Nr. 197 Erste- Blatt
160. Jahrgang
Mittwoch 24. August 1910
Dee Wietzener Sozew« ä Bezugspreis:
«scheint tägüch, eng« V monatlich7SV., viertel-
/3Z * A«* A** A*$ Hl it 4At A AV—ä yMMknklikl LiliirlUkiUW Fimlprech-Anschluß«! NM Verantwortlich sür dm
MU General-Anzeiger für Oberhessen MW s"£ RotaÜErn-vÄ Mld Verlag der SrShllchev Vvio.-Vuch. und «etudrockmi TL Lange. VtdaNisn, Lxpedttian und Druckerei: rchuistratz« 7.
Die heuttge Nummer umfaßt 10 Seiten.
Line Besserung der Reichrsinanzen
Malt schreibt uns aus Berlin:
Bekanntlich war für das Jahr 1909 die ©irntnte der ungedeckt bleibenden Matrikularb eickräge auf 288V2 Mill. Mark gestiegen. Um diese Schuld des Reiches zm tilgen, bestimmte das Reichsftnanzgesetz vom Sommer 1909, daß die Einzelstaaten davon 48i/3 Millionen zu zahlen hätten, während der Hauptteil der Schuld, also. 240 Millionen Mcnck, wenn er auch vorläufig durch Anleihe gedeckt werden müsse, während der Haushaltsjahre 1911, 1912 und 1913 aus den „bereitesten Mitteln des Reiches" abgebürdet werden sollte. Für die Bemessung der Matrikularbeiträge, oder besser der nach dem Reichsfinanzgesetz aus eigenen Einnahmen des Reichs zu deckenden Schuld, konnte natürlich nur der Ansatz für 1909 maßgebend sein, der als Grundlage insofern unsicher war, als man einmal nicht wußte, ob die verschiedenen Ressorts mit den ihnen zugewiesenen Mitteln auskommen würden, und als zweitens die wirklichen Erträgnisse der neuen Steuern, die in der zweiten Hälfte des Haushaltsjahrs 1909 bereits erhoben wurden, in tiefftem Dunkel schwebten. Ueber tatsächliche Einnahmen und Ausgaben konnte daher erst der Abschluß des Reichshaushalts für 1909 wirklich Auskunft geben. Dieser liegt jetzt vor und zeigt glücklicherweise, daß er statt mit 240 Millionen, wie angenommen wurde, nur mit 1261/2 Millionen Mark Defizit schließ t. Es können also schon jetzt 113i/2 Million zur Deckung der Reichsschuld für die Reichskasse verbucht werden, und es dürfte daher unter keinen Umständen schwer fallen, auch den Rest von 1261/2 Millionen Mark wenigstens bis zum Jähre 1913 zu tilgen.
Die Gründe für dieses erfreuliche erste Ergebnis unseres Sparsamkeitsstrebens sind mannigfach, waren aber dein Kundigen von vornherein zum teil bekannt. Dann ganz ab- geschen davon, daß der Haushaltsansatz für 1909 in den Einnahmen außerordentlich knapp, in den Ausgaben dagegen noch immerhin reichlich ausgestattet war, sind in den obigen II31/2 Mllionen zunächst 211/2 Millionen Mark enthalten, die infolge der neuen Regelung der Branntweinsteuer jetzt in der .Hauptsache der Reichskasse selbst zufließen; fernerhin aber hat angesichts der Zollerhöhungen ganz naturgemäß eine starke Voreinfuhr und auch Nachverzollung stattgefunden, wenn selbstverständlich auch die neuen, bereits 1909 in Kraft getretenen Zölle, Steuern und Gebühren selbst ihre Wirkung auf den günstigen Abschluß des Reichshaushaltsetats für 1909 nicht verfehlt haben Wieviel an dem Mehr von rund 50 Mllionen hier auf das Konto der .Voreinfichr oder auch der Nachverzollung und wie viel auf die Wirkung der neuen Steuern selbst zu setzen ist, läßt sich nicht auseinander hallen Diese Ausführungen haben auch nur den Zweck, zu zeigen, daß die günstigen Einnahmeergebnisse des Jahres 1909 auf eine Reihe zufälliger oder bekannter Momente zurückzuführen sind, so daß der Haushalt für 1909 in seinen Mehreinnahmen von 72,67 Mll. Mark keineswegs ein Bild der Haushalte der kommenden Jahre ab geb en dürfte.
