Ausgabe 
18.11.1910 Zweites Blatt
 
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anbelange, so sei er zur Stellung einer Kaution in Höhe von 3000 Mark bereit.

Staatsanwalt S c l z n er ist damit einverstanden, wenn außer den von ihm beantragten Haftentlassungen auch der Angeklagte Littmeüi entlassen wird, da er durch den Verteidiger gehört habe, daß die Frau des Angeklagten in den nächsten Tagen Familien­zuwachs erwarte. Im übrigen müsse darauf hingewiesen werden, daß die Staatsanwaltschaft i n m e h r als 2 00 l -- len das Verfahren überhaupt eingestellt habe. In allen übrigen Fallen müsse der Haftbefehl aufrechtcrhaltcn werden.

Tas Gericht beschließt nach längerer Beratung, die Angeklagten Eisenreich, Miersch und Liewicki aus der Untersuchungshaft zu entlassen. Die Haftbefehle gegen die übrigen Angeklagten werden aufrecht erhalten, weil die Gründe, die zu ihrer Inhaftierung führten, noch heute maßgebend sind.

Um Vs4 Uhr werden die weiteren Verhandlungen auf morgen vertagt.

Stadt rind Land.

Gießen, 18. November 1910.

** Ordensangelegenheiten. Der Groß Herzog hat den nachbenamrten Personen die Erlaubnis zur An­nahme und zum Tragen der ihnen von dem Kaiser von 'Rußland verliehenen Ordensauszeichnungen erteilt: des Weißen Adlerordens: dem Staatsminister, Minister des Großherzoglichen Hauses und des Aeußerst und Minister der Justiz Dr. Karl Ewald; des St. Annenordens erster Klasse: dem Finanzminister Dr. Dr.-Jng. Ernst Braun und dem Minister des Innern Friedr. von H o nr b e r g k zu Bach: des St. Stanislausordens 2. Klasse: dem Ministerialsekretär Legatronsrat Dr. Wilh. Neidhart; des St. Stanislausordens 3. Klasse: dem Regierungsassessor Dr. Gust. Heß und dem Ministerial-Kanzleiinspettor Aug. Winkler; der kleinen goldenen Verdienstmedaille am Bande des St. .Annenordens: dem Ministerialkanzlisten Karl Kling, der großen fifbcrnen Medaille am St. Wladi­mir-Ordensband e dem Leibkutscher Karl Schneider und dem Leibfahrer Gg. L a u n; der kleinen goldenen Medaille am St. Annen-Ordensbande den Hofkutschern Joh. Weiß- gerb er und Hch. Zulauf sowie dem Hofwagenwärter Ludw. Metzger; der kleinen silbernen Medaille am St. Stanislaus-Ordensbande dem Hofcutscher Joh. Traut- mann sowie den Hofstallbeiknechten Hch. Bauer und Bal. Pfeiffer. Der Kaiser hat dem Stationsleiter bet dem Gouvernement von Togo, Großh. Hessischen Pro­fessor Adam Mi schlich, die Erlaubnis zur Anlegung des ihm vom König von Sachsen verliehenen sttttterkreuzes erster Klasse des Albrechtsordens erteilt.

** Zu Forstassessoren wurden ernannt die Forst­referendare Hch. Gärtner aus Offenbach a. M., Eber­hard Metzger aus Gießen, Gg. Olbert aus Darmstadt, Ernst Ruckelshausen aus Ehringshausen und Friedr. .Schwalb aus Büdingen.

** Zur Stadtverordnetenwahl schreibt man uns: Der Stadtverordnete Helm war von dem Vorstand des Vereins der Fortschrittlichen Volkspartei der Haupt­versammlung als Kanoidat zur Wiederwahl vorgeschlagen worden, aber in der geheimen Abstimmung einem anderen Kandidaten um wenige Stimmen unterlegen. Nachdem Landgerichtsrat Holzapfel eine etwaige Wahl abgelehnt hat, tritt nunmehr Herr Helm als Inhaber der nächst­höchsten Stimmenzahl an seine Stelle und wird auf dem Zettel der Fortschrittlichen Volkspartei der Wählerschaft vorgeschlagen werden.

