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19.1.1910 Zweites Blatt
 
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General-Anzeiger für Gberhesfen

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Mhörigen Hoden oW 1 zu töten, den Herren Lest-Anlageo

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republikanische Regierung werde fortfahren, den Frieden im Innern des Landes und die Sicherheit der Republik zu schützen.- (Lebhafter Beifall links.)

Nach der Rede des Unterrichtsministers wurde die Sitzung aufgehoben.

Leben.

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Urbare Natur-

Redaktion, Exveditton und Druckerei: Cdn* Praße 7. EroedlNon und Verlag, ey® 5L Redaktion: «-8K112. Tet.-Adru Anzeigers letz«.

Dietefoenet $amihtnbl8rter** werden dem .Anzeiger^ oiermal wöchentlich bergelegt, dar Krttsblat! ffil dev Kreis Lietzen' »roeimal wöchentlich Die ^Landwirtichaslliche» Lett» krage«- erscheinen monatlich iroctmaL

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Vie Arbeit Des hessischen Zinanzausschusses.

R. B. Darmstadt, 18. Jan. Im Finanzausschuß der Zweiten Kammer wurde heute in Anwesenheit des Abg. Best zunächst dessen Antrag besprochen, der dahin geht, alle B e a m te n- stellen nur auf den Inhaber zu bewilligen. Abg. B e st erläuterte diesen Antrag dahin, daß er die Neuorganisation der Staatsverwaltung im Auge habe und verhüten wolle, daß letzt Beamte auf Stellen kommen könnten, die bei der Neu­organisation in Wegfall kämen; dann würde auch der Pensions­fonds unrichtig belastet werden. Abg. Tr. Osann wies daraus hin, daß der Antrag Best die ganze Staatsorganisation und die Fortführung der Staatsgeschäfte in Frage stelle. Eme ganze Reihe von Stellen in der Justiz müsse schon nach dem Rnchs^ rccht endgiltig besetzt werden. Ter Gedanke des Antrags Best sei am besten dadurch zu verwirklichen, daß cm die Regierung das dringende Ersuchen gerichtet werde, bei Besetzung neuer Stellen deren Notwendigkeit gerade mit Rücksicht auf die Neu­organisation genau zu prüfen. m .

Abg Tr. Gutfleisch stimmte dem Vorredner bet, wahrend sich Abg. Ulrich für den Antrag Best er Härte und eventuell beantragt, die Besetzung neuer Stellen für das Jahr 1910 nicht zuzulassen. Abg. Molthan sprach sich für eine diesbezügliche Entschließung an die Regierung aus, wünschte aber, daß die Vor­arbeiten zu der Neuorganisation keinerlei Kosten verursachen dürf­ten Abg. Reinhart war ebenfalls der Auffassung, daß durch die neue Enquete der Regierung keine besonderen Kosten entstehen könnten und dürften. Nachdem Staatsminster Ewald in einer der letzten Sitzungen erHärt habe, daß die Regierung auf die Neu­organisation sicherlich Rücksicht nehmen werde, .sei er Reinharts befriedigt Abg. Best ist nicht dagegen, wenn die Wirkung seines Antrags auf das Jahr 1910 beschränkt werde, also nur für die Uebergangszeit bis zur Neuordnung der Staatsverhaltnisse Er verweist darauf, daß die Oberlehrer durchschnittlich nur 3Vr Stun­den am Tag gäben; diese Zahl könne auf 24 Stunden wöchentlich erhöht werden, wodurch dann etwa 300 000 Mark erspart wür­den. Abg. Molthan will die Regierung wohl ermächtigen, neue Stellen zu besetzen, aber nur durch Verschiebung in dem Beamten körper, nicht aber durch Neubesetzung. Tie Regierung, die heute nid>t zugegen ist, soll zunächst über den Antrag Ulrich um ihre Meinung befragt werden L ...

