Ausgabe 
19.7.1910 Erstes Blatt
 
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160* Jahrgang

Dienstag 10. Juli 1910

Erstes Blatt

geschehen. Wie ich die iürbe sie sich auch nicht

keinen Äugenblick im unklaren; unsere Strafen sanden wir, da nun einmal der erwähnte Paragraph be- st eht, ganz in der Ordnung, und ich würde selbst meinen Ausschluß von hiesiger Universität auf Lebenszeit als eine zwar harte, aber vollkommen unanfechtbare Strafe ^empfunden haben. Ich habe in diesem Sinne auch an dieFrankfurter Zeitung" geschrieben. Nicht die Behörde, sondern die Satzung ist zu tadeln, und dies können mit gutem Gewissen auch politisch rechtsstehende Kreise tun, denn man wird dem Studenten ganz unabhängig von jeder Parteimeinung das Rechr zugestehen müssen, nicht nur sich selbst in jeder Weise, also auch politisch, zu bilden, sondern an diesen seinen Bildungsbeshrebungen auch Nichtstudenten teilnehmen zu lassen. Wird ihm dieses Recht nicht gewährt, so hat er schließlich vor Gymnasiasten und anderen Pennälern nur das voraus, daß er Wirtshäuser besuchen, auf öffentlichen Straßen rauchen und seinen Unterricht schwänzen darf. Wenn dieDeutsche Tageszeitung" in ihren Expektora­tionen meint, man hätte bloß den Vortrag des Sozialdemo­kraten verbieten sollen, so macht das ihrem nationalen Empfin­den alle Ehre. In einem Vortragszyklus, in dem Redner der bedeutendsten politischen Parteien sprechen sollen, gehört aber ohne Zweifel auch ein sozialdemokratischer Vortrag, sonst ist es um die erforderliche Neutralität von vornherein geschehen. Wie ich die Gießener Freie Studentenschaft kenne, würde sie sich auch nicht mit der von derDeutschen Tageszeitung" vorgeschlagenen Aus­lese zufrieden gegeben haben. Derakademische Boden", von dem das erwähnte Blatt so schön spricht, hat übrigens, wie man sieht, die offenbar genagelten Stiefelsohlen des soztaldemokrathchen

Redners ohne Schaden ertragen.

Wir sind der Ansicht, daß auch die bestehenden Satzungen durchaus gerechtfertigt und zweckmäßig sind. Es bleibt den Studierenden unbenommen, öffentlichen politischen Vor- trägen und Versammlungen beizuwohnen und sich politisch zu bilden, so viel sie wollen.

DieFrkf. Ztg." scheint trotz der in der vorstehenden Zuschrift erwähnten Aufklärung an der entgegengesetzten An­sicht sestzuhalten. Sie teilt mit, in Freiburg hätten die Universitätsbehörden der freien Studentenschaft bei der Ab­haltung politischer Vortrüge unter Beteiligung der Frei­burger Bürgerschaft nichts in den Weg gelegt. So lange man nichts genaueres über diesen Freiburger Fall weiß, kann man schwer urteilen. Jedenfalls wird dte Form des dortigen studentischen Vorgehens eine andere gewesen sein als in Gießen.

an den Rhein und an den Main unternehmen durfte. In der altehrwürdigen freien Reichsstadt Frankfurt am Marn wohnte sie den prunkvollen Festen der Kaiserkrönungen der Jahre 1790 und 1792 bei. In dem Hause amGroßen Hirscharaben", bei Frau Rat Goethe, hatten sich die Darmstädter Gäste einlogrert. Unvergeßlich blieben Lurse die frohen Tage, die sie in diesem Hause verlebte. Als sie als Königin int Jahre 1803 in dem Vergnügungsorte Will) elms bad bei Hanau weilte, wurde auch Frau Rat vom nahen Frankfurt herübergeholt, bei welcher GelegenlM die Königin die alte Freundin aus Frankfurt mit einem kost­baren Schmuck beschenkte. Hier in Frankfurt war es, wo Luise ihren späteren Gemahl, den Kronprinz-en Friedrich Wilhelm von Preußen, bei einer Vorstellung int Theater kennen lernte. Der ersten Begegnung folgte am 19. März 1793 die Werbung intweißen Schwan", in denselben Räu­men, in denen 78 Jahre später, am 10. Mai 1871, der Frankfurter Friede" geschlossen wurde. Am Weihnachts­abend 1793 wurde die Vermählung des Kronprinzen Fried­rich Wilhelm mit der Prinzessin Luise' von Mecklenburg- Strelitz in Berlin vollzogen.

