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20.9.1910 Erstes Blatt
 
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Blatt L60. Jahrgang Dienstag 20. September 1S1O

Der Gießener Anzeiger _ ° r

erscheint täglich, außer d /gy A Be-ugSpreiS.

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Sur silbernen Hochzeit

des badischen Erotzherzogspaarer.

Karlsruhe, 19. Sept. Der König von Württem- berg wird an den badischen Hoffestlichkeiten nicht teilnehmen, dagegen traf die Königin am Montag nach- nrittag 5 Uhr 17 Min. in Karlsruhe ein. Mittwoch vor­mittag 11 Uhr werden tausend Bürgermeister der Land- genleinden und mittleren Städte im Auge nach dem groß- herzoglichen Schlosse marschieren, um dem Großherzogspaar chre Huldigung darzubriugen. Die Bürgermeister werden sodann vom Groß Herzog im Schlosse empfangen und sind abend zur Festvorstellung im Hoftheater geladen. Die Groß­herzogin-Mutter von Luxemburg mit den Prinzessinnen von Luxemburg, ferner die Herzogin von Anhalt, der Kronprinz von .Schweden und Prinz und Prinzessin Wilhelm von Schweden sind zur Teilnahme an den badischen Hofsestlich- keiten hier eingetroffeu. Anwesend sind noch folgende Fürst­lichkeiten: Erbprinz und Erbprinzensin zu Sachsen-Meinin­gen, Fürst und Fürstin von Waldeck und Pyrmont, Prinz Friedrich zu Schaumburg-Lippe, Fürst und Fürstin zu Lei- ningen, sowie der Herzog und die Herzogin von Altenburg. Im Laufe des Abends treffen weiter ein: die Prinzessin Amelie zu Fürstenberg und der Herzog von Anhalt. Außer­dem sind die Vertreter verschiedener Fürstlichkeiten, sowie Mordnungen der Regimenter, deren Chef der Großherzog ist, .hier eingetroffeu.

Der heutigeStaatsanzeiger" gibt eine große Reihe von Auszeichnungen bekannt, die zur silbernen Hochzeit des. Großherzogspaares verliehen worden sind.

H a. erhielten: den Hausorden der Treue Staatsminister v. Dusch, die goldene Kette zum Großkreuz des Ordens Ber­tholds I. der kommandierende General des 14. Armeekorps Frhr. v. Hoiuingen gen. Hüne, das Großkreuz desselben Ordens der Erzbischof von Freiburg Dr. Thomas Nörber, die goldene Kette zum Großkrcuz des Zähringer Löwen-Ordens der Minister des großherzoglichen Hauses und der auswärtigen Angelegenheiten Frhr. Marschall v. Bieberstein, das Großkreuz desselben Ordens der Minister des Innern v. Bodmann, das Kommandeurkreuz der II. Kl. des Zähringer Löwen-Ordens der kaiserliche Gesandte in Lissabon von und zu Bodmann. Dem PräsideMen der General­intendanz der großherzoglichen Zivilliste Geheimrat Dr. Nicolcn wurde der erbliche .Adel des Großherzogtums verliehen.

Prinz Adalbert von Preußen traf heute abend 6 llhr 30 im Sonderzuge zur Teilnahme an den Jubiläums­feier lichkeiten ein; es fand großer militärischer Empfang iftatt Am Bahnhofe erschienen der Großherzog, der kom­mandierende General des 14. Armeekorps, der preußische -Gesandte v. Eisendecher, Staatsminister v. Dusch, die Mi­nister Frbr. Marschall v. Bieberstein und o. Bodman, sowie Generaladjutant Duerr.

Die Huldigung in der Festhalle.

Karlsruhe, 18. Sept. Heute vormittag gegen elf Ahr begaben sich die Groß herzoglich en Herrschaften und die bereits Anwesenden Fürstlichkeiten in feierlicher Auffahrt zum Huldigungsakt. Auf dem Wege vom Schlosse bis zur Fe st halle biweten Vereine und Schulen Spalier. Im -ersten offenen Sechsspänner saßen der Großherzog und die Großherzogin, die Leibdragoner gaben das Ehren- geleite. Vor der Festhalle war eine Ehrenwache des Leibgrenadierregiments mit Fahnen und Musik aus­gestellt. Am Eingänge der Festhalle wurden die fürstlichen Herrschaften vom Oberbürgermeister Sigrist, den städtischen Kollegien, sowie den Spitzen der Staats- und ^Militärbehörden empfangen und zu ihren Plätzen geleitet.

