Nr. 270
Zweites Blatt
160. Jahrgang
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntag-.
Die „Stetzeaer ^amillenbiatter** werden dem »Anzeiger* viermal wöchentlich be,gelegt, daS „Kreisblati für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seit* fragen" erscheinen monatlich iroeimaL
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General-Anzeiger für Oberhessen
Vonnerrtag, 17. November 1910
Rotationsdruck und Verlag der Brühllschen UnwersuälS - Buch- und Steindruckerei.
R. Lange, vleßen.
Redaktion, Expedition unb Druckerei: Schul- ftraßt 7. Expedition und Verlag: etÄ 5L Redaktion:HL. Lel.-Adru LUizetgerGietzea.
Aus Stadt und Land.
Gießen, 17. Ätooember 1910.
Abessinien.
In der „Gesellschaft für Erd - und Völkerknnde" sprach Übet Abessinien der frühere Erzieher des dortigen Kronprinzen, Dr. Herrn. Pinnow aus Kassel. In neuerer Zeit hat dieses alte Kulturland die allgemeine Aufmerksamkeit erregt durch die Art, wie dort in stillem, aber heißem Ringen um die höchste Machtstellung gekämpft wird. Handelt cs sich doch darum, ob in Zukunft.die Geschicke des Reiches von einem stillen Knaben, dem Thronfolger, gelenkt werden sollen, oder ob die Kaiserin Taitu (d. i. Sonnenglanz) die Herrschergewalt an sich reißen wird. Bei der Besonderheit der abessinischen Kulturverhältnisse ist eine Entscheidung nach der einen oder anderen Seite allerdings noch nicht abzusehen. Abessinien wird zum größten Teile von einem Gebirgsstocke ausgesüllt, trägt also in der Hauptsache den Charakter eines Hochlandes mit steil ansteigenden Rändern. Diese Hochebene wird aber durch zahlreiche tiefe Talfurchen zerpflügt und außerdem noch durch mehrere Berge überhöht, so daß das Land neben größter Abgeschlossenheit nach außen die mannigfaltigste innere Gliederung zeigt. Dadurch
Aus dem hessischen Ananzaurschuh.
R.B. Darmstadt, 16. Nov.
Der Finanzausschuß der Zweiten Kammer hielt heute in Gegenwart mehrerer Regierungsvertreter eine Sitzung ab, in der die noch unerledigten Beratungsgegenständc fertiggestellt wurden. Zuerst wurden von den Aussckmßberichterstattern, Abg. Molthan und Dr. Gutfleisch, die Ausschußberichte über verschiedene Anträge und Vorstellungen festgestellt und genehmigt. Eine längere Aussprache riet danach der Antrag des Abg. Gib ach hervor, in dem verlangt wird, daß neben dem jetzigen.Wcinkontrolleur Lechn er auch der frühere Weinkontrol- leur B i e r s ch e n k wieder angestellt werden soll.
Ministerialrat H ö l z i n g e r wandte sich namens der Regierung gegen diesen Antrag. Er legte die seinerzeit schon in der Kammer ausführlich zur Erörterung gelangten Verhältnisse näher dar und betonte, daß ein Nebeneinanderarbeiten zweier Weinkontrolleure nicht angängig sei. Zudem müsse er darauf hin- w eisen, daß seinerzeit auch der Provinzialausschuh in Mainz sich zu Gunsten der Anstellung des Herrn Lechner erklärt habe. Wenn man neben dem jetzigen auch den früheren Kontrolleur wieder fest anstellen wollte, so würde das eine große Belastung für die interessierten Weinproduzenten und Weinhändler sein, da von diesen die Kosten der Anstellung gedeckt werden müßten.
Bei dieser Sachlage entschied sich Der Ausschuß dahin, die Regierung zu erfuhren, daß sie tunlichst auf eine Anstellung auch des Herrn Bierschent bedacht sein möge.
Ein Antrag des Abg. Raab hatte verlangt, daß ein Betrag von 6000 Mark für Zwecke der Volksbibliotheken bewilligt werden möge. Im Hinblick auf die gegenwärtige Finanzlage kam man nach längerer Aussprache dahin überein, daß der Antragsteller seinen Antrag in der Haushaltsberatung beim Kapitel „Fonds für öffentliche und gemeinnützige Zwecke" wieder einbringen und die Bewilligung der 5000 Mart aus diesem Fonds beantragen solle.
