Samstag 19. Februar 1910
Nr. 42
Zweites Blatt
160. Jahrgang
Erscheint täglich mit Ausnahme de§ Sonntags.
General-Anzeiger für Gberheffen
daß die Entwickelung der Reinüber
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von der dabei eintretcnden weiteren Unmöglichkeit, daneben auch noch die die vom Llusschuß doch ausdrücklich bezeichnete Revision der Besoldungs
erzeugen, ganz abgesehen. Schwierigkeit, wenn nicht Mittel zu beschaffen für als dringend notwendig ordnung.
Aus der Erkenntnis,
Veranlagung für 1910 gegenüber derjenigen für 1909 von nicht ganz 100 000 Mark habe ertvartct werden können;
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Die Lietzener Familienblätter" werden dem „Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Krtis Gießen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.
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Dentgegenüber verzichtet der Finanzausschuß der Ersten K a m m c r nicht nur ans jede vorausschauende Betrachtung der voraussichtlichen Finanzlage für die nächstfolgenden Jahre, er macht vielmehr sür den Ausgleich der laufenden Einnahmen und Ausgaben des Jahre» 1910 Vorschläge, die zum Teil nicht wohl vertretbar, jedenfalls aber nur zur Verminderung der Steuererhöhung für 1910 geeignet sind; ihre Befolgung in 1910 sür die Balancierung der Budgets für 1911 u. ff. vermehrte, nur durch abermalige Stcuercrhöhung zu behebende Schwierigkeiten
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Läden und das Restaurant bereits anderweit Unterkunft geichaffeit worden ist.
Wenn in dem Ausschußbericht der Zweiten Kammer dis „Gruppe der Bauten im Trinkbrunnen-Terrain" als eine „un=* vermeid!icke Folge der Entwickelung des Bades" angesehen, der Bau dieser Kolonnaden als unumgänglich erforderlich bezeichnet und die jetzige Trink- bezw. Wandelhalle „geradezu jammervoll" genannt wurde, so dürfte damit die Notwendigkeit und Dringlichkeit der Bauausführung erwiesen sein.. Die Bestimmung des Erneuerungsfonds ist mit landständischer Zustimmung sestgelegt; er stellt lediglich eine einstweilige Ansammlung der Ueberschüsse des Bades, soweit sie nicht budgetmäßig! zur Deckung laufender Staalsbedürfnisse zu dienen haben, dar mit der Aufgabe, aris seinen Beständen die Bautosteu zu verzinsest und mit den darüber hinaus verfügbaren Mitteln zu tilgen.
Die Regierung muß sonach in dem Vorschläg des Finanz-- aussckmsscs beT Ersten Kammer auf Verzicht oder Verschiebung» des Kolonnadenbaues und Verwendung der hierfür vorgesehenen Mittel des Erneucrungsfvnds für allgemeine Staatszwecke eine ernste Beeinträchtigung der Aufgaben des Bades erblicken, der- aber auch unvereinbar ist mit den zwischen Landständen und ihr sestgelegten Voraussetzungen und Grundsätzen, unter denen die seitherigen Aufwendungen für das Bad genracht wurden; es müßte namentlich aber eine solche Maßnahme als der Uebcrgang' 'n einer nicht mehr vertretbaren Finanzwirtschaft bezeichnet werden, indem durch sie Vermögensmittel und noch dazu solche, die vereinbarungsgemäß für einen bestimmten Zweck angcsammelt wurden, zur Erleichterung eines laufenden Budgets Verwendung finden sollen. Dazu kommt, daß keine Sicherung besteht, ob für dast nächste Jahr anderweite Deckungsmittel vorhanden sind für dick Lücke, die jetzt durch diese Vermögensmittcl ausgefüllt würde, und! zuletzt müsse sich bei Verschiebung des an sich erforderlichen Kolon- uadenbaues die Staatskasse in die iliotwendigkeit versetzt sehen, später diese Baukosten zur Verfügung zu stellen, ohne daß Verzinsung und Ersatz hierfür aus Mitteln von Bad Nauheim iw Anspruch genommen werden könnten.
