Ausgabe 
18.3.1910 Erstes Blatt
 
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Freitag 18. März 191V

160. Jahrgang

Erstes Blatt

GiehenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhesfen

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wr ot= T-ü-snumm-r Notationrdnick unö Verlag der vrühl'schen Univ.-Buch- und Steindruckerei H. Lange.

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Nr. 65

Ter Gießener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: Biennal wöchentlich SiehenerFamilirnblätter; iroetrnal wöchentl.Areir- blatt sürden Ureis Gießen (Dienstag und Freitag); zweimal monotl. Land- wirtschaftliche Seitfragen Fernsprech - Anschlüsse: für die Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Adresse für Depeschen

Anzeiger Gießen.

Die heutige Nummer umfafjt 14 Seiten.

Die Unterschlagungen Duez.

O Paris, 17. März.

Die strafgerichtliche Untersuchung gegen den betrüge­rischen Liquidator hat bereits mehrere interessante Fest­stellungen möglich gemacht. Zunächst kann kein Zweifel mehr darüber herrschen, daß Duez einen großen Teil der oon ihm unterschlagenen Millionen irgendwo in Sicherheit gebracht hat, da die Nachforschungen und Zeugenaussagen den schla- ; nden Beweis dafür erbracht haben, daß Duez weder in Börsenspekulationen, noch für seine persönlichen Gelüste und Genüsse mehr als höchstens anderthalb Millionen ver­braucht hat. Sein eigener Schwager, der für ihn die Börsen­geschäfte besorgte, schätzte seine Verluste in Paris und na­mentlich in Brüssel, wo Duez in Goldminen spekulierte, auf höchstens eine Million. Die Aussagen dieses Zeugen stimmen im wesentlichen mit den in Börsentreisen herrschen­den Ansichten überein, da bei Ausbruch des Skandals dort versichert wurde, daß Verluste einzelner Spekulanten, die eine Million übersteigen, in den letzten Jahren überhaupt nicht vorgekormncn sind. Die schwierigste Aufgabe besteht nunmehr für den Untersuchungsrichter und die Polizei­behörden darin, das Versteck ausfindig zu machen, das Duez sich für die gestohlenen Millionen gesichert hat.

Geradezu verblüffend ist das einfache Verfahren, das Duez für seine Unterschlagungen benützte. Zunächst machte er alle Einzahlungen bei der Caisse de Depote et Consig- nation in seinem eigenen Namen und nicht für jede der ihm anvertrauten Liquidationen getrennt. So war es ihm möglich, aus der Kasse alle beliebigen Beträge abzuheben, ohne hierfür irgend Jemanden Rechenschaft abzulegen. Er tat dieses denn auch in ausgiebigster Weise und zog bei­spielsweise mit einem Male zwei Millionen zu­rück, die er von dem Verkaufspreise des College Stanislas vorerst deponiert hatte. Um den Schein zu wahren, als wären die zwei Millionen noch in der Kasse, ließ er alle drei Monate der Liquidation die entsprechenden Zinsen buchen und die mit der Kontrolle seiner Geschäftsgebahrung betrauten Sachverständigen begnügten sich sonderbarerweise mit dieser Buchung, ohne weiter danach zu forschen, ob das Tepote auch wirklich noch in der Kasse vorhanden war. Nur so war c/> Duez möglich, die begangenen Unter­schlagungen so lange Zeit hindurch zu verschleiern. Er zeigt sich übrigens gut gelaunt und antworte! mit selbst­bewußtem und überlegenem Lächeln auf die indiskreten Fragen, die der Untersnchungsrichter ihm stellt, da er seiner Sache sicher zu sein glaubt. Sollte es jedoch den Gerichts­behörden gelingen, die gut versteckten Millionen ausfindig zu machen, dann dürfte Duez zweifellos viel von seiner frohen Zuversicht cinbüßen. Die weiblichen Bekannt­schaften scheinen Duez nicht sehr teuer gekommen zu sein, da die bevorzugteste unter Jemen Maitressen, eine Madame Poirier, seit vier Jahren nur 1500 Frcs. monat­lich, zusammen also 72 000 Frcs., von ihm erhalten hat, indes er seine Geschenke auf eine halbe Million schätzte. Bei der erwähnten Dame sind für etwa 200 000 Frcs. Wert­papiere und Schmuck gefunden worden, über deren Ursprung sie aber dem Untersuchungsrichter rechtskräftige Beweise

erklärte, daß der vorerwähnte tzonorarenrpfänger seinem Kabinett Nicht mehr angehört habe, als er als Anwalt in den Liquida lums- angclegenheiten sungierte. Ministerpräsident Briand verwahrte sich dagegen, das man einen Skandal, der aus den Verfehlungen einzelner Personen entstanden sei, gegen das ganze Regime aus- beuten wolle und wiederholte sodann seine gestern in bet Kammer abgegebenen Erklärungen. ______________________

Deutsches Reich.

