Die Beratung öes Staatshaushalts.
R.B. Darmstadt, 13. März.
Tie diesmalige Houshaltsbcratting der Zweiten Kammer hat gerade ein Tutzcnd Sitzungen in Anspruch genommen, darunter fünf längere Nachmittagssitzungen, so daß an den sieben der Beratung gewidmeten Tagen rund 50 Stunden debattiert worden ist. Wenn man weis, daß die bisherigen Hausl-altserörterungen im L'ammerplennm alljährlich 16—18 Tagessitzungen erfordert haben, so ist dies relativ ein rechst erfreulicher Fortschritt, der allerdings wohl nur „der Not gehorchend, nicht dem eigenen Triebe", erzielt wurde: denn im Falle einer weiteren Ausdehnung der Beratung wäre nach der Erklärung des Finanzministers Tr. Braun die rechtzeitige Fertigstellung des Haushalts bis zum 1. April einfach unmöglich gemacht worden und die alsüann notwendig gewesenen provisorischen Verwalttmgsmaßnahmcu hätten dem Lande Tausende neuer Kosten und Mislichkeilen mannigfacher Art verursacht. Ob bei dieser Beschleunigung der Haushaltsberatung nicht auch die entgegenkommende Haltung der Regierung zu dem Antrag Noack aus Einführung zweijähriger Budgetperroden und das allgemeine Verlangen in der Presse nach Abkürzung der Kammerdebatten wenigstens einen gewissen moralischen Druck mit ausgeübt haben, mag dahingestellt bleiben.
Tie Erörterungen hätten aber ohne Frage noch bedeutend mehr verkürzt werden können, wenn die Zweite Kammer — was schon wiederholt von uns gefordert worden ist — sich mehr an eine strenge parlamentarische Ordnung gewöhnen und alles Unsächlick)e unb Unwesentliche ausschalten wollte. Vor allem sollten die Fraktionsvorstände strenger darauf halten, daß ihre Mitglieder nid)t beliebig lange unp oft miteinander sehr ähnlich lautende Reden über dieselben Tinge vvm Stapel lassen und damit nur immer wieder neuen Zündstoff in die Verhandlung werfen. In der Tisziplinlosigteit dieses Redens ad übttum macht eigentlich, feüre Partei der Kammer eine Ausnahme. Noch schlimmer freilich ist es, wem: die Erörterungen durch das Aufrollen polemischer, parteidoktrinärer Streitfragen in die Länge gezogen werden, am schlimmsten aber, wenn die Rednertribüne des Parlaments dazu benutzt wird, unter dein Schutzmantel der Immunität allerlei Verdächtigungen oder gar persönliche Verunglinipjungen zu verzapfen.
Aus Stadt uiiO Land.
Gießen, 15. März 1910.
** Freiwillige Invalidenversicherung. Nach § 42 des Jnvalidenversich^uugL>ge,etzes haben weibliche Versicherte, die sich verheiraten, einen Anspruch auf Rückzahlung der Hälfte der gezahlten Beiträge, falls sie eine Rente noch nicht beziehen und mindestens 200 Wochenmarken geklebt haben, vorausgesetzt, daß der Antrag aus Rückzahlung innerhalb eines Jahres nach der Verheiratung gestellt wird. Wenn nun auch die Rückzahlung dieses verhältnismäßig geringen Betrages besonders den Minderbemittelten bei der Verheiratung sehr zu statten kommt, so darf man nicht verfehlen, fickt darüber klar zu werden, welche Vorteile der jungen Frau durch Die Rückerstattung verloren gehen. Besonders in Arbeiter- unb Handwerkerkreisen ist es öfters der Fall, daß die Frau einige Jahre nach der Verheiratung entweder durch allzu anstrengende Arbeit oder durch die Sorge um die mehr oder minder große Familie oder durch schlechte Ernährung krank unb erwerbsunfähig wird; wie schön ist es in einem solchen Falle, die Wohltaten der Invalidenversicherung, fei es durch Bezug einer Rente oder durch