- Aehnlich aber steht es auch bei den Mrndcrausgaven des Jahres 1909. Waren diese schon, wie oben angedeutet, im Haushaltsansatz einigermaßen reichlich angesetzt, so ist es kein Wunder, daß sie, namentlich wenn von oben her drei mal Sparsamkeit gepredigt wird, in einigen Ressorts hinter
dem Haushaltsansatz zurückblieben, im ganzen um 40,6 Millionen Ein rechtes Schulbeispiel für das Verhältnis des HÜushallsanscches zu den tatsächlich ermittelten Eiw- pahmen und Ausgaben des Haushalts bietet das Ressort der Reichspostverwaltung. Sind doch in dieser Erwerbsanstall des Reiches die Ausgaben um rund 9 Mill, hinter dem Ansatz zurückgeblieben, gleichzeitig aber auch die Einnahmen um 4,8 Millionen, so daß sich trotz der reichlichen Bemessung der Ausgaben und der geringen der Einnahmen hier nur mit Hilfe des ersten Faktors ein Plus von 4,2 Mllionen für die Reichskasse ergibt. Immerhin ist es ja erfreulich, daß dieses überhaupt möglich war und so als Zeichen dafür gedeutet werden kann, daß sich Handel und Wandel wieder zu beleben ansangen. Nur soll man auf Grund des Zurückbleibens der tatsächlichen Ausgaben hinter dem Haushallsansatze nicht daraus schließen, daß uns diese 40,6 Mllionen ein für allemal geschenkt bleiben. Sie werden seiner Zeit mit unheimlicher Pünktlichkeit an- gesordert werden, wenn nicht für 1911, so doch jedenfalls für 1914.
Unter diesen Gesichtspunkten betrachtet, verliert der Ueberschuß von 113i/2 Millionen Mark aus dem Haushaltsjahre 1909 so manches von dem günstigen Eindruck, den er im ersten Augenblick macht. Trotzdem aber läßt sich nicht leugnen, daß er der Finanzgebahrung der nächsten Jahre einige gute Dienste leisten wird. Namentlich dürfte das für das Jahr 1911 der Fall sein, wo jetzt für die Vb- bürdung der ungedeckten Matrikularbeiträge nur 42 Mll. Mark einzustellen wären, statt der programmäßigen 80. Und das ist immerhin wesentlich bei einem Haushalt, der, toie der für 1911, schon an sich große Schwierigkeiten macht, nicht nur deshalb, weil ein Tell der neuen Steuern (wie z. B. Tabaksteuer, Leuchtmittelsteuer, Zünd Warensteuer, Brausteuer, Wechselstempelsteuer, Schecksteuer) im ersten Drittel dieses Jahres um 12 Millionen Mark zurückgeblieben ist, so daß sich für das ganze Jahr ein Fehlbetrag von 36 Millionen erwarten läßt, sondern, weil auch int Jähre 1911 dem Reiche eine gartze Reihe neuer Ausgaben bevorsteheu Es sind dieses z. B. die Ausgaben für die verstärkte Schuldentilgung (schon am 30. September 1910) ---- 50 Millionen, der Zuschuß zu dem Bankrotten- Reichsinvalidenfonds = 25 Millionen, die Erhöhung der Reick)dschüsse zur Invalidenversicherung = 1 Million, die Steigerung der Beamtengehäller und Pensionen --- 5 Mill. und die an sich in ihrer Höhe noch unbekannten Mehrausgaben des Marine- und Heereshaushalts. Wohl stehen diesen Mehrausgaben auch gewisse Ersparnisse, z. B. durch Fortfall der einmaligen Beamtenbeihilfen = 27 Mill, und der Erbschaftssteuerrückzahlunaen an die Bundesstaaten = 133/4 Millionen Mark gegenüber, aber das will nicht viel bedeuten. Jedenfalls kommen die 113i/2 Millionen Ueberschuß aus dem Jahre 1909, mögen sie nun entstanden fein wie sie wollen, unserer Finanzwirtschaft sehr gelegen.
