Ausgabe 
15.3.1910 Erstes Blatt
 
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Die heutige Nummer umfaßt 12 Seiten.

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gescheuter fern svÜten, als sie bei ihrem Leben nicht > hatte sehen können. Meister war durch einen geheimen Zug nach dem Lause geführt, da ihm, als er angepacht hatte, die Magd hastig und ge­heimnisvoll die Türe öffnete, und ihn zur Treppe hinaus begleitete. Er fand, als er zur Stubentüre hinemtrat, seine Mutter'an einem großen Tische mit Wegraumen und Zudecken beschäftigt, die ihm auf seinen Gut^l Abend mit einem:Du kommst mir nicht ganz gelegen" antwortete;weil Du nun einmal da bist, sa magst Tn's wissen, da sieh, was ich zurecht mache", sagte sie, und hob die Servietten auf, die übers Bett geschlagen waren, und tat zugleich einen Pelzmantel weg, den sie in der Eile übern Tisch gebreitet hatte, da nun denn der Mann eine Anzahl spannenlanger, artig gekleideter Puppen erblickte, die in .schöner Ordnung, die be­weglichen Drähte an den Köpfen befestigt, neben einander lagen, und nur den Geist zu erwarten schienen, der sie aus ihrer Un­tätigkeit regen sollte.Was gibt denn das, Mutter?" sagte Meister. Einen heiligen Christ vor deine Kinder!" antwortete die Alte; wenns ihnen so viel Spaß macht, als mir, eh ich sie fertig kriegte, soll mirs lieb sein." Er besahs eine Zeitlang, wie es schien, sorg­fältig, um ihr nicht gleich den Verdruß zu machen, als hielte er ihre Arbeit vergeblich.Liebe Mutter", sagte er endlich,Kinder sind Kinder, sie macht sich trief zu schaffen, was es nutzen soll."

Das zweite Kapitel schildert dann die Puppenvorstellung:

Der Christabend nahte heran in seiner vollen Feierlichkeit. Die Kinder liefen den ganzen Tag herum und standen am Fenster, in ängstlicher Erwartung, daß es nicht Nacht werden wollte. Endlich rief man sie und sie traten in die Stube, wo jedem sein wohlerleuchbetes Anteil zu höchstem Erstaunen angewiesen ward. Jeder hatte von dem seinigen Besitz genommen, und war nach einem Zeitlang 'Angasfen im Begriffe, es in eine Ecke und in seine Gewahrsam zu bringen, als ein unerwartetes Schauspiel sich vor ihren Augen miftäi. Eine Tür, die aus einem Neben­zimmer hereingieng, öffnete sich, allein nicht wie sonst zum Hin- and Widerlaufen; der Eingang war durch eine unerwartete Fest­lichkeit ausgefüllt; ein grüner Teppich, der über einem Tisch herab- hieng, bedeckte fest angeschlossen den untern Teil der r^effnung; con da auf baute sich pin Portal in die Höhe, das mit einem mystischen Vorhang geschlossen war, und was von da aus die Türe noch 51L hoch sein wogte, bedeckte ein Stück dunkelgrünes Zeug und beschloß das Ganze. Erst standen sie Alle von secn, und wie ihre Neugierde größer wurde, um zu sehen, was Blinkendes hinter dem Vorhang verbergen mögte, wies man jedem sein Stühlgen an, und gebot ihnen freundlich in Geduld zu erwarten. Wilhelm war der

Line EntMrungsgeschichte mit politischen Folgen.

Daß der bulgarische Minister des Auswärtigen mit seiner Erklärung in Petersburg, cs herrsche bei seinen Landsleuten große Erregung gegen die Türken, Reckst hatte, geht aus einer eigen- artigen Eittsührungsgeschichte hervor, die ganz plötzlich die 'ürkisckp-bulgarische Spannung neu entfacht hat. Es ist indessen .u lassen, daß die bulgarische Bevölkerung sich keiner unbesonnenen ^eiÄttaten gegen die türkischen Mitcinwvhner schuldig machen wird:

Sofia, 14. März. Die Entführungsgeschichte einer Türkin in Rustschuk datiert mehrere Tage zurück. Ein bulgarischer Bankbeamter hatte eine Türkin mit hrem Einverständnis entführt und angeblich geheiratet. Auf den

