scheine bemerken konnte Aus mehreren Zuschriften, die ich 'empfing, geht hervor, daß einige Sonncnflrckc, die längst 'bekannt sind, fälschlich für den Kometen gehalten mürben. !'Zu der Frage, ob die Erde bereits den Kometenschweis passiert habe, kann man behaupten, daß unser Planet siche r lrch schon durch den Hauptschweif hin- Lurch gegangen ist. Es ist allerdings möglich, daß ävir noch einige Nebenschweife -u passieren haben. Der Komet wird am 20. Mai am westlichen Abend- Himmel von Sonnenuntergang (81/. Uhr) bis O'/2 Uf^r, am 21. Mai bis 10l/2 Uhr, am 22. Mai bis 10-/. Uhr -und am 23. Mar bis 11 Uhr abends -u sehen fein, (hegen Ende des Monats ist der Komet bis ll1/, Uhr sichtbar. Während dieser Zeit dürften elektrische Erscheinungen und Pendelungen, wie bei dem Kometen von 1835, deutlich sichtbar sein."
Eine Drahtnachricht teilt uns mit:
Frankfurt a. M., 21. Mai. Vom Feldbe r g- Ob ser v a torium des hiesigen Physikalischen Vereins wurde der Kometenschweif gestern als ein roter Licht- I streifen, der sich von Westen nach Norden über 90 Grad erstreckte, gesichtet. Der Streifen war gestern von Westen nach Süden gerichtet sichtbar, wurde aber nicht als Kv- metenschweif erkannt.
Nach dieser fachmännischen Feststellung dürfte es als erwiesen gelten, daß auch die übrigen in unserer Gegend von Laien gemachten Beobachtungen den lhalleyschen Kometen betreffen.
Von der hiesigen „Schönen Aussicht" aus wurde gestern abend um l/39 Uhr ein Heller Lichtstreif lints vom Düns- berg lalso im'Westen- gesehen, der in den Wolken verschwand und nach einer Viertelstunde wieder austauchte.
Aus dem Trieb sah man gestern abend etwa um 91/? Uhr m der Richtung nach dem Tünsberg zu einen Hellen glänzenden Streifen, der nach kurzer Zeit verschwand.
Fn Ober-Bessingen wurde in der Nacht auf Donnerstag um 31/, Uhr in nördlicher Richtung ein hellgelber Streifen bemerkt, der kurz nach 3% Uhr in den Wolken verschwand.
r. Lungen, 20. Mai. Zur Komctbeobachtung in der Durchgangsnacht, wie sic von Giessen aus beschrieben wird, sei bemerkt, das; die Beobachtung hier in der gleichen Weise wie in Gießen gemacht wurde. Um 31/- Uhr gewahrte man durch einen etwa halbhaushohen Schlitz in der Wolkenschicht eine Helle Lichterscheinung, oie sich rasch aber sehr unruhig, anscheinend vor- und rückwärts, bewegte. Bald daraus verschivand sic hinter der Wolken- schicht. Die Beobachtung wurde von einem mit einem Jagdglas ,ausgerüsteten Herrn gemacht, der jedoch die Erscheinung nicht be- stimmt als die des Kometen bestimmen kann. Möglich, das; cs ein iLustbatton mit starkem elektrischem Licht war anders hat man sich die Erscheinung hier nicht erklärt: wenn auch die Stärke des Lichts gegen diese Annahme spricht, so ist doch wiederum in der Morgendämmerung leicht eine Täuschung in der Entfernung möglich.
s. Marburg, 20. Mai. Auch von der hiesigen Sternwarte aus ist bis jetzt trotz fortgesetzter Beobachtungen noch keine Spur von dem Hallehschen Kometen gesehen worden. Im Zu- sammcnhang mit den Nachforschungen steht wobl auch die Ballonfahrt, die heute abend nm 9 Uhr zwei hiesige Gelehrte vom Korbplatzc des Kurhessischen Lustschisser-Vereins aus unter Fül>- rung des Herrn Dr. Wegner unternahm.
