Erstes Matt
160. Jahrgang
Dienstag S3.A«g«st 1810
Nr. ISS
Drr Sietzever Anzeiaa erscheint täglich, mcher Sonntag-. - BeUagen: viermal wöchentlich -ietzenerKaimilitnblStter; zweimal wöchentl.Rreir- blatt für den Ureis Stehen (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Land-, wittschastliche Seitfrage» Fernsprech - Anschlüfie: für die Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Adrefie für Depeschen
Anzeiger Gießen.
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wrnnüa^Tiu^ Sot<üi<msdr«S mid Verlag der Vrühl^chen Univ.-Vuch- unö §tei«druckerei R. Lange. Redattlon, Expedition Md vrnckerei: Schulstrahe 7. Anjlig-ntett^^H^B-ck'
5u Öen Reden des Raisers in Posen.
An die Anwesenheit des Kaisers in Posen z-rrr 6än» Weihung seines neuen Schlosses hatte man in national- deutschen, wie in nationalpolnischen Kreisen allerlei hochgespannte Erwartungen geknüpft. Die beiden gestrigen Reden des Kaisers in Posen aber haben beide durch eine Welt politischer und staatsrechtlicher Anschauungen getrennte Gruppen enttäuscht; Recht behalten nur diejenigen, die von vornherein darauf hinwiesen, daß die Kundgebung des Kaisers weder eine energischere Aktion in der Ostrnarken- politik, noch eine Kursänderung zugunsten des Polentmns ankündigen würde. Wohl ist Posen zur Residenzstadt erhoben worden, wohl hat eine ganze Reihe nationa'lpol- nischer Edelleute allerlei Auszeichnungen erhalten, aber der Kaiser hat auf der anderen Seite den Wunsch ausgesprochen, daß Posen — Stadt und Land — ein Hort und eine Pflanzstätte deutscher Kultur und Sitte bleiben möge, und an anderer «Stelle Posen seines landesväterlichen Schutzes versichert. Das mag manche enttäuschen, war aber wohl nicht anders denkbar in einer Zeit, wo die Regierung auf die Unterstützung des Zentrums angewiesen ist. Man wollte dieses nicht verletzen, wollte aber auf der anderen Seite auch nicht Konservativen und Nationalliberalen vor den Kopf stoßen, indem man die Polen in dieser oder jener Form allzusehr verhätschelte. Der Mann des Fragezeichens, Herr v. Bethmanw-Hollweg, von dem man bei dem philosophischen, undruchdringlichen Mantel, den er sich um die Schultern schlägt, trotz aller seiner Rückzüge in der preußischen Wahlreform und der Reichsfinanzresorm doch nicht weiß, ob er eigentlich konservativ, reichsparteilich oder bis zu einem gewissen Grade liberal ist, dieser Mann hat bei der ihm ja zugeschriebenen Ausarbeitung der Posener Reden des Kaisers hier eine Art diplomatischen Meisterstücks geliefert, indem er weder Polen noch Deutschen Grund zur Verstimmung gab und dafür die Bewilligung der Kaiserpfalz in Posen durch den preußischen Landtag und die Verdienste ihrer Erbauer, ja, sogar einschließlich der 'Gesellen und Arbeiter, in den Vordergrund rückte.
Wir wollen davon absehen, daß in Posen am Bau des Kaiserschlosses viel Geld verdient worden ist, auch davon, daß man sich von einer zeitwelligen Hofhaltung dort weitere Eimrahmen verspricht. Wir wollen auch nicht davon sprechen, daß der Empfang des Kaisers dadurch, daß schon vorher verlautete es solle weder Deutschen, noch Polen ein unfreundliches Wort gesagt werden und ein Ordensregen von drei Reichsanzeigerspalten über Stadt und Provinz herniederrauschen, — wohl vorbereitet war, so daß er einer gewissen Anteilnahme sicher sein konnte. Aber das eine steht jedenfalls fest, daß daran, mögen auch der polnische Basar und manche polnische Geschäftshäuser geflaggt und illuminiert haben, die polnische Bevölkerung schon in den Vorstädten Wallischei, Schrodka, Ostrowek, Zawade, Lazarus usw. gänzlich unbeteiligt blieb.
