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18.5.1910 Zweites Blatt
 
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Mittwoch IS.Wini 1910

Zweites Blatt

Nr. 113

Erscheint tögNch mit Ausnahme deS Somckags.

cm

Kampfe sind auch die Nepiernnge». I internationale Ronferenn, die sich

In Paris taqt zurzeit eine

160. Jahrgang

Di«Gtetzener Lamitteadlitter" werden dem .Anzeiger' vrermal wöchentlich beigelegt, daS Krcbblah ffir de« Kreis Sieh en" zweimal wöchentlich. Diecmidwirtichastllchrn Seit» fragen" erscheinen monatlich zweimal.

nahmen sind die Ministerialerlasse an die Provmzialschulkollegien hervorzuyeben, die eine ganz hervorragende Tätigkeit der fid) schon früher tm Kampfe auszcichneuden Schule herbeigesuhrt haben.

Rotationsdruck und Verlag der Brübl'schen UniocrfitätS - Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Ließen.

gaben anjuerlennen.

2 Tic Jugendfürsorge begreift alle Maßnahmen in sich, die sich auf ^d;u(\ und Bewahrung, Pflege und Erziehung bee lieranroadTfcnbcn Geschlechts beziehen. Sie muh fid) aus die gesamte Jugend des Volkes erstrecken, fotocit sie deren gesunde Entwicklung nicht bereits in den lstmslichen Verhälttüfsen und in der Familienerziehung die im sozialen Interesse nvttvcndige Sidxrheit gegeben ist.

3. Jugendfürsorge ist eine Aufgabe der (Gesamtheit, in erster Linie deS Staates und der Gemeinden. Tie private Beteiligung an ihren Bestrebungen muh als Ausfluss sozialen Pflichtgefühls austreten.

-l. Ter deutsche Lehrerstand betrachtet die Jugendstirsorge als eine notwendige Ergänzung und Förderung seiner päda­gogischen Tätigkeit. Vermöge seiner erzieherischen Pflicht suhlt er sich berufen, aus diesem Arbeitsgebiete sich in Gemeinschast mit anderen Ständen besonders zu betätigen.

5. Tic Deutsche Lehrerversammlung empfiehlt darum den Verbäudeu des Deutsdrcn Lehrervereins und ihren Mitgliedern: a) die Durchführung der zu Schutz und Pflege der Jugend erlassenen Gesetze uiid Bestimmuugen mit aflcn Kräften zu fördern und da, wo es nötig crfdKint, deren Erweiterung cmr- Aufttcbcn; b sich an der Arbeit der vorhandenen öffentliche» und privaten Fürsorgeorganisationen tatkräftig zu beteiligen und, wo solche Körperschaften nod) fehlen, ihre Begründung und zweckmäßige Eutrichtung anzuregen.

Nadi lurzer Aussprache werden die Leitsätze angenommen. Tamit war die heutige Tagesordnung erledigt und die Beratungen wurden auf morgen vertagt.

nachten ergangen. ------------ . ,

Grafen Wedel und dem istaatsfekretar Zorn v. Bulach, bar sie den bischöflichen Machtansprüchen entgegen* getreten und das Recht der deutschen.Lehrer, in etanbeewnge« legenhcitcn nach eigenem Ermessen zu entscheiden, gewahrt hatten.

Der Vorsitzende Rohl dankte dem Redner Mit Den SBortai, daß dieser schon längst aufgehört halte, der Schubert der Bayern zu sein, er sei der Schubert aller Deutschen.

hierauf berid)tcte Rektor Hohne Berlin über das Thema Jugendfürsorge. Ei' begründete solgende Leitsätze:

1. Tic wirtschaftlichen und sozialen $crhältniffe unserer 3«it nötigen dazu, eine redüzeitige, umfassende und planmäßig geordnete Jugendfürsorge als eine der dringendsten ShHhtraiif-

Technische Wunder im Altertum.