Widerspruch des Vaters der Türkin und der türkischen Mutter entschied das Gericht, daß das' Mädchen wegen Mi ndcrjährig- keit in das Elternhaus zurückzugeben sei. Die darauf erfolgte Rückgabe der Türkin verursachte eine Gärung unter den Bulgaren, welckst die Türkin wieder rauben und deni M.inne zurückgeben wollten. Vater und Tochter flohen in das Polizei- gebäude. Gestern nachmittag versuchte eine vieltausendköpftge bul­garische Menge die Türkin aus dem Polizcigebäude zu entftihren. Die Polizei, verstärkt durch Militär, bemühte sich vergebens, die Menge zurückzudrängen. Als diese die Truppen mit Steinest bewars und Revolverschüsse aügab, wurden zuctt.t- blinde, dann scharfe Schüsse abgegeben. Zahlreiche Personen, unter ihnen auch Kinder, wurden verletzt. Wie die Abendblätter melden, wurde heute vormittag in Rustschuk eine Trauerversammlung abgehalten. Weitere Kundgebungen werden befürchtet. Die Rustschukev Garnison wurde verstärkt. Der Minister des Innern, der sich gestern nach Rustschuk begab, soll Kundgebungen der Menge ausgesetzt gewesen sein. Nach Ansicht der Oeffentlichkeit ttisst die Sckmld an den Kundgebungen teilweise die Behörde, welche gegen die wachsende Gärung in ter Bevölkerung keine Maßnahmen getroffen hatte.

Ergänzeirde Nachrichten aus Rustschuk geben die Zahl der bei den geftrigen Zusammenstößen Getöteten mit 17, die der Schwer ver wunde ten mit 32 an. Mehrere Personen sind leicht verwundet. Die Türkin, dcret- roegen die Kundgebung entstanden war, soll mit dem Entführer, einem bulgarischen Bankbeamten, nach Rumänien geflohen fein. Der hiesige türkische Gesandte Assim Bey forderte den Minister Paprikow auf, zum Sckiutze der türkischen Bevölkerung Rustschuks besondere Maß­nahmen treffen zu lassen. Papribow versprach das Nötige zu veranlassen.

rechtfertige, wie sie in dem Voranschlag enthalten seien. Wenn aber diese Rechtfertigung vorhanden sei, so sei er überzeugt, daß sowohl das Haus wie das Land ebenso bereit seien, Opfer zu bringen wie früher. Cs seien in dem Voranschlag zweiSchiNe nicht erwähnt, welche von den Regierungen von Australien und Neuseeland gebaut würden. Diese Schiffe würden im öommer des Jahres 1912 vollendet sein, sie würden jedoch die europai,chen Gewässer nicht verlassen, bis gegen das Ende des Herbstes, wo die fünf Schiffe des neuen englischen Flottenprogrammes ihrer Vollen­dung entgegengehen würden. Die tatsächlick-e Stärke unserer Flotte in den Heimatgewässern wird dann die folgende an Dreadnoughts und Kreuzern sein: Wir werden im März 1912 zwanzig von diesen Sckstffen besitzen und im Sommer 1912 zwei weitere Schiffe der Kolonien und bevor diese unsere Gewässer verlassen haben, werden fünf Schiffe des neuen Programmes sich der Vollendung nähern. Wir können daher gewiß sein, daß während des ganzen Jahres 1912, bis zum 31. März 1913, unsere absolute Heber* lcgcnheit an Schissen vom neuen Typ gesichert ist; hinter diesen Schissen befindet sich die unvergleichliche Flotte älteren Typs. Ich behaupte daher, daß die britische Flotte im sttengen Sinne des Wortes den zwei Möchte Standard, behaupte, wie er von Asquith aufgestellt worden sei. Er bedauere, daß er nicht die geringste Hoffnung auf irgend eine künftig in Betracht kom­mende Minderung des Budgets machen könne.

Bei der Ausstellung des Budgets habe sich, so fuhr der Redner fort, die Admiralität von der Rücksichtnahme auf die bestehenden Flottenprogramme der anderen Lander leiten lassen. Auf einen Zwischenruf bemerkte Me. Kenna: Augenblick­lich hat Deutschland 13 Dreadnoughts im Bau, nach seinem Programm sollen vier weitere Schiffe nn ~auTe des Jahres 1910/11 begonnen werden. Nach deutschen Gesetzen können diese Schisse an jedem Tage des Jahres 1910/11 begonnen werden. Wenn die vier Schisse des deutschen Bau-Programms 1910/11 am 1. April aus Kiel gelegt werden können, und wenn irgend eine Notwendigkeit oder der Entschluß vorliegt, es zu tun, w können sie, glaube ich, so schnell vollendet werden als die ^Nassau" oderWestphalen", zwar sollen vier weitere Dread­noughts in 2 Jahren zwei Monaten in Dienst gestellt fern. Wir aber treffen hinreichende Maßregeln gegen rede Möglichkeit. Ich hoffe, daß das, was ich gesagt habe, nickst als Grund für eine Panik angesehen werden wird und daß eine befreundete Macht ihr Programm in irgendwie feindseliger Absicht gegen uns beichleumgt, aber wir haben für unser Bauen mit Tatlachen zu rechnen. Wir entsprechen diesem Gebot der Vorsicht jetzt durch das Bauprogramm von fünf großen Panzerschiffen, um uns gegen iedc mögliche Ge­fahr zu sichern und nm: ic Suprematie des britischen Reiches auf den Meeren aufrecht zu erhalten. .