Es waren Potemkinsche Dörfer- die man dem Kaiser bei seinem Empfange in Posen borg autelte, Potemkinsche Dörfer, hinter denen mehr steckt, als nur Liebe zu Preußen und zu seinem Herrscherhause. Bei der Regierung Bethrnann-Hollwegs nämlich das Bestreben, Posen als gesichert hinstellen zu können, um dadurch die Anwendung des Enteignungsgesetzes weiter entbehrlich erscheinen Ur lassen und es so mit der Polensraktion und dem Zentrum angesichts der kommenden Reichstagstagung nicht zu verderben. Bei den Polen aber, sowell sie suh, an den Feierlichkellen beteiligten, der Wunsch, wieder ganz und gar an die Regrerungskrippe zu gelangen, um dadurch früher oder später die bisherige Ostmarkenpolitik zum Stillstand zu bringen, während die Ostmärker ihrersells wieder alles
darauf anlegen, die Regierung bei dem bisherigen Kurs zu hallen und womöglich noch eine Verschärfung durch Anwendung des Enteignungsgesetzes zu erreichen. Aus diesen eigentlich nur egoistischen Quellen floß der Strom der Posener Kaiserbegeisterung zusammen. Aber wer hat in der heutigen Zeit des Byzantinismus wohl Mut und Kraft, um dem Kaiser diese Potemkinschen Dörfer zu zeigen und Briefe von dem schlecht an den besser zu unterrichtenden Monarchen zu schreiben? Wird doch auch die offiziöse Berichterstattung alles daran setzen, um der Oesfentlichkeit beizubringen, daß der Empfang des Kaisers in Posen ein aus allgemeiner Begeisterung und nicht ans egoistischen politischen Gründen hervorgegangener war.
Vie imserirche Kamilie in Posen.
Posen, 22. Aug. Der Kaiser lehrte vom Truppen-! Übungsplatz um 12y2 Uhr mittels Automobils nach Posen
Posen, 22. Aug. Heute vormittag wurde auf dem Truppenübungsplatz Posen eine größere Gefechtsübung abgehalten. Der Kaiser begab sich im Automobil hinaus und stieg um sieben Uhr in der Nähe des Barackenlagers zu Pferde. Nach der Kritik nahm der Kaiser den zweimaligen Vorbeimarsch der Truppen unter strömendem Regen, der inzwischen eingefetzt hatte, ab. Der Kaiser rill zum Barackenlager, nahm an der Frühstückstafel in der Osfiziersspeiseanslalt des Lagers teil und kehrte hierauf um 12i/2 Uhr mittels Automobils nach Posen zurück.
Die Kaiserin besuchte heute vormlltag 9y2 Uhr das Diakonisse nhaus, ferner das Kaiser in- August e- Viktoria-Haus, das Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern. Es folgte ein Besuch des städtischen Bürger-Stiftes, wo Bürgermeister Künzer an der Spitze des Kuratoriums die Kaiserin begrüßte. Bei dem Besuch des evangelischen Vereinshauses ließ sich die Kaiserin durch die Prinzessin Eitel Friedrich vertreten. Der Vorstand des evangelischen Kirchen- und Hllfs- vereins wurde von der Kaiserin im Diakonissenhau.se empfangen.
Der Kaiser besuchte nachmittags um 5 Uhr die königliche Akademie, wo er von dem Kurator Oberpräsidenten Waldow. und dem Rektor Professor Dr. Spies empfangen wurde.
Gnesen, 22. Aug. Die Kronprinzessin traf im Automobil von Posen kommend heute oormrttag um 11 Uhr vor Bethesda ein, begleitet von der Oberhosmeisterin Freifrau v. Tiele-Winckler und dem Regierungspräsidenten Dr. v. Günther. Sie wurde von den städtischen Behörden empfangen. Die Begrüßungsansprache hielt der erste Bürgermeister Schoppen. Nach der Besichtigung der Anstatt erfolgte um 121/2 Uhr die Rückfahrt nach Posen.
Der Reichshanshalt für 1909.
Der „Reichs anzeig er" meldet: Die Ergebnisse des Reichs Haushalts für das Rechnungsjahr 1909 gestalteten sich nach dem Endabschluß der Reichshaupt lasse, abgesehen von den auf die außerordentlichen Deckungs- nriitel angewiesenen Ausgaben im Vergleiche mll dem Etat in runden Summen. In dem Geschäftsbereich des Reichsamts des Innern ist eine Ueberschrellung von 1497000 Mark zu perzeichnen.
