Ausgabe 
2.2.1910 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Nr. 27 Erstes Blatt 160. Jahrgang Mittwoch 2. Februar 1910

sGietzenerAnzeigerW

,-,<r die Redaktion 112, _ Mee volittichen Lett: August

General-Anzeiger für Oberhessen WM

vx die Tagesnuunner RstattonrdnrS und Verlag der vrühl'schen Univ.'vuch. und Sleindruckerel R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstrahe 7. AnzetgentS^'H.^B^L l)t5 öomtittdcjs j iitjr. ___

Gieszenev Stadttheater.

Frau Warrens Gewerbe.

Drama in vier Auftügen von Vernarb Shaw.

Seit Jahren steht Vernarb Shaw, den seine Lmidslente liegen seiner Feindschaft gegen Shakespeare ironisch ^haw^ lespeare nennen, ziemlich im Mittelpunkt der Leltliteranir, icnn so wie er, hat c<- noch teiner vor ihin verstanden, sich Illis Mas; und ,<iel aller Literatur zu vergöttern, ^lese aus «einer tiefen und ernsthaften Ueberzeugung beruhende Ueber-- Ischähung seiner eigenen Persönlichkeit, die kerne Anderen Götzen neben sich duldet, diese ewig heitere und selbst ^fällige Ueberpebung hat dem geistvollen Dichter den Bei­namen eines Elown Eingetragen, eines Akrobaten, der ferne Zuhörer mit billigen Spässen und überraschenden Verwand- hingen unterhielte. "Nichts aber ist einseitiger und unhalt­barer als dieses Urteil über einen Mann, der mit erstaun­licher Beharrlichleit und mit zwingender Logik fernen eigenen, sehr ernsthaften Weg geht und nicht im geringsten ein Blatt vor den Mund nimmt, wenn ihm etwas zu sagen (nölig scheint. Seine äußerst strengen Grundsätze, die er nach sich'selbst gegenüber niemals im mindesten vernach liissigt, haben ihn aus kleinen Anfängen emporgehoben in fristloser, unaufhattsamer Arbeit, und da er diesen selten tzrvßen Mas,stab an all(w legt, darnm erscheinen seine Meu- hen oft so lächerlich, scheint er selbst ein fideler, schnatteriger Spaßmacher, obschoii er sich in tiefster Seele als Prophet liUl und in der Leffentlichkeit auch laut genug verkündet. Irib er ist es auch. Daß mau ihn in unserem lieben Deutsch- ! atib, dem Siegfried Trebitsch die sehr unvolltonimenen, !letlh>ei)e entstellenden Uebersetzungen seiner Werte gegeben -hu, so ganz und gar mißverstand, das war für ^shatv eine Enttäuschung und für uns eine gelinde Beschämung. Denn kenn es schmerzlich ist, nicht ernst genommen zu werden, jo ist es erniedrigend, eine ernste und ehrliche Sache als '-Menspiegelei auszufossen. Aber auch darin liegt zum Teil

Mihverständnis, daß unsere Zeit für die tiefen Probleme irischen. Dichters, der zugleich cm höchst feiner Kops

ist, in der Allgemeinheit überhaupt noch nicht reif i>st, weil für Shaw schon gar manches Sünde und Schmach ist, was dem behäbigen Spießbürger noch -als unanstößige Menschlich­keit erscheint, Soat sich auch die Literaturgeschichte im ein­zelnen noch nicht völlig mit ihm auseinanderzusetzen ver­mocht, so ist man sich doch im Laufs der Jahre allmählich klar geworden, daß Shaw nicht nur eine hochbedeutende Persönlichkeit ist, sondern auch eilt Schriftsteller von un­zweifelhaften, fördernden Verdiensten.

