Ausgabe 
23.5.1910 Zweites Blatt
 
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tn einer großen öffentlichen Versammlung Miß Anna B. Eck­stein auS Boston in Amerika über die Frauen unb die Friedens- bewegnug und Insttzrat Heil berg-Breslau über Diplomatie und Völkerfrieden. Heute vormittag wurden die Verhandlungen fortgesetzt. Professor N i v v ol d - Frankfurt a. M. sprach über Knlturentwickelung und Weltpolitft, Landtogsabgeordneter Pros. Quid de über nationale Lebens- und Ehrensragen. Die Tagung wurde daraus geschlossen.

provinziattag öcr Provinz Startenburg.

R. B. Darmstadt, 21. Ma.i.

Dar Provinzialtap für die Provinz Starke nbttrg trat heute im Sitzungssaal der Stadtverordneten zusammen. Den .Vorsitz führre Provinzialdirektor Geb. Regierungsrat Fey Er gemachte bei der Eröffnung der Sitzung der verstorbenen Mitglieder, Provinziäldirerkor Geh. Rat v. Grancy, Qbepbürg er meister Mornetveg in Darmstadt und Kom­merzienrat Wecker und Karl Moller in Offenbach. In 'einer längeren Ansprache führte er dann aus, daß es ihm besonders angelegen sein werde, die gemeinsamen Inter­essen der Provinz zu vertreten. Gerade bei der Wahrung der provinzialen Interessen sei schon aus volksmirtschaft- ilichen Gründen die Einheitlichkeit besonders notwendig und sie entspreche auch dem Wunsch nach Vereinfachung der Geschäftsführung. Eine Zersplitterung der Kräfte und der Mittel müsse namentlich auch beiden Aufgaben der Provinz in finanzieller Hinsicht vermieden werden. Die Provinz dürfe sich nicht in kleinen Dingen verlieren. Bei ihren Aufgaben kommen in erster Linie in Betracht: Straßenbau und Uncerhaltung, Fürsorge für Invalide und Sieche, Wanderunterstützungswesen und Arbeitsnachweis ür Wan­derer, ferner Förderung der Winierschulen und des HauS- haltungsschulwesens, die Fürsorge für Krüppel und Epilep­tiker, Verbesserung der Säuglingspflege, Geschichtsforschung und Förderung der ländlichen Heimats- und Wohlfahrts­pflege.

Der^Voranschlag für 1910 schließt mit 637738 Mk. ab; die Erhöhung der Provinzialumlage ist nur unwesent­lich (ea. 500 Mk.). Die Kosten für Neubau und Unterhaltung der Kreisstraßen belaufen sich aus 433 513 Mk., dem steht ein Siaatszuschuß von 30 000 Mk. für Neubau von Straßen gegenüber. Auf dem Gebiete des Straßenbaues müsse, ab­gesehen von den Kreisen Erbach und .Heppenheim, ein lang­sameres Tempo eingeschtagen werden. Es müsse dagegen mehr für Unterhaltung der Hauptverkehrsstraßen geschehen; die Kreisstraßen hätten ein größeres, als nur lokales In­teresse, da sic dem gesamten Verkehr dienten. Die Straßen- unterhaltungsloften sind in den lebten Jahren erheblich aestiegen. Sie betrugen im Jahre 1900 803 654 Mk. in diesem Jahre dagegen 964 782 Mk. Im Kreise Offenbach sind die Kosten allein von 118 790 Mk. auf 153595 Mk. gestiegen; ähnlich liegt die Sacke in den anderen Kreisen. Nur im Kreise Bensheim ist keine Sreigerung eingetreten, im Kreise Darmstadt hat eine Verminderung stattgefunden. Die Pro- vlnzialpflegeanstalt schloß für 1908 mit einem Uelberschuß von 13 963 Mk. ab. In der Debatte kam Geh. Iustizrar Schmeel auf einen.schon früher von Darmstadt gestellten Antrag wegen Erhöhung der Pflegesätze in der P r o v i u z i a l p f l e g e a n st a l t zurück, gegen den jedoch von verschiedenen anderen Rednern Bedenken er­hoben wurden. Darauf wurden die Berwaltungsberichte genehmigt.