Für das Reichsheer und bei den Kontingentsver- toaltungen von Preußen, Sachsen und Württemberg, einschließlich des diese Verwaltungen angehenden und mll einer Ersparnis von 3685000 Mll abschließenden Abschnitts des allgemeinen Pensionsfonds an fortdauernden Ausgaben 6535 000 Mk. weniger. An einmaligen Ausgaben sind da
gegen 7 532000 Mr. mehr als angesetzt erforderlich gewesen.
Bei der Marineverwaltung schließen die dauernden Ausgaben einschließlich dieser Ersparnisse mit 232 000 Mark, bei dem entsprechenden Abschnitte des allgemeinen Pensionssonds mit 1626 000 Mk. und den einmaligen Ausgaben mit 350000 Mk. weniger Aufwand ab.
Bei dem Fonds des Reichsschatzamts ergibt sich bei den fortdauernden Ausgaben ein weniger von 37063000 Mk. Bei den einmaligen Ausgaben wurden 11985000 Mk. über baä Etatssoll hinaus verausgabt.
Bei der Reichspost und der Telegraphen- Verwaltung sind die fortdauernden Ausgaben mit 6 940000 Mk., Die einmaligen Ausgaben sind mit 148000 Mark unter dem .Voranschläge zurückgeblieben, ebenso ist bei der R e i ch s e i s e n b a h n v e r w a 11 u n g ein weniger von 6 268000 Mk., bei den fortdauernden von 95000 Mk. bei den einmaligen Ausgaben zu verzeichnen.
Die Einnahmen an Zöllen, Steuern und Gebühren haben den Voranschlag von 72188000 Mk. überschritten. Die Einnahmen der Reichspost und der Telegraphenverwaltung sind mll 4 827 000 Mk. hinter dem Etatsansatze zurückgeblieben. Die Ausgleichsbeträge für die nicht in allen Bundesstaaten gemeinsamen Einnahmen haben Mehrerträge. Die letzteren haben entsprechend ein Mehr von 1394 000 Mk. ergeben. Im ganzen sind an ordentlichen Einnahmen, sowell sie dem Reiche verbleiben, 72678 778 Mk. mel)r eingenommen, während an Minderausgaben 40618603 Mk. zu verzeichnen sind.
Hiernach waren 126460318 Mk. anstatt der veranschlagten 239 757 900 Mk. als Fehlbetrag vorläufig auf Anleihe zu Übernehmern
Heue Bestimmungen in den Vorschriften für die preußisch-hessischen Staatseisenbahnen.
Wie wir erfahren, ist die Neuausgabe des Sammelwerks Forschriften für dieVerwaltung der vereinigten preußischen und hessischen Staatseisenbahnen" in der Ausgabe vom 1. Juli d. 3, fertig gestellt worden und wird in den nächsten Tagen zur Versendung gelangen. Neuaufgenommen ist in derk Geschäftsordnung für die Eisenbahndirektionen im jetzigen § 12 eine Bestimmung dahin daß die bei den Eisenbahndirettionen beschäftigten Re- gierungs- und Bauräte des Hochbaufachs hin- sichtlich der Ausübung des Stimm rechts in den nach § 8 der Verwaltungsordnung dem Kollegium der Eisens bahndirektionen vorvehattenen Angelegenhellen den Dllek- tionsmitgliedern gleichstehen. Gleichzellig ist angeordnet worden, daß die hochbautechnischen Regierungs- und Bau- räte hinfort überall mit dem ihnen als Mitgliedern einer Provinzialbehörde zukommenden Dienstaller unter den Arektionsmitgliedern aufzunehmen sind.
Der erste Tell der Vorschriften enthält die Vertycll- tnngsordnung der Staatseisenbahnen nebst den ba&u ergangenen allgemeinen und besonderen Anweisungen und Serfügungen. Der zweite Tell enthält eine Anzahl Gesetzesvorschriften und allgemeiner Anordnungen, die für Die Verwaltung der Staats eisenbahnen sowie für die staatliche Beaufsichtigung der Privateisenbahnen und der Kleinbahnen voll Wichtigkeit sind. Beide Teile werden von jetzt ab gesondert in einzelnen Bänden erscheinelr. In Bearbeitung ist gegenwärtig ein Verzeichnis der aus genommenen Bestimmungen (Gesetze, Verordnungen, Erlasse usw.) nach der Zeitfolge sowie ein Sachverzeichnis nach der BÜchftaben- fotge. (Beide Telle des Werks umfassend.) Nach der Fertigstellung werden die Bestimmungen als besonderes Heft 5erauSgegeben werden.
