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22.10.1910 Erstes Blatt
 
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Samstag 22. Oktober 1910

160. Jahrgang

General-Anzeiger für Oberhessen

Rotafionsörnd und Verlag der vrühl'schen Unlv.-Vuch- und Steinbruderei R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstratze 7. An!-ig-ni-u°?'H." »«-r!

zj Die heutige Nummer umfatzt 16 Seiten.

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Erstes Blatt 9

monatlich^ P1^ viertel jährlich Mt. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Mk.2.viertel- jährl. ausschl. Bestellg. ZeilenpreiS: lokal IbPf., auSivärtS 20 Pfennig. Chefredakteur: A Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil: August Goetz; für .Feuille­ton' und.Vermischtes* R. Neurath; für .Stadt u. Land" und,GerichtS-

Giesrener Stadttheateki Hans Lange.

Schauspiel von Paul Heyse.

der andern Seite, und in der Mitte des Flusses an einer seichten Stelle erwartete sie, ebenfalls in einem Wagen, der Standes­beamte und vollzog bann die Trauung. In Memphis, Ten­nessee, wurden am 15. Juli Miß Anna. May £>aU und H. Buckner auf offener Straße vor dem Standesamt ge­traut. Die Beiden standen aufrecht in einer Droschke, ein Dienst- mann und ein Zeitungsjunge walteten als Zeugen.

Noch moderner empfanden Miß Daisy Cent und Mr. Guy Wheelock aus Maywood in Illinois: sie heirateten im Automobil. Der Rev. Hiram Brown aus der benachbarten Methodistenkirche erklärte sich bereit, die Zeremonie wahrend der Fahrt 'vorzunehmen, er wurde im Automobil abgeholt, und wäh­rend das Fahrzeug im wildesten Tempo die Landstraße hinab-- raste, vollzog der Geistliche im Auto die Trauung. Aber die schnellste vocktzeit haben doch Claude O. Buckner und Miß Ida Scheid gehabt, die sich kürzlich in Springfield trauen ließen und auf ihre Sonderstellung nicht wenig stolz sind. Als sie zum Standesamt gingen, trafen sie auf der Treppe vor dem Dause den Friedensrichter Hubbard, der im Begriff war, auszugehen. Das Brautpaar behauptete keine drei Minuten warten zu können, und der Beamte konnte feinen Gang nicht aufschie- bcn. Beide wiesen ihre Papiere vor, der Beamte warf einen Blick darauf und murmelte dann hastig:Hände fassen, Mann und Frau, Hwci Dollar." Die zwei Dollar wurden bezahlt, schon versckyoand der Friedensrich^r um die Ecke, und der Ehebund war rechtskräftig geschlossen.

scheu gemacht und von der Wahlurne ferngehalten." Die' Enttäuschung darüber muß umso größer sein, als die sozial­demokratische Presse mindestens dreimal soviel Spalten über die Vorgänge in Moabit geschrieben hat als die übrigen Zeitungen. Die sozialdemokratrsche Agitation in dieser Sach« ist eben gänzlich fehlgeschlagen, und die stummen Mitläufer von früher her bezeugen, daß mit den Radauge schichten kein Staat zu machen war. Wir Rauben aber, daß noch andere Ursachen des sozialdemokratrschen Stimmenverlustes mitsprechen, und dies berechtigt zu der Hoffnung, daß bei den kommenden großen Wahlen die jetzigen Treibhaus- früchte der Sozialdemokraten zu einem guten Teil verdorben sein werden. Die ruhige und besonnene Ueberlegung wird im Volke wieder erwachen und die Freude an der positiven Weiterarbett im Reich« wird über die Magdeburger Negi-erer einen Sieg davontragen.

Iswolsky die englisch-russische Annäherung vollzogen habe und den es jetzt zur Krönung des Werkes gelüste.