Bei Beratung des Voranschlags für 1910 stellte der Ver­treter Offenbachs, Fabrikant Frist mann, den Antrag, dem Kreis Offenbach ebenso wie dem Kreis Darmstadt einen Zuschuß von 300 Mk. zu den Kosten der Arbeitsnachweisstelle zu bewilligen. Der Vorsitzende betonte, eS stehe der Ge­nehmigung des Antrags' kein Bedenken entgegen, es sei jedoch nicht angängig, den Antrag schon heute zur Abstim­mung zu bringen. Der Antrag nnrd darnach zur nächsten Tagung wieder eingebracht werden.

Beim Voranschlag der P r o v i n zia l P f l c g e a n st a l t schlägt K cisru: L o ch m a n n - Offenbach vor d r .ch Vere n- fachung her Drucksachen zu sparen, namentlich könnte der Jahresbericht, der viel enthält, was kein Mensch versteht, vereinfacht werden. Der Direktor der Anstalt Dr. T e x t o r bittet jedoch, an dem Jahresbericht nichts zu streichen/ weil der Inhalt für die übrigen Pflegeanstalten sehr wichtig sei.

Es folgen Wahlen. Anstelle des verstorbenen Kom- merzienrai Wecker-Offenbach wurde Rentner Christian Schmidt-Weißgerber-Offenbach als Mitglied des Provinziat- ansschusses, für den verstorbenen Oberbürgermeister Morne- weg-Darrnstadt wurde Oberbürgermeister Dr. Glässing als Ersatzmitglied gewählt. Ein Antrag der Gemeinde "Rad- Heim (Kreis Dieburg) auf Bewilligung von 350 Mk. als Beitrag zu den Kosten der Umpflasterung der Ortsdurch- fahrt wurde wegen gesetzlicher Bedenken zurückgestellt.

heWcher Zleischertag.

tf). Bad Nauheim, 22. Mai.

.Heute tagte hier in einer gut besuchten Versammlung im Saale bes Sprudel-Hotels fror Bezirks-Verein beider H esse n und Nassau des Deutschen Fleischer-Verbandes, dem 18 Innungen mit 2423 Mitgliedern und 61 Einzcttneister angehören. Der Vorsitzende L a u tz - Darmstadt stellte in dem Jahresbericht fest, daß das deutsche Fleischergewerbe bei her Strömung, die im Reich und in den Einzelstaalen herrscht, nicht in der Lage sei, seiner Ausgabe gerecht zu werden, der Bevölkerung, besonders in den Städten, eimoandsfreie Fleischnahrung für die Mehrheit Inr Städtebewahner zu erschwinglichen Preisen zu beschaf­fen. Alle Schritte, die Ocsfnung der Grenzen zu erlangen, seien ohne Erfolg geblieben, dabei seien dte Viehpreise außerordentlich gc* stiegen. Im Gegenteil sei die Vicheinstihr von Dänemark aus erst neulich wieder durch die Tuberkulinprobe erschwert worden. Das Genossenschaftswesen zur Verwertung der Haute und Felle habe im Deutschen Fleischerverband auch im abgelaufenen Jahre erfreuliche Fortschritte gemacht, lieber eine, gründlichere Aus­bildung der Lehrlinge im F l e i s che r b e r u f sprach Ober­meister l k Mainz. Er empfahl da, wo es möglich fei, ein Zusammensassen der Fleischerfortbildungsichüler in einer Klasse mit fachlichem Unterricht und wo dies nicht angängig sei, be­lehrend' Vorträge für Meister, Gesellen und Lehrlinge, die dem Verständnis Der letzteren angrpatzt sein, müssen. Obermeister W e i d m a n n - Wiesbaden brachte einen Antrag ent, wonach der Verband bei der Rcicksregierung beantragen soll, daß schwach­sinnige Rinder dem freien Verkehr übergeben werden sollen und nicht wie seither, der Freibank zu überweisen sind, lieber den Fortfall d e s Oktrois und bei; damit im Zusammenhang stehenden Erhöhung der Schlachtgebühren berichtet Obermeister La u n Darmstadt. Er bemerkt, daß durch diese Maßnahme die städtischen Wenger der Konkurrenz der Landmetzger ausgesetzt feien, die nicht nur mit weniger Unkosten arbeiten, sondern auch die hohe <-Dd)(rtdjtgcbühr nicht zu bezahlen haben. Früher fei dos Gewerbe in den Stödten durch das Oktroi vor dieser Konkurrenz einigermaßen geschützt gewesen. Unter dem Beifall der Ver­sammlung legre Weidmann- Wiesbaden gegen den Erlaß pro Ri ich er Regie r u Ngsbc amten Verwahrung ein, durch den der Be­völkerung der Genuß von Hackfleisch verekelt werde. Pfeiffcr- Franlsrirt n. berichtet über einen Fall, wonach ein Polizeiticrarzt die Verwendung von Kalbsgekröfe zu Leberwurü zur Anzeige ge­bracht habt;. Der Herr hat diese Methode der Wurstherstelluiig vor Gericht als eure Schiveuierei bezeichnet, obgleich sic geübt werde, fo lange man Wurst herstelle. Zwar feien die Frankfurter Metzger

