160» Jahrgang
Die heutige Nummer umfaßt 18 Seiten.
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jährlich Atk. 2L0. durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 ISt; durch die Post -Dlt.2.— uiertel- jährl. ausschl. Bestellg. ZeilenprerS: lokal IbPs^ auswärts 20 Pienniq. Chelredakteur: A Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil: Aiigusl Goetz; für -Feuilleton' und.Vermischtes* K. 9leuratt), iür «Stadt il Land" und.Gerichts-»
Protest sein. Die Zahl der Werke ist allerdings nicht sehr g'vtz, ivenn sie aut Bedeutung Anspruch macken wollen. Immerhin werden die Arbeiten der Frau Curie, der berühmten Radimn- 'orscheriit, einen Givielpunkt inoderi,er Wissenschaft darstellen. Die' ?Homnue der Selina Laaerloi unb der Ricarda Httch sollen beweisen, daß bedeutende Dickterinnen vorhanden stild. Die Bild- bmierei, die Malerei und die Mnsik haben allerdings keine grotzen Vertreterinnen zu senden. Aus der Vergangenheit wird das Bild der Frau Rat Goethe die Ausstellung zieren. In der Regierungs- funft solleii Maria Theresia und Katbarina von Rußland die Gleichberechtigung der Frauen mit den Männern bezeugen.
Wert, der im „G. A." ja schon mehrfach geschildert wurde, beicht in den umsassenden Forschungen über das Inlandeis und den Vulkan Mount Ebcraus, der trotz seiner 4000 Meter unter unsäglichen Mühen erstiegen wurde. Wenn man den breit- chultrigcn, schöngebauten, noch ziemlich jugendlich erscheinenden Forscher so angenehm erzählen hörte, vergaß man säst IW Mühen und Gefahren, die er mit seinen Kameraden zu bestehen hatte. Lichtbilder und kinematographische Aufnahmen ergänzten die mit viel Beifall ausgenommcnen Ausführungen des
— Shackleton in Franfurt a. M. Nachdem Shack- leton schon vorgestern mittag in einer wissenschaftlichen Sitzung des Vereins für Geographie gesprochen hatte, hielt er abends einen öffentlichnt Vortrag in deutscher Sprache. Ter große Saal des Saaibaus war dicht besetzt, und gespamit folgte man den, - ------ - - -• . . • . .. .
Ausführungen des kühnen Forschers, der in unterhaltendem sind, desgleichen alle Bilohaverarbellen, bie auszulretbeu stnd, urtb
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^0. Ätarz lyuu durch Unter,cyrt,t des <ouLtan5 oie ^^nmsmu.in- jchen Rechte nerlerdings feierlich anerkannt, und^ w bestehen jte zu Recht, und so müssen sie durch die deutsche Staatsgewalt geschützt werden, wenn nicht das Ansehen des Reiches im Auslande schoercn, vielleicht unfeilbaren Schaden nehmen soll.
Dieser Schluß der langen Zorn scheu Verofsentlichung nnrd hoffentlich in Berlin Eindruck machen, weniger bei >)errn v. Schoen — von dem ist ja nichts mehr.zu erwarten — als beim Kaiser. Es wäre höchst bedauerlich, wenn der schlimme Eindruck, den die letzten Ordensverleihungen an oie vielfach angegriffenen Persönlichkeiten des auswärtigen lienstes (Herrn v. Sck)oen mit den Vertretern in Washington and Carraras) hervorgerufen haben, nachhalten müßte. Der Kanzler übt in auswärtigen Dingen vorläufig offenbar Neutralität; es wird aber die höchste Zeit, daß man in Berlin )ie im Reichstag und im Lande so zahlreich ertönten Warnungssignale ernstlich beachtet und dem auswärtigen Dienste eine andere Richtschnur und — das kann schwerlich vermieden werden — einen anderen verantwortlichen Leiter gibt ! Sonst :egt die Gefahr nicht weit, daß zu dem bekannten politischen November stnrm sich noch ein Apriffturm gesellen wird!
