Ausgabe 
14.12.1910 Zweites Blatt
 
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160. Zahmem;

Swetter vlott

Nr. 293

Gießener Anzeiger

ttfcbrrnl tkgNH mti BvsnaKme bei Btmntagi.

General-Anzeiger für Gberhefien

Dre ^Oletztner tfandllenblätter" werden dem etintiger* etermai wocdenlilcb beigdegt. bal Krelsbian Ith »en Krcb Ließen" irotimal wäctienilich. Die£anöB>irt|d?aftlldf<* Lett- fronen" erfcbcmen monatlich zweimal.

Mittwoch, H. Vczeinder 1910

Hotatlontbnirf und Verlag der Br üblichen Unwersitäl« - Buch- und ©tetnbrudecel R. Lange, Gießen.

Redaktion, ExpedtNon und Truderet: Schul­st ra ne 7. Gxvedinon und Verlag 61.

Redaktion:«-^ 112. Lel.-LldruAnzeigerGieven.

iQC|Hju;e sweue Kämmet.

Darmstadt, 13. Dezember.

Am Regierungstische: Minister des Innern v. £)om bergt, Keheimerat B e st.

Prä)ident Haas eröffnet gegen 1/21O Uhr die Sitzung und bittet, stets, vollzählig zu erscheinen, da es einen schlechten Ein­druck madx, menn ein so wichtiges Gesetz vor schlechtbesetztem kaufe verabschiedet würde. Auch heute sei das $)au6 wieder (ein schwach beießt; das dürfe nicht so weiter gehen. Es sehe sehr schlecht aus, wenn bei einem derart bedeutenden Beratnngsgegcn- [tanb nach außen hin ein mangelhaftes Verständnis dokumentiert werde. Der Präsident erklärt, er lvcrde künftig der Entsd/cibung des Dauses anheimstellen, ob es einen Abgeordneten als ent­schuldigt anschen wolle oder nicht.

Aus Bitte des Abg. Glässing erklärt der Minister des Innern v. Dombergk, daß die Negierung im allgemeinen mit den Ausführungen des Ausschußberichtes einverstanden sei. Ihre abweichenden Ansichten werde sie bei den einzelnen Para­graphen zur Geltung bringen.

Es wird sodann in die Tagesordnung eingetreten: Fort­setzung der

Beratung der Sladteordnung.

Art. 2, die Organe der Stadtverwaltung bett., wird gegen die Stimmen der Sozialdemokraten in folgender Fassung ange­nommen:

1 Die Verwaltung der städtischen Angelegenheiten erfolgt durch den Bürgermeister unter der bunt) dieses Gesetz geregelten Mit­wirkung der StadtverLirdnetenversammlung. Die Stadtverord­netenversammlung einschließlich der in ihr sitz- und stimmberech­tigten Bürgermeister und Beigeordneten bilden die Stadtver- tierung.

2. In Städten von über 20 000 Einwohnern führt der Bürgermeister die Amtsbezeichnung Cberbünjeimeiner. Tie Ver­tretung des Vürgeruieislers in den ihm zu stehenden Rechten und Pflichten und die Amtstätigkeit der Beigeordneten richten sich nach den Vorschriften des Art. 120."

Art 3 bestimmt, 'daß die Städteordnung für Gemeinden mit 15 OOU Einwohnern Gültigen! hat, aber auch schon bei Gemeinden von 3000 Einwohnern eilige;üb'.t werden kann. Dei Ar'.ilel ivnb gegen die Stimmen der Sozialdemokraten angenoninun, desgl. Die Art. 4 bis 26, 29 bis 33 und 35 bis 37. Bei An 39 hat Abg. Dr. liebel (Ztr.) den Antrag gestellt, die Proportional­wahl auch für die Stadtverordneten einzuführen. Abg Dr. Schmitt zieht diesen Antrag jedoch zurück, angesichts der Ge- schastslage des Danses. Der Artikel wird, angeirommen, desyl Art. 49 bis 64 gegen die Stimmen der Sozialdemokraten, teil­weise mit kleinen redaktionellen Aenderunqen.

