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17.2.1910 Zweites Blatt
 
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Donnerstag 17. Februar 1910

Zweites Blatt

160. Jahrgang

Nr. 40

Gießener Anzeiger

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntag«.

General-Anzeiger für Gberhejfen

DieSiebener Lamilienbliitter" werden dein ^Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das LreiLblatt för den Kreis Gietzen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftliches Seil fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Rotationsdruck und Berlag der Brühl'sche« Universiläts - Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.

Aledaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: e^5L RedaktioruS^IIL. Lel.-ALr.: AnzeigerGieße».

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ruhigen, daß das Budget durch Entschließungen und-ohne Aus­sprache angenommen werden soll, was man in drei Sitzungen zu erledigen hofft. Vorher dürften acht Tage durch die Ansprache über die Adresse in Anspruch genommen werden. Nach dem Budget würde dann gleich die Vetobill an die Reihe kommen Was weiter geschehen wird, läßt sich absolut nicht absehen, und jeden­falls wird dann beinahe alles von der Haltung des Königs beit Parteien gegenüber abhängen. Die Krone ist dieses Mal in einer Weise in den Kamps, der Parteien gezogen worden, datz die Lage unter allen Umständen sehr bedenklich werden muß. Tie liberalen Blätter haben unzweideutig erklärt, daß der Mo­narch sich eines Verfassungsbruches schuldig machen würde, wenn er dem Rat seiner verantwortlichen Minister entgegen sich toetgern würde, eine genügend große Anzahl neuer Peers zu ernennen, und die Konservativen wieder werden nicht müde, ebenso offen zu erklären, daß der König einem großen Teil der Nation gegen­über ein großes Unrecht begehen würde, wenn er einer so ge­ringen Majorität zuliebe einen so entscheidenden Schritt unter­nehmen sollte. Es ist das erste Mal seit langer Zett, daß Die Krone so offen in den Kampf der Parteien gezogen wurde.

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Antrag auf Ausdehnung des Gesetzes omt die Beamten der Ein»L- staaten mjft 9 gegen 8 Stimmen ab, nahm dagegen eine Enftcmre- fcimg an, die den Reichskanzler ersucht, die Aufmerksamkeit der^ jenigen Cinzelstaaten, in denen Noch kein Haftungsgefetz besteht, auf die Dlaterie zu lenken. _ '. J

Ter Wahlprüfungs-Ausschuß des Reichstags erklärte heute die Wahl des Abgeordneten v. Ka pH eng st (Kvns-. Ost- und West-Sternberg) für ungültig. Auch die Wahl des Abg. Arnstadt (Kvns., Mühlhansen-Langensalza) wird für un­gültig erklärt. Die Zählung der Stimmen, die inzwischen statt­gefunden hat, hat ergeben, daß ihn: nach Abzug der nach den! Beschlüssen des Ausschusses für ungültig zu erklärenden Stimmen 30 Stimmen an der Mehrheit fehlen. Ter Ausschuß wird den Kassierungsbeschluß morgen fassen.

Beiden ist es gelungen, ein Zehntel Milligramm dieses Stoffes zu erhalten, der fünftausendmal seltener ist als Radium. Tie Gewinnung des Poloniums erfolgt durch heiße Chlorwassersäure aus Pech­blende. Tas Polonium hat eine viel stärkere Selbst! ewchtzkaft! als das Radium und entwickelt besonders viele Alphastrählen. Tas Polonium entwickelt sehr viel Ozon und Helium: oder wäh­rend sülz cm Atom Radium erst in 1000 Jahren verzehrt, waren etnhundertvftrzig Tage ausreichend, nm die Hälfte des von Frau Curie gewonnenen Poloniums zu verflüchtigen. Tie neuen Fou- schungen Frau Curies werden der Wissenschaft zweifellos üonj großem Nutzen sein.

'Der Kaiser von Javan als Dichter. Der Kaiser von Japan ist eifrig literarisch tätig, aber bisher- mir wenig in die Oeffentlichkeit getreten. Vor kurzem ist er als Mitarbeiter einer neuen Zeitschrift aufgetreten, die unter dem Namendamato- damachii" (der Geist des Nippon) seit Januar in Tokio erscheint und auf dem Titelblatt den kaiserlichen Namen neben dem von Berühmtheiten, wie dem Grafen Ito, dem Admiral Togo u. a. führt. Tie Zeitschrift will ihr: Leser und im weiteren die gesamte Menschheit durch Befolgung desB u sh i do" zur Mensch­lichkeit und zum Glück führen. Tas Bushido ist der Kodex japa­nischer Mvralbegriffe, und der Beitrag des Kaisers besteht in einer Ode, die einen Kommentar zu dem Zweck des Blattes gibt und zugleich eine schwungvolle Verherrlichung desMtshido^ darstellt.