Hierauf begrüßte Oberbürgermeister Sigrist das i.Großherzogspaar im Namen der Stadt Karlsruhe. Nach einem Hinweis auf das glückliche Eheleben des Großher- 'zogs und der Großherzogin hob der Redner hervor, wie rber Landesherr weise und gerecht, freundlich und gütig der Eheste Freund seines Volkes sei, d^r seine Lebensaufgabe «mit tiefstem Ernst ersaßt habe.

Der Großherzog erwiderte mit Worten des herzlichsten Dankes für die treuen Glück- und Segens­wünsche, welche der Oberbürgermeister namens der lieben Haupt- und Residenzstadt Karlsruhe dargebracht habe. Der .Großherzog wies auf die Bande hin, welche das groß- herzogliche Haus von jeher mit der Stadt Karlsruhe ver­banden und schloß mit den Wünschen eines stetigen Wohl­ergehens und einer freien, glücklichen Entwickelung der Stadt Karlsruhe.

Der Großherzog brachte sodann ein begeistert aufge- nommenes Hoch auf Karlsruhe und die badische Heimat aus.

Hierauf ging ein eindrucksvolles Huldigungs spiel in Szene, welches in dem allgemeinen Gesänge der Fürsten­hymne seinen Abschluß fand. Nach Rückkehr der fürstlichen Herrschaften ins Schloß fand Famiüenfrühstück und Mar­schallstafel statt.

Ein Straferlaß des Großhcrzogs.

Karlsruhe, 18. Sept. Der Großherzog hat zu seinem silbernen Ehejubiläum nach Anhörung des 'Justizministeriums 36 gerichtlich zum Teil wegen schwerer Verbrechen zu Freiheitsstrafen verur­teilte Personen durch teilweisen Nachlaß, teils durch die Anordnung der Verkürzung oder der Beur­laubung auf Wohlverhalten nach Verbüßung eines Teiles ihrer Strafe, Gnade erwiesen. Außerdem hat, wre die 'Karlsruher Zeitung" weiter meldet, das Justizministerium .aus Grund der ihm übertragenen Begnadigungzustandigteit aus hem gleichen Anlasse in 5 7 Fällen Gnaden- akte v erfügt.

Ferner haben der Großherzog und die Großherzogin dem Ludwig-Wilhelm-Krantenhemi 5000 Mk. gestiftet und den gleichen Betrag dem Oberbürgermeister zur alsbal­digen Verteilung an Bedürftige der Stadt Karlsruhe über- , w eis en lassen^

Bukarest, 19. Sept. Die Meldung ausländischer Blätter über einen g e h e i m e n t ü r k i s ch - r u m ä n i s ch e n Militär vertrag wird von der halbamtlichenJndepen- dante Roumaine" dementiert.

der Klangart der

Des Kaisers Reise nach Wien.

Mohacs, 19. Sept. Der Kaiser begab sich gestern rüh um 4 Uhr zur Jagd. Um 9 Uhr wurde in dem Kapellenzimmer des Jagdschlosses Messe abgehalten, der Erzherzog Friedrich mit Familie beiwohnten. Um 11 Uhr war in dem vor der Burg aufgeschlagenen Zelte evangelischer Gottesdienst, art dem Kaiser Wilhelm mit Gefolge und Erz­herzog Friedrich mit Familie teilnahmen. Nachmittags be­gab sich der Kaiser abernrals zur Pürsche, ebenso heute früh um 5 Uhr. Die Abreise erfolgt heute abend.

Nach der Pürsche am Nachmittag begaben sich der Kaiser, Erzherzog Friedrich und Familie sowie die Begleitungen zu Wagen nach Prokfok und befliegen den DampferTausik". Nach 9 Uhr traf der Dampfer in Kiskoeszeg ein. Nach herz- ichen Abschied von dem Erzherzog Friedrich und dessen Gemahlin Isabella bestieg Kaiser Wilhelm den Hofzug und trat die Reise n a ch W i e n -an. Der Kaiser verlieh meh­reren hohen Beamten des Erzherzogs Ordensauszeich­nungen.

Eine Begrüßung durch das amtlicheFremdenblatt".

