Ausgabe 
21.4.1910 Erstes Blatt
 
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ICircbc und Schule.

Die Drews schien Jesnsvortrag e. Aehnlich wie in Bremen und im Wuppertal hat nun auch die evangelische Geistlichkeit Mannheims die Einladung zu einemReli­gionsgespräch" aus Anlaß eines Vortrags von Prof. Drews ab- gelehnt. In dem Schreiben der Geistlichen an die Ortsgruppe des Monistenbundes heißt cs u. a.:

Wir können uns des Eindrucks nicht erwehren, daß die an uns ergangene Einladung und die schon vorher erfolgte Ankündigung derselben in der Oeffentlichkeit nur dem Sen­sationsbedürfnis und der Reklame dienen sollen. Wir sehen uns deshalb nicht in per Lage, der Einladung zu folgen und durch Teilnahme an der Versammlung für dieselbe Propaganda zu machen. Wir sind dazu umsoweniger geneigt, als uns in einer öffentlichen Versammlung, die auf Massen rechnet, eine ruhige, wissenschaftliche Erörterung nicht möglich er scheint, und die Vorgänge bei den in anderen deutschen Städten inszeniertenReligionsgesprächen" den in Ihrem Schreiben erhofftenharmonischen Verlauf" nicht zu verbürgen scheinen."

Lustschiffahrt.

Neubenennung der Zeppelinschiffe.

Mit Rücksicht darauf, daß die Militärverwaltung die der Luftschiffbau-Zeppelin-Gesellschaft abzunehmenden Luftschiffe3.1" u'w. benennt, hat die Gesellschaft beschlossen, zur Unterscheidung der Luftschiffe für Private von den Militärlustschiffen künftighin ihren Schiffen die BezeichnungL. Z." (Luftschiffbau Zeppelin zu geben und diese Durchzählung mit dem überhaupt ersten Fahr zeug des Zeppelintyps beginnen zu lassen. Die in Friedrichshafen liegenden LuftschiffeZ. 3" undZ. 4" werden demnach künftig hin die BezeichnungL. Z. 6" undL. Z. 7" führen.

vermischtes.

* Ueberschwemmung. Nach Meldungen aus K r a g u - jevae, Lapovo und Kralfevo ging gestern in ganz Zen tralserbien ein Wolkenbruch nieder. Ein großer Teil von Kragujevac steht unter Wasser. 9tatb den bisherigen Nachrichten sind zehn Menschen ertrunken. Der Eisenbahnver­kehr ist unterbrochen. Es wird eifrig daran gearbeitet, den internationalen Verkehr auf der Linie BelgradNisch aus­rechtzuerhalten. Der Schaden beträgt nach den ersten Schätzungen mehrere Millionen. Viele Orte Westserbiens melden Hochwassergefahr.

vn das Reich vor jedem Diebstahl und j^>em Brande ge­sichert ist. Daß von dem Reichsschnldbuch schon bt^er ein sich immer steigernder Gebrauch gemacht wurde, be­weisen die in ihm verzeichneten Schuldsummen, die vom Jahre 1893, dem Jahre seiner Einführung, Ins zum 31. Marz 1910 von 84 Millionen auf 848V- Mlllron Mark gestregen

ist vorher bemerkt worden, daß bisher für die Ein­tragung von Forderungen in das Reichsschuldbuch die Vorweisung der Stücke seitens des Glaubtgers vorgeschrreben war die nach der Eintragimg der Forderung kassiert wurden. Die Benutzung des Rerchsschulidduches bedeutet also eine Verniinderung der im Besitz oder Umlauf befindlichen, die offiziellen Reichsanleihen repräsentierenden Schuldtitres, die 1910 18,64 Prozent der Gesamtsumme der Reichsanlecheu erreichte'. Werden nun auch, wie es die Novelle will, die offenen Kredite des Reiches als Grundlage für Einzahlungen auf das Reichsschuldbuch zugelassen, so wird sich demgemäß auch die Zahl der im Umlauf befindlichen Rcichskassen- scheine verminderet, da das Reich, wenn es auf diese Weise Geld erhält, des papierenen Prunktums nicht bedarf. Mer hierin sehen wir eine große Gefahr, nämlich die einer auto­matischen Schuldenvermehrung des Reiches ohne jede Kon­trolle des Reichstages.

