ehter Fakultät ein, die ja in gewissem Sinne schon Jahre lang bestanden habe. Darauf äußerten sich die Deutsch-Radikalen gegen und die Italiener und Slawen für die Vortage. Die Slawen waren aber gegen Triest als Standort und traten für die Errichtung einer zweiten tschechischen Universität in Brünn und ferner für die Errichtung einer ruthenischen Universität in Lemberg und einer slovenischen in Laibach ein. Morgen findet die nächste Sitzung statt.
Wie das Ungarische Korrespondenzbureau ans Wien meldet, unterbreitete Ministerpräsident Graf Khuen-Hedervary am Dienstag dem König einen Vorschlag betreffend die Auflösung des Parlaments. Der König genehmigte den Vorschlag. Die Auflösung erfolgt am 22. März. Erzherzog Josef wird in Vertretung des Königs in der Ofener Königsburg die Thronrede verlesen.
Die Morgenblätter melden aus Rom: Der erst in acht Tagen erwartete Streik der Straßenbahnange st eilten ist bereits am Dienstag ausgebrochen. Der Präfelt hat es abgelehnt, die Wagen wie am Sonntag unter dem Schutze der Polizei laufen zu lassen. Der Betrieb ruht daher auf allen Strecken.
Im englischen Unterhaus sagte Mac Kenna in Beantwortung des Vorschlags, ein festes Bauprogrammein- zuführen: Wir wollen die Zahl der Schiffe, welche auf Kiel gelegt werden sollen, nicht im voraus für einen längeren Zeitpunkt skizzieren. Selbst wenn irgend eine fremde Macht mehr Schiffe bauen sollte, so würde England ebenfalls .mehr Schiffe bauen müssen. Er hoffe, man werde das Bauprogramm stets in Gemäßheck eines kommenden Jahres bemessen. In Beantwortung der Forderungen der Arbeiterpartei nach einem rationellen Flvttenbauprvgramm erklärte Mac Kenna: Der einzige Standard, den er als rationell anerkennen könne, sei derjenige, welcher die Sicherheit des Landes yegen eine wahrscheinliche Kombination von Kräften sichern würde und das sei her Standard, den die Regierung allein bei der Vorlage des Budgets im Auge habe. Die weitere Frage, ob er auch gegen eine unwahrscheinliche Kombination Vorsorge treffen werde, verneinte Mac Kenna mit den Worten: Alle Nationen müssen ein gewisses Risiko übernehmen, .und sollte die ganze Welt gegen uns sein, so müssen wir uns auch mit dieser Adöglichleit ab- fhtben. Tas Budget sei mit der äußersten Rücksichtnahme auf Sparsamkeit entworfen worden. Tie Regierung würde niemals Schiffe bauen lassen über chre Ansorderung hinaus.
Aus Stadt uuS LanS.
Gießen, 16. März 1910.
** Gegen diestädtischeBillettsteuer, die vom hessischen Landtag beschlossen worden ist, wendet sich eine Eingabe hiesiger Interessenten und Vereinigungen, die im Anschluß an eine gleiche Vorstellung des Rhein-Main-Gast- wirte-Verbandes die Steuer als vertehrsfeindlich, antisozial, bildungsfeindlich und ungerecht bezeichnet und um chre Ablehnung bittet.
** Direkte Zugverbindung vom Mittel- rhein via Wiesbaden nach Homburg v. d. H.—Friedberg- Gießen. Wie wir vor einigen Monaten mitteilten, haben sich verschiedene Interessenten an die Eifenbahnverwaltung gewendet, durchgehende Züge von den Städten des Mittelrheins über Homburg v. d. H.—Bad-Nauheim nach Gießen zu leiten. Der Eisenbahnminister hat biefe Zug Verbindung nicht genehmigt, wie er jede neue Verbindung ablehnen wird, soweit sie nicht lediglich dem Verkehr zwischen Großstädten oder dem internationalen Verkehr dient. Jedoch ist von der Eisenbahnverwaltung vom L Mai ab dafür gesorgt, daß an die bestehenden Eilzüge eine möglichst gute Anschluß^ Verbindung in Bad-Nauheim nach Gießen und t>en Städten nördlich davon geschaffen wird. Die direkten holländischen Wagen, die die englischen Reisenden bringen, werden auch in diesem Jahre in die Eilzüge wieder eingestellt. Auch werden die Eilzüge in den Monaten, wo sie seither teilweise ausfielen, verkehren, so daß dadurch und infolge des günstigen Anschlusses in Wiesbaden und Bad-Nauheim eine direkte Zug Verbindung der Städte am Mittelrhein nach Gießen und Kassel geschaffen ist.
