Ausgabe 
19.1.1910 Drittes Blatt
 
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Mittwoch, 19. Januar 1919

160* Jahrgang

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Nr. 15

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dieser Auffassung mit dem preußischen Minister des Innern eins ist und dieser wiederholt An duungen getroffen hat, fehlt für den Reichskanzler die Verfassung mäßige Voraussetzung, aus diesem Grunde sich mit dem preußischen Minister des Innern ins Ein­vernehmen zu setzen. Da die Verantwortung für Handlungen der Militärpersonen allein bei den militärischen Instanzen liegt, wird der Herr Kriegsminister nachher auf die bezüglichen Aus­führungen des Abg. Sachse eingehen. Beschwerden gegen B e - amte der preußischen V er w al.t u n g sind bisher weder an die zuständige preußische Zentralstelle, dern Minister des Innern, gelangt, noch an Den Reichskanzler. (Hort, hort!) Es fehlt also bis heute dem preußischen Minister die Möglichkeit des Eingreifens und auch dem Reichskanzler dieVoraussetzung für eine Verständigung mit den preußischen Behörden. Ich werde aber das heute vorgebrachte Material dem preußischen Minister mit der Bitte übermitteln, die Vorwürfe zu prüfen und cbentl. Remedur eintreten zu lassen. Die Erörterung der Einzel­fälle wird dann vor den preußischen Landtag zu verweisen sein. (Lachen der Soz.) Unter diesen Umstanden darf ich es mir versagen, auf die Einz-Ih-it-n der ?ni-rp-ll°twn -mzugeh-n. um so mehr, als ich versichern kann, daß der Reichskanzler Mit dem preußischen Minister darin einig ist, daß eine gleich­mäßige unparteiische Handhabung und Beach. tung der Gesetze durch die Beamten und Behörden der Bundesstaaten eine der wesentlichsten Voraussetzunoen unseres Staatslebens ist. (Lachen der Soz. Lebhafter Beifall.)

Preußischer Kriegsminister General v. Heeringen:

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Labnhos>tr^ KM ibcnploßJL^- IM* ol6f. Za-hen, bei ÄS! f ha,, kann attn guten

Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Gbecheßen

Ich sehe es als glücklichen Zufall an, daß es sich das erstemal, ] wo ich die Ehre habe, in meiner jetzigen dienstlichen Stellung } vor dem Hause zu sprechen, um die Abwehr eines An­griffs auf die Armee handelt, wie er selten so unbegründet erfolgt ist. (Lebhafter Beifall. Gelächter bei den Sozialdemo­kraten.) Ter Vertreter des Reichskanzlers hat Ihnen bereits < auseinandergeseht, daß von den zuständigen Behörden die Auf­forderung an das Generalkommando des IV. Armeekorps erging, Truppen in das Streikgebiet zu schicken, weil die Polizeibehörde für die Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung nicht mehr genügte. Die Militärbehörde ist gar nicht dafür da, hat gar nicht das Recht, diese Aufforderung nachzuprüfen; sie hat einfach die Pflicht, wenn die zuständige Behörde ruft, ihr zu so.gen, ob Feuer- und Wassersnot oder eine onberc Ursache, im vor­liegenden Falle aufgehetzte Arbeiter. (Lebhafter Bei- all rechts, Lärmen der Sozialdemokratei? und Zurus: Wer hat aufgehetzt? Weitere Zurufe.) Auf die Dienstmädchen komme ich später. (Heiterkeit, großer Lärm; Vizepräsident Prinz zu Hohenlohe kann nur durch energisches Einschreiten dem Kriegs- Minister Gehör verschaffen.) Wir müsien einfach an Ort und Stelle gehen und unsere Pflicht und Schuldigkeit tun. Ter kommandierende General hat alsbald diejenige Truppenmacht ausrücken lassen, die er bei der ungeklärten Lage für unbedingt erforderlich hielt. Man hat sich darüber aufgeregt, daß der Truppe Maschinengewehre mitgegeben waren. Ja, kein Mensch hat befohlen, daß die Maschinengewehre extra mitgenommen werden sollten. Tas ist ein integrierender Bestandteil der Truppe. Ebensogut wie die Infanterie ihre Gewehre mitnimmt, nimmt sie auch ihre Maschinengewehre mit; sonst könnte man auch der Kavallerie sagen: Laßt die Lanzen zu Hause! (Heiterkeit.) Es war aber um so notwendiger, als die Truppenzahl verhältnis­mäßig gering war. Die Lage, die die Truppe im Streikgebiet vorfand, war allerdings erheblich weniger harmlos, als der Vorredner hier geschildert hat. (Sehr richtig!

