Ausgabe 
17.3.1910 Erstes Blatt
 
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Erhöhung der Zölle beantragt. Der Zoll für Schaumwein wird auf 200 Fr., für andere Weine auf 80, für Liköre auf 500 Fr. pro Hektoliter und für Parfümerien auf 25 %, sowie für Seide auf 20 % des Fakturen­wertes erhöht.

In der russischen R ei ch s d u m a kam es am Mittwoch während der Aus spräche,üb er Len Haitshalt des Ministeriums für Voltsaufklärung zu einem stürmischen Auftritt ,P u r i s ch k e w i t s ch (Extreme Rechte) behauptete, währeud 'er über die Petersburger Universität redete, in deren stu­dentischen! Aeltestenrar befinde sich eine Stundentin,Ju­ri st e n w e i b ch e n" genannt, die in intimen Be­ziehungen zu allen Mitgliedern des Ael- testenrates stehe. Darauf erhob sich int Saale ein un­geheurer Lärm. Die Sinie rief Purischkewitsch Schmäh­worte zu und verlangte dessen Ausweisuitg. Der Präsident erklärte, der Redner müsse, tvvs er gesagt habe, auf sein Gewissen nehmen. Der Kadettenführer Milju­kow forderte die Ausweisung von Purischkewitsch und be­gann nun einen Wortstreit mit dem Präsidenten. Ununter­brochene Zurufe links und Beifallsklatschen rechts veran­laßte den Präsidenten, die Sitzung zu schließen. Nach deren Wiedereröffnung entzog der Präsident Purischkewitsch das Wort und erteilte Miljukow eine Rüge wegen seines Verhaltens.

Aus Athen wird gemeldet: Der Legationssekretär Levidis ist zum griechischen Geschäftsträger in Berlin ernannt worden.

Aus Belgrad berichtet man: Nach dem im Minister­rat festgesetzten Programm wird König Peter fünf Tage, vom 22. bis 27., in Petersburg verbleiben und sich sodann zum zweitägigen Aufenthalt nach Moskau begeben. Hierauf kehrt der König über Oderberg und Ofenpest nach Belgrad zurück, von wo er nach einer mehr­tägigen Ruhe die Reise nach Konstantinopel über Sofia antritt. Von der Reiseroute über das Schwarze Meer wurde der Beschwerlichkeit der Ueberfahrt wegen Ab­stand genommen. Einem Blatte zufolge wird König Peter bei seiner Durchreise durch Sofia dem König Ferdinand einen offiziellen Besuch abstatten, der im April in Belgrad erwidert wird.

Aus Madrid meldet man: Der neu ernannte deutsche Botschafter, Prinz von Ratibor und Corvey, ist hier eingetroffen und hat dem Minister des Auswärtigen am Nachmittag einen Besuch abgestattet.

vor 60 Lahren.

Ein Freund unseres Blattes schreibt uns:

Ein Gedenktag ist in unserer schnellebigen Zeit spurlos borübergegangen. Am 11. März waren es 60 Jahre, daß die Main-Weser-Bahn zwischen Frankfurt und Fried­berg dem Verkehr übergeben wurde; die Strecke Friedberg Bad-NauheimButzbach wurde am 1. Dez. 1850 eröffnet, wäh­rend die Strecke ButzbachGießenKassel erst Mitte der 50er Jahre in Betrieb gesetzt werden konnte. Wie lange Zeit der Unterhandlungen es zwischen den beteiligten Negierungen bc- > durfte, geht aus einem schriftlichen Handbuche, datiert von 1845, 'hervor, um dieKonzessierung eines den Main und den Weser­grund zu verbindenden Schienenwegs" zu erlangen. Vier Re­gierungen kamen für die Genehmigung der Bahn in Betracht, da sie von Frankfurt (freie Reichsstadt) über Bockenheim (kur- chessisch), Heddernheim (Hesseu-Homburgisch), Vilbel bis Fried­berg (Hessen-Darmstädtisch), Bad-Nauheim (kurhessisch), Butzbach bis Lollar (Heffen-Darrnstädtisch), FronhausenKassel >kurhessisch) führen sollte. Schon 1842 waren Verhandlungen im Gange,

wette, schreibt er bei seinen Briefen mindestens immer drei Seiten rell, am liebsten alle vier. Er und die Sonnedulden kein Weißes". Offenbar tut es ihm leid um jedes leere Fleckchen und ischmerzt es ihn geradezu, Wenn ihm die dritte ganz oder halb ausgefüllte Seite eines empfangenen Briefes nicht erlaubt, sie mit der vierten zusammen abzutvennen.

