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21.5.1910 Erstes Blatt
 
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Die heutige Nummer umsaht 16 Seiten.

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1906

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Tie Abholung der Leiche.

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e Obligationen.

es handle sich um Schritte von politischer Tragweite, lönnle man ja am Ende den bescheidensten wirtschaftlickien Wünschen Deutschlands entgegentreten? Hoffentlich wird Herr von Bethmann^Hollweg nicht loder lassen! Bleibt er stark und wachsam, so gelingt es ihm vielleicht, die briiisch-russische Freundschaftvumarmung zi^ lösen und die Russen allmählich nrieber /Lx\ die deutsche Seite zu ziehen. Tas Netz des verstorbenen Britentönigs darf nicht für die Ewigkeit geschaffen sein.

Von der Fälle der Kongresse und Versammlungen in der Pfingstwochc hat der deutsche Lehrertag in Straßburg weitaus das größte Interesse beansprucht. Er hat einen im nationalen Sinn erfreulichen Verlauf genommen. Gewiß sind Strömungen in der deutschen Lebrerwelt vorhanden, die in Umwälzungen auf religiösem Gebiete und im VerwaltungS- gebiete zu weit gehen wollen, aber im ganzen hat sich ein reger GeisteSdrang gezeigt, der im Interesse der Schule nur zu begrüßen ist. Wenn man im Lehrerslande den berechtig­ten Drang nach größerer Freiheit und Befreiung von bureau- fratischem Druck mit weiser Mäßigung und Ablehnung radi. kaler Aufdringlichkeit verbindet, wird der deutsche Volksschul- lehrer fein Ansehen bei den Volksgenossen immer mehr heben. Die Tausende der geeinten Schulmänner be­deuten nicht nur im engen Schulzimmer eine Macht. Mächten sie die Größe ihrer Verantwortung darum ganz empfinden! Der heutige Schulbetrieb bedarf zweifellos in mancher Beziehung einer Reform. Wenn wir die Berechtigung der vom Lehrertag angenommenen Leitsätze im allgemeinen anerkennen, so möchten wir damit den Wunsch verbinden, daß die Jugenderziehung ganz besonders auch der Bildung des Gemütes mehr Aufmerksamkeit schenken sollte. Alles Wissen bleibt tot, wenn die großen Richtlinien im praktischen XScben verloren gehen.

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1197.60 1109-

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1129 95 478.- 116.90 268.80 1484.30

128.- , 14< ,; 268.50

118.20 | 164.20 j 246-

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Um 9 Uhr 10 Minuten verkündete Glockengeläute, daß die Fürstlichkeiten den Buckingham-Palast verlassen haben, um sich in die Westminster-Halle zu begeben. Tie Hitze war um dies- Zeit schon so stark, daß mehrere Fälle von Sonnenstiche zu ver­zeichnen waren. r _ .

Als der Kaiser an der Westrnmster-hallc von seinem wundervollen grauen Pferde gestiegen war, drückte er dem Erz­bischof von Canterbury und den Lords Earrington und Crewe, welche am Portal standen, die Hand. AIS die Eauipoge der Ä ö - nigin-M utter vorfuhr, eilte der Kaiser hinzu, half ihr aus dem Wagen und küßte sie mit großer Herzlichkeit Tie Königin-Mutter nahm den Arm deS Königs, welcher sic in die Halle geleitete. Ter Kaiser, König Georg und der Herzog von Connaught waren genau gleich gekleidet, nämlich in die Feldmarschallunisorm mit dem blauen Bande des Hosenband­ordens Tie Königin-Mutter trug tiefstes Sclstvarz nut langem dünnen Schleier und den Stern deS Hosenbandordens auf der Brust Die Königin sah wohl aus und bewegte sich lebhaft. Bei der großen Zahl der fürstlichen Herrschaften war es falt unmöglich, die einzelnen Persönlichkeiten zu unterscheiden. Besonders traten, der König von Spanien hervor, ivclchcr die Scharlach-Uniform seines britischen Regiments trug, und Erzherzog Fran» Ferdinand tn österreichischer Husarenuniform. . .

Nur der Kaiser, der König und die Kömgin-Mutter, bic Kaiserin-Muller von Rußland und der Herzog von Connaught be­traten die Westminster-Halle. Die anderen fürstlichen tzcrrichatt.'N, blieben auf den Pferden bezw. in den .Eauivagen. Rach einem kurzen Gottesdienste wurde der Sarg hinausge­tragen, wobei ifyin der Kaplan des Erzbischofs von Canter­bury, mit bem großen goldenen Kreuz voranschritt.

Der Trauerzug.