DasEnde derMänncr kir che. Aus Newhork rotrti berichtet: Die Männerkirche von Atlantic City liegt im Sterben: das Gotteshaus, das am Anfang sogroßen Erfolg hatte", soll geschlossen werden. Um die kirchenschenen Männer zu bekehren und zur Predigt anzulocken, hatte der Geistliche mit amerikanischer Findigkeit ein merkwürdiges Exveriment gewagt, er erklärte eines Tages das Gotteshaus für eineMännerkirche" und Frauen wurden nicht zugelassen. Man durfte im Gotteshause rauchen, alkoholfreie Getränke wurden verabreicht, und wenn die Sommer- sonne gar zu heiß brannte, dann durften die frommen Männer auch ihre Röcke ausziehen und in Hemdsärmeln den erbauenden Worten des Pastors lauschen. Der Versuch sand ansangs großen Beifall, aber alle neuen Ideen werden mit der Zeit alte Ideen und dies war auch das Schicksal der Männerkirche: mit der Neu­heit verlor die frauenlose und ungenierte Frömmigkeit für die Männer, von Atlantic City ihren Reiz, die Schar i>cr Kirch­gänger wurde kleiner und Heiner und schrumpfte schließlich auf so wenige Gläubige zusammen, daß der Geistliche resignierte. Dazu kam, daß Konkurrenzkirchen mit lebenden Bildern und kinematogravhischcn Vorführungen ungeahnte Erfolge, erzielten und die Männertirche überflügelten; darum wird sie nun geschlossen...

Vie arohe deutsche Landwirtschafiswoche.

4 Berlin, 16. Febr.

Der heutigen zweiten Plenarsitzung des deutschen Landwirt­schaftsrates wohnten wiederum zahlreiche Negierungsvertreter bet. Zur Verhandlung stand zunächst ein Bericht des Direktors des Gesundheitsamts der pommerschen Landwirtschaftskammer, Dr. Schmitt (Züllchow), über die Ergebnisse der Schutz­impfungen gegen die Hämoglobinurie der R t n b e r. Der Redner führte aus: Die Impfung gegen diese Krankheit, die man auch als Blutharnen, Rotnässen, Rotwasser oder Werde­rot der Rinder anspricht, ist eine Schutzimpfung genau nach Art der Pockenimpfung bei den Menschen, lind es wird den Rindern drei Kubikzentimeter Blut von Kälbern, welche die Seuche über­standen haben, unter die Haut gespritzt. Das Gesundheitsamt der Pommerschen Landwirtschaftskammer hat mit Unterstützung des Preußischen Landwirtschaftsministeriums den Impfstoff für das Jahr 1909 hergestellt und davon kostenfrei an die Tierärzte die nötigen Mengen abgegeben. Es sind über 2600 junge Rinder und 1600 erwachsene Rinder geimpft worden. Die Impfungen ergaben nur in 1,67 Prozent Fehler geb niste und hoffentlich wird dftser Prozentsatz noch herabgedrückt, werden können. Es ist also die Schutzimpfung für alle Rmderbestände zu empfehlen, tn benot im Durchschnitt mehr als zwei Prozent der Stere erfraidt ftnd. Eine planmäßige Schutzimpfung wird es ermöglichen, daß große Flächen von Moor, Wald und Busch für die Rinderzucht tn höherem Maoe nutzbar gemacht werden können, als das bisher möglich war. .

Der Redner legte eine Entschließung vor, tn der verlangt wird, daß die Staatsregierungen die Bekämpfung der Hamo- globinurie fördern möchten durch Gewährung namhafter Bethttfe zur Erforschung der nur erst lückenhaft bekannten Urlachenlehre dieser Seuche. Die Entschließung wurde angenommen.