Behandlung in einer Heilanstalt oder dergleichen zu genießen. Diese Vorteile kann sich die junge Frau aber nur dadurch sichern, daß sie nach ihrer Verheiratung von der Weiterversicherung Gebrauch macht, indem sie freiwillig weiterklebt. Tic Aufwendungen für die Weiterversicherung sind im Verhältnis zu Den Vorteilen äußerst gering: es ist, vorausgesetzt, daß die vorgtschriebene Wartezeit zurückgelegt ist, nur notwendig, daß innerhalb zweier Jahre nach dem auf der Quittungs- karte ersichtlichen Ausstellungstage 20 Wochenbeiträge der niedrigsten Klasse geklebt werden, das ergibt eine Beitragsleistung von 10 X 14 Pfg. = 1,40 Mk. im Jahr. Verzichtet also die junge Frau beim Eintritt in die Ehe auf die Rückerstattung der Halste der gezahlten Beiträge (es handelt sich in den meisten Fällen um 25—30 Mk.) und macht dadurch, daß sie alle rünf Wochen eine Marke zu 14 Pfg. klebt, von dem Rechte der Weiterversicherung Gebrauch, so bezieht sie im Falle dauernder Erwerbsunfähigkeit eine Rente von mindestens 116 Mk. jährlich. Es lohte deshalb jede junge Frau, welche sich verheiratet, ruhig weiterkleben, damit sie bei vorkommenden Krankheitsfällen die Vorteile der Invalidenversicherung ganz genießen kann.
k. G a r b e n t e i ch , 14. Mär^. In der Versammlung des Kriegervereins sprach gestern Lehrer K c i l von Klein-Linden im Saale des Jakob Lotz Über Deutschlands Erniedrigung und Erhöhung und über die Feldzüge von 1866 unb 1870/71. Der Vortrag fand bei der Versammlung großen Beifall. Ter Präsident Kesler dankte dem Redner für den Vortrag unb .bann wurden einige Lieder gesungen. — Wie vorn Lande das Gießener Stadttheater beiud)t wird, kann man ans dem Umstand eistnehmen, daß gestern die zwei Vorstellungen von etwa 40 Leuten aus Garbenteich besucht worden sind.
? Trais°-Horl off, 14. März. Nachdem sich vor kurzer Zelt hier em Ziegenzuchtverein gebildet hat, wurde jetzt auch in Steinheim unb Rod he im cm solcher Verein gegründet. Auch in Langd soll in nächster Zeit eine Besprechung zwecks Gründung eines Ziegenzuchtvereins slatt- finben unb noch in vielen anderen Orlen herrscht in neuerer Zelt ein reges Interesse für die Ziegenzucht.
b. Kinzenbach, 14. März. Die Krankenkasse Krofdorf und Umgegend hielt gestern nachmittag bei Gastwirt Louis Peusch ihre Generalversammlung ad. Aus allen Gemeinden waren Mitglieder und Arbeitgeber, etwa 60 Interessenten, erschienen. Tie Zahl der Mitglieder, die im Januar 403 betrug, wird voraussichtlich mit Beginn der Bausaison wieder steigen. Tic Kafsenverhältnisse ergaben 9900,07 Mk. in Einnahmen und 8482,41 Mk. in Ausgaben, so daß ein Kassenbestand von 1417,63 Mk. verbleibt. Tas Kapitalvermögen ist aus 13130,15 Mk. angewachsen. Tie Versammlung beschloß, daß die schon länger geplante Jamilienversicherung mit dem 1. April d. Js. in Kra,t tritt. Tie wöchentlichen Beiträge betragen von diesem Tage ab 33/6 Pro-z. des festgesetzten durchschntthichen Tagelohus, für männliche Kassenmirglieder über 16 Ja.)re ausschließlich der Lehrlinge 54 P,g., für weibliche über 16 Jahre 24 Pfg., für männliche unter 16 Jahre 24 Pfg., für weibliche unter 16 Japre 18 P^g. Tie nächste Generalversammlung wird in -Ovenhausen a. d. Lahn abgehalten.
s. Marburg, 14. März. Tcm bekannten Marburger Chirurgen, Geh. Rat Prvf. 'Dr. Roser, der vor etwa 20 Jahren starb, soll hier ein Denkmal errichtet werden. Es bat sich bereits em Ausschuß gebildet.