Zunächst hatte am Tage vorher eine nach Tausenden zahlende Volksmenge versucht, die Gendarmen nicht nur an die Wand zu drücken sondern ihnen auch die Wasfen zu entreißen (Hört! Hört!), so daß tatsächlich die Gendarmen ihres Lebens nicht sicher waren und ihre Aufgabe nicht erfüllen konnten. Tie Truppe war gleich am ersten Tage bis in die Nacht tätig, nicht nur Frauen und Kinder, sondern einen 400 Köpfe zählenden Streik­hausen vor der Fabrik zu vertreiben. Am folgenden Tage leiteten zwei Kompagnien Arbeitswillige durch Hettstedt und durch eine nach Tausenden zählende Menge, allerdings auch Frauen und Kinder, aber in allererster Linie Streikende. (Abg. Sachse^rust: Nicht wahr! Der Präsident ersucht den Abgeordneten eadne, feine fortwährenden Zwischenrufe zu unterlaßen, da er ihn sonst zur Ordnung rufen müsse.) Erst nach zweimaligem Trommelwirbel gmg die Menge zurück, aber Gott sei Tank, sie ging zurück, so daß die Truppe nicht nötig hatte, von der Waffe Gebrauch zu machen. (Hört! hört! rechts, fortwährende Un­ruhe der Sozialdemokraten.) Die Koalitionsfreiheit ist von der Truppe von keiner Seite angegriffen worden; damit haben wir überhaupt nichts zu tun. (Lärm der Sozialdemo, t'raten.) Wir schützen Leben und Ordnung und damit fertig! Für die Truppe begann ein anstrengender Dienst. Ueber drei Wochen lang war sie nicht aus den Kleidern gekommen. (Lärm der Sozialdemokraten.) Wenn Sie die Leute an Ort und Stelle gesehen hatten, so würden Sie gesehen haben, welchen ermüdeten angestrengten Eindruck die Leute machten. (Fortwährende Zurufe der Soz.) Ob es sich um reichstreue Ar­beiter handelt oder nicht, ist für die Armee einerlei. Für uns kommt es nur darauf an, ob der Arbeiter Ruhe und Ordnung halt oder nicht. Tas ist das Einzige. (Beifall rechts.)

