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21.10.1910 Erstes Blatt
 
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Erstes Blatt

160, Jahrgang

Freitag 21. Oktober 1910

Q Bezugspreis.

monatlich 75 Pf., viertel­jährlich Dtt. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Mk. 2.viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15Pft auswärts 20 Pfennig. Chefredakteur: A Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil: August Goetz; fürFeuille­ton" undVermischtes" K. Neurath; fürStadt u. Land" undGerichts-

Nr.»«

Der Siebener Anzeiger erscheint täglich, außer ßonnlagS. - Beilagen: Viermal wöchentlich -iehenerZamiltrndlätter; zweimal wöchentl.llreir- hlattfürdenllreir Stehen ^Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Land' vtrtschaftliche Scitfragea Fernsprech - Anschlüsse: für die Redaktion 112, . _

MN Seneral-Anzeiger für Sberheffen

H'nmuagTe'iibL Rotaffottsöni» «nd Verlag dervrühl'schr« Univ.-Vuch- und Steindruckerei n. Lange. Redaktion, Expedition und vruckerek: Schulstratzt 7.

Die heutige Nummer umfa&t 12 Seiten.

Vie religiöse Aunst in Zrantreich.

O Paris, 20. Dtt

Den Bankerott der religiösen Kunst bejammert Frantz Jourdain inLa Revue" in beweglichen Ausdrücken, indem er nachweist, daß auf allen Gebieten, der Archi­tektur, der Malerei, der Bildhauerkunst und der Orna- menttk das schändlichste Banausentum die Idee und die Eingebung verdrängt bat. Der Pedant hat den Poeten verjagt, der Schulmeister den Künstler ersetzt. Die neuen Kirchen seien durchwegs ungeschickte, aber umso anspruchs­vollere Kopien ohne Charakter und ohne Interesse. Wenn wenigstens die Nachahmer noch die Illusion der Wahrheit zu geben vermöchten, wie gewisse Theaterdekorationen, und vor dem Vorübergehenden die Erinnerung an den ehe­maligen Glanz wachriefen. Aber leider können diese lang­weiligen und düsteren Fassaden niemanden täuschen. Es sind grob ausgeführte Abzüge, denen Gefühl, Farbe und die Seele einer Epoche fehlen; sie stellen die Karikatur der Anttke, der romanischen, der gotischen und der Renaissance-Kunst dar, aber nichts anderes. Noch schlirn-

poltttfäic Sagcsfcbau*

Zu den sächsischen Landtagswahlen

wird der Natl. Korr. geschrieben:

Tas Ergebnis der Landtagswahl in Sachsen wird in ,der Presse lebhaft fommentiert. Die ,,Kreu z-Zt g." führt die Nie­derlage der Konservativen in LeipzigStadt auf reformmirix Quer­treibereien zurück. Anhänger oder Kenner der Leipziger Ver^lt- nisse sind im Gegenteil der Ansicht, daß ohne die reformerische Kandidatur die Niederlage der Konservativen noch eine größere gewesen wäre. Die Ansicht, daß namentlich diejenigen Kreise von Bildung und Besitz, welche bisher zur konservativen Partei in Sachsen rechneten, sich durch die Kampsesweife der konservativen Agitatoren abgestoßen gefühlt hätten, wird auch dadurch bestätigt, daß bei den Konservativen von den 2324 Stimmen, die sie ver­loren haben, 1600 auf dieVierstimmler" entfallen."

DieLei p z. N e u e st. N a ch r." sprechen von einem beispiellosen Siege, den die nationalliberale Partei in Leipzig errungen hätte, während die sozialdemokratische Dresd. Volks-Ztg." resigniert schreibt, daß die Wahl wider alles Erwarten ungünstig für die Sozialdemokratie verlaufen wäre und die empfindlichen Stimmenverluste in beiden Wahlkreisen, in Leipzig und in Plauen-Land, umso.

wer ist es mit den kirchlichen Gemälden bestellt. Die Banalität der Kreuzigungen, die Blödheit der Grab­legungen, die theatralische Reklamesucht der Abendmahle, die vulgäre Gedunsenheit der mystischen Symbole widere alljährlich in den Salons jeden Kunstfreund an. tleberall triumphiert in Städten wie in Dörfern das abscheuliche Chromo in schreienden Goldrahmen, die den Ernst der durck) die Jahrhunderte gedunkelten Steine schänden.