Wien, 19. Sept. DasFremdenblatt" schreibt: Dem deutschen Kaiser, der, aus den Bellyeschen Jagdforsten

Botfchafter Nelidow t.

In der Nacht von Samstag auf Sonntag ist der Parßer ru,fische Botschafter Alexander Iwanowitsch Nelidow nach langer Krankheit im Alter von 65 Jahren gestorben. Ein schweres Krebsleiden, das sich erst in allerletzter Zeit offen­barte, hat die einst so kraftvolle Gestalt Nelidows in ver­hältnismäßig kurzer Frist dahingerafft.

Nelidow, im Jahre 1835 geboren, hat während seiner politischen und diplomatischen Laufbahn mehrfach eine her­vorragende Rolle gespielt. In den siebziger Jahren zog seine Tätigkeit, so lesen wir imLok.-Anz.", zum ersten Male die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich, als er 1877 der Pforte die russische Kriegserklärung überreichte'ünd nad), Beendigung des Feld^rges als Bevollmächtigter des Zaren den FrieoenvonSan Stefano unterzeichnete, dessen Bestimmungen in der Folge durch den Berliner Kongreß zum Teil vernichtet wurden. Später wurde er Gesandter in Dresden und ging hierauf nach Konstantinopel, wo er vierzehn Jahre hindurch als Botschafter tätig war. Im Jahre 1897 kant er nach Rom, seine Versetzung dorthin war durch die russischen Unternehmungen in Ostasien, die den Blick Rußlands von den Dardanellen ablenkten, herbei­geführt. Seine sieben Jahre später erfolgte Uebersiedlung auf den Pariser Botschasterposten, den er bis zu seinem nunmehr erfolgten Tod innehatte, wurde damals auf das Unterbteiben des Zarenbesuches in Italien, das angeblich auf seinen Rat beschlossen worden war, zurückgeführt. Wäh­rend seiner Pariser Tätigkeit begab er sich 1907 im Auftrage des Zaren zur zweiten HaagerFriedenskonferenz, deren Verhandlungen er als chr erwählter Präsident mit Geschick und seinem Takt zu leiten^ wußte. Der Staats­mann war mrt der Prinzessin Chilkow verheiratet; der Ehe sind fünf Söhne entsprossen, von denen der älteste, ein Marineoffizier, während des japanischen Krieges fiel. Der zweite Sohn, der gleich seineff jüngeren Brüdern den väterlichen Beruf ergriffen hat, ist mit einer Nichte des Fürsten Mawrokordato vermählt.

große Streichungen vorgenommen worden, daß in den Ressorts recht gemischte Gefühle vorherrschen. Die Ein­nahmen des Reichs sind gegenüber den Voranschlägen viel- ach erheblich zurückgeblieben, so daß man die Einnahmen nr 1911 noch vorsichtiger veranschlagen muß.

Es ist fraglich, ob ohne neue Deckungsmittel aus die Dauer ausgekommen werden kann, vorläufig, d. h. vor den Neuwahlen, soll versucht werden, auf jeden Fall durch äußerste Beschränkung mit den alten Mitteln eine Balanzierung zu bewerkstelligen. In nächster Zeit werden Konferenzen zwischen dem Reichskanzler, dem Reichsschatz­amt und den Ressorts stattsinden, um eine geeignete Grund- age für die Balanzierung des neuen Haushalts zu finden unb eine Einigung über die Wünsche der Ressorts und dem tarken Willen des Reichsschatzsekretärd herbeizuführen. Sehr hossnungsfreudig sind die Aussichten, für die nächste Zeit nicht, und die Regierung befindet sich in keiner beneidens­werten Stellung. Neue Steuern würden die bereits herr- -chende Volksstimmung nur noch regierungsfeindlicher machen.

