Ausgabe 
23.6.1910 Zweites Blatt
 
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«nb wohl wenige "solch c Arbeiten werden in der ganzen Ge­gend zu ftnben sein Es verdient nock hervorgehoben zu werden, daß der von Apotheker .Hempel neu gegründete Verein ehemaliger 116 er Regiments-Kameraden, der Mit­glieder aus mehr denn 20 Orten zählt, sich mit den Spiel­ten ren des 1.,'Bataillons, Regiment Kaiser Wilhelm, an dem Feste Beteiligt, und an dem Denkmal einen Kranz zu Ehren seiner gefallenen Kameraden niederlegt.

[] Marburg, 22. Juni. Der Bericht über das vor- jälfrige Geschäftsjahr der Marb-urger Kreis­bahn, die vom Sudbähnhof aus nach Dreihausen führt, ist erschienen. Die Gesamtlänge der Bahn beträgt 16,64 Kilo­meter, die Gesamtbaukosten betrugen 1622 484.19 Mk., die durch den Staat, den Bezirksverband und den Kreis auf­gebracht wurden. Es wurden insgesamt befördert 131577 Personen, wodurch eine Einnahme von 41388.94 Mk. er­zielt wurde. Der Güterverkehr in Höhe von 23 957 t brachte eine. Einnahme von 23.512.80 Mk. Den Gesamteinnahmen von 73 853.22 Mk. standen 62 201.13 Mk. Ausgaben gegen­über. Durch den in Aussicht genommenen Anschluß der Bahn an die Strecke Gießen-Fulda dürfte die Rentabilität der Bahn erfyeblicf) steigen.

Landwirtschaft.

8 A u § dem Oh in tat, 22. Juni Die Heuernte ist in vollem Gange. Sie liefert em vortreffliches Ergebnis. Tie dies- jährige Heuernte übertrifft an Quantität die vorjährige um mehr Q[§ das Tod nette. Das herrliche Sonuenmetter liefert eine ganz vorzügliche Qualität. Dabei schreitet die Arbeit sehr rasch »ort. Angesichts dieser trefflichen Futteraussichten lind die Preise bei den Heugrasversteigerungen sehr niedrig; sie bleiben nicht selten um 50 Prozent hinter den vorjährigen zurück. Das gibt der Viehzucht, bei der ohnehin die Preise seither aus ansehnlicher Höhe standen, einen weiteren Antrieb zum Fortschritt. 3

Frankfurt a. M., 22. Ium. Tie Landes-Obst, ün d G a r t e n b a n -A us st e l l u n g, die vom 7.16.0 k t o b e r in der Fe st halle stattfinden wird, bildete die Tagesordnung einer kürzlich in Limburg a. d. Lahn abgehaltenen Sitzung des Vor­standes des Nassauischen Landes-Obst- und Gartenbau-Verems. Gartenbaninspektor Jungs-Geisenheim erstattete Bericht über die Vorarbeiten: Es könne mit Bestimmtheit gesagt werden, van die Ausstellung an Umfang und Reichhaltigkeit alle ähnlichen Ver­anstaltungen in den letzten Jahrei: übertreffen dürste. Für den Ortsausschuß berichteten die Obergärtner Kraus und Berg über die lebhafte Teilnahme, die die Ausstellung in den Kreisen der Landschastsgärtnereieu und Bindereien besonders in Frankfurt a. M. gefunden hat, so das; ailch diese Ausstelluiigsteile sehr günltige Aus­sichten haben. Nachdem sich iroch Direktor Modlniger Frank­furt ft. M. in ähnlicher Weise über die Aussichten der Beschickung des industriellen Teiles auSgesvrochen hatte, machte Kommerziell- rat de Neiliville einige Mitteilungen über die Finanzierung des Unternehmens.

Tttrche und Schule.

