^$ugenbfurfz?rge dringend em--bhlen. UeberoII ist daraus Bedacht zu nehmen, mit den Fortbildungsschulen Fühlung zu Halteir Der Vorstand bes V rbandes nrirb sich mit der Zentrolltelle für Volkswohlfahrt in Verbindung s^en, damit durch deren weitverzweigte Orgcmsakion das Interesse der gewerb- . lichen Landesverbände weckgerufen wird. Es wird dem Verbände empfohlen, von dem Material der Zentralstelle, Literatur usw. Gebrauch zu machen und die Zentralstelle im Interesse der gemeinsamen großen Sache über alle Einrichtungen au' dem Lausenden zu erhalten/'
Als Tagungsort für die nächste Versammlung wurde Schwerin bestimmt.
Die Beisetzung der Generalleutnants Hof.
-X Gießen, 1. September.
Zu einer großen Tranerfeier gestaltete sich heute nachmittag 1/26 Uhr die Beisetzung des Generalleutnants z. D. Hof. Schon vor Eintreffen der Kriegeroereine und des Präsidiums der Hassia hatte sich auf dein alten Friedhof eine zahlreiche Menschenmenge eingefunden. Um 5 Uhr sammelten sich die Mitglieder der Hassia vor dem Friedhof, darunter die Vereine von Gießen, Klein-Linden, Lollar, Daubriugen, Wieseck, Großen-Buseck, Leihgestern, Allendorf u. a. Ferner erschienen fast vollzählig die Mitglieder des Präsidiums und die Vorsteher der Hassiabezirke. Der Großherzog hatte als Vertreter den General von Hahn gesandt. Mehrere Vertreter vom hiesigen Regiment, BezirkSkommando, Polizeiamt und von auswärts, sowie die Vertreter des Kyffhäuserbundes, der Kriegerverbände von Preußen, Sachsen, Württemberg und Baden waren anwesend. Der Sarg mit dem Entschlafenen war in der Friedhofskapelle alifgebahrt. Links und rechts nahmen die Verwandten und die Mitglieder des Präsidiums Platz, vor dem Sarg standen die Fahnen der Kriegervereine. Die Trauerfeier wurde eröffnet durch den Choral „Jesus meine Zuversicht", den die Kapelle des Kaiser Wilhelm- Regiments spielte. Pfarrer Schwabe hielt die Trauerrede über die Bibelworte „Tenn wer zu seiner Riihe gekommen ist, der ruht auch von seinen Werken, gleich wie Gott von den seinen". Die Rede würdigte die Verdienste des Verstorbenen um das deutsche Vaterland und das Kriegervereinswesen in Hessen. Die Geschichte seiner Familie ist ein Teil deutscher Geschichte. Sein Großvater hat als hessischer Offizier unter Napoleon in Rußland und Oesterreich gefänipft, sein Vater nahm am Feldzug 1848/49 teil und Vater und Sohn standen 1866 bei Laufach im Feuer. Er hat im großen Krieg 1870/71 an fünf Schlachten teilgenommen und ist unversehrt zurückgekehrt. Er war von schlichter, einfacher Art, gerat) und offen, klar und wahr in seinem
Charakter, begabt als Führer. Die Soldaten hatten
in ihm einen väterlichen Vorgesetzten. Lange hat er dem 116er Regiment angehört. An Ostern waren 45 Jahre verflossen, seit er in das Heer eintrat. Heute trauert der hessische Kriegerbund um feinen Führer. Nach der Predigt stellte sich der Leichenzug in folgender Ordnung auf: Militärkapelle, Fahnen, Schießabteilung, Vertreter mit Kränzen, Ordenskissen, Geistlicher, Sarg, Familienangehörige und General v. Hahn als Vertreter des Großherzogs, Präsidium und außer- hessische Vertreter, Mitglieder der Kriegerkameradschaft Hassia. Zwölf Unteroffiziere vom hiesigen Regiment trugen den Sarg. Pfarrer Schwabe nahm die Einsegnung vor und sprach das Gebet. Nachdem die Kränze des Großherzogs und des Grafen Stolberg-Roßla niedergelegt waren, sprach der stellv.Präsident der Hassia, Major Beck, namens des Verbandes, Medizinalrat Dr. Vogt-Butzbach für das Präsidium. Ferner legten Kränze nieder Vertreter des Kyffhäuser-Bundes und des preußischen, sächsischen, württembergischen und badischen Bundes, Bruch Häuser legte Kränze nieder für den Bezirk Darmstadt und die vereinigten Darmstädter Kriegervereine, Daab-Lollar für den Bezirk Gießen, Dönges für Friedberg, Pfifferling für Offenbach, Frieß für Lauterbach, Feth für WormS, Breitwieser für Herbstein, Jung für Nidda. Auch der Bezirk Mainz und die Veteranen von Darmstadt legten Kränze nieder. Den Kranz des Kaiser- Wilhelm-Negiments legte Oberstleutnant Heuer nieder. Die drei Ehrensalven gaben Mitglieder der Vereine Lollar und Daubringen ab.