kommend, morgen und übermorgen unser Gast sein wird, eilen die Wünsche guter Freunde entgegen. Gute Freundschaft findet Kaiser Wilhelm nicht nur bei Seiner dNajestät dem Kaiser, mit dem ihn seit vielen Jahren die herzlichste Beziehungen verbinden, und nicht nur im Kaiserhause, auch die Völker dieser Mo­narchie fühlen für ihn aufrichtige Verehrung und sind ihm dank­bar, wenn er sich in ihrem Lande wohl und heimisch, fühlt. Daß er diese Empfindung hat, beweist die Tatsache seiner häufigen Reisen nach Oesterreich-Ungarn. Dem deutschen Kaiser sind die Besuche bei uns eine liebe Gewohnheit und jedesmal eine er­wünschte Gelegenheit, ihm unsere herzliche Gesinnung zu be­zeugen. In 5en letzten Jahren weilte Kaiser Wilhelm wieder­holt bei uns. Im M ai 19 0 8, an einem Tage voll strahlender Weihe, kam er, um an der Spitze der deutschen Bundesfürsten dem Kaiser Franz Josef zum 60 jährigen Regierungs-Jubiläum zu gratulieren, und aus der Hochflut der Knndgebungen jener Tage ragt die einzigartige Huldigung ebenso hervor, wie die Worte uns unvergeßlich geblieben sind, die mit dichterisch getra­genem Ausdruck die Stellung unseres Kaisers in der euro­päischen Fürstenrunde verkündeten. Die historische Stunde ist auf dem trefflichen Bild eures heimischen 5Ain,llers festgehchten, das der Deutsche Kaiser während seines Aufenthaltes in Wien bestch-- tigen wird. Das Bild,, das im Wiener Rathause, dem Prunk- gebäude unserer Bürgerschaft, einen Platz hat, ist für alle Zukunft ein Zeugnis, daß fich das Bündnis zwischen OesterreickMngarn und Deutschland in dem internationalen Verkehr der Höfe bei weitem nicht erschöpft, sondern daß es eine Angelegenheit der Völker ist. In Europa weiß man das und schätzt es nach Ge­bühr ein. Was aber heute dem Deutschen Kaiser zum Gruße gesagt sein mag, ist ein Wort ehrlicher Anerkennung ür die Rolle, die ihm damals zugefallen ist oder die er sich ge­wählt hat. Die Rolle eines Befestrgers des ^Dreibundes m dem Rate der Völker, die dem Bunde angeschlossen sind. Katser Wil­helm hat wesentlich dazu beigetragen, dem Dreibünde bei uns die Sanktion einer dauernden Volkstümlichkeit zu geben. Solche Volkstümlichkeit geht immer aus der Schlichtheit unbewußt wirkender Tatsachen hervor und eine davon ist sicherlich der Eindruck der glanzvollen und bezwingenden Persönlichkeit Kaiser Wilhelms gewesen. Vielleicht liegen in der anschaulichen Phan­tasie des Oesterreichers, dem ausgreifenden Temperament des Ungarn die Wurzeln des unmittelbaren Verständnisses, das man hierzulande seit jeher für die vielseitige, selbstvertrauende Per­sönlichkeit des deutschen Kaisers gehabt hat, für die Kraft, welche Gegensätze eines rcichbewegten Innern nut höchster Redlichkeit zur Einheit zu versöhnen weiß. Gewiß ist, das; man bei uns den deutschen Kaiser nicht bloß als obersten Repräsentante^r eines Systems verehrt, in dem sie in unserer auswärtigen Politik das Bündnis mit dem Nachbarn die Hauptsache darstellt Aus

Begrüßung, die unsere Bevölkerung dem 'Gaste unseres Kaisers barbietetf mag er her­aushören, wie viel von dieser Wärme ihm selber gilt. Als eine politische Kundgebung ist der Besuch Kaiser Wilhelms in Wien nicht gedacht. Keine Tatsache, weder eine fertige, noch eine, die fich etwa vor­bereitet, ist zu entdecken, auf der sich erne solche Kundgebung begründen ließe. Die leitenden Staatsmänner haben bei ihren letzten Zusammenkünften festgestellt, daß die Ordnung der Dinge, wie sie sich jetzt rn ihrer Politik herausgebildet hat, zum besten Nutzen weiter bestehen kann. Und da diese Entrevucn erst kürzlich stattgefundeii haben, so wird in der Stimmung des diesmaligen Kaiserbesuches noch weniger Raum für eigentliche Politik bleiben. Kaiser Wilhelm kommt nach Wien, um unserem Kaiser zum 80. Geburtstage seine Glückwünsche darzubringen. Das ist der äußerliche Anlaß seiner Reise, bei dem Gefühlsverhaltnis der beiden Monarchen ist dies ein hinreichender Beweggruird. Es bereitet hier eine besoiidere Genugtuung, zu sehen, daß in diesem Falle wie schon so oft Kaiser Wilhelm der Dolmetsch seines Volkes ist, das uns bei so vielen Gelegenheiteri durch das Zeug­nis der Verehrung für unseren Kaiser erfreut hat. Diese Ver- ehrung wollen wir dem deutschen Kaiser vergelten mit herzlrchem Erwidern. Er hat sich in den Sagen der Probe als ein Frermb von vorbildlicher Treue bewährt. Durch die r i t t e r l i ch e G e st e seiner F r e ii n d s ch a f 1 hat er den C wanken des Bündnisses auch für das Volksempsinden vermenschlicht und für Millionen einfacher Gemüter anschaulich gemacht. Dem Wiener Hof und unserer ganzen Bevölkerung ist Kaiser Wilhelm em lieber Gast, den man gerne kommen sieht und dem man beim Scheiden em Auf Wiedersehen! zuruft.