Den geräuschvollen erstell Jahren, die das Berliner Hosleben mit sich brachte, folgten stille glückliche Tage, die das junge Paar in dem ländlichen Idyll zu Paretz ver­lebte. Der Tod des Königs Friedrich Wilhelm II. jnef die 21jährige Kronprinzessin Luise an ihres Gemahls Seite auf den Thron. Die Zeit der stillen Häuslichkeit war vorüber. Luise gehörte nun wie ihr Gemahl dein Staat, der Welt. Nach einem Triumphzuge durch die Provinzen des Landes im Jahre 1798 kamen wieder ruhige Tage int traulichen Heim zu Paretz. Doch nur auf kurze Zeit. Bald zeigten sich Wetterwolken am politischen Horizont. In Holland, in Italien, in der Schweiz, am Rhein drängten die französischen Revolutionsheere vor. Die zweite Koalition gegen Frankreich, geschlossen von Oesterreich, Ruß­land und England, mißglückte. Der Konsul Bonaparte schlug 1800 die >Qesterreicher bei Marengo; der Friede zu Luneville von 1801 brachte das Deutsche Reich ins Wanken. König Friedrich Wilhelm III. beobachtete bei allem strenge Neutralität. Bald sollte auch Preußen erfahren, wie wenig Napoleon, der 1804 Kaiser geworden war, diese äil achten verstand. Nach denr gewaltsamen Durchmarsch der fran­zösischen Truppen durch das preußische neutrale AnSbach

wurde auch Friedrich Wilhelm zum Handeln getrieben; er verband sich mit Oesterreich und Rußland. .Der un­glückliche Ausgang von Austerlitz 1805 zwang Oesterrerch zum Preßburger Frieden; Rußland zog sich zurück, PreußLn un­terhandelte, verlor im Schönbrunner Frieden vom 13. De­zember 1805 Anshach und Neuchätel und erhtelt dte An­wartschaft auf Hannover.

Unter diesen auftegenden Verhältnissen litt die "Ge­sundheit der Königin sehr; sie mußte im Sommer 1806 dte Heilquellen in Pyrmont aufsuchen. Hier erfuhr sie den Mschluß des Rheinbundes. Noch ahnte sie nickst, daß Preußen zum Kriege gezwungen war, als Napoleon Han­nover an England zurückgab. Nach Berlin zurückgekehrt, erfuhr sie erst, daß die Truppen bereits marschfertig waren. Dies verdient besonders hervorgehoben zu werden, da Na­poleon die Welt glauben machte, der Krieg sei ihr Werk gewesen. Schwere Tage brachen über Preußen herein, als der Krieg begann. Der unglückliche Tag von Jena und Auerstädt am 14. Oktober 1806 traf das Land auf das schwerste. Die königliche Familie konnte in Berltn nickst bleiben, als Napoleons Heere sich in das offene Lmw wälzten. Die königlichen Kinder waren bereits nach Stettrn geflüchtet. In Schwedt traf die Königin mit ihnen zu- sammen. Hier sagte sie zu ihnen die bedeutungsvollen Worte- Ihr f eht mich in Dränen ; tch bewetne de n U n t e r g a n g d e r A r m e e u n d i h r e s R u hme s." Zu ihren Söhnen gewandt, sagte sie:Es gtbt keinen preußischen ^>taat, keine preußrfche Armee mehr Ruft künftig, wenn eure Mutter nrcht mehr lebt, diese unglückliche Stunde in euer Gedächtnis zurück!" Bald waren alle Festungen zwischen Weser und Oder in den Händen des Hemdes. Aus der Flucht schrieb die Königin die Goetheschen Worte aus Wilhelm Meister" in chr Tagebuch:Wer nie fein Brot mit Tränen usw." Am 9. Dezember erreichte die Königin Königsberg, wo sie thre früher bereits vor­fand. Von Königsberg wurde dre Reste bis zur äußersten Grenze nach Memel fortgesetzt. Die Königin, Er auf, mußte, in Betten gehüllt, in chren Wager: getragen werden. Als auch bei Preußstch.-Friedland am 14. Juni 1807 das preußische Heer wieder geschlagen wurde, fiel die letzte Hauptstadt des Landes, Königsberg, in die Hände der Feinde. Preußen sah sich zum Frieden genötigt, über den anfangs.