Um 9 (Uhr 45 Minuten wurde der Sarg durch einen Offizier und zwölf Mann von der Garde, aus der Westminster-Halle ge­tragen und auf eine Lafette gesetzt. Tie Krone, die Regalien und die Insignien des Hosenbandordens waren auf das Bahrtuch gelegt Der Trauerzug setzte sich hierauf in Bewegung. Tie Musikkapellen der Garde-Kavallerie eröffneten ihn. Es wlgten Abteilungen der Territorial- und Kolonialtruppen, der spczial- reserve, der indischen und der regulären Armee, sowie her Manne. Sodann kamen die ,Militärattaches der c. wärngen Botschafter, sowie die Abordnungen fremder Heere und Flotten. von d tu t- scher Seite waren die Flotte, das erste Gardedragoner-Rcgl- mcnt, das Husaren-Regiment Fürst Blücher von Wahlstatt und das Kürassier-Regiment Graf Geßler vertreten. Hinter ihnen folgten sechs kommandierende Generäle, die Felbmanchalü -ord Kitchener, Sir Henry Wood, Lord Robert, die zwei tonvmaxv dierenden Admirale, die Großadmirale u. die Mmiralitat, lÄießlich die 63 Flügeladjutanten des verstorbenen Königs, das Gefolge des Königs Georg und der königlichen Prinzen, Earl Marstyall Herzog von Norfolk und die obersten Hosbeamten.

Tie von acht Pferden gezogene Lafette mit dem sarg wurde von königlichen Leibgardistcn und Stallmeistern des verstorbenen Königs geleitet. Hinter dem Sarge ritt Admiral 45rw3 toure von Battenberg, sodann der Träger der komgUchen Standarte hinter dem das Leibroß König Edwards gemhri wurde. /Swn folgten zu Pferde König Georg, zu seiner Rechten ritt der deutsche Kaiser, zu feiner Linken der Herzog von Con­naught. Tann folgten zu Dreien, ebenfalls zu Pferde, die Könige von Norwegen, van Griechenland, von Spanien, von Bulgarien, von Dänemark ui'd von Portugal, der türkische Thronfvlger, der

König der Belgier, Erzherzog Franz Ferdinand von .. citcrrctd), Prinz Fushimi von Japan, Großfürst Michael Alexa ndrvwilict, der Herzog von Aosta, Prinz Rupprecht von Bayern, bei Kronprinz von Griechenland, der Kronvnnz von Rumänien, Pnnz veinnai der Niederlande, Herzog Albrecht von Württemberg, Kronprinz von Serbien, Prinz Heinrich von Preußen, der Gr 0 Nh erzog von Hessen, der Großherzog von Mecklcnburg-Sticlitz, 4-rmz Johami Georg von Sachsen, der Herzog von Sacbscn-Koburg und Gotha, Fürst zu Waldeck und Pyrmont, Prinz Mohammed Mi von Aegypten, Prmz Tsai-TaS von China, Prinz Karl von Schweden, Prinz Albert von Schleswig-Holstein, Prinz Arthur von üon naught, Prinz Christian von Schleswig Holstein, Herzog von Fife, Prinz Georg Willwlm von Cumberland, Prinz Alexander von Battenberg, Prinz Alexander von Teck, Herzog von Teck, Prinz Fran.; von Teck, Prinz Maximilian von Boden, bruu Andreas von Griechenland, Erbgrvßherzvg von Mecklenburg Strelitz, Herzog v. Alencoii, Gras d'Eu, Prinz Peter von Orleans, der Herzog von Vendömc, Prinz Louis von Orleans, Prm; Bovooradet von Siam, Prinz Leopold von Stoburg, Prinz iuol

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rzinslicbe Lose.

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politische Wochenschau.

Gießen, 21. Mai.