X Biedenkv ps, 14. März. In Puderbach wurde ein junger Mann unter dem Verbäckst der B c i s ei t s ch a s s u n gi eines neugeborenen Kindes verhaftet. Tie Leiche hat man in einem Abort gefunden.
Getreide-Wochenbericht
der Preisberichp.^r ue» ^.wlvirtschaftsrats
vom 8.—14. März 1910.
, Während man von den amerikanischen Hausseberichten weder In England, noch auf den festländischen Märkten sonderlich Notiz
nahm, zumal Argentinien sich andauernd Verkaufsgeneigt zeigte, schenkte man den russischen Frostmeldungen allmählich größere Aufmerksamkeit. Es ist bei der Bedeutung Rußlands für die Versorgung Westeuropas ohne weiteres verständlich, daß jedes, auf eine Einschränkung bezw. Verteuerung des russischen Angebots hindeutendc Moment in Westeuropa Beunruhigung Hervorrufen muß. Nicht unbeachtet blieb ferner, daß die zwischen den Verbrauchsmärkten und den südrussifchen Plätzen bestehende Disparität durch die Zurückhaltung der letzteren eine weitere Verschärfung erfahren hatte, und das war schließlich wohl auch der Anlaß zu der in den letzten Tagen aus dem Berliner Lieferungs- Markte zum Durchbruch gekommenen Festigkeit, die sich in einer Preisbesserung von 41/2—4»/i Mk. zum Ausdruck brachte. Auf die Absatzverhälttiisse im Jnlande blieb die Berliner Anregung zunächst ohne Einfluß und auch der Umstand, daß sich das Angebot in engeren Grenzen hielt, vermochte einen weiteren Preisdruck nicht zu verhindern. Unter besonderen Absatzschwierigkeiten hatte weiterhin Roggen zu leiden. So waren in Berlin Ladungen selbst 10 Mk. unter Mainotiz kaum unterzubringen, was die Eigner vielsach zur Einlagerung und zu Licserungsabgaben veranlaßte. Mit der Besserung am Weizenmarkte befestigte sich indes auch für Roggen die Stimmung und schließlich stärker hervor- tretender Teckungsbegehr ließ die Preise allmählich um ls/4 bezw. l’/a Mk. ansieben. Maßgebend für das größere Interesse im Lieserungsgeschäst war wohl auch die Auffassung, daß das Angebot infolge der Feldbestellung in nächster Zeit eine Einschränkung erfahren dürfte. Auch glaubt man, daß viel von der hier lagernden Ware den konttaktlichen Anforderungen nicht entsprechen dürfte. Hafer schloß sich, wenigstens im Lieserungsgeschäst, der allgemeinen Festigkeit an, trotzdem der Absatz an den Konsum auch zu den ermäßigten Forderungen der Provinz schwierig geblieben ist. Gerste
Erz 199.70 (— 0.00).
Mai 173.10 (-s- 2.0o). Juli 170.74 (+ 1.. 0).
162.50 (— 0.00- Jit.
1000 kg je nach Qualität, wobei (—) gegenüber der Vorwoche in
Liverpool Marz 179.95 (+ 3.75). Chicago
Roggen: Berlin Akai 166.75 (-s- 1.75), Hafer: Berlin üUlai 160,25 ( + 0.25), Juli
letzten Marktlage in Mark pro das Mehr (+) bezw. Weniger
war diesmal auch in besseren Qualitäten nicht leicht unterzubringen. Russische Gerste erfuhr eine leichte Befestigung. Ermäßigte Forderungen für Mixed Mais blieben unbeachtet: dagegen schien sich für La Plata - Mais auf Sommerlieferung etwas mehr Jnterefst kund zu geben.