Bor dem Friedhof ordnete sich dann unter Vorantritt der Militärkapelle ein Zug durch die Stadt. DaS Präsidium hielt im Hotel Viktoria eine Sitzung ab, wobei Major Beck dem Verstorbenen einen Nachruf widmete. Dir Vereine sammelten sich im Felsenkeller. - Der Bezirksvorsteher gedachte des schweren Verlustes, der den 60 000 Mitglieder zählenden Hassta-Verband getroffen habe durch den Tod des verdienstvollen Präsidenten. Dann wies er auf die 40. Wiederkehr des Schlachttages von Sedan hin und toastete auf das geeinte Vaterland und die Veteranen.
Die Fleischteuerung vor den Darmstädter Stadtverordneten.
R.B. Darmstadt, 1. Sept.
Eine außerordentlich interessante Aussprache entspann sich in der heutigen Sitzung der Stadtverordneten über die gegenwärtigen hohen Flestchpreise. Beigeordneter Müller, der den Vorsitz führte, gab zunächst eine längere Erklärung ab. Er führte aus, inan verstehe cs im Publikum nicht, daß die ohnehin schon un- erschwingltchen Fleischpreise immer wieder aufs neue eine Steigerung erfahren. Diese Steigerung habe in die Bevölkerung eine Beunruhtgung hineingetragen, der die Stadtverwaltung nicht mit verschränkten Armen zusehen dürfe. Nach den Ermittelungen sei ?" r Darmstadt in Betracht kommenden Einkaufsmärkten, für Ochsen-, Kuh- und Rindfleisch eine Steigerung eingetreten, und zwar seien vom 27. Juni bis 13. August in Frankfurt die I^lfe für Ochsen um 3—6 Pfg., bei Kühen und Rindern nm 7—9 Pfg., in Mannheim um 4 bezw. 1 Pfg. und in Mainz um 1 bezw. 2 Pfg. in die Höhe gegangen, während in der gleichen Zett der Auftrieb von Ochsen und Kühen in Frankfurt und Mannheim nach erheblichem Sinken zuletzt wieder gediegen ist, und in Mainz eine langsam steigende Tendenz aufwies. Tie Preissteigerung für Ochsen- und Rindfleisch könne also im großen ganzen durch die Steigerung der Schlachtaewichtpreise, und diese wieder durch den kaum überwundenen Tiefstand des Auftriebes auf beiden Hauptmärkten erklärt werden. Auf dem Kälber- und Schweine- markt hätten dagegen die Schlachtgewichtpreise noch stärker anangezogen, und zwar bei Kälbern in Frankfurt um 3—6, in Mannheim um 4—5, in Mainz um 2 Pfg. und bei Schweinen in Frankfurt um 2—3, in Mannheim um 4—5 und in Mainz um 2 Pfg. Dabei sei der Auftrieb von Kälbern in allen drei Städten gestiegen, während der Auftrieb von Schweinen in Frank- urt erheblich und stetig stieg, in Mannheim im ganzen steigend war und nur m Mainz um eine Kleinigkeit sank. Die starken Steigungen der Schlachtviehpreise stunden also für diese beiden großen Viehgattungen