X Friedberg, 22. Juni. Die Evangelische Kon­ferenz sür das Großherzogtum Hessen hielt heute im .Hotel Trapp ihre 5) a u p t D c r ) q m m I u n g ab. Pfarrer Dr. Diehl- Dar m st a d t berichtete über die Stellungnahme der Geistlichen zur von den Lehrern verlangteit Aushebung des § 50 des Schul­gesetzes, betreffs Organistendienst usw. Er kommt nach ausführ­licher Behandlung der Frage und geschichtlicher Beleuchtung zu dem Schluß, daß die Loslösung der Schule vom Or­ganistendienst im staatlichen und kirchlichen In­teresse liege und eine Pflicht der Gerechtigkeit gegen die Lehrer sei. Man werde selbst auf bem Lande mehr Organisten bekommen können, als man brauck-c. Der Vorsitzende des hessischen Or­ganisten- und Chordirigentenvereins, Reallehrer Müller- Fried­berg verliest die Hauptpunkte des Beschlusses der Generalversamm- Inng dieses Vereins. Dieser fordert die Aushebung des § 50, die Anstellung der Organisten von der Kirchenbehörde auf Grund der Befähigung zum Organistendienst, Gehaltsregulierung, Pensions­fähigkeit, Auszahlung des Gehalts durch den Zentralkirchenfonds und Steigen des Organistengehaltes nach den Dienstjahren. Mehrer Dollinger- Ober-Gleen verlangt, daß § 50 fällt im Interesse beider Stände; die Verfügung des Oberkonsistoriums habe Miß- stimmung in den Kreisen der Organisten hervorgerufen. Schließ­lich wird einstimmig folgende Entschließung angenommen:Mit Rücksicht daraus, daß bei der Reichhaltigkeit der Tagesordnung die Frage nach der kirchlichen Stellung der Organisten usw. im­möglich erschöpfend behandelt werden kann, beschränkt sich die Hauptversammlung auf folgende Entschließung, in der ihr das mindest zu fordernde zum Ausdruck gebracht scheint:daß eine Beseitigung der einseitigen V e r!p f l i ch t u n g^der Lehrer zur Nebernahme kirchlicher Funktionen nad),§ 50 des Schulgesetzes entweder durch Aufhebung des § 50 oder doch wenigstens durch Maßnahmen der kirchlichen und staatlichen Praxis auch im kirch­lichen Interesse dringend zu erftreben ist."In einer anschließenden öffentlichen Versammlung, die gleichfalls stark be­sucht war, sprac!' Pfarrer Lie. Zur h eller-Frankfurt a. M. überDie neuesten Angriffe und die Existenz Jesu und die Auf­gaben der evangelischen Kirche."

45crid?t$faal.

w. Hamburg, 22. Juni. Das Schwurgericht verurteilte den 20jährigen Gastwirtsgehilfen Magnus und den 21 jähriges Arbeiter Burghard, die am 3. April 1910 den 77 jährigen Uhrmacher Lessau gemeinschaftlich getötet und beraubt hatten, zu je vierzehn Jahren Zuchthaus.

w. Oldenburg, 22. Juni. Der 20 jährige Buchdrucker­lehrling Denker wurde heute mittag vom Schwurgericht wegen Ermordung seines Bruders zum Tode und wegen Tötung der Eltern zu je lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt. Von den Geschworenen wurde die Frage nach der Ermordung des Bruders bejaht, dagegen die Frage nach der Ermordung der Eltern verneint und auf Tötung von Verwandten in aufsteigender Linie, infolge Störung bei Begehung des Verbrechens, erkannt.

Der Allensteiner Mordprozetz.

