Ausgabe 
20.5.1910 Erstes Blatt
 
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Jtöfcn verweilten 15 Minuten in tiefer Trauer in der Halle. Kodann kehrten sie nach dem YNarlboroughhouse zurück.

Während die Majestäten in der Westminsterhall ver­weilten, wurde der Menschenstrom nicht unterbrochen. Der Kaiser legte am Sarge einen Kranz nieder. Darauf knieten der Kaiser und der König nieder und verharrten einige Mi­nuten im Gebet.

An dein Diner im Buckingham Palast, bei dem 60 Gedecke aufgelegt waren, nahmen alle hier anlvcsenden fremden Fürstlichkeiten, Prinzen und Spezialgesandtc teil. Der König saß dem Herzog von Connaughl gegenüber und hatte zu seiner Rechten Kaiser Wilhelm, den König von Däne­mark, sowie Erzherzog Franz Ferdinand von Desterreich. Zur Linken des Königs saßen die Könige von Griechenland und Portugal, die Thronfolger der Türkei, Griechenlands und Serbiens, Prinz Heinrich von Preußen und Roosevelt.

Aotterivergröherrmg Oesterreichs?

Im österreichischen Finanzausschuß fand am Donnerstag eine interessante Auseinandersetzung über die Flottenrüstung statt, wobei der Finanzminister eine etwas geheimnisvoll klingende Erklärung abgab:

Wien, 19. Mai. Im Finanzausschuß des Abgeord­netenhauses stellte der sozialdemokratische Abgeordnete Ren­ner unter Hinweis auf die Blättermeldungen über neue be­deutende Marineforderungen, sowie aus den Umstand, daß ohne Betragen des Parlaments, ohne Voranschlag und finan­zielle Deckung Dreadnoughts gebaut werden sollten, den Antrag, die Verhandlungen des Ausschusses solange auszusetzen, bis die Regierung über das Marine-Erfordernis authentische Aufklärung gegeben habe.

Mehrere Redner sowie der Finanzminister sprachen sich gegen diesen Antrag aus. Ter Fi n an-zm i ni ster erklärte, daß ihm und der österreichischen Regierung über die Inangriffnahme d?s Baues von Dreadnoughts amtlich nichts bekannt sei, daß der Bau^ solcher Schiffe für Rechnung des österreichi­schen Staates nicht stattfindc, und daß die österreichische Finanzvcrwaltung eine Leistung für solche Bauten nicht gemacht, auch nichts vorgeschlagen habe. Er verheimliche gar- nichts. Soviel lasse sich nur sagen, daß, wenn Militärfragen wie die zweijährige Dienstzeit, die Ausgestal­tung der Flotte usw. zur Durchführung gelangten, größere Auslagen zu gewärtigen seien. Erst die Delegationen Von 1911 würden darüber zu beschließen haben, sobald eine Einigung über den Umfang, sowie die Höbe des neuen Anspruchs zwischen den beteiligten Regierungen erfolgt sein würde

Der Airtrag Renner wurde darauf mit 16 gegen 11 Stimmen abgelehnt. .1..'!' J ------- ..'______________________L-L..

politische Sag ss sch an.

Die Entkirchlichung der Massen.

In der freitonservativeuPost" finden wir sehr be­merkenswerte Feststellungen über die zunehmende Enttirch- lichung der breiten Massen, die durch statiitisches Material belegt wird:

Es ist keine Frage mehr: Wir stehen vor einer zunehmenden Entkirchlichung der breiten Massen. Einige Zahlen mögen die Größe der ganzen Bewegung erläutern, wobei allerdings zu bemerken ist, daß für 1909 absolut zuverlässige Zahlen noch nicht vorliegen. Jedenfalls sind die Austritte aus der preu­ßischen Landeskirche, die im Jahre 1900 2228 betrugen, nun­mehr auf jährlich rund 20000 gestiegen. Der Besuch des Abend­mahles ist in den letzten 15 Jahren um durchschnittlich 12 v. H. gesunken, lieber den Absatz von Bibeln besteht keine zuverlässige Statistik für Preußen allein. Für das Reich aber hat die Säch­sische Hauptbibelgesellschaft für sich allein von 1906 zu 1907 einen Rückgang von 50000 Neuen Testamenten und 8500 Volks­bibeln sestgestellt. Der Jahresbedarf anAnwärtern des geist­lichen Amtes" für bie, älteren preußischen Provinzen beträgt rund 250. Während 1895 noch 312 Kandidaten ordiniert wurden, ist diese Zahl bis 1907 auf 182 und seitdem wahrscheinlich noch weiter gesunken. In noch größerem Maße hat die Zahl der Theologiestudierenden abgenommen.

