Ausgabe 
2.11.1910 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

160. Jahrgang

Erster Blatt

t

Die heutige Nummer umfafet 12 Setten.

Hr. 257

Derle(|r*fr eridjcmi täglich, »utzt

politischen Teil: August Goetz; sür »Feuille­ton*, »Vermischtes* und Gerichtssaal": 5k. Neu-

Chinesisch-japanische Zusammenstöhe.

Mukden, 1. Nov. In Tsuikzudsa an der koreanischen Grenre umzingelte ein fünfzig Mann starkes chinesisches Polizeidetachement ein japanisches Restaurant und eröffnete, als es bei den Japanern aus Widerstand stieß, ein Revolverfeuer. Mehrere Japaner wurden verwundet, drei verhaftet.

In einem zweiten Fall stießen Chinesen nvd Ja­paner bei dem Grenzfluß Tumyndjang zusammen. Die chinesische Polizei versuchte, die japanische Post dnrchzusehen und prügelte den japanischen Postboten.

Sonntags. Beilagen: viermal wöchentlich GiehenerLamttiendläNer; zweimal ivödienll.Ktcts* vlatt für den ttreir Gießen

Mittwoch, 2. November 1910

A verngsvretsr

5T monatlich 76Ps^ viertel­

jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Wtf.2. viertel- fährt. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15Pfl auswärts 20 Pienniq. Chefredakterir: A Goetz. Veranttvortlich für den

Sus Hegen.

Reorgani sation des hessischen Gendarmerie» kvrpS. Äe Regierung trägt sich, Blottermeldansen zufolge» mit der Abftcht, eine Reorganisation des Gendarmerieborps vor- zunehmen. Es haben schon seit längerer Zeit Verhandlungen zwischtm den einzelnen Kreisämtern, dem Ministerium des Innern, foivie auch mit den preußischen Gendarmeriebehöcden stattgefu»- den. Besonders soll es sich um die Eintelstatwnierung der Gen­darmen handeln, ähnlich wie in Preußen; auch sollen, wie ver­lautet, die Distrikte Oberhessen und Rernhessen eingehen und dir Gesamwerwaltung dem Kommandeur mit dem Sitz in Darmstadt zustehen.

mehr bedienen zu könnem Fn Peking dagegen lehnt man ein Einvernelsmen mit Deutschland zwar nicht ab, ver­hält sich aber in Rücksicht auf Japan und Rußland zu­rückhaltend, da man ihnen, solange die chinesische Armee und Flotte nicht vollständig reorganisiert sind, kernen aus­reichenden Widerstand entgegensetzen kann. Immerhin aber hat die japanische Presse, die kürzlich erklärte, daß die Reise des deutschen Kronprinzen vor allem China und dem chinesischen Kaiserhof gelte, und Indien und Japan nur so mitgenommen würden, ein sehr feines Gefühl da- ür verraten, daß sich an den Kronprinzenbesuch in Peking päterhin eine energische Neuorientierung dec chinesischen Bolitif schließen könne.

Potsdam, 1. Nov. Aus Anlaß der morgigen Abreise des Kronprinzen und der Kronprinzessin fand gestern abend bei den Majestäten im Neuen Palais ein Abschiedsdiner statt, an dem sämtliche in Potsdam anwesenden Prinzen und Prin­zessinnen teilnahmen. Abends begeben sich der Kronprinz und die Kronprinzessin nach Berlin, um im Kronprinzenpalais in Berlin Wohnung zu nehmen, und morgen früh 8 Uhr vom Anhalter Bahnhof die Reise nach Ostasien anzuttelen.