Der Regierimgsvorlage, betr. denGelandeaustauschin Gießen, wurde nach kurzer Darlegung des Sachverhalts zu- gestimmt.
Erne eingehende Besprechung fand bann noch der bekannte Antrag Haas aut Versetzung des Landeskriegerdenkmals, worüber Abg. Dr. Osann berichtete. Tie Negierung hatte, auf eine Anfrage des Ausschusses über ihre Stellung zu dem Antrag den Bescheid erteilt, daß sie den Platz am östlichen Flügel des Landesmuseums, wo sich jetzt das Landeskriegerdenkmal befindet, als einen geeigneten Platz erachte und daß auch vom künstlerischen Standpunkt aus nichts dagegen einzuwenden sei. Der persönlich anwesende Kammerpräsident, Geheimerat Haas führte dagegen aus, daß das Denkmal an seinem jetzigen Standort jedenfalls beeinträchtigt sei und nicht in seiner vollen künstlerischen Wirkimg zur Geltung komme. Der jetzige abseits gelegene Platz müsse auch als eine Zurücksetzung betrachtet werden; es dürfe nicht vergessen werden, daß das ganze Land durch dieses Denkmal die gefallenen Helden ehren will. Vom Negierungsvertreter wurde betont, daß sich vielleicht bei der Neuoürnung der Dinge gelegentlich des Bahnhofsumbaues noch ein besser geeigneter Platz für das Denkmal ergeben werde, und der Ausschuß beschloß, in diesem Sinne dem Antrag des Präsidenten Haas zuzustimmen.
uns vor dem körperlichen Verfall. Ader das genügt nicht, die Bestrebungen in den Städten hinsichtlich der Spiele müssen aufs Land getragen werden, hier ist noch viel zu tun. Gtne harmonische Ausbildung muß angestrebt, schon in der Äugend muß systematisch gewirkt werden. Neben Schule und Lehrer müssen noch andere Kräfte mitwirken. Bei Feldbereinigungen sollten Spielplätze, Turnplätze und Cistaufplätze (Hungen besitzt einen solchen) vorgesehen werden. Bei Festlichkeiten müssen körperliche Spiele mit Preisvertei- lnna vorgesehen werden. Dies geschieht z. B. in Gießen bei den Jugendfesten. Provinzialdirektor Dr. U s i n g e r legt großen Wert auf das Turnen und den Eintritt der schulentlassenen Jugend in die Turnvereine, dies könne nicht genug empfohlen werden. Landtagsabg. Bürgermeister Leun glaubt, daß die Kosten für Spielplätze und Eislaufplätze nicht so groß sein würden. So habe der Gießener Eislausverein eine Wiese von der Stadt erhalten und die Heuernte wird durch die winterliche Bewässerung nicht beeinträchtigt. Orte mit Wasserleitung könnten leicht Eisbahnen auf Wiesen anlegen. Dekan Strack spricht den Wunsch aus, daß die Spielstunden nicht Sonntag vormittags, sondern nachmittags stattfinden sollten. Nach weiteren Anfragen und Anregungen, die alle dem Ziele der Heimatpflege dienten, schloß der Vorsitzende die Versammlung mit dem Wunsche, es möge das Gehörte bald in die Tat umgesetzt weroen.
he.mat-, Wohlfahrt- mid Aunstpslege im Kreife Eietzen.
△ Gießen, 16. Nov.