Zu dem zweiten Antrag Best, bte D i a t e n auf dre tat­sächlichen Ausgaben zu beschränken, erwähnt Abg. Brauer, daß hier Mißstände vorkämen. Er hält es für unrichtig, daß den Oberförstern noch Tagegelder gegeben werden wenn Jte in ihren Bezirk hinausgehen. Abg. 2-t. Gutfleisch wies darauf hin, daß die hessischen Diätensätze die geringsten im Reiche seien. Sodann wurden die verschiedenen weiteren Anttage des Abg. Best besprochen und dessen Erläuterungen dazu entgegengenommen. Da die betreffenden Haushaltsposten mit.der Regierung noch nicht erörtert worden sind, so konnten Beschlüsse darüber nicht

vornehm sei? Und doch zwingen Sie int Konzert und Theater alle, die um Sie Herumsitzen, die Gerüche zu riechen, die ^hnen persönlich angenehm sind und die Sie infolgedessen von Ihnen ausgehen lassen. In Konzert und Theater und lonst auch, wer nicht mit zugehaltener Nase vor Ihnen stehen will, muß riechen, was Ihnen angenehm erscheint. Kann es eigentlich viel Auf- dringlicheres geben? (Aus dem ersten Januarheft des Kunstworts) Millionenvermächtnis eines Nea er S. Erni Eingeborener von Sierra Leone hat der dortigen Schulbehörde 1 200 000 Mark hinterlassen mit der Bestimmung, daß das Geld für Erzichung mroaibet werde; es ist dies, tote dieKoloniale Rundschau" nrittcilt, eines der ersten Beispiele dafür, daß em Neger Afrikas eine größere Geldsumme für öffentliche Zwecke testa­mentarisch vermacht, zugleich ein Zeichen von dem Wohlstand der Bevölkerung, wenn er sich in diesem Maße natürlich auch nur ganz vereinzelt finden wird. Nach dem Willen des Erblassers soll das Kapital von solchen Eingeborenen verwaltet werden, die über­zeugt sind, daß die Zukunft Sierra Leones vor allem m der Ent­wicklung einer gesunden Landwirtschaft liegt, doch sollen auch zwei Beamte des Gouvernements, unter ihnen der Oberste Richter, im Verwälttmgsrat fein. Mit dem Gelde soll eine Art landwirt­schaftlicher Hochschule für Eingeborene gegründet werden, in dem der Tirektor des Landwirtschafts-Departement einen Lehrstuhl inne hat.. r .. .

Teskas Wunderlicht. Der amertkantsche Erfinder Nikolaus Tesla, der seit zwanzig Jahren an einemdrahtloses elektrischen Licht" arbeitet, hat nunmehr, so weiß die Newyorker World zii berichten, das Problem gelöst und seine Erfindung vollendetMit einem großen drahtlosen Llchtgeber", so äußerte sich Tesla,könnte ich die ganzen Vereinigten Staaten erleuchten. Der Strom würde sich in die Luft ergießen und nach allen Mästungen sich verbreiten mit der Wirkung eines starken Nord­lichts Es wäre ein sanftes Licht, jedoch stark genug, um dir Gegenstände zu unterscheiden., Tesla plant, zunächst den L>afen von Newyork in einem Umkreis von rund 100 englischen Meilen zu erleuchten.Eine einzige große Zentralstation roare das Bil­ligste und Sicherste, um bestes Licht zu erhalten. Meine Lampw bedürfen keiner Erneuerung, denn nichts m ihnen brennt ab. Sie sind einfache Kugeln auS Glas, die hermetisch verschlofsen und versiegelt sind und verdünntes Gas enthalten."

Aus dem vubgetausschuh M Reichstags.

Am Tienstag standen die Bahn fragen in Südwest Afrika zur Verhandlung. Zum Umbau der Bahnstrecke Kariblb- Windhuk sowie zum Bau der Nordsüdbalm ist eine erste Baurat« in Löhe von 3 500 000 Mk. in den Haushalt eingestellt, du zum vollen Betrage im ordentlichen Haushalt Deckung findet.

