Ausgabe 
23.6.1910 Erstes Blatt
 
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vollständige und cntgiiltige Antwort zu geben, ohne daß es not­wendig sein wird, daß weitere Verhandlungen zwecks Beilegung des Zwischenfalles im Piräus stattfiirden.

Die den Boykott gegen Griechenland betreibende Volksmenge von Galata und Skutari nimmt eine drohende Haltung an. In Galata mußte die Polizei einschrciten. Mehrere Türken wurden verhaftet. Heute morgen wurde ein Grieche, der Löscharbeitcn bei der Deutschen Levantelinie über­nommen hatte, von türkischen Arbeitern schwer verletzt, weil er auch griechische Auslader einstellen wollte. Der griechische bischöfliche Vikar von Achi Tachclebi im Vilajct Adrianopcl wurde verhaftet, das Patriarchat protestierte gegen die Verhaftung. Die Pforte verlangte von der montenegrinischen Regierung die Auslieferung 'des Albancscnchefs Issa Boletinatz, der mit 17 Genossen nach Montenegro geflüchtet ist.

Der Senat der Vereinigten Staaten hat die Ge­setzesvorlage betreffend die Errichtung von Post-Sparkassen in der vom Repräsentantenhause angenommenen Fassung geneh­migt. Die Vorlage gestattet die Anlegung der Einzahlungen in allen amerikanischen Regierungsbonds._________________________

vombenattenrat und Bankraub in Znedberg.

(Sonderbericht desGieß. Anz")

* G i e ß e n, 23. Juni.

Tie alte, stille Stadt Friedberg w-urde gestern nach- tnittog durch ein Verbrechen, wie es selbst in Großstädten nur selten ist, aus seinem bescharilichen Frieden heraus­gerissen. Kurz nach drei Uhr ereignete sich, wie uns ein Privattelegrcnnm meldete,

eine starke Explosion im Rathaus,

-die weit über die Stadt hinaus hörbar war. Tic schwere Tür des Rathauses, in dem sich fast sämtliche städtischen 'Aemter befinden, flog in die Kaiserstraße, die Fenster zer­sprangen, die Türe wurde eingedrückt und die starke eichene Treppe wurde bis zum dritten Stock buchstäblich zersplittert. Aus der westlichen Seite wurden Mauern teilweise heraus­gedrückt und auch in der Nachbarschaft wurden kleinere Schäden verursacht. Durch den Zusammenbruch der Treppe waren sämtliche Beamte in ihren Arbeitsräumen ein­geschlossen. Schränke, Tische und andere Gerätschaften wurden umgeworfen. Ein Schreibgehilfe überschlug sich im Bureau.

Es hat aber niemand ernstlich Schaden genommen: nur der Stadtschreiber Graulich wurde an die Wand gefÄleu- dert und im Gesicht durch Glasfplitter verlebt. Der Feld­schütz Lebeau entging mit knapper Not einer schweren Ver­letzung, dajih-m eine schwere Tür gerade über den Kopf flog. Vor dem Rathaus' soll ein Kind zu Schaden gekommen sein. Die Feuerwehr wurde sofort alarmiert, und sie holte die entsetzten Beamten mit Leitern herunter. Einer war so er­schrocken, daß er unfähig zum Steigen war und mit dem Rettungssack herabgeholt werden mußte. Anfangs glaub le man an eine Gasexplosion, aber die Untersuchung ergab sehr bald, daß die Gasleitung unversehrt war, dagegen machte sich ein sehr starker Pulvergeruch bemerkbar, der nur von einer Bombe herrühren konnte.