4 Allen st ein, 22. Juni.

Die Angeklagte erscheint heute wegen eines in der Rackst erlittenen schweren Krampfanfalles etwas später an Gerichts­stelle. Verteidiger Reckstsanwalt Bahn beantragt, ein Fräulein Neugebauer als Zeugin zu laden. Herr v. Gäben habe mit der Dame ein Verhältnis unterhalten, und zwar noch bis in den Sommer 1907 hinein. Bei dem Verkehr mit der Zeugin soll v. Gäben Neigungen masochistischer Art gezeigt haben. Er soll der Zeugin gegenüber auch wiederholt von seinem Verhältnis zu Frau v. Schönebeck gest-rochen haben. Ferner soll er ihr gegen­über geäußert haben, es sei kein Verbrechen, einen Menschen niederzuschießen, es gebe überhaupt kein absolutes Reckst und kein absolutes Verbrechen. Die Zeugin soll vernommen werden.

Hauptmann Beutel moser bekundet noch, daß v. Göben sich seines Wirtes in Berlin, der krank war und eine zahlreiche Familie hatte, in rührender Weise angenommen habe und noch nach iernem Weggange von Berlin für ihn sorgte. Hauptmann v. Haffken (Erfurt) und Hauptmamr v. Müller (Stuttgart), die den Bureirkrieg für den General stab bearbeiteten, haben dem Zeugen erklärt, das; sie Einzelheiten über verschiedene Gefechte, so namentlich über das am Spionskop, von v. Gäben erhalten, hätten, so daß sie amtebmen mußten, v. Gäben sei selbst an der Schlacht beteiligt gewesen.

Schriftsteller v. Loßberg erklärt noch, daß Gäbens Stärke namentlich die Patrouillenritte waren, die er mit 10 bis 12 Mann unternahm. General Botha verdantte diesen Patrouillenritten sehr viele Mitteilungen über die Bewegungen des Feindes und mar geradezu begeistert davon.

v. Gäben hat an den Zeugen Beutelmoser einen Brief geschrieben, in dem er sich als Täter bekennt und in dem es weiter

Deren

* Hüte u n b Schleier sind als krönendes Glied der beu= rigen Mode anzusehen. Jene werden noch von Tag zu Tag größer. Allerdings gestaltet sie die Mode heute flacher, oft in Form und toarmerung io flach, daß man glaubt, einen Eierkuchen oder Don Quixotes berühmtes Barbierbecken vor sich zu haben und nicht eine moderne Tamenkopibedeckung. Die Schlichtheit, ja Spärlichkeit der Garnierung gleichen die Modisten durch Kostbarkeit des Materials und der Hutiormen wieder au§. Roßhaar in allen, besonders hellen und zartfarbtgen Tönungen ist die Losung. Neben ihm ist es nur den haarfeinsten Panamageflechten gestattet, sich sehen zu lassen. Die vorübergehende Neigung, die sich im frühen Frühling bemerkbar machte, sehr grobes, hartfarbiges Stroh zu tragen, chwmdet bereits wieder. Tie Formell der Hüte eignen sich nicht ür grobe Geflechte. Was die obenerwähnte Schlichtheit der Gar­nierungen betrifft, fo druckt sich diese in einer gewissen Dürftigkeit aus. Es kommt vor, daß em Hut, der beinahe einen Meter im Durchmesser hat, nur zwei oder drei flach auf den Rand gelegte Rosen als Schmuck aitfroeift. Auf anderen zieht sich ein schmales Sammet- ober Atlasband ganz flach aufgelegt in Arabesken über Kops und Rand. Zwischen seinen Verschlingungen rtihen einzelne verstreute Blütett oder Blütentuffs; wieder bei anderen umgibt ein blattloser Blumenkranz den flachen, aber immer sehr weiten Kopf, ober eine Federkrause legt sich um diesen hemm. Der Hut schwebt so auf dem Kopf, daß er nach rechts hinten herabzugleiten scheint, dabei aber doch infolge der Wölbung seines Randes baS Gesicht vollständig beschattet. Links vorn wirb der Rand ein wenig nach oben geschwungen. Bei solchen Niesenhüten legt man meist über­haupt keinen Schleier an. Wo dies im Wagen und Automobil boch geschieht, wählt man ein sehr weitmaschiges Tüllgewede, das, in Ser Farbe mit ber Garnierung übereinftimmenb, sich fest ums Kinn legt. Gemusterte Schleier, in benen man bie seltsamsten Er­findungen macht, werden nur zu den für ältere Damen immer noch beliebten, gleichfalls ans Roßhaar ober Bast hergestellten Turin- tocgnes, die nach hinten zu schwinbelnbhoch steigen, getragen, ober zu ben gleichfalls sehr modernen, über den Hinterkopf gezogenen, das Gesicht umrahmenben Hütchen, von benen em ungeheurer Feber­stutz nach hinten iuegftrebt.