** Gießener Stadttheater: Narziß. Als Ehrenvorstellung für Kurt Gühne gab man gestern Brachvogels altbekanntes Drama Narziß, dessen Titelheld zu den Glanzrollen der Charakterdarsteller gehört, und zwar in dem Maße etwa, wie es Kean für die „ersten Helden" ist. Die Darstellung, die von Kurt Gühne wirksam und eingehend vorbereitet war, war von einem schönen Erfolg begleitet und brachte dem beliebten Künstler einen Beifall, wie man ihn hier nur selten erlebt. Der Gedanke an die vielen schönen Gestalten, die Gühne int Laufe des Winters geschaffen hat, verhalf dem Künstler am Schlüsse der gestrigen Ausführung zu einer lauten, herzlichen Huldigung. Als Narziß hielt sich Kurt Gühne wohlweislich im Rahmen der lieber lief erung, und erhielte einen sicheren Erfolg trotz mancher Ueberhöhung. Im Zusammentreffen mit seiner Frau, der Pompadour, fand er Töne, die tief erschütternd wirkten. Auch die übrigen Darsteller sanden sich mit lobenswertem Geschick in thre Aufgaben. Frau Gühne entfaltete als Pompadour einen regen Eifer, Erna Güldener spielte mit melodischer Stimme die Königin, Fränzi Koch war eine warmherzige Doris. Ferry D a u b a l iHerzog), Karl Volck (Tübarry), Karl Marx (Eugene) boten recht hübsche Leistungen. Von den übrigen sind noch Lore Scholz (Epinay), Hermann Norden (tzol- bach), Hermann Bakof (Grimm), Edgar Pauly (Diderot) zu nennen. Kurt Gühne wurde mit Blumen und anderen Andenken geehrt. —h.
ob. Bersrod, 14. März. Am Sonntag abend hielt Lehrer Wolf im überfüllten Saale des Wirts Ludw. Becker hier einen sehr interessanten Vortrag über das Thema: ,9luS Bersröder alten Kriegsrechnungen vor hundert Jahren". Redner schilderte sehr eingehend an Hand der Gemeindeurkundtn und einiger Prioatbriefe die Erlebnisse unserer Vorahnen mährend der Krlegswirren der Jahre von 1793 bis 1815 in so fesselnder Weise, daß manch einem altem Bersröder, dem auch einer der Seinen auf dem Schlachtfelde sein Leben aushauchte, Tränen in die Augen traten. Besonders stellte der Redner der Jugend die damalige Armut und Entbehrung, verursacht durch den Krieg, und die jetzige Lebens- weise, im Ueberflust und Genußsucht, gegenüber, und ermahnte sie zur Liebe und Ehrung ihrer Heunat, wo ihre Urgroßväter den heimatlichen Grund und Boden nach den Kriegsjahren wieder durch weise Sparsamkeit schuldenfrei gemacht hätten. Hatte doch unser Ort, der damals ans etwa 45 Familien bestand, in den genannten Jahren zur Deckung der Kriegskosten nicht weniger als 26 000 Gulden Schulden machen niüssen. Weiter folgten Vorträge von vaterländischen Liedern und Gedichten durch den Schülerchor und den Männer- Gesangverein. Nach einem kernigen Schliißwort unseres Pfarrers Hofnlann ging die Versammlung gegen 12 Uhr sehr (.befriedigt auseinander mit dem Beivusttsem, daß unsere K lten Dorfurkunden, die für die damalige Zelt sehr gut ab» uni
gefaßt und aufbewahrt worden sind, in unserem Lehrer Wolf einen eifrigen Pfleger gefunden haben und somit der Nachwelt erhalten bleiben.
Offenbach, 15. Mäi^. Das finanzielle Ergebnis des Kostümfestes der Technischen Lehranstalten ist: einer Ausgabe von 19 000 Mark stehen 47 000 Mark an Einnahmen gegenüber, so daß ein Ueberschuß von 28 000 Mark verbleibt, der dem Zwecke der Veranstaltung, der Schaffung des Grundstocks zu einem Stipendienfonds für befähigte, aber minderbemittelte Schüler der Technischen Lehranstalten, zugeführt werden kann.