Während man noch mit den Rettungsarbeiten beschäftigt war, erschollen aus der etwa 400 Meter entfernten Reichs- b a n l laute Hilferufe. Die Frau des im Hause wohnenden Bankbeamten Langer hörte die Rufe des Vorstehers und machte einige vorübergehende Männer darauf aufmerksam. Diese drangen entschlossen in das Haus. Im Hof begegnete ihnen ein elegant gekleideter junger Mann, der ihnen zurief, sie möchten sich beeilen, denn da drinnen wäre etwas Kassiert. Nun erfuhr man, daß man es mit einem

Raubanfall in der Reichsbank

zu tun hatte. Bankvorsteher Meyer befand ftd) gerade im Tresorraum und war mit der Revision seiner Kassenscheine beschäftigt, als der Verbrecher eindrang. Er trug eine schwarze Maske und warf sich sofort auf den Beamten, der sich energisch zur Wehr setzte. In dem Handgemenge erhielt Meyer einige Schläge auf den Kopf und schließlich einen Streifschuß an der Stirne. Als man erfuhr, daß der elegante Fremde der Täter sei, machte man sich sofort auf die V e r f o l g u n g d e s Verbrechers. Dieser hatte sich mittlerweile auf ein Rad geschwungen und suchte sich die Verfolger durch R e v o l v e r s ch ü s s e vom Leibe zu halten. An der Ecke Mainzertoranlage kam er zu Fall, nach­dem er vorher einen dreizehnjährigen taubstummen Iungen durch einen Schuß in den Leib lebensgefähr­lich verletzt hatte, während er von sämtlichen Verfolgern keinen getroffen hatte. Er juljr dann die Promenade ent­lang die Chaussee nach Ockstadt. Die Polizei nahm in dem Automobil des prakt. Arztes Dr. Krombach die Ver­folgung auf und ereilte den Flüchtling auf dem Wege zwischen Ockstadt und Bad-Nauheim, in der Nähe des Bad-Nauheimer Friedhofes. Hier lnarf er sein Rad auf die Böschung und floh in das offene Feld. Der Schutzmann Bender von hier hmr ihm aber so auf den Fersen, daß es keinen Ausweg mehr gab, er nahm dann seinen Revolver und schoß sich mit seiner letzten Patrone eine Kugel in die Schläfe. Der Tod trat sehr bald ein.

Ermittelungen.

Es bestand nun kein Zweifel mehr, daß es sich bei der Explosion um einen verbrecherischen Anschlag gehandelt hatte, der aber nur den Zweck hatte, das eigentliche Ver­brechen zu verschleiern.

Die sofort angestellten Ermittelungen hatten das fol­gende Ergebnis: Der Attentäter ist der Chauffeur Barken stein aus Ha lle a. d. Saale. Man fand bei ihm noch zwei geladene Revolver und 4(350 Mk. bares Geld Beim Einbringen ins Krankenhaus gab er noch Lebens­zeichen von sich.

Ter Artentäter wohnte seit dem 15. Juni im Burghotel. Hier zeigte er, daß er viel Geld besaß, zahlte die Miete im voraus und gab sich sehr vornehm. Der Besitzer des Burg- hotel hörte gestern im Zimmer ein verdächtiges Geräusch und heute sah man, daß die Schlüssellöcher verstopft waren. Man fand verfchiedene Gegenstände, die auf die Bomben­fabrikation hinwiesen. In seiner Begleitung befand sich häufig noch ein gutgekleideter Mann, der sicher sein Mit­schuldiger ist. Im Gasthaus von Phi!. Steinhäuser stahl der Räuber noch kurz vor der Tai das Rad des Händlers .Kroner aus Vilbel und ließ sich vorn in der Wirtschaft sogar eine Luftpumpe geben. Er fuhr zum Rathaus, verübte die Tat und eilte noch einmal in das Burghotel, um die zweite Bombe zu fyolen. !Er fuhr dann an die Reichsbank und ver­übte den Einbruch. 'Die Bombe und ein Paket fand man in der Reichsbank, jedenfalls hatte sie versagt. Die Verletzung des Direktors Meyer scheint ernster Natur zu sein. Zwei angeschossene Mnder wurden ins Spiral gebracht. Kauf­mann Michel und eine Frau wurden auch durch Schrot­schüsse verletzt. Kurz vor dem Attentat fuhren zwei Auto­mobile ohne Nummer über die Kaiserstraße, und es erscheint deshalb nicht ausgeschlossen, daß eine größere Bande in Frage kommt.