Während unser Kaiser mit seinen englischen Verwandten . an der Bahre des .Königs Eduard weilt, hat sich in den , Austausch sreundlichcr Presseäußcrungen zwischen Huben und , drüben ein schriller Ton gemischt. Um Persien, das den englisch-russischen Zumutungen widerstand, nachdem die Lobe her inneren Unruhen endlich so ziemlich hat gelacht werden können. Noch immer aber stehen russische Truppen auf persischem Boden, trotz mancher besorgter Anfragen im englische» Uni die von Herrn Asquith wiederholt bcruhigenb oder ausweichend beantwortet worden find. Beide Machte standen seit ihrem Vertrage von 1907, der Nordpersien unter russischen, Südpersien unter englischen Einfluß stellte, immer wachsam und argwöhnisch auf dem Sprunge Tie an Geldmangel krankende persische Regieruna schien den Klauen der beiden lauernden Rivalen, tne |ta) durch die Staatskunst des Königs Eduard in das astatische Schachbrett geteilt hatten, völlig ausgeliefert zu sein, xa aber tarnen vor einigen Wochen die ersten Meldungen, da» Parlament und Regierung in Persien die von England und Rußland angeb-uene finanzielle Hilfe ausschla^en wollten, da hie bannt verbundenen Bedingungen Persiensselbstandigtcit vollständig gebrochen haben wurden. Persren sollte sich näm­lich verpflichten, Bahnenvon strategischer Bedeutung nur unter der Kontrolle Rußlands und Englands ausz>ufuhren. Auch bei seinen Anleihegeschaften sollte der schah grund- läßlich vor den englisch-russischen Wagen gespannt werden, "a geschah etwas, was man in London und Petersburg nicht erwarte! hatte: daS Vertragsobjett ruckle zwischen den beiden Spielern hinweg, das Land der auf gelernten sonne zog Konkurrenten der beiden heran. Man munrelte, die Deutsche Bank sei mit der persischen Regierung in Unter­handlungen wegen der Anleihe getreten und stehe auch fönst im Begriff, jich Einflüsse und Rechte zu sichern Tie fnqlische Presse ergeht sich seit Wochen darüber in hefttgen AuSeinauoersetzungen, offenbaren Uebertretbunaen, Die alten Ranke wurden gesponnen, um Deutschland vor der Welt ins Unrecht zu setzen und wieder einmal al« Weltstorensried hi »zu stelle». Und gegenwärtig Hai sich zum brüllenden

Löwen auch der knurrende Bär gesellt, /o dgß vor einigen ''aqen bic Kölnische Zeitung in einer auch von uns mtt- geteuten halbamtlichen Notiz gegen die Behanp.un e,i »nb Schimpfereien des lufsifchen HetzblattesNowoie W rem ja nachörücklick) Verwahrung ein fegte. Selber scheint bio)c Ab­mehr reinen besonderen Ersolg gehabt zu haben, denn es liegen wieder eine ganze Reche von Zeilungsaußerungen ans England und Rußland vor, die unsere deutsche Potttik mii größter Gehässigkeit verdächtigen. In entern amtlichen rssijw heißt es u. a.:

Beide Staaten, besonders Rußland, das gegen hundert Mil- !tonen für Perjicn aufgewandt habe, batten einunbezweifcl- b a r e s R c cki k auf die p 0 l i t i s ch e V 0 r h e r r s ch a f t m Perncn und cbensv das Recht, zu sordcrn, baß ihre strategilchen In- tereh'en in ben ihren Grenzen benachbarten Rayons vollkommen aesichcU werden Diese Ansicht teile offenbar bie deutsche Re- ntrrung, wenigstens berechtige zu dieser Annahme dik vom Reichs- ianzlcr im Jahre 1909 im Reichstage abgegebene Erklärung, narb welcher bie brutschen Interessen in Persten ausschlietzltch wirtschafllichei Natur seien. Demzufolge habe Deutschland Ichwer- sich cinni Grund, in dem Umstande, daß die beiden Machte das Recht des Eisenbahnbaues und einige andere Konzelstonen von qleichsalls politischer und sttategischcr Bedeutung für sich de- anspruche», eine Verletzung her deutschen Rechte zu erblicken. Wenn Deutschland geneigt sei, Rußlands Vorrechte m Persien und feine volle Bereitwilligkeit anzuerkenncn, den deutsck>en Wun- scheu hiniichtlich der Handelsinterefsen cntgegcnzukommen, dann sei ein für beide Teile vollkommen befriedigende Verständigung über bie persischen Angelegenheiten zweifellos günstiger Boden vorhanden.

Nach diesen Aeußerungen ist anzunehmen, daß irgend etwas hinter den Kulissen vorgegangen ist, daß die Mei- nungsoerschiedenheiten nm die Anleihe eine neue Wendung genommen haben. Ob Rußland und England dem ^hah mit Gewaltmaßregeln gedroht haben und ob Deutschland dagegen cingeschritten ist?Daily News" nimmt Notiz von dem Gerücht, bei deutsche Botschafter in London habe Einspruch erhoben. Man vergegenwärtige sich nochmals, was bicKöln. Ztg." halbamtlich erklärt hat: bic Deutsche <3anf habe keinerlei Anlciheverhandlungen geführt, ferner seien bic angeblichen deutschen Konzessionen zu einer Ver­bindung Persiens mit der Bagdadbahn und auf dem Urmia- fec nur Pbaniasiegebilbe. ^.PolitiMe Afpirattonen Deutsch- (anbei in Persien bestäuben nicht".