N. Mainz, 14. März. Die Kommissionen zur Wahl der Baustelle für das neue Realgymnasium haben sich nuniiiehr mit Stimmenmehrheit (10: 5) für das Gelände an der Gre is s en kla u st raste entschieden. Die Ecke dieser Straße soll dann die neue Stadtbibliothek einnehmen, an die sich das Realgymnasium anschliesten wird. Die Wahl dieses Platzes ist sehr zu begrüßen, da er sich im Mittelpunkte von Mainz befindet, und außerdem der Stadt keine Ausgaben für Geländeankauf aufgebürdet werden.
Worms, 15. Diärz. Im Krankenhaus« ist gestern die Frau des Bahnhofsvorstehers Kröber von Offstein gestorben. Bekamtklich hat Kröber sich, seine Frau und drei Kinder zu vergiften versucht. Tie Frau ist nun nach langem Todeslampf als erste dem Gift erlegen, und heute früh ist ihr im Krankenhause der Ehemann Kröber im Tode nachgefvlgt.
* Frankfurt a. M., 15. März. Wiederum hat der Zoologische Garten den Verlust eines seiner ältesten Großtiere zu beklagen. Die seit Jahren altersschwache weibliche Giraffe „Gerry," die besonders in den letzten Monaten derart rückgängig geworden war, daß ihr Abgang täglich erwartet wurde, ist verstorben. Das Tier hat ein für seine Art ausnehmend hohes Gefanyenschaftsalter von etwa 14 Jahren erreicht. Tie wenigsten aller importierten Giraffen ertragen die Gefangenschaft länger als einige Wochen und von den Tieren, die überhaupt ausdauern, ist ausnahmsweise nur einmal ein Exemplar in Paris nahezu 20 Jahre alt geworden. Gerry gehörte zu den ältesten in Gefangenschaft bekannten Tieren ihrer Art. Die Geschichte des verstorbenen Tieres entbehrt nicht eines geroiifen hyw.iiä-en Interesses. Gerry war die erste Giraffe, die nach Beendigung der Mahdi-Kriege, die den Sudan für den Tierhandel viele Jahre lang gesperrt hatten, wieder importiert wurde. Sie stammte aus dem sog. Basa-Lande im nördlichen Abessinien, wurde als junges Tier von den farbigen Jägern des kürzlich in Buchschlag verstorbenen Afrikareisenden Joseph Menses gefangen, durch diesen im Sommer 1899 eingeführt und im Zoologisck/en Garten eingestellt. Ter Kaufpreis betrug 16 000 Mark, eine Summe, für die man ein Paar Giraffen kaufen kann. Gerrv war immer ein Sorgenkind des Gartens, hatte viel mit Krankheiten zu kämpfen und nur der sorgsamen Pflege ist es zu danken, daß sie ein so hohes Alter erreichte. Die Haut des Tieres und das Roh- skelett bleiben vorläufig im Besitz des Gartens, bis sich eine Gelegenheit zum Verkauf bietet.
vermischter.
* Oesterreichs Tabakverbrauch. Was in Oester- veich alljährlich alles in Rauch ausgeht, lassen die Zahlenangaben er feinten, die das k. k. Finanzministerium über den Tabakkonsum des Jahres 1908 soeben verössentticht. Danach hatte von allen Kwwländern Böhmen den stärksten Verbrauch aufzuweifen mit 422 Millionen Zigarren, 1600 Millionen Zigaretten, 67 000 Meterzentner Rauchtabak,'während Galizien den weitaus stärksten Konsum an Schnupftabak mit 4000 Meterzentnern zu verzeichnen hatte. Von den einzelnen Zigarrensorten erfreuen sich die „Porto- rico" und „Virginia" einer immer noch zunehmenden Beliebtheit. Ganz enorm ist der Bedarf an Zigaretten, worin wohl Oesterreich überhaupt den relativ größten Verbrauch aller Länder aufweist: er belief sich auf rund 4400 Millionen Stück, wovon well über die Hälfte auf die beliebte „Dport"-Zigarette entfiel. Im ganzen hat der Staat im Jahre 1908 aus seinem Tabakmonopol 239 Millionen Kronen — 13 Millionen mehr als im Vorjahre — eingenommen.
