Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonntags.
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gegenüber unserer geistigen Arbeit, und das erfüllt uns mit Stolz und mit Mut für die Zukunft. Die Geschichte der Kirche ist auch die Geschichte großer' Gegensätze, und im Widerspruch ver Richtungen offenbart sich erst die Tiefe der katholischen Weltanschauung. Gott bewahre uns vor der Totenstille! Aber konnte der Kampf nicht ein großer Wettbewerb der Richtungen und Gesinnungen werden, ein Kamps um die größere Tat für die
— Jngeborg van Bronsar k. Am 24. August vollendete die erfolgreiche Komponistin und Pianistin Jngeborg von Bronsarl, die Gattin des früheren Weimarischen Hoftheateriuten- danteu Hans von Bronsart, ihr 70. Lebensjahr. Ihr Mädchenname ist Stark, ihr Geburtsort Petersburg, ihre Eltern waren Schweden. Als junge Schülerin Liszts lernte sie in Weimar ihren ebenfalls musikalisch reichbegabten Gemahl kennen, der sie 1861 heimsührte. Außer zahlreichen Instrumentalkompositionen schrieb sie die Oper „Die Göttin von Sais", das Singspiel ,^Jery und Bätely" ü.nb, die 1891 in Weimar aufgeführte große Oper „friarne".
zeiner, es will zur Epidemie werden. Da ist es notwendig, hrm) Zusammenhänge zwischen Brot und Glauben mehr als bisher nachzugehen, mehr soziales und wirtschaftliches Berständsüs M wecken. Es wird zu untersuchen fein, ob nicht kleine land- liche Gemeinden zusammengelegt werden können, da- mit die Großstadt einen Seelsorger mehr bekomme. — Morgen werden die Beratungen des diesjährigen Katholikentages zu.Eudy gehen. ,
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schub- straße 7. Expedition und Verlag: e^gfroL Redaktion: e-0112. Teb-Adru AnzrigerGießen.
auch ui der Kulturarbeit der Gegenwart GoUes Kräfte leb<mdig. Restlose Harmonie mit der irdischen Kultur ist für Ms nicht möglich, aber Persönlichkeit, geistiges Bedürfnis, Friede und 3 Enthusiasmus können der katholischen Bildung zu einem tieferen
1 Einfluß auf die Zeitseele verhelfen. Die Zweifel an der Fähig- keü der Katholiken zum Wettbewerb an der Kultur sind hinfällig
Die „Siebener Familtenblütter" werden dem »Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschastlichen Zett' fragen" erscheinen monatlich zweimal.
— Eine Volksakademie. Zum drittenmal seit Bestehen veranstaltet der Rhein-Mainische Vei'band für .....
bildung in Frankfurt a. M. eine „Bolksakademie". Vom 25. Sept, bis 5. Oft. wird in Wetzlar eine kleine Schar ideal gesinnter Männer und Frauen aus allen Volksschichten und aus den verschiedensten politischen und religiösen PartcÄagern bi Form einer Hausgemeinschaft zusammenleben, um sich in eingehenden Be> spreä>ungen über die Probleme der Volkserzichungsarbeit klar zur werden. Die gesellschastlichen Unterschiede sollen vergessen/ die
An Goethes Geburtstag, bem 28. August, wurde Nietzsches steck- liches Teil im Erbbegräbnis seiner Familie zu Röcken bei beigesetzt.