Zum zweiten Punkt der Tagesordnung:Gewinnung von Grundlagen für eine Betriebslehre des bäuer­lichen Besitzes in Deutschland" liegen vor: a) cm Antrag des Berichterstatters Prof. v. Strebel (Hohenheim):

1. Der Deutsckze Landwirtschaftsrat möge sich dahin be­sorgt sein, daß für die weitere Entwicklung einer einfachen land­wirtschaftlichen Buchführung in Bauernwirtschaften da, wo es nicht schon geschehen, sowohl durch Landwirt sch afts- ins Vektoren als auch durch Einrichtung und Betrieb voN Buchstellen gesorgt werde. , t

2. Zu diesem Zweck ift eine Verständigung mit den ein­zelnen landwirtschaftlichen Zentralstellen, Landwirt; chaftskarch- mern und dergleichen einzuleiten.

3. Da, wo eine gewisse Art der Buchführung Ichon em- gesührt ist und eine Buchstelle bereits besteht, sollten Aenderungen nicht getroffen werden. Für die Neueinrichtung ist die Ver­ständigung über ein einheitliches System geboten.

4. Die Ergebnisse der einzelnen Buchführungen werden nadj Kenntnisnahme durch die betreffenden Landwirtschaftskammern nsw. an die Geschäftsstelle des Deutschen Lanowirtschaftsrats zur wissenschaftlichen Verarbeitung emgesandt. Zn andern, beson­ders Steuerzwecken, darf das gesammelte Material unter gar keinen Umständen benutzt werden.

5. Der Deutsche Landwirtschaftsrat hält es für brtngenb not­wendig, daß auf der Grundlage der Ergebnisse einer möglichst großen Zahl von bäuerlichen Buchführungen reiches Material für den weiteren Ausbau einer Betriebslehre für den bäuer­lichen Besitz gewonnen werde."

b) ein Antrag des Ausschusses:

Ter Deutsche Landwirtschaftsrat erkennt die Notwendigkeit an, eine entsprechende Anzahl von Buchführungen aus bäuer­lichen Betriebe aus dem ganzen Deutschen Reiche an einer Zentral­stelle im Deutsck-en .Landwirtschaftsrat zu vereinigen, um sie zu verarbeiten und Unterlagen für die bis jetzt vernachlässigte:

Lederstiefel 'und Schuhe, Knochen, Dachschindeln, Gewebe, Korb­geflecht, Wagenräder und Teile davon, geflickte Lederkoller, H§lz- sandalen, Gefäßhenkel, Schlosser, Ketten und Kettenglieder, Han st und Bastseile, Fruchtkern? von Haselnuß, Walnuß, Pflaumen, Kirschen, Apriliosen, Pfirsichen, Mirabellen usw.

Alle diese Funde sind natürlich für den Kulturhistoriker sehr wichtig, aber auch davon abgesehen, wirkt es wundersam auf das Gemüt, wenn alte, vergessene und verschüttete Quellen wieder frifcL.v Wasser zu spenden beginnen, wenn tausende kleine Tinge ans Lickst kommen, die unfern fernen Vorfahren zu eigen geroejen sind, an denen vielleicht das Herz eines Mädchens ober eines spielenden Kindes gehangen hat und die sie in dem schwarzen' Schlund des alten Römerbrunnens ftir immer (wie sie glaubten) versinken sahen.

Rvsegger-Sammlung. Tag für Tag verzeichnen die österreichischen Blatter einen erfreulichen Fortgang der Samm­lung, so bafr das Ziel von 1000 Bausteinen zu^je 2000 Kronen in erreichbare Nähe tritt. Vier Fünftel der Summe find ;eM gezeichnet, großenteils in Oesterreich. Unter den letzten Zeich­nern lesen wir den Schauspieler Girardi, die deutscher Hand­lungsgehilfen in Bozen, die Beamten verschiedener städtischer Vlemter und die Gymnafialprvfefsoren Wiens, letztere mit ftchs Bausteinen. Sind auch Banken und Großkapitalisten zurückhaltend, so fehlt doch kaum eine größere Fabrik oder Brauerei Deutsch lähmens in der Liste, manche mit fünf, ja zehn Bausteinen. Auch in den Alpenländern beteiligt sich die Industrie, zum Beiftnel m dem selbst gefährdeten Cilli eine Emailfabrik mit drei Baw- fteinen. Unter den Zeichnern des deutschgesinnten Hockstrdels steht jene des Fürsten von Fürstenberg mit sechs Bausteinen an der Spitze. Im Reiche ist die Beteiligung bis jetzt leider viel geringer, verhältnismäßig gut ist sie in Württemberg, wo bis jetzt neun Bausteine gesickZert sind. Von den Städten machte den Anfang Reutlingen mit zwei und Stuttgart jiüt drei Bau­steinen, in Heilbronn, Hall, Ulm und anderen Städten ist die Sammlung noch nicht abgeschlossen. Ter letzte der neun bis letzt veröffentlichten Bausteine ist der der Tübinger Verbindungen^, welch: mit ihrer Sammlung sich würdig anschlossen an dnt Vvr- nang der Stuttgarter Hochschule, die im Juli 1909 den Brunner Studenten die Räuber-Aufführung im Ho ft Heater ermöglichte und ixnnit den Gedanken der Rosegger-Stiftung zuerst in weiters Kreise hinaustrug.

