Ausgabe 
18.2.1910 Drittes Blatt
 
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Antrag stell« selbst her Ansicht find. Laß «dtwr irr eitqefrtm Bundesstaaten noch bestehende unberechtigte Aeschr^nlungen der T.etigivsau Freibeit nur im Wege der LsndeSgrfttzgeoung crufge» hoben werden können, so muß diesen die Regelung der Angelegen­heit überlossen werden, zumol in den letzten Jahren in den in Frag- kommensen Staaten auf dem Wege der Gesetzgebung wesentliche Erlcicbtrri'ngen stottgefunden haben. Die RcichK- vartei heilt e« auch für bedenklich, gerade auf dem religiösen Ge­biete dem Reichs ko uz ler i> t e Initiative zuzuweisen. Au« diesen Gründen sieht meine Partei sich genötigt, gegen ben Antrag zu stimmen. Selbstverständlich werden wir auch gegen ben Antrag der Sozialdemokraten stimmen, der eine Er­weiterung de« Zentrumsantrags darstellt. (Beifall rechts.)

Vizepräsident Dr. Spahn teilt mit, daß ein Antrag de« Tbg. Dassermonn auf namentliche Abstimmung über Len Antrag be£ Zentrums eingegangen sei. Die namentliche Abstimmung würde morgen zu Beginn der Sitzung erfolgen.

Abg. Brandys (Pole) spricht im Sinne des ZeirtrnmsantrageS und betont, daß die Religion dem Polle erh<rlten werden müsse.

Abg. Liebermann von Sonnenberg (Wirisch. Vg.) gibt namens der Wirtschaftlichen Vereinigung folgende Er- rlärung ab: Die Regelung der in Frage stehenden Materie ist allein Sache der Gefttzyedung der Einzelstaaten. Dec Wort­laut des Antrages läßt ober trotz der Erläuterungen des Fürsten Löwenstein nicht m>t Sicherheit erkennen, ob darin eine re> s- aesehliche Regelung oder eine solche durch die Gesetzgebung der Einzelstaaten gemeint ist. Ein früherer Antrag des Abg. Stöcker umgrenzte auch daö zu regelnde Gebiet scharf, indem er aus­drücklich nur verlangte, daß die in den einzelnen Bundesstaaten n»ch bestehenden Beschränkungen, erstens der Freiheit des reli­giösen Bekenntnisses, zweitens der Vereinigung zu Religions­gemeinschaften und drittens der gemeinsamen Rkligiondühungcn un Wege der Landeßgesehgebuna beseitigt werden. Dem ent­gegen laßt der Zentrumsantrag durch die Wahl der Worte Be­schränkung der religiösen Freiheit der individuellen Auf­fassung zu weiten Spielraum. Das erscheint uns zu dehnbar. Aus diesen Gründen lehnen wir den An­trag einstimmig ab.

Die Diskussion schließt.

Mbg. Frhr. v. HertNnz ®etthu)

erhält das SchluAvart: Eine unfreundliche Polemik twe früher ist heute erfreulicherweise unterblieben. Im höchsten Grade hat und d i e Stellung der Linken mit Ausnahme der Sozial­demokratie überrascht. Wir hatten unsere Hoffnung weniger auf die Rechte als auf btt Linke gesetzt. Merkwürdige Widerspruche sind in der Debatte hervorgttrcten. Alle Parteien erklären, sie seren mit dem Grundgedanken einverstanden. Aber wo eS heißt: hic Rhodus, hic salta, do versagen die Herren. Die Kompe­tenzfrage ist aufgeworfen worden. Wir wollen nichts weiter, als daß auf dem Wege freundschaftlicher Verhandlungen auf die Bundesstaaten eingetoirft werden soll. Fürst Bulow hat selbst 1905 erklärt, eine Resolution, die dahin ginge, die Einzelstaalen aufzufordern. ben Zustand der Freiheit vorzubereiten, wäre als Meinung-äußernng des Reichstages akzeptabel. (Hört, hört! im Zentrum.) Nun gehen wir ben Weg, und nun ist cs wieder nichts! Welchen Weg sollen wir denn gehen?