Am meisten wird natürlich von der immer mehr sich steigern­den Austrittsbewegung gesprochen, obwohl zweifellos gerade die auffallende Verminderung des allgemeinen Interesses an kirch­lichen Dingen, wenigstens soweü sie mit der osfiziellen Staats­kirche zusainmenhängen, als das bemerkenswerteste erscheinen muß. Denn wenn man genau nachprüft, welchen Sekten und anderen Gemeinschaften sich die aus der Landeskirche Ausgetretenen an- schließev, wenn man zugleich beachtet, wie nur ein kleiner Brüch teil der Ausgetretenen konfessionslos wird, so kann m a n n i ch t eigentlich von mangelndem Religio nsgesühl sprechen. Im Gegenteil: der Austritt der meisten ist ersolgt, weil sie in der herrschenden Landeskirche keine Befriedigung für ihre seelischen und religiösen Bedürfnisse gefunden haben. Auch das imposante Auftreten großer Volksmassen für die Wahr­heit des WortesJesus lebt" ist ein Beweis, daß der Grund der Entkirchlichung nicht in einer steigenden Irreligiosität der Massen zu suchen ist.

Ein besonders wichtiges Charakteristikum der Austrittsbe­wegung ist ihre Beschränkung auf die Großstädte. Und zieht man hieraus wie aus allem anderen, was bisher hier geltend gemacht worden ist, den richtigen Schluß, dann kommt man der eigentlichen Ursache nicht nur der Austrittsbewegung, sondern auch der Entkirchlichung näher. Die Kirche weiß zu wenig Füh­lung mit den Massen zu halten, sie bekümmert sich zu wenig um die einzelnen Gemeindemitglieder. Gferabe in den Rresengeme«nden Berlins besteht überhaupt gar keine Beziehung mehr zwischen Pfarramt und einzelnen Gemeindemitgliedern. Die Kirche meldet sich hier nur durch den Steuerboten, und daß dieser gerade nicht geeignet ist, das Band zwischen Pfarramt und Gemeinde zu stärken, ist lelbstverständlich.

Wenn das genannte Blatt im Anschluß daran praktische Winke gibt, wie der Entkirchlichung entgegengetreten werden müsse, so fassen diese Vorschläge die Dinge doch nicht ganz an der Wurzel. Denn die Großstädte hatten wir auch früher, und die Methode des geistlichen Amtes Hut sich gleichfalls wohl nur wenig verändert. DiePost" meint:

Deshalb ist der Vorschlag, kleinere und kleinste Ge­meinden zu bilden, die möglichst nicht über 5000 Ein­wohner umfassen sollen, nicht ungeschickt. Aber er muß auch richtig durchgeführt werden. Es ist natürlich nicht notwendig, daß jebe Gemeinde ihre eigene große Kirche hat. Man kann auch Kapellen und Kapellchen bauen. Auch würdig ousgestattete Bet­säle werden in vielen Gemeinden genügen, ilttcht das G'bäude ist die 'Hauptsache, 'sondern der Geistliche und sein leöen- diges Wort, der Geistliche, der die Sorgenvollen, die Mühseligen und Beladenen auffucht, der Geistliche, der wirk- lich ein Hirte seiner Gemeinde ist, der zu ihr steht in Freude und Seit), der jeden einzelnen in der Gemeinbe kennt. Der persönliche Einfluß ist im Religiösen alles. Durch Massenbetrieb, wie er in nur zu vielen großen Gemeinden besteht, wird nichts erreicht. Die Organisation der katholischen Krrchc, die von der Austrittsl- bewegung fast gar nicht berührt worden ist, kann hier in mancher Beziehung wertvolle Anregungen bieten. Es gibt nichts Jniüvi- duelleres als das religiöse Bedürfnis. Will man dies aber nur schematisch befriedigen, so wendet es sich bald ab und sucht andere lebendigere und individuellere Quellen der Befriedigung. Des­halb ist auch die Wirkung des geschriebenen Wortes so gering. All das Verteilen vortrefflicher und billiger religiöser Schiften und Traktätchen, so gut es gemeint sein mag, wird die Enlkirch- lichung der breiten Massen der evangelischen Kirche nicht auf- halten, wenn nicht das gesprochene Wort hundertfältig gegen heute verstärkt wird.