Aber das Maximum der Häßlichkeit erreichen die religiösen Bildhauerwerke. Der Triumph des Quartier Sulpice hat jede Kunstanwandlung zer­schmettert. Das ist die Prostituierung der Kunst ohne jede Milderung und ohne jede Entschuldigung. Die Hei- lißen sind an^emalt wie Götzenbilder der Feuerländer, die Köpfe der Heiligen scheinen verblödeten Friseuren Aachgcbildet. Man sehe sich nur die heiligen Jungfrauen mit Karminlippen, die Heilands mit geschminkten Wangen,

Hemden, die Gottvater-Statuen mit falschen Bärten, die Johannes mit zweideutigen Gebärden an! Diese gottlosen Puppen figurieren in den ehrwürdigen Kathedralen neben den wunderbaren Steinbildern, die die extasische Ruhe mit gewaltigster Eindringlichkeit darstellen, stören das Gebet der naiven Gläubigen und verhöhnen frech das Erhabenste, was in der Menschenbrust aufkeimt. Aber niemand hat noch die Sttmme gegen diese Entweihungen erhoben, die in der Ornamentik ebenso beleidigend sind, wie in der Architektur, in der Malerei und in der Skulptur.Alle herrlichen mit liebevollem Eingehen zur Vollendung der allgemeinen Harmonie hergestellten Wunder, die die Kirchen füllten, sind zerbrochen und verkauft worden. Jetzt sttahlt das Auer-Glühlicht in Schalen aus gestanztem Gußeisen, Kronleuchter von Tingeltangels- sind an den Bogen aus­gehängt, Reliquienschreine aus gegossenem Kupfer sind in die Kirchenschätze eingedrungen. Heilige Gefäße, die auf den Weltausstellungen prämiiert wurden, haben die Kelä>e und Becher verjagt, die in selbstlosem Gebete erdacht und ausgeführt wurden. Kurz, überall herrscht tyrannisch Trö­delware in dem geschändeten Heiligtum. Und mitten in dieser scheußlichen Orgie jtimmen Kapellmeister die Violinen, an Festtagen, wie bei reichen Hochzeiten und sensationellen Beerdigungen hören die Gläubigen die verblüffendsten mon­dänen Konzerte..... Und das alles ist die Schuld der

Gläubigen selbst, der vornehmen Gläubigen. Sie bekunden einen unsühnbaren Haß für ihre Glaubensgenossen, ihre Parteigänger und ihre Waffenbrüder, wenn sich diese die ge­ringste Originalität, sei es in der Architektur, sei es in der Malerei, in der Skulptur, in der Ltteratur oder in der

Musik herausnehmen. Alles, was in Frankreich noch einen Sinn für die religiöse Kunst hat, wird von ihnen verächt­lich beiseite gelassen. Für die Ausschmückung dieses Hohns, auf die Architektur, der Sacrs-Coeur-Kirche, der nur eine Papierrose fehlt, um einem Kuchen zu gleichen, ist keiner der berufenen Künstler, kein Puvis de Chavannes, kein Carriöre, kein Bosnard, kein Maurice Donis berufen wor- .7-.......-----öv,u;........... ben. Nur Banausen wurden für würdig befunden, ihre

ine Märtyrer mit Schnrerbäuchen, die Engel in Nacht-j jämmerliche Kunstfertig kett dort leuchten zu lassen. Wenn

Unterredung mit dem Ministerpräsidenten Canalejas, der u. a. sagte: Die Verhandlungen dauern fort. El Mokri legt sogar Wert darauf, daß sie noch vor Abschluß dieses Monats beendigt seien, da er bald nach Marokko zurückkehren möchte. Die Ver­handlungen nehmen einen langsamen Verlauf, weil die marokka­nische Diplomatie niemals große Eile habe. Wir sind im Be­griffe die von El Mokri mündlich gemachten Zugeständnisse in einem Protokoll schriftlich niederlegen, und die Vertreter Spa­niens und Marokkos wollen in drei bis vier Sagen zusammen­treten, um dieses Protokoll zu unterzeichnen. Offenbar hat die­ser Beschluß das falsche Gerücht hervorgerufen, daß die Ver­handlungen abgebrochen seien. Ich glaube, daß die Verhand­lungen ohne Schwierigkeiten ihren Fortgang nehmen werden. Ich selbst werde in dem gegebenen Augenblick in den Kortes meine Ansicht über die marokkanische Frage darlegen.