Der Kreisverein Gießen des hessischen Vereins für ländliche Heimat-, Wohlfahrt- und Kunstpflege hielt gestern nachmittag im Eafo Ebel eine öffentliche Versammlung ab,, die sich eines zahlreichen Besuches namentlich der Lehrer inib Bürgermeister des Kreises erfreute. Unter den Gästen befand sich auch Provinzialdirektor Dr. Usinger, Negierungsrat Dr. Merck eröffnete die Versammlung und wres auf den Wegzug des 1. und 2. Vorsitzenden, Geheimerat, Dr. Breidert und Schulrat Kleinschmidt, hin. Dieser Wechsel hatte eine Pause im Wirken des Vereins mit sich gebracht. Der Vorstand war jedoch in dieser Zeit nicht un- tättg, er behandelte in mehreren Sitzungen die Ziele und Bestrebungen und legte die Richtlinien für das fernere Mrken fest. Der Kreisverein erhielt eine namhafte innere Kräftigung durch die Auflösung des Trachtenvereins, der in dem Kreisverein aufging und sein Vermögen in Höhe von 614.46 Mk. dem Kreisverein überließ. Der Verein hat dafür die Bestrebungen des Trachtenvereins, Erhal- ttmg der Volkstrachten, mit übernommen. Doch darf man in dieser Beziehung die Erwartungen nicht zu hoch spannen. Von besonderem Interesse war die Mitteilung, daß auf Anregung des Pfarrers Schulte-Großen-Linden ein Heimatmuseum in Gro ßen-Lind en errichtet und 1911 eingeweibt werden sott. Die Zusammenstellung der vorhandenen Altertümer, Gerätschaften usw. soll in der geräumigen Turnhalle zu Großen-Linden erfolgen. Für den Verein gilt es jetzt, durch Vorträge seine Bestrebungen Befannt zu machen. Die Vortrage sollen die Heimat, die Sitten und Gebräuche der Bewohner behandeln. Auch empfiehlt es sich, in den einzelnen Orten Lokalvereine zu gründen. Auf private Unterstützung sott gerechnet weroen, da bisher die Mittel des Kreisvereins schwach waren. Er ist bereit, die Lokalvereine bei Veranstaltungen zu Unterstützen und die Hälfte der Kosten zu tragen. Der Verein hat auch eine kleine Bücherei eingerichtet, in der die bte Heimatpflege betreffenden Bücher vorhanden sind. 1909 betrugen die Einnahmen 742.46 Mk. und die Ausgaben 714.81 Mk. Der Voranschlag für 1911 wurde einstimmig angenommen. Die Gesamteinnahmen in Höhe von 1022.65 Mk. setzen sich zusammen aus Rest aus vorderen Jahren 27.65 Mk., Mitgliederbeiträge 130 Mk., Vermögensbestand 840 Mk. und Kapitalzinsen. Zur Förderung der Literatur im Sinne der Heimatpflege sind 50 Mk. vorgesehen.
Bor der Vorstands wähl zvttte Dr. Merck dem früheren Vorsitzenden Geheimerat Dr. Breidert Anerkennung und Dank für seine verdienstvolle Tätigkeit. Daraufhin wird durch Zuruf Provinzialdirettor Dr. Usinger zum Vorsitzenden und Kreisschulinspektor Professor Dr. Alles zum Stellvertreter gewählt. Drovinzialdirektor Dr. Usinger spricht seine Freude über die Uebertragung des Amtes aus, er sei gerne bereit, die Bestrebungen des Vereins zu fördern, zumal er die Vorzüge der Vereinigung zu schätzen wisse. Dekan Strack dankte dem Regierungsrat Dr. Merck für seine seitherige Geschäftsführung.
Hierauf hielt Hauptlehrer Storch-Butzbach einen interessanten Vortrag über „Die Bedeutung der Spiele für die körperliche und geistige Entwickelung der Jugend in Stadt und Land". In seinen Ausführungen wurde verlangt, daß das Schulturnen, sowie das Turnen in den Vereinen immer mehr, wie es schon geschieht, eine wertvolle Ergänzung und Bereicherung durch das Bewegungs- spiel erfahre .und zwar überall in Stadt und'Land für Angehörige jeden Berufes und beiderlei Geschlechtes. Es wird dies gefordert, weil erfahrungsgemäß dem Spiel ein hoher Wert in gesundheitlicher und erzieherischer Hinsicht inne» wohnt. Auf einem geeigneten, genügend großen Platz muß an einem besonderen Spielnachmittag für die Schuljugend und für die Schulentlassenen Gelegenheit zur weiteren Betätigung in erwähnter schöner Hebung fein. Als Leiter der Spiele, die, nochmals betont, einen Teil der Turnübungen bilden, werden geeignete Personen aus den Turnvereinen genommen, zu welchen jüngere Lehrer, Geistliche als gern gesehene Helfer hinzutreten. — Die allgemeine Verbreitung der Turn- und Bewegungsspiele, die sich von der' Schul- auf die Nachschulzeit ausdehnen müssen, kann mit Recht als praktische Betätigung der Jugend- und Volks- fitrsorge angesehen werden. Wie schon angegeben wurde, wird die schulentlassene männliche Jugend an einer Reihe von freien Nachmittagen aus dumpfen, rauchigen Lokalen und von dem Becher weg ins Freie zu gesunder Bewegung und edler Beschäftigung geführt, wodurch unschönem Benehmen und loser Rede entgegengewirkt wird. — Wenn wir darauf stolz sind, daß unser Volk sich in den 40 Friedensjahren zu einer großen Nation entwickelt hat, so sott es unser Streben fein, mitzuhelfen, daß dieselbe stark und widerstandsfähig bleibt. — Lebhafter Beifall wurde dem Redner gezottt Provinzialdirektor Dr. Usinger dankte dem Redner.