Der hessische Anteil am lieber schuß der Eisenbahn-« g e m e i n s ck, a f t für 1909 dürfte nach den in diesen Tagen hierher! gelangten Mitteilungen den angegebenen Betrag von ,12,4 Millionen ergeben. Eine Verbesserung der Rechnung wird dadurch aber nicht erzielt, da der angegebene Betrag nur hinreicht, um die im Hauptvoranschlag vorgesehene Schuldentilgung zur kleineren? Hälfte zum Vollzug zu bringen.
Die Erhöhung des als voraussichtliche Einnahmen aus Einkommen- und Vermögens st euer für 1910 — ohne die vorgeschlagene Steuercrhöhung — vorgesehenen Betrages ist bereits in einer Sitzung des Finanzaussckunses der Zweiten Kammer angeregt worden. Die Regierung hat damals erklärt, daß sie bei Aufstellung des Budgets Berichte der Finanzämter über das voraussichtliche Ergebnis der Steuerveranlagung für 1910 cingezogen habe, nach denen nur eine Mehrcinnahme der Haupt-
sick trotzdem zur Einstellung eines Mehrbetrages von rundi 232 000 Mark entschlossen habe, so glaube sie damit das Höchste" getan zu haben, was sich bei der doch immer noch nicht seho günstigen wirtschaftlichen Lage im allgemeinen mit einer vorsichtigen Finanzgebarung in Einklang bringen lasse. Einer solchen vorsichtigen Finanzgebarung würde es indessen nicht entsprechen, wenn man nach dem Vorschläge des Finanzausschusses^ der Ersten Kammer über den Ansatz des Hauptvoranschlages hinaus eine .Mehreinnahme von etwa 500 000 Mark, also im Ganzen eine Mehreinnahme von 732 000 Mark hätte einstellen wollen. Die Steuerveranlagung für 1910 ist nunmehr dem Abschluß nahe. Dank der gewissenhaften und gründlichen Arbeit der Finanzämter und der ihnen beigegebcnen VeranlagungSkommis- sionen kann nach den bis jetzt vorliegenden Berichten angenommeätz werden, daß die Hauptveranlagung für 1910 ein Mehr an Einkommen- und Vermögenssteuer von rund 450 000 Mark bringen: wird. Da bei Aufstellung des Hauptvoranschlages nur mit einem solchen Mehr von 232 000 Mark gerechnet worden ist, und wie bemerkt, auch nur gerechnet werden konnte, würde heute nichts im Wege stehen, als Einnahme an Einkommen- und Vermögenssteuer über den Ansatz des Hauvtvoranschlags hinaus ein weiteres Mehr von runb1 200 000 Mark einzustellen.' Es ist aber
schlisse Hessens aus der Eisenbahngemeinschaft es nicht ermöglicht, dem Ausgleichsfonds dauernd die Mittel zuzusühren, die zu einer angemessenen Schuldentilgung ausreichen und zudem der Verwaltung einen festen Betrag gewährleisten, schlägt der Entwurf eines Schuldentilgungsgcfetzcs nunmehr vor, die Eisenbahncinnahmen in erster Linie zur Tilgung der bedenklich angewachscnen Staatsschuld z-u verwenden, etwaige weitere Ueberschüsse aber der Verwendung durch den Etat vorzubehalten. Der Gesetzentwurf stellt sich hiernach ebensowohl als eine folgerichtige Fortsührung der denn Gesetz über den Ausgleichsfonds zugrunde liegenden Gedanken wie als ein möglichstes Anpassen an das Vorgehen Preußens dar, welches den Zuschuß der Staatscisenbahnen für die allgemeinen Staatsausgaben erst bildet nach Abzug der Betrüge für Zinsen und Tilgung der Eisenbahnschuld und nach Dotierung des Extraordinariums mit 1,15 Prozent des statistischen Anlagekapitals der Staatseiseirbahnen, mindestens aber mit 120 Millionen Mark. Wenn Hessen davon absehen muß, einen regelmäßigen, festen Zuschuß für die allgemeinen Staatsausgaben vor- zusehen, so ist das begründet in dem Umstand, daß nach Bestreitung der darauf ruhenden Zinsen und Lasten die hessische Netloreute auf seinem Eisenbahnbesitz im Durchschnitt der ab gelaufenen 12 Jahre der Eisenbahngemeinschast nur 0,9 Prozent, die preußische dagegen rund 3,5 Prozent betrug. Eben nur weil durch das Extraordinarium der preußischen Staatseisenbahnverwaltung eine nicht unerhebliche mittelbare Schuldentilgung erfolgt, kann Preußen sich mit einer geschlichen Tilgung einer Schuld von s/s v. H. bescheiden.
