Äitld Friedberg.
t L. B ad - Nau h eitt.'., 16. Nov. Unsere BadeVur ist für die jetzige Jahreszeit noch in bestem Gange. Eine große Zahl von Kurfremden gebrauchen noch die hiesigen Thermen. Während in den vorhergehenden Jahnen um diese Zeit wenig Fremde an^ wesend waren, werden eben iwch täglich 150 Bäder bereitet. Das Äadehaus 8 bleibt diesen Monat noch geöffnet, wahrscheinlich bis in den Dezember hinein. Das Badehaus des Konitzkystiftes llvird das ganze Jahr zugänglich sein.
L. Langenhain-Ziegenberg, 16. Nov. Die beiden Dörfer Ziegenberg und Langenhain bilden eine politische Gemeinde. In Ziegenberg wohnt der Bürgermeister beider Dörfer, dessen Vater kund Großvater schon dieses Amt lange Jahrzehnte bekleideten. Es ist dies eine Seltenheit, die nicht noch einmal in unserer Provinz vorgekommen sein möchte. In Langenhain dagegen, den, Pfarrdorfe, .wohnt der Beigeordnete. Da der seitherige Inhaber zurücktreten will, wird man in bu'jen Tagen wieder einen Sangen» Hainer Bürger zum Beigeordneten, wählen.
Hessen-Nussau.
b. Bied entopf, 16. Nov. Der Provinzialrat hat genehmigt, daß die 1908, 1909 und 1 910 in der Gemeinde Dodenau versuchsweise zugelassenen vier Ä'.ram- und Schweinemärkte nunmehr dauernd am ersten Mittwoch im Monat März, am letzten Mittwoch im Monat April, am Mittwoch nach dem 10. August und am Mittwoch vor dem 20. Oktober abgehalten werden dürfem
w. Frankfurt a. M., 16. Heute abend gegen
6 Uhr versuchte der 21jährige Mechaniker Rentschner leine Geliebte, das Dienstmädchen Emilie Bartsch, durch zwei Revolverschüsse zu töten, worauf er sich selbst zwei schwere Schutzverletzungen beibrachte. Beide wurden bewußtlos ins Krankenhaus gebracht.
w. .Wiesbaden, 16. Nov. Heute mittag wurde Wiesbadens älteste Einwohnerin, die im Alter von 102 Jahren verstorbene Gräfin Bertha Kayserlingk, zu Grabe getragen. An der einfachen Beisetzungsfeierlichkett nachmen u. a. die Prinzessin zu Schaumburg-Lippe, Graf Merenbrrg, Generalintendant Graf v. Hülsen-Häseler, Oberbürgermeister u. Jbell, Polizeipräsi-, dent v. Schenk und Landtagsabgeordneter Kommerziell rat Bartling' teil. Der Kaiser hat an den Generalintendanprn v. Hülsen-Häseler, einem Neffen der verstorbenen Gräfin, ein Beileidstelegramm gesandt.
Luftschiffahrt.
Frankreich und sein „Fliegerkorps".
Paris, 16. Nov. Der neu ernannte „ständige Inspektor her Militärluftschiffahrt" General Roques erklärte einem Berichterstatter, er habe gestern sofort nach seinem Amtsantritt eine beträchtliche Anzahl von Flugmaschinenbk st ellunaen unterzeichnet. Diese Flugzeuge müßten schon im Januar nächsten Jahres geliefert werden. Er werde traclüen, daß Möglichst viele Flugfelder, darunter namentlich auch eines in gebir^ischer Gegend und tzwar in der Auverne sowie eines in Algerien errüchtet werden. Er werde ein den höchsten Anforderungen entsprechendes Fliegerkorps schaffen und eine besonders strenge Fliegerprüfung einrichten. Diejenigen Flieger, die diese nicht bestehen, würden zu ihrer Truppe zurückkehren müssen.
Line Springflut
Wien, 16. Nov. Die „Neue Freie Presse" meldet aus Triest: Bon der gestrigen Springflut wurden namentlich alle Geschäfte in den an das Meer grenzenden Straßen betroffen. In den Kaffeehäusern erreichte das Wasser die Höhe der Sofas. Das Verdi-Theater wurde gleichfalls überschwemmt.