Polonium". Aus Paris wird uns geschrieben: Am Montag machte Professor Lipmann in der Akademie der Wissenschaften einige Mitteilungen über die Erforschungen der FrauCurie u. ihres Mutaicheiters Derbierne des Poloniums.

2lus den ReichLtagrausschüssen.

:: Berlin, 16. Febr.

Im BudgetausschuH. wurde am Mittwoch die Werft­frage behandelt. Ter Berichterstatter bemängelte an der Organi­sation der Werften die hohe Zahl der Direktoren. Bei Privat­wersten gebe es nur drei Direktoren, und wenn auch bei den Reichswerften die Ausrüstung der Schiffe hinzukomme, so dürsten zehn Direktoren doch zu reichlich sein.

Staatssekretär v. Tirpitz hält auch ein kaumianmicher.es Verfahren für wünschenswert. Aber die Verhältnisse liegen im Reichsbetriebe schwieriger als im Privatbetrieb. Tort könne eine ungeeignete Persönlichkeit entlassen und eine tüchtige Knast schnell in die hohen Stellen gehoben werden. Sch.fteßftch sei ein wirklich guter Kaufmann gar nicht so leicht ru finden; auch die Privat­betriebe selber litten darunter. Vielleicht, solle matt das Untere personal erst nach vierjähriger kaufmännischer Lehre annehmen. Tas höhere Personal müsse aber juristisch durchgebildet sein: ihm dazu auch die kaufmännische Ausbildung zu geben, sei schwierig. Gute Kräfte würden die Privatfirmen, wenn man sie ihnen zur Ausbildung überweise, einfach festhalten. /'

Später erklärt der Staatssekretär: £er Kieler Prozeß habe nickt bew.esen, daß die Verwaltung im allgemeinen versagt habe; nur daß. Unterschlagungen vrrgekommen seien. Das habe an der Persönlichkeit gelegen. In Wilhelmsyaven und Danzig set des Verkauf unantastbar geführt. Ein Zahlmeister sei für die schwie­rigen Reck^sftagen, die an der Stelle des Oberwerstdirektors auf- rreten, gänzlich ohne Vorbildung. Als Magazindirettor würde er weniger Gehalt haben. Ferner se'en dies die Beförderungs- stellen für die Sekretäre, die man ihnen nicht nehmen könne.

Vom Freisinn und der Sozialdemokratie sind zwei Ent­schließungen emgegangm, die Sachverständige aus Handels- und Jitdustrietteisen und Installierung eines Untersuchungsausschusses verlangen. Die Nativnalliberalen lehnen beide Entschttetzungeft ab. Tie Werftorganisation sei, wie ihr Redner ausftihrt, kaum veränderbar, .aber die Unzahl der L-.am.ten müsse eingeschränkt werben. Kommandierung in kaufmännische Betriebe sei zwecklos. Derr Begriff des kaufmännischen Geistes solle man nicht über­treiben. Tas sichere Brot des Beamten lasse den ganzen kauf­männischen Geist sich! verflüchtigen. Iw freien Berufe müsse man arbeiten, um nicht die Stäle zu verlieren. Tie Kontrolle werde wachsen, wenn die höheren Beamten andere Arbeitszeit hätten: einige müßten stets auf der Werst sein. M<ui solle nur mit großen Werken absctzließen, die einen bestimmten -Latz Neumaterial dagegen lieferten. Man müsse Beamte sparen: mit so vielen könne keine Privatwerft existieren. Sonst sei die Or­ganisation aber nicht so zu verurteilen. Die Weiterberatung! erstKgt am Donnerstag.

