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♦» 8 o nt Konkursverwalter des O b er-M Ick - städter Spar- und Borschußvereins wird uns geschrieben: Durch verschiedene Zeitungen macht in letzter Zeit eine Notiz die Runde, wonach der srühcre Rechtsanwalt Klarenaar in Gießen von der Konkursverwaltung des Vorschuß- und Kccditvereins Ober Mockstadt zu Unrecht in den Konkurs getrieben und um zirka 30000 Mark geschädigt worden sei: dktlN durch ein von dem Oberlandesgerickt Darmstadt bestätigtes und rechtskräftig gewordenes Urteil des Landgerichts Gießm sei festgestellt worden, daß die in Frage kommenden Wechselprotest- Urkunden von den mit der Protesterhebung betrauten Beamten der Gerichtsschreiberei Nidda falsch ausgenommen worden und daher ungültig seien. Tiefe Darstellung ist schon um deswillen unzutreffend, ivcil in dem hier in Betracht kommenden Neckstsstreit zwischen den Konkursmassen Ober-Mockstadt und Emil Burk- Gießen weder das Landgericht noch das Oberlandesgericht über die angebliche Ungültigkeit der Protesturkunden irgend ivelche Feststellung getroffen, vielmehr diese Behauptung ganz unberücksichtigt gelassen und aus anderen Gründen zu aunsten der Ober- Mockstädter Kasse entschieden haben: zudem schwebt der Prozeß infolge der von dem Konkursverwalter der bisher unterlegenen Konkursmasse Burk eingelegten Revision gegenwärtig noch vor dem Reichsgericht, so daß von einem rechtskrästigen Urteil überhaupt nicht die Rede sein kann. Sollten aber wirklich jene Protesturkunden für ungültig erachtet werden, was sehr unwahrscheinlich ist, und aus diesem Umstande von irgend einer Seite Entschädigungsansprüche gegen die Konkursmasse der Ober-Mock- städter Kasse mit Erfolg hergeleitet werden können, was aus mancherlei Gründen schwer denkbar ist, so wäre dieser in letzter Linie der hessi'che Fiskus, der für seine Beamten cinzustehen hat, haftbar und schadenSersatzpslichtig. Dies zur Berichtigung jenen Notiz und zur Beruhigung aller Beteiligten!
Wiesbaden, 16. März. Der Prozeß des Kammersängers Hensel gegen die Intendantur des hiesigen .Hoftheaters ist auf gütlichem Wege beigelegt worden. Hensel nahm eine Klage zurück und zahlte die Strafe von 1000 Mark, >ie Intendantur dagegen billigte ihm den bisher versagtet! Ur» aub zu einem Gastspiel in Amerika zu.
Berlin, 15. März. Gegen das frersprechende Urteil über den Grafen Pfeil hat der Gerichts Herr des 17. Armeekorps von Mackensen in Danzig Berufung eingelegt. — Gegen die Einbrecher, die auf die Juwelierfrau Richter in der Potsdamer Straße einen Raubanfall verübt hatten, wurde heute abend das Urteil gefällt, 9tt>tze erhielt ein Jahr Zuckst- haus zusätzlich, Kühne neun Monate Gefängnis, Stähe drei Monate Gefängnis zusätzlich und Syz zwei Jahre Zuchthaus zusätzlich und fünf Jahre Ehrverlust.
Dresden, 15. März. Das Schwurgericht verurteilte die Fabrikarbeiterin Anna Agnes, verehelichte Martinka, in Pirna, welche daselbst während der Nacht zum 3. Dezember ihren im Bett schlafenden Ehemann durch einen Revolverschuß zu töten versuchte, wegen versuchten Mordes zu zwölf Jahren Zuchthaus und den Handarbeiter Jakob Zabikki wegen Beihilfe zu neun Jahren Zuchthaus: außerdem beide zu acht Jahren Ehrverlust und Stellung unter Po lizeiau stickst.
RcichsgcrichtHbrief.
(Nachdruck verboten.) js. Leipzig, Marz 1910.