In seiner Heimat wurde Shaw eigentlich erst auf dem Umweg über Deutschland bekannt, denn wenn man auch die zahllosen mitG. V. S." unterzeichneten, streitbaren Auf­sätze mit Behagen und Vergnügen in sich aufnahm, den Dichter Georg Vernarb Shaw kannte mau in Old-England nicht. Nun er 'aber im Ausland gefeiert und seine Dramen teilweise verboten wurden, nahm man ihn umsolieber mit offenen Armen auf, als man sich kurz vorher an OSkar Mjlde so schmählich vergangen und ihn gewissermaßen aus dem Gedächtnis gelöscht hatte. Und niemand ließ sich freu­diger ausnehmen als Shaw, und wenn irgend eines feiner Stücke verboten wurde wie z. B. Frau Warrens Gewerbe in den Vereinigten Staaten dann schrieb er geistsprühende, witzige Aufsätze dagegen und gewann damit nicht nur Lacher sondern auch Freunde. Ohne jede Rücksicht als die auf sich selbst, hat Shaw seinen Weg verfolgt nnb so ist es ihm gelungen, sich vom armen Teufel im zerschlissenen Rock zum mehrfachen Millionär emporzuarbeiten, obschon er sich am fangs im Widerspruch mit einer ganzen Welt befand. Und keck und rücksichtslos hat er sich dnrchgesetzt. Dieser außer­ordentliche Ausstieg hat ihm natürlich ein außerordentliches Selbstbewußtsein verliehen und so kam es denn auch, daß er die Tüchtigkeit anderer stets unterschätzt, weil er eben immer nur nach seiner eigenen, gewaltigen Tatkraft urteilt.

«AlsFrau Warrens Gewerbe" im Jahre 1905 in New- york verboten wurde, obwohl die Zensur nicht das geringste einzuwenden hatte, (das Buch war 8 Jahre lang unbean-

Die heutige Nummer umfaßt 12 Seiten.

Aus dem elsaß-lothringischen Landesausschuh.

Straßburg . Elf., 1. Febr. In der heutigen Sitzung des I ch'ab-lothringischen Landesausschusses brachte Unterstaatsfekretär Köhler den Haushalt ein unter Hervorhebung des ungünstigen Abschlusses. Auf die Dauer könne den gesteigerten Anforderungen 1 nicht durch Sparsamkeit allein genügt werden. Man müsse sich o p s e r s i n n i g für eine Reform der direkten Steuern entschließen, so daß sie modernen Ansprüchen genügen könnten.

Weber (keiner Partei angehörig, früher beim Lothringer Aock) beschäftigte si'ck) nach kurzen Worten zum Haushalt sehr breit mit der Rede des Reichskanzlers zur Weißenburger Her und zur Afsäre Wcgelin. Er sagte, daß der Reichskanzler falsch informiert sei und verwies ihn berichtigend auf die an- crlcnncnden Erlasse des Kaisers vom Jahre 1908, in denen der friedfertigen Gesinnung der Bevölkerung gedacht wird, und hebt tervor, daß die Straßburger Regierung nach seinem Wissen in gleichem Sinne über die Weißenburger Feier berichtet habe. Die 3nirer im Lande seien eine Gruppe Urteutonen, die an den Zchandpfahl gehören.

Im Namen des Zentrums sprach Dr. R i ck l i n ausführlich ,iiw Haushalt. Er verlangte für die Deckung des Defizits die lluöbarmachuüg der Rheinwasferkräftc, was die Regierung för- )(ri und wofür sie eine Steuer erheben solle, vielleicht 5 Mark ho Pfcrdekraft und Jahr, Verstaatlichung der Feuerversicherung, Einführung der Schiffahrtsabgaben und anderes mehr. Er er-» Mite sich auch für eine vrogressive Einkommensteuer.

Unterstaatssekretär Dr. Petri wies den Vorwurf des Ab­geordneten Dr. Ricklin zurück, der das Urteil gegen den Ab­geordneten SB et ter 16 für ungerecht und unerhört erklärt hatte. Die Richter hätten nach bestem Wissen und Gewissen geurteilt

Dr. Ricklin erklärte, das letzte nicht in Zweifel ziehen ju wollen, er hätte nur dem Volksemvfinden Ausdruck geben Wien. ______

Das Ergebnis der Wahlen in England.

London, 1. Febr. Die Liberalen haben den Wahl­kreis Wiek (Schottland-) gewonnen. Im ganzen Lande wurden heute zwei Anhänger von O'Brien im Wahlkampfe gegen Anhänger von Redword gewählt Das Wähl­er g eb nis ist jetzt folgendes: 271 Unionisten, 273 Liberale, Ul Vertretet der Arbeiterpartei und 82 Nationalisten; unter Lfen Gesinden sich elf Anhänger von O'Brien, sogenannte I mb hängig e Natio nal i sten.