Auch in dem bekannten See bade Grado verursachte die Springflut großen Schaden. Am Strand wurden die Mauern und Badekajütten niedergerissen. Die Insel bietet ein Bild traurigster Verwüstung. In Fiume richtete der Sturm und die Flut gleichfalls großen Schaden an. Zwei Eisenbahnwaggons wurden umgeworfen, acht andere wurden aus den Schienen gehoben. Die seh», hochgrhende See wirft zahlreiche Boote um. Der Leuchtturm wurde fast ganz demoliert. In Venedig, überschwemmte die Springflut den Murcusplatz derart, daß auf dem Platze Gondeln verkehren.
Aus Berdjansk (Rußland, am Asowschen Meer'» wird gemeldet: Tas Hochwasser, das seit einigen Tagen eingetreten ist, führte zehn Hütten bis ins Meer und unter-»
spülte den Bahndamm vom Bahnhof bis zum Hafen. Der SkrcM warf den griechischen Dampfer „LeonitiS" der Reede Kage ans Ufer.
Dermijrt ter'.
* Gegen d i e Trunksucht hat daS Pariser Schwurgericht folgenden Wunsch einstimmig angenommen: „Beunruhig^ über die Zunahme des Verbrechertums und im Hinblick darauf, daß die meisten Verbrechen direkt in der Trunkenheit begangen wurden, spricht das Pariser Schwurgericht den Wunsch aus: 1. Jedes Individuum, das auf offener Straße betrunken gefunden ivirb, ist sofort festzunehmcn und abzuurteilen; 2. während zehn Jahre soll die Eröffnung jedes neuen Schanklokates verboten werden.
* Amerikas größte Getreidemärkte. Die Stadt Winnipeg im westlichen Kanada, deren Name iroch vor zehn Jahren der Welt gänzlich unbekannt war, nimmt heute den ersten Platz unter den Getreidemärkten btr Helt ein. Innerhalb eines Jahres, d. i. vom August 1909 bis Snbe Juli 1910, kamen dort 3420 Millionen Liter We zm zusammen, während Minneapolis in den Per einigten'Stauten, das bisher der g ößte Weizenmarkt war, nicht ganz, 3000 Millionen Liter erreichte. Innerhalb kurzer Zeit hab» die Weizenmassen auf dem Winnipeger Markt um 50 Prr zugenommen, und man berechnet schon jetzt, daß Winnip bald auch der größte Markt für Hafer sein und damit Chikago überholen wird. Die übrigen größten Wei n- märkte Amerikas sind Buffalo, Duluth, Kan^as-City, und Newyork.
* Felderbedeckung. Eine interessante Neuerung kommt aus Connecticut: die Bedeckung der Tabakfelder mit Nesseltuch. Die Ueberdachuug eine« Acre Tabakfeldes kommt auf etwa 1000 Mark zu stehen. Das bedeckte Feld macht den Eindruck eines ungeheuren Zeltes, daS auf 196 Pfauen pro Acre ruht, 9 fiu& hoch tft und dem heftigsten Sturm Widerstand leistet. Unter diesem Zelt herrscht eine gleichmäßtqe Temperatur, die mindestens drei bis fünf Grad wärmer ist, al5 die auf offenem Felde herrschende Ter Regen fällt nicht direkt auf die emvßudlichen Pflanzen, fön- bern durchdringt das Dach als feuchter, warmer Nebel. Die Gefahi der Jniekteitpest ist auf ein Minimum herabqemmdert. Ter unter dielen Zelten kultivierte Tabak bringt durchschnittlich 2 Schilling 7 Pence pro Pfund, während der auf offenen Feldern gepflanzte nur mit einem Schilling bezahlt wird. Tabak-Sachverständige erklären, daß der in Connecticut unter den Zelten gewachsene Tabak sich mit den besten auf Sumatra gezogenen '-Blättern vergleichen läßt. ES bilden sich bereit« einige Gesellschaften, die Hunderte von Morgen Landes nut Nesteltuch überdachen wollen. Tiefe Neuermtg dürfte eine Umwälzung auf bem agrikulturellen Gebiete nach sich führen, denn der Tabak ist nicht die einzige Psianze, welche ein mildes, feuchtes Klima braucht und unter einer solchen Bedachung ein doppeltes Erträgnis bieten würde.