Wie wir aus Berlin hören, ist eine Korfu reise für dieses Jahr endgültig aus dem R e i s e p r o g r a m m des Kaisers ausgeschaltet worden. Der Kaiser wird seine alljährliche N o r d l a n d s f a h r t unternehmen. Der Grund für den Nichtbesuch von Korfu dürfte in den verwickelten griechischen Verhältnissen und in der Behandlung der grie­chischen Königssamilie seitens des griechischen Volkes zu suchen sein. Auch Prinz und Prinzessin Eitel Friedrich werden auf der Rückreise von Jerusalem griechisches Ge­biet nicht betreten.

Der Bundesrat stimmte dem Entwurf eines Ge­setzes für Elsaß-Lothringen wegen Aenderung ver­schiedener Justizgesetze zu.

Zur dritten Beratung des Haushalts des Reichsamts des Innern beantragen die bürgerlichen Parteien des Reichstags, in den nächstjährigen Haushalt Mittel zur Unterstützung des deutschen Schillerbund cs zur Grün­dung und Erhaltung jährlicherNationalfe st spiele iür die deutsche Jugend am Weimarischen Hoftheater ein­zustellen.

TieNordd. Allg. Z g " meld.st: Der GesandteGraf Henckel v. Donnersmarck in Kopenhagen ist auf^ An­suchen von seinem Posten abberufen worden. Ter Kaiser verlieh dem Gesandten aus diesem Anlaß in Anerkennung der geleisteten Dienste den Charakter als wirklicher Geheimer Rat mit dem Prädikat Exzellenz.

Aus Magdeburg wird berichtet: Der Verband der Metall industriellen, der davon Kenntnis er­halten hat, daß am Freitag, 18. März, während der Arbeitszeit eine Wahlrechtskundgebung geplant ist, hat beschlossen, alle Arbeiter, die daran teilnehmen, auf drei Tage auszusperren.

Allen polnischen Zeitungen ist nach einem neueren Beschlüsse des Verbandes der polnischen Zei­tung s ve Heger vom 1. Mai d. I. an bei Vermeidung einer entsprechenden Konventionalstrafe die Annahme deutscher Privatannoncen verboten. Und dies geschieht, trotzdem das Enteignungsgesetz bisher nicht an­gewendet worden ist. Nach Mitteilungen Hardens in der Zukunft" soll Graf Aehrenthal bei seinem Besuch in Berlin auf seine Bitte die Zusage erhalten haben, daß mit Rücksicht auf die Forderung der Polen und Slawen in Oesterreich und auf die dadurch gefährdete deutsch-öster­reichische Bundespolitik die Enteignung im Osten vorläufig nicht verwirklicht werden soll?

Die russische Regierung hat nach einer Mittei­lung des Auswärtigen Amts den Kaiserlichen Botschafter in St. Petersburg davon benachrichtigt, daß die Beschie­ßung der deutschen LuftballonsSchlesien" undTschudi" durch russische Grenzsoldaten zum Gegen­stand einer gerichtlichen Untersuchung geworden ist. Auch hat die russische Regierung durch Befehl an die Ver­waltung des russischen Grenzwachkorps vom 10. August (a. St.) 1909 eine frühere Verordnung in Erinnerung ge­bracht, wonach es der Grenzwache streng verboten ist, auf Luftschiffe, welche die Landesgrenze überfliegen, zu schießen.

beizubringen versprach.

Paris, 18. März. Im Senat erklärte Le Pwvost de Launay, daß bei den meisten Liquidationen die für Liquidatoren und Anwählte gezählten Honorare sehr beträchtliche Summen daritellten. Sv habe ein Angehöriger des Kabinetts des I u st i z m in i st er s 103000 Franks! Ho nv rar erhalten, und er ziehe ans diesen Tatsachen den Schluß, daß die Politik bei allen diesen Sachen eine unheil- vvlle Rolle gespielt habe. Ter frühere Justizminister Balle

ICleiitc» Feuttieton.