Man hat es getadelt, daß der deutsche Kronprinz aus seiner Ostasiensahrt, die ihm doch in der Hauptsache, ähnlich wie dem verstorbenen Prinzen Adalbert und dem Prinzen Heinrich, Gelegenheit geben soll, fremde Länder und deut­schen Kolonialbesitz aus eigener Anjchauung kennen zu lernen, mit Ausnahme eines Arztes und eines Sekretärs nur von Offizieren beglmtet sein wird. Zum Teil auch mit Recht, denn eine militärische Inspektionsreise kommt nicht in Frage, und wenn der Kronprinz von der Reise wirklich eine Bereicherung seines Wissens haben soll, so erscheint die Durchsetzung seines Gefolges mit Männern der Wissenschaft, des Handels und der Industrie auf den ersten Blick durchaus geboten. Aber ganz abg.sehen davon, daß sich der Kronprinz schon seit Anfang Juli von dem bekannten Forschungsreijenden, Dr. Georg Wegner, der als einer der besten Kenner Asiens gilt, im Maemorpolais regelmäßige Abendvorträge über die auf der Reise zu be­rührenden Gebiete hat halten lassen, mithin die Reise wvhl vorbereitet antritt, findet er, wo er auch hingelangt, in der Person des deutschen Konsuls oder ansässiger deutscher Kaufleute Männer genug, die ihn über ihm ausfällige Er­scheinungen ziveckdieulich unterrichten kömtcn. Und wo das, wie z. B. bei der Durchquerung Indiens, nicht der Fall ist, hat die indische Regierung ihm eine Anzahl höherer Be­amter zu diesem Zweck zur Verfügung gestellt.

lieber diesen Charakter als Informationsreise hinaus aber trägt die Ostasiensahrt des deutschen Kronprinzen, wenn ntcht alles täuscht, auch einen politischen, diplo- mattschen Charakter. Denn sonst würde schwerlich der deutsche Gesandte in Christtania, Wirkt. Geheimer Lega- ttonsrat v. Treu t le r, den U'ronprtnzen begleiten, der, da er längere Zeit hindurch Legattonssekretär unb Geschäfts­träger in Tokio war, mit den Wirrnissen der ostasiattjchen Politik aus eigener Anschauung vertraut ist. Die erste Gelegenheit, als diplomatischer Reisebegleiter des Kron­prinzen auszutreten, dürfte sich Herrn v. Treutler in Bang­kok bieten; jedenfalls wird der dortige Besuch des Kron- prinzen kaum ohne politische oder wenigstens wirtschaft­liche Folgen für Deutschland bleiben. Denn ivenn der jetzige König von Siam, Maha Wajirawudh, der seinem verstorbenen Vater Chulalongtorn erst vor wenigen Tagen auf' den Thron gefolgt ist, auch in England erzogen wurde, hat er, ebenso wie (ein Vater und sein Bruder Paribatra, aus seinen Sympathien für Deutschland nie einen Hehl gemacht, wovon der Besuch Chulalongtorns in Berlin im August 1907, die Abkommandierung des Prinzen Pari- bdtra zur deutschen Armee und der Ansenttzalt Mccha Wajira- wudhs in der deutschen Reichshauptstadt im Jahre 1902 ebenso Zeugnis ab leg en, wie die Tatsache, daß das sia­mesische Poft- und Telegraphenwesen, sowie der Eisenbahn- dienst nach deutschem Muster organisiert unb Deutschen unterstellt ist. Nimmt man noch hinzu, baß die deutsche Flagge in den siamesisck)en Hafen am stärksten vertteten ist, der deutsche Handel also neben ber.: englischen, fran­zösischen unb chinefischen in Siam dominiert, so ist es ganz klar, baß der deutsche Kronprinz in Bangkok herzlicher Aufnahme gewiß sein darf unb seine Anwesenheit bazu beitragen wird, die deutsch-siamesischen Beziehungen enger zu gestalten und dies in dem neuen Handelsvertrag, über beit jetzt Unterhandlungen zwischen Berlin unb Bangkok schweben, zum Ausdruck zu bringen.

Weniger durchs ich ttg ist die politische Mission des Kronprinzen in Pettng unb Tokio. Zwar weiß man, daß der Prinzregent von China und der Kaiser von Japan den Kronprinzen persönlick) eingeladen haben, sie in ihren Hauptstädten zu besuchen, und die chinesische, wie die ja­panische Botschaft in Berlin haben ausdrücklich betont, mit welchen Sympathien man einem Besuche des Kronprinzen des Deutschen Reiches in Ostasien entgegenfehe. Aber die Ostasiaten sind sehr höfliche und vor allem vorsichtige Leute, so baß, wenn auch ber kronprinzliche Besuch in China und Japan das Ansehen Deutschlands steigert, es vor­läufig wohl bei ber lebiglich höflichen Bedeutung dieses Besucyes sein Bewenden haben dürste. Zum mindesten in Tokio, wo man an ber englisch-französischen Bundesgenossen^ schäft und russischen Freundschaft schon desl-alb vorläuflg iesthalten will, um fid> ihrer China gegenüber noch immer

Deutsches Ueich.