Der Abgeordnete See gab zu, daß das vorgelegte Budget tm Ganzen besser sei, als es die Ovvosition erwartete, aber er sei keineswegs bereit, zuzugeben, da ßes zufriedenstellend sei. Die Borsckstäge der Regierung seien eine späte Anerkennung der Ge­fahren der Situation.

Wilhelm Meisters theatralische Sendung."

Wie wir schon wiederholt mitteilten, ist es dem Züricher 'Altphilologen Prof. Dr. G. Bill et er beschieden gewesen, GoethesUr-Meister" zu entdecken. In einem 111 Setten starken Bändchen veröffentlicht er nun einen Teil feines Fundes, dessen Bewahrung wir wiederum einer begeisterten Freundin des Dichters verdanken. Die Urform des Faust bewahrte uns die fleißige Hand des Fräuleins von G o s ch ­hausen, denUr-Meister" bewahrte uns die sorgfältige Abschrift der Barbara Schultheß, die jedesmal, wenn sie ein neues Stück desWilhelm Meisters" erhielt, m Gemeinschaft mit ihrer Mutter sosort eine Abschrift an­fertigte. Aus den nun veröffentlichten Bruchstücken, die im Buchhandel noch nicht zu haben sind, teilt die Köln. Ztg. einige Abschnitte mit, die uns den Beweis herern, daß der Ur-Meister sowohl in bezug auf seine poetische Be­handlung, als auch auf seine Gestaltung der endgültigen Fassung in mancher Beziehung überlegen, ist Die voll­ständige Ausgabe des Fundes erfolgt erst im Herbst durch Pros. Mayne'in Bern. DerUr-Meister" beginnt mit einem lieblichen Idyll, das uns das Bürgerhaus aus Goethes Jugendzeit lebendig vergegenwärtigt.

Es war einige Tage vor dem Christabend 174, als Be- nedik Meister, Burger und Handelsmann zu M, einer mitt­leren Reichsstadt, aus seinem gewöhnlichen Kränzgen abends gegen achte nach Hause gieng. Es hatte sich w:ter die Gewohnheit die Tcrrokvartie früher geendet, und es war ihm nickst ganz gelegen, daß er so zeitlich in seine vier Wände zurückketzren stollte, die ihm seine Frau eben nicht zum Parodie!e machte. Es wäre nvck. Ze st bis zum Nackstessen, und so einen Zwisckxniraum pflegte sie ihm nickst Mit Annehmlichkeiten auszufüllen, deswegen er lieber nickst eher zu Tische kam, als wenn die >Suppe schon etwas über Lockst hatte."

Er gieng langsam, und dachte so dem Burgermeisteramte nach, das er das letzte Jahr geführt hatte, und dem Handel, und den kleinen Vorteilen, als er eben im Vorbeigehen seiner Mutter Fenster sehr emsig erleuckstet sah. Das alte Weib lebte, nachdem sie ihren Sohn ausgestattet, und ihm ihre Handlung übergeoen hatte, in einem kleinen HLusgen zurückgezogen, wo sie nun vor sich allein mit einer Adagd bei ihren reichlichen Renten |id) wohl befand, ihren Ämtern und Enkeln mitunter was zu ginetat, iwn aber das Beste bis nach ihrem Tode aufhub, wo sie hoffte, daß sie

Die Kämpfe im englischen Parlament.