Ein interessantes Jug endwerk von Ru­bens tauchte kürzlich auf einer Versteigerung im Wiener Dorotheum auf und konnte für einen geringen Preis für das dortige Hofmuseum ciworben werden. Es i|t das Bildnis eines Prinzen aus dem herzoglichen Hause der Gonzaga in Mantua, bei denen der junge Rubens auf seiner Jtaliensahrt in den Hofdienst trat. Und zwar ist es ein Stück jenes großen Altarwerkes, das Rubens damals im Auftrage des Herzogs Vin­cenzo für die Kirche Santa Trinita in Mantua schuf. Bei der Besetzung dec Residenz durch die französische Revvlutiousarmee wurde die Kirche als Heulager benutzt. Man schaffte die Ge­mälde heraus und ein französischer Händler zerschnitt das Alta^ werk des Ztt'bens, um es besser befördern zu können. Doch wurde das schon zerschnittene Werk noch festgehalten, und dir Dreifaltigkeit, sowie der unterste Teil mit den Bildnissen des Herz-ogs Vincenzo, seiner Gemahlin intb Eltern befindet sich nock heute in Mantua. Andere Teile waren verschollen. Tie Söhne und Töchter des Herzogs, sein Windspiel, und ein Soldat, dem Rubens seine eigenen Züge geliehen haben soll, waren hier dar- gestellt. Tas Bildnis des einen Prinzen ist nach einer Mittei­lung derPost" nun wieder aufgetaucht. Wie die Architeftnr- imb Figuren-Stücke int Hintergründe beweisen, gehört es zu dem Mantnaer Mtar.

Henry T hv d e. Nach einer aus Berlin stammenden Meldung, die wir bereits mitgeteilt haben, wird Geheimerat Professor Tr. Henry Thode, int nächsten Jahre aus feinem Lehramts an der Universität Heidelberg scheiden. Als sein Nachfolger ivird bereits Professor Tr. Karl 9teummtn, der zurzeit in Kiel, vordem in Heidelberg und Göttingen wirkende, aus Mann- heim gebürtige Kunsthistoriker genannt. Geheimerat Thode, der zurzeit in Santa Margherita weilt, teilt der Bad L. Z. zu der obigen Nachricht mit, es handle sich um blo ße-Gerüchte: es sei noch nichts beschlossen. I

Von dem Taschent eleg r aph o h ne D raht, eine Erfindung des Pros. Cerebotani, über den wir schon kurz berichtet haben, wurden demTag" jetzt nähere Einzelheiten Witgeteiit. Ten Gedanken zu seiner Erfindung gab dem Ge­lehrten, wie er launig erzählte, eine falsche Zeitungsnotiz. Als tr tor etwa Jahresfrist in München einen Vortrag über seine Forschungen .auf dem Gebiete der mechanischen Fernwirkungen

mit Hilfe geringer elektrischer Energiemengen gehalten hatte, be­haupteten französische Blätter plötzlich, vor allem das Journal, er hätte den drahtlosen Taschentelegraphen erfunden. Das ge­nannte Blatt brachte dami sogar in einem spaltenlangen Artikel eine ausführliche Beschreibung des Apparates. Cerebotanis Zu­schrift an das Journal, des Inhalts, daß der beschriebene Tele­graph nur der Phantasie Les Artikelschreibers entsprungen sei, wurde nicht beachtet. Und so blieb Professor Ccrebotani, wie er erklärte, nichts weiter übrig, als den drahtlosen Taschentelegraphen wirUich zu erfhtbelT. Ter Apparat, der von verblüffend einfachem Bau ist, ruht in einem zierlichen Holzkästchen. An der Vorderseite zeigt er eine Art Zifferblatt, auf dem statt der "Zahlen Buchstaben verzeichnet iinb. Ein Zeiger dreht sich um eine Achse im Mittel- puntt des Blattes into weist auf die telegraphierten Buchstaben. Tie von Professor Cerebotani angestellten Versuche gelangen vor­züglich. Tas Wesentliche an, dem Fernschreiber ist, daß nach jeder Buchstabenmeldung eine selbsttätige Ausschaltung erfolgt, wodurch der Telegraph zwar langsamer als die jetzt gebräuchlichen, dafür aber mit unbedingter Sicherheit arbeitet. An eine bestimmte Entfernung ist er nicht gebunben. Professor Cerebotani ist Priester an der Münchener Frauenkirche.