Bor kurzem ist im Verlag von Julius Springer (Berlin) ein Werk des Ingenieurs Kürt Merkel erschienen, das unter dein TitelTic Zngenieurtechnik des Altertums" die großen tcrti Nischen Leistungen der alten Völker schildert. Im Anschluß an einige darin verzeichnete Leistungen wird in derWelt der Technik" die Frage ausgeworfen, ob wir denn mit Recht so ver »chtlich a,f die technischen Leistungen alter und ältester Zeit hcrabsehen dürfen. Haben wir noch so viel Recht, auf die Er ihauiing des Suezkanals stolz zu sein, .wenn wir erfahren, daß ägyptische Ingenieure ohne Dampskraft und ohne Maschulen das gleiche Werk zu verschiedenen Malen vollbrachten? Schon unter den Pharaonen Sethos I. und Ramses JI. wurde ein Kanal vom Nil bis zum Roten Meer gegraben und damit die Seesttaße von Europa nad) Indien eröffnet. Jahrhunderte hindurch wurde dieser Kanal benutzt, schließlich aber vernachlässigt, so daß er versandete 900 Jahre bernad) begann Necho II. den Bau eines zweiten Känales zwischen Bnbastis am Nil und dem Roten Meer, aber er untere brach dieses Werk, da ein Orakelspruch ihm verkündete, er arbeite nur zum Vorteil fremder Völker. Ter Perserkönig Darius nahm die Arbeit trieber auf, führte sie fast zu Ende, zerstörte sie aber zum Teil wieder und ließ eine Säule mit der merkwürdigen In- 'christ setzen:Ich befahl diesen Kanal zu graben vom Strome Nil an, welcher in Aegypten fließet bis zum Meer hin, von ?wa an bis zu dem Gestade und zerstörte den halben Kanal, weil dies mein Wille war." Wahrsckfeinlich fürchtete der Perserkönig, das Rote Meer liege höher als Unterägypten und die Meeres» fluten müßten sich daher über Aegypten ergießen und es ersäufen. Ptolemäus Philadelphus, der besser orientiert war, nahm den Bau wieder au, und vermehrte die.Anzahl der Schleusen. Trotz­dem dieser dritte Kanal immer mehr versandete, gelang es nach her Schlacht von Aktium doch einigen Schissen der Kleopatra, sich burd) ihn zu retten. >

Wie diese Kanäle fielen auch alle anderen großen Wasser­bauten Aegyptens der völligen Zerstörung anheim. Eine kaum minder große technische Leistung war die XSrbaiamg eines an­deren Kanals in der Nähe des ersten Nilkatarafts bei Philä. )?od) fetzt existieren auf den dortigen Felseninseln Inschriften des Inhalts, daß zur Zeit des Königs ülfertcfen (2000 vor unserer Zeitrechnung, ein großer Kanalzur Umgehung.der Wasserfälle" gcgrabcii war, der den Namen führteSchönste der Straßen des Königs Uferkfen".

Eine gewaltige Wafseranlage muß auch der Mörissee gewesen sein, von dem heute keine Spur mehr auffinbbar ist. Ihn nennt Herobot das gewaltigste Werk seiner Zeit, ein Weltwunder. Sein Umfang maß 3000 Stadien (660 Km.), feine Tiefe betrug 50

Ausfluß der religiösen Unduldsamkeit, sei gevadezu zu Werd' hten ergangen Der Redner dankt dem Statthalter

Eine beträd)tlid)e Anzahl von odptlaborbnnngen ist in den Stampf eingetreten. Mittel zur Bekäinpfung des Uebels sind: Etrafrecht- liche Verfolgung, soweit sie möglid) ist, Ausfdfließnng berjenigen Geschäfte, bfe nicht unmittelbar gegen bas Strafgesetzbuch ver­stoßen, Versammlungen, Ausstellungen guter uub schlechter Bucher mit Verzeichnissen, Jlug- und Merkblätter, (Srünbung von Volks­büchereien und Verstäikiing von Sd)ülerbibliotheken unter Iräftiger Unterstützung bet SDlagifiratc, Mitwirkung der Geistlichkeit, Ein­richtung von Kinderlesehallen unb Lesenachmittagen (in Verbindung mit den Volksbibliotheken), Heranziehung der Presse.