Madrid, 20. Oft In einem Interview über die Meldungen auswärttger Blätter, betteffend die Verhand­lungen mit El Mokri, erklärte derMinisterpräsident : Tie Verhandlungen betreffen tatsächlich die Entschädi­gungen, auf die Spanien ein Recht habe. Aber weder England, noch irgend eine andere Macht habe inter­veniert, selbst nicht, um freundschaftliche Ratschläge für eine Lösung zu'geben, durch die diese Frage entgültig ent­schieden werden solle.

Trotz der Erklärungen des Ministerpräsidenten Cana- lejas wird in einer anscheinend amtlichen Mitteilung meh­rerer Pariser Blätter die Behauptung aufrecht erhalten, daß die spanische Regierung den Magysen mit einer mili- tärische n Expedition bedrohe, falls er ihre For­derungen, insbesondere die Kriegsentschädigung, nicht bewilligen sollte.

TerS,öcle" schreibt: Da Marokko außer stände ist, diese übrigens ungerechtfertigte Entschädigung zu bezahlen und da die Forderungen Spaniens mit den Rechten der fremden Mächte unvereinbar sind, so ist die Lage recht ernst.

DasJouimal des Döbats" spricht die Hoffnung aus, die spanische Regierung werde es zu Wege bringen, den un­besonnenen Eifer ihrerMarokkaner" zu dämpfen, wie dies seinerzeit den französischen Ministern Briand und Pichon beiihren Marokkanern" gelungen sei. DerEclair" fragt:

Wird die spanische Monarchie aus Furcht vor einer an­steckenden Wirkung der Lissaboner Revolution auf die republikanische Propaganda in Spanien etwa in Afrika eine Ableitung und eine Rettung fu.d>en wollen? Hoffen wir, daß die Vorstellungen des französischen Botschafters in Madrid Geofftay noch rechtzeitig genug erfolgen, um die kriegerischen Rat­geber des Königs Alfonso an einem neuen marokkanischen Aben­teuer zu verhindern.

Persiens Antwort auf Englands Drohung.

Es heißt, Persien wolle in einer Antwort auf die eng­lische Drohnote die Unordnung im Lande auf die noch immer bestehende Anwesenheit ft em der Truppen zurück- fihren. Die Gründe, die man in Teheran anführen will, sind, wenn sie England gegenüber wirklich geltend ge­macht werden sollten, sicherlich durchschlagend, und Eng­land wird, wenn es seine Drohung wahr machen sollte^ lediglich das Faustrecht auf seiner Seite haben:

Teheran, 20. Oft. Die persische Regierung sandte bisher keine Antwort auf die britische Note ab. Aus guter Quelle wird über den Inhalt der Antwortnote, die wahrscheinlich morgen oder am Samstag überreicht werden wird, folgendes berichtet: Tie persische Negierung führt die Unord­nung im Lande Hauptsackstich auf die Anwesenheit frem­der Truppen zurück; sie habe die unbeabsichtigte Wirkung, daß sie die Reaktionäre zu falschen Hoffnungen auf eine Wieder­einsetzung des früheren Schahs ermutige. Die Re­gierung begründet die Unordnungen ferner mit der Tatsackie, daß die bishyägen Versuche, Geld a u f z u n e h m e n , sich als erfolg­los erwiesen haben. Infolgedessen sei im Auslande die Ansicht verbreitet, daß es der persischen Regierung an pekuniären Hilfs­quellen ermangele. Tie Bemühung, ein englisclr-russifches Dar­lehen zu erhalten, sei fehlgeschlagen, weil die damit verbundenen volitischen Bedingungen unannehmbar gewesen feien; Auch der Versuch, von einem Finan-syndikat Geld zu erhalten, sei wegen anderer, hauptsächlich ebenfalls politischer Gründe er­folglos geblieben. Tie Note bezieht sich ferner auf die Verhand­lungen, die mit einem Londoner Hause stattfinden. Man beabsichtige, den größeren Teil der durck) diese geplante Trans­aktion erlangten Gelder auf die Wiederherstellung der Ordnung zu verwenden und hoffe, daß die britische Regierung diese Ver­handlungen günstig aufnehmen werde. DerwichtigftePunkt der Antwortnote ist das Ansuchen an die britische Re­gierung um Zustimmung zu einer Erhöhung der Zölle um zehn Prozent. Werde diese Zustimmung gegeben, so werde die persische Regierung die Verpflichtung übernehmen, den Ueber- fchuß zur Wiederherstellung der Ordnung zu verwenden.