Am gestrigen Montag hoben die beiden Häuser des englischen Parlaments ihre Sitzungen wieder ausgenommen. Vor allem handelt es sich jetzt um die Reform des Ober­hauses. Man versteht es, daß die Liberalen jetzt, wo sie freilich nur mit Hilfe der Iren und der Arbeiterpartei noch das Heft der Gesetzgebltng in der Hand haben, daran gehen, die Befugnisse des Oberhalises in einer Art und Weise einzuschränken, die ihnen die Sicherheit gibt, daß nicht auch in Zukunft, wenn eine liberale Gesetzesvorlage der konserva­tiven Mehrheit der Lords nicht gefällt, an das Volk appelliert werden muß, während jede konservative Vorlage von vorn­herein der Beisliinmung der LordS gewiß ist. Ebenso be­greiflich aber wird man eS finden, daß sich die Lords ihre alten gesetzgeberischen Refugnisie die ihnen durch die am Ende dieses Monats zu erwartenden Entscheidungen des Unterhauses beschnitten werden sollen, nicht nehmen lasten wollen, und daß sie diesen Angriffen jetzt dadurch zuvorzukonunen suchen, daß sie selbst die Reform deS Oberhauses in die Hand nehmen, freilich nicht in der Richtung einer Be­schränkung seiner Legislative, sondern lediglich in der Rich­tung einer inneren Umgestaltung.

London, 14. März. Im Oberhaus sagte L o r d R o se­he r r y in einer zweistündigen Rede zur B e g r ü nd u ng s e in e s Antrags zur Reform des Oberhauses: Die Horte hätten eingesehen, daß ihre Anzahl zu groß geworden sei, daß sie zu sehr die Interessen einer Partei repräsentieren und das Prinzip der Erblichkeit seiteiis eines großen Teiles der Kritik und Oppo­sition begegnet. Aber wenn die Lords diese Unvollkommenheit anerkennen, so erinnerten sie sich doch auch der großen und glänzenden Geschichte des Hauses. Die Pläne der Regierung für die zukünftige Gestaltung des Oberhauses seren widersinnig und unlogisch, da die Regierung erst das Haus zumckNe machen wolle und eS dann zu reformieren Vorschläge. Er glaube, da,; die Regierung die Lords ihrer Macht berauben werde, ihre An­hänger aber dann sich weigern würden, an die Reform zu geben Es gäbe zwei Grundprinzipien, ohne welche die Arbeit einer Reorganisation nutzlos würde, nämlich: die Ab,chaflung des erb­lichen Reckstes, im Oberhause zu sitzen und dann die Einsüh - rund der Wählbarkeit. Das Privileg der Wählbarkeit sei neu für England, fast überall sonst aber tn Anwendung In Preußen ergänze sich das Oberhaus in ausgedehnter Wei,e aus repräsentativen Elementen und besitze größere Starke und eine konstitutionellere Macht als das Haus der Lords. Er habe keine Wahl durch das Volk im Auge: er glaube, das Vaus wurde an Stärke wie Würde durch die Vereinigung mit den Grafschafts­räten und städtischen Korporationen gewinnen.

Morlev erklärte darauf, Lord Roseberrv's Vorschlag löse die augenblicklichen Schwierigkeiten nicht, er glaube der Vorschlag richte sich gegen das Unterhaus und er bedauere, daß der Redner nicht auseinander gesetzt habe, wie die Schwierigkeiten zwischen beiden Häusern in Zukunft überwunden werden tonnen.

Die Aussprache wird vier Tage dauern. Obgleich irn Ober­haus keiner Oer nnionistischen Peers eine direkte Opposition gegen die Vorschläge Lord Roseberys zum Ausdruck brachte, tourten Sie Vorschläge keineswegs mit Begeisterung ausgenommen. Zahl­reiche Peers zeigten sich nicht gewillt, soweit zu g^an, ter Ab­schaffung des Erblichkeitsprinzips^zuzustimmen.

London, 14. März. Im Unterhaus brachte der erste Lord der Admiralität, Mc. Kenna, den Voranschlag des Marinebudgets ein. Er führte aus, daß nur die dringendst Notwendigkeit, die Sicherheit des Landes zu schützen, solche Summen

Einzige, der in ihrerbietiger Entfernung stellen blieb, und sichs zwei dreimal von seiner Großmutter sagen ließ, bis er auch! seift Plätzgen einnahm. Sv saß nun Alles und war sttll, 'und mit deift Pfiff rollte der Vorhang in die Höhe und zeigte 'eine hochrot ge­malte Aussicht in den Tempel . ."

Dafür heißt es in der endgültigen Fassung beim um vieles blasser und farbloser:

Ich weiß, wie sonderbar es mir vorkam, als Man uns nach Empfang ter gewöhnlickren Christgeschenke vor einer Türe nieder- setzen hieß, die aus einem anderen Zimmer hereinging. Sie öffnete sich, allein nicht 'wie sonst zum Hin- und Witerlaufen" usw.