Ein Lager des Lerxes. In der Nähe von Saloniki sind, wie dieRevue" berichtet, eine Reilfc alten Erbhügel untersucht worden, und man hat Gräber aingebcdt, die auf die Zeit deS Perserkönigs Lerxes ?,urüdgcl)en. Unterirdische Räume, die mit steinernen Türen verschlossen waren, enthielten aud, Reste von Statuen. Man befindet sich hier an einer Stelle, an der das gewaltige Heer des Terxes auf seinem Marsche nacty Tbeffalien ein Lager aufgcfd}lagcn hatte. T4c Regierung hat Aus- grabungen an dieser Stätte angeordnet.

* Unverdiente Ehrung. Eine hübsche Anekdote vost Roberto B r a c c o erzählt der Messaggero. Vor zwei oder drei Jahren wollte iid) der Dichter auf bei Durchreise burd) Rom einen neuen Hut lausen. Als er in einem Hittgeschäft seine Wahl getroffen hatte, jagte er dem Hänblcr seinen Namen und feine. Abresse, damit ihm der Hut zugesandt würde. Kaum aber hatte der brave Huthändler den Namen Braeeo gehört, als er mit dem Ausdruck höchster Begeisterung ausrief:Ah, Roberto Braeeo! Sie also sind der Dickiter desNomattticismo"! Erlauben Sie mir, daß ich zum Ausdruck meiner Bewunderung Ihnen den Hut, den Sic mir die Ehre gegeben haben, bei mir zu. kaufen, etwas billiger lasse!" Und mit diesen Worten gab der Mann Roberto Braeeo eine Lire heraus, der sie auch ruhig einstecktc. Kaum hatte er jedoch die Tür hinter sich zugemacht, als ihm das Gewissen schlug und er zum nächsten Postamt ging, wo er eine Postanweisung über eine Lire an Gerolamo Rovetto schickte itnb auf den Abschnitt schriebeLieber Monn, da id) ein Ehrenmann bin, schicke ich Dir eine Lire, die mir ein Huthändler, der Dein Bewunderer ist, auf einen Hut, den ich mir kaufte, herausgegebew hat, in der irrtümlichen Ucberjeugung, der Autor desRoman- ticismo" wäre Dein Roberto Braeeo."

Kurse Nachrichten aus Kunst u. W i s s c n s ch a f t. Im Oktober 1910 findet die Eröffnung der neu gegründeten Handelshochschule München statt, der sechsten in Deutschland

Redaktion, Expedition unb Druckerei: Schul­straße 7. Expedition unb Vertag: «E bl. Redaktion:^K112.rel.-Adr.:AnzeigerGreben.

Unternehmer dieser Gigantenarbeit 700 Milliarden Kubikmeteo Erde weggeschafft. Nimmt man nun an, .daß und bei den damaligen Transportverhältniffen war dies wohl nickst andere möglich die Tagesleistung eines Arbeiters tauf einen Kubik­meter veranschlagt werben kann, so hätten zur Bewältigung des ganzen Erbauantums etwa zwei Millionen Mensckxm ein Jahr hundert lang beschäftigt werben müssen. Wenn aber Möris diese Arbeit während feiner 40 jährigen Regierungszeit verrichten lieft, müßten ständig fünf Millionen Menschen damit beschäftigt ge­wesen sein.

Großartige technische Leistungen smd auch die Bewässerungs­anlagen der Aegypter, Ehalbäer und Babylonier. Wie gewaltig -sie waren, hat sich erst gezeigt, als man diese Pläne in Aegypten und Babylonien wieder aufnahm.