Dar Uaiserpaar in Königsberg.
Königsb erg i. Pr., 23. Aua. Der Kaiser, die Kai s er in, die Pmnzessin Viktoria Luise und Prinz Oskar sind mit Sonderzug um 5.30 Uhr auf dem Ostbahn- h 0 f e eingetroffen.
Bei Ankunft der Majestäten sand auf dem Bahnhofe großer militärischer Empfang statt. Nach Begrüßung der Anwesenden und nachdem der Kaiser die Front der Ehren- kompagnie abgeschritten und einen Vorbeimarsch entgegen- genommen hatte, begaben sich die Majestäten durch das
Fürstenzimmer auf den Bahnhofsplatz, wo sie von einem vieltausendköpfigen Publikum mit stürmischen Zurufen begrüßt wurden. Die Kaiserin, die Kronprinzessin, Prinzessin Eitel Friedrich und Prinzessin Viktoria Luise bestiegen hier einen ä la Daumont gefahrenen Wagen mit Spitzreitern, Der Kaiser und die Prinzen stiegen zu Pferde. Eine Schwadron des Kürassierregiments Nr. 3 gab den Majestäten das Geleit. Unter dem Geläute der Glocken setzte sich der Zug in Bewegung. Auf dem Bahnhofsplatz und den Einzugs- straßen bis zum Schlosse bildeten die Truppen Spalier. Nachdem es am Vormittag geregnet hatte, hatte sich das Wetter nachmittags aufgeklärt. Der Einzug der Majestäten erfolgte bei prächtigem Sonnenschein.
Die Begrüßungsansprache des Oberbürgermeisters.
Oberbürgermeister Dr. Körte begrüßte die Majestäten mit einer Ansprache, in der er sagte:
„Euren Kaiserlichen und Königlichen Majestäten jubelt heute eine besonders froh bewegte und dankerfüllte Bürgerschaft em vieltausendstimmiges herzliches Willkommen entgegen. Höl-er schlagen heute die Herzen, weiter, freier und strahlender möchten heute die Blicke leuchten. Darf ich als Vertreter der Bürgerschaft doch heute Eurer Majestät am heutigen denkwürdigen Tage die ehrerbietige Meldung abstatten, daß der Vertrag über die Entfestigung Königsbergs am 20. August förmlich voll-- zogen und damit, so Gott will, die Möglichkeit zu neuer, glück< licher Entwicklung für Eure Majestät alte, ehrwürdige Krönungs- stadt eröffnet worden ist. Nicht leicht zwar sind hie Lasten, die das gewaltige Unternehmen der Stadtgemeinde anf- erlegt, aber wir wußten doch, mit wie lebhaften gnädigen Interesse Eure Majestät diese schwerste Lebensfrage unserer Verwaltung fortgesetzt begleiteten. Zur Erinnerung an die am 23. August 1910 Seiner Majestät dem Kaiser und König bei seinem Einzug in die alte Haupt- und Residenzstadt feierlich erstattete Meldung von der erfolgten förmlichen Vollziehung des Vertrages soll aus einem Sr. Majestät des Kaisers und Königs seinerzeit in Vorschlag zu bringenden Platz des zu erschließenden Enteignungsgeländes ein D e n k st e i n errichtet werden. Indem ick die Ausfertigung dieses Beschlusses Ew. Kaiserlichen und Königlichen Majestät ehrerbietigst überreiche, rufe ich Ew. Majestät nochmals namens der Bürgerschaft aus Herzensgründe zu: Willkommen! Hoch! Willkommen in Königsberg!"