Es ist richtig: Das erleichterte Verfahren der Ein­tragung von Schuldforderungen als Buchforderungen wird es mit sich bringen, daß sich das Publikum der Reichs- arlleihe ans diesem Wege mehr zuwendet als bisher, so daß damit der Staatskredit wächst. Aber es bedeutet einen völligen Sprung ins Dunkle, wenn auch die offenen Kredite durch Einzahlungen auf das Reichsschuldbuch gedeckt werden sollen. Diese offenen Kredite, die allerdings vom Reichstag bewilligt werden müssen und heute noch mehr als 370 Millionen Mark betragen, würden damit aus einer schwebenden, vorübergehenden Schuld des Reiches zu einer buchmäßig festgelegten werden, deren Wachsen sich, weil im Reick)sschuldbuch dann durch Effekten und offene Kredite begründete Eintragungen durcheinandergehen würden, schwer überblicken ließe, und sich jedenfalls jeder Kontrolle durch die Oeffentlichkeit entzöge, wofür ihr jetzt die Aus­weise der Reichsbank mit ihrer Angabe der Hohe der un­verzinslichen Schatzanweisungen dienen. So besteht die Be­fürchtung, daß sich neben dem offiziellen ein ganz neues inoffizielles Schuldensystem herausbilden wird. Der Reichs­tag hat daher alle Ursache, die Novelle in punkto Ein­tragung auf die offenen Kredite aufs genaueste zu prüfen.

2lu$ den Reichstagsausschüssen.

Berlin, 20. April.

Ter K a l i a u s s ck u ß des Reichstags fand bei seinem heutigen Wiederzusammentritt eine Druckschrift unter den Namen der beiden Mitglieder der Wirtschaftlichen Vereinigung von Damm unbftölle vor, die einen neuen Gesetzentwurf darstellt. Es ist das Ergebnis der interfraktionellen Besprechung, das in ihren Grund­zügen schon bekannt ist und im wesentlichen eine Verständigung zwischen allen Parteien, mit Ausnahme der Fortschrittlichen Volks­partei, darstellt. Gegen die Beratung dieses Entwurfes wurde von fortschrittlicher und sozialdemokratischer Seite Widerspruch erhoben und dabei Bezug genommen auf die Vorgänge im Finanz­ausschuß, wo sich der Ausschuß gleichfalls, und zwar damals unter dem Widerspruch auch der Nationalliberalen, sich nicht an den Auftrag der Vollversammlung gehalten, sondern völlig neue Steuern ausgearbeitet habe. Die freisinnigen und sozialdemokra­tischen Mitglieder verlangen daher die Verweisung an die Voll­versammlung, damit diese nicht um die erste Lesung gebracht werde. Ihnen wurde von den anderen Parteien erwidert, daß es sich nicht um etwas vollkommen Neues handele, sondern nur um den Fortfall des Gedankens der Betriebsgemeinschaft. Im Übrigen sei es nur eine Reihe von Abänderungsanträgen zur Regierungsvorlage. Die Abgg. Kölle und v. Damm änderten inzwischen die UeberschriftGesetzentwurf" um inAbänderungs­antrag zu dem Gesetzentwurf usw." Der Antrag auf Verweisung an die Vollversammlung wurde abgelehnt, und man trat in die Beratung ein. Ueber den> § 1 ist bereits in der vorigen Sitzung Beschluß gefaßt worden. § 2 der Regierungsvorlage, der durch den Gesetz-Entwurf Damm-Kölle nicht geändert wird, lautet:Als Kaliwerksbesitzer gilt, wer ein Kalibergwerk (Kaliwerk) aus eigene Rechnung betreibt." Die Sozialdemokraten beantragten dazu, un­ter prinzipieller Aufrechterhaltung ihrer Anträge auf Verstaat­lichung des Kalibergbaues bezw. ein Reichshandelsmonopol, als ,§ 2 zu bestimmen:Der Verkauf der Kalisalze erfolgt ausschließlich durch die auf Grund dieses Gesetzes von der Reichsregierung er­richteten Verkaufsstellen." Die Aussprache zu § 2 wurde nur von Freisinnigen und Sozialdemokraten geführt: Handelsminister Sydow gab lediglich eine kurze Erllärung über die Ablehnung eines Monopols. Dann wurde der Antrag der Sozialdemokraten abgelehnt und § 2 angenommen. Donnerstag: Weiterberatung.