— An Nietzsches Bahre. Zum zehnten Male jährt sich am 25. August der Tag, der Friedrich Nietzsches urnnachteten Geist aus den körperlichen Banden befreite. An einem Samstag mittag, kurz vor 12 Uhr, tat er in dem Hause Luisenstraße 30 nt Weimar, m dem noch jetzt das Nietzsche-Archiv sich befindet, den letzten Atemzug. Ein Lungenödem war auf getreten, und ein? Schlaganfall hatte die rechte Körperhälfte gelähmt. Eine stimmungsvolle und ergriffene Schilderung des Sterbezimniers bat damals der Schriftsteller Carl Bulcke veröffentlicht. „Die Tür schließt sich hinter mir," schildert er seinen Eintritt. ,Lch stehe- allein. Mir schlägt das Herz. Ein unendlich schmaler Sarg aus hellbraunem Eichenholz mit silberbroiHierten Füßen steht mitten im Zimmer gebettet zwischen dunklen, fast schwarzen Lorbeerbäumen. Die Augen gewöhnen sich allmählich an die Dämmerung. Der gelbe Jaspis zweier Leuchter brennt wie Licht. WaS. im Sarg liegt, ist blendend weiß. Eine blanke Atlasdecke ißt zurückgeschlagen, ein dünner Gazeschleier liegt über dem Toten. Auf dem Körper ruhen leicht verschlungen zwei mächtige, wachsbleiche Hände. Der Kops liegt zurück. Unter der Gaze schimmertt, der buschige, tiefdunkelbraune Schnurrbart: er überschattet die« fdjmalm Lippen, in deren Mundwinkeln das letzte Zeichen des? Todeskampfes, die letzte Rune des Lebens schläft. Der kolossaktz Kopf mit der niedrigen Slawenftirn ruht tief versunken, ringe grab en in das weiße Kissen. Das schmale Gesicht ist gelblich blaß. Auf dem Atlas liegen gelbe Rosen .... Sekunden vergehen. Was dentt man in solchen Augenblicken'? Mir schlägt das Herz. — In meinen starren Augen werden die weißen Rieseiihände immer größer, immer größer. Mich dünkt, sie umspannen die ganze kleine Welt .... Es raschelt im Nckene zimmer. Ganz leise öffne ich wieder die Tür. Noch rin Blick. Requiescat. — — Draußen die Sonne. Tausend Sehritt kaum glänzt aus dein Wipfel grüner Linden in ruhigem Glanz das strahlende goldene SFrcuj der Fürstengruft, wo Goethe ruht." —
in t. u- un di
französischen Revolution wurden ihm sogar Denkmäler zer- I ' schlagen, darunter das vielgerühmte Marmorgrab, das Philipp IV. seinem Vater errichtet hatte. Aber am schmerz^
Bildungs aufgaben der deutschen Katholiken.
Der Redner führte aus: Als die Jünger einst den Heiland auf die gewaltige Pracht des leuchtendeii Tempels hinwiesrii, da schwieg der Herr. Scheint es nicht, als liege in diesem Schweigen rine Verachtung der irdischen Kultur, als ein kaum der Rede wertes Spiel der Menschheit? Das, was menschlich wertvoll ist m unserer Kultur, darf sich gesegnet wissen vom Menschensohn. Der Konflikt ,Zhr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon" ist notwendig und gottgewollt. Die rein weltliche Kultur entspringt dem natürlichen Verlangen zu wissen, zu genießen, ein schönes Dasein zu schaffen, sie ist also ohne sittliches Verdienst, und darum müßte sie frenndlos an sich selbst zu Grunde gehen, träte ihr nicht wider Willen das christliche Ideal entgegen mit Der Forderung: suchet zuerst das Reich Gottes! Indessen werden
Die Straßenbahn im Gewitter.
Nach den verschiedenen sehr heftigen Gewittern, die sich im Lause des Sommers über Gießen entluden, tauchten immer wieder Fragen aus, wie sich die Straßenbahn im Gewitter verhaue, wie sie gegen Blitzeinschläge geschützt fei, ob sie nicht besonders gefährdet fei usw. Nahrung mochte der letzte Gedanke dadurch erhalten haben, daß bet dem ersten Gewitter dieses Jahres eine längere Betriebsstörung stattfand. In folgendem sei kurz auf diese Frog^ geantwortet.
Wie wohl allgemein bekannt ist, sucht sich der Blitz den kürzesten Weg zur Erde oder richtiger den Weg, der ihm den kleinsten Widerstand bietet. Hierauf beruht das Prinzip der verschiedenen Blitzableiter, von denen die gewöhnliche Auffangstange mit Metallspitze und leitender Ster- bindung mit einer Erdplatte am bekanntesten ist. Auch die Straßenbahnoberleitung, der Fahrdraht, ist durch Blitze ableiter gesichert, die aber von der gewöhnlichen Art ab^ weichen. Der bei Straßenbahnen gebräuchliche Blitzabileitev ist der sogenannte Hörnerblitzableiter, der an Oberleitungs-
Sache Gottes? Wenn wir an denselben Christus glauben und seine Fahne ausiichtm wollen im Getümmel der Gegenwart, was lassen wir Blut fließen am eigenen Herde, Bruderblut? Darum Friede. Und endlich Enthusiasmus. Große Werke können nur aus ergriffenen Seelen kommen. Die dringendste Arbeit heißt: religiöse Begeisterung.