heißt: Vergesse» Sie mich möglichst und verschwenden Sie kein Mitleid an mich, ich bin dessen nicht mehr wert. Leben Sie wohl für immer und haben Sie Dank für das warme Interesse, das Sie noch an einen Verlorenen verschwenden!

Es wird dann nochmals der Oberförster Kölner vernommen. Der Vorsitzende hält ihm vor, daß er von einem seiner Wald- Wärter einen Vorfall erfahren habe, der sich auf die Angeklagte beziehe. Es handle sich um ein Zusammentreffen mit einem! Herrn. Der Zeuge erwidert, daß der Vorfall sich im Sommer 1907 ereignet habe und daß er den Namen des betreffenden Herrn kenne. Die Angeklagte behauptet, daß sie zu der fraglichen Zeit nur zu Herrn v. Göben in einem Verhältnis gestanden habe. Die Verteidiger verlangen, daß der Zeuge den Namen jenes Herrn nenne. Nach längerem Zögern nennt der Zeuge unter großer Bewegung den Namen eines hochstehenden öerrn in A 11 enstein. Die Angeklagte erflärt, daß der Herr ic nur gelüßt habe. Es wird beschlossen, den betreffenden Mald- roärter als Zeugen zu laden.

Der Psychiater Freiherr v. Schrcnck-Notzing, der auf Antrag der Verteidigung Herrn v. Gäben in der llntersuchungs- baft beobachtet hat, wird dann, teilweise unter Ausschluß der Oesfentlichkeit, über das vernommen, was .Herr v. Gäben ihm über fein Verhältnis zu der Angeklagten, die Beweggründe und die Ausführung der Tat gestanden hat. Der Zeuge hat den Eindruck erhalten, daß er es nicht mit einem Geistes­kranke n zu tun batte, nur war das Gedächtnis Gäbens nicht ganz zuverlässig. Während der Aussagen des Zeugen wird die Angeklagte von einer Schwäche befallen, so daß eine Pause gemacht werden muß. Nach dieser erscheint sie nicht wieder und bittet, von der weiteren Anwesenheit im Gerichtssaale während ber Vernehmung des Freiherrn v. Schrcnck-Notzing entbunden zu werden, da sie nicht vor Mämrern die Auseinandersetzungen über ihr intimes Verhältnis zu Gäben mit anhären fönne. Auf Zu­reden des Vorsitzenden erscheint sie aber wieder im Gerichtssaale. Freiherr v. Sckwenck-Notzing erzählt, daß v. Gäben^ihm gestanden habe, er habe unter dem suggestiven Einfluß des Schwurs unter dem Tannenbaum die Tat begangen.

Hauptmann Schl vifer erklärt, es habe auf ihn einem niederschmetternden Eiirdruck gemacht, daß v. Gäben für die Tai, die er begangen und die in seinem Gehirn geboren wurde, eine Frau verantwortlich machte, bie er angeblich lange heiß geliebt hatte. Entweder war v. Gäben nicht ber, für ben ihn seine Freunde hielten, oder er war geisteskrank. Im Namen aHcij Freunde Gäbens glaube er sagen zu dürfen: Wir hoffen uitb glauben zuversichtlich, daß das letztere der Fall war.

Hieraus wird die Verhandlung auf morgen vormittag 9V< Uhr vertagt.