T ie Königin von England und ihre unverheiratete Tochter, die Prinzessin Victoria, wohnten am Samstag abend der Aufführung der OperE l e k t r a" bei, die von dem Kom­ponisten Dr. Richard Strauß selbst dirigiert wurde. Das Haus wgr bis aus den letzten Platz ausverkauft, ja es wird berichtet, daß so viel Ansragen an die Tirettion gerichtet wurden, daß das riesige Theater gut zweimal Hütte gefüllt werden können. Tie Zuschauer waren wieder außerordentlich begeistert, und sowohl während der Vorstellung als auch nach Schluß fanden wiederholt große Beifallsbezeugungen statt. Mr. Beschäm erklärte im Laufe des Abends einem .Journalisten, daß noch niemals eine Oper in London mit einer solchen Begeisterung aufgenommen ivvrden jci, er rügte hinzu, daß sie in Covent Garden wochenlang hinter­einander an jedem Abend gegeben werden könnte, und daß die «Oper jedesmal au-.werkauft sein würde, Uebrigens waren alle 'Plätze für die vorgestrige Aufführung bereits verkauft, ehe es ibekannt wurde, daß Dr. Strauß sie dirigieren würde. Abends, nach der Vorstellung fand ein Essen zu Ehren des Tondichters, statt, das von Mr. Beecham gegeben wurde. Richard Strauß lehrt am nächsten Mittwoch nach Berlin zurück. Der Zensor hat übrigens seinen Bann über die Straußsche OperSaloin e" aufgehoben, und sie wird nun von Mr. Beecham im Herbst in Covent Garden zur Aufführung gelangen. Es heißt, daß der K-imch uud^ganz besonders die Königin ihren Einfluß in dieser Beziehung geltend mackstem.

DK. E l n Bild Mittels ge stöhlen! Einem Telegramm auS San Francisco zuwlge wurde bei einer borngen Gemälde­ausstellung eut Gemälde von Jean Francois Ättllet, ,Schafherde und Hirt" am hellen Tage gestohlen. Die Ge- inäldeaussleUung fand in dem Golden Gale Park Museum slalt Zu der Zeit deS Diebstahls ivat die Ausstellung ziemlich stark be­sucht, und es ist merkivürdig, daß keiner der Besucher die Tur be­merkte. Ter Wert des geiiohlenen Bildes wird mit 40 000 Alk. angegeben, und die Polizei hat nicht die leiseste Spur des Diebes.

* Zweierlei. Die Verlobung ihres Kindes Röschen mit dem k. k. Generaldirektionsasfistenten Beppo Müller erlauben sich rrgebenft anzuzeigen Jacques Mayr mit Frau Annita. Vier Wochen später: Tie Verlobung unserer Tochter Rosa mit dem Kanzlisten Joseph Müller ist aufgelöst. Jakob Mayr und Frau.

vüchertisch.

Tr. jur. Ed. Karle-neuerOhne Rechtsanwalt" Verlag von Emil Abigt, Wiesbaden. Jmolge der am 1. April 1910 zur Geltung kommenden neuen Beslinunlingen der Zivilprozest- ordnung wird sich für manchen Geschäftsmann die Notwendigkeit ergeben, einen Rechtsanwalt zu befragen. Für das Mahn- und Beilreibuilgsversahren will dieses Buch den Rechtsänwall entbehrlich machen; es ist m klarer Sprache abgeiayt, druca. die erforderlichen Schriitsätzc ab und verfolgt au Berbern noch bef" Zweck, dem Schwindel der Jnkassobureaus ernstlich zu begegnen.