Berlin, 21. Mai. Von der Königlichen Sternwarte aus konnte gestern abend zwischen x/.9 und 9 Uhr der Komet durch das gros;e Fernrohr am westlichen Himmel ibcobachtct werden. Der Komet erschien lediglich als großes «Flechsen. Heute abend geht der Komet eine volle Stunde später ans als gestern. Alls dem dunkleren Himmelsgrnnd wird er bei klarer Witterung bester zu beobachten sein. In Breslau ist j,n der Nacht vom 19. aus den 20. Mai aus der Uuibersitäls ,Sternwarte der Vorübcrgaug der Erde am Schweife des Kometen beobachtet morden. Zwei Assistenten sahen von 12 Uhr 15 bis I Uhr 20 Minuten nach Mitternacht einen Teil des Kometenschweifes über bcii größten Teil des Himmels wandern. Er er» streikte sich angsangs vom Feuermann bis zum großen Bären, «später von, Perseus bis zur Jungfrau, unb zwar bis zu 140 ober 150 Grad Länge. Er war größer als die Milchstraße. - Der Direktor der Heidelberger Universitäls-Sternwarte. machte Beobachtungen, die zu der Annahme bercchtigen, daß die Erde spätestens am 19. Mai nachmittags ober abends einen Teil des >kom'9enfchwcifeS bezw. einen Test der ihn umgebenden gewaltigen 'Wolken dnrchlauseu hat.
Au» Hessen.
R.B. Darmstadt, 20. Mai Der Sonderausschuß if ü r b i c Revision der Verwaltungsgesetzc war heute vormittag unter dem Vorsitz des Abg. Dr. Glässing zu einer Beratung beisammen, um sich über die weitere Behandlung der 'bent Ausschuß überwiesenen Gcsetzeutwürse schlüssig zu machen. Es wurde namentlich die Frage erörtert, ob mit Rücksicht auf die Geschäftsführung des Landtag« und angcstchts der gleichzeitigen 'Beratung des Gcmciudcuinlagengcsctzcs, dessen Fertigstellung noch vor der Sommerpause vom Finanzausschuß erfolgen folh, auch noch die Tagung des Sonderausschusses durchsührbar sei, da ja bekanntlich zwölf Mitglieder, also der vierte Teil der ganzen finmmer, durch diese Auüschußberatung in Anspruch genommen werden. Weiter galt es auch, die Frage zu prüscn, ob nicht die bevorstehende Eröffnung der Arbeiten des Ausschusses für die Vereinfachung der Staatsverwaltung von Einfluß auf den Gesetz- enlwurs über die Städteordnuna fein könnte, dessen Fertigstellung firn Sonderausschuß wohl zunächst in Betracht käme. Der Ausschuß wird die Regierung um Auskunft darüber ersuchen, ob sie im Hinblick am diese Beratungen überhaupt noch Wert legt aus die Erledigung der Städtcordiumg in der jetzt vorliegenden Form, oder ob der Entwurf nicht zur Umarbeitung einstweilen zurück- gezogen werden dürfte. Die Entscheidung über diese heute im Sondcrauüsckmb angeregten Fragen soll in einer für nächsten Montag anberanmten weiteren Sitzung erfolgen.
Deutsche» Reich.
i Der „Dresdner Anzeiger" meldet: Nachdem es gelungen ist, die Bereitwilligkeit des Gefchästssührenden Ausschusses des 'Dcnb> schon ArbeitHeberbnndes für das Baugewerbe sowohl als auch die Zeickralvorstanoe aller beteiligten Gewerkschaften und de« Zentralvcrbaudes christlicher Bauarbeiter zum Eintritt in neue Verhandlungen über die Beendigung der Aus s ch l i e ß u n g i in B äuge werbe herbeizuführen, ließ, wie wir von znstäudiger Stelle erfahren, das Reichsamt des Innern den Bo» sitzenden des Arbeitgeberbundes wissen, das; das Reichs amt des Jnlnern L^rhandlungen einlciten will. (Darauf zog Oberbürgermeister Dr. Beutler, der die Prälimiualum bisher gefüllt Hal, die Einladung zu einer ersten gemeinschaftlichen Verhandlung der Parteien, du: am Samstag in Dresden statte finden sollte, zurück.
Au»l^uv.
Ans Kopenhagen meldet man: Bei den Fvlkething Wahlen wurden gewählt : M Mitglieder der Vereinigten Linken, J3 Mitglieder der Rechten, 20 Radikale und 24 «Sozialdemokraten. .'Die Vernuigte Linke verliert 5 und gewinnt 13 Sitz«', die Radikalen uerüerm 6 und gewinnen i» Sitze, die Svzial-- be-ntoträten wrlirmt und gewinnen je 5 Sitze und die Rechte tocrlicrt 9 Sitze, gewinnt ober nur einen Sitz.