** Das Gastspiel der französischen Gesell­schaft Roubaud, .die hier seit Jahren ein .gern gesehener Gast ist, entfesselte auch gestern abend wieder die Begeisterung namentlich der Jugend, die sich in ziemlicher Stärke ein- gefunden hatte. ImBürger als Edelmann" erzielten die Herren, rit denVerschrobenen Frauenzimmern" die Damen den nach­haltigsten Erfolg. Die Herren D u p a r c (Jourdain), R. Da- morös (Musiklehrer), Guiree (Covielle), Lame (Philosoph), .Dlrrand (Tanzlehrer), ebenso ipie Marthe Gravil, lauter alte Bekannte, spielten wie auch die Herren C u n y ((Monte), M o r e l i e (Dorante) und die Damen G l i n e u r (Frau Jour-

Arbeiter beschäftigt, darunter 5442 männliche und 14 466 weib- -Arbeiter; das Zahlenverhältnis der beiden Geschlechter ist bis heute ungefähr das gleiche geblieben. Diese 19 908 Arbeiter 'lieferten 22 226 289 Gros Zündhölzer im Werte von 6 445 164 Den. 1903 betrug die Zahl der Arbeiter 20 886> die Menge der gelieferten Streichhölzer 32 392 739 Gros, ihr Wert 9 872 591 Den. Im Jahre 1907 wurden 23 715 Arbeiter beschäftigt, die eine Menge von 57 125 761 Gros im Werte von 15 078 132 Den JcrtigfteUten. Während also die Zahl der Arbeiter von 1898 bis '1907 sich um weniger als den fünften Teil hob, vermehrte sich die Leistung auf mehr als das 2V2 fache, und ebenso stieg der Wert der fertiggestellten Zündhölzer auf etwa den 2Vs fachen Betrag.

Eine ähnliche Steigerung der Produktivität der Arbeit werden sich die japanischen Zündholzfabriken auch jetzt für die Zukunft als Ziel setzen müssen, denn sie roerben nun noch von einer neuen Seite her bedroht: von Indien aus. Die Ausfuhr japa­nischer Zündhölzer dorthin hat sich allerdings in den letzten Jahren ungefähr auf der gleichen Höhe gehalten, sie betrug in indischer Währung im Jahre 1903/04 ebenso wie im Jahre 1907/08 etwa 2 400 000 Rs. In derselben Zeit aber ist die Einfuhr schwe- t sicher Zündhölzer nach Indien von 646 854 Rs. auf 1 976 575 Rs. ewachsen, also auf mehr als das dreifache! Die englische Einfuhr trat dagegen völlig zurück: sie betrug im Jahre 1903/04 314 470 Rs., im Jahre 1907/08 dagegen nur noch 204 005 Ms. Einstweilen ist also die Ausfuhr japanischer Streichhölzer (zu denen übrigens in diesem Falle von der indischen Statistik auch die Ein­fuhr aus den Strafts Settlements hinzugerechnet wird) noch etwa den 5. Teil größer als die aus Schweden. Macht der schwedische Wettbewerb indessen auch nur annähernd dieselben Fortschritte wie in den letzten Jahren, so würde das japanische Streichholz- gewerbe schon dadurch den indischen Markt zu verlieren in Gefahr fein. Nun kommt aber noch hinzu, daß die indische Regierung bestrebt ist, Streichholzfabriken im eigenen Lande zu fördern. Namentlich setzt man große Hoffnungen auf die Begründung einer mit den neuesten Maschinen ausgestatteten Fabrik, die im Pendschab von einem Berliner, Herrn A. Roller, errichtet werden soll. Sie ist das Eigentum einer Aktiengesellschaft mit einem Kapital von 170 000 Rs. und wird alle die Fehler zu vermeiden suchen, die es bisher mit nur ganz wenigen (8 oder 10) Ausnahmen den Streichholzfabriken in Indien unmöglich gemacht haben, mit dem ausländischen Wettbewerb zu konkurrieren. Meist hatte man sie an ungünstigen Stellen angelegt oder hatte nicht die nötigen Sachverständigen.

da in) und Suzanne Gravil (Torirnene) mit gutem HumvVund glänzender Charakteristik. Das Zusammenspiel war^wie bei einer Sondergesellschaft nicht anders zu erwarten ist, genau abgestimmt und tadellos eingerichtet. Das folgende Stückchen von denGe­zierten" wurde ebenfalls sehr ansprechend wiedergegeben, aber die Att, wie der Schluß gekürzt worden war, mußte verblüffen. Was Moliöre genau begründet hat, sollte Roubaud nicht un­begründet lassen: La Grange und Tu Croisy verschwinden doch nur, um drei oder vier Raufbolde (spadassins) zu holen und nicht wie die Regie vermuten ließ, ohne jeden Grund. Was wir im übrigen über den Stil der französischen Aufführung zu sagen haben, das wurde schon im vergangenen Jahre gesagt.ti.