DieNorddeutsche Allgemeine Zeitung schreibt: Im bul­garisch-französischen Handelsverträge vom 13. Januar 1906 ist bei Nr. 94 der bulgarischen Zolltarife für Weine aus fttschen Trauben, enthaltend bis zu 14 Grad Alkohol, die aus bestimmten französischen Wttnbaugebitten stammen und in Fässern oder Tonnen nach Bulgarien eingefühtt werden, ein ermäßigter Zollsatz von 12,80 Franken für einen Doppelzentner oemnbart worden. Nach demselben Vertrag zahlen Weine in Flaschen aus den gleichen französischen Weinbaugebieten in Bul- gatten 25 Centimes Zoll für eine Flasche zu V* Liter. Auf Grund einer Vereinbarung zwischen der deutschen und bulgarischen Regie­rung sind diese Vergünstigungen auch gleichartigen deutschen Weinen aus folgenden Gebieten: Ahr, Mosel, Saar, Ruwer. Nahe, Rhein, Rheinhessen, Pfalz, Baden, Franken und Elsaß eingeräumt. Die Weinsendungen müssen mit ordnungsmäßigen, von den deutsä-en öffentlichen Behörden des Herkunftsortes ans- gestellten und von den Ausfuhrzollämtern beglaubigten Ursprungs- zcugnissen versehen sein.

2hislan&.

Aus Prag wird gemeldet: Der am Dienstag hier ab­gehaltene Kongreß der t s che ch i s ch - sla wi s ch e n Sozial­demokraten hat beschlossen, sich mit den übrigen Gewerkschaften ins Einvernehmen zu setzen, um einen eintägigen allgemeinen Ausstand vor der Eröffnung des Parlaments zu veranstalten als Kundgebung gegen die Teuerung und für die Ab­schaffung der Lebensmittelzölle. Ein Vertreter der Organisation der Eisenbahnangestellten erklärte, die Eisenbahn­angestellten seien bereit, den Ausstand durch passiveResistenz

Nach einer Meldung desDiario de Noticias" ans Lissa­bon, die bisher nicht bestätigt ist, wurde der frühere Mi­nisterpräsident Teixeira Desonza auf seinem Schlosse Cabairas bei Coimbra unter derselben Beschuldigung wie Franco verhaftet, daß er die Amtsgewalt mißbraucht und dem Königshause ungesetzliche Vorschüsse gcwähtte.

Das türkische Krieasministerium beschloß den Blättern zufolge, militärische Maßregeln zur Ueberwachung des Bahnnetzes der europäischen Türkei ;u treffen. Die türkische Presse brandmarkt die Freveltaten des bulgarischen Ko­mitee- und fordett die Regierung auf, ebenso streng wie beim Libanesischen Aufstand vorzugehen. An der montenegrini­schen und s e r b i s ch e n G r e n z e soll je ein Grenzregiment ge- bildet werden , ,

DerMorning Post" wird aus Washington gemeldet- Der Konttakt, welcher zwischen einer amerikanischen Bank­gruppe unb der chinesischen Regierung bezüglich einer

Die französische Ministcrtrifir.

Paris, 1. Der morgen ftattfinbenbe Mi­nisterrat wird von außerordentlicher Wich­tigkeit sein, sei es, daß ein Einvernehmen der ganzen Regierung erzielt wird über die Maßnahmen, die zur Ber- Hinderung ber Wieberkehr ber jüngsten Krise notwendig sind, sei es, daß sich Meinungsverschiedenheiten ergeben, infolgedessen die Umbildung des Ministeriums notwendig wird. Briand, für den augenblicklich nur die Demission der Minister Ruau und Biviani in Frage kommt, bett achtet sich solidarisch mit allen Maßnahmen des Kabi­netts, unb es ist daher nicht weniger zutreffend, daß sein Rücktttttt sehr wahrscheinlich ist. Biviani würde gerne jeder gesetzgeberischen Maßnahme zur strengeren Unterdrückung Oer Sabotage und Aufreizung zur Sabotage zustimmen, aber jeder Beeinttächtigung des Streikrechts und jeder ernsten Aenberung des Synditatsgesetzes stch widerjetzen.