Ans M a r f e i 11 c wird gemeldet: Die e i n n e f d) r i e b e n c u Vielen t c. beschlossen, die Arbeit wieder a u f z u n e h - nic-it.
In Saloniki wird trotz her fortschreitenden Beruhigung in einzelnen 'Bezirken A lbaniens die Lage noch als jMvuLtlmLhckf ti Lrvze. whn^i> Nack) p.cn. .Angaben der Arnauteu.
stehen noch bei Djakowa 17 000, ün Gebiet von Drenitz 20000 und zwischen Prizrend und Tettow noch 8000 Aufständische. Alle mi« Samsun eingetroffenen adjt Bataillone, von welchen ein Teil für die ühessalische Grenze bestimmt ist, gehen nach Albanien ab.
Die Botschafter der Kretaschutzmächte traten, wie aus Konstantinopel gemeldet wird, am 'Donnerstag zu einer Beratung zusammen, in der beschlossen wurde, der Pforte eine Note zu überreichen, in der erklärt wird, daß der Eid der kretischen To- putierten als nichtig betrachtet werbe.
Die hochzeitsseierlichkeiten in Lich. (Von unserem Sonber-Berichterstcrtter.) I.
y. Lich, 21. Mali.
Einer bei interessantesten unb ältesten Orte der Wetterau, über beten gesegneten Gefilbc der Frühling sben Blütenschnee und laue Lust sendet, ist Lich, bas bereits um bie Wenbe bes 8. Jahrhunderts urlunblich erscheint, am 10. Mär^ 1300 Stabtrechte erhielt und im Jahre 1418 an bas Haus Solms gelangte, an jenes alte Dynastengeschlecht aus dem Lahngau, bas seinen Ursprung auf den Stamm bes salischen Königs Konrad L zurückführt. Nicht weit von dem Bahnhof, inmitten eines geschmackvoll angelegten Parkes, hinter mächtigen, blühenden Kastanienbänmen versteckt, liegt Schloß Lich, ein prächtiger Bau ber Spät-Renaissance, die Residenz bes Fürsten Karl zu Solms-hohensolms-Lich, ein Nachkomme jenes historisch bekannten Kaiserlichen Truppen- inspettors unb Ariegskommifsarius, Grafen Reinhard zu Solms (f 1562), der Ingolstadt befestigt, bie Festungswerke Gießens geschleift und in ber Marienkirche zu Lich bestattet liegt. Im Vestibül des Schlosses steht bas Stanb- bild bieses Solmsischen Ahnherrn, hoch zu Roß in voller Rüstung, eine Pergamentrolle in ber Hand. Das Schloß war zu Lebzeiten bes Großoheims des Fürsten Karl, des Fürsten Ludwig (f 1880), bes einstigen Präsibenten bes Vereinigten Landtags von 1847 in Berlin, Landmarschall bes Rheinischen Provinziallandtags unb Mitglieb bes Preußischen Staatsrats, ein Sammelpunkt von Gelehrten aus allen deutschen Gauen, besonders Theologen, wie Rietschel, Stabe, Harnack usw. unb vor dem ereignisreichen Jahre 1866 ein Ort, von dem aus die Ideen Kleindeutschlands (Preußen) in weite Kreise getragen wurden. Fürst Ludwig, ober wie er im Familienkreise hieß, Fürst Louis, sowie seine Verwandten Fürst Ferdinand zu Solms-Braunfels unb Graf Otto zu Solms-Laubach, trafen sich häufig im Schlosse zu Lrch, um über die Neugestaltung Deutschlanbs unter Preußens Führung zu sprechen, wobei ost der Wunsch laut wurde: „Wenn wir es doch nur erleben könnten, daß Nassau und die beiden Hessen ebenso mediatisiert würden, wie wir 1815." Großherzog Ludwig III. von Hessen, sprach infolgedessen, nach Lich deutend, von einem Rütli, wo gegen den deutschen Bund feindliche Pläne geschmiedet, und bezeichnete bie genannten Standesherren als „Mei Preiße im Vuggels- bergt". Lubwig III. ahnte gewiß nicht, daß nach zwei Menschenaltern eine Prinzessin aus Solmsischem Geblüt den hessischen Thron einnehmen und den Stamm Heinrich des Ersten, des „Kindes von Brabant", sortsetzen würde.