Eine Antwortrede des Kaisers.
Bei dem Empfang der Majestäten durch die städtischem Behörden erwiderte der Kaiser auf eine Ansprache des Oberbürgermeisters Dr. Körte mit folgenden Worten:
„Ich spreche Ihnen in meinem Namen imb im Namen Ihrer Majestät der Kaiserin meinen herzlichsten Dank aus für die Worte, mit denen Sie soeben den Gesinnungen der Bürgerschaft von Königsberg Ausdruck verliehen haben. Ich beglückwünsche meine Haupt- und Residenzstadt Königsberg zu dem Vertrage, den sie nunmehr abgeschlossen hat. Es ist mir eine große Freude, dazu hilfreiche Hand haben leisten zu können gegen-, über hen Schwierigkeiten, die in einigen Stadien der Verhandlungen auftauchten, denn es ist nicht leicht, alles unter einen Hut zu vereinigen. Ich glaube aber, daß der Vertrag, wie er nun--' mehr abgeschlossen ist, für die Stadt von großem Nutzen fern wird. Eingeengt durch den Ring der Befestigungen, strebt sie nach Freiheit und Entwicklung. Gebe Gott, daß der Stadt Königsberg das Werk zum reichsten Segen gereichen möge, ich und die Kaiserin werden diesem Werk und seinem weiteren Fortschreiten stets mit Interesse folgen und es zu fördern befrtebt fein Ihnen allen, meine Herren, spreche ich meinen tiefempfundenen Dank aus für den schönen Empfang, den die Stadt un5 bereitet hat, und bitte Sie, der Dolmetsch dieser Gefiihle Ott die Bürgerschaft zu sein. Nochmals herzlichen Dank!"-
Feier in der Universität.
Fm Auditorium maximum der würdig geschmückten: Albertus-Universität erfolgte heute vormittag die feierliche Investitur und Proklamation des Kronprin-
Der Mirienlrieg.
Zum Mainzer Pionier-Unfall!.
Don Major von S<
Tas bedauerliche Unglück, das bei den Feflungsubmigen bei Mainz statt gefunden hat und dem ein Gefreiter zmn Opfer gefallen ist, hat die allgemeine Aufmerksamkeit darauf gelenkt, daß seit einigen Jahren dem Minenkrieg eine erhöhte Bedeutung zu- gemessen und er infolgedessen auch im (frühen m erweitertem, Umfange geübt wird. In früheren Jahren bildete er emen weserll> lieben Tell des Festunaskrieges, wurde später vernachlässigt und Tarn bald gänzlich in Verfall und Vergessenheit. TerAn greif er glaubte mit seiner schweren Artillerie, den großen Geschossen und den neuen brillanten Sprengmitteln die Werke der Festung guS weiter Entfernung in verhältiiismäßig geringer Zeit und Muhe zerstören zu können. Wozu bedurfte es dann noch eines planmäßigen, schrittweisen Vorgehens des langwierigen Mmen- kampfes? Aber die Erfahrungen der Japaner vor Port Arthur haben gezeigt, daß man die Wirkung der Artillerie überschätzt hatte. Sie ist nicht allein imstande, die feindlichen Werke, namentlich die Grabenstreichen, zu zerstören. Aber che diese nicht zerstört sind und ehe nicht die Grabenmauern niedergelegt mw eine gangbare Bresche hergestellt ist, hat 'der Sturm ferne Aussicht auf Erfolg. Gelang es also nicht, dies durch das ArttNeriefeuer' von oben zu erreichen, so mußte L auf urtteriüdischem, Wege versucht werden. Wie ein Maulwurf bringt der Mlneur m der Erde gegen die feirüüichen Werke vor, um m ihrer Nahe die Sprengladungen anzubringen und fre zu zerstören, zitier frei Verteidiger läßt sich das nicht so ruhig gesallen Er geht auf demselben Wege gegen den Angreifer vor und sucht dessen undm- irdische Arbeiten zu zerstören und so entwickell sich unter den Erde ein lebhafter Krieg.