Daß die Truppe mit großer Besonnenheit vorwärts ge­gangen ist, daß sie sich von jeder Provokation ferngehalten hat, das geht daraus hervor, daß erstens überhaupt kein Zusam­menstoß mit der Bevölkerung stattgefunden hat, und zweitens, aus der geringen Zahl Der Verhaftungen. Ich erkenne ohne weiteres an, daß auch die Streikleitung sich be­müht hat, Zusammenstöße zu vermeiden. Es ist wiederholt tn Rundschreiben und auch sonst aufgefordert worden, keine Ver­anlassung zu Zusammenstößen zu geben. (Hört! Hort! b. d. Soz.) Aber diese Anerkennung hat einen Beigeschmack! Es heißt näm­lich immer dabei: solange das Militär da bleivt. (Hört! Hört! rechts.) Und die Berichte stimmen dann überein, daß, sobald unsere Truppe den Streikenden den Rücken wandte, die Tätlichkeiten gegen die Arbeitswilligen wieder ausgenommen wurden. Alltäglich ist beim Generalkommando erwogen worden, die Truppe zurückzuziehen; denn toahrhaftig, der Armee macht es keinen Spaß; wir können unsere Zeit besser verwenden. (Lärm der Soz. Beifall rechts.) Aber alle Tage hat man wieder zu seinem Bedauern zu Der Ueberzeugung kommen müssen, daß Die Zeit noch nicht gekommen war, und erst, nachdem der Streik em» gestellt, nachdem Ruhe und Ordnung eingekehrt war, konnte man die Truppe wieder zurückziehen. Wenn man das E r g e b n i s der Anklagen des Herrn Sachse zusammenfaßt, so ist es ein höllisch mageres. (Sehr richtigl) Sdj habe mich gewundert, daß alles so glatt abging. (Vizepräsident Erbprinz zu Hohenlohe ersucht wiederholt die Abgg. Hue und Sachse, ihre Zwischenrufe zu unterlaßen. Sie sind auch nicht durch die Ver­treter der Negierung gestört worden, und ich muß Sie dringend bitten, Gegenseitigkeit walten zu laßen. Lebhafter Beifall.)

Auf die Frage, die in der Interpellation gestellt wird, habe sch folgendes zu erklären: Es ist richtig, daß aus Anlaß deS Streikes im Mansfelder Bergrevier Militär zugezogen worden ist und dort bis gegen Ende des Streikes verblieben ist. Nach Artikel 66 der Reichsverfassung sind die Bundesfürsten berechtigt, ihre Truppen zu polizeilichen Zwecken zu verwenden und berech­tigt, die Truppen anderer Kontingente, Die in Der Umgegend dis­lozieren, zu requirieren. Ich habe zunächst zu prüfen, ob die Verwendung des Militärs im vorliegenden Falle im Einklang mit den Bestimmungen der Reichsverfassuna erfolgt ist. In dieser Beziehung habe ich festzustellen, daß oas Militär herbei­gerufen wurde durch die zuständigen Landräte, nicht etwa von der preußischen Bergbehörde, wie behauptet wurde, nachdem am 21. Oktober in Hettstadt eine nach, Tausende zählende Menge, in der sich allerdings auch Frauen und Kinder befanden, schwere Ausschreitungen verübt hatten (Lärm bei den Sozialdemokraten), Der gegenüber die tn geringer Zahl verfügbaren Polizeigendar­meriemannschaften sich als wehrlos gezeigt hätten. (Hort, hort! rechts.) Unter diesen Umständen ist das Heranziehen des Mili­tärs im Einklang mit den Vorschriften der Ver­fassung erfolgt. (Zuruf der Soz.: Welche Ausschreitungen?) Ausschreitungen, die dem Gericht Veranlassung zu einer Anklage wegen Landfriedensbruchs gegeben haben. Ter Tatbestand wird durch die gerichtliche Verhandlung festgestellt werden. Es ist einwandsfrei festgestellt, daß eine große Anzahl von Arbeits­willigen aus der Menge heraus nicht nur beleidigt, beschimpft, bespien ist, daß schließlich die Mannschaften Der Gendarmerie und Der Polizei von Der tobenDen SDtenqe an Die Mauer gedruckt sind. (Hu, hu! bei den Soz.) Mit dieser Feststellung fällt auch die Behauptung, daß das Militär herbeigerufen sei, um die Berg­arbeiter in Der Ausübung des Koalitions rechtes zu beschränken. Die Frage, ob bei Unruhen, Die aus Anlaß eines Streikes drohen oder entstehen, Militär zur Hilfe zu rufen ist oder nicht, ist zu entscheiden unabhängig davon, welches die Ur­sache des Streikes gewesen ist. Die Polizeibehörden haben die Pflicht, Die öffentliche Ruhe unD OrDnung aufrecht zu erhalten mit den erreichbaren verfassungsmäßigen Mitteln, ohne erst auf Die Ursachen, Die Die öffentliche Ruhe unb OrDnung gestört oDer be- Droht haben, einzugehen. Dabei ist aber Der Reichskanzler Der Ansicht, daß grundsätzlich die Polizeibehörden in Die Lage gesetzt werden sollen, ohne militärische Hilfe nach Möglich­keit ihre Pflicht zu erfüllen. Da der Reichskanzler aber in