Der Kampf gegen die pest in Bombay.
Auch uns ist die Peft nahegerückt, denn Odessa ist für pestverdächtig erklärt worden und die von dort her kommenden i©duffe werden einer strengen Beobachtung unterworfen. Da wendet sich der Blick wieder nach der eigelcklichen Brutstätte dieser ^furchtbaren Menschheitsgeißel, nach Indien, von wo schon so Wiele Pestepidemien ihren Ausgang genommen haben. Die eng- >lisch-indische Regierung fühtt gegen diese entsetzliche Krankheit Ijunb besonders gegen ihre Träger, die Ratten, seit einiger Zell einen erbitterten Kampf, den ein Beamter des Gesundhellsamts in Bombay Dr. I, A. Turner im Wide World-Magazin schildert.
Seit langem weiß man, daß die Rallenpest zu der Menschenpest in engster Beziehung steht und daß die Erreger der Krankheit heim Menschen von den kranken Rallen herkommem Deshalb ist auch schon immer versucht worden, den gefährlichen Tieren zu Leibe zu gehen, aber die ungeheure Schnelligkeit, mit der sie suh vermehren, machte eine irgenbtoie wirksame Vernichtung unmöglich. Ein systematischer Ansrottungsbettteb ist erst seit einigen Jahren vom Gesundheitsamt in Bombay eingerichtet und wird .mit Erfolg durchgeführt. Welch gewaltige Opfer die Pest in Indien fordert, geht daraus hervor, daß t.t der Stadt Bombay allein die Krankheit in 14 Jahren mehr als 160 000 Menschen dahingeraffr hat, wobei die höchste Sterblichkeitsziffer lln Jahre 1903 mll 20 788 erreicht wurde, die niedrigste Zahl der Gestorbenen im Jahre 1909. 5197 betrug. Dieser Rückgang der Sterblichkeit ist hauptsächlich dem Feldzug gegen die Ratten zu verdanken, der so viele Erreger und Verbreiter der Krankheit nnschädliich gemacht hat. Nicht weniger als 432 658 Ratten sind während des letzten Jahres getötet worden, von denen 91 540 untersucht und 9000 als pestbehaftet befunden wurden.
Der Krieg gegen die Ratten beginnt mll Der Herrichtung der Köder; das sind kleine Brotstücke, die mll einem im städtischen Laboratottum bereiteten Gift bestrichen und dann in Zucker getaucht werden. Außer diesen Ködern sind lwch 7000 Fallen im täglichen Gebrauch, in denen Brotstücke, Kokosnüsse oder andere Leckerbissen die gefräßigen Nagetiere anlocken. Auf diese Weise werden täglich 1800 bis 2000 Ratten gefangen. Die Fallen werden jedesmal nach dem Gebrauch sorgfältig gewaschen und desinfiziert; sie werden ebenso wie Die vergifteten Köder über Die ganze Stadt hin vertellt. Zahlreiche Bedienstete des Gesundheitsamtes erhallen ein bestimm, tes Häuserniertel zugttellt, in dem sie das Legen der Fallen und Köder in Den Durchgängen zwischen den Häusern besorgen. Jeder-
manii erhält 300 Köder zugezahlt, die er zwischen 5 und 7 Uhr nachmittags an den richtigen Stellen unterbringt. Am nächsten Morgen zwischen 6 und 8 Uhr sucht er die Köder wieder zusammen, sammelt die toten Ratten und liefert den nichtbenutzten Köber im Bureau des Gesundheitsamtes wieder ab. Bei den einzelnen Ratten wird genau Die Nummer des Hauses und Die Oertlichkell, wo sie gesunden wurde, bemerkt und der Ratte beigefügt, Die dann in einer Zinnbüchse zur Untersuchung ins Laboratorium geschickt wird. Das Ergebnis dieser Prüfung wird Dem Gesundheitsamt mitgeteilt, und wenn das Tier pestkrank war, so wird sogleich die Desinfektion der Stelle vorgenommen, an der die Ratte gefunden wurde. Die Insassen des Hauses werden in ein bereit# stehendes Lager überführt, während das Haus gründlich desmfiziert und eine eifrige Rattenjagd abgehalten wird.