Deutsches Ucicb.

Der Kaiser und die Kaiserin empfingen am Dienstag mittag in Gegenwart des Kronprinzen und der Kronprin- Mn, des Reichskanzlers und des japanischen Borschafters den lapanischen Prinzen Fushimi und seine Ge­mahlin, die für das Kaiserpaar und das Kronprinzenpaar iosürave Geschenke, japanische Kunstgegenstände, überreichten. "Lein japanischen Prinzen Fushimi wurde das Großkreuz des Koten Adlerordens mit der Kette verliehen.

In der Sitzung des Bundesrats wurde am Dienstag dem Gesetzentwurf über den Absatz von Kalisalzen nach dem Anträge der Ausschüsse zugestimmt.

Eine bei Reichstagsavgeordneten nicht alltägliche Eh- rung soll der verstorbene Zentrumsführer Kaplan Das­bach erhalten. Ter Verstorbene war bekanntlich em eifriger Lozialpolitiker und hat sich im Parlament wiederholt na­mentlich der Interessen der Bergarbeiter angenommen. In einer Versammlung der Bergarbeiter des Saartohlenreviers imirbe vor einigen Tagen folgende Entschließung be- slhlossen:

Die Versammlung erachtet es als eine Pflicht, den Zentrums- abaeordneten für ihr mannhaftes Eintreten zu gunsten der Berg- irbeiter gelegentlich der Beratung des neuen Berggesetzes und ter Interpellation betreffend den Zw.mgsarbeilsnachweis ihren

wärmsten Dank auszusprechen. Ter unermüdlichen Tätigkeit und der großen Verdienste gedenkend, welche sich der verstorbene Reichs­und Landtagsabgeordnete Dasbach um den kleinen Mann und nicht zuletzt um den Bergarbeiterstand erworben hat, hält die Versammlung es an der Zeit, auch öffentlich das Andenken dieses verdienten Parlamentariers und großen Wohltäters zu ehren durch Errichtung eines Denkmals, wie das schon öftere in Arbeiterkreisen gewünscht wurde, und empfiehlt der Arbeiter­schaft und allen Interessenten, an der Verwirklichung dmes Planes mitzuhelfen. Die Versammlung beauftragt den Arbeiter­sekretär Koßmann, die vorbereitenden Schritte in dreier An­gelegenheit zu tun."

Tie Sozialdemokraten haben dem Reichstag einige Anträge zugehen lassen. U. a. wird beantragt, der Reichstag wolle beschließen: die verbündeten Regierungen um Vorlegung eines Gesetzentwurfs zu ersuchen, wonach der Reichskanzler für seine Amtsführung dem Reichs­tage v e r a n t w o r t l i ch ist, diese Verantwortlichkeit sich auf alle politischen Handlungen und Unterlassungen des Kaisers erstreckt und die Verantwortlichkeit des Reichskanzlers von einem Staatsgerichtshof geregelt wird.

Ferner soll der Reichstag die verbündeten Regierungen ersuchen, einen Unters ucbungs - Auss chüß einzusetzen, der zur Hälfte vom Reichstag aus seiner Mitte ernannt und mit dem Recht der eidlichen Vernehmung von Zeugen und Sachverständigen versehen wird. Ausgabe dieses Aus­schusses soll sein,die insbesondere durch die jl-elcr Schwur- gerichtsverhandlungen bekannt gewordenen Unregelmäßig­keiten in der Verwaltung der Reichswerften auf ihre Ur­sachen hin zu untersuchen, sowie Maßnahmen zu beraten und vorzuschlaaen, die geeignet sind, eine Reiorm der Ver­waltung der Werftbetriebe auf sozialpolitischem, technischem und kaufmännischem Gebiete herbeizusühren."