von der Anklage freigesprochen worden, ober schon, daß man sie nngeflaqt habe, habe ihnen erhebliche geschäftliche Nachkerle gebracht. -Sch ü l z°Mainz berichtet, daß der Reichskanzler bei den Hand- werkskaminent ungefragt hat, ob das Handwerk und Gewerbe an cme Aufhebung des § 100 a der Gewerbeordnung cm Interesse habe. (Hiernach ist Den Zivanasiunungen verboten, P r e t s f e fl s e tz ° »inge n logenonntc Aftubeuvreise für ihre Mitglieder vor­zunehmen.) Es gebe gewiße Handwerke, bet denen dte ,Festsetzung von Mindestpreisen mögltci) sei, aber im Flenckerqewerbe fei dies unmöglich. Schwär z-Fnlda erklärt, cs handle sich doch um etn Recht, von dem die Zwangsinnungen feilten Gebrauch zu machen brauchten. F a l k-Matnz bemerkt, daß das Reckt der ))lmdestpreisfeslsetzung den freien Innungen heute schon zustehe, aber nur recht selten davon Gebrauch gemacht werde. Mc.n weide den Mitgliedern der Zwangsinnungen mit Mindest- vretscn die Freude am Jnnungsteben gehörig verleiden. Auf Antrag des Vorützenden bejckließt der Bezirkstag, daß die Beantwortung der Frage den einzelnen Innungen überlassen bleiben soll. In einer Ausspracke über die Ä'o n f it m o e r e t n c und das Rabatttvesen sprackcn sich alle Redner dahin aus, Daß damit das solide Handwerk untergraben wurde und Die Rabatigewährung an Konsumvereine zu unterbleiben habe. Falk- Mainz stellt leit, daß auf dem Gebiet Der Unfallverhütung im Fleiichergeiverbe nickt genug getan werden könne. Er bittet Umschau zu halten und dafür z», folgen, das; der junge Nackwucks im Gewerbe nicht als Krüppel beranivach'e. Rosenthal- Bad-dkauheim stellt den Antrag, daß Dec Ausnabmetarn iür 'ivehes Fleisch die Versendung als Eilgut zn Frachrgutiatzen, der mit dem Ende Des Jahres sein Ende erreicht, dauernd beibchalicn würde. Falk- Mainz bemerkt, daß die Fleischer in den StäDtcii em Interesse daran Hatten, daß durch billige Frachten die ftäduicke KutiDsckast mit frischem Fletsch vom Lande her überschwemmt wirb. Jung- Frankfurt a. M. er lärt, daß der billige Tarif für 'risches Fleisch, feine Nachteile für die Fleischer ui den Städten ge­zeitigt habe. Die Versammlung nimmt den Antrag der Bad- Nauheimer Innung hierauf an.