Uebergang der Tierhalter Haftung beim Verkauf einer Kalbin.
In dem nachstehenden Urteile drückt das Reichsgericht aus, baß der Uebergang der Tierhalterhaftung erst nach vollgültigem Abschluß, des Kaufs stattfindet.
Die prozeßgeschichtlichen Vorgänge sind folgende: Am 30. Januar 1906 führte der Beklagte von dem Viehmarkt« in Nördlingen seine Kalbin fort, um sie in die Einstell-- wirtschaft des Händlers zu bringen, an den er sie auf dem Markte verkauft hatte. Ain Ausgange des Marktes forderte der Kläger, ein städtischer Maurer, der an dorn hier fraglichen Tage mit der Erhebung des Viehstandgeldes betraut wär, von dem Beklagten Zahlung des Standgeldes. Der Beklagte ersuchte, um das Geld seinem Geldbeutel entnehmen zu können, den Kläger, die Kalbin am Stricke sestzuhalten. Ter Kläger entsprach dem Ersuchen, kam aber alsbald in.it betol sich unruhig verhaltenden Tiere zu Falle. Er geriet mit dem rechten Fuß unter dasselbe und erlitt einen Knöchelbruch. Wegen der Folgen des Unfalles fordert« der Kläger von dem Beklagten als Tierhalter durch die Klage vom 18. Januar 1907 Ersatz, wobei er die ihm gewährte Unfallrente in Abzug brachte. Der Beklagte beantragte Klageabweisung.
Das Landgericht in Neuburg a. D. erkannte den Klageanspruch dem Grunde nach füpberechtigt, und das Oberlandesgericht Augsburg wio§ die Berufung des Beklagten zurück.
Nuumebr ist auch die vom Beklagten beim Reichsgericht eingelegte Revision zurück gewiesen worden. Das Reichsgericht legt in feilten Entscheidungsgründen dar, daß
der Beklagte zur Zeit des SchadenSeintritts ivoch Hatter der Kaidin im Sinne deS 8 333 B. G. B. gewesen ist. Dies habe der Be- rufungsrickkter damit festgestellt, daß nach den Willenserklärungen von Verkäufer und Käufer eS erst in der EinsteUungSwirtickiaft gegen Zahlung des Kaufpreises zur Be s i tz ü b e r g a b e kommen sollte. Im Weiteren führt das Reichsgericht aus, daß der Unfall des Klägers auf das der tierischen 9?atur der Kalbin entspringende Verhalten zurückzuführen sei. Ein eigenes Verschulden des Klägers sei nach den Feststellungen dcS Berufungsgerichts nicht anzunchmen.
Universitäts-Nachrichten.
Mannheim, 14. März. Der Dozent an der Handels Hochschule in Berlin, Dr. Albert Cal m es , hat einen Rus als hauptamtlicher Dozent für Handelswissenschaslen an die .Handels- Hochschule in Mannheim für das Sommersemester angenommen.
Vcrmifcbtcs.
* Für zweitausend Millionen M a r k M i l ch. Im Deutschen Reicks werden nach Sommerfelds Feststellung in seiner Arbeit über Milch und Milchprodukte (Verlag von Quelle u. Meyer, Leipzig) etwa 25 Milliarden Liter Milch von 101/? Millionen Kühen — abgesehen ron der Ziegen- und >SchasSmilch — hergestcllt, l ies entspricht der oben genannten Summe, wenn der Wert eines Liters Milch mit nur 9 Pfg. angenommen wird. Das heißt, es wird weit metyr Milch verkauft als Kohle und fast doppelt so viel wie Roheisen. Der jährlickpc Milchverbrauch der Bevölkerung in den deutschen Großstädten ist je Kopf mit über 100 Litern anzusetzen. Mit seinem Kuhoestand — her ja hauptsächlich für die Milchgewinnung in Frage kommt — steht aber Deutschland nicht einmal an der Spitze der europäischen Staaten, wie aus folgender Statistik (von Mohr) ersichtlich. ES kommen ans je 100 Einwohner in Deutschland 18,6 Kühe, in Frankreich 20,3, in Holland 18,8, in der Scki-vviz 22,3, in Norwegen 31,7, in Schweden 34,7, in Dänemark sogar 41,4, in Oesterreich dagegen mir 17,9.