So lange man nicht weiß, was von deutscher Seite eigentlich unternommen worben ist, kann man über die theoretischen Auseinandersetzungen und Feststellungen in Der auswärtigen Presse nur lächeln. Wo ist denn eigentlich die genaue Grenze zwischen politischen und wirtschaftlichen In- tcienen9 Wa« soll es mit der dummen englischen Be­hauptung, Deutschland habe sich durch frühere Erklärungen des Fürsten Bulow festgelegt und könne nur das wirt­schaftliche Rech! der offenen Tür beanspruchen? Ist der russisch-englische Vertrag von 1907 jür Deutschland über­haupt in irgend einem Punkte bindend und maßgebend ? soll der deutsche Michel durch die oifenc Tür nur hineingucken dürfen? Wenn die oben angcsiihrten Sätze derRo^ija" unbestritten als amtliche russische Acußerung gelten dürfen, sollte bas Berliner Auswärtige Amt diese herausforbernde Naivität mit ein paar erfrischenden Wassergüssen bespritzen.

Hinter all den diplomatischen Gespinsten handelt es sich schließlich doch nicht um Recht-, sondern um Machtsragen. Ist bie deutsche Regierung kräftig und entschieden genug, mit Persien über bestimmte Tinge ins Reine zu kommen mer wollte ihr das Recht beftretten ? Unter dem Vorwand,

Das Leichenbegängnis König Eduards.

London, 20. Mai.

Das Menfchengedränge.

Tie Geschäfte blieben heute in den Straßen, die der Trauerzug passiert, geschlossen. Tie Ladenbesitzer verkauften Zu­schauerplätze zwar gestern abend zu viel niedrigeren Preisen als früher, wenngleich der billigste Platz immerhin noch etwa eine Guinee kostete.

Schon während der Nacht versammelten sich in den Straßen, welche der Zug mit der Leiche deS Königs passieren sollte, g ro ß e Vo l kSw en g e n. Bei Tagesanbruch schwoll die Zahl gewaltig an. Infolge der Hitze tarnen fchon in ben Morgen­stunden viele OhnmcMsanfälle vor. Zur Spalierbilbung lind 35 OOO Mann Truppen und die ganze verfügbare Polizei Londons

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Nr. 116 Erstes Blatt 160. Jahrgang Samstag 21. Mai 1910

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I-rnfprech-Anschlüße: UM MM Verannvortlich für den

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füT* bie Tagesnuminer RotütioiisöTBd UN- Verlag -er vrühl'schen llnkv.'vnch- und §tein-ruckerei R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Zchulftratzo 7. A,^el'gen'teck? H."'Beck.

biß vormittags 9 Uhr.

rad von Waldeck. ,,

Sodann folgten zwölf Eauipagen. In dem ersten Wagen äßen die Königin Alexandra, die Kaiserin lut u11 c r von Rußland, Prinzessin Royal, Prinzessin Viktor,a, im zweiten Wagen Königin Mary, die Königin von Norwegen, die Prinzeifin von Mary und der Herzog von Cornwall.

In de» nächsten vier Wagen folgten die übrigen turlthdicn Damen, sowie die Prinzen Albert und Henry. In dem liebenten Wagen saßen die Vertreter Chinas, in dem achten Rom» velt, Picbo» und die Vertreter Persiens, in den übrigen Wagen olgtcn die Vertreter der Kolonien, sowie bic Herren und Damen des Hofes. Polizei, und Feuerivehrabteilungen ichloifen den Zug. Bei der Ankunft auf der Station Paddington wurde ocr Sarg durch Unteroffiziere von der Garde von der Lafette ge­hoben und in den Sonderzug gesetzt

Auf der Terrafie der deutschen Botschaft.

Auf Einladung des deutschen BolschasterS versammelten fick» eine große Zahl von Mitgliedern bet deutschen Kownic unb deutsche Journalisten auf der Terrasse der deutschen Botschaft, die bei ihrer Lage unmittelbar über der Hall eine unvergleich­liche Aussicht aus den Zug darbot. Line dichte, durchweg m Trauer gekleidete Menschenmenge hatte sich zu beiden Seiten der Straße ausgestaut, die durch zwei Reihe» Gardegrenadiera in Scharlachuniformen mit hohen fchwarzen Barenmützen, sonne durch eine Reihe Polizisten eingetaDmt nmtbc. Die Prozession zog langfam vorüber, was in Englaiib fcLteii bemerkbar ist. Der militärische Charakter überwog'. eS entrolltech em kalei­doskopisches Bild der verfchiedensten Truppenteile: -scefolboien, Matrosen, indische Ghurko-Osfiziere, fremde Abordminaen, Ma- rrne- und Militärattaches. Der Himmel wat anfänglich ocroolti, bann brach die Sonne durch und beleuchtete das junge Laub des St. James-Patkes. kt

Die Abfahrt nach Windsor.

