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18.5.1910 Erstes Blatt
 
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Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.

Die Trauerfeier in London.

London, 17. Mai.

Die Uebersührung der Leiche des Königs Eduard aus dem Buckingharnvalast nach der Deftrninsterhalle ift mittags tu der angelündigten Weise erfolgt. Zwischen 6 unb 8 Uhr morgen^ war die Umgebung des Palastes und die Mall dicht von Menschen­mengen gefüllt. Inzwischen belebten die Garden "irt umflorten Fahnen und gedämpften Trommeln die Straßen, welche für die Prozession bestimmt nxircn. Ihre Scharlachuniformen standen im lebhaften Gegensatz zu dem Schwarz der in Lratnrkleidung ge­hüllten Menge. Um 12 Uhr 30 Min. begann das Trauergelaute.

Unmittelbar hinter der Lafette mit dem Sarge wurde die Königliche Standarte getragen; dann folgte König io c o r g ganz allein, hinter ihm der Herzog von Cornwall und Prinz Albert, des weiteren zu je dreien die anderen «Fürstlichkeiten, io die Könige von Dänemark und N o r w e g e n , der -Verzog, von Sachsen Koburg und Gotlw, Großfürst Michael Ulerandro- witsch und andere. Ten Schluß des Leichenzuges bildeten Wagen mit den fürstlichen Damen. Zn dem ersten Wagen saßen die Königin Alexandra, die Kaiserin-Mutter von Russland und die Prinzeß-Ropal, Prinzessin Victoria; ini zweiten Wagen Kvmgin Mary, die Königin von Norwegen, die Prinzessin Mary und Prinzessin Menry. In wetteren sieben Wagen folgten die an-, deren fürstlichen Damen. , .

Bei der Ankunft vor der Westminsterhalle wurde der Sarg von dem Erzbischof von Canterburn und dem Lord-Großkäni vierer, Earl Marshal Mr. Harcourt, empfangen. Nachdem der' Sorg auf denKatasall gestellt worden war, begann derGedacktnisgott^dicnst.

Zn der ersten Reihe gegenüber dem Sarge standen Asquith und Balfour nebeneinander. Inzwischen wurde die große Treppe, welche vor dem Parlamcntsgcbäudc ui die .Halle hinabsührt, von den Sängern der königlichen Kapelle und dem Chor der West- minsterabtei besetzt. Dann zogen die LordS, an ihrer Spitze der Lordkanzler Erzbischof von York, in feierlichem Zuge in die Valle cm und nahmen ihre Plätze gegenüber den Mitgliedern des Unterhauses ein. Als der Sarg, dem der Erzbischof von Canter- burh voranschritt, in die Halle getragen worden war, kam bic Königin Alexandra, gestützt auf den Arm des Königs Georg. Zur Linken der Königin Alexandra schritt die cm enn-Mutter von Rußland: unmittelbar hinter ihnen die Königin Martz mit dem jungen Herzog von Cornvall und der Prinzessin Viktoria. Hierauf folgten die anderen fürstlichen Damen, die Könige von Norwegen und Dänemark mit dem Herzog von Conuaught und den übrigen hohen Leidtragenden. Die Prozession stockt einen Augenblick, während dessen der Sarg auf den Katafalk gesetzt und die Kroninsianien auf ihn niedergetegt werden. ä.ann nahm der König, die Königin Martz und die Kaiserin-Mutter gegen­über dem Sarge Platz, die Königin Alexandra zur <2Cite des Sarges, die anderen Fürstlichkeiten gruppierten sich hinter dem Katafalk. , , . , .

Der Erzbischof von Canterburtz hob in ferncc Trauerrede hervor, was König Edward für das britische Rech getan hat. Nach Schluß des Gottesdienstes kniete die Königin Alexandra in stillem Gebete vor dem Sarg nieder, daun hob der König seine Mutter auf und führte sie und die Kaiserin-Mutter hinaus. Alle fürstlichen Leidtragenden fuhren in den Palast

Von 3 bis 4 Uhr nachmittags herrschte in der Westminster- Halle feierliches Schweigen. Der Sarg ruht auf dem Katafalk unter einer reich verbrämten Atlasdecke. An seinen vier Ecken stehen königliche Leibgardisten, die Hellebarde in de, Hand. Am Kopfende des Sarges brennen in vier Kandelabern 16 grotze Kerzen. Nur ein einziger Lorbeerkranz schmückt den Sarg. Lonst ist von Blumen nur der prächtige Kranz des deutsche it Kaisers zurückgeblieben, der an einem der vielen Denkmäler in der Halle niedergelegt ist. Von vier Uhr au begann der V o r - Übergang des Publikums, das in Reihen von je vier und vier zugelassen wird. Gegen drei Uhr standen wenigstens 30 000 Wartende vor der Halle und noch viel mehr standen bet de'- Westminsterabtei und der Wcstminsterbrücke und am Themsekai.