Im Schlosse zu Lich finden am 23. unb 24. Mai die Vermählungsfeierlichkeiten der Prinzessin Dorothea — kurz Thea — zu Solms-Hohensotms-Lich (geb. 1883), jüngste Schwester des Fürsten Karl, und des Prinzen Hermann zu .Stolberg-Wernigerode, Herr auf Rade uz im Posenschen (geb. 1867), ältesten Bruders des Fürsten Christian-Ernst mit großem Gepränge statt. Schloß und Stadt rüsten sich bereits zur Feier. Die Schwester der Braut, die Großherzogin von Hessen, ist am 18. Mai abends 91/2 Uhr von Darmstadt zu den bevorstehenden Feierlichkeiten im Schlosse eingetrosfen, tags zuvor tarnen an Burggraf und Graf zu Dohna-Schlobitten mit Gemahlin, geb. Prinzessin zu Solms-Hohensolms-Lich aus Behlenhof bei Schlo- bitten. Am 23. Mai werden erwartet der Großherzog von Hessen (von London kommend), der Großherzog Friedrich Franz IV. von Mecklenburg, Fürstin Elisabeth Reuß Köstritz, Landgraf Chlodwig von Hessen und Landgräfin Karoline, geb. Prinzessin zu Solms-hohensolms-Lich, von Schloß Augustenou bei Herleshausen, Fürst und Fürstin zu Stolberg-Wernigerode, der Erbprinz zu Stolberg-Wernigerode, Gräfin Konstantin zu Stolberg-Wernigerode, geb Prinzessin zn Stolberg Wernigerode aus Ilsenburg a. h., Prinz Wilhelm zu Stvlberg-Wernigerode und Gemahlin geb. Prinzessin zu Erbach-Schönberg aus Rom, Prinz Viktor zu Erbach- Schönberg unb Gemahlin, geb. Gräfin Szächsnyi aus München, Prinz Reinhard Ludwig zu Solms Hohensolms- Lich, Rittmeister und Eskadronschef .m Regiment der Gardes du Corps, unb Gemahlin, geb. Gräfin zn Solms Sonnen walde, aus Potsdam, Graf Wilhelm zu Solms-Laubach unb Gemahlin, geb. Prinzessin zu Stolberg-Wernigerode, au5 Schloß Arnsburg, die Gräfin-Mutter zu Solms-Laubach, gebt Prinzessin zu Vsenburg und Büdingen Bübingen, aus Lau- bäch, Prinzessin Klementine I. L. Reuß aus Ilsenburg, Prinz Heinrich XVIII. I. L. Neuß, General der Kavallerie ä la suite der Armee unb des 1. Mecklenb. Drag.-Regts. Nr. 17 aus Ludwigslust, die Prinzessinnen Regina und Sibylle I. L. Reuß aus Köstritz, die Gräfinnen Helene, Anna Elisabeth, Jutta, Auguste Eleonore zu Stolberg-Wernigerode aus Ilsenburg a. H., die Prinzessinnen Hertha unb Anna zu Nsenbnrg unb Bübingen aus Büdingen, die Gräfin Magna Maria zu Solms-Mldensels aus WUdenfels im Kbuigreich Sachsen.
Am 22. Mai abends 8 Uhr findet im Schlosse ein Souper statt mit folgender Speisenfolge: Consomme Souveraine — Tartelettes ä la Purtie de Chovreuil — Roastbeef ä la Chipolata — Asperges — Pouding de Cabinet. Montag U/2 Uhr: Dejeuner dinatoire: Real turtle Soup — Brochet de Mer — Cuissot de Veau aux Con- combres — Selle de Chevreuil — Salade, Compote — Choux-fleurs — Savarin d’Ananas. Um 6 Uhr nachmit- tags sind Aufführungen im Schloßpark am Teich von Mitgliedern des fürstlichen Hause« auSgesührt, um 8 Uhr Souper: Potagc de pommes de terre — Piece de Boeuf ä la Venitienne — Epinard, Croutons — Glace Vanille aux Pöches. Hierzu haben Einladungen erhalten Provinzial- direktor UsrngerLießen, die beiden Regiernngsräte diw Pro- vinzialdircUion. Oberst v. Müller-Gießen und die übrigen Stabsoffiziere oes Kaiser-Wilhelm-Regiments. Am Abend gegen 9 Uhr bringen die Vereine Lichs dem Brautpaare einen Facketzug. Der 24. Mai, der Hochzeitstag tuird eingeleitet durch ein Stündchen der Kapelle des Infanterie-Regiments Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116 lObermusilmeiftew Löder) im Schloßpark. Von 0—10 Uhr findet im Sck)losse Frichstücl statt. Die standesamtliche Trauung wird um l'/y Uhr im Schlosse vollzogen, bie kirchliche um 2 Uhr in der M.o,rleuUrche. Um 3 Uhz ist Festtafel im Schlosse. ,
Aus Stadt und Lanv.