* Eine Neuerung im Schulbetriebe wird durch einen Erlaß des preußischen KultuZmin i steriu mS an­geordnet. Es sollen nämlich künftig in allen Schulen an den Tagen, an denen Turnunterricht oder Turnspiele nicht statt­finden, 510 Minuten lang Hebungen vorgenommen werden, die geeignet sind, den nachteiligen Folgen des an­haltenden Sitzens der Schüler und Schülerinnen nach Mög­lichkeit vorzubeugen. Sie sollen die Atmung vertiefen, die Verdauung und den Blutumlauf beleben, die Haltung ver­bessern usw. Die Uebungen sind im Freien vorzimehmen und dürfen nicht in die Pausen gelegt werden, gehen vielmehr zeitlich auf Kosten der anderen Stunden. In einzelnen An­stalten aller Schulaaltungen ist die Einrichtung bereits erprobt und zwar mit einem Erfolge, der die allgemeine Einführung rechtfertigt.

Kreis Lauterbach.

^Lauterbach, 17. Nov. Für die ausscheidende Hälfte der Mitglieder des Kreistags des Kreises Lauterbach sanden in der Zeit vom 10. bis 17. d. Nits, die Ergänzungswahlen durch die Bevollmächtigten der Gemeindevorstände statt. Es wurden gewählt: für den 1. Wahlbezirk Lauterbach Bürgermeister Weller, Maar; für den 4. Wahlbezirk Stockhausen Bürgermeister Eichen­auer, Stockhausen; für den 6. Wahlbezirk Grebenhain Bürgermeister Ganß, Crainfeld; für den 8. Wahlbezirk Schlitz Bürgermeister Zinßer, Schlitz; für den 11. Wahl­bezirk Qu eck Bürgermeister Heil, Queck. Für die ver­storbenen Mitglieder Bürgermeister Schmalbach, Crainfeld, und Bürgermeister Schrimpf, Schlechtenwegen, wurden Bürger­meister Ganß, Crainfeld, und Bürgermeister Eichenauer, Stockhausen neu gewählt, während die übrigen Mitglieder dem Kreistag schon seither angehörten. Tie Ergänzungs­wahlen der von den 5 0 ch st b est euerten des Kreises zu wählenden Kreistagsabgeordneten findet am 23. d. Alts, statt. Es scheiden aus Rittmeister Baron Hans Niedescl und Kaufmann Louis Möller von Lauterbach. Ter Enkel des Backhaus'jchen Ehepaares hier, der 17jährige Gymnasiast Voigt aus Fulda, der vor einigen Wochen den Raubmord- versiich verübt hat, ist, wie man von glaubhafter Seite er­fährt, auf dem Wege nach Amerika verhaftet worden. Der Dampfer ,George Washington" des Norddeutschen Lloyd soll ihn an Bord gehabt und in Cherbourg ausgesetzt haben, damit er nach Deutschland zurückgebracht werde. Da über den eigentlichen Vorgang bei der Tat verschiedene Ansichten herrschen, ist es nur zu begrüßen, daß der Täter dingfest ge­macht werden konnte, um nähere Aufklärung über den Vor­fall zu bekommen.

n. Schlitz, 17. Nov. Der hier am Mittwoch ab­gehaltene sogen.Kalte Markt" erfreute sich dank der günstigen Wttterung eines zahlreichen Besuches. Zwischen den Berkaussständen drängten sich in den Nachmittags­stunden tzcharen von Marktbesuchevn, namentlich viele SchlitzerländerMäderchen" in ihrer kleidsamen bunten Nationaltracht und junge Burschen in ihrem blauen Wams, der mit großen weißen Knöpfen verziert ist. Auch der am gleichen Tage stattfindende preußische Buß- und Bet­tag hatte viele Gäste aus den preußischen Orten her- gejührt, vor allem aus Salzschlirf und Fulda.