um eine Dahn von Frankfurt bis nach Friedberg zu bauen: sie scheiterten aber an dem Eigenwillen des Kurfürsten von Kassel, Friedrich Wilhelm I., der nicht wollte,daß seines Vetters Lande, des Großherzogs Ludwigs 11. von Hessen, durchschnitten wer­den Teil der Landgrafschaft Hessen-Homburg mit dem Bade Homburg in Verbindung mit Kassel zu bringen. Nach langem Verhandeln kam dann endlich in Frank­furt am Main 1847 im BundeSpalais eine Vereinbarung der verschiedenen Rcgierungskominiffäre zustande, wonach zunächst die Strecke FrankfurtFriedberg fertiggestellt werden solle. Mit dem Bau wurde schon im Frühjahr 1848 begonnen: die Ar­beiten erlitten aber durch die Revolutionszeit mehrere Unter­brechungen, weil, wie es in dem Buche heißt,die Beamten und Arbeiter nicht mehr mit denen ihnen gezahlten Löhnen zu­frieden waren, die Lebensmittel hoch im Preis standen und auch Robert Blum in einer großen Versammlung auf feiner Durchreise nach Frankfurt die Leute aufgefordert hatte, sich dem Badener Aufstande anzuschließen". An der Stelle, wo der Frei­heitskämpfer Stöbert Blum auf seiner letzten Steile nach Frank­furt diese Rede gehalten hat nahe bei Okarben auf freiem Felde ist heute noch ein Gedenkstein zu sehen. Stach dem ur­sprünglichen Plan sollte die Bahn von Nieder-Wöllstadt west­lich von Friedberg,vorübergesührt, von dort über Bad-Stauheim, Nieder-MörlenOstheim nach Butzbach gebaut werden, um das teure Viadukt bei Friedberg zu sparen. Aoer auch hier wieder stieß man auf den heftigsten Widerstand des Kurfürsten, der ver­hindern wollte, daß sein ehemaliger Hauptmann Torr, der am Johannisberg bei Bad-Stau heim die Villa Britannia erbaut hatte, so nahe an die Bahn hätte! (Historisch!) Auch die Grund­besitzer müssen entichiedenc Gegner der Bahn gewesen sein, denn es heißt in dem Buche,day alle Grunbbesitzer rechts der Ufa, welche Land zu der neuen Eisenbahn abzugeben haben, sich in dem Gasthauszur Krone" einfinden sollen, um zu verhüten, daß das gute Land durch die Eisenvahn ge,chädigt würde". (Ge­meint ist offenbar das Gelände an der Ockstädter Gemarkung zwischen Städteweg und Ockstädter Straße, Sichler- und Frauen­waldgelände.)

Heute nun läuft die Main-W es er-Bah n 60 Jahre und keiner von denen, welche bei ihrer Erbauung mitwirklen, weilt noch unter den Lebenden. Welche Entwickelung hat in dieser Zeit unsere Gegend genommen! Wo einst armieUgc Ortschallen und Städtchen waren, sind blühende, industriereiche und ackerbau­treibende Plätze entstanden uuO nichts erinnert mehr an die arm­selige Vertehrszeit, wo einige in Bad-Stauheim lebende, kur- henilche Soldaten den Urlaub in die Heimat auf mindestens 14 Tage erhielten, weil sie beinahe 5 Tage zum Heim- und Hin­marsch brauchten !

Zum Schlüsse sei noch bemerkt, daß auf der jetzigen Main- Weser-Bahn (heute eine der Hauptbahnen Deutschlands) täglich von Friedberg nach Frankfurt und umgekehrt nur vier Perfanen- züge verkehrten, von Friedberg nach Gießen sogar mir drei.

Ans ^taOt Land.

Gießen, 17. März 1910.

* Pfarrpersonalien. Der Großherzog hat dem Pfarrer Will;. Röm Held zu Hahn (Pfungstadt) die evang. Pfarrstelle zu Pfungstadt und dem Pfarrer H. Nahrgang zu Torn-Dürkheim die evang. Pfarrstelle zu Kostheim über­tragen.