Es uellten |ich tue Preise st'ir inländisches Getreide am
i 222.75 (-f- 4.75). Budapest April 200.50 ( + 4.55). Paris
lammern t) beigenigt ist, wie <o(gt:
Weizen
Roggen
Haler
Königsberg
225 (- 1)
158', (- 1-/,)
155 V, (— 7,]
Danzig
227 (- 3)
160 (4- 1)
160 (- )
Sletlm
218 (- 2)
155 (- 1)
156 (— 1)
Polen
224 (- 2)
151 (- 1)
151 (- )
Breslau
223 (— 2)
151 (— 2)
151 (— 3/
Berlin
223 (- )
156 (- )
169 4- 1)
Atagdeburg
216 (- 2)
156 (— 1)
165 (— 2)
Leipzig
217 (— 2)
156 (— 4)
171 (- 1)
Tresben
222 (-p 1)
158 (- 1)
164 (- 1/
Braunschweig
218 (- )
158 (- )
169 (— 1)
Rouock
- (- )
152 (— 6)
155 (— 3)
Hambiirg
214 (— 2)
160 (— 2)
172 (- )
Haimover
208 (— 2)
156 (-P 2)
166 (- )
Tusfeldori
220 (- )
159 (— 4)
163 (- )
Köln
214 (- )
160 (— )
16-7, (- )
Franksurt a.M.
223*.. (+ 1)
165 (- 1)
170 (- )
Alannhelm
232'/, (4-2V,)
170 (- )
167-/, (- )
Straßburg
227-^ (- )
175 (- 2’/,)
175 (- )
Lliillgart
23. (-2-/..)
175 (- )
163 (- )
Atiiiichen
236 (— 4)
160 (- )
160 (- )
e l t m a r f t v r c i f e: Weizen : Berlin Mai
223.50 (-j- 4.5
Märkte.
Gießet,, 15. März. Aiarklbericht. Aus heutigem Wochen- mailte to|iete: Vnller pr. Pfd. 1.05—1.25 Mk., Hühnereier 1 St. 7—00 Pfg,, Enteneier 1 St. 0 Pfg., iiäfe pr. St. 6—8 Pf., Crbscn p. Pfb. ou—00 Pfg., liinfcn p. Pfd. 00—Oü Pfg., Tauben pr. Pr. 0,80—1,00 Aik., Hühner pr. St. 1,00—1,60 Mk., Hähne pr. Stück 0,80—1,80'1)1!., Gänse pr. Pid. 60—7o Pf., Enten vr. Stück 1,80 bis 2,2u Mk., Lchsenfleisch pr. Plb. 76—84 Pig., Miil)f(eifd) pr. Pfd. 60 Psg., Aindflelsch pr. Pfund 70—74 Pfg., ^cywelnesteisch pr. Pfund 80—96 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfd. 96 Pfg., halbfleisch pr. Pfd. 72—76 Pfg., pammelsteisch pr. Pfd. 60—80 Pfg. havioiieln pr. 100 hg. 5.50—6.00 Alk., Zwiebeln per Zlr. 5,00—6,00 161., Milch per Titer 20 Pfg., Weißkraut pcr Stück 10—15 Pfg., per Zentner Alt. ü.Ou—O.öo., Aepfel per Ztr. 10—18 Mk., Innen per Zlr. 10—15 Mk. Aiüsje 100 <stüct 40—5u Pfg., per Zlr. 0—Ou Mk Marllzeil von 8—2 Uhr.
F.C. Wiesbaden. Biehhos-Marktbericht vom 14. März' Au'lrieb: Rinder 88, halber 53, Schafe 32, Schweine 368.