Stahl- Friedberg tritt für die Bekämpfung des Trink- geldwesens beim Vieheinkauf auf dem Lande ein. In der Besprechung darüber, an der sich auch u. a. Obermeister Sack- Gießen beteiligt, wird zum Ausdruck gebrackst, daß der Bezirkstag sich in die Frage nicht einmischen solle. Ferner erkennt man an, daß cs den Verhältnissen nicht mehr entspricht, wenn Trink­gelder gegeben werden, doch soll es Jedem überlassen bleiben, dem Unwesen entgegenzutreten. Der Deutsche Fleischer- gesellen-Bund regt an, daß seinen Mitgliedern nach süns- jährigcr Tätigkeit bei einem Meister bei guter Führung ein Diplom durch die Innung ausgehändigt werde und weiter, daß die Anrede der Gesellen nicht mehr mitTu", sondern mitSie" geschehen möge. Der Vorsitzende Lantz ist dafür, daß man in beiden Punkten dem Wunsch des Gescllen-Bundes nachkommen solle. Jung- Darmstadt ist der Ansicht, daß es gegen den guten Ton ver­stößt, wenn man einen erwachsenen Menschen mit Du anredet, wenn diese nicht das gleiche tun dürfen. Es folgen daraus innere Angelegenheiten des Bezirksvereins: Kassenbericht, Vorstandswahl nsw. Ms Ort des nächstjährigen Bezirkstages tot,rb, auf Ein­ladung des Obermeisters Sack-Gießen, unsere Stadt und für 1912 Bingen bestimmt. Die Beratungen, denen für daß KreiSamt Friedberg Regierungsrat M u h l und für die Stadt Bad-Nauheim Bürgermeister K a p f e r beiwohnten, waren um 7 Uhr abends beendet.

Ans Stadt und Land.

Gieße n, 23. Mai 1910.

** Bou b er Landesuniversität. Im Sommer- semester 1910 find nach vorläufiger Feststellung an unserer Lcrnbesuniversi.ät 13 26 Studierende immatrikuliert; eine Zahl, die dis jetzt noch nicht erreicht lvorben ist. Sie wird sich noch erhöhen durch die am Mittwoch )tejcr Woche stattsin-deude letzte Immatrikulation. Nvch Mer würde sich die Zahl stellen, wenn nicht viele Ans- änder abgewiesen worden wären, weil nach neueren Be­kirn mung en von ihnen die gleiche Vorbildung wie von.In­ländern verlangt wird.

Unser Bahnhofs-Empfangsgebäude soll jetzt fertig ausgebaut werden. Zu dem Zwecke wird der nördliche Flügel des ehemaligen Bahnhofsgebäudes ntcbergelegt und an dessen Stelle ein stilgerechter Neubau auf geführt. Ebenso wird ein Südflügel neu aufgeführt werden. Rechts vom Nordflügel, von diesem durch einen breiten Zwischenraum getrennt, bei als Zugang für gewisse Fälle frer bleiben soll, wird em Fürstenenipfangssacil errichtet werden, mit dem so die Bauten des Gießener Personenbahnhofes ihren Abschluß finden. Am Samstag fand wegen der Maurerarbeiten für alle diese baulichen Anlagen eine Arbeitsvergcbung statt, die olgendes Ergebnis hatte (die erste Suinme bedeutet die For­derung für das Abreißen der alten Bauten, das die Eisenbahn zu zahlen hat, und der weitere Betrag die Forderung der Unternehmer für die Maurerarbeit): Schäfer u. Lindenstruth Mk. 1900, Mk. 33 485, Abermann u. Kling Mk. 450, Mk. 34 262, Baugeschäft Winn Mk. 1142, Mk. 35 192, Wehruni Mk. 1723, Mk. 35 679, Deibel-Lollar Mk. 1000, Mk. 36 912, Birkenstock u. Schneider Mk. 1500, Mk. 39 317, Stadto. Heinr. Winn Mk. 1050, Mk. 40 000, H. W. Rinn Mk. 1800, Mk. 39 119, Kern-Kassel Mk. 3500, Mk. 46 307. Die Fertigstellung der geplanten Bauten wird etlva den Betrag von 100120 000 Mk. er­fordern ; die Arbeiten sollen noch in diesem Jahre in Angriff genommen werden.