Da das Expose des Finanzausschusses der Ersten Kammer „das Amortisationsgesetz bei der Lage des Landes in diesem Augenblick nickst für annehnrbar" erklärt, so erübrigt noch, zu untersuchen, ob eine Verschiebung der Schuldentilgung zweckmäßig wäre.
In dieser Hinsicht bemerken schon die Motive zu dem Gesetzentwurf, wie die Durchführung der vorgeschlagenen Maßnahmen gerade in 1910 um deswillen erleichtert wird, weil in diesem Jahre der lausenden Verwaltung erstmalig aus den Eisenbahn- überschiüssen der im Gesetz über den Ausgleichssonds vorgesehene Betrag ohnehin nicht zugeführt werden t'ann und hiernach, insoweit der Restbestand des Fonds zur Deckung nicht ausreicht, aus enteren Einnahmequellen beschafft werden muß.
Uebergehend zu den vom Ausschuß der Ersten Kämmer zum „Etat 19 10" im einzelnen gemachten Vorschlägen ist das Folgende zu bemerken:
Was den Vorschlag anlangt, die weiteren Kolonnadenbauten in Bad Nauhci m zu verschieben und die dafür zu Lasten des Erneuerungssvnds Bad Nauheim vorgesehenen Mittel zur teilweisen Deckung des Fehlbetrages 1910 hcrauzuziehen, so geht zu- nächst dieser Vorschlag oun der nicht zutreffenden Voraus, etzung aus, daß durch die Erbauung des Cafes an den Tennisplätzen, und der Läden und des Ausstellungsgebäudes an der Partstrafe, wie sie für 1909 vorgesehen ist, den Aufgaben des Bades schon genügend Rechnung getragen sei. Der letztgenannte Teil der Kolonnaden dient im wesentlichen nur als Ersatz für die früher an gleicher Stelle gestandenen alten hölzernen Kolonnaden, während der für 1910 vorgesehene Teil am Kurbrnnnen eine ganz« andere Bestimmung hat, Dämlich zunächst die, der steigenden, Bedeutung der Trinkkur für Bad Nauheim Rechnung zu tragen.
Die jetzige Anforderung stellt lediglich das Schlußglied dar ton den für die Ausgestaltung des Bades notwendigen und in der Regierungsvorlage seiner Zeit enthaltenen Neu- und Erweiterungsbauten, mit der Abweichung, daß für die früher dort vorgesehenen
vie Antwort der Linanzministerr vr. Gnamh.
In der Sitzung des Finanzausschusses der hessischen Zweiten Kammer am Freitag hat Finanzminister Dr. Gnauth die nachstehenden Ausführungen zu dem veröffentlichten Expose des Finanzausschusses der Ersten Kammer gemacht:
Der den Landständen unterm 29. November v I. vor- gelegtc Gesetzentwurf über die Tilgung der Staatsschuld und der nachfolgende Entwurf des Hauptvoranschlags für 1910 haben die zu einer nachhaltigen Gesundung der Finanzwirtschaft des Landes nach Meinung Großh. Negierung erforderlichen Maßnahmen in Einem vorgeschlagen und danach von vornherein dasjenige Maß von Steuererhöhung in Aussicht genommen, welches nötig sein würde, wenn die in Uebereinstimmung der gesetzgebenden Faktoren bis heran betätigte Lebensführung des Staates auch für die. Folge fortgesetzt werden sollte; die Großh. Regierung hat dabei die gründliche innere Ordnung der Finan; wirtschaft des Landes vorangestellt einer Aufbesserung der Bezüge der Bemalen usw., diese, vielmehr — aber auch mir diese Vorbehalten der allerseits erhofften Besserung der wirtschaftlichen Lage im allgemeinen wie der Finanzverhältnisse des Landes int besonderen; di-' Regierung war dabei von vornherein entschlossen, einen Teil der dafür demnächst erforderlichen Mittel zu beschaffen durch -Ersparnisse infolge einer Vereinfachung der Staatsverwaltung.
