Deutschland, sondern auch' im) Auslande, teilweise in ebenso starkem Maße vorhanden. So hat Frankreich derzeit etwa 32 000 Universitätsstudcnten, Oesterreich-Ungarn 30 000, England 26 000. Außer den 52 047 eigenttichen Studiermden haben in diesem Semester noch 3314 männliche und 1923 weibliche Per­sonen als jiogenannteGastzuhörer" die Erlaubnis zum Besuch von Universitälsvorlesungen erhalten, so daß die Gesamtzahl der Berechtigten 57 644 beträgt, gegenüber 53 728 im Vorjahre. Von der heutigen Gesamtzahl her Studierenden sind 27 244 an den preußischen Universitäten eingeschrieben, (gegen 24 950 im Winter 1908/09; an den drei bayerischen befinben sich 9082 (8740), an ddu zwei badischen 4101 (3807) und an den übrigen sechs Uni­versitäten des Reiches zusammen 11980 (11 221). Den heutigen BesnchSzahlen der einzelnen Universitäten' seien, um die hinsichtlich der Reihensvlge der Hochschulen nach der Besucherzahl eingetretenen Verschiebungen dar zu stellen, die entsprechenden Zal)leu des vor jährigen Wmterhälbjahrs gegenübergestellt. Wie <rnch bis jetzt in den Somlnersemestern steht die reichshauptstädtische Univerjitül an der Spitze mit 9242 Studierenden (gegen 8641 im Vorjahr), dann folgen München mit 6537 (6304), Leipzig hat 4661 (4461), Bonn 3652 (3282), Breslau 2405 (2248), Halle 2392 (2158), Göttingen 2230 (2054), Freiburg 2167 (1966), Straßburg 1995 (1856), Heidelberg 1934 (1841), Münster 1906 (1737), Marburg 1878 (1750), Tübingen 1760 (1643), Jena 1496 (1419), Würz­burg 1424 (1346), Königsberg 1367 (1191), Kiel 1290 (1103), Gießen 1261 (1186j, Erlangen 1121 (1090), Greifswald 881 (786) und Rvstok 707 (605). An der Gesamtsteigerung haben somit alle Universitäten mehr ober weniger Teil genommen; relativ am meisten die mittleren, und von den kleineren allein beträchtlich Greifswald, am geringsten die größten und einzelne kleine. So hat Marbiug auf her elften Stelle der Lokation Münster weichen

müssen, uni> Gieße n wurde von.Königsberg und Kiel aus der 16. Stelle auf die 18. gedrängt. In dem Zufluß zu den einzelnen: Fakultäten bezw. Studienfächern haben sich diesen Winter gegenüber der bisherigen Entwickelung einige bemerkenswerte Aenderungen rgeben: Ganz er lieblich, wie sckwst seit einigen Semestern, sind die Philosophen, Philologen imb Historiker in die Höhe gegangen, die von 12110 im Vorjahr auf 14 593 stiegen und damit die volle Hälfte der Gesamtsteigerung in Anspruch nahmen. Dick Mediziner, die seit Jahren ihren Stand vennehrt sehen, steigerten' ebenfalls ihre Zahl sehr beträchtlich: sie zählen jetzt 10135' gegenüber 8877 im Vorjahr und 6080 vor vier Jahren. Eine be­deutende Zunahme weisen weiter die Zahnärzte auf, die 1395 zahlen gegen 1088; die Mathematiker und Naturwissenschaftler stiegen von 6818 auf 7349, die cvangelisehen Theologen von 2194 auf 2320, die katholischen von 1670 auf 1698 und die Kandidaten des Forstdienstes von 125 auf 129. Ter Rückgang ist am stärksten bei den Pharmazeuten, die 1279 zahlen gegen 1570; die Kamera listen bezw. Landnnrte gingen von 2208 auf 2085 zurück, während die Juristen ihren Stand so zieintich hielten und nur eine ganz geringfügige Abnahme, von 11355 auf 11'317, zu verzeichnen haben.

Heber den Plan der amerikanischen Süd­polar-Er peditivn, die im Wettkampf mit den zwei neuen englischen Expeditwncn von Sir Ernest Sbaileton und Kapitän Scott ihrem Vaterlande den Ruhm der Erreichung des Südpols gewinnen mifl, werden genauere Einzellwiten bekannt. DieRoose­velt", Pearys letztes Schiff, wird für die SüdpolareMdition um gekauft. Als Leiter des Unternehmens sind drei bewährte Ge­nossen von Peary in Aussicht genommen, Kapitän Bartlett, ein Neufundländer, der seinerzeit dieRoosevelt" zum Kap Sheridarü führte uitb die .Hilfsexpedition für Peary leitete; alsdann fjhof. Donald Me. Millan, der die wissenschaftlichen Beobachtungen und Aufzeichmnrgen der Peary-Cwpeditton bcwerksteNigt hat, und George Bvrup, .Ingenieur aus Altoona in Pennsylv.ini en. In einer Unterredung äußerte sich der Direktor des anterilanischen Natin historischen Museums über den Plan des Unternehmens. Es würde gerade den Ameridurerlt die größten Schwierigkeiten entgegen türmen, weil die amerikanischen Forsche nicht denselben Weg wählm würden, auf dem Sir Ernest ^L-Hacklewn den südlichslen Punkt erreichte. Die Expedition würde versuchen, von der amen konischen Seite aus zum Siidpvl vorzudringen. Als Ausgangs­punkt ist CeateÄand im Süden von Südamerika vorgeschlagen.. Eine -weite Reise würde über Wiltesland führen, durch jene Regwnz die die Amerikaner eittdeckt haben.