Tie englische Note ist noch nicht allgemein bekannt. De^ Blättern zufolge ist das Kabinett gestern abend und heute abend zu einer Beratung über die Antwott auf die englische Note zusammengetreten. Es wird erklätt, die Schwierigkeit der per­sischen Regierung, die Ordnung auftecht zu erhalten, sei rein pekuniärer Att. Wenn die augenblicklich im Gange befindlichen Lerhandlungen, in London eine Anleihe aufzunehmen, erfolgreich« sind, werde die persische Regierung Sckiritte tun formen, die jene in der britischen Note erwähnten, energischen Maßregeln unnötig machen würden. Es wird weiter erklätt, der Fortschritt der Anleiheverhandlungen sei abhängig von der Haltung Englands und Rußlands.

Tie türkische Regierung sandte nach Kermanschah und Sujoulak Konsularwachen ab, obwohl es bisher als Vor­recht Englands und Rußlands bettachtet wurde, solche Wachen zu halten.

(Ein neues spanisches Abenteuer in Marotta.

Die Staatsmänner in Madrid führen eben mit den marokkanischen Bevollmächtigten einen heißen Kampf um die Entschädigungen für das letzte kriegerische Vorgehen und die damit verknüpften Kosten. Da die Marokkaner anscheinend nicht schnell und tief genug in den Beutel greifen wollen, will man es in Madrid offenbar nach dem Muster der letzten englischen Drohnote an Persien mit einer gewaltsamen Einschüchterung versuchen. Das be­schäftigt jetzt vorwiegend die öffentliche Meinung Frank­reichs:

Paris, 20. Okt. lieber die spanisch-marokkanischen Ver­handlungen hatte der Madrider Korrespondtt desMatin" eine

mehr wogen, weil eine regere Agitation als bei den Haupt­wahlen entfaltet worden wäre. Der Wahlausfall zeige, daß die Mitläufer von 1909 die Sozialdemo­kratie zum Teil wieder verlassen hätten. Wenn wir dieser Selbsterkenntnis der Sozialdemokratie hinzu- fügen, daß der größte Stimmenrückgang für die Sozialdemo­kratie sich gerade bei denEin st i m m en", d. h. bei den Arbeitern und Leuten mit geringem Einkommen gezeigt hat, wo die Sozialdemokratie 325 Stimmen verlor, so ist dieses die beste Illustration dazu, daß die Fluten der Sozial­demokratie sich zu verlaufen beginnen. Sollte etwa ver­sucht werden, den Ausgang lediglich auf das plurale Wahlrecht zu schieben, so mag darauf hingewiesen wer­den, daß bei Abzug der Pluralstimm en unb ausschließlichen Berechnung der Grundstimmen sich für den nationcklliberalen Kandidaten 325 Wähler mehr erklärten, während die Konser­vativen 665 Wähler und die Sozialdemokratie 625 Wähler verloren.

Der Ausstand in Bremen.

Bremen, 20. Okt. In einer heute morgen ab-- gehaltenen Versammlung der Straßenbahn-An­gestellten wurde einstimmig beschlossen, jede wettere Verhandlung mit der Aufsichtsbehörde abzu­lehnen. Damit sind die Einigungsverhandlungen ent* gültiggescheitert.

Ans Liefen.

Parlamentarisches aus Hessen. Der Sonder­ausschuß zur Prüfung der Wahlrechtsvorlage der Ersten Kammer wird am Freitag und Samstag, dem 28. und 29. Oktober, zusammentreten, um über das Wahlgesetz und die verschiedenen Vorschläge zur Wahlkreisein­teilung sein Votum abzugeben. Geh. Justizrat Dr. Schmitt wird über die beiden Vorlagen berichten, r Das Plenum der Zweiten Kammer wird voraussichtlich in der zweiten Hälfte des November zusammentreten. Wie Kammer­präsident Haas weiter den Abgeordneten initteilt, wird der Sonderausschuß zur Beratung der Städte- und Land­gemeinde-Ordnung zusammentreten und die Vorlage enb» gültig abschliehen, damit sie dem Plenum vorgelegt werden kann.