* Beinhäufer. Die heutige Generation weiß so gut wie nichts mehr von einem Brauche unserer Vorfahren, der noch im Anfang des '9. Jahrhunderts geübt wurde, nämlich die Anlegung von Bemhäusern (Offiiarien). Man sammelte die auf freiem Felde gefundenen oder auf Friedhöfen zufällig ober absichtlich wieder aus- gegrabenen uienschlichen Knochenreste, vor allem die Schädel, und speicherte sie in besonderen Gebäuden auf. In alten Romanen spielen diese an entlegenen Stellen errichteten, dem Volke unheimlich erscheinenden Beinhäuser als Stätten für geheime Zusammenkünfte und Beratungen, als Schlupfwinkel für lichtscheues Gesindel eine große Rolle. Nur noch wenige sind erhalten und ihr Inhalt, der oft aus tausenden von Schädeln bestand, ist entweder in die Hände von Gelehrten gekommen oder kurzerhand beseitigt worden. Als Denkmäler der Pietät waren sie betrachtet worden, und baraut wiesen auch die Inschriften hin, mit denen sie zuweilen geschnrücks waren. In Sche,veiler lautete sie:
„Ist nicht eine sonden Klap, Treysehen Taufend in einem ®rab !* DaS Ostuar von Keyserbevg sagt ernst:
.So ist's recht.
Da liegt der Meister bei seynem Knecht f
Und der Spruch an einem lothringischen Bemhause mahnt: Liebe Brüder und Schwestern, Wir waren noch gestern Stark und gesund, wie Ihr' O seht, morgen seid Ihr wie mir/
- Amtlicher Weiterbericht.
Oeffentliche Wetterdienststelle Gießen.
Verlauf der Witterung feit gestern früh: Im Rücken der östlichen Zyklone ist über nacht Abkühlung eiugetreten. Vielfach ist Schnee gefallen, sodaß strichweise auch die Niederungen eine leichte Schneedecke tragen. Heber Frankreich ist em neuer Teil- wirbel in Entwicklung begriffen, der, ostivärts ziehend, neue Niederschläge bringt. Dabei werden die Temperaturen wegen kühler Nordwinde nahe dem Nullpunkt liegen.
Wetteraussichten in Dessen am Freitag dem 18. Novbr. 1910:, Fortgesetzt Schneefälle, windig, Temperatur nahe dem Gefrierpunkt.
Letzte Nachrichten.
Angelegenheiten der Hessischen Zweiten Kammer.
K-.-L. Darm stadt, 17. Nov. Die Zweite Kammer wird am Dienstag, 29. November, vormittags 10 Uhr, zu einet längeren Tagung zufammentreten. Die Tagesordnung der ersten Sitzung enthält 51 Gegenstände, von denen allerdings viele feit Jahren immer wiederkehrende Anträge sind. Erster 'Punkt der Tagesordnung ist eine Besprechung über die Eisenbahnfreikarte beS Abg. Bähr, der seine Abgeordneten- Freikarte auch zu den Fahrten für landwirtschaftliche Sitzungen benutzen und auch einen anderen Weg fahren will, wie die Karte vorsieht. Weiter steht u. a. die Vorstellung? wegen des Hotel-NeubaueS m ft Quellwasser- Monopol in Bad-Nauheim auf der Tagesordnung. An Anfragen liegen u. a. vor eine solche von Abg. Reh tt^rtschr. Volksp.) wegen der Maßregelung von Oberlehrer Dr. Strecker und eine solche von Abg. Raab (Sozialdem.) wegen der Ba h n h of s ver hä ltni sse in V'lbel. Die Regierungsvorlagen über die Landgemeinde- uiid die Städteordnung sind als letzte Beratungsgegenstände angesetzt. — Der Tauschvertrag zwischen dem Staat und Herrn K. Haas V. in Gießen, bei dem es sich beiderseits um rund 1500 qm Gelände zunächst den Universitätskliniken handelt, wurde gestern vom Ausschuß genehmigt.
Das Befinden Tolstois.
Moskau, 17. Nov. Gestern abend 9 Uhr betrug die Körpertemperatur Tolstois 37,9 Grad. Tie Herztätigkeit ist. schwach.
e
:/: Köln, 17. Nov. (Priv.-Tel.) Gestern fand hier eine Besprechung zwischen Vertretern der fortjchritti lichen Volkspartei und der nationalliberalen Partei der Rheinprovinz statt-, deren Verlauf die Hoffnung berechtigt erscheinen läßt, daß eine Einigung zustande kommt.
Homburg v. d. H., 17. Nov. Ter Kaiser von Rußland stiftete 5000 Mark für den Baufondsdes russischen Pfarrhauses und des Hospitals.
Madrid, 17. Nov. Die Garnison von Bajadoz soll verlegt werden, weil sie seit der portugiesischen Revolution ständig republikanischen Treibereien ausgesetzt ist.
Konstantinopel, 17. Nov. Die Cholera dauert mit unveränderter Stärke fort. Täglich werden über 20 Fälle ver- zeichnet.
Ganz glücklich über den Erfolg!