Nach den Berichten des Berichterstatters und des Kvrrefe- renten führte Staatssekretär De rn bürg aus: Die moralisch. Wirkung der Diamantenfunde sei nicht sehr erwünscht, da -vpeku lationsfteber anstelle der Arbeitslust trete und das Rechtsgeftih zerstört werde. Deshalb dürfe der Erwerb auS den Diamanten der gesamten Kolonie nicht den Diamantengegenden allein zugute kommen. Es müßten die für Besiedelung deS Landes Vorteil- Haftesten Balmen' gebaut werden. Ter Diamantenfegen könne ein Ende nehmen. Man habe gefunden, daß Konzessionen und Mono­pole nicht zum Vorteil des Schutzgebietes vergeben feien; das Sckfädlichstr von allen aber sei die Otavibahn- und D a - maral and-Kon zession. Tonn 47 Jahre liege man noch in den Fesseln der Gesellschaft und 10 Prozent Reinertrag fe> ihr außerdem gesichert. Falls die Oktavi-Minen einmal weniger bringen sollten, würde die Gesellschaft Ersatz bei der Bahn suchen. Ter Staatssekretär behandelt die verschiedenen Zukunftsmog- lichkeiten für die Verhältnisse der Bahn. Auch bei den un- günstigsten Annahmen blieben stets 2 Prozent Verzinsung für die Otavibahn an sich. Dazu kämen aber 300 000 Mark Fracht aus der Richtung Windhuk, die dann auch über bte Otavibahn aehen Würde aber der Verkehr von Karibib auf die Otavibahn geleitet, so fei diese als Pächterin verpflichtet, 33 Prozent der Brutdoftachteinnahme aus diesem Verkehr zu vergüten dadurch werde einige Rentabilität gesichert. Die Otavibahn muß helfen, die Nordsüdbahn zu tragen, da diese in den ersten Jahren nur Defizits geben könne. Deshalb müsse kombiniert werden. Die Nvrdsüdbahn sei strategisch und wirtschaftlich wichtig, sie HE' eine gute Entwicklungsmöglichkeit, aber durchaus keine -Li^rheit. In zehn Jahren werden etwa 4% Millionen ohne die etwaigen Ersparnisse an der Schutztruppe übrig bleiben und außerdem 1300 Kilometer Bahnen in den Besitz des Reiches treten.

Nach weiterer Aussprache nnb neuen Erklärungen des Staats­sekretärs vertagte sich der Ausschuß auf Mittwoch.

hessische Landwirtschaslrkammer.

R. B. Darmstadt, 18. Jan.

Die heutige Sitzung wurde um 10 Uhr durch den zweiten Präsidenten Bähr eröffnet. Abg. E i b a rfj brachte einen Antrag ein, falls der Antrag Bähr-Köhler von der Zweiten Kammer ibgelehnt wird, das Präsidium zu ermächtigen, 9000 Mk. zur Bekämpfung von Rebschädlingen nachträglich in den Etat der Üandwirtschaftskammer einzustellen. Dann beginnt die Spezial- oevatung.

Man berät zuerst die Ausgaben. Eine Anzahl von Positionen wird nach den Vorlagen ohne wesentliche Besprechung bewilligt. Zum KapitelLandwirtschaftliche Buchführung" hat Der Voranschlag einen Grundplan vorgelegt, nach dem ein ein­heitliches System der Buchführung für ganz Heften ausgearbeitet werden soll. Es werden hierzu verschiedene Wünsche geäußert/ und schließlich wird beschlossen, einen besonderen Ausschuß eiw- zusetzen, die den Grundplan unter Berücksichtigung der geäußerten Wünsche und möglichster Einfachheit bearbeiten soll. Dieser Grundplan soll dann sämtlichen Landwirtschastsschulen zur Ein­führung überwiesen werden.