Leipziger Theaterbrief: MaeterlincksSDZaria Magdalena". Aus Leipzig wird uns geschrieben: Maurice Maeter­lincks dreiaktiges DramaMaria Magdalena", von dem wegen des Zensnrverbvts in Preußen schon so viel die Rede gewesen ist, hat nun seine Uraufführung im Leipziger NeuenTheater erlebt. Nach allem, was im voraus über dies neue Werk Maeterlincks berichtet worden war, versprach dieser Astend ein seltenes Er­eignis zu bieten. Bei der Ausführung sah man sich indessen, p weit der Wert des Stückes in Frage kommt, in seinen Er­wartungen sehr getäuscht, und mer das überraschend Künstlerische in der szenischen Ausgestaltung und in der Darstellung sicherte einen stärkeren Erfolg. Tie Umivandlnng im Wesen des schönen Weilüs von der Buhlerin zur Büßerin tritt in den Vorgängen auf der Bühne wirksam und überzeugend hervor und darin liegt ter innere Wert des ersten Aufzuges vor al .ent. Ter zweite Auszug führt in die Villa der Maria Magdalena. Mau sieht, wie sie ixm Berns selig am Halse hängt. Doch sie liebtjtun schon aanz im Sinne der Lehre Christ , nicht mehr mit den Sinnen, sondern nur nock- mit der -Seele. Tie Erscheinung des auferweckten Lazarus fällt ein wenig gewaltsam in diesen Auszug. Ter dritte Auszug spielt bann in dem Hause Josefs von Arimathia. Tie

Aus Belgrad wird gemeldet: Der Divisionskomman­deur, Oberst Goiko witsch ist zum Krieg s m in t ft er ernannt worden ..

21h$Icih&.

Die Blätternachricht von dem nahe bevorstehenden B e -- f u cf) e des Königs von England in Ko n st a n t i- nopel wird in den Steifen der Pforte sowie von der eng­lischen Botschaft in Konstantinopel als falsch erklärt. Ebenso ist die Nachricht türkischer Blätter falsch, daß Adnural Howe dem Sultan ein Handschreiben des Königs Eduard über­bracht habe.

Tie Londoner Frauenrechtlerinnen versuch­ten am Tonnerstag dadurch Reklame für eine Versamm- htng zu machen, daß sie eine Dampfspritze mieteten und als Feuerwehrleute verkleidet durch die Straßen des Westens rasten! Wer wünscht, daß es Bei uns in Deutschland auch einmal so weit kommen möge? !

Im Zusammenhang mit den Zwischenfällen in der letzten Sitzung der russischen R e i ch s d u m a legte C h o m r a- kow sein Amt als Präsident nieder und meldete diesen Entschluß brieflich dem ersten Vizepräsidenten: außerdem machte er in der heutigen Sitzung des Aeltestenrates hiervon Anzeige und übertrug darauf den Vorsitz infolge der-Krank­heit des ersten Vizepräsidenten Fürsten Wolkonski dem zwei­ten Vorsitzenden, Schiedowski.

Aus Konstantinopel wird gemeldet: We.qen der unter den Bauern Thessaliens herrschenden B e w c - a u n g gegen die m o h am ed auis ch en Grün db es i tz er hat b-te Pforte unter Berufung auf die durch den Vertrag vom Jahre 1881 von der griechischen Regierung übernom­mene Pflicht, dre Rechte der Mohamedaner Thessaliens zu schützen, sowie unter Berufung auf die gute Behandlung her in der Türkei lebenden hellenischen Staatsangehörigen, das griechische Kabinett aufgefordert, Maßregeln zum schütze der Grundbesitzer zu treffen, widrigenfalls die Pforte ge­nötigt feinmürbe, alle bestehenden türkisch- griechischenVerträge zu kündigen. Nach Benach­richtigung der Pforte hat die griechische Regierung ver­sprochen, die Rechte der Mohamedaner zu schützen, nötigen­falls sogar durch Entsendung von Verstärkungen nach Thessalien. , "

Aus Fez wird vom 11. d. M. gemeldet: Der Maghzen bezahlte gestern der schcrifischen Truppe 41 Tage rückstän- big en Sold aus, nachdem eine in der Wohnung des Mai iv ©urbaret, der die Truppe kommandierte, vorgenommene Haussuchung hunderttausend Francs in Gold Zu­sage gefördert hatte, die aus u n t e r s ch l a g c n e m S o l d c und aus Verkäufen von Patronen, die für die Truppen be­stimmt waren, herrührten. Der Kaid ist bereits vor der Haussuchung verhaftet worden.