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Bekanntmachung.
Betreffend: Ergänzungswahlen zur Handelskammer.
Zur Vornahme der Handelskammerwahlen wird Termin bestimmt:
1. für den Wahlbezirk Gießen-Stadt aus Donnerstag den 24. November ds. Js., nachmittags 3—6 Uhr, im Bureau der Handelskammer, Nord-Anlage 15;
2. für den Wahlbezirk Gießen - Land auf Mittwoch den 23. November ds. Js., nachmittags 3—5 Uhr, im Bureau der Handelskammer, Nord-Anlage 15;
3. für den Wahlbezirk Grünberg auf Dienstag den 22. November ds. Js., nachmittags 2—4 Uhr, tm Bureau der Grobherzoglichen Bürgermeisterei Grünberg.
Als Wahlkommissave fungieren für Gießen—Stadt Herr Max Friedberger, für Gießen—Land Herr W. L. Rühl, für Grünberg Herr H. Jhring.
Es scheiden aus:
1. Im Wahlbezirk Gießen—Stadt: die Herren C. Röhr, Kommerzienrat H. Schirmer und W. Zurbuch, sämtlich in Gießen.
2. Im Wahlbezirk Gießen^-Land: Herr L. Rinn, Heuchelheim.
3. Im Wahlbezirk Grunberg: Herr G. Stammler, Grünberg.
Die Ausscheidenden sind wieder wählbar.
Gteßen, den 17. November 1910.
Die Großherzogliche Handelskammer:
_______________________S. H e i chelheim. pif/n
Bilanz der Gewerbebank Lollar
2lftien=6kiel$idmft in Lta.
für die Zeit vom 1. April 1909 bis 31. März 1910.
Lollar, den 30. September 19to.
6307 Die Liquidatoren.
Aktiva
An dtv. Debitoren 166 369.99
, Zessionen . . 7 170.67
Passiva JfC
Per Akt.-Kapital. 60 000.— „ Spareinlagen 4 305.32 , div. Ereditor. 109 018.52 „ unerhob.Zins. 35.05
„ Reservefonds. 181.77
173 540.66
Gewinn- und Soll ult
An gezahlte Zinsen
u. Provision. 9 527.07 „ Steuern . . 426.15
„ Gerichtskosten u.
Gebühren . 228.98
, Veröffent
lichungen . 79.—
173 540.66
Bevluft-Konto
Haben
Per erhobene Zinsen 5 751.5'3 „ Reservefonds,
Uebertrag . 4 509.67
10261.20
162öl.jfj
Bekanntmachung.
Die Nachlaßpflegschaft über den Nachlaß der in Lollar verstorbenen Wilhelm Deilmann Ehefrau Hermine, geb. Riehm, wird aufgehoben.
Gießen, den 14. November 1910.
_______________Großherzogliches Amtsgericht.__________B%
Der Voranschlag der Gemeinde Stangenrod pro 1911 liegt vom 21. d. M1S. 8 Tage lang auf dem Bürgermeisterri- Bureau zur Einsicht der Jntereffenten offen.
Stangenrod, den 16. November 1910.
Großh. Bürgermeisterei Stangenrod.
_______________________Bock.___________________6308
Pferdeversteigernrrg.
Samstag den 19. November, 11 Ubr vormittags, wird ein untaugliches Gendarmerievferd im Hofe der Gendarmerie- kaserne zu Gießen gegen bare Zahlung öffentlich versteigert.
Gießen, den 15. November 1910.
Großh. Gendarmerie-Distrikt Oberhessen.
Schmidt. pw/u
K 25/10. (B17/u
Donnerstag, 8. Dezbr. 1910, nachm. 3 Uhr wird in unserem Amtszimmer die dem Heinrich Anton Sommerlad und Ehefrau geb. Schütz von Gießen zuge- fchriebene, nachstehend verzeichnete Parzelle verstetgert:
Fl. I Nr. 747 = 82 qm Hofreite in der Löwengaffe.
Gießen, den 16 November 1910.
Gronberzogliches OrtSgericht.
K 125/10.
Donnerstag, 29. Dez. 1910, nachm. 3 Uhr wird in unterem Amtszimmer die dem Johann Jakob Lather und Ehefrau geb. Deibel in Gießen zugeschriebene, nachstehend verzeichnete Parzelle öerftemert:
Fl. I Nr. 1399 - 332 am Hofreite in der Walltorstrahe.
Gießen, den 16. November 1910.
GrohherzoglicheS OrtSgericht.
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Patronen. Hülsen, Pulver, Schrot usw.
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