Zinn Kapitel Haushaltungsschulen führt tzensel- Dortelweil Klage über die Schule in Langen, für die man einen Neubau errichten solle, anstatt sie, wie beabsichtigt, zu vergrößern. Auch sollten diese Schulen so ausgebaut werden, daß sie den Töchtern der Landwirte Ersatz für Pensionate und höhere Töchter­schulen bilden. Generalsekretär Leit Higer hält es für besser, wenn die Schulen nicht vergrößert, sondern vermehrt würden. Viehmann - Rumpenhain rügt, daß die Schulen zuviel von Ausländern" (Preußen) besucht würden, man sollte in erster Linie hessische Mädchen berücksichtigen. Der Generalsekretär stellt fest, daß das schon geschieht. Weiter wird gerügt, daß die Schule in Lindheim ihre Häkel- und Stickgarne von Leipzig bezieht, und der Wunsch geäußert, neue Schulen nicht in Großstädte! zu bauen, sondern auf dem Lande.

Beim Kapitel Landwirtschaftliche Zeitschrift usw. wird Sparsamkeit empfohlen, doch stellt der Generalsekretär fest, daß da nichts zu machen fei. Dann kommt es zu längeren Aus­einandersetzungen zwischen Professor Gisevius und den Vorstands­mitgliedern der Kammer sowie einigen Mitgliedern. Vom Kammervorstande wird behauptet, daß Prof. Gisevius es wieder­holt an Entgegenkommen habe fehlen lassen. Dieser verteidigt sich gegen diesen Vorwurf. Vom Abg. Köhler und verschiedenen anderen Rednern wird in beiderseitigem Interesse zum Frieden! gemahnt. Nach gründlicher Aussprache erklären sich beide Teile zum Frieden bereit und man hofft, auch einen Weg zu finden^ auf dem sich in Zukunft ein Zusammenarbeiten ermöglichen lasse. Das Kapitel Maschinen Prüfungen, das diese Auseinander­setzung verursacht, wird dann genehmigt.

Zum Kapitel 10 Förderung des landwirtschaft­lichen Bauwesens hat Dbg. K ö h l e r - Langsdorf folgende! Resolution eingebracht: Angesichts der im Gange befindlichen Re­vision der allgemeinen Bauordnung wird die Regierung ersucht: 1. Die Bauordnung der Großstädte einerseits und der ackerbau­treibenden Dörfer und Landstädte andererseits sowie der Einzel­gehöfte getrennt und gesondert zu gestalten. 2. Hierbei dem Be­dürfnis der Landwirtschaft und auch der minderbemittelten Be­völkerung durch eine weitgehende und rationelle Einschränkung! der Anlage von Brandmauern, besonders bei Erstbauten an der Grenze (bis zu einer Entfernung von drei Metern), unbebauter Grundstücke und innerhalb des eigenen Gebäudekomplexes ge­bührend Rechnung zu tragen. 3. Das Zäungertenfachwerk ber Errichtung von Neubauten wieder zu gestatten. 4. Dem Er­fordernis neuzeitlicher landwirtschaftlicher Gebäudekonstruttwnen> so wie diese an dem Beispiele der Berliner Rieselgüter und anderer fortgeschrittener landwirtschaftlicher Betriebe in die Er^ scheinung getreten sind, weitgehendste Rechnung zu tragen

Da Abg. Heil protesttert, wird die Beratung der Resolution unmöglich gemacht, nach scharfen Auseinandersetzungen zwisckfen Kühler und Heil aber wieder eingebracht und dann angenommen. Aut Anfrage Römer erklärt Oberregierungsrat Heinrichs^ die 9000 Mk. für Bekämpfung der Rebschadlinge aufzubringen sei Sache der Landwirtschaftskammer, das sei auch seinerzeit vom Ministerium des Innern klar und deutlich ausgesprochen. Die Herren Bähr, Leithiger, Korell, Walther und Lichtenstein wider­sprechen dem. Der Verteilung der Staatsmittel und Kammermittel auf die einzelnen Provinzen wird bann zngestimmt und darauf die Sitzung geschlossen.