Tendenz: Rinder mittelmäßig, halber lebhaft, Schcuc mittelmäßig, ecljiueiue iiiitlelmatzig. Preis Durch-
pro 100 Pfd. schnillsprels Leuunö. £«lad)c- 100 Pfunü , - geiutaj: -^cociid» «chia.i,i
Ochsen. Don-buoDon-bi» j,cwlchl
Poll fleischige, ausgeniastcte, höchsten
Schlachlivcnco, hochliens 6 Jahre alt 42—46 76—80 44 78
Junge, fleischige, nicht aiisgeniaiicte und ältere aiisgemästete 38—41 73—74 39 73
Mäßig genährte junge und gut genährte altere 34—37 68—71 35
Färsen, Kühe.
Vollfleischige ausgemäsuue tzärsen höchst.
Schlachlivertes 41-44 74—77 42
Vollflenchige ausgemäslete hübe höchst.
Schlachlivertes bis zu 7 Jahren . . 35—39 67—70 37
'Heitere ansgemastete hübe und wenig gut eiilivlckelte stingerehuhe u. Qaricu 31—34 62—65 32 halbe r.
69
75
68
63
feinste Aiasl- (Vollmilchmast) und Veste
Saugkälber 52—60 87-100 56 93
Mittlere Mast- uud gute Saugkälber . 49—52 82-87 50 84
Geringere Saugkälber 45—48 75—80 46 77
o d) a < e.
Masllämmer niiö jüngere Aiasthamniel 40—00 80-00 40 80
S ch wein e.
Vollsleifchige Schweine bis zu 2 Zeutner riebeudgeivichl 54—56 69—72 55 70
VoUsleijmige Schiveilie über 2 Zelltuer
Lebendgewicht 54-56 69—72 55 70
Fleifchlge Schioeiue 53—55 68—71 54 69
Tic Nlarttpreise für Bich und Frucht uud die tz-icßencr Fleisch- und Brotpreise am 14. Rtärz 1910.
Höchste Schlachlviehpreste in F r a n f' u r t a. At.
Fleischpreise m Gießen
Ochsen
Kälber Schweine
50 Kq. Schlachtgewicht 43—47 Alk.
7, Kg. Schlachtgew. 58 -63 Pi.
7. „ , 04-56
7. Kg. 76-84 Pfg.
7, 72—76 „
'/, „ 80-96 M
Gelreibepreife in At a n n h e i m
Ärolprelse m Gießen
Weizen luu Kg. 2J.25 — uu.uu Dit. Roggen 100 Kg. 16.75—17.00 'Mk.
Loeltzbroi 2 Kg. 62 P,g.
Schwarzbrot 2 Kg. 54 Pig.
Handel nnd Verkehr, Volfsivirtid?aft.
XFranlendach, 14. Alärz. Tie Holzversteigerungen gehen ihrem Ende entgegen. Während der Raummeter Buchenjcheit- und Knüppelholz 1—2 Mk. billiger war als im Vorjahr, hielt sich das Nutzholz diesmal sehr hoch ün Preise. .Eichensttrmmholz kostete 70—75 Mk. und bei der
Nutzholzverstetgerung voriger Woche der Festmeter Tannenholz sogar 30 Mk. und mehr. Diele Interessenten taten kein GÄot, zumal Schnittstämme nur spärlich vertrete» waren.
Eingesandt.
Zur Fernsprechgebührenvorlage.
Gießen, 13. März.