Unwersitätsprofessor Dr. Josef Mausbach (Münster i. W.) behandelte das Thema:
Frauenbildung und Frauenstndium, indem er ausführte:
Die Tatsache, daß ein großer Teil der Frauenwelt rin starkes Bedürfnis nach geistigem Fortschritt empfindet, gebietet, dieser mächtigen Zeiterschrinung ohne engherziges Vorurteil näher zu treten. Alle katholischen Denker sind darin einig, daß Mann und Weib bei allen unleugbaren Verschiedenheiten doch im tiefsten und höchsten vollkommen gleich sind. Gerade die moderne Philosophie und Ethik hat diese Gleichheit zu erschüttern versucht. Die peinlichen Gegensätze zwischen griffiger Schaffenslust und dem Mutterberuf kann nur das christliche Lebensideal überbrücken. Diese christliche Lebensauffassung hat es alltäglich gemacht, daß eine Jungfrau ihr blühendes Leben ohne schmerzlichen Seitenblicl ganz in den Dienst der Kirche, der Charitas, der Bildungstätig- krit stellt. In dieser kirchlichen Hochschätzung des jungfräulichen Standes liegt nicht eine Verdunkelung der Würde des Ehestandes. Der Schwerpunkt des Lebens der meisten Frauen liegt im Hause, und darum muß sich die Ausbildung der Frau zuerst auf die tüchtige Ausnutzung für den Stand der Ehe und der Mutterschaft richten. Dort liegt der umfassendste Beitrag des Weibes zur Menschheitskultur, dessen Wert sich getrost der Kulturleistnug des Mannes an die Seite stellen kann. Und diese weibliche Kunst will erlernt sein, zumal die Entwickelung des gewerblichen Lebens Hunderttausende aus dem Hause in die Fabrik zwingt und die Vorbereitung für den Mutterberuf erschwert. Soll darunter nicht die Zukunft des ganzen Volkes leiden, so muß durch hauswirt- schaftliche Fortbildungsschulen dieser Mangel ersetzt werden. Gerade aus der Wichtigkeit und Vielseitigkeit des Familienlebens ergeben sich stets lohnende ^ifgaben für weibliche Hilfskräfte im Haufe, die jedenfalls für sie beglückender sind als die Bedienung des Telephons und des Schalters oder ähnliche gemüUofe Arbeiten. Gott fei Dank ist es auch die Achtung vor dem mütterlichen Walten und Wirken in den besonnenen Reformerkreifen wieder gestiegen. Sie hat sich besonders zur Geltung gebracht bei der Frauenschule, die den Töchtern höherer Stände nach dem Verlassen der Mädchenschule Gelegerchett zur Ausbildung für alle Aufgaben einer deutschen Frau und Mutter geben jolL Das Frauenstudium im engeren Sinne ist der Weg zur höheren weib- licben Berufstätigkeit außerhalb der Familie: denn die Frauen sind nicht ausgeschlossen von der Wissenschaft und Kunst. Wir Katholiken dürfen der heutigen Frauenblldung unsere Empathie nicht versagen, auch wenn der gegenwärtigen Flut eine Ebbe folgt. Vollwertiger Anschluß katholischer Frauen an die Gesamtbewegung ist von großem Vorteil.