Eine ameritanische Abfuhr in Gstasien.
Weder Rußland noch Japan wollen die von Amerika vor- geschlagcne Ncuttalisicrung der Bahnen in der Mandschurei. Beide Staaten wollen für ihre Sonderbcstrebungen ommbar offenes Feld behalten. Rußland erklärt offen, die internationale Kontrolle und Verwaltung der mandschurischen Bahnen werde seine durch große Opfer und Anstrengungen erworbenen Interessen ul der Mandsckmrei schädigen:
Petersburg, 21. Jan. Wie die Petersburger Tele- graphcn-Agcntur erfährt, hat der Minister des Aeutzcrn dem Botschafter der Vereinigten Staaten heute das Anaoort- Memorandum der russischen Regierung über den Vorschlag ter Regierung ter Vereinigten Staaten betreffend dce Handels- Neutralität der mandschurischen Bahnen übergeben. Der Inhalt der russischen Antwort tft ui allgemeinen ^^Die°Niststche Regierung versichert ihre Ergebenheit für die Grundsätze ter Integrität und der Souveränität Chinas, der Politik ter offenen Türe und ter gleichen Handelsbegunsttgungen in ter Mandschurei, spricht jedoch die Ueberzeugung aus datz diese Grundsätze in nichts gefährdet seren, und daß es Hafer durch die Sachlage in ter Mandschurei nicht begrüntet ser, daß al», wirksamstes Mittel zum Schutze dieser Grundsätze dre von den - Bereinigten Staaten aufgeworfenen Fragen auf dm Tagesordnung gesetzt werten.
Tokio, 21. Jan. Die Antw ort Iapans auf den Vorschlag tes ameritanischcn Staatssekretärs Knox bezuguch ter Neutralisierung der mandschurischen Eisenbahnen ist dem ainerr- laniscfen Botschafter gestern nachmittag übermittelt Worten.. Der Inhalt wird nicht bekannt gegeben, doch besagen Nachrichten' aus bester Quelle, daß die Antwort nicht umfangrercy ist Japan weigerte sich, der Neutralisierung zuzustimmen, und zwar aus mehreren Grünten, besonders aber, weil sie weder' für Japan noch für China einen Vorteil bedeute und auch dm kommerzielle Lage in ter Mandschurei nicht ändern wurde, mo: Japan an den Versprechungen betreffend die oftenc Tur und> die gleiche Gelegenheit für ten Hantel aller Machte streng fest-, halte. Man glaubt, daß die Antwort im freundschaftlichen Tone ^^cVö'ort, 21. Jan. Ein Telegramm des „Newyork Herold" meldet aus Peking: Ein kaiserliches Editt wurde veröffentlicht, das die formelle Genehmigung des Thrones zu dem Abkommen betteffend die amerikanische Anleihe für. den Bau der Eisenbahn von Tschrn-Tscho u-Fu über Zizikar nach Aigun enthält. In dem Abkommen wird die Höhe der Anleihe mit 50 Millionen Dollars angegeben.
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— Eine Ausstellung gegen die „'Dl i n b e r rv e r t i g- feit des Weibes". Tie ruistscken Franenrechllerinnen ver- nnflalteii in Petersburg eine Ausstellung, die sich gegen l'.öbrus, Weiumger und andere richtet, die behaupten, daß bie rttau bpin Tlaitne gegenüt er geistig nunbermeitig sei. Es werden alle Erfindungen, die non Rramm geinackt worden sind, ^uiaminen- geholt, soivie alle berühmten Bilder, bie von Fralleu gemalt motben I finh dpSaleicben alle Bilobaoerarbeiteu. die auUutteibcit sind, urtb
Zweiter Dante-Abend.