** Lehrerpersonalien. Uebertragen wur­den den Lehrern Joh. Phil. Harth zu Unter-Mossau, und Phil. Sander zu Fräntisch-Crumbach, je eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Wörrstadt, dem Schulumtsaspi- ranten Aloys Tanz aus Klein-Zimmern eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Obertshausen. B e st ä t i g t wurde der von dem Fürsten zu Jsenburg-Birstein auf die vierte Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Urberach präsentierte Schulamtsaspirant Jos. W e h r 1 e aus Ettenheim (Baden). Er l e di g t ist die mit einem kath. Lehrer zu besetzende erste Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Obcr-Wöll- stad t. Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden. Dem kath. Pfarrer und dem Ortsvorstand in Ober-Mörlen steht das Präsentationsrecht zu.

* * Ernannt wurden: der Gefangcnaufseher an der Zellenstrafanftalt Butzbach Karl M ü l ch c r zum Oberauf­seher an dieser Anstalt und der Gefangcnaufseher am Pro- vinzialcrrresthaus in Darmstadt Joh. Ludw. Schmitt zum Gefangenaufseher an der Zellenstrafanstalt Butzbach.

* * E i n e a u ß e r o r d e n t l i ch e S i tz u n g d e r h e s s i- schen Anwaltskammer findet auf Antrag des Rechts­anwalts Dr. Eulau in Offenbach mit 19 Genossen Sams­tag, 19. März, in Darmstadt statt. Auf der Tagesordnung steht Vermehrung der Mitglieder des Vorstandes von 9 auf 12, um auch den nur an einem Amtsgerichte zugelassenen Anwälten die Möglichkeit zu geben, in dem Vorstand be­ratend mitzuwirken, weiter die Frage einer Gewerbesteuer für Rechtsanwälte, sowie die Frage des Rechtskonsulenten- unwesens. Zu dem 1. Punkt verhält sich der Vorstand ab­lehnend, steht aber dem Wunsche der Amtsgerichts-Anwälte, in den Vorstand gewühlt zu werden, nicht entgegen, voraus­gesetzt, daß solche vorgeschlagcn und von der, Versamm­lung gewählt werden. Die Gewerbesteuer der Rechtsanwälte hält der Vorstand für ungerechtfertigt und hat daher schon vor fünf Jahren deren Ablehnung in der Kammer durch­gesetzt. Die Frage der Rechtstonsutenten ist schwer zu lösen, man sieht - den Anregungen der Versammlung in dieser Hipsicht entgegen.

* * Dus 23 e ft e den Kindern zu bieten, ist Wunsch und Wille aller recht denkenden Eltern. Besonders die Ernährung der Kinder in den ersten Lebensjahren sollte unter diesem Gesichtspunkt betrachtet werden; denn was hier verfehlt wird, kann oft im ganzen Leben nicht wieder gut gemacht werden. Deshalb ist es mit besonderem Danke zu begrüßen, daß hier in Gießen eine Milchküche für Säuglinge ins Leben gerufen werden konnte, die nun schon 3 Jahre besteht und den Kindern, die der besten Er­nährung durch Muttermilch entbehren müssen, den trefflich­sten Ersatz zu bieten imstande ist. Hier wird auf Grund genauester Vorschriften, wie sie s. Zt. der Spczialarzt für Kinderheilkunde, Professor Dr. Koppe, gegeben hat, ein­wandfreie, trinkfertige Kindermilch in Einzelportionen ab­gegeben, und es ist die allseitig gemachte Erfahrung, daß Kinder, die diese Milch erhielten, prächtig gediehen. Auch tuberkelfreie Vollmilch wird in der Milchküche abgegeben. Wenn es manchen Eltern zu schwer wird, diese Nahrung, deren Preis an und für sich sehr gering bemessen ist, ihren Kindern zu beschaffen, so eröffnet sich hier gerade die SNöglichkeit, ärmeren Familien seine wahre Wohltat zu erweisen, die nicht mißbraucht luerden kann, die Eltern und Kindern, Gegenwart und Zukunft zugut kommt. Es wäre deshalb zu wünschen, daß neben der städtischen und der Vereins-Armenpflege auch von privater Seite dieser Weg moderner Wohltätigkeit beschrittn würde, damit die Milchküche an ihrem Teil mehr und mehr zu dem werde. Weg moderner Wohltätigkeit re schritten würde, damit die | er e Kinder.welt.