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Der Wahlprüfungsansschuß erklärte heute die Wahl des Abg. Sievers (Natl., Lüneburg-Winsen) für ungültig.

Der Reichstagsausschuß für das Z n w a ch s st e u c r g e s e tz verhandelte heute bei § 1 über Anträge des Zentrums, des Abg. Arendt (Rp.) und Dr. Weber (Natl.), die eine genaue Unter­scheidung zwischen verdientem und unverdientem Wertzuwachs be­zwecken. Die Abstimmung hierüber wurde ausgesetzt. Abg. Dr. Arendt beantragte ferner eine untere Grenze bei bebauten Grund­stücken im Werte von 20 000 Mk. und unbebauten Grundstücken im Werte von 5000 Mk. Auch hierüber erfolgte die Abstimmung noch nicht. Es ist wenig Aussicht, das Gesetz noch in diesem Tagungsabschnitt zu erledigen.

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Der verstärkte Geschäftsordnungsausschuß beschloß zu der Frage der kurzen Anfragen nach einem Anträge Dr. Müller-Meiningen folgende Fassung: § 33 b:Die Mit­glieder des Reichstags können kurze Anfragen tatsächlicher Art an den Reichskanzler über Angelegenheiten, die zur Zuständigkeit des Reiches gehören, richten. Diese Anfragen sind schriftlich beim Präsidenten einzureichen. Durch diese Anfragen darf einem spä­teren Punkte derselben Tagesordnung nicht vorgegriffen werden, auch dürfen die Verhandlungen in einer Kommission des Reichs­tags nicht zum Gegenstände einer solchen Anfrage gemacht werden." Es ist also anzunehmen, daß eine Einigung in bezug auf diese Frage erzielt wird.

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Ter Ausschuß fürdasStellenvermrttlergesetz nahm in der zweiten Lesung bei § 3 einen Zentrumsantrag an, wonach ein Stellenvermittler auch nicht das Barbier- und Friseurgewerbe betreiben ober durch andere betreiben lassen darf. Weiter wurde folgender 8 3a eingeschoben: Verträge, durch die sich ein Arbeit­nehmer oder Arbeitgeber verpflichtet, sich auch in späteren Fällen der Mitwirkung eines bestimmten gewerbsmäßigen Stellenvermitt­lers zu bedienen, sind nichtig. Ferner wurde folgender 8 4a ein- gefügt: Tie Stellenvermittler dürfen Dienstbücher, Arbeitsbücher, Zeugnisse, die aus Anlaß der Stellenvermittlung in ihren Besitz gelangt sind, gegen den Willen des Eigentümers nicht zurück­behalten, insbesondere an solchen Gegenständen ein Zurückbehal- tungs- und Pfandrecht nicht ausüben. Als 8 4 b wurde beschlossen: Stellenvermittler, welche für weibliche Personen Stellen im Aus­lande vermitteln, haben ein Verzeichnis der Namen dieser Per­sonen und der ihnen vermittelten Stellen der Polizeibehörde nach näherer Anordnung regelmäßig vorzulegen." Nächste Sitzung Frei­tag abend.

Der Justizausschuß erledigte heute den vierten Abschnitt, Fristen und Wiedereinsetzung. Ter Regierungsentwurf wurde nur dahin abgeändert, daß eine Fristversäumung die Wiedereinsetzung

in den vorigen Stand nur dann ausschließen kann, wenn sie durch eigenes persönliches Versehen des Beschuldigten und nicht von Vertretern verschuldet wird. Der Ausschuß begann )obamt bte Beratung bes fünften Abschnittes, Zeugen.

(Ein $d)ieö$gerid)tsfprud) für öa$ Berliner Baugewerbe.

Berlin, 21. April. Der Verband der Bange- chäfte von Berlin imb Umgegend und die in Betracht kommenden Arbeiterorganisationen haben in letzter Stunde )ie Vermittelung des Einigungsamtes des Gewerbe­gerichts angerufen, und dieses hat nach sechsstündiger Beratung einen Schiedsgerichtsspruch gefällt, dem ich beide Parteien unterwerfen dürften. Da­mit scheint die Aussperrung in Berlin endgültig vermieden zu sein. Die Bauarbeiterorganisationen hielten gestern abend über 50 Bezirtsversammtungen üb. Das Ergebnis der Mstimmung wird erst heute festgestellt.