Nächste Sitzung Mittwoch 10 Uhr.

c u s. Ter Ausschuß der Zweiten Kammer war vollzählig per» treten. Von der Regierung nahmen die Herren: Staatsminister Tr. Ewald, Finanzminister Dr. Gnauth, Minister des Innern Tr. Braun, Geh. Staatsrat Krüger-Nidda, Geh. Rat Tr. Becker und Ministerialrat Süss er t teil. Tie Sitzung cheint ziemlich rasch und förmlich verlaufen zu sein, denn chon bald nach 4 Uhr sah man mehrere der Teilnehm'r sich an dem Genuß einer Tasse Kaffee laben. In der Sitzung, über deren Verlauf von allen Mitgliedern strengstes Stillschweigen beobachtet wird, erstattete Abg. Reinhart, der Präsident des Ausschusses der Zweiten Kammer, einen Bericht über die be­kannten Vorschläge dieses Ausschusses, das von den Herren der Ersten- Kammer anscheinend recht reserviert entgeaengenommer wurde. Der Ausschuß dieser Kammer dürfte diese Vorschlag- zuerst einmal eingehend unter sich erörtern und alsdann noch mals mit dem Ausschuß der Zweiten Kammer zur Beratung zusammentreten.

3. für die Schulverwalter

4. für sonstige im Staatsdienst beschäftigte Personen

5. für die Arbeiten im Staate mithin in Summa

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Es kam daraus die Antwort berxpiegterung zur Sprache, toie sich bei einer Teuerungszula«e die anzufordernden Bettäge stellen würden. Bei einem Zuschlag von 10 Prozent bis zu 2000 Mark Höchstgehalt und von 5 Prozent bei einem Gehalt von mehr als 2000 Mark werden erforderlich sein:

1. für delretiiiähig angeftedte Beamte .... oyr jjii. 1 2 für seminaristisch gebildete Lehrer ».Lehrerinnen

551 475

109 650

399 329

155 850

2 195 200 Mk

Wenn nur Beamte usw. mit einem Höchstgehalt von 2000 Mk. bedacht werden sollen, so ergeben sich folgende Zahlen:

1. für Staatsbeamte.....- 070

2. für gegen Vergütung beschäftigte Personen . . 292 434

3. für Schuloermalter

4, für Arbeiten in Staatsbetrieben loo 8o0

mithin in Summa 577 984 Mk.

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Wie bekannt, beträgt der Rest des Ausgleichsfonds, der nach dem Beschluß des Finanzausschusses Nicht zur Schuldenttlgung verwendet werden soll, 1059 920 Mark. Heber dre vorstehenden Angaben fand im Ausschuß zunächst eure unverbindliche Aus­sprache statt. Tie nächste Sitzung wird am Mittwoch vormittag abgehalten werden. , Ä «

Die gemeinschaftliche Sitzung der Finanzaus­schüsse beider S tünde ka m mer n, in welcher über ine vom Ausschuß her Zweiten Kammer auf gestellten Vorschläge zum Haushalt 1910 und zur Regelung der finanziellen Verhattnisie im allgemeinen zur Beratung gelangten, sand heute nachmittag 3 Uhr im Sitzungszimmer der Ersten Kammer statt. Den Vorsitz führte Ausschußpräsident Graf ^rbach-Furstenau; autzer- dem waren vom Finanzausschuß der Ersten Kammer Zugegen. Fürst zu I s e n b u r g - B i r st e i n, Prinz zu So l m»-B raun- f e l e,, Frhr Hehl z u Herrnsheim und Bankdirektor^ar^

AleLue-^Leüilleton.