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Znr Hauptversammlung des Deutschen Flottenvereins.

Am Sonntag wird der Deutsche Flottenverein im Reichs­tag seine diesjährige Hauptversammlung abhatten. Tie

Nattonallib. Korresp." druckt dazu folgende Wünsche aus, die hoffentlich erfüllt werden:

Immer wieder tauchen empor und spuken umher zage Gerüchte, wonach der A b r ü st u n g s g e d a n k e an bestimmten, einfluß­reichen Stellen doch nicht für so absurd und indiskutabel an­gesehen wird, lote die Volksmeinung ihn ansieht. Da möge ein freimütiges und tapferes Wort fallen. Das Projekt einerVer­ständigung über die Marineausgaben" scheint dem Harmlosen und Friedensseligen ein Ziel, aufs innigste zu wünschen, lind doch gehört eine geradezu unheilvolle Verkennung der inter­nationalen Imponderabilien (wenn der Ausdruck einmal ge­stattet sei) dazu, die vieldeutige Idee für praktisch ausführbar und für politisch nützlich zu halten. Man möge sie anfassen, wie man will, man wird notwendig immer wieder zu dem Schluß gelangen, daß wir dabei unter den Schlitten kommen. Tatsächlich hat auch noch niemand vermocht, eine Bürgschaft dafür anzugeben, daß die zu vereinbarenden Abmachungen loyal gehalten werden. Das Maß unserer Seerüstung darf allein durch unser Interesse bestimmt werden: und diese Interessen abzuwägen, ist wieder ausschließlich unsere eigene Sache. Wem die bescheidene Kriegs- wehr Germaniens auf dem Wasser zu unheimlich dünkt, der möge seinerseits mit der Abrüstung den Anfang machen: der Stärkere hat überall den Vortritt. Warum also nur hier nicht? Das find die Gedanken und Gefühle, welche dieser Flvttenv er einst ag in uns wach ruft: möge er als der Mandatar des nationalen Willens kräftig und frei das zum Ausdruck bringen, was die Volksseele bewegt.

Das Gesetz über die Zuständigkeit des Reichsgerichts wird bereits mit dem 1. Juni in Kraft treten. Von diesem Termine ab wird die Revisionssumme von 2500 auf 4000 Mk. erhöht Man rechnet damit, dadurch etwa 1200 Streit* gegenständen in Zukunft den Weg zum Reichsgericht zu versperren. Von kleineren Entlastungsmitteln treten in Wirksamkeit: Der Revisionskläger ist verpflichtet, binnen einer zu bestimmenden Frist Gebührenvorjchuß zu leisten, die Lberlandesgerichke sind zur vorläufigen Vollstreckbarkeit ihrer Urteile befugt, doch hat das Revisionsgericht auf An- ^ag anzuordnen, daß die Zwangsvollstreckung einstweilen cinzustellen ist, wenn nachgewiesen wird, daß die Voll­streckung einen nicht zu ersetzenden Nachteil bringen würde.

Tie Novelle zur Rechtsanwaltsordnung tritt ebenfalls am 1. Juni in Kraft, nach ihr können u. a. zwei Anwaltskammern in Oberlandgerichtsbezirken bei mehr als 1000 Rechtsanwälten errichtet werden. _______________

Zur Beobachtung der hakersschen Kometen.

Auch die heute vorliegenden Nachrichten über die Beob­achtungen des Kometen sind spärlich und ungewiß. Einige Luftschiffe waren zu wissenschaftlichen Zwecken an verschie­denen Orten des Reiches ausgesahren, und es wird mehrfach berichtet, daß interessante Ergebnisse erzielt worden seien. Da man aber bisher nicht damit herauSgerückt ist, was man besehen und beobachtet Hal, wird es nicht viel gewesen fein. Aus Gießen wird unS nochmals mitgeteilk, daß die erwähnten Automobilisten auf dem Gleiberg mit Hellen Augen den sich fortbetoegenben Stern gesehen hätten, und wir erhalten eine weitere Mitteilung, die auch von bestimm­ten Wahrnehmungen spricht. Die Zuschrift lautet:

Wir befanden uns, sieben Herren, auf dem sog. Eulenkopf aus dem Trieb. Es war gegen 3 Uhr 35 Min. morgens und ent­mutigt wollten wir diesen Platz wieder verlassen, als wir, im Weggehen begriffen, rechts der im Aufgehen begriffenen «sonne, in der Richtung nach Grünberg zu, eine außerordentlich hell leuästendc Erscheinung, anscljeinenb einen Stern, aufsteigen sahen. Diese bewegte sich, dabei in einem Winkel von 3040 (Hrad aufsteigend, in der Richtung noch Hungen zu und verschwand nach etwa 1015 Minuten hinter den Wolken. Besagte Er­scheinung kann unmöglich ein Stern gewesen sein, denn dafür war ihre Bewegung viel zu rasch, auch hätte ein solcher bei der bereits beginnenden Helligkeit nicht mehr so lebhast gestrahlt, ebensowenig aber ein Meteor oder eine Sternschnuppe, denn diese l»cwegen sich wiederum mit ganz ungleich größerer Ge- chwindigkert, wenigstens für das Auge des Beschauers. Da biete Erscheinung von vielen Beobachtern nicht wahrgeuommen würbe, möchte ich int Interesse ber Feststellung jener Erscheinung müteilen, baß wir alle bie Empfinbung hatten, als ob diese nicht in gleichmäßig-ruhigem Laus, sonbern mehr in unruhiger Bahn sich fortbewege, ferner daß sic das Merkwürdige zeigte, daß das Licht während des Aussteigens hinter den Wolken am Weißesten war, während doch Sterne am Horizont mehr rötlich ausgehen, endlich aber, daß wir alle einen Schleier ober kurzen Schweif, wenn auch nur sehr unbeutlich erkennbar, wahrgenommen haben. H. 3.

Ferner will mau in Schweidnitz den Kometen mit bloßem Auge deutlich gesehen haben. Auch in der Hohen Tatra soll das Gleiche geschehen sein.

Im Übrigen gibt die Erscheinung des .Kometen und die Besorgnis vor demWeltuntergang" zu interessanten volks- pshchologischen Bettachtungen Anlaß. Die Rheiubewohuer zeigten auch bei dieser Gelegenheit ihre übermütige Laune, und in Mainz und Köln lserrschte Fas'chtngssttmmüng:

Köln, 18. Mai. Die Fremden, die am 18. Mai in unserer Stadt weilten, glaubten sich heute nacht in die Kornevalstage versetzt. Man hatte überall Festlichkeiten veranstaltet. In allen Gärten und Konzettlokalen herrschte bei Musik und Tanz bis in den frühen Morgen ein buntbewegtes Leben. Dir Polizei hatte Anweisung, wie int Karneval, auch bei Umzügen auf den Straßen größte Nachsicht zu beobachten. Es ging ungemein lustig zu, ohne daß es zu Ausschreitungen kam In den Morgenstunden zogen Tausende außerhalb des Weichbildes der Stadt, um den Kometen zu^erspähen, der ober sreilich in der Verborgenheit blieb. Die tollen Tage werden erst am Samstag ihr Ende erreichen. Als­dann veranstaltet die große Kölner Karnevalsgesellschaft im Hin­blick aus dieabgewendete Gefahr" ein humoristisches Konzert.

Mainz, 19. Mai. In Erwartung des Kometen hatte man bie Nackt zu einem ausgiebigen Bummel benutzt. Auf bem Lenne- berg suchten ganze Scharen mit den Augen den Himmel ab, in Kastel war man wach und sehr lebhaft: hier in verschiedenen Wirtslvkalen so^ar noch wacher und noch lebhafter, als feierte man zum zweiten Male Silvester. So vertrieb man sich die Nacht mit Heiterkeit, bie als eine Nacht des Schreckens angekündtgt worden war.

Auch die lnsttgen Berliner haben die Gelegenheit wahrgenommen, in den Wirtshäusern eine Art Silvester abzuhalten und die Nacht mit Lärm und Ausgelassenheit zu erfüllen. In Wien feierte man gleichfalls die Nacht hindurch.