Landtagsabgeordneter Rechtsanwalt Josef Graf v. Pefta- Nürnberg behandelte das Thema:
Modernes Freidenkertum, indem er ausführle: Zwei große Heerlager von solchen, welche einen persönlichen Gott nicht anerkennen, trennen sich nach rechts und links von der göttlichen Offenbarung. Die einen schlagen den Altar ist Stücke und beten die Erde, den Stoff an, aus dem sich alles automattsch entwickell habe. Das sind die Materialisten. Und die anderen, die Idealisten, setzen an Stelle des Gottes- bildes eine Idee, eine geistige Kraft. Im Kem findet sich eine Lehre der Idealisten bereits in der Philosophie des alten Brad- manentums, welche alles Dasein auf einen in der Welt selbst liegenden Urgrund geistiger Art zurückführt. Solche idealen Meinungen finden sich in der mannigfachen Form bis heute. Sie sind alle Nebelgebilde, die auf gewissen Höhen der Menschheit gefunden wurden, die aber einen Einfluß auf die Masse nicht ausgeübt haben. Arrders ist es mit dem Materialismus. Seine Geschichte beginnt mit dem Lachen, sie endet mit dem Fluche des Wahnsinns. Die Anhänger all dieser verschiedenen Systeme bilden die Freidenker, die alle für sich den vermeintlichen Vorsprung in Anspruch nehmen, allein frei zu denken. Ferrer-Rummel und Kulturtage find Propagandagelegenheit; da geht der freie Gedanke auf die Straße, da hat er das katholische Bewußtsein beschimpft, wollten wir so vorgehen, dann wären wir kein Katholikentag. Der Katholikentag ist der wahre Kulturtag. Ein absolut freies Denken gibt es nicht, aber es gibt ein freies Handeln. Ohne Gott aber gibt es für dieses freie Handeln feine Moral. Das Freidenkertum ist nicht mehr eine Irrung Ein-
Deutscher Katholikentag.
I ' - Augsburg, 24. Aug.
■ . geschlossene Versammlung beschäftigte sich zunächst mit
■ soSch^" Fragen, wozu eine Reihe von Anträgen des sozialen f« Äu-schusses Vorlagen. Generalsekretär Dr. Pieper erstattete W zunächst den Bericht dieses Ausschusses. Sein erster Antrag H beinitt Die religiös-sittliche Hebung des erwerbstätigen Volkes tzr wurde einstimmig angenommen.
U WritereAnträge des sozialen Ausschusses beschäftigen sich mit der Fürsorge für die ichulentlaffene Jugend. Hier wird vor allem die pflichtgemäße Einführung des Reliaionsunterrichtes in den obliga- wrischeu trortbitdungsschulen für Knaben und Mädchen gefordert Zu dem Punkte
Militärfürsorge
verlangt ein Antrag die an manchen Orten schon vorteilhaft er* 111119 Einer Rekrutenfürsorge im Anschluß an die ui Betracht kommenden katholischeii Vereine. In der Besprechung dieses Themas bemerfte der Präsident Marx: Der vorliegende Punkt ist von außerordentlicher Wichtigkeit. Wir erheben Einspruch gegen die Art und Weise, wie diese überaus mohernc und notwendige Einrichtung von der liberalen Presse bekämpft worden ist. Wir wollen, daß, die jungen Leute staatstreu werden und blechen. Eine solche staatserhaltende Tätigkeit sollte auch vom «Staate unterstützt werden. (Lebhafte Zustimmung.) Ein anderer ?luttag peiajafttgt sich angesichts „der wachsenden Bedrohung des ) elbsta n d i g en kauf m a nn i sch e n M i 11 e l fta n d e s durch ^e.neuzeitliche Wrrtschaftsentwicklnng" mit der Forderung eines umraffenben gesetzlichen Schutzes dieses Standes, verlangt ferner Ausbau der L-chutz- und Verficherungsgesetzgebnng zu Gunsten »der vandlungsgehiffen und lonitigcn Privatbeamten und empfiehlt die tatkräftige Förderung der katholischen kaufmännischen Ver- — einigungcn. Mle diese Anträge wurden unter lebhaftem Beifall
! einstimmig angenommen. Damit war das Thema Soziale Fragen" erledigt. s
Sodann ging die Versammlung zur Besprechung der Anträge über, die der dritte Ausschuß zu dem Thema
„C h r i ft l i ch e Charitas"
voi gelegt hat. Zur Frage der „Charitashilse in der Großstadt- Kdiorge besagt ein Antrag: „Die Hauptversammlung erachtet es als ihre Pflicht, die Katholiken auf die Größe dieses Problems und der damit veckundenen Gefahren für die Kirche unb die Seelen aufmerksam zu machen und die berufenen Führer zu einer 4 wirksamen Lösung der Frage zu ermuntern." Weitere Anträge betrafen das „Auswandererproblem", das katholische Deutschtum im Auslande, Fragen der Fürsorge-Erziehungspflichten, der Fürsorge für die gefährdete Jugerrd und der Unterstützung der Vinzenz- Lere.ine. Mehrere Anträge beschäftigten sich mit dem „Kampfe {gegen den Alkoholismus". Auch diese Anträge wucken einstimmig angenommen und hierauf die Versammlung geschlossen.