* Der Grund. Alter Herr (zum Bummler, der eben seinen Kumpan, ber ins Wasser gefallen war, nrit Lebensgefahr ge­rettet hat):Das war eine brave Tat, mein Lieber!" Summier: Ach ivat, bet Schafskopp hatte ja meine Tobakspfeife in der Tasche!"

Kleine Dageschronik,

Der bekannte Graf P ü ck I e r - Klein-Tschirne, der in dem Sanatorium Friedenhain bei München untergebracht war, ist aus der A n st a 1 t e n t w i ch e n.

In Koblenz wurde gestern unter großer Beteiligung die achte Generalversammlung des Deutsch-evangelischen Frauenbundes eröffnet.

Bei Wermelskirchen (Rheinland) wurde der Mörder Charles P e r r i n verhaftet, der monatelang der Schrecken des bergischen Landes gewesen ist und viele Einbrüche und Kirchen- ränbereien verübte. Petrin stammte aus Toulon, wo er erst vor einigen Monaten einen Sergeanten meuchlings mit dem Bajonett erstach.

In Mannheim bat gestern ein junger Kaufmann namens Wer n z die 17 Jahre alte aus Mainz gebürtige Else Schmitt, Mitglied einer Damenkapelle, aus Eifersucht durch mehrere Sttche in die Brust und in den Rücken getötet. Ter Täter wurde verhaftet.

Aus La Grave (Haukes Alpes) wird gemeldet, daß ein deutscher Professor, der die Besteigung des Gletschers L a m c g e in Begleitung des 15jährigen Sohnes eines Führers unternahm, mit diesem aus einer Höhe von 300 Metern a b g e ft ü r z t ist. Beide erlitten Schädelbrüche und waren sofort tat. Die Leichen wurden nach La Grave gebracht.

In Calais werden heute nachmittag sämtliche 27 er­trunkenen Seeleute <rus demBluviose" beerdigt werden.

In Wien wurde der Direktor einer Automobil-Gesell­schaft von Fiakerkukschernvergiftet, weil er einen Verkehr einführte, der die Interessen der Kutscher beeinträch- ttgte. Fünf Kutscher wurden verhaftet. .

Handel.

Berlin, 22. Juni. Ter Saaten st and des Reiches betrug Mitte Juni bei Winterweizen 2,2 (Vorjahr 3,0), bei Sommerweizen 2,5 (Vorjahr 2,7), bei Winterspelz 2,0 (Vorjahr 2,4), bei Winterroggen 2,4 (Vorjahr 2,8), bei Sommerroggen 2,5 (Vorjahr 2,5), bei Sommergerste 2,5 (Vorjahr 2,5), bei Hafer 2,6 (Vorjahr 2,6), bei Kartoffeln 2,5 (Vorjahr 2,6), bei Klee 2,2 (Vorjahr 3,3), bei Luzerne 2,2 (Vorjahr 3,1), bei Be­wässerungswiesen 1,8 l Vorjahr 2,8), andere Wiesen 2,3 (Vor­jahr 3,3j. Unter ben Bemerkungen heißt es: Strichweise zwar brachten häufig warme Gewitterregen ben Pflanzen die zum Wachstum nötige Feuchtigkeit, in vielen Gegenden aber waren bis zur Zeit der Berichterstattung, noch keine, ober nur unbedeu­tende Niederschläge gefallen, so daß dort über große Dürre geklagt wurde, lieber tierische Schädlinge wird wenig geklagt, um so mehr aber über starke Verunkrautung der Felder. Wintergetreide hat ber anhaltenden Trockenheit verhältnismäßig gut widerstanden. Sommerhalmfrüchte werden recht verschieden beurteilt. Wo hin­