Deutscher Reichstag.

j. Sitzung, Dienstag, 18. Januar.

Am Tische Des Bundesrats: Dr. Delbrück, v. Heerin- ^^Vizepräsident Dr. Spahn eröffnet die Sitzung um 1 Uhr £15 Minuten.

Die Interpellation über den ManSfelder Bergarbeiterstreik.

Die Interpellation der Sozialdemokraten lautet:

Ist dem Herrn Reichskanzler bekannt, daß bei dem kürzlich km Mansfelder Bergrevier ausgebrochenen Bergarbeiterstreik Militär zugezogen ist, um den Bergarbeitern die Ausübung ihres reichsgesetzlich gewährleisteten Koalitionsrechts zu erschweren und sie an des)en Ausübung zu hindern? .

Ist dem Herrn Reichskanzler ferner bekannt, daß bei diesem Streik Offiziere und Beamte sich viele Verstöße gegen Reichs- gesehe zu schulden fommen ließen?

"Was gedenkt der Herr Reichskanzler zu tun, um solchen Vor­kommnissen für die Zukunft vorzubeugen?

Staatssekretär Dr. Delbrück erklärt sich zur sofortigen Be­antwortung bereit.

Abg. Sachse (Soz.) BegrünDet Die Interpellation. Es ist ein starkes Stück, wenn wie es im MansfelDer Revier geschehen ist gegen ruhige Arbei­ter Militär aufgeboten wirb. Man hat versucht. Die Arbeiter nut Gewalt Daran zu hinDern, sich zu organisieren. Ein Heer von Spitzeln wurde gegen sie aufgeboten. Auch Die Gerichte stellten sich auf einen ganz rüifftänDigen, russischen StanDpunkt. Arbei­ter, die zwanzig Jahre in einer Stelle tätig gewesen waren, wur­den erbarmungslos auf die Straße geworfen, weil sie sich unserem Verbände anschloßen. (Pfui-Rufe bei den Soz.) Sogar ein Par­lamentarier erklärte, die Arbeiter brauchten dort keine Organisa­tion, weil nur ein einziger Unternehmer vorhanden sei. Dr. Arendt kennt wohl Den Parlamentarier. (Heiterkeit.) Welche Naivetät! Die reichstreue, gelbe Wirtschaft in Mansfeld hat zu einer unglaublichen Korruption unter Den Beamten geführt. Wei­bergeschichten spielen eine große Rolle. (Hört! hört!) Die Arbeit ter mußten oft sechs Wochen auf Lohn warten. Abschlagszahlun­gen wurDen chnen verweigert Es tourDen wahre Jämmerlöhne ge­zahlt. Die hohen Beamten bezogen aber ungeheure Tantiemen.