Die dritte öffentliche Versammlung in der I großen Festhalte war wiederum sehr zahlreich besucht. Auch die Mschöft und die andere hohe Geistlichkeit waren wieder eridjienen. An erster Stelle berichtete Dr. theol. Bernhart (München) über
5um Zarenbesuch in Gberhessen.
Aus Friedberg, 24. August, Wick uns geschrieben': darf nunmehr als feststehend betrachtet wecken, daß die Zaren-- familie am Montag vormittag auf Schloß Frickberg eintreffertz wird. Die Großher^ogliche Familie wird, wie schon gemeldet, das Hoflager am Samstag nach Schloß Friedberg verlegen. Obf hie Ankunft der russischen Majestäten mit der Eisenbahn erfolgen wird, oder ob sie sich von einer Zwischenftation mittelst Aut»-' mobils direkt ins Schloß begeben* werden, steht noch nicht feft doch gilt als sicher, daß keinerlei behördlicher Feftempsang statt-, findeii wird, sondern nur eine Begrüßung der hohen Gäste durchs die fürstlichen Verwandten erfolgt. In der Stadt hat inzwischen die Ausschmückung der Straßen eifrige Fortschritte gemadyt. Ist der direkt zum Schlosse führenden Kaiserftraße ist beim Rat häuft eine mächtige Ehrenpforte errichtet worden, die mit Fahren und Girlanden reich geschmückt ist: bis zum südlichen Schloßtor ziehen sich hohe Fahnenmasten mit Girlanden aus Tannengrün hin undj von den Masten wehen bereits bunberte von Fahnen in den deutschen, hessischen und russischen Farben. Auch die Ausschmückung^ des Schloßhofes ist nahezu vollendet. Die Wände der Gebäude und die kaum mannshohen Einfrickigungsmauern sind mit Lorbeerbäumen, Palmen und zahllosen Blumen geschmückt, die int Laufe der letzten acht Taae aus der großherzoglichen Hofgärtnerei Darmstadt herübergeschaftt wurden. Die Ehrenkompagnie für bas Zarenpaar, die am nächsten Freitag hier eintrifft, Wick diesmal, aus allen fünf hessischen Infanterie-Regimentern unter dem Kommando des dienstältesten Hauptmanns Schmitz (168. Jnf.-Regt.) zusammengesetzt fein; die Stadt hat bereitwilligst für die Unterbringung der Mannschaften in Mafsenguartieren Sorge getragen. — Den außerordentlich übertriebenen Nachrichten über den Sicherheitsdienst aus Anlaß des Zarenbesuches gegenüber fei bemerkt, daß die eigentliche Sckstoßwache aus 10 Mann besteht, die in dem Häuschen des Pckells am nahegelegenen Lehrerseminar unter-, gebracht sind. Sonst ist während des Besuchs nur eine Pfarrers-, Witwe mit ihren Kindern und ein russischer Student, der auf bemj Schloßterrain feit vielen Jahren bei einer Witwe wohnt, aus- auartiert worden. Der angeblich zu errichtende „mittelalterliche Schlagbaum" besteht aus einem niedrigen Holzgeftell, das den Fußgängerverkehr frei läßt, aber verhindern soll, daß unbefugte Fuhrwerke, namentlich fremde Automobile kurzweg in den Schloßhof einfahren, wie dies auch schon häufiger im Jagdschloß Wolfs-, garten geschehen ist. Das „große eiserne Gitter mit ©töteten"/ das angeblich errichtet werden sollte, besteht aus einem Stachel-, drahtzaun, der zum Schutze gegen Obstdiebstähle angebracht wurde.. Daß eine Airzahl Kriminalbeamte unter Leitung des PolizriratA Krämer mit dem Sicherheitsdienst betraut wurden, ist selbstverständlich, doch genügen dafür die hessischen Beamten vollständig^
Der Dom von Narbonne.