Ter Justiz auss cbu ß verhandelte 8 186 der Novelle zum Strafgesetzbuch, den Beleidigungsparagraphen. Tie RegierungsvorlagL will das PrivatlÄen vor beleidigenden Ver- offenttichungen dadurch schützen, daß die Veröffentlichung ohne Rück­sicht auf ihre Wahrheit bestrast wird, wenn sie nicht im öffentlichen Interesse erfolgt. Ein Regierungsvertreter begründete die Vor>- lage sehr eingehend. Es kamen zunächst nur Gegner zum Wort, die namentlich auf die Schwierigkeit hinwiesen, den Begriff des öffentlichen Interesses zu bestimmen. Die Beratung wird morgen fortgesetzt.

Der Ausschuß, für den Gesetzentwurf über die Haftung des Reichs für die Beamten lehnte einen nativnalliberalen

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Lin Trödeimarit im Brunnenschacht.

Ein großer Teil unserer west- und süddeutschen Städtt wie tf. B. KöM und Augsburg ist bekanntlich auf dem Grunde alter römischer MilitärlvIonien emporgeblüht : in der diähe des Kastells liebelten sich Wirte und Krämer an, später, als ihnen dre Ehe erlaubt wurde, auch die verheirateten Soldaten, und gern blieben auch die ergrauten .Veteranen in dem ihnen zur Heimat ge­wordenen Barbarenlande. .

Das deutlichste Bild von denr Leben in einer wichen -Stadt geben uns die Ausgrabungen auf der Saalburg, denen Dr. Köster int Marzheft vonWestermanns Monatsheften" einen reich illustrierten Aufsatz widmet. .Die einzelnen Häuser in der Lagerstadt lägen getrennt in geschlossenen Gehöften. _ Jedes dieser Anwesen hatte seinen eigenen Ziehbrunnen. Die meisten Brunnens schachte waren mit starken Eichenbohlen verkleidet, einige aber besaßen auch anstatt der Holzverschalung eine auf gemauerte Wan­dung, die noch heute den Zusainmensturz hemmt, so daß einige Brunnen, itacAem sie.crusgeränrnt worden,^ wieder benutzt werden Sonnten. Wie die mittelalterlichen Gefäße, die bei der Aus­räumung ans Tageslicht gekommen sind, beweisen, sind mehrere von den gemauerten Brunnen sehr lange Zeit in Gebrauch ge­wesen, dagegen sind die Holzbrunnen wohl sämtlich bereits im Altertum aufgegeben worden. In der Hohe des .Wasserspiegels, wo die Verschalung wegen der wecktselndew Höhe des Wasserstandes bald feucht, bald trocken war, mußte das Holz im Laufe der Zeit verfaulen, wodurch dann das Wasser verdorben und die Grabung eines neuen Brunnens nottmatdig wurde. Ter alte ist bann zu- geschüttet worden mit allem, was gerade zur .Hand war, und daraus erklären sich die mannigfaltigen und verschiedenartigen! Funde, die bei der. Slusräumung der Brunnen ans Tageslickst fönten. . ..

Am Grunde befanden sich meist Gegenstände, die beim Waiier- bofat den Händen entglitten sind, wie Kannen, Krüge, Eimern Schalen usw., oder auch Schmucksachen und Nadeln, die einem sich vorbeugenden Mädchen beim Schöpfen aus den Haaren gefallen' Jein mögen. Daneben tommen Tinge vor, die durch Unachtsamkeit ober Zufall in den Brunnen gelangten, wie Nägel, ^chlüstel, harten gerate, Sck-rifttäselchen, Messerklingen, Hämmer, Aexte und Beile usw., ja sogar ein Kinderspielzeug, ein sogenanntes exbuurrab, 'hat sich gefunden. Alle diese Gegenstände sind hinetugekommen, üls die Brunnen noch in Gebrauch wären. Anderes findet sich in der höheren Schicht, in dem Material, mit dem der Brunnen eusgefüllt wurde. Man warf natürlich alles hinein, was sich tut GeHsft und auf der Straße umhertrieb, und die wunderlich!tpn Dinge sind bei den Ausgrabungen daraus emporgezogen worden: gewöhnliche grobe Topftcherben nt großer Menge, verbogene Nägel,

poltiifd>e Tagesschau.

Deutschland und der französische Zolltarif.