** Stadttheater. Alle Liebhaber einer wirklich wickelnden, graziösen Operettenmusik werden in der mor­gigen Aufführung vonMadame Sherry" von Hugo Felix reichlich auf ihre Kosten kommen. Madame Sherry war die Operette, die vor einigen Jahren zusammen mit derLustigen Witwe" die sogenannteRenaissance der Operette" einleitete. Das Werl ist für Gießen Neuheit unb bietet besonbers auch durch die lustige, aber dabei liebens- v-ürdige Handlung Stofs zu Heiterkeit. Für die Ausstat­tung ist wiederum alles mögliche geschehen unb sämtliche ersten Kräfte, die Damen Werten unb Walle sowie die Herren Helsing, Melzer, Fern unb Schön selber sinb beschäf­tigt; zu ihnen tritt noch aushilfsweise Frl. Scholz vom Nauheimer Kurtheater, die für bas plötzlich erkrankte Frl. Schumann eingesprungen ist.

** Millionenvon Mark sind bisher jährlich dem deutschen Volke durch die Scrienlos-Schwindeleicu abgenommen worden und wanderten zum großen Teile nach dem Auslände, besonders nach Holland und Däne- marf. Dank der Aufklärungen unb Warnungen, welche maßgebenbe Körperschaften unb die Presse verbreiten, ist der Schwindel neuerdings ganz erheblich eingedämmt wor­ben, zumal auch von deutschen Regierungen entsprechende Schutzgesetze geschaffen wurden unb noch in Vorbereitung sind. Aber schon wieder macht man vom Auslaubc aus den Versuch, deutsches Gelb zu einem fremden Unternehmen zu gewinnen. Dte Königlich ungarische Klassen- Lotterie, die von einer Aktiengesellschaft gepachtet ist, verbreitet über bas ganze Deutsche Reich in großen Massen marktschreierisch abgefaßte, verfängliche Prospekte, in denen durch alle möglichen Tricks versucht wird, die Spieler zu locken unb für die ungarische Lotterie zu interessieren.

Wir wollen uns nicht auf Einzelheiten einlassen und uns nicht zu weit verlieren, nur wollen wir daraus Hinweisen, baß das Spielen in der uugamschcu Massen-Lotteric ver­boten ist und mit Geldstrafe bis zu 600 Mark bestraft wird. Im diesseitigen Staatsgebiet ist nur die Preußische Klassen Lotterie zugelassen unb das Spielen in ihr ist weit emp­fehlenswerter wie bas in ber ungarisch eil Klassen-Lotterie, bei ber es hauptsächlich daraus aukommt, baß für die Aktionäre eine möglichst hohe Rente herausgewirtschastet wird. Daher werden in der ungarischen Klassen-Lotterie von allen Gewinnen 20 Prozent abgezogen, iväfrrcnb bei der Preußischen Klassen-Lorterie der Abzug voii allen Gewinnen nur löi . Prozent beträgt. Vor allen Dingen aber, welche Garantien bietet denn ein im Auslande wohnender, voni einem Privatunternehmer, einer Aktiengesellschaft, ange- fteflter Lotterie-Bankier" dem Spieler bzgl. Auszahlung ber Gewinne? Wer spielen will, ber brauckr sein Gelb nicht ins Auslanb zu tragen, der kann dies im Reiche selbst tun. Die vom Staat geleitete Preußische Klassen-Lotterie unb die von ihr bestellten Lotterie-Einnehmer bieten nach jeher Richtung hin vollste Sicherheit und genießen allgemein größtes Vertrauen.