Die Mine ist ehre in der Erde angebrachte Sprengladung, die durch ihre Entzündung zertrümmernd auf ihre Umgebung wirken soll. Die Gase, die sich bei der Entzündung entwickeln, üben nach allen Seiten einen plötzlichen Druck ans, suck)en das Erdreich zu zerreißen, die in ihrem Bereich befindlichen hohlen Räume einzudrücken imb füllen, wenn letzteres geschehen,, diese, wie den gelockerten Boden mit Gasen. Die Wirkung außctt sich am ftärfften nach der Richtung hin, wo der geringste Widerstand vorhanden ist, also nach der Oberfläche der Erde hin oder nach einem von dem Mittelpunkt der Ladung weniger weit entfernten hohlen Raum unterhalb der Erdoberfläche. Aeußert sich die ^Haupt- tätigfeit der Mine nach der Erdoberfläche hin, so wird der über ihr lagernde Erdboden durch die Explosion als Garbe in die Hohe geschleudert, es entsteht eine Aushöhlung, der Minentrichter Die Mine, welche einen solchen Trichter erzeugt, heißt Tnchter-
mine. Wirkt die Mine nicht über die Oberfläche, sondern äußert sich gegen nähere befindliche Hohlräume unter der Erde, so nennt man sie Quetschmine.
Um die Mine an dem richtigen Punkte anzubringen itnd zu entzünden, bedarf es unterirdischer Verbindungen, die ähnlich wie im Bergbau ausgeführt werden. Diese imterirdischen Wege heißen Schacht oder Brunnen, wenn sie seiikrecht, Stollen oder Galerien, wenn sie wagerecht, endlich Schlappschacht oder fallender Stollen, wenn' sie mit Gefäll geführt sind. Diese Minen- gänge erhalten eine Verkleidung aus Holz, damit sie nicht ein- stürzen; bei den Festungsanlagen werden die Minengänge zum Teil auch in Mauerwerk angelegt. Die Ladung befindet sich gewöhnlich in einem hölzernen Kasten und wird, nachdem sie in die Minenkammer gebracht ist, damit ihre Wirkung nicht von der beabiich- tigten Richtung abgelenkt wird, mit einer Verdämmung versehen, d. h. der Minengang wird hinter der Ladung mit Lehmziegeln^ Rasen und dergleichen fest ausgefüllt. Die Entzündung wird m der Regel durch Elektrizität bemirft.
Ist der Angreifer im Verlaufe seiner Arbeiten in die Nähe der feindlichen Werke gelangt und findet sie noch unzerstört, muß er sich zunächst einen besonderen, durch Infanterie zu besetzenden Laufgraben — Minengraben — berftcllen, von dem aus er seine Angriffsstollen vortreibt. Diese muffen baldigst die Tiefe der Verteidigungsminen erreichen, wozu man sich der fallenden Stollen bedient. Die Angriffsminen tverden Tag und Nacht mit angemessenen, zur Behorchung des Gegners nötigen Pausen vorgetrieben. Sobald er den feindlichen Minen nahe zu sein glaubt, werden an den Spitzen der Minengänge starke Ladungen angebracht, verdämmt, angezündet und so mehrere Trichter in einer Reihe hergestellt, welche die feindlichen Mumn zerstören und gleichzeitig verteidigungsfähige Deckungen für die Infanterie dar stell en, von denen aus erneut mit Minengängen vorgegangen werden kann. In dieser Weise nähert man sich schrittweise den feindlichen Werken, bis man an deren Mauerwerk gelangt und dieses selbst sprengen kann.