Unser Antrag will weiter nichts, als was in ihm ausdrücklich und deutlich gesagt ist. Tie Handhabung des Gesetzes läßt immer noch viel zu wünschen übrig, und wir wollen, daß Besserung ein» tritt. Mir wollen aber auch für bie katholische Kirche keine weitergehende Freiheit, wie sie die anderen Konfessionen haben. Von HerrschaftSgelü sten ist in unserem Antrag in feiner Weise die Rede. (Lachen links.) Wenn ein Bischof als oberster Seelenhirt die katholischen Lehrer vor einem nach seiner Ansicht unchristlichen Verein warnen zu müßen glaubt, so handelt er völlig im Rahmen feiner bischöflichen Kompetenz. Das war sogar die Pflicht des Bischofs. (Sehr richtig! im Zen­trum.) Gegen die Tendenz unseres Antrages hat keine Partei etwas cingeivenbct. Den sozialdemokratischen Antrag lehnen wir ab. Wenn wir einmal die Sache regeln wollen, dann gehen wir aufs ganze und greifen nicht drei Einzelpunkte heraus. (Beifall im Zentrum.)

Tie Sozialdemokraten beantragen namentliche Abstimmung auch über ihren Antrag. Auch diese findet morgen statt.

Um 6 Uhr beantragen die Freisinnigen Vertagung.

Vizepräsident Spahn

widerspricht.

Der totttog wird gegen btt gesamte Stufe abgelchnt.

Es folgt der Gesetzentwurf über die Äenderuug des § 114a «sw. ber Gewerbeordnung. Durch bie Vorlage wird der Bundes­rat ermächtigt, Lohnbücher oder Arbeit Szcttcl für bestünrvte Gewerbe dorzuschreiben.

Abg. Tv. Pieper (Zentrh bedauert, daß die an -Zahl immer mehr wachsenden trchnisäv-indu- striellen Beamten so wenig berücksichtigt worden seien. Die No­velle soll der Kommission überwiesen werden, bie auch das Haus, arbeitergesetz berät

Abg. Pauli-Potsdam (Kons.) begrüßt die Vorkrgc. Einzelheiten werden in der Kommission zu erörtern sein.

Abg. Mauz (Fr. Vp.):

Auch wir heißen die Vorlage gut. Sic entspricht den Be- dürftnffeu der Industrie.

Abg. Vogel (Natt.):

Auch uns ist die Vorlage sympathisch. Wir sind ebenfalls für KomausiionSberatung.

Staatssekretär Dr. Delbrück:

Gewiß find nicht alle in Betracht kommenden Fragen gelost. Belasten Sie das Gesetz aber nicht unnötig, besonders nicht mit der Tcchnikerfrage. Sie würden das Inkrafttreten des Gesetzes nur hinausschieben. Bezüglich der Frage der Konkurrenz- kl a u s e l wird jetzt eine Einigung noch nicht möglich sein. Im Reichsamt des Innern wird die Frage jctzl nochmals sorgfältig geprüft. Ich hoffe, daß ich Ihnen im nächsten Jahre eine ent­sprechende Vorlage iverde machen können. An meinte 3£it . Wirkung soll es nicht fehlen.

Abg. Molkenbuhr (Soz.)'! hält die Vorlage für unzulänglich.

Die Vorlage geht grt die Hausarbeitskommission.

Das Haus vertagt sich.

Freitag 1 Uhr: Namentliche Abstimmungen. Soziakdemokr»' tische Interpellation über die Aeutzerungen des ReichskastzlerK im Abgeordnetenhause. Etat des Reichöamt deS Innern.

Schluß ll/~ Ubr.

hessische wahlprüsungen im Ausschuß.