Don anderer Seite wird uns dazu mitgeteilt, daß krr e i Leute i n Betracht kämen, von denen einer einen Pa- ncymchut in der Reichsbant zurückgelassen hat. Der ver­

storbene Verbrecher hat einen braunen Filzhut getragen. Er wohnte seit acht Tagen int Burghotel in Friedberg als Reisender Schmidt aus Darmstadt. Vorher hielt er sich in Frankfurt auf. Bei der Leiche fand man auch ein Notizbuch, in welchem eine Anzahl von Frankfurter Bank firm en verzeichnet sind, bei denen wohl gleich­falls Einbruchsdiebstähle beabsichtigt waren. Morgen wird die Leiche obduziert. Einem Dienstmann, der ihm den Koffer trug, schärfte er nachdrücklich ein, nur vorsichtig zu sein, da der Koffer Glaswaren enthalte. Bei der Unter­suchung des Koffers fand sich noch eine zweite Bombe.

Das Rathaus hat sehr gelitten. Außer den bereits geschilderten Schäden sind ein großer Teil der im Sitzungs­saal aufgehängten Bürgermeisterbilder zerstört, Bücher und Akten wirr durcheinander geworfen.

In der R c ichs ba nk nahm Direktor B elin g aus Frankfurt sofort die Revision vor, wobei festgestellt wurde, daß die Beträge auf den Pfennig genau stimmen. Das Geld, das bei Barkenstein gefunden wurde, muß also anderswo herrühren.

Oberstaatsanwalt Lang und Kriminalkomm. Müller von hier begaben sich gestern sofort an den Tatort und weilten auch heute noch dort. Von Frankfurt erschienen Polizei­assessor Auerbach und die Kommissare Brummund und Wieland. Kommissar Wieland vermutet, der Frrf. Ztg. zufolge, daß zwischen dem Frankfurter Attentat vom 14. Juni in der Bockenheimer Landstraße und dem Fried­berger ein Zusammenhang bestehe. Tatsächlich wurde auch eilte gleiche Bombe verwendet.

Die gefundenen Bomben wurden vor der Stadt un­brauchbar gemacht. Die Forfchungen nach Mitschuldigen werden eifrig fortgesetzt. Der mehrfach erwähnte Begleiter Barkenfteins soll nach dem Anschlag die Stadt in einem Sportanzug verlassen haben.

-m. Friedberg, 23. Juni. (Privattelegramm.) Heute morgen wurde bereits eine Verhaftung vorgenommen, es fragt sich jedoch, ob sie aufrechterhalten werden kann.

O Friedberg, 23. Juni Der schwer verletzte taub­stumme Junge ist gestern abend seinen Verletzungen erlegen.

21 us uitfr

Gießen, 23. Juni 1910.

** Hoftrauer. Der Groß Herzog hat wegen des 'Ablebens der Prinzessin Feodora zu Schleswig- Holstein eine Hoftrauer vom 21. bis einschließlich 25. Juni angeordnet.

"Erledigt ist die mit einem evang. Lehrer zu be­setzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Höllerbach. Dem Fürsten zu Lölvenüein-Wertheim-Rosenberg und dem Fürsten und Grafen zu Erbach-Schönberg steht das Präsen­tatio nsr t zu.

** Konkursstatistik. Im Jahre 1909 gerieten 38 Handwerker in Konkurs (gegen 47 und 57 in den Vorjahren). Davon kamen 17 auf Starkenburg, 11 auf Oberhessen und 10 auf Rheinhessen. Den Berufen nach ver­teilt sich die Zahlungseinstellung: Backer 6, Schreiner 5, Maurer und Metzger je 4, Schlosser 3, Installateure, Schuh­macher und Uhrmacher je 2, Drechsler, Kaminfeger, Küfer, Kürschner, Müller, Sattler, Schmied, Spengler, Weißbinder und Zimmerer je 1 Konkurs.

* Der Sängerkranz veranstaltet am nächsten Sams­tag auf der Liebigshohc ein Sommerfest, für das bereits umfassende Vorbereitungen getroffen wurden, so daß ein hübsches Fest mit Sicherheit zu erwarten ist. Konzert und gesangliche und andere musikalische Darbietungen werden den ersten Teil des Abends ausfüllen, während eine Fackel­polonaise durch den Garten den zweiten Teil, den Tanz, ein» leiten wird.