Bei Art. 65 beantragt Abg. Reh (Freis.) die Fassung dahin abzuändern, daß das Prüfungsrecht der Wahlen der Stadtver­ordnetenversammlung in die Danbe der Stadtverordnetenversamm­lung gelegt iDerbe. Gegen den Beschluß der Stadtverordnetenoer- sonunlung soll das Venvaltungsstreitverfahren in Anwendung kommen. Geheimerat Best: Durch diesen Antrag iDcrbe eine Verbesserung der gesetzlichen Vorschri t nicht herbeigeführt. Bei Wahlen, die einen politischen Anstrich hatten, sei unbedingt die Zustimmung des Kreisrates nötig.

Abg. M o l t h a n (Ztr.) stimmt den Ausführungen des Mi­nisters in jeder Weise zu.

Abg. Dr. Glässing (natl.) tritt für den Ausschußanlrag ein und beantragt die Ablehnung des Antrags Reh.

Abg. Ulrich (Soz.) hält den Antrag Reh für eine Ver­besserung des Gesetzes. Wenn man glaube, der Kreisrat sei un­parteiisch, so sei diese Naivität unbegreiflich. Auch bei den Stadt- verordnetenwahlen seien heutzutage im Gegensatz zu früher poli­tische Erwägungen maßgebend.

Minister des Innern v. Dombergk hält nach wie vor die Eutschndung durch den Kreisrat für die bene Garantie bei Un­parteilichkeit.

Abg. Reh (Freis.) betont nochmals, daß er das Dean- standutigsrecpt des nreisraies überhaupt bcieüigt wissen wolle und tritt nochmals für seinen Antrag ein.

Abg. Dr. Glässing (natl.) bekämpit diesen nochmals unter Ausführung weiterer Gründe.

Abg. Ulrich (Soz): Die Kreisräte seien alle politische Beamte und der Kreisrat von Dombergk sei keinen. Deut besser gewesen wie die anderen. Kein Dutmacher glaube, daß die Kreisräte unparteiisch seien. Dieser Einsluß müsse bekämpft toerben.

'«üby». Dr. ßuclin aper (Zentr.): In der Beannandunu des Kreisrates liege keine eigentliche Entscheidung, sie sei nur ein sogenannter Erösfnungsbelchluß. Man solle dem Ausschuß- antrage zuslimmen.

Abg. Dr. Schmitt (Ztr.) hält den Antrag Reh für über­flüssig, da jede Partei das Recht des Einspruchs habe. Die Wahl- Prüfungen würden in England, das in bieder Dinsicht am weitesten vorgeschritten, auch nicht vom Dause selbst vorgenommen. Zi letzter 3nnaiy habe das oberste Verwaltungsgericht zu entscheiden daraus komme es an.

In der folgenden Mstimmung wird der Ausschußantrag an genommen, der Anttag Reh abgelehnt.

Die Art. 66 bis 70 werden in der vom Ausschuß bcan trag len Fassung angenommen.

Die folgenden Artikel 71 bis 79 betreffen die Besoldung, die Wahl und das Ausscheiden des Bürgermeisters und der Bei­geordneten aus dem Amt, ferner die amtliche Stellung der Stadt­verordneten, Geschäfte und Beschlüsse der Stadtverordnetenver­sammlung, sowie die Sitzungen der Stadtverordnetenversamm iuiqjen. Die Art. 71 bis 79 werben ohne Debatte angenommen

Zu Art. 80, das Bestätigungsrecht betreuend, liegt ein An trag der Abgg. Reh, Gutsleiich u. Gen. vor auf namentliche Ab ftinimung.

Abg. Ulrich (Soz.) bedauert, noch nicht in der Lage zu sein den Ausführungen des Kollegen Dr. Zuckmayer zu entgegnen, da das Stenogramm leider noch nicht sertiggesteltt fei.

Abg. Köhler (wild): Das Bestätigungsiecht sei ein nltei Zops, an dem man nicht länger bleiben solle. Der Redner werde gegen den Artikel stimmen.

Es folgt die namentliche Abstimmung. Gegen 9 Stimmen (Frei)., Sozialdemokraten, Köhler und Joutz) wird ber_ Artikel angenommen. Tie Art. 81 bis 98 gelangen gegen die Stimmen der Sozialdemokraten ohne Tebatte zur Annahme. Bei Art 98a beantragt Abg. Pennrich (Ztr.) Strich der Pos. IV: ,,Dic Genehmigung des Kreisrats ist ferner erforderlich zu Verträgen, durch welche Dritten Rechte aus Versorgung der ötabtgcineinbe oder ihrer Angehörige i mit Wasser, Kraft, Licht, Deizung obei Rechte in Bezug au; Transport- und Verkehrswesen eingeräiiml werden' sollen" und begründet seinen Antrag. Tie Streichung der Position entspreck>e nnntücrbrcilcten Wünschen.