Der Reichskommers alter 93 u vfeh enf d) öfter sand am Samstag abend in den Ausstellungshallen am Zoolo­gischen Garten in Berlin statt, Sic Ra-fembe hielt gwat Wagner. Er gab darin dem Wunsche Ausdruck, daß das Vater­land nicht durch die neue Parteigruppierung Schaden le,den möge. Oberlehrer Lic. Dr. Moldaeiike hielt bte Festrede auf bie Burschenschaft. Tie Burschenschaft habe sich äußerlich anders ent­wickelt, als die Gründer gebuchten. Es sei nicht gelungen, bie nationale Studentenschaft der ganzen Universität unter ihrem Banner zu versammeln. Ein ganzer Kreis von ^identischen Ver­bindungen fei um sie herumgewachsen, bie z. T. burfchenschaftUche Ideale auf ihre Fahnen geschrieben haben. Uber schliegl ch. ob andere Farben und andere Weise, freuen müsse sich ber Binschen- schaiter über jebe Treue, wo er sie finbet. Denn das Herz bev Bnftchenschafters weiß von nichts anderem, als vom Vaterlanbe und seinem Wohle. Die Treue gegen bas Laterlanb stehe ia auf jedem Blatte ber Geschichte ber Burschenschaft.

UeberSiegfrieb Wagners neue Oper »Bana- dietrich" die am 23. d. M. am Karlsruher Hoftheater ihre Ur- auffübriing erlebt, wirb dem ,B. B. C." berichtet: ©.egfrteb Wagner ist auch bei seiner neuen Oper der Romantik ^eii ge­blieben, seiner Vorliebe für Mystik unb Traumgedanken. Wagner ist ber ältesten Volkssage, mit allerlei Freiheiten M«*, ziem­lich genau gefolgt. Sem Held Banadietrrch ist eine flirt lieber- mansch geworden, ein Held, stets im Kampfe zwischen Heldentum und Liebe; an seiner Seite stets in allerlei Gestalten, wie neben Faust der Mephisto, der Teufel, der gleich ,m ersten Akt dem Helden eine Schlacht gewinnen laßt dafiir, daß er oon ber zur holden Schwanenweiß lagt, Teufels Glnsluß ^"rirkt dann auch die größte dramatische ^zene der Handlmig, dort, wo Banadietrich vor der Kirchentür ob seines Trotzes m Acht unb Bann getan wird Aber auch schwanenweiß, die Verraten^ wiid Durch desselben Teufels Macht, uom Liebsten verraten, zurück in die falte Flut getrieben, ber sie, Undinen gleich, entstammt, wo­hin ihr zum Schluß Held und Geliebter Banadietrich 'olgt. - Em großer Ausstattungsavparat ist für diese jungüe Wagiier-Rov'tat vom Karlsruher Hoftheater aufgeroanbt tvorden. ^.ev tiaitei» komvonist mar in diesen Wochen oft m Karlsruhe und u^erzetigte sich oon dem Fortschritt der Proben unter Hoffapellmeister Reich-

Line erregte Uammersitzung in Frankreich.

Paris, 18. Jan. In der Sitzung der Kamme r rief bte Bemerkung des Abgeordneten Le fas, daß die Zu- nah meder Zahl derT eserteureauf die antipatrio­tischen llnterrichtsbücher zurückzufichren f i, einen heftigen Tumult hervor. Seitens des Heeresaus- schusfes wurde lebhaft gegen die Behauptung protestiert und erklärt, die Zahl der Deserteure sei nicht im Wachsen begriffen.