Der Börsen verein berDeu Ischen Buchhändler z u Leipzig hat sich in seiner am 24. April 1910 zu Leipzig ab­gehaltenen Hauptversammlung erneut mit der Bekämpfung der Schmutz- und Schiindliteratur beiaßt. Aus dem Wc{d)ä<t5berid)t für das Vereinsjahr 1909 1" wurde bekannt gegeben, daß die in der Hauptversammlung 1909 gefaßte Entschließung an zahlreiche deutsche Zeitungen versandt worden sei und der darin enthaltene Aufruf zum Kampf gegen dieses liebel in weiten Kreisen Widerhall gefunden habe. Die Durchführung habe sich aber im einzelnen weit schwieriger erwiesen, als sich dies bei Annahme der Ent­schließung in der Hauptversammlung vermuten ließ. Den Worten des (Geschäftsberichts ick)loß der Erste Vorsteher des Börsenvereins die Erkläiung an, daß der Vorstand des Börsenvereins nach wie vor auf dein Standpunkt stünde, daß es niemals Aufgabe des Börsenvereiiis fein könne, den Erzeugnissen der Literatur und Kunst gegenüber sich ein Zensorenamt anzumaßen, dagegen werbe er auch in Zukunft solchen Erzeugnissen gegenüber, bei denen das un­züchtige Moment das künstlerische oder literarische tn inizweifel- ijaher Weise überwiege, nut öenjenißen Maßnahmen vorgehen, die die Satzungen imb der Zweck des Börsenverems zur Pslickst mad)cn. Eine wesentliche Einschränkung der Schuiidliteratur scheint in Göttingen, Bonn, Hanau, Düsseldorf, Berlin (namentlich in einigen Vororten) erreicht zu sein. Demgegenüber sind auch Meldungen über Zunahme der Schundliteratur vorhanden, vor allem aus dem rheinisch-westfälischen Industriegebiet und vom stachen Lande, ivo der Kampf nod) nicht organisiert sei. Auck) einzelne Großstädte: Dresden, Breslau, meldeten stärkeres Hervortreten. Von Hamburg wirb berichtet, daß der Schund sich nicht mehr so frech hervor­dränge und anscheinend etwas zurückgeaangen ist. Beteiligt am

Allgemeiner Deutscher Lehrertag.

'4. Straßburg i. E, 17. Mai.

Im Mittelpunkt des gestrigen Begrüßungsabends, über dessen Beginn wir bereits berichtet haben, stand die Rebe bes Vertreters der liberalen frraftüm des elsaß-lothringischen Landesausschufses unb Straßburger GemeinderatS Chefredakteur Wolff, ber selbst Sohn eines Bolksfchullehrers ist, unb u. a. ausführtc:

Mit lebhaftem Interesse haben wir Liberale den Kampf ber deutschen Lehrerschaft um bie Gewinnung bet elsaß-lothringischen Lehrerschaft verfolgt. Alle Bestrebungen gingen dahin, den gc- planten Anschluß ber elsaß-lothringischen Lehrer an die beuhdn Lehrerschaft zu vereiteln, der allein die Voraussetzung für das Zustandekommen eines Deutschen Lehrertages in Straßburg war 'Diesen Sampl bei elsa^ lothringischen Lehrerschaft, der mit Würde unb Ruhe butchgesührt wurde, haben wir mit aller Kraft unb Einmütigkeit unterstützt.