Wenn jetzt in der deutschen und der österreichischen Presse gegen das englische Vorgehen lauter Einspruch sich erhoben hat, so ist das durchaus verständlich. Es ist ost genug festgestellt worden, daß Deutschland, direkt und in- oirekt, außerordentlich große Handelsinteressen in Persien hat, und ein folgenschweres Eingreifen in dessen Geschicke darf nicht ohne seine Einwilligung erfolgen. Die englische Presse scheint denn auch über deutschen Einspruch nicht überrascht zu sein. DerTimes" wird aus Berlin ge­meldet, die an die persische Regierung durch das Londoner Auswärtige Amt gesandte Drohnote habe bei der deutschen Regierunggroßes Mißvergnügen" erweckt, und Deutsch­land werde kein stummer Zuschauer bleiben. Der Berliner Korrespondent desDaily Expreß" sagt, es könne bisher noch nicht mit Bestimmtheit festgestettt werden, wie weit Deutsch­land gegen die britischen Pläne gehen werde; aberunter den Berliner Diplomaten gebe es solch«, die der Ansicht seien, daß die britisch-deutschen Beziehungen unter der letzten Entwickelung der Dinge im mittleren Orient sehr zu leiden haben würden". Auch die WienerNeue Freie Presse" stellteine Gefahr für den Weltfrieden" fest, die persische Frage könne unmöglich von England und Rußland allein gelöst werden, und sie fügt hinzu, man stelle in London die Lage absichtlich ungünstiger dar, nur um einen Vorwand zur Einmischung zu haben. Man spricht auch bereits von einem amtlichen Meinungsaustausch zwischen Berlin und Wien. Jedenfalls wird es für uns Deutsche von großem Interesse sein, zu erfahren, inwieweit der jetzige Leiter unserer auswärtigen Politik von den Gepflogenheiten seines Vorgängers abweicht. Der würde in diesein Augen­blicke sicherlich sogar um ein Wort wohlwollender Anerken­nung für England nicht verlegen gewesen sein. Hat er- doch schon am 24. März 1908 im Reichstage so gänzlich unbesorgt von demfriedlich und freundlich geführten Konkurrenz­kampf zwischen England und Rußland" gesprochen! Herr v. Kiderlen-Wächter muß uns jetzt zeigen, daß das aus­wärtige Amt nicht nur eine unparteiische Beobachtungs­station, sondern daß es die deutschen Interessen abzu­wägen imstande ist, und je rascher er sich in London zum Wort meldet, desto besser wird er sie wayrnehmen. Schon hat dieNowvfe Wremja" gedroht:Wenn die persische Regierung die ihr entgegengesweckte Hand ergreift, bleibt Persien auf oer Karte von Asien, andernfalls nicht!" Erfolgt der Widerspruch gegen diese Gewaltpolitik erst, wenn in London und Petersburg dem Gedanken die Tat gefolgt ist, so ist die Gefahr einer Auseinandersetzung mit den Waffen viel größer, oder aber die Unentschlossenen lassen sich zu Geprellten machen.

In zwei sächsischen Landtagswahlkreisen (Leipzig und Plauen) haben die Sozialdemokraten gegen die Vorwahl erheblich an Stimmen eingebüßt, und es ist von großem Interesse, wie dies in der sozialdemokratischen Presse er­klärt wird. DieLeipziger Volksztg." geht scharf mit der sträflichen Abstinenz" der säumigen Wähler ins Gericht die damitdie Chancen ihrer Unterdrücker noch vermehrt" hätten. DieDresdener Volksztg." aber rückt den Ursachen dieses Absalles von der Sozialdemokratte etwas näher, indem sie gesteht, daß ein Teil der Mitläufer von 1909 die rote Fahne verlassen hat, und dann fortfährt:Offen­bar hat die durch die Vorkommnisse in Moabit ver­anlaßte bürgerliche Pressehetze eine größere Anzahl kops-

politifd?« Tagesscbarr.

Eine unduldsame nltramontane Schrift.

.Einige Blätter bringen Auszüge aus einer Schrift des" päpstlichen Geheimen Kammerherrn di spada e cappa", Barons Paul de Mathies, die unter dem TitelWir Katholiken und die anderen" in dem bekannten ultra» montan-offiziösen Verlag von Herder in Freiburg erschienen ist; eine Schrift also, der schon um dieses Ursprungs mitten der Zentrumscharakter nicht gut abgesprochen werden kann. Die Tendenz der Broschüre wird am besten gekennzeichnet durch die frohlockende Verkündung:Wir sind wahrhafttg überall zwei Völker im Staate. Wir sind grundverschieden. Gebe Gott, daß wir es bleiben!"

Der päpstliche Kammerherr geht aber noch weiter und fordert die monarchisch Gesinnten in Deutschland mit einer Verspottung des Königs von Sachsen heraus, der bekanntlich ttotz seines katholischen Bekenntnisses es für geboten erachtet hat, in einem Handschreiben an Pius X. gegen die Be-i schimpsungen des Borromäus-Hirtenbriefes Verwahrung einzulegen. Gegen ihn werden in der genannten Schrift folgende Bemerkungen geschleudert:

Für die Geschichtsschreiber zur Zeit Pius des 20. oder Leos des 23. muß es dereinst zum Totlachen sein, daß eint Tuodezkönig, der Über noch nicht 15 000 Kilometerquadrate Kultur­bodenregiert", dem Papste einen Prvttstbrief schreibt, dem Papste, welcher Gläubige in fast 2000 Bistümern, Vikariaten, Präfekturen und Delegationen leitet."