in einem gewissen Mißverhältnis zu den A u f t r i e b s z a h l e n. Auf den Frankfurter Viehmärkten vom 22 und 29. August seien die Preise für Ochsen- und Kuh fleisch wieder wesentlich gefallen, ohne daß die hiesigen Metzger im Interesse des Publikums davon Notiz genommen hätten: der Mannheimer Markt sei allerdings an dem Rückgang der Schlacht- viehprelse mcht beteiligt gewesen. Man müsse allerdings auch die erhöhten Geschäftsunkosten der Metzger, die Konkurrenz von eingeführtem Fleisch nach Fortfall des Oktrois usw. in Betracht ziehen, aber die Tatsache der unerträglichen Höhe der F l e i s ch p r e i s e lege der städtischen Verwaltung die ernste Pflicht auf, alles zu tun, was in ihren Kräften steht, um der Aufwärtsbewegung der Preise Einhalt zu tun und sie zurückzudämmen, denn es handle sich hier um die Erhaltung der Volksgesundheit; die Unterernährung treffe nicht allein die Minderbemittelten, sondern auch weite Kreise des Mittelstandes
Eine gründliche Abhilfe dieser in ganz Deutschland hervorgetretenen Preissteigerung könne nur von der Reichsregierung erwartet werden, und deshalb habe sich die Bürgermeisterei mit der Anfrage an das Ministerium des Innern gewandt, ob dieses schon entsprechende Schritte getan habe oder tun werde und in welcher Richtung sich gegebenenfalls diese Schritte bewegen. Der Metzgerstand aber möge aus der gegen- warttgen Lage die Lehre ziehen, daß die hohen Fleischpreise notgedrungen einen Wenigerverbrauch herbeiführten und damit auch pir die Metzger die Verdienstmöglichkeit verringerten. Sie möchten sich daher wohl überlegen, ob sie für die Dauer klug daran tun, jedes Anziehen der Viehpreise mit einem Fleischaufschlag zu beantworten, bei einem Rückgang aber nicht in gleichem Maße mit der gleichen Promptheit zu handeln (Zustimmung^ und ob sie nicht besser daran tun, sich vorübergehend mit einem kleineren Gewinn zu begnügen, bei dem sie doch wohl auch noch bestehen könnten. Es gibt aber eine Grenze — so schloß der Redner —, bis zu der man gutwillig, wenn auch vielleicht schweren Herzens mitgeht. Ist diese Grenze einmal überschritten, dann versagt eben die Kraft sind die Geduld und an den Folgen wird der Metzgerstand vielleicht noch weniger Freude haben als das Publikum (lebh. Zustimmung).
Diesen Ausführungen trat Stadtv. Lautz, der Obermeister der Metzger-Innung, entgegen. Die Metzger seien die ärmsten der Gewerbetreibenden (Oho!), ihre glänzenden Zeiten seien längst vorbei und er müsse sie gegen das „Elaborat" des Vorredners in Schutz nehmen.