Gießen, 21. Mai 1910.
" Tageskalender. Stadttheater: Sonntag abend 8 Uhr: »Tie Tollarprinzefstn."
K 0 l 0 f f e u m: Täglich Vorstellung. (Damen-Ringkämpse.)
K i n e m a t 0 g r a p h : Täglich Vorstellung.
Biograph: Täglich Vorstellung.
F r ü h l i n g S s e st des Vereins E 0 n t e n t i a aus der Liebigs- hohe, Sonntag nachmittag 3 Uhr.
Gartenkonzert im Restaurant Royal, Samstag abend 8 Uhr.
Anlagemusik am Sonntag vormittag 11'/, Uhr in der Süd-Anlage. .
** Trauer feiern für den König von England. Gestern, am Tage der Beisetzung des Königs Eduard von Großbritannien und Irland, sand vormittags 10y2 Uhr in der Hostirche zu Darmstadt ein Gedächtnisgottesdienst statt, dem die Vertreter des diplomatischen Korps, die Spitzen der Zivilbehörden, der Generaladjutant, die Oberhof- und Hofchargen, Offiziere der Garnison und die Mitglieder der englischen Kolonie beiwohnten. In Bad- Nauheim wurde von der Kurverwaltunc^eine Trauer- feier veranstaltet. Tie staatlichen Gebäude wurden morgens 10 Uhr mit hessischen unb deutschen Fahnen auf Halbmast beflaggt; auf dem Hauptmast des Kurhauses wurde zwischen einer hessischen und einer deutschen die eng. li s ch e Fahne aufgezogen. Auf der Terrasse fiel das Nach, mittagstonzert der Kurtapelle aus; das Aoendkonzert fand wieder statt, denn um 6 Uhr war die Trauerfeier durch Ao- nehrnen der Fahnen beendet. In der englischen Kirche wurde nachmittags ein D r a u er Gottesdienst veranstaltet. An der Trauerkundgebung, die von den etialischen Kurgästen mit Befriedigung ausgenommen wurde, beteiligten sich die städtischen Behörden und viele Hotels durch Hissen' von Flaggen, sowie einige Geschäftsleute durch vornehme Trauer- dekorationen in ihren Schaufenstern.
" Der Boranfchla'g der Kreiskasse desKreises Gießen für 1910 sieht eine Einnahme von 641599 01 Mk. und eine Ausgabe von 639177 01 Mk. vor. Der Zuschuß zu den Ausgaben, soweit deren sämtliche 80 Gemeinden des Kreises beteiligt sind, beträgt 291940 Mk. Im Vorjahre mußte die Stadt Gießen für diesen Zweck 151681 Mk auf» bringen. Außerdem haben die Gemeinden des Kreises mit Ausnahme der Städte Gießen und Lich noch 14 205 Mk. zu leisten.
** Stadttheater. Nochmals sei auf die morgige Ausführung der „geschiedenen Fra u" yingewiesen,' oic unbedingt die letzte des Werkes ist, da ein Teil der Ausstattung nach Ems verladen werden muß. Das Wert, in dem fast alle ersten Kräfte beschäftigt sind, hat jüngst einen außerordentlichen Erfolg davongetragen und dürfte für Sonntags besonders starte Zugkraft ausübcn. Operettengutscheine haben zu dieser Vorstellung Gültigkeit. — Am Dienstag wird als 2. Abolinementsvorftellung die melodiösc Operette von Hugo Felix „M a d a m e Sherry" gegeben.
** Männerturnverein. Die Vorbereitungen zu dem am 11. bis 13. Juni stattfindenden Jubilämnsfeste des Männer-Turnvereins find jetzt soweit beendet. Mit dem Aufbau des großen Festzeltes auf dem Trieb ist begonnen worden und die Arbeiten schreiten rüstig voran. Der Vor> verkauf der Karten wird in nächster Zett beginnen und in den auf den Plataien näher bezeichneten Stellen ftattfinhen. Das Zubiläuinssest, für das ein reichhaltiges Programm vorgesehen ist, dürste für jeden Besucher ,üjr jeden stellend werden.