An einer anderen Stelle heißt es:

. . .Ich bin mir wohl bewußt, daß, wenn man also mit dem Katholizismus Ernst machte, der dem modernen Staatsgedanven angepaßte Pattiotismus Schaden leiden würde. Aber auch der moderne Staatsgedanke wird wie der mittelalterlich^ einmal unmodern werden. Die katholische Kirche hat manchen Staat in Trümmer gehen, manche Dynastie fallen sehen. Sie wird wohl auch in Zukunft noch viele Veränderungen auf unseren geographischen Karten zu konstatieren haben. Als Ka­tholik sollte man das ganze Theaterspiel derMächte ziemlich kalt mitansehen. Es ist doch furchtbar gleichgültig, wer irgendwo regiert, wenn nur gut regiert wird. Und wer als wahrer Christ der Obrigkeit gehorsamt, weil sie von Gott ist, dem kann es ziemlich einerlei sein, wie man diese Obrigkett betitelt. Und wfenn irgendeine Obrigkeit etwas Unrechtes befiehlt und der Fall ein tritt, daß man Gott mebr gehorchen muß als den Menschen, dann ist es auch wieder recht unwesentlich, ob die gottlose Obrigkett eine angestammte oder eine vom Volk ge­wählte ist."

Wir nehmen von diesen merkwürdigen und verletzenden Scbreibereien Notiz, weil es erforderlich ist, sie einer stillen uno unwidersprochenen Wirkung unter den Katholiken zu

-Paul Heyse, der geistvolle und erfolgreiche Novetten- f dichter hat sich von seiner Frühzeit am lebhaft zum Theater m hingezogen gefühlt, schon sein offizielles Erstlingswerk war : ein Drama, aber die vielumworbiene .Muse war ihm nie günstig. Von seinen zahlreichen Bühnenwerken haben nur die beiden Volksstücke HanzLange und C o lb e r g einigen ?. Erfolg zu erringen vermocht. Das tag wohl in erster Linie an dem Stoff, an den beiden starken, aufrechten Männern, : nicht an der verbrauchten, schematischen Art, wie Paul Heyse seine Bühnenstücke formt. Man kommt bei seinen Dramen ** nicht von dem unbehaglichen Eindruck los, daß ein großer - Dichter um ein« Welt ringt, die ihm ewig verschlossen {ft, daß > ein bedeutender, mit Achtung und Ehrerbietung genannter )' Novellist ein naiver oder eigentlich kein Dramatiker ist, < obwohl gerade die Novelle dem Drama am nächsten steht. I Nichtsdestoweniger hatte der nahezu fünfzig Jahre alte > HansLangebei seiner gestrigen Aufführung einen starken 3 Erfolg, und der klüglich verwandte Humor verfehlte nicht ; seine erheiternde Wirkung. Die Darstellung, der die typi- ' scheu Gestalten nirgends bedeutsame Aufgaben stellen, ging , flott und leicht von statten und zeigte auch im Zusammen- ; spiel die tüchtige und umsichtige Arbeit des Regisseurs.

Hermann Bakof, der das Werk ansprechend einge- ; richtet hatte, spielte den biederen HanS Lange mit warmer ; Beseelung und schlichter Innerlichkeit. Karl Marx war : ein temperamentvoller, begcisterungsfähiger Bugs'a f, Der- fiel aber leider mehrmals in die schon im vorigen Jahre ge- , rügte Ueberhastung, die ich schon glücklich überwunden . glaubte. Kurt'hne bemühte sich nicht vergeblich, aus ' der papiernen Gestalt des Hofmarschatts einen Menschen zu machen. Rudolf Goll gab den ewig bezechten Krakow, Karl 5 Volck den eifersüchtigen Henning sehr ansprechend ^inb gefällig. In der kurzen Rolle des Viehhändlers bot Her- l mann Norden eine prächtig charakterisierte Gestalt. Als Herzogin suchte Elly G ü h n e ihre Würde so weit zu wahren, : als es der Dichter zuläßt. Von den übrigen Darstellern ist > weiter nichts zu sagen. Sie füllten ihre Rollen gut aus.