Beigeordneter Regier ungsrat Tom i n i tu 4 begrüßte bie ßerfammlung mit folgenben Worten: Sie finb eine mächtige £r ganifation, und unsere Zeit steht im Zfichen ber Crganifation. Leuu wir Ihre Bewegung bettachten vorn Standpunkte eines Nichttitteressierten, eines Bürgers, so muß uns ein Schrecken be­fallen, zumal angesichts der Fülle ber Crganifationen unserer Tage. Wenn uufei Volk so weiter arbeitet unb einzelne Stände sich weiter w absckstießen, so ist es eine Frage, ob damit nicht eine Gefahr für unser ganzes deutsches Volk entsteht Diese Gefalp- ist aber nickst zu fürchten, wenn die einzelnen -Stanbesinterrssen nicht zu sehr betont werben unb bie Interessen -.er Allgemeinheit nickst darunter leiden. Tie Gefahr erhöht sich ibei, wenn man erwägt, welche Interessen mitunter die 5t<nibcd- uirganifatioucii durcktzuführen suchen, unb Sie iverdeu zugeb, n itniffcn, daß neben einer Menge von idealen ein großer Teil ma teticller Bestrebungen durch diese verfolgt werben. Das ist u n Zweifelhaft auch bet Ihnen der Fall (Oho-Rus'e. trotzdem wird man sich sagen müssen, daß Ihre Entwicklung eine neue und schöner- Epoche bedeutet. Eine neue Gruppierung der Volksgenossen ist immer die Folge von nicbergctoorfcncn Schranken, unb Ihre Ausgabe wird es fein, daS Interesse des einzelnen Standes nur durchzuführen bis zu dem Punkte, wo Sie die In­gressen ber Allgemeinlstit ttickst verletzen. Es kommt alles darauf (in, diesen Punkt zu sindcn. Tas ist Sache des Taktes und^wird i'mso schwieriger, je größer die Organisation ist. Tiefe Sorge laben wir jedoch bei Ihrer Organisation nicht (lebhafter Beifall, und zwar, weil wir glauben, daß Ihre Organisation aus Leuten usammengefetzt ist, von denen jeder weiß, wo die Grenze ist. Wir begrüßen es daher sehr, daß Sie Ihre Standesgetwssen er Ziehen wollen zu eigenen und freien Persönlichkeiten (lebhafter Beifall), und deshalb, weil wir diese höheren Interessen bei Ihnen erwarten, heißen roü Sie herzlich willkommen und hoffen, daß u er Blick auf daS Straßburger Münster Ihre Herzen empor heben wird über die Standesintcrefsen für das Wohl der All .;emeinheit (lebhafter Beifall).

'Ter 77 jährige Rektor a. D. Stolley (Kiel), einer ber ui et noch lebenden Mitbegründer des Deutschen LehrervercinÄ nährte hierauf aus - Der Deutsche Lehrerverein ist ein eckst u ativnales Gebilde und bezweckt bie Förderung ber deutschen Btl düng zur Hebung ber Volkswohlfahrt. Das ist ein klares unb einfaches Programm, ober ebenso groß gcbad;t wie klar unb etnfad). Diesem Programm ist der^Dentsche Lehrerverein allezeit treu gc biteben, darin beruht bie Kraft seiner Vergangenheit unb bie Hoffnung seiner Zukunft.

Lizeumsdirektor D v r p c r t (Straßburg) begrüßt die Ver­sammlung im Namen ber höheren Lehrerschaft.

Hierauf nahm, mit demonstrativ am Bei f all b c - u rufet, Lehrer Rousseld (Paris-, der Vertreter der franzö-. hifdKit Lehrerschaft, das Wort: er begrüßte in franzö­sischer Sprache bie deutschen Lehrer als Kameraden. Ein Vertreter der englischen L c h r e r, der eine Ansprache in deutscher Sprache hält, erwähnt, daß die englische Lehrerschaft! Zurzeit in tiefer Trauer stehe wegen des Ablebens König (Eduards VII. Die englischen Lehrer wissen, daß die deutschen Lehrer mit ihnen eins sind in der Bewunderung, welche dieser Sonia verdiente wegen feiner großen Liebe und seiner Achtung vor Wissen und Können. Wir Englättder hoffen, daß unsere '«deutschen Kameraden seinen Tod aus tiefftem Herzen Mitempfinden. Dte englifdic Lehrerschaft, die nur 60 000 Angehörige zählt, blickt

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oherhefjen

mit Neid auf die großartige Crganifation der deutschen als der größten der Welt.