reichende Niederschläge gefallen sind, machte das Wachsrum gute Fortschritte, wo aber anhaltende Dürre herrschte, blieben bie Sommersaaten mehr ober weniger zurück, am meisten bei Hafer, bei dem vereinzelt schon Mißernte befürchtet wird, falls nicht bald ein ausgiebiger Regen fällt. Kartoffeln sind vielfach ungleich­mäßig ausgelaufen, zum Teil lückenhaft bestanden, entwickeln sich aber im allgemeinen befriedigend. Der erste Schnitt der Futter- trauter, Klee und Luzernen mürbe größtenteils und zwar in recht reichlichen Mengen eingeerntet. Auch die Beschaffenheit des Heues ist fast durchweg gut. Die Heuernte ist fast überall in vollem Gange und fällt meist reichlich ans, verschiedentlich stehen sogar sehr hohe Erträge in Aussicht, zu bereu Werbung die Fortdauer des warmen, trocknen Wetters sehr erwünscht wäre.

Zigarrenindustrie. Wie ans Hamburg gemeldet wird, bleibt die Beschäftigung in der Zigarrenindustrie anbauernb außerordentlich schwach. Besonders ist die norddeutsche Jndusttie weit stärker von der westdeutschen betroffen, als der süddeutschem Der Uniftanb, daß einige Zigarrenfabriken in einzelnen Sorten nicht nach Wunsch schnell genug zu liefern vermögen, wird von der tabaksfreundlichen Presse dahin aufgelegt, als ob die Zigarren- mbuftric sich wieder besseren Verhältnissen nähere. Dies ist ein fundamentaler Irrtum, denn der Umstaird starker Bestellungen bezieht sich nur au! einzelne Marken, welche besonderen Beifall bei ben Händlern gefunden haben, während in ben allermeisten neuen Sorten nur geringe Bestellungen vorliegen. Das Plus aber in einzelnen Sorten gleicht in keiner Weise das Minus in den meisten Sorten ans, so baß es ein völliger Trugschluß der Tabakssteuer­freunde ist, wenn diese von einer toefentließen Besserung der Verhältnisse in der Zigarrenindustrie reden wollen. Aus Jahre hinaus nrirb bie Zigarrenindustrie speziell,in Norddeutschland noch an einer Minderbeschäftigung kranken müssen und gerade die mittlere und die kleinere Industrie ist es, welche dabei am meisten in Mitleidenschaft gezogen ist. Die letzten Verhandlungen im Reichsschatzamt wegen weiterer Entschädigungen für die beschäf­tigungslosen Arbeiter in der Tabakindustrie zeigen am deutlichsten, wie es mit ber Beschäftigung in dieser Jndusttie bestellt ift._

Kleine Finanzchronik. Die Diskontogesellschaft, die Darmstädter und die Dresdener Bank beantragen bie Zulassung von 6 Millionen Mark 4 prozentiger Nürnberger Stadtanleihe an der Berliner Börse. Desgleichen Beantragte die Dresdener Bank die Zulassung von 20 Millionen Mark neuer Aktien.

Märkte.

th. Gießen, 23. Juni. Tie Anfuhr auf dem gestrigen S ch w e i n c in a r f t belief sich auf 250 Tiere. Der Handel war bei der geringen Auswahl nicht sehr erheblich, ziunal bie Runb- jchafl wegen der Heuernte nicht fein zahlreich gekonnnen war. Die Preise waren eine Kleinigkeit billiger wie am letzten Markt. Be­zahlt wurden für das Paar Ferkel, 68 Wochen alt, 4252 Mk., 10 bis 13 Wochen alt 60 bis 70 Mk. Leichte Springer wurden gehandelt 80 bis 100 Mk., Mittelware bis 130 Mk., schwerere Tiere fehlten am Markt. Fette Ware wirb in letzter Zeit von den Landwirten wieder in überlegener, also zu fetter Qualität an­geboten und ber Zentner mit 61bis 62 Mk. bezahlt, wogegen gute schlachtreife Tiere mit 6465 'Mk. von hiesigen Metzgern gern abgenommen werden. Nächste Markttage am 5. und 6. Juli.