Ans dem Grausen ter holle führte .uns Fräulein Moria Bassermann gestern abend in dem zweiten Teil lfeer Tante- Vorlesuiigen in die lieblicheren sGefilte^ des LäuterMigsberges, oder — wie A. Bassermann den zweiten Teil der Trvnia C-omotea nennt — tes Fegeberges. Mit einer fetzen, reinen Vortrags- kunst, die das seelische Erlebnis zu emer lichtvollen Plastik formt, brackste sie mit erlesenem Geschmack ausgewählte Gei ante zu emer tiefen, aus-geprägten Wiriüng. Tie innere Gestaltung ist das nxsentlichc, das, was Weg und Führung- gibtwas darüber hinausgeht, das gehört der Bühne, die kein noch fv gut ausgv- arbeiteter Vortrag ersetzen kann. .
In diesen festen Grenzen, die em fernes Gefühl sich leicht selbst bestimmt, hielt sich die Vortragende mit Geschmack und Bedacht. In innig beseeltem Miterleben führte sie uns nach dem Berg ter Läuterung, zu dem Tor derGnade, decken Lchuterung ihr wunderbar gelang. Weiter folgen wir zu den Lchatten ter joyay Mutigen, die bedrückt einherwandeln, und mit ergreifendem Schauer hören wir das meisterhaft vorgetragene Vaterunfer, mit dem dre Rastlosen ihr Heil erflehen. . '
Dann begegnet dem wandelnden Dichter rrr lieblicher Au, die blumenbrechende Frau, Mathilde, und ein Bild von köstlicher Frische, das mit dem prächtigen Sinnbild von dem Samen des Guten schließt, bezaubert uns mit rührender Innigkeit.
Hier wie in ter Schilderung ter Prozession, die wegen ter Häufung der Allegorieii allerdings nur sehr schwer verständlich ist, gelang es der Vortragenden, mitzureißen in diese bunte, phantastische Welt, die eines Dichters Auge in trunkener Freute ersck-affen hat. Und in seliger, sonniger Hoffnung klangen und jaiicktten die Verje bei dem Wiedersehen mit Beatrice, ferner Liebsten, die hier zuM reinen Symbol des Glaubens geworden ist. Tie geniale Schilderung, die des Dichters jubelnde Seele hier entwirft, diese sonnige, wonnige Schönheit wußte Marie Baster- mmm mit inniger Empfindung nachzuschaffen, und einen Teil jenes Pvom.'theusfunkens, der Seele, in dem Zuhörer anzufachen, ohne ten altes nur Sckxall und Rauch bleibt.
Daß die zahlreiche Versammlung der Vortragenden so gern und willig folgte, ist aber wohl das beste Zeichen, denn jeder gehütete Deutsche hat die Göttliche Komödie — meistens nur auf seinem Bücherbord stehen, und nur wenige sind in den Läu- terungsberg eingebrungen — sehr wenige in das Paradies. N.
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^^—^egen tritt f einer Schauspielerin. Im Deutschen Theater zu Berlin kam es kürzlich nach Schluß ter Vorstellung zu einem unangenehmen Austritt. Ter Herausgeber der „Schaubühne", Siegfried Jakobsohn, wurde, als er das Theater verlassen wollte, von Ida Roland, dem Mitglied des Hebbeltheaters, angegriffen. Tie reizbare Schöne versuchte ten Krittler mit ihren Fäusten und einem Regenschirm zu bearbeiten. Ter Grund zu dem Vorgehen ist ein Aufsatz in dem neuesten Heft der Schaubühne, worin sich die Zeitschrift mit dem Hebbeltheater beschäftigt und Ida Roland als die „Vertrauensperfon des Direktor Robert in gewissem Sinne mit für bcrn Zu.amm>w- bruch tes Theaters verantwortlich macht. Ttese Anficht war auch schon vorher von Mitgliedern tes Hebbeltheaters geäußert worden.^ j r ö N e n t l i ck u n g d e r M u s s e t - B r i e fe im „Figaro" bat den Verehrern des Dichters eine große Enttäuschung bereitet; beim diese sogenannten Briefe, deren nun schon 3H ver- öffenilicht rourben, finb tast ausschließlich fursc ?iebe‘5bric,e von wenigen, belanglosen Zeilen, worin ber feurige Liebhaber um cm etellbichcm bittet unb stets aufs neue in leidenschaftlichen Worten seine Liebe zu ber Angebeteten beteuert. Die literarische Forschung erhält durch ten Briefwechsel nicht bie minbeften Aufschlüsse.