Der Verteidiger hat, sobald die Laufgräben des Angreifers in die Nähe des Minensystems gelangt sind, die vordersten Stollen mit Horchposten besetzt und läßt den Angreifer nahe herankommcm Hat er am Geräusch dessen unterirdische Arbeiten erkannt, so treibt er ferne Minen vor, möglichst geräuschlos, um ihm'in die Flanke zu kommen. Er darf im Vorgelände keine Trichter erzeugen, um dem Gegner keine Deckung zu schaffen, arbeitet deshalb nur nut Quetschminen. Wenn ein Quetscher gezündet hat, pumpt man zunächst die Gase durch Luftreinigungsmaschinen (Venttlatoren) heraus und beginnt sobald als möglich wieder mit der Arbeit.
Die Arbeit in den Mnen erfordert große Sachkenntnis und muß im Frieden gelernt und geübt werden. Es ist deshalb er*
0
forderlich, daß diejenigen Pionier-Bataillone, welche vorzugsweise, im Festungskriege verwendet werden sollen, eine besondere Ausübung in diesem Dienstzweige erhalten. Ehe nicht der unterirdische 'Minenkrieg entsckneden ist, kann der oberirdische Kampf nickst fortgesetzt werden. Es ist deshalb Rar, daß von seiner mehr oder minoer geschickten Führung der Fall oder die Erhaltung der Festung wefentlich beeinflußt wird. Mit Recht ist daher in letzter Zeit wiederholt die Forderung erhoben worden, von dem ietzigen Prinzip des Einheitspioniers abzugehen und besondere Festungs-" Pioniere zu schaffen.,
w.
h— Bei archikektvnischien Wettbefverben er* hielten folgende Mitglieder der Architektur-Abteilung der Technischen Hochschule in Darmstadt Auszeichnunben: Profeffor P ü tz e r : Kirche der Sachsenhäuser Lukasgemeinde 2. Preis; Professor Varnes 1: Innenausbau der Michaeliskirche in Hamburg der 1. Preis und Ausführung des Hauptallurs; Professor Dr.-Jng. Vetterleinr Theaterneubau in Hagen i. W., 2. Preis 3000 Mk.; engerer; Wettbewerb als Preis die Ausführung; Katholische Kirche mit Pfarrhaus in Straßburg i. Els. 1. Preis und Bauausführung ; Professor Meißner: Heidelberger Ratbausneubau, Ankauf; Assistent Josef Bachem: Krankenhaus- Neubau für Caffel-Rothenditmold 1. Preis. Assistent H. Stumpf: Krankenhaus Frankfurt <x. M. Ankauf, Rat-, haus Schkaudch 2. Preis.
— Kurze Nachrichten aus Kunst n. Wi sse nschaft. Das Residenztheater in Wiesbaden eröffnet am Donnerstag, 1. September, die Spielzeit in dem neuen auf dem Gelände der ehemaligen Artllleriekaserne errichteten Heime. Als Festvorstellung des ersten Abends wird Shakespeares Lustspiel „Viel Lärm um nichts" in neuer Einrichtung aufgeführt. — In H a l l e a. S. ist der ordentliche Professor und Direktor der Ohren- Ninik an £er Universität Geh. Med.-Rat Dr. med. Hermann S ch w a r tz e im fast vollendeten 73. Lebensjal-re gestorben.—' Der Psychiater, Direktor der Großh. badischen Hell- und Pflege- anstalt zu Jllenau, Geh. Rat Dr. Heinrich Schäle, feiert am 24. d. M. seinen 70. Geburtstag. — Dem Berl 1 u er Rechts^ lehrer Geh. Justizrat Prof. Dr. Otto Gierke wurde zu seinem 50 jährigem Doktorjubiläum der Stern zum Königlichen Kronenorden zweiter Klasse verliehen. — Der' Erste Restaurator bei der Gemäldegalerie der Königlichen Miseen in Berlin, Professor; Alois Hauser erhielt das Ritterkreuz erster Klasse des (''roß- herzoglich Hessischen Verdienstordens Philipps des Großmütige^