Erforschung der Passatwinde. Wie beretts Neu­lich mitgeteitt, werden auch in diesem Winter wiederum aerologische Studien in den Passatgebitten von befonberer Wichtigkrit gemacht werden. Aus Veranlassung deS Präsidenten der Internationalen! Kommission für wissenschaftliche Luftschiffahrt wird sich Dr. Jorms, Aslistent der Drachenstation am Bodensee, der zu diesein Zweck Urlaub erhalten bat, in die westindischen Gewässer begeben, umt durch Registrier- und Pilotballon-Aufstiege die Verböltmsse der dortigen Passatwinde zu studieren. Mtt besonderer Geriehmigrm^ Sr. Maj. des Kaisers und auf Befehl des Staatssekretärs t> Reichsmarineamts ist S. M. KreuzerFreya" mit der Aus­führung dieser Versuche beauftragt worden. Zu gleid)er Zett isd das von Prof. Hergesell inS Leben gerufene Observatorium amt Pik von Teneriffa angewiesen worden, gleichzeitige Mfstiege nr möglichst großer Menge vorMnehmen, so daß eine ausgiebige Er­forschung der roeftltd)cn und östlichen Passatgebiete auch in diesem Winter wiederum erfolgen wird. Im vorigen Winter sind der­artige Studien bekanntlich von Prof. Hergesell selbst gemackÄ worden.

Luftschiffahrt. Herrn S. Saul, Aachen, ist es gelungen, einen Pilotballon zu bauen, der sich auch,

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Dn »letzen,r »nzel-n ftfcbfinl Mgllch, außer tzoimtags. - Beilagen: viermal wöchentlich KirtzentrZamllitnblütler; riveimol ivöchenll.Nreir- blatl für Öen Kreis Gkfcen (Dienstag und Freiing); itvfimol monakl. Land- jvirlsch-stllcheLettfrage, fternlpied) - Anschlüße: für bie Redaktion 112, 1 Verlag u. Expedition 51

Adlksse für Depeschen

Anzeiger Gießen.

' -»nähme von Lazelge» q für die Tagesnununer a blS vormittags 9 Uhr.

politische Wochenschau.

I Gießen, 22. Okk.

5 .Es scheint, als solle dem seit September 1906 varlamen- i frischregierten" Persien bie politische Selbstänoigkeit ge- \ nommen werden. England hat es mit der Herstellung von - Sicherheit und Ordnung im Reiche der Kadscharen plötzlich I sehr eilig bekommen. Und doch sind die Unruhen imiSüden - Lanoes nichts Neues. Als vom Westen her, über Ruß- > land, der konstitutionelle Geist seinen Einzug hielt, waren l Die Handelsstraßen nicht weniger unsicher als heute. Persien kleidet an der Buntheit seiner Nationalitäten, und die im t Züden sitzenden Araber- und Belutschenstämme ersetzen, wie l Mrecht Wirth in einem seiner Briefe sagte, den Mangel 7 in parlamentarischer Gesittung nur durch Brutalität oder, i wie die Syrer, durch Theologie. Räubereien waren in Persien t oon jeher an der Tagesordnung, und die Regierung Mu- j affer ed Dins, des mildesten, fteilich auch bequemsten seiner \ Kerrscher, hatte den Wirrwar nicht beseitigt, eher ver- x .irößeTt. Die politische Unzufriedenheit wuchs immer höher , an, und die neue Spaltung in Liberale und. Reaktionäre i uäfyrte immer neue Unruhen. An den Grenzen betrachtete «man von drei Seiten her drese Entwickelung mit größtem Jn- :eresse. Rußland, England und die Türkei, als unmittelbare i Nachbarn, hoffen ein Erbteil aus dem Nachlaß der Kadscharen serauszuschlagen. Der Verttag vom 31. August 1907, der Nußland die Nordl-älfte, England die Südhälfte Persiens iISJnteressenspl-äre" sicherte, bildete den ersten Schritt ;ur beabsichtigten Teilung. Bisher war es immer Rußland, Das bei den innerpolitischen Wirren zu militärischen Maßnahmen geneigt war und unter allerlei Ausflüchten ich weigerte, seine Truppen aus den Nordprovinzen zurück- ;uziehen. Im englischen Parlament war es darüber mehr- ach zu besorgten Anfragen gekommen. Was veranlaßt nun Das Londoner auswärtige Amt, so unvermittelt der persischen Hegierung eine Frist von drei Monaten zu stellen, um im Lüden Ordnung zu schaffen, widrigenfalls indische Offiziere nne Polizeimacht bilden würden, um den Handel zu schützen?