In Petersburg war man dagegen beunruhigt. Es iptri> gemeldet, daß manche Familien Heiligenbilder aus den Kirchen in ihre Wohnungen bringen ließen, und dafür be­deutende Spenden opferten. Im Innern des Reiches sollen viele Bauern in der örtoartung des Weltunterganges ihre Sterbehemden angelegt haben.

Aus Paris" erhalten wir folgenbeS hübsche Stim­mungsbild :

O P a r i s, 19. Mai. Die Kometennacht in Paris bok ebensoviel Anlaß zu ergötzlichen, als zu. sarkastischen Beobachtungen. Die Lebewelt hatte die Gelegenheit be­gierig ergriffen, um lärmende Nachtfeste auf der Butte Montmartre und in den an der Unter seine belegenen Vor­orten zu organisieren, obrer man merkte heraus, daß auch in den .Köpfen der ausgelassenen Kavaliere und ihrer den verschiedensten Welten angehörigen Damen Weltuntergangs- Gedanken spukten. So recht traute niemand der Schleppe des Weltcickummlers, mit ber unser harmloser Planet in eine

ungesuchte Berührung treten sollte. Selbst die Zeitungs- arttkel der Donnerstag-Morgeunummern verraten eine ge­wisse Beklemmung. Sie sind zwar spöttisch gehalten, aber ihre Verfasser scheinen, nach der Stilart zu schließen, gar nicht sicher gewesen zu sein, daß ihre Gedanken und Scherze überhaupt noch lebende Leser finden werden. Sie erwecken das Gefühl, daß sie auf das Risiko des Mcht- erschcinens hingeworfen worden sind. Nachträglich wird man wohl viel über den Unfug lachen ober vielleicht sich auch entrüsten, der mit den wissenschaftlichen Interviews über dieses Zusammentreffen der Erde mit dem Kometen­schweife getrieben worden ist. In unzähligen Variationen wurde entweder die Möglichkeit eines KataklpSmus ziffern­mäßig bewiesen oder widerlegt, je nach der Stimmung der ausgefragten Gelehrten oder vielleicht auch noch der Phan­tasie der befragenden Reporter. Und immer wurde mit der Sicherheit des Unfehlbaren ausgetreten und jeder Wider­spruch mitAnhauchungen" derart niedergedonnert:Es' ist für jeden Halbwegs mit Verstand ausgestatteten Men­schen klar usw. . . .", oderaus diesen Darlegungen geht ganz selbstverständlich hervor . . Gewöhnlich

waren aber diese Darlegungen so verzwickt, daß die Artikel- schreiber sie sicher selbst nicht verstanden haben. Beim! Herannahen des gefürchteten Durchstoßes der Kömeten- schleppe durch unseren Planeten wurden in der Pariser Gegend die elektrischen Entladungen recht lfäusig, so daß natürlich die Befürchttrugen des Weltunterganges nicht nur bei einfachen Leuten, sondern auch bei recht hochstehenden in sozialer, wie intellektueller Beziehung sich mit oft rührender Naivität bekundeten Auf den Sttaßen begegnete man sich mit Scherzen auf den Lippen, aber mit sichtlicher Angst in den Augen, und heute ist man hochzufrieden, daß die Gefahr vorüber ist.

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Die Sichkb arkcit des Halleys'chen Kometen, der nun glücklich an der Sonne vorüber ist, nimmt in den nächsten Tagen bedeutend zu, was unseren Lesern, die sich um das seltene Schauspiel betrogen glauben, zum Tröste dienen mag. Ter Komet erscheint vom 20. Mai ab am Abendhimmel. Für seine Beobachtung werden wahrscheinlich die Abende vom 23. Mai ab am günstigsten sein. In der Zeit zwischen 9 und 10 Uhr steht er dann genau int Westen, etwas unterhalb der Verbindungslinie zwischen dem Sternbilde der Zwillinge irechts» und dem Stern­bilde des Löwen flinksX Der Komet wird schon durch seinen Schweif kenntlich werden, der von der Somte abgewenbet, also nach oben gerichtet ist.