Limburg a. d. Lahn, 22. Juni. Fruch tmarkt. Durch» schnittspreis pro Malter. Roter Weizen (nassauischer) 16,25 Mk., weißer Weizen (angebaute Fremdsorten) 15,90 Alk., Korn 10,50 Mk., Gerste: Futtergerste 0,00 Mk., Braugerste 00,00 Mk., Haier 7,00 Mk., Erbsen 0,00 Mk., Kartoffeln 4,40-5,00 Alk.

F.C. Wiesbaden. V i e h h o i-M a r l t b e r i cht vom 22. Juni. Austrieb: Rinder 87, Kälber 395, Schafe 25. Schweine 325.

Tendenz: Rinder, Kalber, Schafe und Schweine flau.

Preis Durch- pro 100 Pfd. schnittspreis Redend. Schlacht, pro 1OO Pfund Oew'chk Gebend» Schlacht- Ochsen. von-blSvon-bls fleroi4t

Vollfleischige, ausgemästete, höchsten

Schlachtwertes, höchstens 6 Jahre alt 4449 7989 46 84

Junge, fleischige, nicht ausgemästete und

ältere ausgemästete...... 4043 7378 41 75

Mäßig genährte junge und gut ge­

nährte ältere 36-39 7173 37 72

Färsen, K ü h e.

Lollfletschige ausgemästete Färsen höchst.

Schlachtwertes 4148 7884 44 79

Vollfletschige ausgemästete Kühe höchst.

Schlachtwertes bis zu 7 Jahren. . 3941 7074 40 72

Slelterc ansgemästete Kühe und wenig

gut entwickelte siingereKühe u. Färsen 3438 6569 36 67

Mäßig genährte Kühe und Färsen . . 2734 5664 30 60

Iber.

Feinste Mast- (Vollmilchmast) und beste

Sattgkälber 5761 95102 59 98

Mittlere Mast- und gute Saugkälber . 5257 8794 54 90 Geringere Saugkälber . .... 4550 7583 47 79

Schale.

Mastlämmer und jüngere Masthammel 4142 8284 41 83

Schweine.

Vollfleischige Schweine bis zu 2 Zentner

Lebendgeivicht 5153 6668 52 67

Vollfleischige Schweine über 2 Zentner

Lebendgewicht 5153 6668 52 67

Fleischige Schweine 5051 6466 50 65

LttrchLiche Nachrichten«

israelitische Beligionsßemeinöe.

Gottesdienst in der Synagoge (Süd-Anlage), Samstag ben 25. Juni 1910 :

Vorabenb 7.45 Uhr.

Morgens 8.30 Uhr.

Nachmittags 4.00 Uhr. Schrifterklärnng.

Sabbatausgang 9.40 Uhr.

Israelitische Ueligionsgesekschast.

Gottesdienst.

Sabbatseier am 25. Juni 1910:

Freitag abenb 8.00 Uhr.

Samstag vormittag 8.00 Uhr.

Nachmittags 4.00 Uhr.

Sabbat-Ausgang 9.40 Uhr.

Wochengottesbienst: Morgens 6.00 Uhr, abenbs 7.30 Uhr.

Backe miF Re es es

Backwunder

hvVs

Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen.

Juni

Wetter

1910

8

bl

SSW W SSW

10

10

9

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Regen

Beb. Himmel

Bew.

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22,

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23.

744,2

744,2

746,8

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2 !

Juni = -s- 22,3 ° 0. = + 11,3 °C.

m

S 2 c- eojä

21,0 14,5 | 78

15 9 12,1 : 90

15,4 10,5 | 81

I 1 I I 1

Höchste Temperatur am 21. bis 22.

Niedrigste , 21. , 22.

Niederschlag: 11,1 mm.

ttiuuer sche vaoeanslau.

Mass erwärme der Lahn 1 6 0 B.