* Zum Gedächtnis Robert Schumanns ver­anstaltet die Klavierschule von Minna Korner am Freitag nachmittag eine mtlsikallsche Feier im Saale der Schule.

* * In den Nu he stand versetzt wurde der Eisen­bahngehilfe in der Hessisch-Preußischen Eisenbahngemeinschaft Hch. Mathesius zu Gießen.

u Ernannt wurde der Schreibgehilfe Wilh. Magnus in Gießen zum Schreibgehilsen bei dem Amtsgericht Gießen.

* * Der Fonds für Beihilfen bei lieber» schwemm ungen in Hessen hatte am 1. April 1909 einen Kapitalbestand von 119 000 Mk., wozu noch 1549,14 Mk. Kassebestand kommen. Die fast ausschließlich aus Zinsen be­stehenden Einnahmen betrugen im Rechnungsjahr 1908 4026,40 Mk., während die Ausgaben 2477,26 Mk. betrugen (Mk. 1916 neue Kapitalanlagen und Mk. 561,26 Beihilfen).

"Die Häute- und Fettverwertungs-Genossen­schaft der Fleischer-Innung hat 1909 einen Umsatz von 25 000 Mk. mit einem Reingewinn von 2000 Mk. 8 Proz. erzielt.

* Eine Schlachth ofskasse wird zur glatteren Ab­wicklung der Geschäfte mit den Metzgern am 1. Juli auf dem Schlachthof eingerichtet. Die Gebühren für die Benutzung der Schlachthofseinrichtung wurden bisher an den Oktroi­erheber bezahlt.

* W a s trinkt man a u f Wanderungen? Ju diesem Frühling, der uns einen wunderschölten Monat Mat gebracht hat, hört man überall viel von tüchtigen Wander­fahrten, die vor allem von unserer Jugend zur Erfrischung des Körpers und Geistes häufig unternommen werden. Für manchen fleißigen Schüler ist der Klasseitausslug tut Früh­ling das große Ereignis des Jahres, und wie gern ergeht sich der junge Kaufmann, der wochentags an Laden und Schreibstube gefesselt ist, der Beamte, der seine langen Bureaustunden innehalten muß, Sonntags im Freien. Wan­dern macht Durst, selbst wenn man an heißen Tagen nach Möglichkeit den kühlen Schatten aufsucht, und das was der Körper infolge der Bewegung an Feuchtigkeit ver­liert, muß wieder ersetzt werden, wenn das Blut in heißer Zeit nicht zu sehr verdickt werden soll. Was trinkt man nun? Frisches reines Quetlwasser gibt es leider nicht überafl auf Wanderungen, eher schon frische Milch, die wohl in jedem Bauernhause zu finden ist. Aber Milch bekommt nicht jedem, manchem liegt sie schwer im Magen und ver­ursacht Verdauungsstörung. Alkoholhaltige Getränke, Wein, Bier, erschlaffen nach ganz kurzer Anregung und loschen überhaupt den Durst nicht nachhaltig. Die besseren und wirksamsten Erfrischungsgetränke sind die kohlensänrehal- tigen. Seien es nun Frucht getränte oder sog. Brause­limonaden oder auch Selterswasser. Man soll nur nie­mals ein Getränk eiskalt genießen.

Alsfeld, 22. Ium. Welch großen Rufs sich unsere Ziegenzucht erfreut, geht daraus hervor, daß

dieser Tage ein schwedischer Tierzuchtbcamter hier eintraf und 50 Saaner Ziegen für die Zuchtverbände in Schweden ankaufte. 1909 hat der KreiSziegenzuchtverem Alsfeld für 5000 Mk., der zu Lauterbach für 4000 Mk. Tiere abgesetzt.