Aus Paris wird uns geschrieben: Der Dämon Feuer hat in jüngster Zeit den Kunstschätzen übel mitgefpielt. Die Kunde, daß er auch die Kunstwerke der Kathedrale zu Narbonne nicht geschont hat, muß schmerzlich berühren. Vieles, was den Wert dieses Gotteshauses ausmachte: kunstvoll geschnitztes Gestühl, Skulpturen, Bilder und Glasmalereien, ist vernichtet. Außen sieht der riesige Bau wie eine Festung aus, aber sein Inneres offenbart den ganzen Zauber nordfranz-ösischer Gotik, deren ! siegreiche Kraft ja auch im Süden Frankreichs ausgezeick)- nete Werke geschaffen hat. Zur großen Wirkung der Architektur, zu den schlanken Bündelpfeilern, die zum Gewölbe emporsteigen, zum breiten Umgang mit dem Kapellenkranz und den gewaltigen Fenstern, deren Maßwerk wie Filigran in Stein anmutet, gesellte sich zur Erhöhung der feier- , sichst en Stimmung jener kostbare Schmuck an Kunstwerken, der nun zum Teil vernichtet ist. Schade besonders um die architektonifch-gotisierenden Glasgemälde, deren entzückende Farbenpracht dem Raum und den kalten Steinen seit Jahrhunderten Leben und Wärme verlieh. Am 25. März 1272, dem Sonntag Lätare, wurde vom Erzbischof Maurin, einem Freunde Clemens IV., der vom Papst gesandte, mit goldenem Kreuz geschmückte Grundstein zum Bau gelegt. Erst 1332 war der Chor vollendet, also zur gleichen Zeit, wie der des Domes zu Köln. Schon vor der Vollendung war in der Gruft ein König beigesetzt worden, Philipp der Kühne, gestorben 1285 zu Perpignan. Seit bem hat der Bau ein wechselvolles Geschick erlebt, in dem Not und Sturm nicht gefehlt haben. Während der ersten
sührung des Besessenen vor die Apostel, verknüpft ist, ist das letzte gewesen, das Rafael geschaffen hat, denn kurz nach der Vollendung sank der Meister am 6. April 1520 ins Grab. In Rom aber entschloß man sich aus Gründen !der Pietät, den Schwanengesang Rafaels, die Transfiguration, .nicht nach Narbonne zu senden, sondern im Vatikan zu belassen Als Ersatz wurde der Kathedrale ein 1519 gemaltes Meisterwerk des Sebastian del Piombo überwiesen, die Auferweckung des Lazarus, eine bedeutende Schöpfung, deren Komposition angeblich auf Michelangelo zurückgeht. Viele Jahre hat das Gemälde eine der Kapellen der Narbonner Kathedrale geschmückt. Noch 1627 berichtet von ihm der Deutsche Jodocus Sinz er in seinem Jtinerarium. Ludwig XIII. wollte es der Kirche für 9000 Kronen abkaufen, erhielt aber eine ?lbfage und mußte sich mit einer Kopie begnügen. Nichtsdestoweniger gelangte später das kostbare Bild in die Galerie Orleans und bann — nach London, wo es seit länger als einem Menschenalter eine Zierde des Saales der Venezianer in der National- Gallery bildet. So ist die Narbonner Kathedrale nicht nur um das letzte Meisterlverk Rafaels, sondern auch um das des Piombo gekominen. Als schwachen Trost für den Verlust hat die französische Regierung nm die Mitte des vergangenen Jahrhunderts dem Museum zu dLarbonne eine Kopie der Transsigurariou gestiftet. Nun ist es im Hinblick auf den jüngsten Brand als ein Glück zu preisen, daß das Original Rafaels nicht nach Narbonne gekommen ist, denn sehr wahrscheinlich wäre es jetzt den Flammen zum Opfer gefallen. Und wohl dasselbe Schicksal hätte das Bild des Sebastian del Piombo bettoffen.
lichsten wurde empfunden, daß der Kathedrale ein Meisterwerk Ra faels entging. Papst Clemens VII. hatte für Hochaltar der Kathedrale zu Narbonne bei Rafael „Transf^guration" bestellt. Ein Andenken sollte das Gemälde fein an die Zeit, da er, der Schenker, Erzbischof ! dieser Kirche aewesen war. Das gewaltige Werk, in dem mit großer Kühnheit die Verklärung Chrrsti und die Vor-
Zweites Blatt 100. Jahrgang Donnerstag Ä5. August 1910
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General-Anzeiger für Gberheffen