• 5 o r ft iv e i e n in 5t i n u t i di o u. Als Tsingtau vor zivöti Jahren von Deutschland beietzt wurde, waren die Hügel in feiner Umgebung vollkommen waldlos und imfruditbar, nur hier und da nut verkrüppelten Kielern und Unterholz bestanden. Es wurde so- lort em umiangreicher Aufsorstungsplan entworfen und in Angriff aenommen lieber diele Arbeiten gibt das kaiserlich japanische Forstamt einen bödift anerkennenden Bericht, der von der „Deutschen Hapan-Posl" übersetzt miedet gegeben wird. Demnach sind heilte bereits 2965 Morgen nufgeforftet, und zwar zur Halile mit Akazien, zur zweiten mit Kielern, L'nvdien, Walnuß, Eichen, Elchen, Ahorn und Erlen. Das Resultat ist ein so günstiges gewesen, daß man beute bereits mit dem Berkaulc von Holz beginnen kann. Kleinere Zweige werden als Brennholz verkauft, einige Hölzer finden aber auch schon in den Bergwerken Verwendung. Ten beiden größten Schwierigkeiten, der Ranpeugciahr und dem Diebesgelüst der Ehineseu ist schließlich doch nut Eriolg entgegen- gearbeitet worden. Der Berkau' und Export von Akazien verspricht eine bedeutende Einnahmequelle in den nächsten Jahren zu werden. Das günstige Resultat bat die chiiieüsche Regierung veranlaßt, ebenlallS Ailfforstungsarbeiten ztt unternehmen und zwar unter Leitung deutscher Fachleute. Diese Arbeiten konzentrieren sich in der Hauptsache um Mukdeu, wo eriolgreiehe Versuche bereits mit Akazien gemacht sind und weitere nun auch mit anderen Bäumen gemacht werben sollen. 625 Morgen sind bereits öa'ih bereit gestellt worden, und ivcitere 24 710 sollen zu Aufforstungszwecken augekaust werden.
* Der Ianuskopf in her Kirche. Einem in der Pariser Gesellschaft sehr bekannten und beliebten Maler ist dieser Tage, wie der „Gaulois"" erzählt, ein amüsantes Mißgeschick widerfahren. Er War zu einem Abeiidscst eingeladen, zu dem vorschriftsmäßig jeder mit einer besonderen „Kopsmaske" erscheinen sollte. Der Künstler, der über eine kahle Platte von ungewöhnlichen Dimensionen verfügt, Hatto die gute Idee, sich von seiner Gattin, die gleichfalls Malerin ist, das rosige Gchicht eines uuschulds- vollen BabyS al freSoo auf die Hinterfront seines Schädels malen zu lässen und erzielte mit diesem „zweiten Gesicht" auch einen vollen Heiterkeitserfolg. Für den nächsten Vormtttag war er zu der kirchlichen Trauung eines Bekannten geladen, stand aber so spät auf, daß er „nur eben schnell Toilette machen und in die Kirche fahren konnte. Dort hatte er sich kaum auf seinem' Platze niedergelassen, als hinter und neben ihm unterdrücktes Kichern und halberstichtes Sadjen laut und immer allgemeiner wurde. Im Umsehen fand er zahlreiche Blicke kramp!haft verzogenen Gesichter auf sich gerichtet, ohne sich erklären zu können, was ihm diese Aufmerksamkeit verschaffte. Endlich näherte sich ihm einer der gravitätischen Kirchenschweizer: „Mein Herr, darf ich Sie bitten, mit mir zu Tottimeit!" — „Weshalb? Was wollen Sie?" — ,^ch muß Sie dringend bitten — in Ihrem eigenen Interesse."' Widerwillig folgte Iber Künstler dem Manne in die Sakristei. „Also wollen Sie mir nun endlich sagen. . .?" — „Der Herr
müssen sich das Kind vom Kopf bmrntcrtun!" — „Wo — ? 2Ä füll ein Kind vom Kopf . . . Mensch sind Sie verrückt?" Aber da er sich gleichzeitig unwillkürlich den Kopf befühlte, dämmerte ifrm im selben Augenblick der Sachrarhalt aus, und die Kdmck der- -Situation ließ ihn in ein schallendes Gelächter ausbrechm. Zum Glück waren Wasser, Seife und .Haudtud. schnell zur Hand, und nod, ehe das Brautpaar die Kirche betrat, erglänzte der seines Bildfcksmucks beraubte Schädel wieder im alten Glanze einer blankpolierten Billardkugel.