Der Raiser in Homburg.

Homburg v. d. H., 20. April. Mittags besuchte der Kaiser mit den hier eingetroffenen hohen Marineoffizieren die Erlöserkirche und machte mit ihnen einen Spaziergang durch den Kurpark. Nachmittags 4 Uhr fuhren die Maje- täten mit der Prinzessin nebst Gefolge auf die Saal­burg, wo der Kaiser den Admiralen v. Fischet und v. Müller die baulichen Anlagen und die inneren Einrichtungen cr- äuterte und wo auf dem Hof des Prätoriums der Tee ge­nommen wurde. Um 7 Uhr wohnten die Majestäten mit der Prinzessin und Gefolge einem geistlichen Konzert in der hiesigen Erlöserkirche bei, das der Sängerchor des Lehrer­vereins zu Frankfurt a. M. gab.

(Eine Biatternertrantung in Oberhessen.

lieber die von uns gestern gemeldete Pocken erkran- ung einer polnischen Arbeiterin auf dem Selgenhof bei Ulrichstein teilt uns das Kceisgesundheitsamt in Schotten auf unser Ersuchen folgendes mit:

- Auf dem isoliert, 20 Minuten von Ulrichstein entfernt gelegenen Selgenhof ist eine 16jährige Arb eiter i n aus Russisch-Polen schwer an Pocken (Variola) er­trankt. Wie man aus der Berücksichtigung der bei Pocken erfahrungsgemäß zwischen Ansteckung und Ausbruch der Krankheit liegenden Zeit erschließen kann, hat sich die Kranke einige Zeit vor der Ausreise aus Rußland in» izrerr. Der behandelnde und der beamtete Arzt und )as Kreisamt sind eifrig auf die Durchführung der Maß­nahmen bedacht, die zur Verhütung der Weiterverbreitung der Krankheit dienen und gesetzlich vorgeschrieben sind. Am Mittwoch weilte ein Vertreter des Kreisamts auf dem Sel­genhof. um mit dem behandelnden Arzt und dem Kreisarzt über diese Maßnahmen und die Ausdehnung und gesetzliche Zulässigkeit der Msperrmaßregeln nochmals zu beraten. Tie Kranke ist mit ihrer Pflegerin in einem abgesonderten Hause untergebracht. Die ausländischen Arbeiter mit ihren Kindern, die mit der Kranken zusammengcwohnt hatten, sind mit Ausnahme von 2 Personen, welche als Pfleger und Dolmetscher nötig sind, in das Jsolierhaus der medizinischen Klinik in Gieren zum Zweck der Beobachtung übergeführt worden. Die Kranke konnte leider bis jetzt dorthin nicht verbracht werden, da ihr Zustand nur einen Transport in einem Krankenautomobil zuläßt und ein solches bis jetzt nicht beschafft werden konnte. Sämtliche Insassen des Selgenhoses sind sofort geimpft worden. Auch Bewohner von Ulrichstein haben sich in dem vom Kreisgesundheitsamt in Ulrichstein abgehaltenen öffent­lichen Impftermin oder von ihrem .Hausarzt impfen lassen. Man hofft, daß eine Weiter Verbreitung der Krankheit verhütet werden kann.

Aus Stabt und Caiifc*

Gießen, 21. April 1910.

* * In Audienz empfangen wurden vom Groß - Herzog nm Mittwoch u. a. Professor Neumann aus Gießen, sowie die Pfarrer Werner von Nidda, Römer von Herchenhain und Reichert von Ober-Lais.

* Aus dem Militärwochenblatt. Haas, Zahl­meister im 5. Hess. Jns.-Regt. Nr. 168 wurde der Titel Oberzahlmeister" verliehen; die Garnisons-Verwaltungs- Jnspektoren Schwarzkopf in Mainz und Bach in Gießen zu Garnisons-Verwaltungs-Oberinspektoren ernannt. Weyel (Wetzlar), Unterapotheker des Beurlaubtenstandes, zum Ober­apotheker befördert.

Zur Bauarbeiter-Aussperrung. Hier haben nur sechs Baufirmen die organisierten Arbeiter am 16. l. Mts. ausgesperrt. ES wurden im ganzen 120 Arbeiter davon be­troffen, allein bei zwei Firmen wurde die Arbeit am 18. l. MtS. wieder ausgenommen, so daß gegenwärtig nur noch 78 Ar­beiter ausgesperrt sind. Da die Einigungsverhandlilngen noch im Gange sind, hofft man, daß im Laufe der Woche auch diese wieder eingestellt werden.