** Im Kolosseum har man gestern wiederum mit einem neuen Programm begonnen, das aller Voraussicht nach eine große Anziehungskraft auf das Publikum aus­üben dürfte, denn die Direktion hat diesmal bedeutende Anstrengungen gemacht, um einen unterhaltenden und ab­wechslungsreichen Abend zu gewährleisten. Ten bedeutendsten Teil nehmen natürlich die Ringer in Anspruch, unter denen wir manchen klangvollen und bekannten Namen finden, so daß sie mit einem starken Zuspruch zu rechnen haben dürsten. Zu diesen Ringkämpfen bildet das übrige Programm eine hübsche und unterhaltende Ueberleittmg. Lene Kauf­mann, eine fesche Tirolerin, fand viel Beifall mit einigen Liedern, die sie sehr schön vortrug. Es 'folgte Walter Baron, ein guter Humorist, der ebenfalls sehr starken Anklang fand. Die hier schon bestens bekannten Elrados zeigten ihre bedeutende Kunst an hängenden Seilen, die sowohl die Kraft des jungen Paares als auch seine Ge- wandheit in bestem Licht erscheinen läßt und sehr beifällig ausgenommen wurde. Als Meisterschafts-Jongleuse stellte sich Tilly Kaiser vor, die durch einige sehr gute Dar­bietungen überraschte. Eine sehr anertenneswerte Leistmtg war das Erklimmen einer stehenden Leiter, wobei sie drei Flaschen und einen Teller mit Gläsern auf dem Kinn ba­lancierte. Ten Schluß des ersten Teiles bildeten dann Wille und S t e o w a s, die sich noch weiter vervoll­kommnet haben und nun gar im Kopsstand ein Glas Wein austrinken. Ueber die außerordentliche Fähigkeit, mehrere Minuten lang frei auf dem Kopf zu stehen und dabei noch allerhand Kunststücke auszuführen, haben wir schon kürzlich gesprochen. Stach der Pause wurden ein paar hübsche tine­matographische Bilder vorgesührt, nach denen die Ring­kämpfer die Bühne betraten, von denen bis jetzt zehn ein- getroffen sind. Es sind: Heinrich Weber, Weltmeister; Eigemann, Meisterringer vom Rheinlands Ludwig Grammer, gen. der bayr. Herkules; Oster, Meister­ringer von Luxemburg; Subanoff, Meisterringer von Polen; Macdonald, Champion von Schottland; Kar- z u r k y, Meisterringer von Ungarn; Huber, SNeisterringer vom Tirol; Pierre le Boucher, Champion von Frank­reich ; Jes St i e l s e n, Champion von Finnland. Die größten Aussichten von diesen dürften Weber und Grammer haben. Gestern abend rangen Oster und Nielsen, wo­bei der Luxemburger nach 8y2 Mjn. als besiegt erklärt wurde, obwohl vom Zuschauerraum aus keine Stieb erläge zu beobachten war. Oster protestierte daher auch, so daß eine Wiederholung des Zweikampfes stattfinden wird. Sehr interessant gestalrete sich der Kampf zwischen Grammer und Subanoff, da der Bayer über eine riesige Kraft verfügt und dem gewandten Polen sehr viel zu schassen machte. Trotzdem gelang es ihm erst nach 13 Min., feinen Gegner zu legen. Den Schluß bildete das Ringen zwischen le Boucher und Karzurky, das 22 SJtin. dauerte. Der außerordentlich temperamentvolle Franzose drängt seinen Gegner manchmal von der Bühne, aber immer wieder ent­geht ihm dieser durch feine hervorragende Gewandtheit, die aber schließlich doch der robusten Kraft des Franzosen er­liegt. Heute ringen: Weber:Nielsen, Eigemann: Grammer, S u b a n o f f: M a c d o n a l d.