— Ein falscher Velasanez ist in London entdeckt worden. Die Nationalgalerie erwarb das Bild vor zwei Jahren für 900 000 Mark. Der Kunstforscher William Richmont behauptet, daß sich in den Farben preußisch Blau befinde, das erst vor 150 Jahren entdeckt wurde. Der Chemiker Church sagt aus, daß seine chemische Untersuchung dasselbe Ergebnis gehabt habe.
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Reimet //gemeinde.
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IIOtMeimer.
Samstag 22. Januar 1910
Vezugsprei.»: monatlich 7öPs., viertel-
politische Wochenschau. 11
Gießen, 22. Fan. ।
Wir sind jetzt endlich wirklich von dem abgeleierten Finanzreformgesang abgekommen und sehen von alten Seiten neue Ereignisse und Fragen uns entgegenkommen. 2-as Schifslein des Auswärtigen Amtes geht auf sturmrsch bewegter See, in der Türkei und hauptsächlich in England bereiten sich neue Dinge vor, und im Innern vergessen unsere redeeifrigen Parlamentarier gar zu oft, daß ihre wich- ttaen und hitzigen „Interpellationen" noch lange nicht das Wichtigste von allem bedeuten. Auf §etrn v. Bethmann- Hollwegs Tisch, der ja der Verantwortung für unsere inier> nationale Politik vorläufig noch nicht entlastet ift. häuft sich die Arbeit. Trotzdem hat am Mittwoch auch der Mg. Müller-Meiningen die „ausfallende Parlamentsscheue" des neuen Kanzlers bekritelt. Man muß der Verflachung des Reichstags, die natürlich auch die Stimmung des Volks wieder beeinflußt, so daß Unverständnis und büliger Wch epwemieartig überguellen, so viel wie mögltch entgegentreten. Wir wollen Herrn v. Bethmann-Hollweg n^cht loben, aber solange er weder etwas verbrochen noch überhaupt vollbracht hat, auch nicht bemäkeln. Schon bemnnt in einem bestimmten Teil der Presse das gewohnte leichtsert-ge Spiel mit Dingen, die noch unfertig im Zeitenschoße liegen. Wir sind weit davon entfernt, die letzte große Rede des Herrn v Bethmann-Hollweg im preußischen Abgeordnetenyause für eine große Satan halten. Er sprach nichts aus, was nicht schon oft -genug gesagt worden wäre. Wer das war gerade diesmal zu laben. Die Polenpolitik darf kein Bejserwisfer wieder ins Schwanken bringen. Selbst wer die Beamten- maßreaelungen aus rein praktischen Gründen nicht für opportun halten möchte, sollte jetzt nicht fabeln, denn die Entschlossenheit des Kanzlers, den Polen und ihren Freunden auch keinen Schimmer von Hoffnung zu lassen, ist unter allen Umständen erfreulich. Die Stimmung muß deutlich zum Ausdruck kommen, daß der Widerstand gegen das an- maßliche Volk wie eine unerschütterlickfe Mauer steht Denn sollten die jahrelangen Kämpfe, die ungeheuren Aufwendungen von Arbeit und Geld, ganry vergebens fern? Die Beamten haben im Osten allerdings vermehrte Pflichten. Die Regierung sucht deutsche Bauern und Arbeiter auf dem heißen Boden anz-usiedeln und sollte es dort Beamten bequem machen, die ihren Zielen offen widerstreben? Das Fann niemand verlangen. Leider würde im Reichstag eine Mehrheit bereit gewesen fein, der Regierung über die Kattowitzer Fälle und die ganze Polenpolitik ihr Mißtrauen auÄ'-usprechen. Und doch haben nur das Zentrum und die Sozialdemolratie an der praktisch nutzlosen Aufwirbelung dieser Sache ein agitatorisches Interesse; w^lü-e Folge sonst noch aus solchen Schritten hervorgchen könnte, zeigt die folgende Frage eines freikoiiservativen Blattes:
„Was folgt daraus? Daß in dem Momente, wo wir m Preußen das Reichstagswahlrecht für das Abgeordnetenhaus erhielten, eine konfeguente und energifche Dstmarcen- polittk lahm gelegt wäre".