Abg. R e b «Freis.) beantragt Strich des ganzen Art. 98a, der von den Fällen der eriorberlidjen Genehrnigung der Aufsichts­behörde handelt.

Ministerialrat Best: Die Städte seien keine Republiken, wie die Sozialdemokraten behauptet hätten. Wenn die Regie­rung aus die Aufsichtsrechte verzichte, gebe sie wichtige staatliche Rechte aus der Dand. Die Bestimmung der Pos. 4 sei von so großer wirtschaftlicher Tragweite, daß man sie im Jnteres e bei Gemeinden schützen müsse. Es handele sich hier vorzugsweise um eine Prüfung nachteiliger Beschlüsse der Gemeinden. Er bittet, die Position beizubehalten.

Abg. Dr. Glässing (natl.) beekämpft scharf den Antrag Reh auf Streichung des Art. 98 a. Der Artikel sei aus wohlüber­legten Gründen geschaffen worden und bedeute einen Schutz der Gemeinden in wirtschaftlicher Beziehung.

Abg Dr. Zuckmayer (Zentr.) ist der Ansicht, dem Antrag Pennrich stattzugeben.

Abg. Breidenbach (Bb.) schließt sich dem Antrag des Abg Pennrich aus Streichung an.

Abg Dr. Schmitt (Zentr roenbet sich gegen die Pos. III, in dem das Ministerium als Rekursinstanz über den Provinzial- ansschuß gesetzt ist Ties wiber'preck-e dem im Dause ausgestellten Prinzip. Er beantragt, Pos. III zu streichen und zu ersetzen durch die Bestimmung in Art. 98, II, nach der, wenn die er­forderliche (Genehmigung nicht erteilt wird, das Verwaltungsstr- verfahien ftattiinbet.

Abg Pennrich (Zentr.) spricht nochmals zu seinem An­trag, den er dahin abamert, daß er neben Abs. 4 noch Vos. 11 gestrichen haben will: Tie Vorschrift des Abs. 1, 4 findet auf Stadtgemeinden von mehr als 20 000 Einwohnern feine An­wendung

Alg. Reh (sreis.): Die Selbstverwaltung erhalte durch An 98 a einen Schlag ins Gesicht. Er bitte, seinen Antrag anzunehmen.

Minister v. Dombergk: Der Vorsckstag des ?lbg. Dr Schmitt sei beachtenswert. Vielleicht könne der Mittelweg ge­gangen werden, daß man es bei der Beschwerde an den Pro-- vinzialaussckmß belasse. (Pause.)

Abg. Dr. Glässing (natl.) spricht sich dafür aus, daß

Zur Geschichte der Eichener £iebigöenhnals. i.

Unter den Gießener Sehenswürdigkeiten gilt mit Recht als eine dn schönsten das Liebigdenkmal an der Ost-Anlage. Wir sind so getvöhnl, dieses herrliche Werk Schapers in jeinci stimmungsvollen Umgebung rein ästhetisch zu betrachten, das. es wohl kaum jemandem einfallen wird, über seine Gesck>ichidc nad^ubeiifen.

Infolge der Erhaltung des Liebig-Laboratoriums und der beginnenden Einrichtung eines Liebig-Museums sind nun schon jetzt eine ganze Reihe von höchst interessanten Erimirrungen aus der Liebigzeit dem Arbeitsausschuß znr Verfügung gestellt tvorden, wofür den Spendern lebl-aster Tank gebührt.

Tarunter befindet sich ein Briefwechsel, aus dem die Vor­geschichte des Gießener Liebigdcnkmals klar l-ervorgeht, da er im WesenlUck)eti zrvischen drei Dauplbeteiligten,. nämlich dem Bild­hauer Schaper, dem Cl?emiker A. W. Dosmann in Berlin dem beiülymien Schüler Liebigs, unö einem Mitglied des Gießener Teiikmalkornitees, bt*m Professor der Architektur von Ritgen geführt ist. Es ist daraus ersichtlich, welck>e Mühe es gekostet hat, das Werk, welches uns jetzt vollkommen selbstverständlü, erscheint, zum glüdlleben Ende zu bringen. Gerade jetzt, wo ein Zweiles Tenkmal der Erinnerung an Liebig in Gießen in der Entstehung begriffen ist, bat dieser Briefwechsel eine Art sym­bolische Bedeutung für die Gegenwart, da er zeigt, wie nur durch mül^cvolle Arbeit ein Ziel zu erreichen ist, das später nach der Fertigstellung auch weiteren Kreisen als nützlich und notwendig erscheint. In diesem Sinn mück-le ich aus bem mir borliegcuben Briefwechsel die folgenden Teüe zur Lbennuiis weiterer Kreise bringen:

I. F. Schaper an D- tnm Rügen.

Berlin, den 27. Juli 1885.

Sehr geehrter Derr Professor!

Haben Sie besten Tank für Ihr verehrtes Schreiben vom 23. ds. Mts. und die beiden Zeichnungen, die für mich bei der Lösung der mir nun klar vorgeschriebenen Aufgabe von großem Nutzen fein werden.

Wenn Ihnen seiner Zeit von Derrn Geheimrat $)ofmarat mitgeteilt wurde, daß ich bereits eine kleine provisorisck^ Thonskizze angesertigt habe, so hatte dies durchaus seine Richtigkeit, ich war nur von der weiteren Ausführung dieser Skizze abgekommen, weil mich eine mehr ideale Lösung der Aufgabe besck-äfligte, wie Sic dies wohl aus meinem Briefe ersehen haben. Jetzt, wo mir das Comit4 durch Sie meine Ausgabe ganz bestimmt gestellt hat, werde ich aus meine erste Anssassung zurückkommen und dem Comite wohl bis Anfang des nächsten Jahres einen Entwurf

vorstellen können. Jmvieweit das plastisch fast unmögliche Kostüm eine Bewältigung der Ausgabe zuläßt, muß nun verbucht werden.

Jedenfalls handle ich wohl nicht gegen den Wunsch des Eomites, wenn ich i>erfiube am Postament durch einige alle­gorische Figuren noch die Beziehungen Liebigs zur Wissenschaft und zum praktische n Leben z u m Ausdruck zu bringen. Ich würde wenigstens hierin dem Wunsche des Gr. Gel-eimrats Dofmann nachikommen, der mich immer aus die Lösung meines Goethedcnfmals hinwies, wodurch ich vielleicht auch von meiner ersten Auslassung abkam.

Run ich hofse eine glückliche Stunde wird Nlich allen Wünsck-cn gerecht werden lassen.

Mit ergebenstem Gruße

F. Schaper.

II. F. Schaper an D- von Ritgen.

Berlin, den 8. Februar 1886. Sehr geehrter Den Professor!

Ta ich Ihnen seiner Zeit versproä/en batte, den Entwurf zum Liebigdenkmal int Januar 86 einzusenden, so möchte ick» mich I^icrburd) bei den Gießener Derrn bes Denkmalscomites ent» schuldigen, daß dies nvck) nicht geschehen ist.

Es Hal dies seinen Grund lediglich in dem Unwohlsein des Geh. Raa Dosmann, der die Skizze noch vor der Vr-rl-aiü>- lung (eben möch:e. Fertig steht dieselbe bereits seit einigen Wochen hi meinem Atelier.

Ich glaube ich habe Ihnen noch gar nicht einmal gedankt für die Zusendung der gezeichneten Skizzen in Betreff d e r A n f fassung I ch habe die selben meiner jetzi­gen Skizze ju Grunde gelegt und hoffe Ihren Wunscl^n dadurch oeitfbt geworden zu fein. Allerdings-cuit mir für Gießen diese Auffassung auch die einzig rrchnge. Eine nähere Erläuterung des ganzen Entwurfes werde ich Ihnen mit der Zusendung desselben zukommen lassen.

Vorläufig also dies zu meiner Rechtfertigung.

Prof. Dofmann wird wol-I noch in dieser Wische die Skizze anfehen können und es erfolgt dann sofort die Uebersendung.

Mit Dochacknung grüßt ergebenst

F. Schaper.

III. D. von Rügen an F. Sck-aper.

Gießen, den 18. März 1886. Geehrtester Derr Professor Sck>aper!