Der Finanzausschuß der Zweiten Kammer hat seinerseits noch stärker die Notwendigkeit einer solchen auf namhafte Ersparnisse gerichtete Reform der Staatsverwaltung bc- wnt, zugleich aber auch die Bereitwilligkeit bekundet, zu seinem Teile mitzuwn ftn bei einer gleichgerichteten Einschränkung der staatlichen Leistungen auf den verschiedensten Gebieten, wie bei einer stärkeren finanziellen Heranziehung -der Nächstbeteiligten zur Erfüllung öffentlicher Aufgaben; das Maß der für 1910 tn Aussicht genommenen Schuldentilgung wollte der Ausschuß im wesentlichen beschränken auf den für 1910 veranschlagten Eisenbahnüberschuß, dagegen abgesehen von der weiter dafür vorgeschlagenen Verwendung des Restbestandes des Ausgleichsfonds mit rund 1059 000 Mark; dieser Betrag sollte vielmehr etwa zur Hälfte, wenigstens für 1910, zur Verminderung der Steuercrhöhung, mit rund 500 000 Mark aber nach der damaligen Auffassung und vorbehaltlich der endgültigen Entschließung verwendet werden zur Gewährung von Teuerungszulagen an Beamte usw. für 1910. Ungeachtet der in der Verwendung des ersteren Betrags gelegenen Erschwerung der Balancierung des Budgets für 1911 ohne erneute Steuererhöhung bat die Großh. Regierung unterm 13. v. M. sich mit den Absichten des Ausschusses einDerftanbcn erklärt, weil sie auf der anderen Seite in der alsbaldigen Bereitstellung von 500 000 Wart für Beamte usw. Wieder eine entsprechende Erleichterung erblickt hat für Erfüllung Der auf diesem Gebiet von ihr noch zu lösenden Aufgabe.
Die „Stellungnahme des Finanzausschusses der Ersten .Kammer zum Staatsvoranschlag 1910" gilt im Gegensatz dazu in der Hauptsache der Aufgabe, die für diesen Etat vorgeschlagene Steuererhöhung möglichst zu ermäßigen, sie sieht ausdrücklich ab von einer „Beurteilung der Finanzlage" auch nur „für das Finanzjahr 1911/12" und fordert in Verbindung mit einer beschleunigten Vereinfachung der Staatsverwaltung „die dringend notwendige Revision der Befoldungsordnung". —
Angesichts der für Kenner nicht überraschenden, noch auch nur vorübergehenden ungünstigen Finanzlage des Landes wie bet Verpflichtung, dieses vor einer demnächst wiederkehrenden neuen Beunruhigung durch die Notwendigkeit weiterer Steuercrhöhung zu bewahren, sollte man sich der Aufgabe nicht entziehen, die heute erforderlichen Maßnahmen von vornherein nachhaltig und unter vorsichtiger Würdigung der irgendwie zu übersehenden Gestaltung der Zuinnft zu treuen. Auf Grund der Erfahrungen der Vergangenheit sollte nicht gerechnet werden mit steigenden Ueberfchüssen aus der Eisenbahngemeinschaft; es ist vielmehr dringend davor zu warnen, darauf vorweg die Deckung laufender Staatsaufgaben zu gründen, solche Ueber- fchüsse sollten vielmehr vorweg verwendet werden zu einer mäßigen Tilgung der derzeitigen gesamten Staatsschuld, zutreffenden Falls bis zur Höhe bei- im Gesetzentwurf angegebenen, keineswegs zu hohen Sätze.
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Greszener Stadttheater.
Salome.
Von Oskar Wilde.
Hierauf: Der schlechte Ruf von Oskar Blumenthal.
Salome, Oskar Wildes, des unglücklichen englischen Dichters tiefstes und schönstes Werk, ging gestern in einer gut durcharbeiteten, stimmungsvollen Aufführung über unsere Bühne und hatte einen, meinem Gefühl nach haupi- sächlich der Darstellung geltenden, Erfolg, wie man ihn hier nur selten gewohnt ist. Tas gewaltige, gedankenreiche Werk, das Wilde im Jahre 1893 eigens für Sarah Bernhardt geschrieben hatte, und das sowohl in England als auch in Deittschland mehrere Jahre verboten war, wird heute zu den großen Werken der Weltliteratur gerechnet und wurde in allen fünf Erdteilen mit stets wachsendem Erfolg aufgeführt.