Deutsches Ncich.

In der letzten Sitzung des Bundesrats wurde bet Entwurf eines Gesetzes betreffend die durch die neue Sttaft Prozeßordnung veranlaßten Aenderungen des @>e< richtskostengefetzes angenommen.

Die Freisinnigen des Wahlkreises Siegen- Wittgenstein-Biedenkops haben für die nächst* jährige Reichstagswahl Prof. Schloßmacher aus Düsseldorf aufgestellt. Der Kandidat bei der vorigen Reichs­tagswahl Redakteur Musch ke lehnte die ihm abermals angetragene Kandidatur ab, da er, wie es heißt, im Wahl­kreise Waldeck-Pyrmont ausgestellt werden soll.

. Die Werkstättenarbeiter der Hamburg-Amerika- Linie beschlossen, nachdem eine Einigung erzielt wurde, am Montag die Arbeit wieder aufzunehmen.

Ausland.

Seitdem der schweizerische Nation al rat auf Grund eines Initiativantrags am 14. April d. I. mit 100 gegen 45 Stimmen beschlossen hatte, dem schweizettschen Volk die Frage der Einführung der Verhältniswahl für den Nationalrat als Referendum zu unterbreiten, gleichzeitig aber ihre Verwerfung zu empfehlen, herrscht

man sieht, was die edlen Führer des Chttstanismus in der Literatur empfehlen, kann man sich allerdings über diese Verhöhnungen der wahren Kunst nicht Wetter wundern."

Wie Daudet in den Ruhm hineinkanzte. Vor kurzem berichtete man, daß die Stadt Tarasaon Alphonse Daudet dem Begründer ihres Ruhmes, aus Daukbattett ein Denkmal setzen rvolle. Man darf aber darum nicht glauben, daß Daudet seinen eigenen Ruhm der drolligen Schilderung Iber Abenteuer des großen Tattarin zu verdanken hatte. Als die tointbcrfame Ge- schichte im Jahre 1872 im Feuilleton einer gelesenen Zeitung erschien, erregte sie bei den Romairlesern mehr Aerger als Be­wunderung. Die Leser wußten nicht, was sie mit dieser neuartigen Literatur anfangen sollten, und glaubten, daß «der Dichter sich über fte lustig mache. Im Jahre 1880 erst wurdeTartarin" ver­schlungen, besprochen, bewundett. Das Buch, das Daudets Glück machte und ihm einen Scheffel Gold ins Haus brachte, war nicht der Held von Trascon, sondern der Sitteirrrmurn Fromont jeune et Risler ain6", der später von den ,Unsterb­lichen" mit einem Preise bedacht wurde. Dieses Buch war schon seit einem Monat im Buchhandel zu haben, als eines Tages der Verleger Charpentier den Dichter zum Essen einlud Nach dem Mahle nahette sich der Gastgeber seinem Gaste und flüstette ihm ms Ohr:Vergessen Sie nicht zur 'Kasse zu gehen und sich Ihr Geld auszahlen zu lassen . . ." Und Daudet bekam an diesem Tage bte ersten Rollen Gold Ifür seine Arbeit. Soviel Geld hatte er noch nie beisammen gesehen; wie ein Wahnsiw- niger stürzte er aus dem Hause, sprang in einen Wagen, nahm, vor seinem Hause angekommen, vier Treppenstufen auf einmal, war mit einem Satze in dem Zimmer, in dem ihn seine Gattin erwattete, warf das Geld auf den Tisch, daß die Goldstücke auf den Fuß­boden rollten, und begann einen seltsamen Tanz zu tanzen, den ferne Freunde später denFromont-Risler-Pas" nannten. Alphonse Daudet ist also mit Tanzschritten in die Domäne Ruhmes und des Reichtums eingedrungen.

Kurze Nachrichten aus Kunst u. Wissenschaft. Am 22. und 23. Oktober 1910 findet in Dresden die XVI. Versammlung mitteldeutscher Psychiater und Neurologen statt.