Bad-Nauheim, 22. Juni. Herzogin Max von Württemberg ist zur Kur hier eingetroffen. Der Bad-Nauhe imer Sch ach verein wird außer dem bis­herigen VereinSabend an jedem Montag abend imRitter" während der Saison im Interesse der zahlreichen Schachfreunde unter den Kurgästen auch im neuen Kolonnaden-CafH jeden Freitag abend regelmäßige Spielabende abhalten.

Friedberg, 21. Juni. Die im Kreis Friedberg bestehenden 19 israelitischen Religionsgemeinden erheben zusammen 18 9 5 3 Mk. Umlagen. Es erheben Friedberg 7 900 Mk. (27,599 Proz.), Groß-Karben mit Klein- Karben, Okarben und Rendel 1520 Mk. (35,557 Proz.), Bad-Nauheim 1500 Mk. (8,851 Proz.), Butzbach 1379 Mk. (58,731 Proz.), Assenheim mit Bruchenbrücken 1100 Mk. (91,37 Proz.), Heldenbergen m. Kaichen 1000 Mk. (25,419 Pro;.), Nieder-Weisel 990 Mk. (82,541 Proz.), Vilbel 840 Mk. (der Ausschlag erfolgt mit x]4 auf die Kopfe der Gemeindemitglieder und mit 3/< auf das Schätzungskapital), Nodheim v. d. H. mit Holzhausen und Petterweil 726 Mk. (44,584 Proz.), Nieder-Wöllstadt 550 Mk. (35,25 Proz.), Nieder-Florstadt 350 Alk. (55,214 Pro;.), Bönstadt 300 Mk. (45,886 Proz.), Büdesheim 228 Mk. (23,588 Proz.), Griedel 220 Mk. (104,167 Proz.), Burg-Gräfenrode 95 Mk. (25,724 Proz.), Staden mit Stamm heim 93 Mk. (10,163 Proz.), Münzenberg 90 Mk. (23,911 Proz.) und Gombach 81 Mk. (13,706 Proz.).

d. Mainz, 22. Juni. Ein Antrag auf Einführung von Benutzungsgebühren bei der S t a d t b i b l i o t h e k wurde in der heutigen Sitzung des Schulausschufses beraten. Der Direktor der Stadtbibliothek, Prof. Dr. Bing, hat sich in einem längeren, eingehend begründeten Schriftsatz gegen den Antrag ausgesprochen, da die Einführung einer Gebühr einen Rückschritt bedeute. Der Schulausschuß trat dieser Ansicht bei, umsomehr, als die Stadtbibliothek auch zu gleicher Zeit eine Volksbibliothek ist, und dieser Charakter mit der Einführung einer Gebühr verloren gehe.

H- Wetzlar, 22. Juni. In der Karolinenhütte brach heute nachmittag um 5 Uhr Groß feuer aus. Der Brand entstand in einem Schuppen, wahrscheinlich dadurch, daß an der elektrischen Leitung Kurzschluß entstand. Das Feuer ergriff rasch mehrere andere Schuppen, in denen sich Maschinen zum Verkleinern von Eisen und Material- Vorräte befanden. Es gelang der Feuerwehr in angestrengter Tacigteit, das Feuer a-jf diese Schuppen zu beschränken, so daß die ^Hauptgebäude der Hütte völlig unbeschädigt blieben. Um 1/27 Uhr war der Brand gelöscht.

Zeppelins 8«hrt nach Düsseldorf.

Wir erhielten gestern kurz nach Redaktionsschließ die nach­stehenden Telegramme, die wir heute wiederholen, da sie gestern! in einem kleinen Teil unserer Auflage nicht mehr veröffentlicht werden konnten:

Düsseldorf, 22. Juni.L. Z. 7" überflog uni 12 Uhr die Stadt und landete um 12 Uhr 10 Mi­nuten glatt vor der Halle.

Düsseldorf, 22. Juni. Das Luftschiff wurde um 12 Uhr 20 Minuten in die Halle gebracht. Um 12 Uhr 30 Minuten fuhren Graf Zeppelin und der Oberbürgermeifter nach der Stadt. Es wird heule wahrscheinlich infolge des Rheinfestes noch ein Aufstieg stattfinden.

Kuuft mhö rm??eirschaft.