Deutsches Reich.

Der Kaiser ist am Montag vormittag von! Balestrand nach Drontheim abgercist. _

Im Rathause -u Heidelberg hielt am Sonntag der Flottenbund deutscher Frauen seine vierte Hauptver­sammlung ab. Nach Begrüßung der zahlreichen Tecknehmer durch Ober-Bürgermeister Dr. Wilkens wurde u. a. der Vorschlag, dem Seemannsheim in Lübeck 3000 Mark Unteiftübung zu gewähren, angenommen; dagegen konnte eine Unterstützung an die Ättf- hing Frauensgabe", aus dem Ertrag der Feste des Bundes, nicht bewilligt werden, well der Bund ihn selbst für seine Unter­stützungsfonds benötigt. Zum Orte, der nächsten $aubtmSamm­lung wurde Lübeck gewählt. . , _

Wie dieKarlsruher Zellung" meldet, hat das Komitee für die Hochwasser-Geschädigten in Berlin dem badischen Gesandten in Berlin die Summe von 5000 Mark für die im Gr o ßherzo gtum Baden durch das Hochwasser in Not geratenen Einwohner zur Verfügung gestellt, und) in Baden ist inzwischen eine frsiwillige Hilfstatigkell für Mu- derung der Hochwasserschäden eingelellet worden. Ein uutruT, mit der Bitte um Zuwendung von Gaben, wirh in den nächsten Tagen veröffenllicht werden. , r

Zum Abschluß eines deUtsch-iapanischen Handels­vertrages werden Verhandlungen eingeleitet werden. Die deutschen Jnteresscntenkreise wurden bereits vom Reichs-

Zur 100. Wiederkehr des Todestages der rrönigin Luise. 1810. 19. Juli 1910.

Rose, schöne Königsrose, Hat auch dich der Sturm getroffen; Gilt kein Beten mehr, kein Hoffen Bei dem schreckensvollen £ofe?"

So klagte ein warmfühlender Sänger der Befteiungs- kriege, Max v. Schenkendorf, als Preußens guter Stern in bösen Tagen am 19. Juli 1810 erlosch Königin Luise war aus dem Leben geschieden. Mit dem schwer geprüften König trauerte ein schwer geprüftes Volk um den Verlust einer geliebten Landesmutter. Ein seltenes Leben hatte geendet, eine Persönlichkeit voll Reinheit des Gemütes und Wahrheit des Charakters, ein Wesen, das denFrieden- Gottes" in der Brust trug.

Mit 6 Jahren verlor Prinzessin Luise, die am 10. März 1776 als die Tochter des Prinzen Karl und nachmaligen Herzogs von Mecklenburg-Strelitz in Hannover das Licht der Welt erblickte, ihre Mutter Friederike eine ge­borene Prinzessin von Hessen-Darmstadt. Als 1784 Prinz Karl den Tod seiner zuzeiten Gemahlin betrauern mußte, gab er die achtjährige Prinzessin mit ihren Ge­schwistern in die Erziehung der Großmutter, der Land- gräfinGeorg Will) e lm nachD ar m stadt. Unter der Leitung dieser trefflichen, einfachen, frommen und kern­deutschen hohen Frau reiste Luise zu einem sinnigen, an­spruchslosen Mädchen heran. Innerlich wohl vorbereitet, wurde sie mit 16 Jahren mit ihrer Schwester Friederike in der Stadtkirche zu Darmstadt konfirmiert. Einen hervorragenden Antell an Erziehung und Unterricht der Prinzessin nahm die aus dem damalrgen preußischen Nen- chktel gewonnene Erzieherin, Fräulein v. Gölten. Bevor­zugt wurde, der Zeit gemäß, die Ausbildung m Französisch, Englisch, Musik und Zeichnen,, während in Geographie und Geschichte noch nicht einmal die elementarsten Kenntnisse übermittelt wurden. Höchst mangelhast war der Unterricht im Deutschen, so daß die spätere Königin noch oft mit der Rechtschreibung im Streit lag.