und dann zwei Sttinden verträumte, mir Minuten, fast nur denkend: wie glücklich bist du! Dann aber mußte ich in eine Gesellschaft, eine große, zu Dr. Steindorff, Arzt . . . Ich durfte nicht nein sagen, mochte nicht. Als ich am Abend vorher mit der Eisenbahn in Kiel ankam, hatte ich die Empfindung, wie wenig das Vaterland für seinen Dichter tut. Im Kupee mit mir saß ein Deutscher!chus Pernambuko in Brasilien, der, als er meinen Namen hörte, sogleich seinen Hut zog und mit einem lang- gezogenen Ah! seinen Respekt äußerte. Im Gegensatz dazu dachte ich an die Häuslichkeiten Kiels herum und fand im Herzen so wenig, wo ich warm dabei wurde. Nun aber empfing El. mich am Bahnhofe. Petersen, der erkältet zu Hause saß, erzählte mir, daß Kinder mit einem Weihnachtsbaum für mich am 24. Dezember dagewesen seien, ich sand Briefe vor, deren einen ich Ihnen gleich bezeichnen werde, und so tarn eine sehr freundliche Einladung der Frau Doktorin auf ein wärmeres Gefühl. Also ich gehe, lege meinen Schal ab, binde einen anderen um, bin ganz nobel schwarz, bin ganz geistreich und artig — und bekomme er ft um lwlb zwölf kalte Küche zu essen, halb tot, Wein, den ich so hineintrinke, vielleicht ein halbem Fläschchen, Zeugs hieß Ungarwein, und habe heut morgen grimmigen Kopfschmerz. Trotzdem habe ich mit wahrhafter Glückseligkeit auf dem Sofa gelegen, Ihr Bild vor mir, 'Ihr Brief bei mir, und gedacht: es gibt doch keinen glücklicheren Menschen als du, nichts kann dir widerfahren, was diesen hellen Punkt tief innen verdunkelt. . . .
Störung eine über die andere. Nun endlich sitze ich wieder vor meiner Mappe, Ihr Tintenfaß ist hübsch gefüllt, ich schreibe mit einer von den Federn mit Jochband, wovon mir Ohm zarter- weise einige mitgegeben, gab er mir doch sogar in Hamburg eine solche zu meinem Schreibgeschirr. Und als Ihre Sachen von Bremen kamen, sagte er: Sehen Sie nun, Klaus, das rührt mich, das kann nur Toris! Sie kennt meine Liebhaberei für Stahlfedern, das vergißt sie nicht in dem lauten Paris.
Tüoch der eine von den Briefen, die ich vorgestern vorfand, schließt nun, wie folgt: „Ich kann mir bei dieser Gelegenheit das Vergnügen nicht versagen. Ihnen privatim mitzuteilen, daß Se. Majestät der König Ihnen vorläufig auf drei Jahre ein Fährgeld von 400 d. N. M. f300 pr.) zu erteilen geruht haben. Tie erste Jahresrate wird Ihnen schon in diesen Tagen angewiesen werden. E. Müllenhoff." Ter Kopenhagener. Ich wollte Ihnen dies schon sogleich in der Nacht schreiben, fürchtete aber vor Aufregung, Ihnen vielleicht eine Sacfye zu wichtig zu machen, die allerdings wichtig ist, denn dies gibt man mir ohne Gesuch, Bitte, Schritte von meiner Seite, ohne Verpflichtung, ohne Arbeit, ich könnte es sogar in Bremen verzehren. Das vorläufig ist eine bloße Formel, ich werde es stets bekommen. Mir gibt es neuen Mut, ich 'chaute gerührt in Ihre Augen auf dem Taguerreothp und sagte zu Petersen: Nun noch 300 Taler, und . . . zugleich mit dir, Freund! Doch ich will Sie nicht aufregen, die aiibent drei
sind ja noch nicht da. Aber möglich? Lieber Gott, es ist recht von dir, daß du einen Menschen etwas hinhältst, er würde ja schwindlig in der Ueberfülle des Glücks! Kein Wort mehr davon, mein Liebling, mein Dorinchen! . . . Also wieder eine Stufe.' Und geduldig arbeite ich weiter. O Liebste, wie wärs zu ertragen das Glück! — Kein Wort mehr davon. —