Kleine Tngcschronik.
Professor Eduard Müller, Direktor der medizinischen Poliklinik in Marburg, tumbe von bet Wärterin einer Klinik ui Breslau bittet) Revolverschüsse verletzt, -tie Wärterin nahm darani Gilt und starb.
Im neuen Rixdorfer st äb tisch en K ra n k e n h auf e trat ein Teil der feft eingestellten Krankenwärle r tu den A u s st a n b eilt weil den Wärtern, die fick) wiederholt llrlaubS- übericbicitiingcn zu schulden kommen ließen, gekünbigt tvorbcn tvar.
In der Kasse bes Landgerichts in Ak ü n st e r (Westfalen) wurden vergangene Nacht 90"0 Mk. gelt ob len. Tie Diebe durchbrachen von den Bnreai.räumen ans eine dicke Mauer zum Kassenrannr.
Zn einem Dorle in der Nähe von Koni tz vernichtete anr Samstag eibctib ein Schadenteuer 17 Häuser. V i e r Ai e ti s ch e n sanden tu den Flammen ihren Tod. Die Dortbewohner wollten einen Häusler, bei dem der Brand ansgebrochen tvar in die glommen stoßen, da man ihn beschuldigte, bas; ev den Brand gelegt habe, wurden aber von der Polizei verhindert.
Bei einem in den WirtschastSränmen des großen Wbiteleyschen Warenhanses zu London aiisgebrochenen Brande tnusnen la Fener- wehrleuie infolge Rauchverantung ins Hospital überführt werden. Fünf Angestellte verloren infolge des Rauches und der Hitze das Bewubtsein.
^miüendlacbriditcn.
Geboren. Herrn Paul Leibling in Butzbach ein Sohn. — Herrn Lehrer Wenzel in Grimberg em Sohu.
Verlobt. Frl. Elilabethe Hosmann in Leusel mit Herrn Heinrich Krug in Cchwabenrod. — Frl. Sophie Ritigshansen m Nidda mit Herrn Willi Weber in Rödelheini bei Frankfurt a. M. — Frl. 'Marie Groth in Echzell mit Herrn Heinrich Namnann m Friedberg. — Frl. Anna Sann in Büßield mit Herrn Heinrich Friedrich in Erbenhausen. — Frl. Bella JonaS in Gladenbach nut Herrn Julins Goldschinidt in Marburg a. d. Lahu.
G e Ü o r b e n. Frau Auna Marte Reinhardt, geb. Müller, in Wetzlar-Niedergirmes. — Herr Franz Witzel hi Nieder-Mörlen. - Herr Wilh. ^lmbrosiiis in Btskirchen. — Herr Johannes Salten- berger VIII. in Maibach. — Herr Gottfried Panz in Butzbach. — Frau Elijabethe Zimmer, geb. Breuuiug, Bingmühle, Grün berg. — Uran Jvhannette Ritter in Grünberg. — Frau Elara Fischbach, geb. Reiseunarth in Wetzlar. — Herr Otto Wagtier m Atzbach — Herr Oberst Albrerut " Seyd in Darmstadt. — Herr Heinrich Hornivius in Blitzenrod — Herr Johannes Wilheln, Hahn m Lauter. — Herr Martin Dietz in Schwalheim. — Herr Wilh. Fisch- bach in Wetzlar
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