Doch wurde die geistige Anschauung der Prinzessin wesentlich gefördert durch die verschiedenen Reffen, die sie in Begleitung ihrer Großmutter nach Straßburg, Holland,

Der drohende Eisenbahn-Ausstand in Zrankreich.

Wie aus Paris gemeldet wird, hat das Syndikat der Eisenbahnangestellten am Soimtag abend im Prinzip den allgemeinen Ausstand erklärt. Nur der Zeitpunkt des Aus- bruchs ist iioch nicht festgesetzt, weil man noch den Beschluß der organisierten Maschinisten und Heiner über ihre Be­teiligung am Streik abwarten will, der Ende Juli, wo diese Syndikate einen Kongreß abhallen, erfolgen dürste. Somit scheint die Gefahr eines Riesenausstandes der Eisen­bahner, an die man so lange nicht glauben wollte, wirllich heraufbeschworen zu sein, und die Schwächlichkeit der Re­gierung, die die Organisation der Eisenbahnangestellten dul­dete, wird sich schwer rächen, wenn Handel und Verkehr und mögen es auch nur einige Tage sein stllle stehen, und ähnlich, wie bei dem letzten großen französischen Post­beamtenstreik Mlllionen von Werten verloren gehen.

Unb dieser Vorwurf muß die französische Regierung um so schwerer treffen, als es unter den Eisenbhahnangestell- ten schon seit Monaten brodelte, man aber trotzdem immer an der Erllärung des Ausstandes zweifelte, weil man nicht glaubte, daß die organisierten Angestellten aller Eisenbahnen einig sein würden. Wohl nahmen Ministerpräsident Briand und Minister Millerand die Beschwerden der Eisenbahner hinsichtlich ihres unzureichenden Gehalts und der rigorosen Dienstordnung wohlwollend entgegen, aber sie sanden keine Mittel und Wege, die großen Eisenbahngesellschaften, die diese wohlberechtigten Forderungen abgeschlagen hatten, auch nur dazu veranlassen, mit den. Vertretern der Arbeiterschaft zu verhandeln. Es mag richtig sein, daß, wie die Eisenbahndirektoren behaupten, hinter dem natio­nalen Syndikat nur der vierte Teil der Eisenbahnangestelllen steht, aber die große Frage ist doch ob nicht im Falle des Streiks auch die übrigen dreiviertel in den Ausstand mit l.iucingerogen werden. Es ist auch anerkennenswert, daß die Eisenbal)ngesellschaften ihren Angestellten beretts einige Zugeständnisse gemacht haben, oder machen wollen, aber augenscheinlich find diese zu gering, um die Syndikalisten zur Ruhe zu bringen, oder auch nur Uneinigkeit in ihre Reihen zu tragen.

Sieht man sich die Forderungen der organisierten Eisen­bahner im einzelnen an, so wird man zugeben müssen, daß diese im großen und ganzen berechtigt sind. Ein wöchent­licher R"betag, ein Gehalt von 5 Francs täglich und ein Maximalarbeicstag von 10 Stunden, das sind Wünsche, bic man umsoeher unterschreiben kann, wenn man die Teue­rung aller Lebensbedürfnisse in Frankreich und den Umstand ins Auge faßt, daß nicht überangestrengte Eisenbahnbeamte dem reisenden Publikum eine well größere Sicherheit des Eisenbahnverkehrs verbürgen, als überangestrengte. Auch wir in Deutschland wissen aus zahlreichen Eisenbahn­unglücken, wohin es führt, wenn den .Eisenbahnbeamten nicht die nötige Ruhe gegönnt wird.

Lie der Ausstand, wenn er nicht noch in letzter Stunde verhütet wird, ausgehen wird? Schwerlich mit einem Siege der organisierten Eisenbahnangestelllen, deren Mittel nur geringe Zeic ausreichen dürften. Auch hat und das wenig­stens muß im Interesse des Eisenbahnverkehrs, anerkannt werden bic französische Regierung bereits Maßnahmen getroffen, daß im Falle des Streikausbruchs alle milllär- pflichtigen Angestellten der Eisenbahnen zu den Fahnen gerufen, unter das militärische Gesetz gestellt und im Eisen- - bahndienst verwendet werden. Die Regierung glaubt, daß der Streik unter triefen Umständen nicht länger als 6 Tage

dauern würde. Briand selbst sagte demEckw de Paris" zufolge:Ich kann natürlich nicht versprechen, daß alle Züge gehen werden, wenn ein Streik kommt, aber ich ver­sichere, daß nichts versäumt wird, um die Unbeguemlich-' reiten eines Ausstandes auf das geringste Maß zurück- zuführen."