Der GesundheitszustanD hat sich ungeheuer verschlechtert. Im Jahre 1906 waren 38,2 Proz. der Arbeiter krank, 1907 aber schon 84,1 Proz. Der ReDner schildert eingehend Die Arbeitsverhältmsse im MansfelDer Revier. (Vizepräsident Dr. Spahn bittet Den ReDner wiederholt, sich mehr an Den Gegenstand Der Interpellation zu halten.) In höchst einseitiger Weise ergriffen Regierung und Militärbehörde gegen die Arbeiter Partei. Auch der preußische HanDelsminister lehnte eine Vermittlung ab, weil sie nicht erfolgversprechend sei, da Meinungsverschiedenheiten vorhan­den seien. Das konnte uns jeder Nachtwächter auch sagen. Die Heranziehung des Militärs war völlig überflüssig. In Hettstadt hat ein Streikbrecher einen Dolch gegen eine Frau er» fjoben. Streikende hielten ihn zurück. Darin sah man einen Auf­ruhr und rückte mit Maschinengewehren an. Allerlei Ammen­märchen schwirrten umher. Nach DerMagdeb. Ztg." wurden 9000 bewaffnete Bergarbeiter au5 Bochum erwartet. _ (Heiterkeit.) Streikende sah man auf Den Straßen überhaupt nicht, nur die Kstider schauten Dem Theater zu. Die Straßen wurden abgesperrt, und als einige Monteure, Die gar nicht zu Den Streikenden gehör­ten, zu ihrer Arbeitsstätte wollten, ließ Der Unteroffizier scharf laden, und er erklärte: Wenn Ihr mit einem Worte muckst, laße ich Euch erschießen! (Großer Lärm links, Rufe bei Den Soz.: Skandal !) Ein kleines Dienstmädchen wurde von einem Unter­offizier und fünf Mann mit geladenen Gewehren zur Wache ge­bracht. (Heiterkeit.) Wer hat so unsinnige Instruktio­nen gegeben? Wenn in Mansfeld kein Tropfen Blut vergoßen wurde, so ist Das unser Verdienst. (Lachen rechts.) Die Ge­richte zeigten sich ebenfalls nicht auf der Höhe. Sie verurteilten auf Grund einer Polizeiverordnung aus Dem Jahre 1798. Wie verträgt eS sich mit der Offiziersehre, wenn ein Leutnant Drohte, einen Jungen, Der Flugblätter austrug zu erschießen? (Lärm links.) Schamlos war auch das Verhältnis einzelner Polizeiorgane. (VizepräsiDent Dr. Spahn rügt Den Ausdruck. Man könne solche Tatsachen auch ohne verletzenDe Bemerkungen anführen.) Die LanDräte ftanDen ganz auf Dem UnternehmerstanDpunkt. Das ist Pflichtverletzung. Der Streik hat aber jetzt endlich die Mansfelder Arbeiter auf Den rechten Weg geführt. (Beifall bei Den Soz.)

Staatssekretär Dr. Delbrück:

Der Kriegsminister fährt fort: Selbstverständlich hat niemand etwas Dagegen, Daß ein Mann mit einer weißen Binde herum- läuft und rür Ordnung sorgt. Wenn es sich nur wirklich um Ordnungsstifter gehandelt hätte. Gegen Ordnungsrnanner ist tatsächlich nur da emgeschritten worden, wo sie ihr^ sogenanntes Amt *m lautester provokatorischer Weise in unmittelbarster Nahe der Truppe auszuubcn suchten. Sa lautet Die Instruktion und so lauten auch die tatsächlichen Berichte. Der Kriegsminister verliest Die Bestimmungen über Den Waffen geb r au ch. (Abg. Sachse tust: UnD all Das stimmte hier nicht!) Das stimmt alles nicht, sehr richtig, unD Da Das nicht stimmt, stimmt auch wahr­scheinlich Das Benehmen Des Unteroffiziers nicht, das geidulDert toorDen ist. (Heiterkeit.) Ich konstatiere nur eins: Auch bis heute ist an mich nicht Die Idee einer Beschwerde aus dem Steiff gebiet gekommen, und Sie sind Doch sonst Nicht so beschei­den? (Heiterkeit. Lärm der Soz.)