Es entspann sich eine anregende Aussprache. Regie- rungsrat Dr. Merck betonte, es sei erfreulich, daß man überall das Bewußtsein habe, das Volk müsse körperlich erzogen werden. Die rege Tätigkeit der Turnvereine schütze
ergibt sich eine natürliche Scheidung in Provinzen, die scharf getrennt sind und infolgedessen ihre Eigenart bewahren konnten. Trotzdem sind die eigentlichen Abessinier eines Ursprungs: In vorchristlicher Zeit wanderten semitische Hirtenvölker unter Verdrängung bereits früher seßhaft gewordener Hamiten ein und behaupteten ihre Bergfeste gegen alle Anstürme bis zur Jetztzeit. Den schlimmsten Sturm hatte das mittlerweile zum Christentrnn bekehrte Bergvolk zu erdulden, als im 16. Jahrhundert die Ma- kuttüche Sturzwelle seine Grenzen umbrandete. Wenn es 'zwar auch nicht hinweggerissen wurde, so wurde es doch vom Islam wie mit einer Mauer gegen die übrige christliche Welt abgeschlossen. Wenn der Abessinier zwar auch aus seine Zugehörigkeit zum aus- erwählten Volke und auf sein altes Christentum sehr stolz ist und sich durchaus als „Schwert in der Hand Gottes" fühlt, so bat das Christentum infolge der Abgeschlossenheit seine innere Bedeutung eingebüßt und ist erstarrt in äußerem Formelwesen, das das Herz feiner Bekenner völlig kalt läßt. In später Zeit schoben sich die Galla von der Küste aus wie ein Keil zwischen die nördlichen und südlichan Stämme ein, allerdings mit keinem andern Erfolge, als daß sie endlich zur Botmäßigkeit gebracht wurden. Eine solch verschiedenartige Volksmasse zu einem selbst heftigen Esichütterungen gewachsenen Reiche zusammeng^'schmiedet W haben, ist das unbestreitbare Werk König Menelik II. Wahrend früher bet König der Landschaft Tigre entstammte und auch dort, in Adua, wohnte, ist Menelik Stammangehöriger von Schoa und hat sich bort in Abis-Abeba (d. i. die neue Blume) eine Residenz geschaffen. Neben einem großen Eifer, sich belehren zu lassen, besaß er von jeher die Gabe des Erfassens. Und er nahm das Wissenswette von allen Seiten auf. Im Jahre 1889 zur Regierung gelangt, vergab er schon fünf Jahre später den ersten Vahnbau an die Franzosen, und ein Jahr nach der für Italien verhängnisvollen Schlacht bei Adua (1907) konnte er bereits seine Befehle durch das Telephon in das Land hinausgehen lassen. Bald wetteiferten die Völker, die Errungenschaften europäischer Kultur an ihn und sein Land heranzubttngen. Italien baute neue Telephonlinien und erfreute den König durch eine prachtvolle Straße, Frankreich schuf eine tteffliche Postverbindung zwischen Hauptstadt und Küste und beglückte das Land mit Briefmarken und Silbergeld. England richtete Banken ein, während die Deutschen größere Landstrich erwarben und unter Kultur stellten. Letzteres Beginnen bittet in einem Lande, in dem Kaffee und Baumwolle wild wachsen, große Entwicklungsmöglichkeiten, trotzdem es zurzeit mit der Landwirtschaft in Abessinien noch schlecht bestellt ist. Die Bauern leben nämlich dort in einem Zustand der Bedürfnislosigkeit, der von Verelendung kaum zu unterscheiden ist. Dieser traurige Zustand hat in der wirtschaftlichen Form des Staatengebildes seine Ursachen. Abessinien ist nämlich aristokratischer