Unterrichtsminister Doumeraus nannte die Angriffe einiger Redner in feiner Antwort einen Feldzug, der gegen­wärtig gegen die Lai en schule geführt werde und melrr politischer als religiöser Natur sei. Der Kampf richte sich in Wirtlichkeit gegen die Republik. Die Gegner hatten an der Laienschule besonders das ausKusetzen, daß sie die republikanischen Wähler sogar vermehrt und die Trennung von Staat und Kirche ermöglicht habe, in bie bie französischen Katholiken eingewilligt haben würben, wenn Nicht Rom sein Non licet dann gesprochen hätte. Die Lehrerschaft verdiene die gegen sie gerichtete Kritik nicht. Die n c u ein» geführten geschichtlichen Lehrbücher, bie von den Bischöfen verurteilt worden seien, zeichneten sich durch ihre unparteiische und aufrichtige Darstellung aus. Die

weinS Leitung. Für die Titelrolle, die kolossale Ansprüche, ge­sanglich wie fchauspielerisch, an ihren Vertreter stellt, wurde der Tenorist Hensel auS Wiesbaden verschrieben.

- U n t e r h a 11 u n g s l e k t ü r e i n A p o t h e k e n. Eme zeitgemäße Neuerung ist feit Anfang dieses Jahres in vielen Apo­theken einpeführt worden. Um dem auf die Anfertigung von Arzneien wartenden Publikum Lesestoff aus dem Gebiete der Hvgiene und verwandter Gebiete zur Verfügung zu stellen, vet° sendet der Wirtschaitsverband deutscher Apotheker an alle Apo­theken eine vollstümliche DtonatSschrift, die auch ständige Notizen über alles Wissenswerte, über den Verkehr des Publikums mit den Apotheken enthält unb in bem Warteraum der Apotheken zur freien Benützung des Publikums aufliegt. Es wird beispielsweise erklärt, daß e ck i g e F1 a s ch e n u u d rote <5 d) 11 b eben für äußerliche runbeFlaschen unb weißeSchtlbch en für innerliche Arzneien verwendet werden, um von vorn herein Irrtümer anszuschließeii. Diese und ähnliche Bestimmungen zum Schlitze der Allgemeinheit sind noch weing bekannt, und es ist deshalb zu begrüßen, daß sich ber Wtrtschaftsverbanb beulscher Apotheker für ihre Bekanntmachung verwendet. .

N äsens ckutz. Ich sitze im SchamspteMus unb gemcße mit Andacht des Duftes, der pon der vor nur sitzenden Jungfrau aus den ganzen halben Mai in tonjertrierter Form aufsttigM läßt- Immerhin, nad) einiger Zeit möchte ich mich mit etwas anderem beschäftigen. Man gibt Hamlet. Ter Vorhang h^t sich, die Posten tauschen ihre aufgeregte Zwielprach, es riecht nach JJcai. Der Geist kommt aus einem Ort, wo es gar ulcht schon ist, aber er riecht nach Mai. So geht es weiter. Tie furchtbare GewiMit beim S<l>auspic!l im Schauspiel, ber Monolog, des Poloncus Tod, Opheliens Wahnsinn, die Kirchhoflzenc, daS große -sterben am SMuß,ber Rest ist Schümigen" cs,riecht mwicr ungemein holdselig nach Mai. Holdselig nämlich für b^tt, ders.wag, wie mein Borderfräillern. Auch nicht eigentlich nach Mai, sondern nach irgendeinem Mirfüm de cent ober be miHe fleurS- Nach Parfüm jedenfalls. ZLährend all des Ungeheuren dort riechts nad) Parfüm. Wie es neulich im, Konzert bei Beethoven irach fBarfüm roch. Unentrinnbar, als sollte eben bte Unerb1111 ifb-Jc11 be5 Schicksals dadurch in grausamer chairftd)fett symbolisiert morden. Lärmschutz forbern schon viele, ich strdere

Nicht wahr, 'meine Tarnen, Sie sind sonst auch der Ansicht, daß Zurückhaltung vornehm und AufdringlichLett sagen wir: nicht

gtr. 15 Zweites Blatt 160. Jahrgang Mittwoch Januar 1910

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BorffattS.