Danach wären die Bedingungen, unter denen sein Rücktritt erfolgt, ziemlich festgelegt. Die gleichzeitige Demission des Landtvirtschafts- unb Arbeitsministers wirst bereits ziemlich heikle Fragen auf, doch Eounten diese immer­hin verhältnismäßig leicht gelöst werden. Man muß aber auch die Möglichkeit einer Neubildung des Kabi­netts ins Auge fassen. Dieser schienen die parlamentari­schen Kreise abends sehr gern Vorbeugen zu wollen, es ijt aber möglich, daß Brianb dazu geführt wird, die Möglichkeit einer Neubildung anzuerkennerr. In diesem Falle müßten die Minister demissionieren, um dem Präsidenten der Repu­blik freie Hand zu geben. Vielfach glaubt man, daß eine Mi niste rkrisis morgen eintreten wird. Sie würde bann nur von kurzer Dauer sein. Folliöres besitzt nur eine Richt­schnur, da die Kammer mit beträchtlicher Majorität das Ver­trauensvotum für Briand abgegeben hat. muß er es natür­lich sein, an den der Auftrag zur Neublldung des Kabinetts ergeht. Die Verhandlungen dazu würden zweifellos so ge­fährdet werden, daß das reine Ministerium sich am Donners­tag der Kammer vorstellen kann.

politische Eaßcstcbatu

Eine deutsch-abessinische Handelsgesellschaft.

ist, so schreibt man uns, in Bildung begriffen. Der direkte Handel Deutschlands mit Abessinien ist schon jetzt nicht un- bedeutenb. Angesichts der deutsch-freundlichen N-eigunacn der Großen Abessiniens, die in Deutschland ihren natürlichen Schützer gegen dessen europäische Nachbarmächte England, Frankreich und Italien erblicken, angesichts des Umstandes, daß die äthiopische Bahn DjrbouttAbdisAbeba in ener­gischem Fortfchreiten begriffen ist, und bei den natürlichen Reichtümern Abessiniens kann man die Gründung eines solchen Unternehmens nur begrüßen.

Daß Deutschlands Handel mit Abessinien nicht jetzt schon größer ist, l-at seine Ursache hauptsächlich in dem Fehlen genügend kapitalkräfliger deutscher Kaufleute und Handels­häuser in Abessiltten. Die Aussichten der Gesellschaft scheinen umso besser, als sie sich nicht nur auf den Handel mit Abessinien stützt, sie setzt ihr Ziel vielmehr sehr viel weiter? Es handelt sich darum, in Djib outi ein Kohlendepol zu errichten und Diibouti als Kohlen- und Proviantversor- gungsstatton mit Aden konkurrieren zu lassen. Proviant und Wasser jfltd in Djiboutt zu bedeutend billigeren Preisen er­hältlich als in Aden; die Befreiung von Hajenabgaben ist in Aufsicht gestellt. Da die Hasenabgaben in Aden außer­ordentlich hoch sind, ist anzunehmen, daß zum mindesten viele deutsche, französische und italienische Dampfer das An­laufen von Djibouti Aden vorziehen werden. Das zu er­wartende Kohlengeschäft allein wird ber neuen Gesellschaft einen guten Gewinn ab werf en.

v' Gstafiensahrt der deutschen Kronprhr*.

Heute verläßt ber beutsche Kronprinz die gtei. aupt- stadt und tritt in Begleitung feiner Gemahlin bie Steife nach Ostasien an. Bon Genua aus geht auf bem Neichspost- dampserPrinz £ubtuig" bie Fahrt burch ben Suezkanal zunächst nach Ceylon. Dort tmrb sich bie Kronprinzessin von ihrem Gemahl trennen unb Ende Dezember wieber nach Deutschlcutb zurückgekehrt sein, während der Kron­prinz am 14. Dezember in Bonrba.) eintrifft, um zunächst einige Wochen in Indien zu verweilen. Spätestens am 14. Februar wirb er bann von Cal cutt a aus bie Weiterreise, Unb zwar an Borb bes PanzerkreuzersGneisenau" über Singapur nach Bangkok antreten, an die sich eventuell ein Abstecher nach Java schließen soll. In diesem Falle würde der Krottprinz erst Mitte März Hongkong erreichen, um von dort auS in den ckstnesischen Gewässern Kreuz- sahnen nach Canton, Schanghai und vor allem nach Kiaut- schau zu unternehmen und von den Hairpttellen des deutschen vstasiaiischen Geschwaders (das bis dahin aus 2 Panzer­kreuzern, 3 kleinen Kreuzern, 4 Kanonenbooten, ö Fluß­kanonenbooten und 2 großen Torpedobooten bestehen wird) begrüßt zu werden. Dieser Kreuzersahrt folgt, anschließend an einen mehrtägigen Aufenthalt in Kiautschaic, am 10. April ein Besuch in Pettng und am 25. April em solcher in Tokio, worauf Anfang Mat die Rücksahrt über Sibirien angetreten werden soll.