Die indische Regierung hat soeben eine ausführliche Untersuchung veröffentlicht, die von Mr. R. S. Troup, einem Beamten der Forstverwaltung von Indien, zusammengestellt worden ist. Troup schätzt, daß die gegenwärtige Nachfrage nach Zündhölzern in Indien mehr als 50 ziemlich großen Streichholz­fabriken neben den wenigen schon bestehenden Beschäftigung geben könnte ja er spricht sogar die Hoffnung aus, daß der ziemlich ausgedehnte Zündholzhandel im Persischen Golf, der bisher in den Händen der Schweden lag, von Indien erobert werden könne. Jirdien besitzt seiner Ansicht nach verschiedene natürliche Vorteile für die Streichholzfabrikation: vor allem reich­liche Mengen von Holz, billige Arbeitskräfte, billigen Wasser­transport usw. Besonders macht er darauf aufmerksam, daß sehr viel minderwertiges Holz vorhanden sei, das für andere Zwecke ungeeignet ist, sich aber für die Zündholzfabrikation sehr gut eignet Auch könne das Holz ganz frisch zu Streichhölzern ver­arbeitet werden, was von großer Bedeutung sei, da eine längere Lagerung gerade in Indien die Gefahr mit sich bringen würde, daß die Holzlager durch Insekten zerstört oder doch unbrauchbar gemacht würden. Auf der anderen Seite hebt Troup auch die Schwierigkeiten hervor, die sich der Streichholzsabrikation in Indien entgegenstellen werden. Chemikalien sind dort teurer als in Europa. Das feuchte Klima gewisser Teile des Landes (namentlich auch in Birma, wo riesenhafte Waldungen wachsen) würde kein kleiner Hinderungsgrund sein, obwohl vielleicht besondere maschi­nelle Vorrichtungen für geeignete Trocknunysmethoden geschaffen werden könnten. Vor allem sind aber die Waldungen in Indien einstweilen anders zusammengesetzt als die meisten Wälder Eu­ropas. Letztere ent halt en in der Regel vorwiegend bestimmte Baumarten oder sind ganz und gar aus solchen zusammengesetzt. Die indischen Wälder dagegen sind aus den verschiedensten Bäumen gemischt, es ist also weit schwerer und mühevoller, bestimmte Baum- arten abzuholzen und die gefällten Stämme fortzutransportieren.

Alles in allem glaubt Troup jedoch mit Sicherheit sagen ;u dürfen, daß die Vorteile die Nachteile erheblich überwiegen. Es ist also zu erwarten, daß in Indien eine Anzahl neuer Streichholz­fabriken entsteht, so daß die Einfuhr aus dem Auslande, namentlich aus Japan und Schweden, stark zurückgedrängt werden wird, und daß Indien vielleicht schon nach wenigen Jahren seinerseits unter die Streichholzaussuhrländer einrückt. Die schwerste Sorge wird dadurch wohl nicht den Deutschen und nicht den Schweden, sondern den Japanern bereitet werden.

Kreis Schotten.

.4- Laubach, 18. Nov. Dio beiden Ortsgerichts­männer PH. Hch. Stotz und Karl K i r ch e r schieden auf ihren Antrag aus dem Ortsgericht aus. An ihrer Stelle wurden Hch. Chr. Jochem II. von hier als Ortsgerichts­mann und Frd. Frank als Ersatzmann verpflichtet. Den beiden Ansscheidenden wurde von dem ltzroßherzog das Ehrenzeichenfür langjährige treue Dienste" verliehen. Tie Wahlmänner des Bezirks Laubach wählten als Ver­treter zum Kreistag den bisherigen Vertreter Rechner Hch. Konr. Göbel. Die 50 Höchstbesteuerten des Kreises Schotten treten am 24. d. M. zur Wahl von 4 Abgeordneten in Schotten zusammen.

Kreis Friedberg.

Okarben, 17. Nov. Verschiedene j u n g e B u r s ch e n von Griesheim bei Frankfurt, die sich am preußischen Buß- und Bettag hier einen vergnügten Tag machten und bei dieser Gelegenheit ein Glas über den Durst tranken, mißhandelten, weil sie durch ihr eigenes Verschulden den Zug nach Frankfurt 9 Uhr 29 Min. verpaßten, den Hatte- stelien-Vorfreher Sommer und den Bühnsteigschassner Krllß Auf die Hilferufe der Mißhandelten eilten Leute aus der nächstgelegenen Restauration herbei und verwiesen die Ra­daumacher zur Ordnung. Bei der Antunst des Zuges am dem Frankfurter Hauptbahnhof wurden die Burschen ver­haftet.

lHan lese den Eichener Anzeiger gröhle und reichhaltigste Tageszeitung Gberheffens. Alle Briefträger, sämtliche Zweigstelleninhaber und die Geschäftsstelle in Gietzen, Schulstratze 7, nehmen Bestellungen auf den Giehener Anzeiger entgegen.

Starkenburg und Rheinhessen.