Vorgestern kamen die drei Kisten mit 3Irrem Entwürfe zum Liebigsdenkmal hier cui, gestern habe ich das Modell in der Aula aufgestellt und bin entzückt davon. Deute früh nun ward es von dein Comü6 in Augenschein genommen, und sand un­geteilten Beifall, doch machten in der bann folgenbcn Beratiurg

aas VerwaltungSstreüverfahren einheitlich für Art. 98 und 98 a entsprechenb dem Vorschlag des Abg. Dr. Schmitt gesetzt wird.

Geheimerat Best will sich damü zusrieben geben.

Präsident Daas schlägt vor, den Art. 98 a bis morgen zurückzustellen.

Abg. Korell (Bb.) beantragt, den Artikel an den Ausschuß zurückzuverweisen, womit

Abg. Dr. Glässing (natl.) sich nicht einverstanden erklärt.

Das Daus verweist sodann einstimmig Art. 98 a an den Aus* schnß zurück.

9bg. Dr. Schmitt (Zentr.) will bei der zweiten Lesung des Gesetzes bei Art. 98 einen gleichen Antrag stellen.

Die Art. 99 bis 106 weroen mit kleinen redaktionellen Aende- rungen gegen die Stimmen der Sozialdemokraten ohne Debatte genehmigt.

Bei Art. 107 beantragt Abg. Dr. Glässing (natl.) auf Vorschlag der Stadt Gießen den Zusatz: Durch Geschäftsordnung kann auch ein späterer Zeitpunkt zur Feststellung der beschluß­fähigen Zahl der Stadtverordnetenversammlung bestimmt werden.

Minister D o m b e r g k hat hiergegen nichts zu erinnern, desgl. Abg. Dr. Schmitt. Art. 107 wird mit diesem Zusatz gegen zwei Stimmen angenommen. Zu Art. 108, Sitz und Stimm­recht des Bürgermeisters und der Beigeordneten in den Sitzungen fpricht Abg. Dr. Zuckmayer, der Den Beigeordneten nur Sitz, aber nicht Stimmrecht <n den Stadtverordnetenversammlungen einräumen will. Er stellt einen entspreck^enden Antrag.

Geheimerat Best: In größeren Stäblim habe der Beigeord­nete ein selbständiges Dezernat, in dem er das auszusühren habe, was die Stadtverorbneienversammlung beschließe. Er müsse also auch Stimmrecht haben.

Abg. Dr. Glässing (natl.) sprickZt in gleichem Sinne.

Der Ausschußantrag wird gegen fünf Stimmen angenommen, der Antrag Zuckmayer ist also abgelehnt.

Art 109, Verhandlung nicht auf Der Tagesordnung stehender Gegenstände betr., wird angenommen.

Art. 110, Ausschluß von der Beratung und Llbstimmung, ruft eine kleine Debatte hervor. Abg. Dr. Glässing (natl.) beantragt als Zusatz Ausschließung der Vertreter juristischer Per­sonen von Abstimmungen, die bereu Interessen berühren.

Der Artikel luirb mit diesem Zusatz angenommen.

Bei Art. 111 gelangt der Ausschußantrag zur Annahme, desgl. bei den Art. 112 bis 115.

Zu Art. 116, Sitzungsbnch, beantragt Abg. Köhler (wild), das Papier dieses Buckes aus bestem Material zu nehmen (Bütten­papier), damit es Jahrhunderte überdauern könne.

Der Artikel wird genehmigt, desgl. Art. 117 btis 119 a. Die Artikel 120 bis 124, behandelnd die dienstliche Stellung des Bürgecuieisters und der Beigeordneten, werden ohne wesentlich Debatte angenommen. Bei Art. 125 beantragt Abg. Reh, nach dem Vorschläge bet Stabt Gießen die beiden dem Bürgermeister bei der Vornahme von Rechtsgeschäften beigegebenen Stadtver­ordneten zu streichen. Nach längerer Debatte wird Art. 125 an den Ausschuß zurückzuvenveisen.

Art. 125 a bis 130 werden gegen die Stimmen der Sozial- bcnwfraten angenommen, desgl. 131 bis 138, betreffend die Ausschüsse, Deputationen und Kommissionen, 139 bis 149, die Rechtsverhältnisse der städtischen Beamten, und 150 bis 160, ihre Disziplmarverhältnisse betretend.

Dieraus gelangt Der Antrag des Abg. Dr. Schmüt aus zweü« Lesung des An 98 zur Abstimmung und Annahme.

lieber die Funktion en des Stobtrechners handeln die Artikel 161 bis 166.