Cs wird dann die für Wilhelm so bedeutengsvolle Vorstellung! des Puppen-Theaters geschildert und in prächtiger Anschaulichkeit schließt das Kapitel mit den Worten:

Ter Vorl-ang fiel zu, die Türe schloß sich, und die ganze kleine Gesellschaft war wie betrunken taumelnd und begierig ins Bett zu kommen; nur Wilhelm, der aus Gesellschaft mit mußte, lag allein, dunkel über das Vergangene nach denkend, unbefriedigt in seinem Vergnügen, voller Hoffnungen, Stang und Ahndung."

In den nächsten Kapiteln wird umn das Werten des Knaben geschildert, wobei Goethe folgende feine Be träte ttsnq-über die bedeutsamste Entwickelung im Knabeialtor mackN

Das Knabenalter ist, glaub ich, darum weniger liebenswürdig als die Kindheit, weil es ein mittler, halber Zustand ist. Das Kindische klebt ihnen raxb an, sie noch am Kindischen; allein sie haben mit der ersten Beschränktheit die liebe, volle Behaglichkeit verloren, ihr Sinn steht vorwärts, sie sehen den Jüngling, dcft Mann vor sich, und weil auch ihr Weg dahin geht, eilt die Ein­bildung voraus, ihre Wünsche überfliegen ihren Kreis, sie ahmen nach, sie stellen vor, was sie nicht sein können noch sollen. Ebenso ist mit dem inneren Zustand ihres Körpers, ebenso mit ihrer Gestalt."

Nun kommen die Kinder Mit leibhaftigen Schauspielern ui Berührung und in ter Auseinandersetzung! zwischen Vater und Sohn stellt sich ter Dichter ganz auf die Seite des Sohnes:

Sein Gefühl, das wärmer und stärker ward, feine Ein bildung, die sich erhöhte, waren unverrückt gegen das Theat^ , gemenbet. Und was wunder? In eine Stadt gesperrt, * bürgerliche Leben gefangen, im Häuslichen gedrückt, ohne sicht auf Natur, ohne Freiheit des Herzens. Wie die gern« ir] Tage der Woche hinschleichen, muffte er mit unter hingehn noe alberne Langeweile ter Sonn- und Festtage machte ihn uuF^een- rühiger, und was er etwa auf einem Spaziergänge von

Lueger; Begräbnis.

Wien, 14. März.

Mit einem selbst in Wien noch nicht gesehenen Pompe wurde heute vormittag die Leiche des Oberbürgermeisters- Dr. Lueger von der Volkshalle des Rathauses aus KU>Grabe getragen. Nahezu die gesamte Bevölkerung von Wien war Zeuge dieses Schauspiels. Um 1/212 Uhr wurde unter dem Geläute der Kirchenglocken der Metallsarg auf den Gala­wagen gehoben. Bevor der Trauerzug sich in Bewegung setzte, widmete Vizebürgermeister Dr. Neumayer dem Ver­blichenen Worte des Abschieds. An der Spitze des Zuges schritten Abteilungen der Berufs- und freiwilligen F-euer- wehren, dann folgten Abordnungen der Bediensteten der städtischen Unternehmungen mit umflorten Fahnen, zahl- reiche Gesangvereine mit ihren Bannern, Mordnungen einer großen Zahl von Vereinen, Korporationen, Gewerkschaf­ten und Innungen, Vertreter der katholischen Studenten­verbindungen in trauerumflortem Wichs, sowie Mitglieder der geistlichen Orden, der Wiener Klerus, darunter sämt­liche städtische Patronatspfarrer. Hinter 18 über und über mit Kränzen beladenen Wagen folgte der Leichengalawagen, hinter dem Bedienstete der städtischen Leichenbestattung die Bürgermeisterkette, die Orden und Insignien trugen. Trauerkutschen folgten mit den Schwestern des Verewigten und den Gemahlinnen der drei Vizebürgermcister und des Magistratsdirektors. Diesen schlossen sich die städtische Be­amtenschaft, die B^irksvertretungen, die Präsidenten des Herrenhauses und Abgeordnetenhauses, Herreuhaus^it- glieder, Reichsratsabgeordnete, der Landmarschallstellver­treter, der Landesausschuß, Landtagsabgeordnete, sämtliche Bürgermeister der Gemeinden Nieder-Oesterreichs, Osfiziers-

Nr. 62 Erstes Blatt 160. Jahrgang Dienstag 13. März 1010

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