Neuorganisation des hessischen Finanzwesens.

Wir erhallen folgende Zuschrift, die sich mit der aud) bon uns kurz mitflcteilten Frage der Einbeziehung der Steuervcrwoltung in bic Kreisverwaltung befaßt:

Die verschiedenen Blättern zu entnehmen fvar, sollen vor einigen Tagen die Vorstände der hessischen Finanzämter in Frcutkniri a. M. zusammengesommen sein und sich hierbet gegen die Einbeziehung der Sieuerverwaltung in dte Krets- verwaltung ausgesprochen haben. Nach einer in derDarm­städter Zeitung" erschieiienen Notiz hat der Finanzminister die Absicht nicht geäußert, die Finanzämter mit den Kreis- ämtern zu vereinigen. Immerhin läßt sich nicht von der Hand weisen, daß eine solche Vereinigung manche Vorteile hätte, die Verwaltung vereinfachen und zur Kostenminderung beitragen würde. In Preußen besteht eine solche Vereini­gung und hat sich) dort gut beivährt. Für die Ein­wohner eines Kreises ist es von größtem Mert, daß ihre steuerliche Leistungsfähigleit von einem Beamten, der mit allen Selbstverwaltungsorganen des Kreises durch bin Vorsitz in den Selbstverwaltungseinrichtungen in engster Fühlung steht, beurteilt wird, weil.ein solcher Beamter durch seine Sicklung und Tätigleit Kenntnisse und Voraus­setzungen für eine solche Beurteilung erhält und mit sich bringt, die ein anderer Beamter int Kreise gar nicht haben sann Andererseits hat aber auch der Staat selbst das größte Interesse, daß bte Kenntnisse des Kreisrats über die wirtschaftlichen Verhältnisse des Kreises und der ge­samten Krcisbevölkerung, sowie der Gemeinden richtig vcr- maltct und nicht, wie dermalen der Fall, in finanztechnischer Hinsicht nicht auFgenicht werden. Eichicht eine solche Aus­nutzung, so liegt auf der .Hand, daß, aogesehen von Geschästs- veceinfachungelt unb Kosten er sparnis s en, auch eine wesentliche Verbesserung der Art unb Weise ber steuerlichen Verwal­tung, an ber gerade die Gemeinden, deren Ausfichts- organ ber Kreisrat ist, ebenfalls ein sehr große sJn- t e r e s f e haben, l-eröcigeführt werden tonnte. Die Kreis- verivattung wäre sicher auch vorzüglich in der Lage, die oberste Finanzvcrwaltung stets darüber zu informieren, welche Str Hingen Steuerveranlagungen, SteuererHöhung en nfir. in der einen und anderen Richtung auf die Bevölkerung und das Wohl der Gemeinden haben. Wenn aber wirtlich, wie in öffentlichen Blättern &u lesen war, bei der oben erwähnten Versammlung geäußert worden sein sollte, bic Vermaltnngsbeamten der Kreisämter seienjuristisch lralbgebildere und steuerlich nicht gebildete" Beamte, so ist das ebenso verwunderlich wie unrichtig. Wer eine solche Aeußerung getan haben würde, beweist, daß er dem öffent­lichen Leben fern steift und die Tätigkeit unserer Kreisämter vom bureaulratischcn Gesichtspunkt aus beurteilt. Jeder, der sich einmal mit der Rechtsprerlfung auf dem Gebiete der Vcrwaltungsgcsehgebung beschäftigt hat, weiß, welche Anforderungen an die juristischen Kenntnisse unserer Ver- waltnngsbeamten gestellt werden, bic la auch das gleiche Staatsexamen wie die Richter ablegen müssen. Genügend' ist auch bekannt, daß sich unter unseren Kreis-Berwaltungöbeamten ganz vorzügliche Juristen be­finden, bic ihre juristische Befähigung doch auch foritvährcnd vor den Augen der Bevöllerung in ber Ocffentlichkeit bartun müssen. Au tz erb cm haben bic Kreisämter bekanntlich die ganze zbommunalfinanzverwaltung zu beausfichtigen, wobei

sie doch auch bic steuerlichen Verhältnisse kennen unb be­urteilen sollen, was ihnen aber durch die jetzige Gesetz- gebung recht erschwert wird. Gerade das sollte geändert werden. Geschieh! das aber, bann werben auch bic Krcis- vcrwaltungsbcLmlen rücksichtlich ihrer steuerlichen Kennt­nisse sich bald auf der Höhe befinden tonnen, zu ber zu gelangen sie zurzeit lediglich die Sragnisation der Steuer­behörden ab hielt. Der Verwaltungsgerichtshoj ist überdies ja jetzt schon das oberste Gericht in Steuersachen, also ein Beweis, daß die Steuerfache eine Verwaltungssache ift.