Das Niveau unseres Reichstages wird auch dadurch feiend)tet, daß die Beratung wichtiger Justizgefetze vor fast leeren Bänken vor sich ging, so daß dem Nöund Dr. Jungs, des Leipziger Anwalts vom Reichsbericht, bie ironischen Worte entschlüpfen konnten: „Es ist mit der Justiz ein eigen Ding. Die Menschen regen sich meist erst auf, wenn sie
oersaol." Er würde, wenn er bie Ausfchußberatungen der < hessischeÄ Volksvertreter gelesen hätte, vielleicht tz^ge)ugt l haben, „und wenn sie zu viel zu kosten anfangt . Am Mtt- ; woch sind den Herren in Darmstadt interessante Gestanon>sse entschlüpft. Der Staats- unb Justizminister hielt oeu Vollsboten auf eine Klage über manbelnde Arbeit bei bei; , 'leinen Amtsgerichten vor, daß sie selbst ja immer neue Amtsgerichte gefordert hätten unb bie Regierung dem Drängen sich manchnial nicht habe entziehen lönnen! Die alte, "leidige Sache! Die Herren Abgeordneten verlangen unb bie Minister bewilligen. Wo bleiben aber bie er|ten unb verantwortlichen Verwalter ber allgemeinen Staate interejfcn mit ihrem Ueberblick unb Weitblick, ihrer Auto rität unb Tatkraft? Eine Regierung bars sich boch bamil nicht entschulbigen, daß sie verkehrte Beschlüsse md)t angcrcg' >abe, sonbern "sie sollte lieber erklären, warum sie solche Torheiten nicht verhinbert hat! Unserem juristischen Nachwuchs in Helsen ist ein schreckliches Dräuen widerfahren. Man scheint für bie Zukunft durch sparsame Auslese „nach ber Güte des Examens" bie G^ohr ber 17o Aftessoren.und IGO Refereubaren flüchten zu wollen. „Weh dir, da,; du ein Enkel bist!" Ob das übrig bleibende jammernde Proletariat dem Anwaltstande ziigeichoben werden soll der ja nach den Erklärungen des Staatssekretärs vom Rcichsiustizamte aus eine zeitgemäße Erhöhung der Gebühren zu rechnen haben soll? Oft schon ist man sich darüber einig geworden, baß die Güte eines Examens durchaus nicht für die spatere Tüchtigkeit des Pcüflings maßgebend ist. Wir würden mit einer zunehmenden Bureaukratisierung unseres -stiz- betriebes keinesfalls sympathisieren und möchten annehmen, daß mancherlei Wege offen stehey, dem übergroßen Andrang zur juristischen Laufbahn entgegenzucreten.