Immer Ihr Groth." *
— D i e erste Sedanfeier. Dichter sind bisweilen Propheten, und es sollte daher auch ein Dichter sein, der den Sieg von Sedan bereits am Tage des Sieges selbst feiern durfte.' Der uns selbst davon in seinen Tagebüchern erzählt, war der deutsch-österreichische Dichter Adolf Pichler. „Zum Schluß," berichtet er, „will ich noch von der leidenschaftlichen Teilnahme erzählen, mit der ich den Ereignissen des deutschen Krieges folgte; wie bei all den Heldentaten mein Herz zwischen Jubel und Sorge hin- und hergeworfen wurde, daß ich gar manche Nacht schlaflos lag. Nur ungern ging ich in die Sommerfrische, und ich weiß es meinem Freunde Dank, daß er mir die Berichte, welche er telegraphisch erhielt, sogleich durch einen Boten zumittelte. Ich werde mich der Angst stets erinnern, in welcher ich nach einer Lügennachricht vom Siege der Franzosen, die ein Beamter der Südbahn verbreitete, am Ufer des Sees Malvolle Stunden verbrachte, bis der Bauer, den wir nod) spät abends nach Jenbach gesandt, uns aus zuverlässiger Quelle Beruhigung brachte. Mit verzehren- der Sehnsucht erwartete ich Tag für Tag am Ufer den Kahn, der die Zeitungen brachte; gegen Wiener, welche Napoleon den Sieg wünschten, fuhr ich schroff los, und ich erinnere mich noch lachend des zerkritzelten Gesichtes eines Hofrates, dem ich voll Erregung die Depesche von Wörth vorlas. Ich war nicht der Einzige; Unter» inntal auf und ab wogte die Begeisterung selbst unter den Bauern, und deswegen gelang es, beträchtliche Beiträge für die deutschen Verwundeten zu sammeln. Zu Ehren des Sieges von Weißenburg zündeten wir Feuer an, der alte Jäger Karl lud die Böller, daß sie krachend im Widerhall der Berge unsere Freude verkündeten. Der 1. September war ein schöner Tag. Ich stieg mit meinen Kindern auf den Unuz, diese Hochwarte, von der man weit hinaus auf die bayerische Ebene sieht. Nach zwölf Uhr erreichten wir den Grat. Als wir uns gelabt, füllte ich ein Glas mit rotem Tiroler 4öein unb brachte in Gesellschaft etlicher Fremden, welche von der Scholastika emporgeklettert waren, ein Hoch auf den Sieg der Deut,chen aus. Dann schleuderte ich das leere Glas an den »esicn, daß die Splitter weithin flogen, und rief: „So mbg' eg allen Feinden des deutschen Volkes ergehen im Osten wie im Aesien/ Ich dachte dabei an die Russen. Es war gerade ein Uhr, die stunde, wo Napoleon zu Sedan die Waffen streckte. Das erfuhr ich schon am nächsten Mittag, und ich werde stets des interessanten Zufalls, auf dem Uiruz gedenken."
Stadtv. Höfner sprach dem Beigeordneten für feine ob* lektive Darstellung der Verhältnisse seinen Tank aus und bemerkte, es fei unmöglich, zu bestreiten, daß die Metzger den Verdienst, den sie durch die Aufhebung des Oktrois er* zielten, einfach in die eigene Tasche gesteckt hätten. Viele lleine Landwirte würden ihre Schweine gern verkaufen,- wenn |te fte nur los werden könnten. — Diese letztere Behauptung stellte Stadtv. Lautz in Abrede und betonte im übrigen, daß er aur Die heutige Erklärung des Bürgermeisters antworten werde, fobald er den Wortlaut in Händen habe.
(ßcrid)Ufaal.