Auch wenn man zugibt, daß unter den andauernden Zßjnen in Persien die Handelsbeziehungen leiden müssen, o kann England sich doch keineswegs auf ein Recht stützen, gewaltsam in das Geschick des Landes einzugreifen, es ei denn, daß alle wirtschaftlich interessierten Mächte, nicht ittein Rußland, ihr Einverständnis dazu erteilen würden, llugenscheinlttl) wollen die englischen Polittker die günsttgste Äelegenhett erfassen, den ersten Schritt zur Auf-

. ei hing Lu tun: die Türkei steht in einer Minister- risis, uno das neu befestigte Bündnis zwischen Deutschland = mb Oesterreich drängt nach Macht und Einflüssen auch im ? Orient Rasch zugreifen, ehe es zu spät ist, das scheint 2 Die Parole zu fein, die in London unter dem Beisatt Ruß- : änds ausgeaeben worden ist. Denn in Petersburg ist an- gefragt worden, das wurde in den Blättern feftgeftettt : Für solche Einverleibungen verfolgt man eine ganz be- : stimmte Methode, wie sie sich für Frankreich ja auch in > Marokko bewährt hat Man geht schrittweise vor und be- r ruhigt die mißtrauischen Zuschauer durch allerlei Vor-« : spiegelungen, damit das Weltgebäude nicht erschüttert wird. * Es heißt, die englische Note an Persien sei das Werk des ; neuen Unterstaatssekretärs im englischen auswärttgen Amt, ? Sir Arthur Nicolsons, der als Botschafter in Petersburg mtt

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wunderliche Hochzeitrfeiern.

Unter den amerikanischen Geistlichen uno Standesb^ amten macht sich eine stetig wachsende Belvegung geltend, die der immer mehr zunehmenden Neigung der Amerikaner, ihre Eheschließungen jeden Ernstes zu entkleiden, einen, Riegel vorschieben will. In den letzten Jahren haben sich die Fälle gehäuft, in denen allein SensationsbedürfniÄ und Freude an Wunderlichkeiten die Form der Eheschließungen bestimmen. Iw Milwaukee hat man Hochzeitsseiern ohne weiteres in den Dienst der Reklame gestellt. Der Besitzer der arößten Rollschuhbahn hatte einen Preis von 200 Mark für jedes Ehepaar ausgesetzt, das sich auf Rollschuhen in seiner Bahn trauen läßt, und seinem Beispiel folgte rasch ein Möbel­händler, der jedem Paare eine vollständige Schlafzimmer- einrichtung stiftete. Es fehlt natürlich nicht an ärmeren Braut­leuten, die der Versuchung nicht widerstehen können und für das Schlafzimmer und den Geldpreis gern die Komik der Situa­tion hiimehmen. Ein 5)err W. McGrath und Miß Hattie Bald­win machten den Anfang, und Tausende von Leuten strömten in die Rollschuhbahn, um die ungewöhnliche Hochzeit zu sehen. In der Mttte der Fläche war ein Tisch und ein Stuhl für den Standesbeamten ausgestellt, und bald geivahtte man auch den Friedensrichter Burke, der auf Rollschuhen datier gelaufen kam, um am Tische seines Amtes zu walten. Die Musik spielte den Hochzeitsmarsch von Mendelssohn, und auf Rollschuhen zog das Brautpaar mit Zeugen und Ehrengeleit über die Dahn, machte vor dem Tische Halt, die Ehe wurde von dem Beamten ausge­sprochen, und die Rollschuhbahn konnte an diesem Tage eine Einnahmeziffer aufweisen wie noch nie.

Aehnlicher Art waren die Gründe, die C. W. House und Miß .Flora I. Wood veranlaßten, sich in der großen Landwirt­schaftlichen Ausstellung in Newyork trauen zu lassen. Die Aus­steller stifteten allerlei Gegenstände für das Paar, eine Samm­lung wurde veranstaltet, und natürlich sttömten Tausende von Besuchern in die Ausstellung, um Zeugen des ungewöhnlichen Scl>auspiels zu werden. Aber nicht immer ist es die Hoffnung auf Gewinn und die skrupellose Reklame findiger amcrifanifdicT Geschäftsleute, Pie für solche Hochzeitsfeiern verantwortlich sind. In den meisten Fällen ist die Lust am Verblüffenden und Unge­wöhnlichen der Ursprung solcher Schauspiele. In Boston ließ sich vor einiger Zeit ein Brautpaar im wenkäf i g trauen; der Geistliche freilich blieb draußen und waltete durch die Git­terstäbe hindurch seines Amtes. Mrs. Ola Petermann ans Lexiugton hatte es sich als Braut in den Kops gesetzt, in­mitten eines Flusses gebaut zu werden, und zwar nicht etwa in einem Boote, sondern in einem Wagen. Sie fuhr von der einen Sette des Stromes in die Wellen, 5er Bräutigam von