Wie aus Washington gemeldet wird, verteidigte in einer Ansprache Präsident Taft im Traffic-Klub die dem Kongreß zugegangene Eisenbahnbill gegen den Vor­wurf, sie sei nur im Interesse der Bahnen abgefaßt. Er erklärte, daß die Bahnen allerdings ein Recht hätten, in dieser Angelegenheit gehört zu werden. Er arbeite darauf hin, daß die Eisenbahnen ihr Geschäft gesetzmäßiger führen könnten, bei Uebertretungen aber auch die Strenge des Ge­setzes zu fühlen bekämen.

Wie der Mitarbeiter der New Port World in Wa­shington von angeblich bester Quelle erfahren haben will, soll Japan der Botschaft Vorschläge zur Weitergabe an das Staatsdepartement übergeben haben, welche darauf hinzielen, eine Verständigung zwischen Japan und den Vereinigten Staaten erreichen, so daß beide Länder zusammen im fernen Osten eine vorherr­schende Rolle spielen würden, unter Aufrechterhaltung

Gefangennahme Christi ist erfolgt. Verns will ihn befreien, meint Magdalena einwilligt, ihm aitzngehören. Aber sic weist Berus ab und läßt die Kreuzigung geschehen. Die Anlehnung der Hcnwlnng an die berMaria von Magdala" von Heyse ist offen­bar, doch ist die Ausführung und Gestaltung derart, daß die Legende in berMaria Magdalena" in durchaus eigener Form erscheint Man vermißt in dem Ganzen einen genialen Zug, einen kraftvollen Impuls, ber mächtiger ans Herz greift. Tie Aufführung gelang in allen Teilen überraschend gut. Die Bühnen- bifber wirkten schön und einheitlich. H. Gr. :

VonderHamburgerSüdsee-Expeditio n l^a i imGlobus" ein neuer Bericht vor, der sich mit ber Erforschung der vier Südwestinseln dev Karolinengruppe beschäftigt. Tie Inseln, die bisher die Namen Merir, Pulana, Sonsocol und TobK führten, werden nach sorgfältiger Prüfung genannt: Meliöl, Bur, Songosor und Togobei. Melickl, das vor einigen Jahren Dom Taifun zerstört wurde und dessen aus etwa 100 Seelen bestehende Be­völkerung daher nach Pelan übergefiedelt war, hat einen trost­losen Anblick: der ganze Sudteil des Eilandes gleicht mit seinen grauen Baumruinen eher einem Masten- als einem Laubwald. Die Insel, die noch nicht wieder besiedelungssähig ist, zeigte nur geringe Reste menschlicher Wohnungen. Mit Bur verhält es sich ebenso. Svngosor umfasst zwei Inseln, von denen die kleinere Farm genannt wird und unbewohnt ist. Auf der Hauptinsel liegen vier eng zusammengebräugte Dörfer mit etwas über 300 Ein­wohnern. Hier herrscht eine gewisse Fruchtbarkeit, die zu ber Armut ber anderen Insel in Gegensatz steht. Die Landung auf ber vierten Insel Togobei erfolgte unter eigenartigen Umständen. Kaum betraten die Europäer das Land, so wurden sie Don Frauen umringt, die singend und tanzend mit abwehrenden Gebärden! zur Umkehr aufforderten. Besonders unheimlich wurde die Sage, als beim Betreten des Geisterhauses der Priester unter Toben imb Schlagen die Bevölkerung in Auflegung versetzte, so daß alles geduckt sich niederkauern und schweigen mußte, so lange er sprach. Bald aber stellte sich heraus, daiß die so wild erregten Bewohner überaus friedliebend fiitb, feinen Krieg kennen und einzig nur der Liebe leben. Tie 2 Kilometer lange Insel zählt nahezu tausend Einwohner. Sie erkennen nur einen Gott an, wollen von Dämonen nichts wissen und setzen ihre Toten in riesigen! Holzkisten, also Särgen, bei, die man über die See hinaustreiben läßt. Tie größte Merkwürdigkeit der Insel besteht darin, daß das ganze Innere vor Zeiten mit den Händen sozusagen mis-