* * Der Kriegervereinsbezirk Gießen hält am Sonntag, 1. Mai, im Lenz'fchen Felsenkeller seinen Früh- jahrS-BezirkStag ab. Den: Bezirk gehören jetzt 38 Ver­eine mit 2601 Mitgliedern an.

** Die Mitteldeutsche Kreditbank errichtet in den nächsten Tagen in Friedberg eine Depo sitenkasse. Wie uns weiter niitgeteUt wird, scheidet Direktor Bernhard An­dre a e aus dem Vorstand der hiesigen Niederlassung der Mittel­deutschen Kreditbank aus. Herr Audreae wird am 1. Juli in die Direktion der kürzlich neu errichteten Filiale der Mitteldeutschen Kreditbank in Hanau cintrctcn.

B. Odenhausen i. d. Rabenau, 20. April. Am Sonn­tag abend nach 6 Uhr verschwand hier der 26jährige WÄßbinder Johs. Pfeiff, nachdem er seiner Frau gesagt hatte, er wolle auf feinen in der Nähe des Dorfes liegen­den Acker gehen. Als P. nicht zurückkehrte, glaubte feine Frau, er sei in seinen Heimatort Rüddingshausen zu seinen Eltern gegangen und würde sich die Nacht noch einfinden'. Er ist aber bts jetzt noch nicht zurückgekehrt. Am Montag morgen wurde das Feld, ü>o er zuletzt gesehen worden war, sowie der nähere Wald abgesucht. Die Leute kehrten jedoch unverrichteter Sache zurück. Auf Wunsch der Angehörigen traf Schutzmann Jacob aus Wetzlar am Dienstag vormittag mit feinem Spürhund ein. Der Hund nahm die Sptrr am Acker des P. auf und verfolgte fie durch Feld und Wald bis nach dem ungefähr 20 Minuten von hier bei dem Hofgut Appenborn gelegenen Teich. Hier legte sich der Hund hin und man nahm allgemein an, daß der Verschwundene sich in den Teich gestürzt hätte. Nachdem die Gutsherrschaft (Freiherr von Nordeck zu Rabenau zu Londorf) die Geneh­migung erteilt hatte, wurde der Teich entleert, die Leiche fand sich jedoch nicht. Der Hund wurde nochmals auf die Spur gesetzt und Derfolgte sie wieder bis auf die nämliche Stelle, woraus heute der in dem Teich lagernde Schlamm

durchsucht wurde, ebenfalls ergebnislos. P. ist fett drei Jahren hier verheiratet und betrieb ein gutgehendes Weiß- bindergeschäst, er lebte mit seiner Frau recht einig und war Mich bei den Ortsbewohnern recht beliebt. Was ihn hier fortgetrieben hat, weiß man nicht, er hatte sich ein Haus getauft und beabsichtigte es im Sommer umzubauen.

--- Schotten, 20. April. In den sechs israeliti­schen NeligionSgenieinden des Kreises Schotten werden in dicsein Jahr 4850 Mk. Gemeindcumlagen erhoben. Am meisten erhebt Gedern, nämlich 1650 Mk. 41,967 Proz., dann folgt Ulrichstein mit 1000 Mk. 73,926 Proz., Ober- Seemen 1000 Mk. = 73,926 Proz., Laubach mit Rupperts­burg 800 Mk. 75,202 Proz., Einartshausen 200 Mk. = 66,957 Proz. und Bobenhausen II 200 Mk. = 29,227 Proz.