- y* W i esbaden, 1. Sept. Ter stellen- und obdachlose L-tukkateur Hermann Meyer aus Gießen, der kurz zuvor eine Gefängnisstrafe verbüßt hatte, war im Juli ds. Is. in ein unbewohntes Haus in der Parkslraße eingestiegen. Er nahm zunächst em Bad, da er durch den Einstieg sich beschmutzt batte, legte sich bann zu Bett und stellte ein aus dem Waffenschrank des abwesenden Hausbesitzers entnommenes Gewehr sicherheitshalber neben sich. Vlnt anderen Morgen nahm er in der Küche den Tee ein, nachdem er vorher alle Zugänge zum Hause von innen verriegelt hatte. Ein mit der Bewachung der Villa beauftragter Chauffeur erschien kurz darnach, fand olle Türen und Tore verschlossen, stieg deshalb durch em Abortfenster in das Haus und überraschte den Frühstückenden. Meyer nahm Reißaus und hieß einige Kleidungsstücke und eine 'Mtolc mitgehen. Die Strafkammer verurteilte den Stukkateur wegen dieses und eines im nahen Rambach vollzogeiien Einbruchs zu 6 Monaten G e f ä n g n i s unb 14 Tagen Haft.
. .. * Kaiser gegen den Schacher mit anslän- 0/fck) en Orb en. Die Erlaubnis zur Anlegung nichtpreußischer Orden muß bekanntlich bei jeder Verleihung bei dem König von Preußen nachgefucht werden. Wiederholt ist es vorgekommen, dMern A^ntrage nicht entsprochen werden konnte, weil die perfonlichkett des zwar gutsituierten Ausgezeichneten nicht ganz einwandfrei war. > Aber in vielen Fällen war an sich nichts gegen bie Betreffenden einzuwenben, wesbalb die Genehmigung erteilt wurde. In den letzten Jahren sind nun ausfallend viele Teko- rativnen an Personen verliehen worden, bei denen von irgend welchen Verdiensten um den Staat, der die Auszeichnung verlieh, mcht die Rede sein konnte. Ta fernerhin festgestellt wurde, daß es namentlich in Berlin eine ganze Anzahl von Agenten gibt, ore die Verschaffung von ausländischen Orden gegen Zahlung ver- haltnismäfzig ganz geringer Summen gewerbsmäßig betreiben, m ?-ailcr angeordnet, daß, abgesehen von der Makellosigkeit des Nachsuchenden, dieser eine Urkunde des in Berlin Bevollmächtigten jenes Staates beizubringen hat, in der die besonderen Grunde angegeben sein müssen, die für Die Verleihung der Dekoration bestimmend waren. Auf diese Weise soll dem Ordensschacher entgegengetreten werden.
m n vierjähriger Knabe als Pfandobjekt Die Berliner Polizei ist augenblicklich damit beschäftigt, die Herkunft eines Dterjäbngen Knaben zu ermitteln, der von seiner Mutter m einem Hotel in der Friedrichstraße als Pfand zurück- gelassen wurde. Dort erschien am Mittwoch eine Frau mit einem sfrnb, ine fidj als die Ehefrau des Eisenbahnschaffners Ortmann aus Königsberg ausgab. Sie erzählte, sie sei mit ihrem Mann m Jamburg zum Besuch gewesen und ihr Mann würde am nächsten Tage in Berlin eintreffen, um sie abzuholen Sie bezahlte weder Zimmer noch Kost, und ging am Donnerstag abend fort unter dem Vorwand, daß sie ihren Mann am Bahnhof abholen wolle. Sie kam aber nicht wieder. Den Knaben hatte sie zurückgelassen. Aus dem Jungen ist weiter nichts heraus- zubringen, als daß er Emil heiße. Er wurde gestern von der Polizei nach dem Waisenhause gebracht. Ob die Frau wirklich Ortmann heißt und ob der Knabe ihr Kind ist, konnte noch nicht ermittelt werden.