R. B. Darmstadt, 17. J-ebr. Der Wahlprüfungs- mrö Bittschristen-Ausschuß der Zweiten Kammer war heute zu einer Sitzung beisammen und beschäftigte sich Haupt-- sächlich mit Wahlprüsungen: zunächst mit der Wahl des Aba. Dr. Fr en a h int rheinhessischen Wahlkreis Nieder-OlinOber-Jsngel- heim, die bekanntlich von der Kammer schon einmal beraten, aber an den Ausschuß zurück verwiesen worden war, um eine genauere Prüfung dec Wahllisten zu veranlassen. Die amtlichen Erhebungen haben nun ergeben, daß außer den schon früher er­mittelten 11 Nichthessen in der Liste noch 48 weitere Personen verzeichnet in arm, denen das Recht zur Ausübung der Wahl iricht zustond Angesichts dieser, enormen Zahl von nicht be- rechttgten Wählern beschloß der Ausschuß, dem Antrag des Bericht- erstatters, Abg. Breidenbach, entsprechend, wiederum die Nich­tigkeit der Wahl zu beantragen unb diesen Antrag noch zu er­weitern durch das Ersuchen an die Regierung, die Namen der unberechtigten Personen in der Wählerliste zu streichen

Die^Wahlmänner des Kreises Wöllstein-Alzey haben bekannt- Iirij an Stelle des wegen Krankheit zurückgetretenen Abgeordneten Pitthan den Bürgermeister Ei dach von Psaffen-Schwabenheim zum Mitglied der Zweiten Kammer gewählt. Wenn bis zum Ablauf der gesetzlichen Frist am 19. d. M. ferne Einwendungen erhoben werden sollten, wird der Ausschuß beantragen, die Wahl für gültig ;ii erklären. Weiter befaßte sich der Ausschuß noch mit Vorstellungen eines Steinbrucharbeiters zu Aschbach i. O. and einer Witwe aus Nonrod (Oberhessen). Abg. Damm wurde mit der Erstattung des Berichtes beauftragt.

polehfcbc Lnges?chtitt.

Die Aussichten der preußischen Wahlreform.

Man schreibt uns aus Berlin:

/Die erste Eittscheidung in Sachen der preußischen Wahlre form ist! gestern gefallen. Ter zu ilyrtr Vorberatung eingesetzte Aus- schirß tont 28 Mitgliedern /> Konservative, 4 Freikonservative, 6 ZentrumLlrut'. 4 Natioualliberow, 3 Freisinnige, 1 Sozial- drmvtrat, 1 Pvbe) hat, nachdem er die Einführung des gleichen Stimmrochls mit konservativen, ft ei konservativen und national^ liberalen Stimmen (2 Natianalliberale waren zufällig nicht an­wesend^ gegen 11 Stimmen abgelehnl lstitte, sich mit 15 Zentrums-, Nationalliberalen, fteisinnigeu, sozialdemokratischen Und polnischen Stimmen für die Annahme des zweiten freifümigen Antrags auf Einführung dec geh e i m e n 21 b st immung ausgesprochen. Der mtwesende RegiervNgÄiertreter gab nun zwar die Erklärung ab, !daß die Staats reg ierung! demgegenüber mit Entschiedenheit an ben Ausführungen, des Ministerpräsidenten im Plenum fest halte, aber bie preußische Wahlreform dürfte Mahl mir unter Einbeziehung der nelfeimcit Stimmabgabe Gesetz werden, ober gar nicht.

Denn ba* war da-) Bemerkenswerte an der Ausschußabstim- nrirnfl, daß die Vertreter der betreffenden Parteien ihre Stimmen für die geheime Wahl nicht für sich persönlich abgaben, sondern namens ihrer Parteien. So wäre schon jetzt der geheimen Stimm­abgabe eine Mehrheit von 104 Zentrumsstimmen, 65 national» kiöeralen, 37 freisinnigen, 15 polnischen und 6 sozialdemokratischen, also ton 227 Stimmen im preußischen Abgeordnetenhause sicher. '2ürö Verhältnis von Resvrmsrennden zu Reformfeinden würde sich also, da die beiden Dänen den Reforrnfteunden, der eine Wilde den Resvrmfeinden zuzuzählen ist, bei vollbesetztem Hanse auf 229j 214 stellen, doch geht die Mehrheit von 15 Stimmen ffuf 11 'Stimmen zurück, weil zurzeit zwei freisinnige, ein national- liberales und ein sozialdemokratisches Mandat erledigt sind. Jm-- nierhin aber last siel: ann.-hmen, daß dieser rein Mfällige Stimmen»- Verlust wieder wettgemacht wird durch Zuzug aus dem fteiconsec- vativeu Lager, ivo, wie man annimmt, etwa 9 Abgeordnete An­hänger des geheimen Stimmrechts sind.