Lange Zeit, nachdem die Sbifce bc-5 Zuges den Padbui^ion. Bahnhof erreicht hatte, oerfünbigten die Klange auv ,/5auf das Herannahen des Saraes Tic Lasfettc hielt vor dem toa on> wagen, der ben Sarg aufnchmen sollte. Die anweseiweii Fürst­lichkeiten bildeten zwischen der Caffctte und dem spalonnxigen Skalier Ter Toteiimarsch ertönte aufs neue: alle. Truppen am Bahnhöfe standen Salut. Die Bahnen serckten sich. T-er Sarg würbe aus den im Zuge bereititchenbm Katafalk gesetzt Die Fürstlichkeiten nahmen im Zuge Platz. Um 11 Uhr 58. verließ bet Zug die »alle. .

Die Grablegung m Wmdfor.

Windsor, 20. Mai. Bei der Ankunft in Wiiidsor wurde der Sarg von Garbeunterosfiziercn ans dem Wagen gehoben, auf die Lafette gesetzt, mit einem Bahrtuch von rotem samt, dann mit der königlichen Standarte bedeckt, worauf Die könig­lichen Insignien niedergelegt nnirben. Tic Traucrversammlung erhob sich, als die Geistlichkeit in doppelter Reihe, geführt von ben Erzbischöfen von Canterbury und Pork, erschien, unter den Klängen des Schubertschen Trauermarsches und ichtitt zu dem Westportal, um den Sarg mit der Leiche des 5iönlgs zu empfangen. 10 Minuten später begannen die vereinigten Muflkkorps vor bet Nircke den Deethoven'fchen Traucrmarsch zu ipiclen. An den Gottesdienst schloß sich eine Trau eil i tut g i c, nut welcher Der Erzbischos von Canterbury bie .Königliche Leiche der Erde übergab, während der Sarg langsam m der Gruft veriHvand. Unmittelbar vorher trat der König hervor und legte des Vaters Gatbegrenadierflagge auf den Sarg, damit brcie mit ihm be­graben werde. Während bet Er-lmchol den Segen sprach, miete bie ganze Trauerverjammlung nieber. ,

Denn begab sich die fürstliche Ttauerfarnilic ins Schloß, wo ein Mahl eingenommen wurde.

W"veodachtung öes Kometen.

Gieße n, 21. Mai.

Ällmählich häufen sich die Meldunaen, daß ber Komet gesehen worden sei, und aus unserem Leserkreise sind uns eine Anzahl Dtm Mitteilungen zugegangen, die einen Ltcht- streifen wahrgenommen haben. Da die Erscheinung an mehreren verschiedenen Orten beobachtet wurde, ist es sehr wahrscheinlich, daß es sich habet tatsächlich um ben fcaUetp schen Kometen handelt.

Tie Berliner Asttonomen haben allerdings ihre nächt­lichen Beobachtungen ein st weilen eingestellt, da diese Versuche, zunächst wenigstens, aussichtslos erscheinen.

9htr her Leiter der Treptower Sternwarte^ Dr. A r ch e n h o l d, hat noch auf seinem Posten ausgeharrt, freilich nicht um ben Kometen zu suchen, sondern um etwaige Begleiterscheinungen zu erwarten. Herr Dr. Archenhold erklärte gestern abend: , _

Der Kern des tzalleyschen Kvmeten besteht nicht aus festem Material, sondern aus feinen Staubteilchen, die bei her Projektion aus die Sonnenscheibe keinen Schatten ober dunkle Punkte verursachen. Ein Beweis hierfür ist, daß der Komet am 9. Dezember an einem Stern vorüber- zog, ohne eine Aenderung des Sternlichtes hervorzuruse». Sobald nun der Kem des Kometen in bie Nähe der Sonne gelangt, vergasen die feinen Staubteilchen und werden durch ben Lichtdruck in ben Schweif des Kometen hinabgebrückt, so baß also eine Projektion auf die Sonnenfcheibe nicht statt­finden kann Es ist daher nicht verwunderlich, daß man in der Zeit von 4 Uhr 22 Minuten bis 5 Uhr 22 Minuten^ des vorberechneten Borüberganaes des Kometen vor der Sonne, keinerlei verdächtige Beobachtungen an der Sonnen-

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