Nachdem der Staatssekretär Frhr. v. Schoen bei ter Behandlung unserer Voltsgenossen im Aus lande mit ter Mehrheit des deutschen Volkes sich in scharfen Widerspruch gesetzt hat, trotzdem leider aber ber besonderen, ausfälligen Gunst des Kaisers sich zu erfreuen scheint, tzit er es auch mit den Juristen verschüttet. 9Nan geht ihm nicht nur in der tzelljeld^Angelegenheit, sondern auch in der Schieds- aerichtsfrage über bie Mannesmann'schen Ansprüche arg Bil Leibe. Unb zwar mit vollem Rechte. Der national- liberale Leipziger Wgeorbnete I ing belehrte ihn, daß sein Eingreifen in bie beutsch-russische Entscheibungsfrage mit den Rechtsgrunbsätzen in völ.igem Wiberspruch steht, und ber Staatssekretär des Reichsjiist zamtes, Herr Dr. Liseo, schwieg dazu offenbar nur aus Höflichkeit. Wer auch bas große Weißbuchs über ben neuesten Marokko-Streit tragt dem Baron Schoen keinen Ruhm ein. Professor Zorn, ber bekanntlich in Dölierrechtssragen von der Regierung als so kompetenter Sacksverständiger anerkannt worben ist, daß er im Haag das Deutsche Reich vertreten durfte, hat vor zwei Tagen in außerordentlich scharfer Werse gegen unser Auswärtiges Amt- Stellung genommen. Nicht nur zu der juristischen Sachlage, die er, wie schon . früher veröffentlicht »mirbe, von ganz unteren Gesichts- 1 punktan als Herr v. Sck)oen anfaht, sonbern auch zu ber 1 nationalen Notwendigkeit, bie hier vorlwgt:
Der Kernpunkt ter Frage ist allerdings ein juristischer. Ater es sind in ter Sache sv starke nationale Imponderabilien zur ■ Gekttmg gelangt und auch wirklich darin eMfelten, daß ein frernues - Schiedsgericht, dem diese Gesichtspunkte Hetzba sind, unterem l banhdxn Gefühl jetzt ganz unannehnchar ist. Das muß die Ber- i rrefang des teutschen Volkes sich jetzt mit allem Ernst anslntten. > „Gemig. unter amtlui.er beutjitev tUhuuirtung wurden am
n'<uung). u
— Ein Znkun ftsbild von Edison. Ans NcwiymÄ wird berichtet: Edison ist unter die Propheten gegangen und bat sich darüber geäußert, wie es- nach seiner Dteinung in 20 0 Jahren auf ter Welt aussehen 'verte. Die Mensckxn werden! sich dann in noch viel ausgedehnterem! Maße, als es ihnen bisher gelungen ist, aller Kräfte ter Erde und ter Luft bentädXigt haben und Wunder der Teckmik vollbringen. Ter Lebensunterhalt wird sv billig fehl, daß ein gewöhnlicher Arbeiter sich all ten Luxus wird leisten könneii, den sich heute mir ter Besitzer eines jäh-)- liefen Einkommens von 800 000 Mark gestatten kann. Edison glaubt nicht nur an die wmidervollen Hilfskräfte, die das Radiums barbictim wird, sondern auch an die Verwertung von Vulkanen zunt Nutzen ter Mensä-feit. Bislier Ijatem wir, so meint er, nur int Dunkeln getastet und stecken trotz ntcmck^es Erreichten noch inj ten Anfängen. „Wie unwissend sind mir! Wir wissen nicht, waS Schwere ist: auch kennen mir nicht die 9äatur der Wärme, des Lichts und der Elekttizität, obwohl mir uns ihrer ein lvenig bedienen. Wir sind wie jrmge Hunde, die gerate aus ter Hütte Ijerausgekrvch'N smd und einen Blick auf ihre Umgebung merfern Es wird nxxf) einer ungeheueren Entwicklung unseres Gehirns! bedürfen, um uns zu einer wirklichen Höfe des Forttchritts emporzubringen." Auch über Einzelfeiten dieser paradiesischen Zukunft, von der wir in unserem barbarischen und halbwilden Zustande nock) so meit entfernt sind, lveiß Edison ErstaunLiä^es zu erzählen. So wird es z. B. den Ohren der Frauen süß klingen, daß bid Stosse der Zukunft so billig sein n-erdeix, daß. jede Tarne jeden! Weäfel ter Rdote sofort mitmadieii tarnt Aus Holzbrei wird künsüiche Seite acmadyt, die besser ist als bie natürliche und schöner lenästet. In 50 Jahren sckjvn wird der Seideniourm so überflüssig sein, wie daS indische Indigo, das durch das Indigo aus unseren Laboratorien ersetzt ist.
— Kleine Chronik aus Kunst und Wissenschaft T er gu te KönigDagobert, em Lustivlel von AiidrS Rivoire, Uebevießt von Felix Salten hatte bet seiner Erstaufführung im Leiiticken I Deal ei' zu Berl in trotz glänzender Darstellung einen mäßigen Erfolg.
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