*EinLawinenunglückaufJsland. Das kleine Fischdorf Huisdat auf Island i ft Dom Erdboden verschwunden, eine riesige Lawine hat das ganze Dorf begraben und zum Teil ins Meer hinabgerissen. Die kleinen Häuser lagen unmittelbar am Fuße eines steilen Bergabhanges dicht an der Küste. Am Montag bröckelte an der Spitze des Berges der Schnee los und wenige Augenblicke später war das Schicksal von Huisdal besiegelt. 25 Unglückliche fanden in dem Schnee und den Wellen ein tragisches Ende, 15 Menschen sind so schwer verwundet, daß sie kaum genesen werden. Viele wurden in ihren Häusern lebendig begraben, die unter der Wucht der gewaltigen Schneemassen wie Kartenhäuser zusammengequetscht wurden. Zwei Fischer retteten sich dadurch, daß sie ins Meer sprangen und hinaus schwammen. Fast alle Getöteten sind arme Leute, manche haben unversorgte Witwen und Kinder zurückgelassen, die zufällig nicht im Dorfe waren.
* Ein reizendes Geschichtchen erzählt die „Ludwigsburger Zeitung". In einer schwäbischen Garnisonstadt führten zwei Metzger einen Ochsen ins Sckstachtyaus. In der Nähe der Kaserne riß sich der Ochse los und sprang in den Kasernenhos, wo gerade eine Kompagnie ausgestellt war. Der amvesende Major befahl den Soldaten, den Ochsen wieder aus dem Kajernenhof zu führen, was sofort geschah. Der Major wandte sich dann an einen Soldaten Namens Huber, welcher alle Vorgänge, ob ernster oder nichternster Natur, mit Vorliebe durch Bibelsprüche belegte, und fragte ihn: „Nun, Huber, wißen Sie über diesen Vorfall auch etwas zu sagen?" „Jawohl, Herr Major, aber ich dari's nicht sagen!" „Nur los," befahl der Major. Nachdem sich Huber einige Male geräuspert hatte, sagte er: „Und er kam zu den ©einigen — aber die ©einigen nahmen ihn nicht auf." Der Akajor tonnte nicht anders, als in das homerische Gelächter der ganzen Kompagnie herzlich einzustimmen.
* Russisches Familienleben. „Liebe deine Frack wie deine Sc-Äe, und schüttele sie wie einen Birnbaum . . . ." Dieses russische Sprichwort, daS bisher allgemein bei Hoch und Niedrig in Brauch war, wird, wie der „Inf." aus Petersburg geschrieben wird, von nun an seine Berechtigung verlören haben. Etwas Unerhörtes ist geschehen. Der Senat hat in einem Urteil sich dahin entschieden, daß die Ehefrauen nicht mehr geprügelt werden dürfen; beziehungsweise, daß eine geprügelte Ehesrau das Recht hat, ihren Gatten augenblicklich zu verlassen, — was sie bisher nicht durfte. Veranlassung zu dieser Gerichtsentscheidung' waren Familienzerwürftüsse in dem Hause des Universitäts- prosessvrs Wladimir Saleßki zu Kasan, der gegen seine Frau und seine Tochter Tatjana einen Prozeß anftrengte, mit der Forderung, daß sie zu ihm zurückkehren müßten. Die Frau weigerte sich, da sie von ihm täglich mißhandelt werde. Daraufhin fühtte Professor Saleßki aus, daß die Feststellung der Unmöglichkeit eines weiteren Zusammenlebens mit ihnen doch nur eine Folge unangemessener Handlungen sein könne. Er habe aber weiter nichts getan, als feine Frau geprügelt, wenn sie nicht gehorchen wollte. Dies fei keine unangemeffene Handlung, da diese Sitte in Rußland allgemein verdrecket sei. Das Gericht wies ihn aber mit seiner Klage ab. Professor Saleßki wandte sich nun an den Appelthvf mit dem gleichen Erfolge. sJhm ging er an den Senat, um ein höchstgerichtliches Urteil zu erzielen. Der Senat fällte nun eine Entscheidung, die tatsächlich in Rußland das größte
Dufschen erregt hat. Der Senat erklärte nämlich, daß Schläge, die ein Mann feiner Frau erteile, ein Verfahren nicht nach sich zogen. In der ganzen Külturwelt wird aber ein derartig rvbes Betragen des Mannes gegen seine Frau als nicht vereinbar mit den Sitten unserer Zeit betrachtet werden können. Saleßki hat erklärt, daß er „nur" in sieben Fällen durch Zeugen überführt ivvrden sei, seine Frau derartig geprügelt zu haben, daß blaue ©triemen und Flecken festgestellt wurden. Demgegenüber stellt der Senat fest, daß eine derartige Handlung als Zeichen eines überaus rohen und barbarischen Bettagens anzusehen sei, daß eine eheliche Gemeinschaft unmöglich mache. Andere Bräuche such ungesetzlich.