Mit der Tagesordnung ,Junker und Reichstag" hatte die sozialdemokratische Parteileitung für Dienstag abend in Berlin drei Versammlungen ein­berufen. Die Säle waren vor Beginn der Versammlungen überfüllt, so daß polizeiliche Absperrungen vorgenommen werden mußten. Besonders stark war der Andrang in der Koppenstraßc und in der Müllevsüraße. Die Tausende, die keinen Einlaß mehr finden konnten, verhielten sich, solange die Versammlungen sbattfanden, ruhig, so daß die zahlreiche zu Fuß und zu Pferde aufgebotene Schutzmannschaft keine Veranlassung zum Einschreiten fand. Als die- Versamm­lungen ihr Ende erreichten, versuchten die Versammlungs- befucher mit den Genossen aus der Straße sich zu Zügen zu formieren. Gegen einen ans 2000 Personen sich zu­sammensetzenden Zug, der sich die Müllerstraße entlang nach der Friedrichstraße bewegte, gingen 150 Schutzleute mit blank gezogenem Säbel vor und zersprengten ihn. Dabei wurden zahlreiche Sistierungen vorgenommen.___________

Ausland.

Mus Graz wird gemeldet: In der Sitzung des Land­tages vom Dienstag fetzten die Slovenen bei der Be­ratung des Landesvoranschlages mit Obstrut- tion ein, um der Unzusriedenheit mit ihrer Behandlung in nationalen Fragen Ausdruck zu geben. Die Slo- venen halten lange Reden in slovenischer Sprache. Die Sitzung, die um 10 Uhr vormittags begann, dauert um 11 "Uhr nachts noch an. Erst nach 14,tündiger Sitzung wurdse der Landtag um Mitternacht auf Donnerstag oer- 1^'Aus Osenvest meldet man: Der Magistrat hat beschlossen, die Zuschrift der Regierung über ihren Amts­antritt zur Kenntnis zu nehmen. Tie Stadtverordnetenver­sammlung ist diesem Beschlüsse des Magistrats beigetreten

mit dem Zusatz, daß dem Beschluß des Abgeordneten­hauses, die Steuern zu verwei gern and den natio­nalen Widerstand zu organisieren, keine Folge ge­leistet werden soll.

Die belgische Kammer trat am Dienstag zusammen und behandelte die sozialistische Anfrage über die durch den französischen Zolltarif vorgeschlagene K'o p f ste u er für die in Frankreich beschäftigten belgischen Arbeiter. Die Ver­treter aller Parteien erhoben Widerspruch gegen die ge­plante Belastung und forderten die Regierung auf, Schritte zu tun, um den drohenden Schaden abzuwenden.

Das am Dienstag ernannte norwegifcheMiniste- rium setzt sich wie folgt zusammen: Ministerpräsident: Präsident des Storthings Konow; Aeußeres: Norwegi­scher Gesandter in London Jrgens; Finanzminister: Amtmann Berge; Handelsminister: Erster Bürgermeister von Ehristiania Arctandcr; Arbeitsminister: Fabritbe- ,itzer Brünner; Kultusminister: Rektor am. Sernina- cium zu Tromsö Kvigstad: Justizminister: Assessor am obersten Gerichtshof Scheel; Krieg: Oberstleutnant.Bul l: zum Landwirtschaftsminister wird Landwirtschastsschul- oirektor Holts mark ernannt, wenn das Storthing die Mittel hierzu betvilligt.

Aus Sofia wird folgende amtliche Erklärung^ ver­breitet: Tie von mehreren auswärtigen Blättern veröffent­lichten Meldungen über eine angebliche Spannung in den Deziehuna.en zwischen der Türkei und Bulgarren, sowie über beschleunigte Kriegsvorbereitungen sind voll­ständig erfunden und tendenziös. Die Beziehungen zwischen Bulgarien und der Türkei sind gute. Der Handels­vertrag, welcher demnächst abgeschlossen werden wird, wird eine weitere Befestigung dieser Beziehungen zum Vorteile beider Länder bewirken.

Die griechischeRegierung beabsichtigt, nach einer Meldung aus Athen, im Einvernehmen mit dem großen zu bildenden parlamentarischen Ausschuß, die Artikel der Verfassung, welche einer Revision unterzogen werden sollen, festzusetzen. ..

Nach Informationen der Pforte wurden die türki­schen Botschafter von ihren Regierungen beauftragt, die Aufmerksamkeit der Kreta machte auf die Folgen einer etwaigen Beschickung der griechischen Nationalver­sammlung durch die Kreter, zu lenken und sie zugleich zu fragen, welche Matzre'geln sie zu treffen beabficfftigcn, um diese Eventrralität zu verhindern. Authentisch verlaute^ daß zwischen den Kretamächterr Verhandlungen schweben, um die Entsendung von kretischen Deputierten hintanzu- halten. ___________________________________

Der Militärhaushalt im Sudgetausschuh.