Auf den wenigen Worten, mit denen Matthäus und Markus die Geschichte des Täufers erzählen., hat Wilde sein Drama aufgebaut, und wenn es auch wohl kaum eine Frage ist, daß die geschilderten Charaktere in Wirklichkeit weit weniger vielgestaltig waren, daß Salome ztveifellos von ihrer Mutter beraten war, als sic das Stäupt des Täufers forderte, so wird sich doch wohl kaum jemand den zwingenden Begebenheiten des Dramas entziehen können. Die Tatsachen scheiden vollkommen aus, und es bleibt lediglich zu bewundern, wie sie der Dichter verwandt hat, um ein Kunstwerk von unleugbarer Wucht zu gestalten. Mit wunderbarer Feinheit hat er es verstanden, die ungeheuere Zeit vor uns lebendig zu machen, wo eine alte, absterbende Kultur in all ihrer Irankhaften Entartung mit einer neu heraufziehenden reineren Lebensauffassung zufammentrifft und an ihr zerschellen muß. Wie hat er die von einem inneren Frieden verklärte Gestalt des Täufers in einen einheitlichen Rahmen zu spannen gewußt mit dem von ewiger Unrast und krankhafter Sinnenlust befallenen Weibe, tas in rasendem Taumel dahinbraust und an seinem eigenen Fördern zugrunde geht. Dabei ist die Sprache son einer Gedankentiefe und von einer Schönheit, die Ikellemveise an das Hohe Lied Salomonis erinnert und "ber nur die sorgsamste Beobachtung vollauf gerecht werden "lann.
Die Darstellung war unter Kurt Gühnes Leitung sowohl mnerlich wie äußerlich von einer angenehmen Einheit, die denn auch, wie schon erwähnt, einen starken unix nachhaltigen Eindruck machte. Ms Salome entwickelte ^ibhl Dane, die schon jung ft als Melide in den Strand
kindern eine sehr günstige Meinung erweckt hatte, ein reiches, bewegliches Talent, dem auch das geistige Erfassen des seltsamen Frauenwesens wie spielend gelang. Zug um Zug verfolgte sie den rätselhaften, halbkranken Charakter der Salome, ohne aber dadurch die seelische Einheit zu gefährden und schuf so ein Gesamtbild, das aller Anerkennung wert ist. Kurt Gühne wußte als Herodes die eigenartige Gestalt dieses aus Mut und Feigheit seltsam gemischten Tyrannen mit schönstem Gelingen zu verkörpern und erreichte namentlich in der zitternden Erregung bei dem Schwur eine bedeutende Höhe. Ten Jochanaan hatte Direktor Steingoetter ist letzter Stunde wegen Erkrankung F-erry Daubals übernommen und er führte die Rolle mit dem schönen, verschwebenden Pathos durch, das gerade hier so notwendig ist. Glücklich gewählt war auch bie große Gebärde, mit der Elly Gühne ihre Herodias aus- flattete, und so gelang es ihr, in den wenigen Augenblicken, wo sie der Dichter in den Vordergrund treten läßt, nachdrucksvoll hervorzutreten. Eine schöne Darstellung bot Karl Marx als Syrier. Auch die übrigen Mitwirkenden standen wacker an ihrem angewiesenen Platz, und wenn noch etwas zu erwähnen, so ift es die wahrhaft prächtige Ausstattung und die malerische Stellung der Gruppen, die zusammen ein schönes, farbenfreudiges und zauberisches Bühnenbild hervorriefen.
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Auf dieses erschütternde Werk eines genialen Dichters folgte Oskar Blumenthals leichtsinniger und geistreicher Rokokoscherz, Der schlechte Ruf, in dem der stets heitere Poet in hübschen Versen von einem Jüngling erzählt, dessen Artigkeit fein Glück bei Frauen hindert. Erst als fein alter Oheim ihm einen schlechten Ruf verschafft, wird er „interessant", aber rasch fällt die Maske und er führt die Braut heim.