* Zwei Anekdoten aus der frühen. Jugend der Eisenbahnen in Aegypten erzählte Lord Cromer bei einem Festessen. Zu der Zeit, als er nach Aegypten kam, gab es dort nur eingleisige Strecken, und Signale waren nicht vorhanden. Ein Zug wurde von der einen Station abgelassen, auf die Gefahr hin, daß ein anderer Zug von entgegengesetzter Richtung kam. Er habe stets diese Eisenbahn vermieden. Zu derselben Zeit mußten die Eisenbahnbehörden unverhältnismäßig hohe Summen für Schmierfett ausgeben, und schließlich kamen sie dahinter, daß die eingeborenen Wagenreiniger und Schmierer das Fett — aßen. Ein Beamter kam aber auf den Gedanken, das Schmierfett mit Rizinusöl zu mischen, und damck verringerte sich der Bedarf an .Schmierfett ganz erheblich.
* Stoßseufzer. Sie: „Ist es auch wahr, Männchen, daß ich dein einziger Gedanke bin?" — Er: „Ja, und den Gedanken kann ich nicht mehr los werden."
, * Veranlagt. „Sie haben ja Ihren Neffen bei sich wohnen, der Mujik studiert: hat der junge Mann Anlagen?" — „O ja . ... zum Schmerbauch."
- dei m Heiratsvermittler. „Ich möchte einen recht >oliden Mann!" — „Ja, was verstehen Sie darunter?" — „Na einen Mann, der nicht raucht, nicht spielt, nicht trinkt, keinem Verein angehört ..." — „Ja, liebes Fräulein, was Sie suchen, das ist ja überhaupt kein Mann!"
K1e»»c Tageschronik.
Die portugiesische Schaluppe, die den Hosen von Jlha do Pico (Azoren) bei hohem Seegang verlassen hatte, ist gesunken, dreiundvierzig Personen sind ertrunken.
Wie ans Batavia gemeldet wird, breitet sich die Cholera auf Java immer weiter aus; täglich kommen durchschnittlich vierzig Erkrankungen vor.
vom dösen Blick.
, Ter Glaube an die Schaden zusügende Zauberkraft des Auges ist auch heute noch auf der ganzen Eroe unter allen Völkern verbreitet und spielt in den abergläubischen Vorstellungen eine große Rolle. Tos umfangreiche Material, das sich für die Erforschung b^rs Pl-änomens in der ganzen Geschichte und in allen Teilen der Welt darbietet, hat ein Arzt, Tr. S. Selig mann, in eurem von uns schon mehrfach erwähnten zweibändigen Werk „•i.er böse Blick und Verwandtes" bearbeitet, das nach einem Bericht im Globus die erste wissenschaftliche Behandlung dieses roia>tigen Abschnitts aus der Geschichte des Aberglaubens enthält. Unter dem bösen Blick oder dem bösen Auge versteht man den Glauben, daß gewisse Menschen, Tiere oder Geister die Kraft besitzen, durst) bloßes Ansehen anderen Personen, so besonders Kindern, Haustieren, Pflanzen und sogar leblosen Gegenständen schaden zusügen. Diese Anschauung findet sich in den ältesten chaldäischen, indischen, persischen und ägyptischen Beschwörungen; erckehrt tn den arabischen. Märchstn und den hebräischen lieber» tteferungen wieder; man begegnet ihm in den altnordischen Sagen und in gleicher Weise bei Griechen und Römern; der Lappländer fürchtet ihn wie der Tartare, Chinese und Tibetaner; Azteken unterlagen seinem Zauber wie Indianer, 9teger und Südseo- insulaner, kurz der Glaube an den bösen Blick kehrt überall in derselben Form und Gestalt bei allen Völkern und zu allen Zecken wieder, selbst bei Nationen, die Jahrtausende und der falbe Erdball trennen. Tie Wirkung des bösen Blicks erfolgt bei Menschen entweder bewußt, wenn er als Zauberer und Medizin, mann mit Hckse der Suggestionswirkung des Auges die Gläubigen fasziniert, oder unbewußt, wenn der Mensch mit dieser schrecklichen Fähigkeit geboren ist oder sie auf