Zu den Aeußerungen einiger Redner in der letzten Stadt- vcrordnetenversammlung, die in dem Berichte des „Gieß. Anz." wiedergegeben sind, darf ich folgendes erwidern:
1. Herr Eichenauer vermißt in meinen Ausführungen in Nr. 56 ein Eingehen auf die Tatsache, daß die Benutzung des Telephons ständig zunehme, daß sie täglich wachse. — Die Statistik zeigt: Tic Zahl der Sprech stellen hat in den drei Vierteljahren vom 1. April bis 31. Dezember des Jahres 1909 gegenüber, derjenigen in dem gleichen Zeiträume des Vorjahres um durchsckmittlich 10,25 v. H. zugenommen, die Zahl der Gespräche um 10,19 v. H. Die Vermehrung der Gespräche ist also relativ hinter der Vermehrung der Anschlüsse zurückgeblieben, woraus gefolgert werden kann, daß die alten Abonnenten, nicht viel mehr gesprochen haben, als int Jahre zuvor. Keinesfalls kann man m>n einer täglichen Zunahme des Sprach- oerlehcs in dem Sinne reden, wie es offenbar Herr E. gemeint hat. Ick bemerke noch ausdrücklich, daß ich hier nur das verglichen habe, was vergleichbar war, nämlich den Verke.hr der Einzelgebührenzahler, wozu genaue Unterlagen vorhanden sind. Tie Gesprächszahleit der Pauschgebührenzahler nachträglich festzustellen, ist natürlich unmöglich. Wenn mir daher entgegeuge- hälteu werden fohle, daß der Verkehr gerade dieser Teilnehmer andauernd wüchse, so tonnte ich das mit der Statistik nicht bekämpfen: das Ergebnis meiner persönlichen Beobachtungen des Verkehrs will ich nicht in die Wagschale werfen.
2. Tie Feststellung des Herrn Eichenauer, daß die Zahl der Teilnehmer jährlich um 70—30 wächst, ist richtig. Gewiß muß nach drei Jahren, wenn die Zahl 1000 überschritten ist, eine Erhöliung der Grundgebühr von 50 auf 65 Mk. und damit eine Verteuerung des Spracht)erlehrs eintreten. Aber nach der jetzigen Gebührenordnung tritt doch in jenem Falle eine Erhöhung von 60 auf 75 Mcuck (hinsichtlich der Pmischgebühr von 150 aus 160 Mark) ein! Außerdem hat doch die neue Vorlage den Gesprächs- einheitssatz von 4 Psg. gegenüber dem jetzigen von 5 Psg.! Ich meine, man muß zugcben, daß auch nach der Ausdehnung des Gießener Netzes auf die erfreuliche Höhe von über 1000 (Anschlüssen die weitaus größte Mehrzahl der Teilnehmer bei den neuen Sätzen besser fährt als bei den alten. Und hierzu möchte ich an den Herrn Handelscammer-Präsidenten, der ja auch in der Stodtverordneten-Versammlung das Wort zur Sache ergriffen hat folgenden Wunsch richten: Wenn die neue Fern sprech- gebührenvorlagc Gesetz werden sollte, was ich im Interesse der mittleren und kleinen Handel- und Gewerbetreibenden Gießens und im städtischen Gesamtinteresse hoffe, so wäre es erwünscht, baß die Handels lämmer von einer recht großen Zahl Handel- und Gewerbetreibender in den Kreisen Gießen, Alsfeld und Lauterbach Mitteilung darüber erbäte und veröffentlichte, welche Aufwendungen für den Zernsprechvcrlehr sie im letzten Jahre des Bestehens der alten Gebührensätze und im ersten Jahre unter der Wirkung der neuen Gebührensätze gemacht haben.
Schließlich sehe ich mich noch zu fo.gctrder Bemerkung veranlaßt: Ans verschiedenen mündlichen Aeußerungen entnehme ich, daß. die Tendenz meines Artikels in Nr. 56 von einigen Seiten! falsch ausgefaßt worden ist. Meine Absicht war nur, zu beweisen, daß die Begründung der Eingabe der Stadtverordneteiv'. Versammlung an den Reichstag-:
„die hiesigen Erwerbskreise und die Gießener städtischeNI Interessen würden durch die Annahme der neuen Femsprech- gebührenvorlagc geschädigt",
den Tatsachen nicht eiitspricht. Tic Frage zu prüfen und mit einiger Bestimmtheit zu beantworten, wie die neuen Satze aus die FernspreckiteilnelMer in anderen Städten wirken werden, dazu fehlt mir das Material.
H a g e m a n n, Telegraphendirektor.