25 ü b i n g e n, 20. April. In der heutigen Gemeinde­ratssitzung wurde beschlossen, ein Gaswerk auf dem Plcch an der Saline für die Gesamtsumme von ungefähr 150 000 Mk. zu errichten. Für das Werk selbst stad 138 000 Mk. angenommen, während der Rest für Neben- und unvorhergesehene Kosten, einschl. dem Abbruch des Schup­pens der Schäferei und des Kreises mit 1000 Mik., vorgesehen ist. Von dem ziemlich hoch angesetzten Voranschlag kommen etwa 6000 Mk. für den Platz in Abzug. _ Die Ausführung des Werkes wurde der R;irma Jul. Pin sch, A.-G., Berlin, übertragen, vorbehaltlich näherer Vereinbarung über den Lieserungs- und Ausführungsvertrag. Die architektonische Bearbeitung der Hochbauten wurde Architekt Becker Vor­behalten. Tie Rentabilitätsberechnung stellt für das erste Jahr einen Reingewinn von 1300 Mk. in Aussicht. Es wurde ein Verbrauch von 35000 Kubikmeter Gas angenom­men, wozu etwa 40 'Waggon Kohlen zu 200 Ztr. erforder­lich sind. Der Kubikmeter Leuchtgas soll vorläufig 22 Pfg., Wirtschaftsgas 16 Pfg. kosten, um die Möglichkeit zu hüben, bei guter Rentabilität die Preise zu erniedrigen. Die Miete für Gasmesser wurde auf 35 Pfg. monatlich festgesetzt. Bis zum 15. Juni angemelbete Anschlüsse werden auf Stadt­kosten bis 3 Meter hinter die Grundstücksgrenze verlegt, bei späterer Anmeldung hat der Anschließende alle Kosten bis zum Hauptleitungsstrang selbst zu tragen. Ter Beginn der Rohrverlegung wurde im Mai angenommen, das Bren­nen des Lichts im Oktober. Wie derBüd. ,Anz." mitteilt, ist die Klage der Stadt gegen die Aktien-Zucker- i a b r i t Büdingen in Ligu., wegen der von Rothschild in das Depot eingelegten Papiere, von dem Landgericht ab­gewiesen worden. Tie Stadt verliert somit 40 000 Mt.

x Bad-Nauheim, 20. April. Ein StückAlt-Nauheim" schwindet mit der Verlegung der alten Salincngebäudr, womit im Herbst begonnen wird. An ihrer Stelle werden nach und nach Privatwohnungen und Villen entstehen und damit der Anfang zu der von Professor Hchfmann-Tarmstadt geplanten Villenkolonic zwischen Friedberg und Bad-Nauheim gemacht. Eine^ Billa ist bereits im Bau, ein zweiter Bauplatz ist jetzt vom Staat ver­kauft worden. Im ganzen Salinenviertel bleibt nur die ea. 150 Jahre alte Salinenschmiede stehen, die unterm Denkmals­schutz steht. Tie neue Saline wird jenseits der Main-Wescrbahn. am Goldstein, errichtet.

L. Friedberg, 20. April. Gestern fand im Re­staurant Scheibet die Generalversammlung des Stadtkirchen- Bauvereins statt. Wichtigster Punkt der Tagesordnung war wohl die neue Heizungsanlage der Stadtkirche. Seither ivar den Winter über unser schönes Gotteshaus geschloffen. In kurzer Zeit wird man mit den Anlagen der Heizung be­ginnen; die Generalversammlung bewilligte dazu einen nam­haften Beitrag. Der Kirchenplatz wird auf der Nord- und Südseite mit einer niederen Mauereinfassung umgeben werden, die nicht störend wirkt. Außer Baumpflanzungen sollen Zier» anlagen unterbleiben; der Boden wird nur mit Kies bedeckt. Man geht mit dem Plane um, für den 51 reis Friedberg ein Gewerbegericht zu errichten. Der Kreistag wird in seiner Sitzung am 4. Mai darüber beschließen.

rm. Darmstadt, 20. April. Erschossen und er* tränkt hat sich gestern abend ein etwa 25 Jahre alter gut» gekleideter Mann im großen Woog. Er hat int Kinder bad einen Schuß auf sich abgegeben. Man fand keinerlei Papiere bei ihm, da indessen seine Wäsche mit G. E. gezeichnet ist und auf einem in seinem Besitz befindlichen Fahrplan^ der Warne Gg. Eckert steht, ist anzunehmen, daß es der S ch u l v e r w a l t e r G. Eckert aus Höingen b. Alsfeld ist, der die Staatsprüfung besucht und wohl aus Furcht vor dem Ergebnis sich das Leben nahm. Er hat heute in der Prüfung gefehlt.

w. Wiesbaden, 20. April. Jin benachbarten Hahn stürzte heute nachmittag eine Trockenhalle einer Ziegelei ein. Hierbei wurde ein Lehrling getötet, ein Arbeiter schwer und einer leichter verletzt.

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