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Newhork, 19. Mai. Nach den heute früh gemachten Beobachtungen verschiedener Observatorien in den Ber­einigten Staaten wurde der Schweis des Halley schen Kometen in seiner früheren Gestalt am östlichen Horizont gesehen, woraus hervorgeht, daß die Erde noch nicht durch den Schweif des Kometen hindurch­gegangen ist. Ein besonderes bemerkenswertes Schau­spiel wird aus St. Thomas in T-änisch-Westin dien gemeldet, wo ein gewaltiger Lichtstteisen sich über zwei Drittel des' Himmels erstreckte. Nach einer Meldung der Sternwarte in Liek hat der Schweis deS Kometen, der dort heute früh am östlichen Himmel gesehen wurde, eine Länge von min­destens 140 Grad.

Madrid, 19. Mai. In S p a n i e n konnten bezüglich des Hallehschen Kometen keinerlei Beobachtungen gemocht werben; der Himmel war nachts bewölkt.

Deutsches Ueid>.

Unter dem Vorsitze des Staatssekretärs des Rcichsschotzamtes Dr. Wermuth fand am Donnerstag im Reichsschatzamte eine Beratung mit den Vertretern des Deutschen Tabak­arbeiterverbandes, des Verbandes christlicher Tabak und Zigarrenarbeiter, des Verbandes der Zigarrensortierer und der Kistenbekleber Deutschlands statt. Gegenstand der Beratung war die künftige Gestaltung der Unterstützungen für Tabak­arbeiter, die durch das Tabaksteuergesetz in ihrem Gewerbe be einslußt sind. Am Freitag wird im Reichsfchatzamte dieselbe Frage mit den Vertretern der deutschen T o b a k i n d u st r i e besprochen. Alsdann sollen die neuen Grundsätze ausgeorbeitet werden, aber vor einer endgültigen Entschließung die Verbände nochmals gehört werden.

Es bestätigt sich nach einer Meldung aus Köln, daß der K r i e g s rn i n i st e r erneut eine urnsangrciche Untersuchung über die Ursache der Katastrophe des Zeppelinballons bei Weilburg ongeordnet hat. Tie in Betracht kommenden Per­sonen, namentlich diejenigen, welche die Fahrt von Homburg bis Limburg mitgemacht haben, sinb zur umgehenben Erstattung eines Berichtes crufgesorbert worden.

Die Deutsche Gartenstadt-Gesellschaft beabsich­tigt im Sommer dieses Jahres zwei sozialeStudienreisen nach England zu veranstalten, nachdem eine int Vorjahr unter­nommene Reise sehr regen Zuspruch gesunden. Das Nähere über diese Reisen enthalten die Ankünbigungen.

Jlitslattö.

Aus Newtz-ork wird gemeldet: Staatssekretär Knox sandte der hier tagenden I n t e r u a t i o n a l e n S ch i e d s g e r i ch t s - kvnferenz ein Schreiben, in welchem er voraussagte, daß die Dritte Haager Konferenz einen permanenten Sckneds- gerickstshof dort vorfinden werbe. Manche Macht sei im Begriff, den Vorschlag wenigstens im Prinzip anzimehmen.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 20. Mai 1910.

" Tageskalender für Freitag, 20. Mai: Stadt­theater:Die Dollarprinzessin." Anfang 8 Uhr.

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V om Großherzoglichen Hofe. Die Groß­herzogin ist am Mittwoch abend 8V2 Uhr in Lich ein- getroffen, wo sie bis nach der Hochzeit ihrer Schwester bleiben wird. Der Groß Herzog kommt am 23. Mai, dem Tage vor der Hochzeit, von London aus direkt nach Lich.

** Ordensverleihung. Der Großherzog hat dem Bürgermeister, OrtSgerichtsvorfteher und Standesbeam-- ten Peter S ch u 1 k h c i ß V. zu Lumda das Allgemeine Ehren­zeichen mit der InschriftFür langjährige treue Dienste" am Bande des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.

Vom Staatssch u ld buch. Es wird darauf hin- gewiesen, daß Staatsschuldbuch - Forderungen durch bare Einzahlungen ohne vorgängigen Ankauf von Staatsschulb- oerschreibungen erworben werden können. Die Einzahler werden mit dem Eintrag im Staatsschnldbnch Buchgläudigec und sind der VerlosungSkontrolle, sowie der Sorge für die Aufbewahrung von Obligationen enthoben. Selbstverständlich ist auch die Einlieferung von Stücken zur Umwandlung in Buchforderungen nach wie vor möglich. Nähere AuZkun werden die Bankficmen des Grobherzogtums zu erteilen berc