:: Berlin, 1. Febr.

Das Plenum des Reichstags tonnte diesmal die Beratung des Militäretats zum Teit vorwegnehmen, weil nicht, wie im Voriahr, der ganze Militärhaushall, sondern nur einzekne Teile dem Budgetcmsschuß überwiesen sind. Am Dienstag begann dir Ausschußberatung.

Vor Eintritt in die Tagesordnung beschwert ftdy der Krregs- minifter darüber, daß ein sozialdemokratischer Abgeordneter in der Plenarverhandlung vertrauliche Aenßeruugen aus dem. Aus­schuß wiedergegeben habe. Der Vorsitzende stellt fest, daß der - artige Mitteilungen selbstverständlich unzulässig sind. Es folgen zunächst vertrauliche Verhandlungen.

Ein Llbgeordneter fragt an, wie es mit den Fortschritten der Aviatik stehe. Man habe letzt Höhen von 13001400 Metern erreicht. Die Flugapparate feien viel billiger als Luft­schiffe; damit wäre also nicht so viel an Werten riskiert.

Oberst Wandel erklärt hierzu: Die lenkbaren Luftschiffe haben große Fortschritte gemacht, hauvtsäcklick weil man alle Svfteme gleichmäßig unterstützt habe. Wir feien allen anderen Staaten voran. Die Benutzbarleit sei durch das Wetter be­schränkt. Man dürfe die Brauchbarkeit daher nicht überschätzen. Die Konstrukteure müßten die Eigengeschwindigkeit erhöhen; man

standet geblieben), da schrieb Shaw einen flammenden Aus­satz gegen diese spießbürgerliche Ketzerei, die einem Manne den Mund verbieten wolle, weil er ohne Rücksicht die Fäul- nisprodulte der modernen Menschheit aufzeige. Seitdem ist das Stück unbeanstandet geblieben und das mit vollem Recht, denn ganz abgesehen davon, daß die Zensur über­haupt eine unangebrachte Bevormundung ist, hat gerade dieses Drama eine so ungeheuere sittliche Bedeutung, daß sie nur von irgendwie Beteiligten geleugnet werden kann.

Freilich ist," wie Shatv in deut erwähnten Aufsatz sagt,die Gesellschaft und nicht irgend ein Individuum der Bösewicht des Stückes," unt) diese Gesellschaft steht hier vor einem unnachsichtlichen Richter, llnbarmherzig deckt er die innere Fäulnis derGentleman" auf, die es gewöhnt sind, die Liebe zu taufen, und an einem drastischen Beispiel führt er mit zwingender Logik und erstaunliches Konsequenz feine Joee zu einem großartigen Ende. Wer inMrs. Warrens Profession" eine Liebesgeschichte vermutete und es gab solche Leute der war gründlich enttäuscht, denn so ledern kommt G. Bl S uiemals; er sieht immer tief er erhebt diezufällige Geschichte" M einer unum stößlichen Wahrheit, die Ewigr'eitswerte hat, obschon feine Dramen nichts weniger, als regelrechte Theaterstücke sind. Man könnte schoit von brainatifterien Streitschriften reden, denn von einer eigentlichen Entwickelung kann ebensowenig die Rede sein, als von einer unbedingten Handlung. Aber dafür sind seine Menschen von einer außerordentlichen Lehensechtheit, sind seine Menschen nicht, wie in seinen ersten Romanen, einfache Verkörperungen von Gut und Böse. Jeder hat fein ausgesprochenes Ich und auch die, denen fein Kampf gilt, sind Menschen voll Blut und Hirn, die ihre Anschauungen geistvoll vertreten. So stark und ehrlich ist er, daß er auch seine Gegner voll zu Worte kommen läßt und ihnen keine Möglici,keit zur Verteidigung nimmt

Frau WarrenS Gewerbe behandelt im großen und ganzen die Trennung eines Mädchens von feiner Mutter, als es erfährt, daß das Geld, mit dem es sich das Lebew