Die Zölle, die Deutschland und Frankreich gegenseitig anwenden, sind, so schreibt dieDeutsche Bolksw. Korr". im Durchschnitt ungefähr gleich hock. Die Einfuhr französi- fcher Waren nach Deutschland wird durch den deutschen Zoll­tarif einem Wertzoll von durchschnittlich 7 bis 8 Prozent unterworfen. Dabei sind die Zollerhöhungen auf Cham­pagner und Kognak mitgerechnet, die die letzte Reichsjinanz- reform gebrad)t hat. Die deutsche Einfuhr nasch Frankreich wird durch den bisherigen französischen Zolltarif im Durch­schnitt mit einem Zoll von annähernd 8 Prozent des Wertes Lclaftet Der weitaus größte Teil des Zolles, den Deutsch­land von französischen Waren erhebt, lastet auf Wein, Weinbeeren und Kognak; die meisten übrigen Artikel unserer Einfuhr aus Frankreich sind teils zollfrei, teils nur mit niedrigem Zoll belegt.

2Äis den Zoll betrifft, den Frankreich von deutschen Waren erhebt, so fällt ein großer Teil davon auf Maschinen, ferner auf Steinkohlen und Koks, die in Frankreich einem verhältnismäßig hohen Zollsätze untcrlLg.n. während s e in fast allen anderen Staaten zollfrei sind. Tritt der neue französische Zolltarif in der Gestalt, in der er die Deputi.r- tenbammer verlassen hat, in Kraft, bann wird die Zoll- belckstung deutscher Waren zweifellos erheblich größer wer­den; denn die darin vorgesehenen Zollerhöhungen sind vor- s-ugsweife gegen Deutschland gerichtet. Zunächst wird man abtoarten müssen, ob der Senat den neuen Tarif, so wie er ist, annehmen, oder ob er für eine Herabminderung der erhöhten Sätze eintreten wird. Viel Zeit zur Beratung ist freilich nicht mehr vorhanden, denn am 31. nächsten Monats soll der neue Tarif in Kraft treten. Soviel ist sicher, daß, falls der Senat den von der Deputiertenkammer beschlosse­nen, gegen die deutsche Einfuhr gerichteten Zotterhöhungen ohne Rücksicht auf die deutschen Beschwerden und Wünsche .rustimmen sollte, die deutsche Regierung unverzüglich zu Gegenmaßregeln schreiten würde. Die Gegenmaßregeln würden in einer entsprechenden Erhöhung der deutschen Zollsätze aus verschiedene franzö ische Spezialartikel zu be­stehen haben. Die Regierung kann hierbei unbedingt auf hie Zustimmung des Reichstags rechnen. Sie wird, sob.tld der französische Senat sein Votum in einem für den deutschen Handel ungünstigen Sinne abgegeben haben wird, dem Reichstag einen Gesetzentwurf zngehen lassen, der eine recht fühlbare Erhöhung oer betreffenden Positionen des deutschen Zolltarifs vorsieht.

Die Lage in England.

Aus London, vom 14. Februar, wird uns geschrieben:

Die gänzlich unerwartete Audienz, die der Premier­minister Ä s a u i t h am Sonnabend noch in Brighton bei dem König hatte, bat natürlich zu einer ganzen Anzahl von Gerüchten - Anlaß gegeben, was auch nur verständlich ist, wenn man die Umstände bedenkt. Es hatte ausdrücklich geheißen, daß der Mi- Mer den Monarchen nicht vor dessen Rückkehr nach London sehen werde, die am heutigen Montag erfolgen wird, und es liegt daher nahe, daß etwas sehr Dringendes vorgelegen haben muß. Dann war bekannt geworden, daß der Führer der irischen Na­tionalisten, Redmond, am Freitag ganz plötzlich von Dublin nach London kam. Was in Brighton verhandelt worden ist, wird vorläufig nickst bekannt gegeben werden, und es müssen not- roendiger Weise noch einige Tage vergehen, ehe man in der Lage fein wird, fick ein Bild davon zu machen. Der Besuch in Brighton ist erst am Freitag abend ganz spät beschlossen worden und wurde in London erst bekannt, nachdem er statt- gesunden hatte, die Audienz dauerte beinahe eine Stunde, was bet König Eduard außerordentlich lange ist. Nach der Audienz ging der Premierminister allein am Strande spazieren und kehrte dann noch einmal zu dem König zurück, mit welchem er dann noch etwa zehn Minuten sprach. Dann kehrte er sofort nach London zurück. ,, . .

In gut informierten politischen Kreisen ist man letzt der festen Ueberzeugung, daß trotz des allgemeinen Geschreis der liberalen Presse das Budget zuerst an die Reihe kommen wird, aber man hofft, die irischen Nationalisten, die bekanntlich von einem solchen Arrangement nichts wissen wollten, dadurch zu be-

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