— Kriegs-Witze von 1 870 — 7 1. So blutig auch die Schlachten waren, so tief auch die Trauer, in die Hunderttausende durch die Opfer des Krieges versetzt wurden, der Humor und der Witz gingen deshalb doch nicht den Deutschen aus. Einige dieser Scherze, die vor vierzig Jahren die Runde machten, mögen hier mitgeteilt werden. Rätfelfragen: „Welcher Unterschied ist zwischen dem ersten und dritten Napoleon?" Der erste wurde von dem berühmten Bildhauer Canova, der dritte nur von einem ganz gewöhnlichen Steinmetz ausgehauen. — „Weshalb trägt Moltke feinen Bart?" Weil ihm keiner gewachsen ist. — „Welche Depesche vom Kriegsschauplatz wird durch ein brennendes Streichholz dargestellt?" Von der Tann im Feuer — „Warum kann Napoleon nicht mehr beißen?" Weil er Sedan (868 dents) verloren hat. — Der Name Sedan wurde bann noch in folgender Weise ausgedeutet. Vorwärts gelesen: 8o endete der Abenteurer Napoleon." Rückwärts gelesen: Napoleons An- ang Dezember, Lude September. — Die Armee des Gloire (wie ich bekanntlich die französische Armee zu nennen beliebte) hat nur ihr G. verloren, weiter nichts. Sie war wirklich eine Armee des Loire. — Die Namen der drei Pariser Forts Nogent, Jssy und Valerien, die bei der langen Belagerung von Paris in den Kriegsdepeschen oft genannt wurden, wurden vom Witz zu den Worten umgebildet: „Nos gens ici valent rien.“ — Ebenfalls während der Belagerung von Paris tauchte die scherzhafte Kinderfrage auf„Je suis le premier de vingt-cinq et sans moi est Paris pris!“ Dieser höchst geheimnisvoll klingende Führer von Fünfundzwanzig ist natürlich das A, ohne das Paris pris ist. — Da der Witz auch keine Scheu trägt, vor Bedauernswertem Halt zu machen, so gehörte auch Sulu, der arme Kaisersohn, zu den Verspotteten. Suhl mußte sich vom Witz folgender Prüfung im Deutschen unterziehen: Sehrer: „Was ist der fran*- zösische Thron?" Sulu: „Ein unregelmäßiges Zeitwort." Sehrer: „Was wissen Sie von ben Präpositionen an, auf, hinter, in "fw. ?" Sulu: „Papa beneidet sie, weil sie wenigstens etwas regieren." — Endlich noch ein Scherz, der sich wirklich ereignet haben soll. Als ;nad) einer der ersten Schlachten, in ber die Bayern unter „unferm Fritz" in das Feuer kamen und sich sehr tapfer hielten, her Kronprinz fid) gegenüber ben tapferen Soldaten im Raupenhelm in anerkennender Weise aussprach, ent- uhr es einem biederen Bayern: „Ja, Königliche Hoheit, hätten wir nur auch anno 66 solchen Führer gehabt, dann hätten wir die verfluchten Preußen schon verhauen!"
Kirchliche Nachrichteir.
Evangeüjche (bemeinoe.
15. Sonntag nach Trinitatis, ben 4. September: Kollekte
zum Besten der Kaiser-Wilhelm-Stiftung für deutsche Invaliden Gottesdienst.
3n der §tadtkirche.
Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Schwabe.
Zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten aus der Markusgemeinde.
Vormtttags 91/, Uhr: Pfarrer D. Schlosser.
3n der Johanneskirche.
Vormittags 8 Uhr Pfarrer A u s f e l d.
Zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten aus der Johannesgemeinde.
Vormittags 91/, Uhr: Pfarrafsistent Hanstein.
katholische Gemeinde.
Gottesdienst.
Samstag den 3. September:
Nachmittags um o Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit <ur heil. Beicht.
Sonntag den 4. Sept., 16. Sonntag nach Pfingsten' Schutzengel-Fest.
Vormittags von 6'/. Uhr an: Gelegenheit zur heil. Beicht.
• um 7 Uhr: Die erste heil. Ätesse.
* um 8 Uhr: Austeilung der hl. Kommunion.
w um 9 Uhr: Hochamt mit Predigt.
ii um 11 Uhr: Heil. 'Messe mit Predigt.
Nachmittags um 2 Uhr: Andacht mit Segen.