irgend sine Weise erworben hat. Der mit dem bösen Blick Behaftete Eann selbst mit geschlossenen Augen im Schlaf die verderblichen Sttahlen aussenden; selbst Minde haben die furchtbare Fähigkeit, und es kommt vor, daß jemand ein böses, schadenbringendes Auge besitzt, während das andere ganz ungefährlich ist. 3)len)d)en, die mit körperlichen Fehlern behaftet sind, vor allem Schielenden, wird der böse Blick nachgesoHt. Seltener schreibt man ihn Tieren zu; audi vermag das tierische Auge im Gegensatz zu dem menschlick-en Blick leine schädliche Wirkung nur auf lebende Wesen und höchstens auf einige Nahrungsmittel auszuüben. Im übrigen können alle Tiere mit dem bösen Auge behaftet fein, nicht nur der märck-enhafte Basilisk, sondern Säugetiere, Amphibien, Infekten und Mol- lusken. Selbst leblosen Gegenständen wohnt der böse Blick inne; Götterstatuen waren deswegen »errufen, die Augen der Pfauenfedern wurden gefürchtet. Tie Zauberwirkungen, die von dem bösen Auge ausgehen, sind unendlich zahlreich; alles liebel ist wohl sckwn einmal auf diese Zauberkraft zuruckgeführt morben; nichts entgeht ihr, weder Lebendiges, noch Lebloses. Vor allem gilt das böse Auge als eine wichtige Ursache für die Entstehung von Krankheiten; ein Leiden, das auf diesen Grund zurückgeführt wird, ist nur sehr schauer zu heilen, da die Krankheit magischer Natur ist, müssen natürlich auch Heilmittel magischer Art äuge- wendet werden. Zu solchen Arzneien gegen den bösen Blick hat man alles Mögliche benutzt, Pflanzen, Teile von Tieren, menschliche Kleider; Wasser wie Feuer spielt dabei eine große Rolle, Gebet mit Zauberformeln und allerhand Zeremonien werden in Anwendung gebracht. Den Haustieren nimmt der böse Blick ihre nützlichen Kräfte; so verlieren die Milchkühe chre Mllch, Fischern wird das durch das böse Auge verzaubert, Pflanzen welken imter seinem Einfluß hin oder liefern nur noch ungenießbare Früchte. Tie gesamte Natur ist dieser Zaubermacht des Auges untertan; er macht die Erde erbeben, zersprengt die ©teilte und läßt die Quellen^ versiegen. Für den Ursprung dieses Aberglaubens sind neben der Suggestionswirkung, die von jedeni starr sixierendenl Mick ausgeht, eine Reihe von mißverstandenen anatomischen, physiologischen und physikalischen Beobachtungen am Menschen- und Sieraugejron Wichtigkeit, die zu der Annal)me führten, das Auge sei der »sitz der Seele, dann eine Anzahl von Vorgängen, die der primitive Mensch sich nicht erklären kann und die er daher in einem fälschlichen Zusammenhang mit der im Auge wohnenden Körperseele bringt.
Die erste hessische Kammer.
R. B. Darmstadt, 16. März. Di e Er fte Kammer trat heute vormittag Au einer Sitzung zusammen, in der nur kleinere Geschästsentwürfe erledigt wurden. Bei der Frage über die Erhebung einer Gebühr für die Prüfung nicht staatlicher Rechnungen durch die Ober Rechnungslammer wiesen Domkapitular Bend ix und F-rei- herr v. Heyl auf die Mehrbelastung der Kirchen hin. Der Entwurf über das Notariats- und Ko st en wesen wurde angenommen. Ein Antrag Ulrichs über Ent schädigung für unschuldig erlittene Untersuch ungshaft sowie AufrechterhaltungderOrd- nunginden Gerichtsfitz ungen wurde nach den Ausschußanträgen angenommen. Das Haus tritt dann in die Beratung über die Aenderung des neuen Urkundenstempcl gesetzes ein.
Handel.
* * Konkurse in Heffcn. Ueber den Nachlaß der Karl August Ni e n z Ehefrau, Katharina Elisabeth, geb. Schmidt, in