Ich komme jetzt auf das Dienstmädchen und die Frauen von Kelbra. Es 'hat ja sehr schön geklungen,, hat auch in Den Zeitungen sehr schon gestanden, hat nur Den einen Nachteil, daß es absolut unwahr ist. (Große Heiterkeil.) , Es fft überhaupt in Dem ganzen Streikaebiet keine einzige r a u b e r - haftet worden. Nachdem DaS m Der Zeitung stand und ich diesen Roman las, habe ich mich gewundert unö habe das Ge­neralkommando zum Bericht aufgefordert, und e- hat berichtet, von feiten der Soldaten ist keine Frau verhaftet worden. (Zu­rufe: Aber Mädchew) Wenn ich sage, keine Frau verhaftet, dann ist auch kein Mädchen verhaftet. (Große Hchterkeit.j Ein Mann, der in die Pferde gefallenDer Mann ist mit Absicht hineingefallen, und daß man sich das nicht gefallen laßt, ist klar. Er ist verhaftet worden und wehrte sich derartig gegen seine Ver- fVifhino dasi das ganze Gefängnis habet in Trum- ...... - g. (Große Heiterkeit.) Gewiß Jinb jMugblatter ange^ halten "worden. § SO des Neichspreßgesetzes laßt den § 10 des preußischen Gesetzes von 1850 noch in Kraft, wonach unentgeltliche Verteilung von Flugblättern an die Genehmigung Der Orivve- Hörde gefunden $. °<»derspruch der S°-.) ®4®S ?"S war in vorliegenDem Falle nicht erfolgt. ®ei*er.'»V; © Sachse Beschwerde, daß der kommandierende Genercck keine Slnt wort erteilt habe, als er eine Depesche bekam. Ich habe Hn Danacfi gefragt, aber ich glaube, er hat es nicht getan- «3 fiätte es auch nicht getan, weil Die -Depesche in ostentativer Weife unterzeichnet war:Der Streikleiter, gezeichnet Sachse. Mit solcken Instanzen braucht man, glaube ich. Nicht zu verhan­deln. (Großer Lärm Der Soz.) Im übrigen war eme Antwort auch gar nicht notwendig, Denn die Sache war bereits erledigt. Nim kommt der Vorgang in Kelbra, wo ein Offizier mit eßen gedroht haben soll. Der Tatbestand ist einfach io.Ein ^nge. Der Flugblätter verteilt hatte, lief weg. Der Posten hinter ihm her. ^Der Offizier fragte nachher den Posten,, warum er nicht aeschosieu hat und Da sagte Der Mann einfach sehr Wichtig. Weil der öctrcffcnbe noch nickt verhaftet sit; und da sagte der Offizier: Da haben Sie sehr reckt getan. (Heiterkeit.). _ - m

Also ich sage: e s i st s e h r w e n i g h e r a u s g,! k o m men. Die Armee zählt solche Vergnügungen wahrhaftig nickt oU ihren Annehmlichkeiten. S e I b st d a s t a t e n b u i ft t e Mit. glteD der Armee weiß ganz genau daß auf der Straße uns ke'ine Lorbeeren blühen, rmd daß wrn unsere Zeit besser zu verwenden haben, um uns aeschiöst machen zur Verteidigung des Vaterlandes (Beifall?) Ebenso, aber müssen wir betonen, wenn wir berufen werden, werden imt fett st-hen um Ruhe und Ordnung unter allen Umstanden cmfrecht zu -rd°U°n. lStiirmischr, wi-d°rtz°It° B°°lls-undg-bung°-,

)

Auf Antrag Singer (Soz.) wird einstimmig Be, sprechung beschloßen.

Abg. Dr. Arendt (Rp.):

Auch ich begrüße mit großer Freude, daß in Blut gefloßen ist. DaS danken wir Der autzerorDentlich kalt blutigen Umsicht Der Gendarmen unD Dem tat* kräftigen Eingreifen Des Militärs. Das ist i^t nur Die Anschauung Der bürgerlichen.Kreise. Auch H?rr Sach^ mutz, wenn er ein Gewissen hat, in erster Linie Dem Militär dm- text Ich kann ihnen aus meinen an Ort und stelle vorgenomme- neu Ermittelungen unD Den Unterhaltungen, die ich mit allen