Warten wir also ab, ob Briand recht behält. In Frank­reich ereignen sich manchmal, wo es sich um Disziplin handelt, eigentümliche Dinge, und es ist gar nicht gesagt, daß die zum Eisenbahndienst einberufenen Reservisten auch pünktlich ihrer Order folgen werden.

Paris, 18. Juli. Ein Mitglied des Ausschusses des Eiscnbahn-Syndrkates erklärte einem Berichterstatter: Eines Nachts werden zu einer gegebenen Stunde, zum Beispiel um Mitternacht, sämtliche Züge auf allen Linien stehen bleiben; die Lokomotivführer und die Heizer werden die Feuer auslöschen und die Kessel leeren. Die Schaffner werden mit Petarden und Sig­nalen die Gleise blockieren und sodann ruhig schlafen gehen und die Reisenden und Frachten ihrem Schicksal überlassen.

Ein französischer General in Zndochina ertrunken.

0 Paris, 18. Juli. Aus Saigon ist folgende Mel­dung eingetroffen: Die Schaluppe der Messageries Fluviales Lagrandiöre" sank bei der Ueberfahrt über die Mekongs­schnellen am Sonntag um drei Uhr talwärts von Luang- Prabang. Der General de Beylis, der Militärarzt Boufftandies und drei eingeborene Mattosen ertranken. Die Leichen sind noch nicht wieder gefunden. Dieser Un­glücksfall ruft eine große Erregung in ganz Jndochina hervor.

General Beylie befehligte die drllte Brigade in Jndo­china und die Platzverteidigung SaigonCap Saint-Jac- qnes. Der umgeEonunene General war 1849 in Straßburg geboren, und hatte sich schon vielfach bei den Feldzügen in Ostasien ausgezeichnet. Da alle Einzelhellen fehlen, bleibt dieser Unglückssall vorläufig ganz unverständlich.

Nochmals die gemaßregelten Studenten in Eiehen.

Der vom engeren Senat der Landesuniverfität Gießen wegen Mhaltung öffentlicher Versammlungen gemaßregelte Student Martin Schmitt ersucht uns um Ausnahme der folgenden Zuschrift, in der offen zugegeben wird, daß die über ihn verhängte Strafe gerechtfertigt war:

In der Montagsnummer desGießener Anzeigers" wird das Vorgehen der drei beftralten Studierenden einer scharfen Krall unterzogen. Diese ist eingeleitet von einer offiziösen Mllteilung, nach der wissenschaftlich-politischen Votträgen an sich nichts im Wege stehe. Nur die öffentliche Veranstaltung sei verboten worden. Hierzu ist zu bemerken, daß dies von den bestra ten Studierenden nie bestritten worden ist, und daß nichtöf entliche Ver­anstaltungen schon deshalb nicht verboten werden können, weil sie in keiner Weise der Jurisdiltion der akademischen Behörde unterstehen. Doch waren meine ehemaligen Kommilitonen und ich der Ansicht, daß ein Satzungsparaßraph, der öffentliche Veranstal­tungen von Studierenden der Zensur des Rektors unterstellt, aka­demischen Bürgern gegenüber einen unwürdigen Zwang darstelle, unb der Gesamtausschuß der Gießener Studentenschaft schloß sich dieser Meinung an. Wir hielten es nun für dringend notwendig, daß die Oeffentlichkcit auf das Bestehen eines solchen Paragraphen aufmerksam gemacht werde durch ein zwar ungesetz­liches, im übrigen aber ruhiges und vornehmes Zuwiderhandeln. Wir konnten dieser Einsicht umso mehr folgen, als die Universitäts- behörde selbst durch Verbot der Diskussion auch bei n i ch t ö f f e n t - l ich er Veranstaltung die Grenzen ihrer Befugnisse überschritten hatte und außerdem wissen mußte, daß das Verbot der OeffeM- lichkeit wegen der hohen Kosten dem Verbot der Vorträge an sich gleichkam. Ueber die Folgen unseres Verhaltens waren wir uns

Nr. 1(56

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