Auch an ber Spitze des Finanzministeriums und damit des Hess. Steuerwescns steht ein früherer Kceisverwaltungs- beamter. Mit solchen Gründen, wie die oben erwähnten der Finanzbeamten, bic lebiglich aus einem hier nicht in Betracht kommenden, sonst ganz löblichen Stanbesbewußt sein hervorgehen, läßt sich das Zweckmäßige der bewegten Neuorganisation nicht abweisen, unb man sollte wenigstens mit ihnen nicht vor die Oefsentlichkeit treten. Die Zweck­mäßigkeit, daß die Finanzämter in Hessen ihrer seitherigen mehr bureaukratischen Organisation entkleidet und in orga­nische Verbindung mit der Kreisverwaltung gebracht worden, bleibt nach wie vor bestehen und liegt im Interesse des Staates und des Publikums. Nicht einmal bic Bezirke der Finanzämter stimmen in Hessen zurzeit mit den Kreis- bezirken überein, ein Mißstand, ber einen UebcrMuf über die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Kreise außerordent­lich erschwert und der recht bald beseitigt werden sollte.

(Ein Handschreiben de; Naher; an die venedittiner.

Das große Interesse des Kaisers für bas religiöse Orbenswesen geht wieder aus folgendem .Handschreiben hervor:

Köln, 17. Mai. Bei ber heute nachmittag statt - gehabten lieb ergäbe des vom Kaiser der Erzabtei Beuron geschenkten Bronzekreuzes überreichte der Fürst zu Fürsten- berg dem Erzabte Schober ein Handschreiben des Kaisers, bas nach derKölnischen Volkszeitung" folgendermaßen lautet:

Hochwürdiger Herr Erzabt! Um Ihnen und der Benedik tinergenossenschaft einen neuen Beweis meiner Anerkennung und Wertschätzung au geben, habe ich mich in Gnade bewogen gefunden, ber Erzabtei Beuron ein Kunstwerk, ,,Christus am Kreuz", in Bronze zu stiften und meinen Oberstmarschall, den Fürsten zu Fürftenberg, mit der Uebcrgabe desselben zu betrauen. Mit der Wahl meines Geschenks hoffe ich Ihnen eine besondere Freude zu machen, ist es doch dasjenige Sinnbild, zu dem beide Konfessionen mit gleicher Verehrung aufblicken und, von dem für die ganze Menschheit ein unermeßlicher Segensstrom ausgegaugen ist. Möge das Kreuz auch in Ihrer Erzabtei reichen Segen stiften und allen Gläubigen, die vor ihm in Demut die Knie beugen, Kraft und Trost aus der Höhe spenden. Ich ver­bleibe Ihr wohlgeneigter Wilhelm."

Beuron, 18. Mai Bei der gestrigen Ueberreichung des vom Deutschen Kaiser den Benebittinern geschenkten Monumentalkreuzes füllte Fürst Max Egon von Fürsten­berg u. a. aus: Der Kaiser wünsche, daß der Or­den sowie das ganze katholische B o t k in der Ueber­reichung des Geschenkes ein Zeichen seiner beson­deren Huld sähen. Der Kaiser habe den gekreuzigten Heiland deswegen gewählt, weil zu ihm alle Christen, ohne Unterschied ber .Konfession, betenb ausblicken; der Kaiser wünsche, baß alle sich im Kreuze fänden.

Är. 113 Erstes Matt 160. Jahrgang Mittwoch 1^. Mai 191«

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»Gießener AineigerW KL». 772WM? sssg General-Anzeiger für Oberhessen

für bte Tagesnummer Hotationsbrud imd DerlM der vriihl'schen Umv.-Vuch- Bub Strmdruckerei H. Lange. Redaktion, Expedition and vrnckerei: Schnlstrahe 7. A°zei'genteü? H. Beck.

bis vormittags 9 Uhr. _______________ ..

Gicszerier Stadttheater.