•* D a m e n - R i n gk a m p f im Kolossen m. Vom Kolosseum ivird uns geschrieben: Im ersten Kampfe des gestrigen Abends begegneten lich Emy K ar s 0 r k e-Berlin und Sascha Petro s-Rußtand. Trotz ihrer Geschmeidigkeit unterlag die kleine Berlinerin der sehnigen Russin nach 17 Minuten durch Eindrücken der Brücke. J>n zweiten Gange rang Adele B ru n u in g-Lsl- preußen mit Eenta Koch; da beide Gegneriilnen an Technik und Krasl sich geivachsen waren, blieb der Kampf nach 20Atinuten un- entschieden. Zuletzt rang Käthe Schubert, die Rheinische Eiche, mit der schlanken Holländerin v a n Hestern, die nach V Minuten unterlag. Im übrigen erfreute fid) der Wenlampf eines zahlreichen Bcsilches. — Heule abeub findet anläßlich des drei;ährigen Bestehens des Kolosseums eine große Festansführung, für die ein ausgeKeichnetes Programm zusammengestellt ist, mit anschließendem Ball statt.
** Die Schornsteinfeger-Innung für Hessen hielt in Mainz unter dem Voisttze des Obermeister Eolb, des Prüfungsmeister Wolf, des PrüfungsgescUen Wenzel- Darm ftabt die Gesellenprüfung ab. Die Prüfung haben bestanden: Jak. Ziegler aus Psifsligheim, Otto Staubach aus Lauterbach, Ernst ^.pies aus Darmstadt und Johaiin Runlel aus Posteuheim. Tie Lossprechung und Ucberrcichung der Gesellenbriefe findet Sonntan, 5. Juni, in Worms bei der Jnnungsversammlung statt.
** Gegen die M ticken plage! Wo die Berltlgung der Mückenbrut un Wasser durch Begießen mit Petroleum, Saprol unb ähnlichen Flüssigkeiten nach Lage ber örtlichen Verhältnisse nicht wohl ausführbar erscheint, kann eine andere Maßregel mit bester Aussicht auf Erfolg angewandt werden, das ist die Vermehrun g ber natürlichen Feinde der Mü ck e n b r u t. Es hat sich hermiSgestellt, daß Schwimmkäfer und Stichlinge die besten Vertilger der Mückenlarocn sind. Aber auch bie kleinen Wassersalamander und die Larven der Libellen fressen viele Mückenlarven. Es ist also zu empfehlen, diese Mückenfeinde zu schonen und sie in Tümpeln und Teichen, wo sie nicht Vorkommen, einzusetzen. Alle übrigen Wasserbehälter sind zu beseitigen oder zuzudecken. Eine weitere höchst wirksame Art, die Mücken zll bekämpfen, besteht darin, die überwinternden ÜlloskitoS zu vernichten. Mit Winteranfang flüchten die Diücken in die Keller, Gewächshäuser, Schuppen, Ställe, Nemisen u. s. w. und sitzen dock in einer Art Winterschlaf an Wanden unb Decken. Diese Mücken (meist Weibchen) können burch ben Rauch von guten reinen Insektenpulvern bei richtiger Anwenbung nicht nur betäubt, sonbern auch getötet werben. ES empfiehlt sich daher ferner, im Verlause deS Winters alle Keller u. s. m. mit Insektenpulver auszuräuchern.
•* Unsere Klärbeckenanlage wurde am Donnerstag unter Führung des Stadtbaumeisters Braubach vom Stadtbaudiiektor Köhler und 5 Stadtverordneten der Stadt Eisenach besichtigt. Die Herren, die eine Reihe solcher Anlagen in anderen Städten gesehen haben, äußerten sich feist befriedigt über bie hiesige Anlage, ganz befonberß sprachen sie sich lobend über die Sauberkeit der hiesigen Klärbecken aus. Der gute Zustand der Anlage ist auf den Plättchen-' belag der Becken zurückzuführen, der zivar in ber Anlage teuer ist, aber eine grünbliche' Reinhaltung ber Bcckcn- 1 vanbungen erleichtert.
S. Bob enhauscu, 20. Attri. An dem Nachlaß des' früheren hiesigen Geuicinoerechners Weitzel, dessen Hinter- 1 assen schuf l aus 160000 Mk. unb einem prächtigen W* Mt,c!)tz MbdM KtMt unb Gemöttlbc eine namhäl