Die Freunde des geheimen Stimmrechts würden bann also im Abgeordneben House auf eine Mehrheit von etwa 20 oder 24 Stimmen zu rechnen hoben, wenn sie sich wicht über bie Reform der übrigen Bestimmungen der Betbmonn-Hollwegsden Wahl recht s- vvrlage so entzweien, daß demgegenüber ihre Einigkeit in der geheimen Stimmal>gabe wieder in bie Brücke geht Hier spielt vor dHem dir Frage der N e u e i n t e i l u n g d e r Wahlkreise, die die Bvdlage nick-it enthalt, die aber Sibcra e, Polen und Sozial­demokraten fordern, eine ebenso große Rolle, wie bie Besttm- ntimgcrt über die gehobenen Wähler, bei denen die Wünsch: der Freunde, des geh einten Stimmrechts merklich auseinandergehen. Will man in T reichen aber über! rupt vorwärts Kommen, so wird man wegen des Widerstandes bc~> Zentrums auf eine Neueinteilung der Wahlkreise, vorläufig ebenso verzichten müssen, wie ans die Einführung des Reichstag s wo bl rechts wegen des Widerstandes der Nationalliberalen und sich mit der geheimen Stimmabgabe be­gnügen. Ob man die Privilegierung einzelner Wäh.ecklassen von vornherein ablehnt, ober sie über die Bethmann-Hollwegsche Re­form hinaus su verbessern sucht, ist eine Frage für sich: bie verbesserte Beibehaltung der Privilegierten türmte jedenfalls ein Angebot her Regierung gegenüber bilden, um diese der Einführung her geheimen 'Stimmabgabe geneigt zu machen. Sbbcc bei den Bethmann-Hollnschen Vorschlägen, die die ganzen großen Kreise des Handels und G-cw-erbes gegenüber den Erorninonten und Be­amten zurücksetzen, wirb es nicht fein Bewenden haben dürfen. Will man an der Privilegierung, auf die übrigens die "National- liberalen f'-xiiMt legen, festhalten. )o iiutfe man sie wenigstens auch von Merkmalen ablchngia machen, die für alle Wähler erreichbar sind. Einigermaßen glücklich erscheinen daher die beiden national,- tiberakn Ausichilßcnttr ige, in deren erstem gefordert ward, daß die erste Wähikerabtellung mindestens ein Zehntel, die zlveite inindestens zwei Zehntel der gesamten Wählerschaft umfassen soll, und in berent zweiten das Aus rücken in eine höhere Wähkerklosse u. a. ixrtxw olsiängig gemad-t wird, daß der l>etreffende Wähler mehr als 12 Zahre einen selbständigen Beruf ausgrübt hat, oder länger

als 12 Jahre in ein und demselben privaten oder öffentlichen Dienst­verhältnis gestanden hat.

Das wettertelegraphische Seobachtungsgebiet.