Die geschiedene Frau.

Bon Viktor Leon. Musik timt Leo Falk.

Die erste Abonnements-Vorstellung brachte uns eine gute Aufführung von Leo Falls prickelnder Operette: D'.c geschiedene Frau, die seit ihrem Erscheinen über alle Bühnen golft und das Publikum offensichtlich in hellste Freude versetzt. Auch hier ward dem leickften Werkchen ein voller Erfolg bcschiedcn, und bic Zuschauer gaben ihrem Vergnügen so lebhaften Ausdruck, daß mehrere Lieder, lvie das sattsam bekannte: Kind, du kannst tanzen, wie meine Frau! das graziöse: Man steigt/nach! u. a. wiederholt werden mußten. Das Stück beginnt mit einer Gerichtsverhandlung, in ber die Ehescheidung des Hofsekretärs van Lysseweghe ver­handelt wird. Er ist auf der Reife von Nizza nach Amster­dam mit einer Tante, einer Anhängerin ber freien Liebe, zusammenim Schlaf koupe" gefahren weil das Tür­schloß in Unordnung geraten mar; aber den unglücklichen Zufall glaubt ihm nicmanb, und die Ehe wird geschieden. Nach entern Vierteljahr kündet der Vater der geschiedenen Frau seinen Besuch an, und um ihn über die Lage zu täuschen, vereinigt sich das geschiebene Paar vorübcrgehcnb wieder. Nach allerlei' scherzhaften Abenteuern findet es sich aber wieder endgültig zusammen und ber Gerichtspräsident heiratet die Anhängerin der freien Liebe, die sich rasch be­kehrt hat und nun gleich den anderen jungen Pärchen das höchste Liebesglück in der Ehe sieht und findet. Nebenher geht noch eine Reihewon vergnüglichem Beiwerk, das zur.Heiter­keit ber Zuhörer nicht das wenigste beiträgt und bic Lach­lust an regt.

Die Aufführung, die sich durchweg unter einem recht glücklichen Stern bewegte, hatte, wie schon erwähnt, einen vollen Erfolg und hielt die Zuschauer in bester Laune. Marta Werten fang und spielte die geschiebene Frau mit Temperament unb Hingabe unb wurde im Verein mit Karl Melzer, der ilyrcn Gatten mit angenehmer Würde aus- stattete, mehrfach hervorgerufen. Nicht geringeren Beifall fand Alma Walls mit ihrer graziösen, lebendigen Dar fteflung Gondas, der Anhängerin der freien Liebe, und im Verein mit Josef Feri), der den akademisch gebildeten Schlafwagenschaffner mit gutem Humor roieDergao, errang sic mit dem neckischen Lieh:Man steigt nach" einen sehr starken Erfolg. Eine sehr schöne, gm überlegte Figur

bot Kurt Schön selber, ber auch die Leitung ber Vor- ftellung in toänbcn hatte, als Gerichtspräsident. Richard Hel sing spielte den Schwiegervater etwas überhöht, aber recht ansprechend unb sand ebenso wie der übereifrige Bei­sitzer Ruiterssplat von Walter Panitz einen dankbaren Zuhörer kreis. Recht gefällig war ber Holzschuhtanz tut 3. Aufzug, den die Ballettmeisterin Anny von ber Veer eingerichtet hatte.

Auch die äußere Einrichtung ber sieghaften Operette ließ nichts zu wünschen übrig, und das Orchester tat unter Herrn. Weinacks Leitung sein bestes, um der stellenweise sehr ansprechenden und melodiösen Musik, die ja schon all­gemein bekannt ist, gerecht zu werden, so daß die geschiedene Frau auf der ganzen Linie auch für Gießen einen vollen Erfolg bedeutete. N.