Spielplan Ser oerejnigten Srantfurter Siaötthealer.
<ppcrnhau§.
Dienstag den 15. März*): ,Tosca." Mittwoch den 16. Marz, abends '/,8 Uhr: ,Tie geschiedene Frau." Donnerstag ben 17. Marz: „Madame Butterfly." Freitag den 18. März, abends l/,8 Uijv: „Tie Afrikanerin." Camslag den 19. März: ,Aida." Sonntag den ^0. 'März, nachm. 3'., Uhr: „Der Zlgeunerbaron? Abends 7 Uhr: „Die Zauberslölc." 'Montag den 21. 'Marz, abends 7,8 Uhr: „Die geschiedene Frau." Dlcuslag den 22. 'März: „Gilmram." 'Millivoch den 23. 'März, abends'/,8 Uhr: „Alessaiidro Stradella/
Schauspielhaur.
Dienstag den 15. März'): „Hedda Gabler." Mittwoch den 16. März: „Ter dunkle Puull." Tonncrsiag beit 17. 'März, abenbs 7,8 Uhr: „Das Konzert." Freitag ben 18. Atarz, abends ',,8 Uhr: „BuribanS Efel." Samstag ben 19. März: „Wenn bei junge Wem blüht." Sonntag ben 20. März, nachmittags 3'/, Uhr: „Tas Konzert." Abenbs 7 Uhr: „Des Pfarrers Tochter von Stretabort." Montag beit 21. Mär;: „Der bunkle Punkt." Dienstag ben 22. Atärz: Zum ersten Aiale: „Nimchc." 'Mittwoch ben 2j. 'März: „Hans Lange."
*) Anfang, wenn nicht anders bemerkt, abends um 7 Uhr.
Meteorologische veobachtlmgen der Station Gießen.
März
1910
Barometer auf 0° rebnzierl
c 2 Q
der Luft
Abiolnte Feuchtigkeit !
Relative Feuck'tlgkeit !
Windrichtung
Windstärke i
btx Bewölkung in gehn!«I der ; fidjib Himmelsfi.
Weller
14. 2“
751,7
6,9
41
55
SE
2
1
Sonnenschein
14. *ä,u
<51,3
2,7
4 2
75
NNE
2
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KiarerL-iMtUßf
15.
<49,0
0,1
3,8
81
N
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Bew. Himmel
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.emperatur am 13.
bis 14
D.
arz —
4- 7,0 0 C. '
yiiebviglie
■
„ 13.
» 14.
— 1,7 "0.
Beim Rauchen.
... Es ist merkwürdig und gewiß den meisten Frauen unv>-- r- j j c o° Y1C‘® Männer am Rauchen gefallen finden köm.*.i. Lnd doch muß ein eigener Genuß darin liegen, den sogar man die rrau nicht gerne mehr missen möchte.
Sei die Zigarre gut oder schlecht, so bleibt nach dem größeren oder kleineren Genüsse derselben im Munde und Rachen des Rauchers jedesmal ein unangenehmes kratzendes Gefühl, das nur zu leicht sich festsetzen und in hartnäckigen Hachenkatarrh ausarten kann. Diesen zu verhüten, gibt es kein besseres und zugleich angenehmeres Mittel als gleich nach beendeter Zigarre Zigarette oder Pfeife, einige VV ybert-Tabletten irn .Munde lang- saui zergehen zu lassen. Sofort verschwindet die unangenehme Beigabe des Rauchens, der Mund und Atem werden wieder frisch yudt»aa?cnRhto' • ßaucher daher Wybert-Tabletten beständig bei sich fuhren. V\ ybert-Tabletten können in allen Apotheken in Original schachteln a Mk. 1.— bezogen werden. Depot in Gießen: Pelikan-Apotheke, Kreuzplatz 2 ss^
Dir. Prof. Schmidt
,ir noe
een-
1 Thüringisches
Technikum Jlmenau
iwwiiiiinwill UilllvliüU Werkmeister. Prospekt.