Hon her TOanSf elDer Bevölkerung gehabt habe, kin vollkommen anderes Bild Der Dinge geben, wie sie sich m Wir^ lichkeit Dort gestaltet haben. Ter Redner mach Mitteilungen nach Schilderungen von A u g e n z e u g e n. Da hat Herr Sachse alle^ Dings in einer Versammlung am Schluß ge,agt. verhaltet Euch ruhig! Aber was er vorher in Der ganzen Rede gesagt hatte, wirkte eben dahin, daß Die Leute auf die S t r a tz e g in g e i^ (Aba Sachse ruft: Hierauf kommt es nicht an!) Auf Die Sat« sachS'kommt es an, daß die Streilunruhen unmittelbar nach der Versammlung begannen; das d<..gt den Zusammenhang. Die Sachen waren vollständig organisiert mit Radfahrerkundschaftern, mit ausgegebenen Paroleworten. Die Gendarmen wurden am Schutze Der Arbeitswilligen verhindert. Frauen mit Kindern aus dem Arm bespuckten die Arbeitswilligen, bewarfen sie mit Steinen Leute mußten ins Krankenhaus gebracht werden, einer sogar Irrenhaus. Dieseharmlosen" Vorgänge haben Darm bestanden, daß aeaen 14 Personen eine Voruntersuchung wegen der Ver­brecht deL komplizierten und einfachen Landsrieden-bruchs schwebt, außerdem sind 135 Strafanzeigen erlaßen und 85 Straff fammeranträge erhoben. . w 6 .._

Nicht zum Schutze des Arbeitgebers, sondern der Arbeits­willigen ist das Militär gekommen. Die zuständigen Behörden hätten sich einer Pflichtvergessenheit schuldig gemacht, wenn sie es nicht gerufen hätten. Die Arbeitswilligen waren in Lebensgefahr. Ohne das Militär wäre alles brünier und Drüber gegangen. Es hätte ein Blutvergießen gegeben, ein großes Unglück wcwe eingetreten. Das Herr Sachse auf dem Gewissen hatte. (Sehr richtig! rechts.) Hätte der Staat nicht geholfen, so hatten Die Arbeiter alles Vertrauen zu ihm verlieren müssen. An Die Dumm­heiten Sachseö, als ob die Werke in die Luft gesprengt rverden sollten, hat kein Mensch geglaubt. (Lärm b. b. Soz.) Ich uenne Dummheiten nur die Tatarennachrichten. Herrn Sachse gegenüber werde ich einen solchen Ausdruck wenigstens hier nicht gebrauchen. (Heiterkeit.) DaS Militär war ein wahrer Segen. Demgegenüber fällt es nicht so schwer ins Gewicht, wenn hier und da ein Unteroffizier oder ein Leutnant sich inkorrekt be­nommen hat. Die Mansfelder Knappen sind immer noch rcichs- hxue Männer. Ein alter Bergmann, Der mitgestreikt hatte, er­klärte mir offen: Wenn Der Kaiser ruft, Dann jagen wir alle Roten zum Teufel! (Beifall rechts.)

In Mansfeld handelte es sich gar nicht um Die Organisation, ; sondern um Die Agitation. Die svzialDemokratische Verletzung ; sollte zurückgewiesen werDen. Gegen christliche Gewerk)chaften : ist man niemals vorgegangen. (Rufe: Oho! im Zentr.) Das ganze Gerede, daß die staatsbürgerliche Freiheit der Bergleute beschränkt werden sollte, ist völlig haltlos. Es war em Streik Der Minderheit, bei dem mit Den lächerlichsten Nachr ich- . ten gearbeitet tourDe. So tourDe berichtet, Daß Durch 50 Mil- > tionen aus EnglanD Die Streikkassen so voll seien, Daß DaS Geld auf die Nachbarorte verteilt werden mutzte. Auch Arbeitswilliae