Viele Bewohner von Bombay wehren sich gegen diese strenge Aufsicht; die Priest er käste führt religiöse Grün de Dafür an, daß die Ratten nicht getötet werden dürfen, und Den Beamten des Gesundheitsamtes wird ihre Ausgabe außerordentlich erschwert. Trotzdem aber wird die Natten- iagd durch ganz Bombay mit großer Beharrlichkeit durchgefühtt. Jeder Rattenfänger erhält für eine lebendige Ratte einen Halden Anna, das finb 6 Pfg., für eine tote 1/4 Anna. Alle lebend eingelieferten Ratten werden in einer besonderen Todeskammev sogleich getötet und dann in einem sinnreich gebauten Verbren- nungsapparat vernichtet.,
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— Eine Gedenktafel für Anselni Feuerbach. Wir werden uni Veröffenllichung des folgenden Aufrufs gebeten: Am 4. Januar dss. Js. waren 30 Jahre verflossen, seit Anselm Feuerbach in einem kleinen Gastzimmer des Albergo Luna in Venedig verschied. Da der Meister bis in die letzten Tage seines Ledens von schweren Sorgen und Enttäuschungen verfolgt wurde, erscheint sein 2ob, der völlig unerwartet eiutrat, fast wie eine Erlösung. An dem Hause in Venedig, wo er, fern von der Heimat, starb, soll eine schlichte Erinnerungstafel angebracht werden. Die Tafel soll m welßeili Alarmor ausgeiührt werden. Als Platz ist die Außenwand rechts vom Eingänge zum Albergo Luna ausersehen. Es steht zu hoffen, daß öie Gedenktafel vor Ende dieses Jahres enthüllt ,verden kann. Beiträge sind an Alsred Hartwig, Dresden-A., Gutzkowstraße 22, einzuseiwen. Etwaiger Ueberschuß soll dem noch in Rom lebenden langjährigen Alodell Feuerbachs, Frau Lucia Brunacei, zufaUen.
— Die Luftpost. Die englische Postverwaltung berellet einen Versuch vor, die Flugmaschine bereits jetzt in chren Dienst
zu stellen. Graham White, der erfolgreiche englische Flieger, soll den ^Briefträger spielen. Ein Ballon von 75 Kg. Briesfachen, der auf dem gewöhnlichen Wege zum Hauptpostamt von Blackpool beföcbert ist, wird Graham White übergeben tverderc, der sie an die Küste von Southpott befördern wird, wo sie ein Postautomobil in Empfang nehmen soll. Man hofft auf diese Weise eine Verzögerung Der Post, die durch einen großen Umweg entsteht, zu verhindern. Die ausgewandte Zell soll genau festgestellt werden.
— Das Ende des „Humpelrocks". Das Ende des ,L>umpelrocks", dieser grotesken Erfindung des unten Angebundenen Kleides, mit dem uns Die Mode in diesem Sommer beschentt hat, wird von Paris aus verkündet. DaZ Tragen dieses Rockes wird für unmöglich, ja lebensgefährlich erklärt. Eine junge Dame hat sich ein Bein gebrochen, weil sie sich in ihr Kleid verwickette, als sie in eine Droschke steigen wollte. Aehnliche Unglücksfälle sind auch sonst vorgekommen. Im Winrer, lvo Die Dame ihre Röcke heben muß, wird auch die Freundin der einfältigen Mode nicht weiter in diesem Kleid gehen können, das dann einfach im Schmutz schleppen wird. Der Leiter einer großen Modcfirma behauptet nun, daß der ,Lumpettock" als eine wirkliche, allgemeine Mode über* Haupt nie vorhanden gewesen sei. Er sei stets eine bizarre Ausnahme geblieben, Die von jenseits des Ozeans heruber- gebracht worden sei und in Paris nur wenig Anklang gesunden habe. „Die Amerikanerinnen," meinte eine andere führende Persönlichkett der Pariser Mode, ,chaben uns dieses Danaergeschenk gebracht und haben es selbst auf=- gegeben, seit es die Pariserinnen zu tragen anftngen. Aber von den höheren Gesellschaftskreisen i)t dieser Rock überhaupt «-icht ausgeiwmmen worden. Shir einige kühne, neuerung/ssüchttge Damen haben versucht, ihm zum Siegs zu verhelfen. Ihr Versuch ist mißlungen: mau will den ,Humpelrock" jetzt in die Provinz bringen. Damit ist settt Schicksal bei der Pariserin und in der M-ode üderhanpr besiegelt."
— Kurze Nachrichten aus Kunst u. Wissen schäft. Geheimrat Prof. Dr. Äug. Lu cae, an Der berliner Universucit, vollendet am 24. d. das 75. LebenZiahr.