Das von Direktor Steingoetter hübsch und flott geleitete Stückchen wurde nicht nur sehr schön dargestellt, sondern auch freundlich aufgenommen, und die geistreichen Scherze weckten ein lachendes Echo. Edgar Pauly war als Chevalier von Longueville ganz hervorragend, aber auch Karl Marx als tugendsamer Henri, Erna Güldener als anspruchsvolle Marquise, Franzi Koch als reizende Gräfin, Lore Scholz als „reife" Geraldine, sowie Karl Volck als Labourdonnais und Rolf Gunolt als Marquis taten ihr bestes, um dem kleinen Einfall einen großen Erfolg zu sichern. K N.
ipc. Das deutsche Plakat zur Brüsseler Weltausstellung. Die Arbeiten an den deutschen Ausstellungs-
gcbäuden schreiten rüstig vorwärts, und in den nächsten Tagest wird auch das Plakat der deutschen Abteilung der Oeffentlichkeit übergeben werden. Bei dem Wettbewerb trug der Münckmer Zeichner Holwein den Preis davon. Seine Ausftihrung zeigt; auf goldenem Grunde einen nackten Reiter auf einem schweren Brabanter Pferd. Im Hintergrrmbe erscheint der 'türncereiche Schattenriß van Brüssel.
— Die Entdeckung einer Riesenhöhle in den, Pyrenäen. Die Auffindung eines eigenartigen Naturwunders, einer gewaltigen unterirdischen Höhle, ist Lucien Rudaur in denj Pyrenäen gelungen, wie er in der „Nature" mittcilt. In dem Departement Ariöge, dessen gewaltige Erdhöhlen bereits seit langem berühmt sind, befindet sich auch dieser seltsamste untere irdische Raum, und zwar ist es der „Caugnv de les Gof--- fies" in der Mhe von Belesta auf dem Boden der GemeindN Rjeux-Foureaud. Der Zugang, der sehr schwierig und ganz ver- Weckt war, konnte nur nach mannigfachen Anstrengungen und Ge- sahrcu erreicht werden. Nachdem (Gebüsche und Steinblöcke fortgeschafft waren, bot sich aber plötzlich der Anblick eines gewaltigen Saales, mit einem wahren Chaos verschiedener (Gesteins- formen, in dem man auf zahlreich Gerippe von Tieren stieß. Dann gelangte man in einen Raum von geringerer Ausdehnung, der aber viel höher war. Wundersam war der Anblick diesen Steinmassen, als der erste Strahl des Lichts ihre mächtige?, Formen enthüllte. Riesige Spitzen ragten auf und schroffe Felsen; dazwischen lagen säulenartige Stalagmiten, wie die Trümmer eines ungeheueren, von der Natur erbauten Tempels. Die mäßige. Tiefe von 35—40 Meter, die man hinabsteigen muß. läßt sich späterhin durch eine Treppenanlage unschwer überwinden. Demk Reisenden, der die iy2 stündige Wanderung von Belesta unternimmt, wird sich dann ein Anblick barbieten, dessen Größe, Eigenart und Phantastik schwerlich von einer anderen Tropfsteiw.. höhle übertroffen werden.
lieber die Friedrich A1 t ho f f-S t i f t u n g berichtet Geh. Oberregierungsrat Albert Tilmann in 'der Internationalen Wochensckwift. Die Stiftung, die von Althofs mit Hilfe seines Freundes v. Böttinger ins Leben, gerufen wurde, will bedürftige Angehörige und HinterbliebenQ von Professoren, wissenschaftliche Staatsbeamten und Oberlehrenr unterstützen Die Stiftung besitzt bereits 1327 Mitglieder; das Vermögen beträgt-' 145 000 Mk. Bisher wurden an Unterstützungen; 9200 Mk. bez .r hlt, die sich auf 30 Personen verteilen.
— Kleine Chronik aus Kunst und Wissenschaft. In Frank»»,rt a. M. bildete sich ein .Verband Deutscher Occhester- uud Ebor-Letter," dem bereits eine große Anzahl der befanuteften und nambafiefteu Tirigenieir beitraten. — Em interessanter Fund ist, nach der „Magdeb. Ztg." bei Peggau (Steiermark» gemacht' ivorden. Dort wurde eine schnttbedeckte Grotte ausgedeckt, in der 57 Skelette von vorgeschichtlichen Zivergmenschen von 1,3 Metern Große gesimdeu wurden. — Der Heidelberger Germanist, Geh. Holrat Prok. Dr. Wilhelm Braune begeht am 2'». Februar seinen 60. Geburtstag. Er lehrte früher in Leipzig und Gießen (1887—88).