Heute morgen trat bie erste öffentliche Hauptversammlung im sfestsaale des alten Bahnhofs zusammen. Es wurde btc Ab­sendung von Hulbigungstelegrammen an den Kaiser, den lauer lieben Statthalter beichlossen Hierauf nimmt das Wort der Präfibent des elsaß-lvthringifchen Obersckulrats Mintsterialrat Dr Albrecht:

Im Auftrage der Staatsregierung und des Herrn Statt- Halters habe id) Ihre Tagung zu begrüßen. Es ist selbst­verständlich, daß einem so wichtigen Kulturelement wie unserer Volkssdmle von feiten der Skaatsregiernng die wärmste Jur- sorge zuteil wird. Die Volksschule ist notwendig für das Wohl unseres Volkes und feine Zukunft. Ich begrüße Sie als Mit arbeiter an dem gemeinsamen Werke, bie sittliche Energie unb bie religiöse Innigkeit der Jugend unseres Volkes zu pflegen. Möge Ihre Tagung zu den, Ziele führen, daß die gegensätzlichen Meinungen, die auf dem Gebiete ber Erziehung nun einmal vorhanben sind, unter einer gemeinsamen hohen Einheit zusam mengesaßt werden. Sie haben heute und morgen hier über Dinge zu verhandeln, die wohl einen Streit der Geister hetvorrufon können. Aber der Streit ist ber Vater des Friedens, und^viele Wege führen zur Einheit. Nicht in Methodik darf die schule erstarren, wir wollen eine Schule, die die Jugend zur Treue und Vaterlandsliebe erzieht. (Lebhafter Beifall.) Unb wenn noch eine Forderung erfüllt werden kann, bann ist es bie: Schaffen Sie uns eine frohe Jugend. Ich wünsche Ihren Beratungen den besten Erfolg, zu Ihrem Wohle unb beut ber deutschen Schule. (Lebhafter Beifall.)

Oberlehrer Schubert (Augsburg) hielt sodann seinen Fest vortrag:Der Deutsche Lehrerveretn, seine A u f - gaben und Ziel c". Er führte u. a. aus: Der Anklagen gegen den Deutschen Lehrerverein sind eine schwere Menge. Die land läufigste betrifft bas politische Gebiet unb heißt, wir hätten uns mit unserer gesamten Organisation bet liberalen Partei ver­schrieben. Ter Liberalismus aber sei auf der ganzen Linie ein geschworener Feind des positiven Christentums, die liberale Lehrerschaft fei christenseindlid), untergrabe die Autorität, wolle Gott vom Himmel stürzen und Staat und Kirche verderben. Aus Beweise wartet man vergebens. Dafür hat man regelrechte Späherkorps organisiert. Aus Lehrerversammlungen, aus ihren Zeitungen, Zeitschriften usw. wird herausgesucht, wenn irgenb ein freies Wort über Staat und Regierung, über Amt und Predigt, Sckmle und Kirche, Religion und Gewissensfreiheit darin enthalten ist. Unb zwar nicht nur hinsichtlich der Volkssdwle, sondern aud) ber Hochschule Herr Martin Spahn hat fid) int Straßburger Gemeinberat just in ber Stunde, als ber Antrag auf Gewährung eines Zuschusses cm den deutschen Lehrerlag zur Beratung stand, geschmackvoll wie folgt ausgelassen: Die Herren vom Deutschen Lehrerverein haben ihren Patriotismus unter Naumanns Führung zumteil allmählich so vertieft, daß er unten ein großes Loch bekommen hat und die Herren entweder schfon in der internationalen Sozialdemokratie oder doch dickü daneben gelandet finb. >Pfuirufe und Ruse: Infame Verleum­dung.) Eine nette Denunziation im Gemeinde rat, sie verfehlte, aber ihre Wirkung. Herrn Dr. Spahn, dem Zentrumsabgeorbneten, Heß, der kürzlich im preußischen Abgeorbnetenhanse einen fchartert Ritt gegen den Deutschen Lehrerverein machte unb anderen rufe ick) zu: Der Deutsche Lehrerverein steht auf durchaus n a tionalem Boden istürmischer BeisalO Wir enthalten uns jeder Einwirkung auf politifdrem unb religiösem Gebiete. Im Vereine arbeiten Katholiken, Protestanten unb JSraeliten fried- li,d) unb erfolgreich mit - unb nebeneinander. So soll es bleiben fort unb fort. Wir brutschen Lehrer, finb wir etwa beshalb gegen Gott, weil wir in Fragen des Standes unb her Schule liberale Auffassungen haben, ober hält man bie Zurückweisung der herrsch- süchtigen Ansprüche der Orthodoxie und des Merikalismus für einen Kampf gegen Religion unb (? hriftentum ? Dann find wir freilich Kämpfet unb wollen eS bleiben (lebhafter Beifall > Aber Orthodoxie und Uttramontanismus sind nicht wahres .Christen­tum, selbst wenn hohe kirchliche Würdenträger Jid) damit iden finsteren würden. Die Ucbcrgriffc der Bischöfe seien völlig unberechtigt gewesen Noch schlimmer freilich seien die Uebergriffe des Prälaten Negitet, der in einem Briefe das Recht ber freien Zufammenschließung von Männern mit Füßen trete unb ihnen nach mittelalterlicher Art drohe mit Ver dammnis unb Hölle und Tod und Teufel unb dieses Schriftstück,