Der-ifentlid^ Wetterdienst beruht vor allem auf der raschen tcklegraphi-ickMr .Wettermeldung aus entfernten Gebieten: denn, btic Witterung eines, beliebigen Ortes steht in dauernder Abhangig- öeit von der Witteritng benachbarter Gebiete. Mit 8>ilfe des^ Tele­graphen ist cs möglich, Wetteränderungen, die in fernen Bezirken vor sich gehen, noch reustzeitig in ihrer Wirkung auf unsere Witterung -zu erkennen und in einer Vorausfage zu verwerten. Ganz besondeis wichtig ist dieser Meldedienst von jeher für Sturm­warnungen gewesen; dal-er waren auch die ersten Versuche eines Wetterdienstes ht den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts! lediglich auf Sttirmwarnunyen gerichtet und wurden von beit) Marinen Englands, Frankreick)s und Teutschlands miternommen. Die großen Sturmwirbel Pflegen zumteil auf dem Atlantisch^ Ozean, ober sogar im arktischen Nordamerika zu entstehen, un« nach einer Woche und später auch bie Küsten Europas mit ben sie begleitenden «charakteristischen Erscheinungen zu erreichen.- Es liegt doljer im Interesse unserer Seew-arte wie auch des gcsamteiH öfsenttichen Wetterdicnstrs, bas telegraphische Meldegebiet mög­lichst izu erw-e tern, um aud;,. eine Wetteclarto des Atlantischen Ozeans, toerui nicht gar der Nordhemisphäce selbst Herstellen in können. Technisch ist dies heute noch nicht mögtickr Dem im Westen vorgelagerten Lltlaittisckzeit Ozean mangeln festländische Bcobachlungsstationen. Man Hot daher an drahtlose Telegraphie gebaäxt, die bie Beobachtungen der großen Kriegsschiffe und Per- svrtendampfer noch Europa übermittelt. Derartige Versuche sind un vorigen Jahre von der deutschen Seewarbe mit zuvorkommender Unterstützung des Metcorulogical Office in London ausgesührt wor­den: und zwar während dec Monate August u. September, weil zu dieser Zeit der regsw-Schrfisoerkehr und damit rascheste Beförderung der Telegramme zu erwarten war. Ta nämlich die funken- tclegropl)ifche Reichweite eines Schiffes nur eine geringe ist, so löst sich nur dadurch eine Beförderung bed Telegramms zur Küste erreichen, baß, bas Schiff entgcgenkiominenden Schiffen bas Tcie- grannn übermittelt, so daß bis zur Küste eine ganze Schifsskette bnreltaufen wird. Tie Seewarte batte die Versuche auf das Gebiet zwischen 10 und 30 Grad w. L. v. Gr. beschränkt, weil sich bei Vorversuck-en int F-rühjahr schon gezeigt hatte, das Telegcoumie außerhalb dieser 3d ne1 unter allen Umständen für ben Wetterdienst zu spät einliefen, um noch in bie Tageswettertärte ausgenommen zu toerben. Aber selbst die Telegramme tilnerholb des oben be­grenzten Bezirks kamen in den meisten Fällen zu spät lutb nur bie vom vorher gebenden Abend liefen für bie Wetterkarte des änderen Tages rechtzeitig ein, ein Resultat, dessen Wert in keinem Verhältnis steht zu ben durch die Funkcntelcgramine verursachten Kosten, jo baß vorderhand der öftenlliche Wetterdienst auf diese Hebermittiimg von Wettermelbuugen wird verzichten müssen. Erst wenn die Funkentekegramme. billiger geworben sind und rascher befördert werden können, kann an eine Verwendung für den Wetterbiewst gedacht werden und damit Ausdehnung der Wetter­karte über den Atlantik.

War auf diese Weife eine Erweiterung des Beovochlungs gcLiets nicht zu erreichen, so ist doch durch bie steten Bemühungen der Seewarte und des Reichspostamts auf Grund internationaler Vereinbarungen eine bemerkenswerte Bereicherung des Wctten- kcrrtcnmaterials während der letzten 9Jäonatc ein getreten.

Im vorigen Herbst bereits wurde das Gebiet bis zum VLord- kap Europas und Archangelsk, int Nordwesten bis zur Ostküste dec Insel Island ausgedehnt und durch die Inseln Shetland irttb, Färöer eine Verbindungsbrücke mit Island geschaffen. Vom 1. März d. Js. wird auch die Westküste. Islands durch die Station Reykjavik Grönland gegenüber in bie Wettertelegramme ausge­nommen, besgleichen Perpignan in Südftankreicki, Moskau und (Sonina in Nordwestspanien am Ausgang ber Bistoychec. Als wichtigste Station neben Reykjavik nahe bei Tänem.rckstras'e kommt zweifellos Horta auf dec Insel Fayak in der Azorengruppe neu hinzu. Wir beftnden uns hier schon an ber Süd grenze bei West­winde der gemäßigten Breiten inmitten des subtropischen Dbaxi- mums, das mit zu den Aktivnszentren dec Atmosphäre gehört.