--- W i e s e ck, 22. Mai. Der GesangvereinKon­kordia", ber am 9., 10. unb 11. Juli sein sechzigjähr. Bestehen durch eine größere Festlichceic begeht, hat die hierzu erforderlichen Arbeiten zur Ausführung vergeben. Auch ist bas vom Verein für bas Fest in Aussicht genommene Gelände ihm vom Ortsvorstanb überlassen worden. Von den eingeladenen auswärtigen Vereinen hat bereits eine größere Anzahl ihre Beteiligung zugesagl.

-f- Reiskirchen, 21. Mai. Bei der heute hier vor­genommenen Beigeordnetenwahl wurde Landwirt PH. Stumpf V. mit 89 Stimmen gewühlt, eein Gegen- landidat erhielt 53 Stimmen. Von 197 Wahlberechtigten hatten erst 142 von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht. Am Abend wurde dem Gewählten eine Tanne gesetzt.

ch. M ü n >l e r bet Lieh, 22. Mai. Der Bau einer Wasserleitung, bezw. der Anschluß unseres Dorfes an das staatliche Werk fonimt voraussichtlich nicht zustande, da ein großer Teil der Etnivohnerschaft eine Verschiebung auf spätere Zeit wünscht. Man plant die Erhöhung unseres Schulhauses um ein weiteres Stockwerk.

ch. Butzbach, 22. Mai. Die Beamten der Butz­bach Licher Eisenbahn gedenken teils am 5. und teils am 12. Juni einen Ausflug zu unternehmen. Als Ziel ist die Saal bürg in Aussicht genommen.

Darmstadt, 22. Mai. Zum Morde in Dorn- diel erläßt die Großh. Staatsanwaltschaft Darmstadt folgendes Attsschreiben:Es ist mit großer Wahrschein­lichkeit festgestellt, daß der im letzten Ausschretben vom 17. Mai 1910 von uns beschriebene, des Mordes verdächtige Landstreicher mit dem Lorenz Brenner, geboren atn 4. Juli 1848 in Bürstadt, identisch ist. Brenner ist zwar älter als dort angegeben, soll aber jünger aussehen. Es iDU'b daher um energische Fahndung nach ihm gebeten. Nicht unmöglich ist es, daß Brenner sich In einem Krankenhaus aufhält."

Ij Marburg, 22. Mai. Der Ba l l o nMa r bürg" des Kur hessischen 'Luftschiffer-Pereins, her am Freitag abenh um 9 Uhr mit den Herren Dr. Wegener, Dr. Mbner und Prof. Dr. Brauer aufftieg, ist gestern nachmittag um v24U0r in Ost er Hub bei Breda in Holland glatt gelandet.

Kirche und Schule.