Feudalstaat. Die Aristokratie lebt mit ihrem großen Anhänge am Hofe des Königs auf Kosten der Bauern, die die Steuern nickt nach der Größe ihres Besitzes zu zahlen haben, sondern alles vergeben müssen, was sie nicht selbst zur kümmerlichsten Lebensführung nötig haben. Daß der Abessinier diese Att der Steuererhebung geraden als Prämie auf die Faulheit auffaßt, darf nicht wundernehmen. Der Galla allerdings ist fleißig und wird deshalb über kurz oder lang den eingeborenen Abessinier wirtschaftlich an die Wand drücken. Bei aller Einsicht Meneliks hat sich dieser doch stets davor gehüttt, hierin einen Wandel eintreten zu lassen. Ist er doch nur dadurch zu seiner Machtstellung gelangt, daß er sich seinerzeit der herrschenden Klasse gegenüber zu Zugeständnissen bequemt hat. Trotzdem also in Abessinien manches besser geworden ist, so ist doch ein Vergleich mit der Entwicklung Japans, wie er häufig beliebt wird, um so weniger am Platze, als die breite Masse fehlt, auf die sich eine tiefere Kulturarbeit stützen könnte — das Volk steht allem Fort- fl)ritt gleichgültig gegenüber. Dennoch sieht der Vorttagende für uns Deutfche keinen Grund zu dem Pessimismus, wie er neuerdings, infolge der Entfernung der deutschen Berater vom königlichen Hofe, weite Kreise ergriffen hat. Der Deutsche scheint unter allen Mitbewerbern im Lande als politisch unverdächtig und deshalb besonders geeigntt, bei der Erschließung des Landes ein gewichtiges Wott mitzurttten. Lichtbilder von Land unt Leuten ergänzten die interessanten .Ausfühningen.
- Russische Orden an Postbeamte. Verliehen von dem Kaiser von Rußland: der St. Annenorden 2. Klasse dem Ober-Postdirektor Milkau; der St. Stanislausorden 2. Klasse dem Geb. Postrat Dingeldey unb dem Tele- qrapbendirektor Seih; der St. Annenorden 3. Klaffe dem Ober-Postinspektor Muller; der St. StaniSlauSorden 3. Kl. den Ober-Postsekretären Bellaire und Colin, sowie dem Postassistenten Geisel; die kleine silberne Medaille zum St. Stanislausorden dem Ober-Briefträger Coburger, dem Ober-Postschaffner Köhler, sowie den Postschaffnern Lerch und Ruppel. Ferner erhielten wertvolle Geschenke Post- direktor Schad, die Telegraphengehilsinnen Keller und Schmitt in Darmstadt, Heimburg und Markloff in Friedberg, ferner die Ober-Postschaffner Han st ein und Petter und Postillon Glomp.
** Die Hess. Vereinigung für Volkskunde gedenkt ihre diesjährige Generalversammlung Mittwoch, 30. November, nachmittags, in Gießen im unteren Saale des Caf6 Ebel abzuhalten. Aus der Tagesordnimg verdienen 2 Punkte besondere Erwähnung, einmal der Be« richt über die Sammlung der Flurnamen im Großh. Hess en, den die Leiter ht den drei Provinzen Pf. Schulte ('Oberhessen), Staatsarchivar Dr. Dieterich (Starkenburg) und Prof. Dr. Reis (Rheinhessen) erstatten werden, und dann ein Vortrag des Lehrers H. Weber, Reuters, über Geheimsprachen im Vogelsberg Wohl den allermeisten Oberhessen wird es unbekannt sein, daß im Vogelsberge einzelne kleine Kreise (Mauver, Musitanten) eine eigene lebende Geheimsprache haben. Bon bet Gaunersprache weiß man schon eher. Wir sind überzeugt, daß die Tagung viele Besucher herbeiführen wird.
Aoergesellschaft Berlin