Es ist zu hoffen, daß die Telegramme dieser entfernten Ge­biete auch noch rechtzeitig für den Wetterdienst entgehen; denn der Weg HortaHamburgGießen beisp. muß von dem Tele­gramm in 23 Stunden durchlaufen werden. Tie Wetterkarten der amtlichen Wetterdienststelle am landw. Institut werden hont 1. Ättirz an die oben erwähnten Stationen täglich veröffenllichen.

A. Peppler, Wetterdienstlnter.

Deren tidites.

Der Mann nt 11 dem Marmorgesicht. Aus London wird berichtet: Ein eigenen tiger Krankheitsfall, der in dem Krankenhaus für Hautleideude in Birmingham behandelt wird, befdiärtigt aufs lebhafteste die englische Acrztewell. Es handelt sich um einen Patienten, der vor kurzem an einer heftigen Lungenentzündung erkrankte. Der GcnesunqSprozeß war von einer merkwürdigen Erscheinung begleitet: die Haut deä Patienten veränderte sich allmählich an den Händen, den Füßen, der Brust und dem Gesichte und gewann schließlich ein Aussehen, das täuschend an weißen Marmor erinnerte. Die Tehnungsfähigkeit der Haut ist verschwunden, sie fühlt sich kalt an und aemähnf an die Haut eines Toten. An den (Sitebern haben sich die Hautgewebe versteift, sodaß ber Kranke sich kaum noch bewegen kann: nur mit großer Anstrengung vermag er ben 2)1 unb zu offnen. Die Aerztc suchen die rätselhafte Erscheinung durch eine Art Lähmung der Arterien und der Lyinvbdrüsen zu erklären, die wahrscheinlich von einer Storung des Nervenzentrums ausgelien Das elektrische Radium- Jnstitttt, bas dem Birminghamer Krankenhaus angegliebeit wirb, soll in ben nächsten Tagen fertig sein und man hofft durch

elektrische Radiitmbebanbluug dem Kranken, der den Namen Morgan Field führt, sein Leiden erleichtern zu können.

* Das aus sterbe nd e Pferd. Die/-so oft im Srfrrj hingewvcfene Bemerkung, baß die Pferde infolge ber fortschreiten­den Entwickelung ber mechanischen Fortbeivegungsmittel allmählich auszustec'ben beginnen, hat bei den ÄNilitärverwottungen einzelner-' europäischer Lander int Laufe ber letzten Zeit dach eine etwas ernstere Bedeiptimg gewonnen. Vor allem sind bie Engländer über bic fortschreitende Verdrängung der Pferde durch daS Antomobst besorgt; bei der letzten Pfcrdemusterung. hat fidu ergeben, daß oic vorhandenen Bestände^ schon jetzt taum mehr ausreichen, um üu Kriegsfälle die Bedürfnisse der Militärvettcallung zu beden. Es ist zu befürchten, daß sich in einigen Iahten cur empfindlicher Mangel an Pferden ergeben wirb. Tao Londoner .Kriegsamt hat daher eingehende Erkundigungen in fämüidrett Bezirken Groß­britanniens angevrdnet, um die Brauchbarkeit der vorhandenen Pferde festzustellen. Sollten sich die Befürchtungen der Kriegs- Verwaltung bewahrheiten, so sollen staatliche Züchtereien angelegt werben, um die Bedürfnisse des Landes von privaten Verhält, nissen nnabhängig zu gestalten.

* Enfant tercible.Tantchen, sperr' nur die Zimmer recht gut ab, bevor bjt dich schlafen legst, denn Onkel Hermann sagte erst gestern zu Papa: Wenn meine Braut nicht so enorm reich wäre, könnte sie mir gestohlen -icrden

* Die Landpomeranze, liteuc Tiensttnäbcheu (als ber sich verabschiedende Gast ihr Markstück in die Hand drückt):Stimmt das, oder kr'.-g.-: »'-s.- was 'raus?"