Laubach, 22. Mai. Tie L-Chrerbezirksv«reinä L a u b a ch, G r ü u b e r g und Reiskirchen des Landeslchrer- vereins veranstalteten gestern im GasthausZur Traube" eine von über 50 Personen besuchte gemeinsame Konferenz. Seminar Oberlehrer Dr. Spilgcr - Bensheim, ein geborener Laubacker, zeigte an der Hand zahlreicher Versuche, wie sich der botanische und zoologische Unterricht, an den neuerdings immer mehr Forderungen gestellt iivcrbeit, gerade in der Volksschule be­leben läßt. Mehrere sein ausgeivählte mikroskovisckfc Präparate machten die Teilnehmer mit dem inneren Bau und den Lebens äußerungen unserer niedrigsten Wasscrticrc und -pflanzen bekannt. Im Anschluß daran leitete Dr. 2pilger eine mehrstündige bo­tanische Exkursion, die auf den stkamsberg und in den in sloristischer Beziehung durch unsere Grafen so bekannt geworbenen Laubacher Wald und den gräflichen Park führte, welch letzterer sich be­sonders durch seinen Reichtum an fremdländischen ; amerikanischen unb japanischen) Nadel- unb Laubhölzern auszeichmu. Besonder? der eigentümliche Tulpenbaum und der den Uebergang von den Nadelhölzern zu den Laubhölzeru darstellende G i n g o b aum «.Salysburia adiantifolia) ans Japan, der in der weiten Um­gebung nur noch im botanischen Garten zu Gießen zu finden ist, gaben Anlaß zu interessanten Beobachtungen. Dr. Spilgcr, der in der kurzen Zeit eine -Fülle Anregung für den nntur* geschichtlichen Unterricht bot, empfing für seine 2-arbictunger lebhaften Beifall und den Dank der Konferenz, der ihm bot Lehrer Mussina, dem Vorsitzenden des Lehrervereins Laubach, noch einmal besonders übermittelt imtrde.

Gewitter und Ueberschwemmungen.

Gießen, 23. Vuai.

Während wir in unserer Gegend vorgestern und gestern front denkbar günstigsten Wetter begünstigt waren, so daß sich zahlreiche Ausflügler in der näheren und weiteren Umgebung von Gießen ohne jede Einschränkung an der prächtig-aufgeblähten Frühlings natur erfreuen konnten, Wurden ankere Gegenden, sogar in der Nachbarschaft, fron heftigen Gewittern hciingcsucht, die teilweise große Ueberschwemmungen und Verkehrsstörungen im Gefolge hatten. In Frankfurt, Mainz, Darmstadt sowie in ganz Rhein Hessen und dem Rl>eingau gingen - der Wettervoraussage nach- starke, non .Hagelschlag begleitete Gewitter nieder, deren Schaden noch nicht zu übersehen ist. Sogar der Bahnvcrkehr litt unter den heftigen Regengüssen und mußte stellewveis' gesperrt werden. Es sind uns darüber folgende amtliche Tralünachrichten zuge­gangen :

Ingelheim, 22. Mai. Durch Niedergang eines roolfen- brucharügen Regens wurden gestern abend um 7 Uhr bei Kilo- metcr I3,5 aus der Strecke BingenMainz zwiscb'n den Bahn Höfen Ingelheim und .Heidesheim beide 5)auptglcisc über- chwemmt. Bon der Lokomotive des O-Zuges 169 ent g 1 e i st c n die ersten Achsen infolge der angeschwemmt.-n Erd- masfen. Beide Gleise nfaren um 9 Uhr 45 Miu. wieder fahrbar. Die Züge erlitten teilweise erhebliche Verspätungen. Von 11 Uhr verkehrten sämtliche Züge wieder planmäßig.

Hattenheim, 22. Mai. Am 21. Mai ging nachmittags um 6 Uhr 20 Miu. über Hattenheim ein Wolkenbruch nie bei Bcidc^Gleise der Streife Wiesbaden-Niederlahnstein sind zivischen den Stationen Erbach und Hattenheim infolge anfgeschwemmtcr Bodenmafsen gesperrt. Beide Gleise waren bis 12 Uhr nachts wieder fahrbar.

Auch im Ausland wurde durch Gewitter und Hagel großer Schaden augerichtet.

Wien, 21. Mai. Ans Graz wird gemeldet: lieber das ganze Raabtal ging heute nacht ein fürchterliches Unwetter mit heftigem Wolkenbruch nieder. In kurzer Zeit war die Raab zum Strome geworden, der weite Ackerflächen ü b c r f d) iu e m m t c. In der Nähe des Grazer Elektrizitätswerkes war eine Arbeiter­baracke von den Wellen zerstört worden; 19 slvwakisckfc Bau­arbeiter, die sich in der Baracke befanden, ertranken. Bisher wurdenl