Abg. Uebel (Zentr.) beantragt, AN. 165, betr. Beaufsich­tigung und Disziplinarverlstlltnisfe des Stabtrechners, an den Ausschuß iurüdfluuenoeiien.

Abg. Dr. Glässing (Zentr.) widerspncht dem.

Al>g. R c h (tret).) stimmt dem Zurückverweisungsantrag yii Das Daus nimmt darauf diesen Anirag an.

Abg. v. Brentano erinnert an seine Interpellation, betr.. das Winzerelenb in Rheinhessen, und bittet, diese als nächster» Gegenstand aus Die Tagesordnung zu setzen.

?lbg Molt Han (Zentr.) betont ebenfalls die Wichtigkeit der Interpellation. In Rheinhessen sei man über die Verzögerung sehr ungehalten.

Minitler o. Dombergk war bereit, mündliche Auskunft zu geben und hatte daher von einer schriftlicksen AnNvort ao- gesehen Er werde sie aber, da es gewünsckst werbe, gerne geben.

Schluß der Sitzung 1 Uhr 50 Mm. Nächste Sitzung moiges Mittwoch 9 Uhr.

einzelne Mitglieder verschiedene vielleicht nicht ganz unwichtise Benlerkungen. Man fand

1 daß das rechte Bein etwas scknes stehe,

2. daß der Kragen des Ueberziehcrs zu breit war und da­durch den Dals und Kops etwas unfrei erscheinen lasse,

3. daß auch die Dalsbinbe zu breit und dick sei,

4. daß an der Figur der Agrikultur der rechte Arm etwas zu trotzig aufgeftemmt erscheine,

5. daß unter die Fruchte im Fulthrn ein Pinienzapfen nicht gehöre,

6. daß das entschleierte Bild der Göttin Natur vielleicht eni>as kleiner sein dürfe im Verhältnis zur Figur der Wissenscktafl.

Dock) das sind nur individuelle Ansicksten, die ich jedoch gebeten wurde, Ihnen mitzuteilen zu beliebiger Berücksichtigung bei der demnächstigeii Ausstil>rung im Großen.

Fernei soll ich Sie bitte«, mir wo möglich bald den Maßstab müzuleilen, um wievielmal die Ausführung größer nxrbtn soll als das Modell. Sie haben übrigens sehr gut getan, dem Modell die gewünschten Farben zu geben, und wird es sich bt*mnäd)ffi auch um das Material des Postamentes handeln. Ter bunte Marmor von der Lahn ist anfangs sehr sck>ün. Verblaßt aber bald in den Farben. Ich möchte dahr Sienit vorschlagen, wenn bmelbc nicht zu teuer wird, und barunter als Sockel unsere« Louborser Lungstein, welch>r unvernmsttich ist.

F-ür heut meine Freude über Jln Werk! Wenn Sie Derrn Geh. Rat Dofmaiin seheii, grüßen Sie ihn von mir.

Mit herzlichem Gruß unb in wahrer Verehrung Ihr ergebenster D- von Rügen.

IV. F. Schaper an D- von Rügen

Berlin, den 21. Mürz 1886. Sehr geehrter Derr Professor!

Dabeu Sie boten Dank für Jl-ren werten Brief oont 18. ds. Mts., in welck^m mich in erster Linie sehr erfreut, daß ich in Betreff der Statue selbst das getroffen zu haben scheine, was von dem Eomits gewünscht und speziell Don Ihnen, in Folge^ Ihrer Zeichnung erwartet wurde.

Tie kleinen Aus)tellungen, welck>e Sie mir mitteilen, werde ich bei weiterer Ausführung beachten, möchte aber hierbei gleich bemerfeu, daß es bei den erwähnten Abänderungen wohl kaum bleiben wird, da bei einer weiteren Entwickelung des Denkmals sich nock) mancherlei ändern wird. Was die Statue selbst betrifft, so l>atte ich, wie ich wohl schon früher erwähicke, das P o r t r a i t T rau lscholds,welches ineinemvorzüglichenStich existiert, zu Grunde gelegt und daher vielleicht baj envaS hohe Rockkragen und die lwhc Binde.

An den Figuren des Postamentes weiß ich z. B. noch nicht, ob ich der SBilfeifd^it nicht noch den spezifisch rixmifd^en CHarakte«