Auch dieWiener Abendpost" Und inePolitische Korre- -pondenz" widmen dem Kaiser schwungvolle Artikel. Wir ie grüß en es, daß die Wiener Presse den kaiserlichen Gust 'o hervorragend feiert, wissen aber, daß dies lediglich im Interesse des eigenen Landes geschehen ist. Deutschland hat der ^Habsburgischen Monarchie in eiitscheidendsten Stunden der österreichischen Politik die nachhaltigste Hilfe geleistet. Unsere amtlichen Politirer in der Wilhelmslraße ^werden hoffentlich aus dem guten Verhältnis der beiden Staaten ferner noch größeren Nutzen zu ziehen sich bemühen als bisher.

politische Tagesschau.

Der Reichsfchatzsekretär in Noten.

Die Balanzierung des neuen Reichshaushalts für 1911 macht, wie wir hören, dem Reichsschatzamte diesmal erheb­liche Schwierigkeiten. Obgleich die Ressortforderungen schon aus ein Mindestmaß bescksränkt waren, sind doch noch so

Deutsches Reich.

Die Abreise des kronprinzlichen Paares nach Ostasien erfolgt voraussichtlich in den ersten Tagen des November mit einem Danrpfer des Norddeutschen Lloyds von Genua.

Der Reichskanzler ist in Berlin erngetroffen.

Aus Mülhausen i. E. wird gemeldet: Die Eisen- bahn-Werkstattenarbeiter sind bei der Verwaltung um eine Lohnerhöhung eingenommen; der Vorstand hatte diese jedoch abgelehnt. Jetzt hat der Eisenbahnarbeiter- Verband beschlossen, die abgelehnte Forderung auf dem Wege einer Bittschrift an den Reichstag geltend zu machen.

Bei der am 15. September erfolgten Reichstaas­ersatzwahl im Wahlkreise Frankfurt (O d er)-Le- bus wurden nach der endgültigen Feststellung insgesamt 28695 Stimmen abgegeben. Es erhielten Schuhmacher­meister Faber-Frankfurt a. O. (Söz.) 14 319, Geh. Archiv­rat Winter-Magdeburg (Natl.) 7754, Arbeitersekretär Dun­kel (kons.) 6595 Stimmen. Mithin ist eine engere Wahl zwischen Faber und Winter erforderlich. Als Wahl­termin wurde der 26. September bestimmt.______

Ausland.

Die Blätter melden aus P a r i s : Die hier streiken- denModi st innen gingen mit S ch i r m s ch l ä g e n gegen die Sicherheitsbeamten vor. Dann zertrümmerten sie die Terr ass e eines Restaurants und schlugen mit Tisch- und Stuhlbeinen auf die Beamten ein. Einige derDamen" bekamen einige wuchtige Faust­schläge. Mehrere von den verletzten Mädchen lehnten die Ueberführung ins Hospital ab, Um in Privatpflege zu bleiben. Die Polizei nahm einige Verhaftmrgen vor.

In P a r i s findet gegenwärtig der Internationale Kon­greß zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit statt. Nachdem Eochery den Kongreß namens der franzöfrschen Regrerung begrüßte hatte, übernahm Leon Bourgeois den Vorsitz^ Deutschland ist vertreten durch Stadtrat Frschbeck- Berlin, den Vorsitzenden der Landesverjicherungsansllckt Ber­lin, Dr. Freund, Geheimrat Zacher und Stadtrat Flesch-Frankfurt a. M. NKmenZ der auswärtigen Delo-