* * Vortrag über den Al ko ho l rn i ßl> ra n ch. Ersuchen des Bezirksvereins Gießen gegen den SRchbrauch geistiger Getränke spracki im großen Hörsaal der Universität am Mittwoch den 16. d. SR. Pros. Tr. Vioit über die Wirkungen des Alkoholmißbrauchs auf lebenswich ti ge Organe des menschlichen Körpers. Von der Darstellung war ausge­schlossen die Wirkung des Alkohols auf das Gehirn und die geistigen Funktionen. Einer näheren Betrachtung würden unterzogen die Einflüsse der: gewohnheitsmäßigen Aufnatzine geistiger Getränte auf die Schleimhäute der Lufttoege, auf den Magen, auf die feinen und zarten Drüsenzellen der Leber, auf die Stieren und besonders auf das Herz. Hier wies der Redner daraus hin, wic namentlich durch allzu reichlichen Biergenuß auch von sogen, leichten Bieren ftüh-zeitig die Herzkraft untergraben w>ird. Eine besondere Gefahr liege darin, daß die langsam cintretendc Erck- artung des Herzens sich bei regelmäßigem und rüstigem Leben zunächst kaum fühlbar mache, bis eine plötzlich? Ueoeranstren- gung die mangelnde Wider stands fäh igkei t des Herzens bar tue. Oft fielen blühende und kräftig aussehende Menschen einer Lungen­entzündung ober einer Infektionskrankheit zum Opfer, denen man eine ganz andere Lebenskraft zngetraut habe. Tie Ursache für diesen Ausgang liege dann in der mangelnden Widerstandsfählg- keit des durch Bier- oder Weingenuß geschlrächten Herzens. Bei der Finge, mo die Grenze zwiscl^n dein mäßigen und dem miß­bräuchlichen Genuß geistiger Getränke liege, komme es sehr auf die individuellen Eigenschaften des menschlichen Körpers an. Eine allgemein gültige Grenze jci nicht sesizustellen. Um so vorsich­tiger müsse die Frage von jedem einzelnen nach seinen persönlichen Anlagen beantwortet roerben. Wenn auch die großen Vorzüge der Abstinenzbewegung nicht verkannt werden dürsten, so seien besondere liebel von einem vorsichtigen und mäßigen Bier- ober Weingenuß nicht zu befürchten, während der Genuß von Brannt- tvein oder starkem Likör wegen des ionzentrierten Alkoholgehalts streng zu vermeiden sei. Kinder sollten bis zu ihrem 15. und 16. Lebensjahr den Geschmack des Alkohols überhaupt nicht kennen lernen. Der anregende und eindrucksvolle Vortrag sand den lebhaften Beifall der sehr gut besuchten Versammlung.

Hundebesitzer werden auf das gesetzliche Verbot aufmerksam gemacht, Hunde außerhalb der Ort­schaften unbeschränkt frei laufen zu lassen. Wer einen Hund in fremdem Jagdgebiete bei sich hat und den­selben außerhalb der erlaubten Verbindungswege über 100 Schritte von diesen entfernt frei herumlaufen läßt, sowie der, deffen Hund, ohne von jemanden mitgenommen zu

sein, allein in der angegebenen Weise frei herumläuft, wird

mit einer Geldbuße von 1 Mark bis 5 Mark bestraft.

Die Jagdpächter in der Umgebung von Gießen haben in

letzterer Zeit durch AuSsetzen fremder Hasen und Fasanen viel getan, um die heruntergekon^menen Wildstände zu heben und sic wenden alle gesetzlich statthaften Mittel an, um wildernde Hunde von ihren Sieoieren fernzuhalten. Da auch das Kreisamt die Polizeibehörden neuerdings auf die Strafbestimmungen aufmerksam gemacht hat, liegt es im eigenen Interesse aller Hundebesitzcr, wenn sie ihre Hunde außerhalb der Ortschaften stets an der Leine führen.

* * B e s i tz w e ch s e l. Professor Dr. Walther erwarb von Kommerzienrat Heyligenstädt in der Liebigstraße, etwa in der Mitte zwischen Ludwig- und Frankfurter Straße, einen größeren Bauplatz zum Preise von 33 Mk. für den m2, um darauf eine Villa zu errichten. Frau Georg Biederns Witwe kaufte Ecke Ludwigstraße und Leihgefteruer Weg ebenfalls für einen Villenbau ein größeres Gelände zum Preise von 22 SRk. für den m2. Beide Bauten sollen noch in diesem Jahr begonnen werden.