Klafter (80 Mtr. >. Aus feiner Mitte .ragten zwei Pyramiden, die an ihrer Spitze Steinkolofse trugen., Tas Wasser dieses künstlich, . . .. s -

angelegten Sees wurde durch einen Kanal aus dem Nil ab-> Jnternattonale Komerenz, btc sich mit der Unterdrückung der

$ür bas bedrohte Deutschtum in Ungarn.

TerVerein zur Erhaltung des Deutsch» tums in Ungarn" (Wien, 18 1, Cauong. 1) ersucht uns um Abdruck des nachstehenden Aufrufes, welcher Bitte wir um so eher Raum geben, als das unßarläubifd)c Deutscl)-- tum tatsächlich einen äußerst unterdrückten und hilfsbedurs Ligen Zweig unseres detttschen Voltes dildet und in letzter Zeit erfreuliche Proben Iraftuollcii nationalen Lebens, die zu den besten Hoffnungen für die Zukunft berechtigen, ab­gegeben hat.

Deutsche Volksgenossen! Tic große Begeisterung unb das allseitige Jntcressc, das in allen beMschen Gauen dem neu gegründeten Verein zur Erhaltung des Deutschtums in Ungarn: entgegengebradjt wird, berechtigt denselben zu der Annahme, daß, er die von vielen schmcrzlick) empsundene Lücke in der Reikx- der Schutzvereinc erkannt unb nad) Möglichkeit auch ausgefüllt hat. Man darf cs in ber Tat eine Lücke nennen, wenn 2>/-_> Mil' lionen Deutsche im Herzen Europas wohnen können, unbekannt der großen Masse ihrer beutschen .Brüder, ohne warme Anteil­nahme an ihrem schwerem nationalen Kampfe von Seite ihres) Ltammlanbes. Wohl weife man in vereinzelten Streifen, bafe fid) fern im Osten ein kleines deutsches Völkchen schon 800 Jahre lang ans eigener Kraft erhalten hat - dock) daß in Ungarn min desteus 21/? Millionen deutsche Stammesgenossen wohnen, die wirtschaftlich und kulturell äußerst ^tüdsiig sind, das wußte nnb- weiß man nicht. Diesem kräftigen Sproß edlen bentfdjen Blutes nun widmet der Verein zur Erhaltung des Deutschtums in Un­garn feine Arbeit und feine Kraft. Hier will er zu erhalten und mehren trachten, ivas deutscher Besitz ist, was deutscher Fleiß unb deutscher Geist geschaffen haben. Es ist hoch au der Zeit! Derzu herzzerreißend wirkt die Tatsache, daß es madjarischer Regie-

geleitet. Auf Herobots Frage, wohin bie ungeheuren Erbmassen Iobfcönen* Literatur beschäftigt. Unter den verschiedenen Maß- gekommen seien, antworteten die Eingeborenen, man habe sie bei nnhmp» finb bi- MiickN-, iot-^loss- nn bi- Vrornnrialfckinttnll-ii-n großen Anschüttungen verwendet Es würben also von dem

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