Peilten in Nöten.

Die persischen Schwierigkeiten iverden durch einzelne lokale kriegerische Vorkommnisse nicht geringer. Die Eng­länder und die Russen versetzen die persische Regierung sogar bei der Auszahlung der Pension für den früheren Schah in Ungelegenheiten. Wir erhielten heute folgende Mel­dungen:

London, 1. Nov. Wie bas Reuter-Bureau erfährt, hat der neuerwählte Regent von Persien Nasrz El Mulk am Sonntag London verlassen, um sich nach Persien zu begeben. Wie weiter verlautet, hat er vor seiner Abreise befriedigende Erklärungen von den Vertretern ber verschiedenen Parteien in Teheran erhalten, daß seine Wahl leinen parteiischen Cl)arakter trage. Der Zeitpunkt der An­kunst des Regenten in Teheran steht noch nicht fest, da noch eine Reihe von Besuchen wahrend der Reise vorgesehen ind. Die Meldung, daß der Regent auch Berlin besuchen werde, ist unrichttg. Der Besuch Nasr El Mulks in London hangt lediglich mit dem Gesundheitszustartd seines Sohnes zusammew

Konstantinopel, 1. Nov. Die persische Geistlich­keit von Ne d e h e f, dem religiösen schiitischen Zentrum des Wilajets Bagdad, übersandte den Vertretern der Großmächte in Teheran eine Protestdepesche gegen das Ultimatum Englands und forderte alle Perser auf, sich ben gegen die Einheit unb Unabhängig leit Persiens gerichteten Angriffen zu widersetzen.

Teheran, 1. Nov. Nach einer heftigen Beschieß­ung, die die ganze Nacht andauerte, haben die Regierungs­truppen, die zum größten Teil aus Bachttaren bestehen, bie Stabt Kafhan heute früh eingenommen. Der Rebellen- sührer Naib Hussein ist mit [einen Anhängern gefloßen.

Bei dem kürzlich en Ueberfall des Juden- viertels in Schiras sind 11 Huden getötet unb 15 verwundet sowie alle Häuser völlig ausgeplündert worden. Zur Linderung der Not der etwa 5000 Personen zählenden jüdischen Bevölkerung haben die Ortsbehörden und der drittsche Konsul Sammlungen veranstaltet.

Die persische Regierung zahlte gestern im voraus bie vierteljährliche Rate ber Pension bes früheren Schahs aus. Infolge der Verzögerung in ber Auszahlung hatten der englische unb der russische Gesandte am Sonnabend eine gemeinsame Note an die Re­gierung gerichtet und darin erklärt, es würben yvei GesandtschaftSdiener auf ben Minister bes Auswärtigen warten, bis die Zahlung der Pension erfolgt sei. Der Minister des Aeußern beklagt sich bitter darüber, daß trotz der am Sonnabend gegebenen Versicherungen, daß das Gell» ohne unnötigen Aufschub bezahlt werden würde, doch die in der gemeinsamen Note enthaltene Drohung ausgeführt worden unb er ber öffentlichen Be­leidigung ausgesetzt seH da ihm überallhin zwei Gesandt- schaftsdiener folgten, die sogar letzte Nacht in seinem Privat- hauje verblieben. Der Minister des Auswärttaen erhob durch die persischen Vertreter in London unb Petersburg energischen Einspruch dagegen.

(Dienstag undFreilaa); jwemial monart- taub« wtrtschostliche -ettflage« Fernlprech - Anschlüsse:

General-Anzeiger sür Oberhessen

HirBt!'i°e"5n"uun« tiotafioiu&ntdMldVerlag dervriihl'schea Univ..yllch. und Sttlnömtfertl H. Langt. Redaktion, Expedition vad vrnckerel: rchllistratze7. .'tz.tzAwrdm

bis vormittags 9 Uhr. Expedition für Büdingen: Bahnhofstraße 16a. - Telephon Nr. 50. Anzeigenteü: H. Beck.