R. B. D arm stad t, 17. Nov. Das Großherzog­liche Hoflager ist heute vormittag von Jagdschloß Wolfsgarten wieder nach Darmstadt verlegt worden. Auch Prinz unb Prinzessin Heinrich werden noch einige Zeit in Darmstadt bleiben. Eine angenehme Ueberraschung hat der Kaiser von Rußland der Zarin bei der Rück­kehr nach Rußland bereitet Der Zarin hatte bei einem ihrer Besuche im Neuen Palais besonders gut ein Pastellbild des Großherzogs gefallen. Auf Befragen erfuhr der Zar, daß der Künstler, der hiesige Kunstmaler Adolf Beyer, noch ein zweites, ganz ähnliches Porträtbild des Groß- Herzogs angesertigt habe. Der Zar ließ dieses Bild durch Herrn Hosmarschall Frhrit. v. Ungern-Sternberg erwerben und sofort nach Sarsloje-Selo senden, wo der Zarin bei ihrer gestrigen Antunst das Bildnis ihres Bruders als erster Gruß aus der Heimat enlgegenwinite.

d. Mainz, 17. Nov. Drei Ha ndwerksbur scheu trafen heute nacht einen fremden Fuhrmann, der sich in Mainz einen vergnügten Tag gemacht hatte. Die Hand­werksburschen führten den Fuhrmann in verschiedene Wirt­schaften und plötzlich waren sre verschwunden. Der Fuhr­mann bemerkte, daß ihm sein autgefülltes Portemonnaie verschwunden war und machte sofort auf der Polizei An­zeige. Schutzmann Schmitt 11. ließ nun [einen HundTeil" Witterung nehmen, dann gings hinaus durch verschiedene Straßen. Nach ungefähr 20 Minuten drang der Hund in einen entfernt liegenden Hof in der Weintorstraße ein. Dort holte er einen der Handwerksburschen, der sich unter einem Wagen versteckt halte, hervor, bei dessen Unter­suchung sich das ge,whlene Portemonnaie mit Inhalt vor­fand.

Hessen-Nassau.

() Marburg, 17. Nov. Zu der am Montag unter dem Vorsitze des Landgerichtsrats Redlich beginnenden Schwurgerichtsperiode liegen folgende Falle vor: Sattlermerster Herrn. Hänschen aus Marburg, Todschlags­versuch; Arbeiter Alb. Warsika aus Sardovia und Ar­beiter A, Ium s ch i ck aus Tunjastovecke, Raub; Knecht Dan. Neebe unb Spengler Justus Lankel aus Sterzyausen, Sittlichkeitsverbrechen; Arbeiter Rommel aus Borten, Raub. Ein internationales Damenlomitee veröffentlicht in der Fuldaer Zeitung einen Aufruf zum & au einer ka­tholischen Elisabeth kirche in Marburg. Die Marburger sbatholtten haben schon vor Jahren in der Nähe der Elijabethiirche, welche der evangelischen Gemeinde zu- steht, ein großes Baugelände zu gedachtem Zwecke erworbm.

<ßcrid?i»faaL

Berlin, 17.. Nov. Der Beleidigungsprozeß Dr. meb. Kremer gegen den Geh. Regierungsrat, vorjährigen Rektor der Berliner Universität Prof. Dr. Erich Schmidt und den Archivar Dr. Minde-Pouet anläßlich der Herausgabe der Heinrich von Kl e ist b riese endeie heute naa) mehrstündiger Verhandlung vor dem Schöftengericht am Amts­gericht Berlin Mitte mit einem Vergleich, in dem die Parteien die gegenseitig erhobenen Vorwürfe mit dem Ausdruck des Be­dauerns zutticknahmen und sich bereit erklärten, die gerichtlichen Kosten je zur Hälfte zu tragen.

Plauen (Vogtland), 17. Nov. Wie dieNeue Vvgt- ländftche Zeitung" meldet, ist der Weber Robert Gerbeth ans Untertriebel i. V., der am 17. August seine 77jährige Schwiegermutter getötet hatte, vom Schwurgerrcht zr Plauen wegen Totschlags zu 14 JahrenZuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust verurteilt worden.

R. B. Darmstadt, 17. Nov. Das Kriegsgericht der hessischen Division oerurteiltc heute den Gemeinen des Leibgardo- Drag.-Rgt. Nr. 23 Johann Ziergiebel aus Zeilhard! i.O. wegen Fahnenflucht, Ungehorsams, Preisgabe von Dlenftgegen- stäirden und Unterschlagung zu acht Monaten G e s ä n g u r s. unter Anrechnung von zwei Wochen Untersuchungshaft, und Ver­setzung in die zweite Klasse des Soldatenstandes. Der im dritten Jahr dienende Angeklagte kam dem Befehl, sich s. Zt. in das Lazarett zu begeben, nicht nach und ging dann aus Furcht vor Strafe flüchtig. Er entledigte sich seiner Uniform durch Weg- wersen unb Vertauschen gegen Zivilkleider, hielt sich einige Zeit in Luxemburg auf und stellte sich dann der Behörde.

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