Theodor Leschetitzky. Einer der bedeutendsten, Klavierpädagogen der Gegenwart Theodor Lcschctitzky beging gestern seinen 80. Geburtstag. In Laneut in Galizien geboren, hat er den ersten Klavierunterricht von seinem Vater erhalten. Der ein Schüler Karl Czernys war. Die weitere Aus­bildung leiteten Czerny und Sechter in Wien. Leschetitzky be­suchte gleichzeitig an der Universität philosophische Kollegien und schloß sich der akademischen Legion unter Fischhos und Aigner an. 1852 ging Leschetitzty auf Reisen. In Petersburg ernannte ihn Kaiser Alexander zum Inspektor eines Erzichungshauses und Klavierlehrer der kaiserlichen Familie, er spielte in den Hot- konzcrten, teilte sich mit Anton Rubinstein in die Leitung der Mnsikaufführungcn bei Hof und rief endlich mit Anton Rubinstein das Petersburger Konservatorium ins Leben, dessen erster Klavier­lehrer er wurde. Er betätigte sich auch als Komponist; seine OperDie erste Falte" wurde 1867 in Prag und 1883 in der Wiener Hofoper zur Aufführung gebracht. 1878 verließ er Petersburg und siedelte sich in Wien an, wo er nur noch selten auftrat und sich ganz dem Unterrichte widmete.

D i eHanfer'schen Funde". Die für unsere Kenntnis über das Alter und die biologische Einordnung des D i l u v i a l m e n s ch e n hochbedeutsamen Ergebnisse der Aus­grabungen Hausers im Aurignacgebiet, vor allem das Skelett des Homo Aurianaceusis Hanseri, konnten soeben dank einer a li ßer- 0 r d e n t l i ch e n B c w i l l i g u n g des K a i s e r s für das Ber­lin er Mufeum für Völkerkunde erworben werden. In Gelehrtcn- kreifen war die Befürchtung allgemein, daß die für die Erwerbung veranstalteten Samnrlnngcn nicht die nötige Summe ergeben und die kostbaren Funde, die zurzeit im Völkerkundemufeum ausgestellt sind, Berlin verloren gehen mürben. Jetzt hat die Zuwendung des Kaisers nun doch den Ankauf ermöglicht.

Kurze Nachrichten ans K u n st u. Wissenschaft. Wie auS Dresden gemeldet wird, ist der Dresdener Bildhauer Arnold Kramer, der-Schöpfer des Braunschweiger Eulenspiege - brnnnens, von der Stadt beauftragt worden, ein Denkmal für den Dichter Otto Ludwig zu schaffen.

hessische Zweite Kamm«.

R. B. Darmstadt, 23. Juni. (Tel.) Die 2. Kammer begann heute die Generaldebatte zum G e in e i n d c st e u e r - Ge­setz c n t w u r f.

Der Ausschußberichterstatter, Abg. Molt Han (3cntr.1, gab eine längere Darlegung des Ganges der Ausschußbcratungcn und führte dann aus, der Ausschuß habe säst einstimmig der abgc- änderten Regierungsvorlage zugestimmt. Er hoffe, daß auch die 1. Kammer den Beschlüssen bcitreten werde, sonst würde sie die Verantwortung vor dem Lande zu tragen haben. Die Landtags- Verhandlungen seien bis jetzt sehr unfruchtbar gewesen, wenn jetzt diese Vorlage zu keinem Ergebnis führe, habe man dem Volk Steine statt Brot gegeben. '

Abg. Reinhardt (natlib.) spricht die Hoffnung auf An­nahme der Vorlage aus. Die steuerliche Belastung sei in der letzten Zeit sehr gestiegen, so das; einzelne Gewerbe einschließlich der Aufwendungen für die soziale Gesetzgebung bis zu 30°0 zn bezahlen hätten. Deshalb sei eine gerechtere Verteilung der Steuer­lasten unbedingt notwendig.

Abg. Schönberger (natlib.) rechtfertigt seine Anträge, die Besteuerung nach der Leistungsfähigkeit zu bemessen.

.Tie Sitzung dauert sort.