Hircblid> Uacyriehten.

LvtttlgeUsci-e (setuetnoc.

Sonntag den 20. Februar, R e m i n i S c e r c; , ^1 Gottesdienst.

3n ber Stadtkirche.

Vormittags 9'/2 Uhr: Pfarrer D Set) Iosfer.

Vormittags 11 Uhr: Kinderkircheür die Matthausgemcinbe.

Pfarrer D. Schlosser.

Abends 6 Uhr: Pfarrer Schwabe.

Abends 8 Uhr: Versammlung ber Jugenbvcreinigung dec Malthäusgemeinbe.

Ttenstag ben 22. Februar, uachm. 4 Uhr, im Matthgu-" saal: Fra u en-M i s s i onsv e r e in.

Mittwoch ben 23. Februar, abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten weiblichen Jugend der MartuSgcmelyde.

3n der Zohanneskirche.

Vormittags 9'/.. Uhr: Pfarrer B e ch l o l s h c i m e r.

Vormittags 11 Uhr: Kiiiderlirche für die Lukasgeuteindc.

Pfarrer B e ch t o l s h e i m e r.

Abends 6 Uhr: Piarrassisteut Haustet n.

Beichte und heil. Abendmahl für die Lukas- und Johamics» gemeinde. Anmeldungen vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten.

Abends 7V. Uhr: Vereinigung dec konfirmierten männliche» Jugend der Lukas- und der JohauncSgemeinbc.

Mittwoch den 23. Februar, abends 6 Uhr:

3. PgfsionS - Anda ch t.

Pfarrer Bcchtolsheime r.

Uacholüche c-ietnem-e.

Gottesdienst.

S a m S l a g den 1 9. F c b r n a r:

Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur heil. Beicht.

Sonntag ben 20. Febrnar, 2. Fast en-Sonn tag. Beginn der österlichen Zeil.

Vormittags von 6'/. Uhr an: Gelegenheit zur heil. Beicht.

Vormittags um 7 Uhr: Die erste heil. Aieffc.

- um 8 Uhr: Austeilung der bL Kommunion.

Vormittags um 9 Uhr: Hochamt mit Predigt.

um 11 Uhr: Heil. Messe mit Predigt. MilltärgotteSdienst.

Nachmittags um 51/, Uhr: Christenlehre: darauf sakramentalische Brnderfchafts-Aiidacht.

Montag abend um 8J 5 Uhr ist in der Kirche apologeiischce V ottra g.

Tienstag und 'Freitag abend um 6/, Uhr ist Fasten-Andacht.

Monall. Ueberstcht der Todersäüe in der Stadt Sieben.

Monat Januar 1910.

Einwohnerzahl: angenommen zu 31 800 (iufl. 1600 Manu Militär), Sterblichkeitszifser: 20,8 °IM, nach Abzug von 29 Ortsfremden: 10,0 J/w.

Kinder

Es starben an: Zujcmtmer«: Erwachsene: un vom

Scharlach

1.

Lebenssahr: 2

.15. Jahr

1

1

Diphtherie

2(2)

2(2)

Keuchhusten

1

1

Tuberkulose

7(5)

7 (5)

.

Lungenentzünduug

5 (1)

4(1)

1

Hcrzlraukheitetr

4 (2)

4 (2)

-schlaqsiuß

o

2

Nervenkrankheiten

4 (4)

4(4)

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Unterleibskrankhetten

4 (2)

4(2)

Nierenentzüiidnng

6(3)

6(3)

Krebs

11 (7)

11 (7)

attberen Krankheiten Summa:

8(3)__

55 (29)

3

46 (24)

___4(8)___ 6(3)

1 ___

3 (2) :

Anm.. Die in Klammern geitLKu Jirietn «noen an, rote vtel

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-wa ris nach

Greßen gebrachte Kranke kommen.