Tas Multatuli-Iubiläum in Holland. Aus Amsterdam wird uns geschrieben: Von der Außenwelt wenig be­achtet. bat man hier vor wenigen Tagen feierlich die Wiederkehr des Tages begangen, an dem vor 50 Jahren Domves Dekkcr unter dem Namen Multatuli sein berühmtes BuchMax Havelaar" der Oefsentlichkeit übergeben hat, in dem mit bitterer Ironie das Ncgimc in den holländischen Kolonien gegeißelt wurde. Die Erinnerung an jenen Tag wurde durch eine Multatuli-Aus- steUung und durch Theaterausführungen ; feiert. Bekannt, daß Touwes Detter stets in sehr bedrängten Verhältnissen gelebt hat, weniger bekannt dürfte aber sein, daß, wie dasHandels­blad" mitteih, auch der ^,Max Havclaar" weniger aus lieber- zcugung als aus einer Ueberrcizung, die ber beständige Geld­mangel des Verfassers zur Folge hatte, geschaffen worden ist. Tas Blatt sagt:Bei seiner Rückkehr ivon Indien^ hatte Douwes Tetier keine Lckmlden. Er hatte 2700 Gulden UrIaubsgehalt und außerdem 5000 Gulden gespart. Aber als die Famüie, die in­zwischen uni ein Kind vermehrt war, sich 1855 nach Indien ein schifste, machte sie Gebrauch, und Mißbrauch von allen Gelegen­heiten, um Vorschuß zu bekommen aus das Urlaubsgchalt und selbst aus das in Indien zu erwartende Gehalt. Tie Rückkehr geschah aus Not. Touwes De'ker wollte in Leiden Philologie und Jus studieren und bekam das dazu nötige Geld nicht. Nun suchte Detter Geld an der Spielbank z» gewinnen, wodurch sich seine Lage noch mehr verschlechterte. ?lls er nach Indien zurückkehrte, hatte rr seine Illusionen, seine Ruhe und seinen Kredtt verloren. Alle diese, durch Tr. Joost van Bollcnhoven gesammelten und er­läuterten Tatsachen sind erst in der letzten Zeit bekannt geworden. Ter unfteiwillige Urlaub etHärt Detters Ueberrcizung und die Ueberrcizung erfiärt denMax Havelaar". Als wirMax Have- laar" gelesen hatten, glaubten Dir, es seren die Leiden der Javaner

und daszum Himmel schreiende Unrecht", wie T. von Hall sagte, die das edle Emvftnden eines furchtlosen und selbstlosen Poeten zur Wallung brachten. Wir sehen jetzt, daß im Grunde genommen Geldmangel denMax .Havelaar" erklärt. Natürlich war Touwes Teller nachMax .Havelaar" ein verlorener Mann.Aber seine scharfe Vernunft, seine hämischen Bisse nach der Regierung In­diens, sein unbändiger Stil, ließen ihn den Helden der Jugend, ohne Achtung vor Traditton, sein."

Amundsens geplante Nordpolarexpeditiom DemGlobus" zufolge haben Amundsen und das Teparttnent of Terreftrial Magnettsm des Earnegie-Jnstituts ein llcbcrein« kommen bezüglich eines Zusammenarbeitens auf magnetischem Ge­biete getroffen. Tie Expedition soll in diesem Sommer mit dem. ffram" Norwegen verlassen und ihren Weg um Kap Horn nehmen. Unterwegs sollen ozeanographische Untersuchungen im Südatlantischcn und im südlichen Großen Ozean ausgesülxrt wer­den, so daß sie im Sommer 1911 in Fan Francisco anlangt- wo die Ausrüstung des Schiffes für feine Nordpolsahrt, eine auf vier Jahre veramchlagte Trift durch das- Polarbecken, vollendet werden soll. Die Kosten der Instandsetzung derFram" waren von der norwegischen Volksvertretung bewilligt worden, die Uebernahme der Löhnung für die Besatzung für die Tauer der Expedition hat sie aber abgelehnt.

> Preisausschreiben. Seit langem schoti hat die Frau sich Arbeitsgebiete erobert, die ehedem fast ausschließlich Männern Vorbehalten waren. Ties bedingte naturgemäß vielsackie Aendemngen in den bisherigen Ansck)ouunge>i und der Lebens­weise der berufstätigen Frauen: aber gerade da, wo sie am ehesten nötig warm, in der Arbeitskleidung, war ein Wandel am wenigsten zu verspüren. Wer da weiß, welchen Schä­digungen der weibliche Körper durch unzweckmäßige Kleidung ausgesetzt ist, wird deshalb jede Bestrebung sreudig begrüßen, die auf eine Besserung dieser Verhältnisse hinzielt. In an­erkennenswerter Weise hat nun zu diesem Zweck' die Redaktion ber bekannten FrauenzeitschriftenTic Modenwclt" und deren im farbigen Gewände erscheinendes Schwesternblatt, dieJll. Frauen- Zeitung" IF. Bruckmaiin A.-G., Berlin W. 35) ein Preisaus­schreiben erlassen, in dem für einwandfreie Frauen-Arbeitsklei­dungen mehrere hohe Geldpreise ausgesetzt find. Ein? Anzahl herrorragennder Hygieniker, Künstler, Beamter, berufstätiger Frauen usw. bilden das Preisgericht, so daß in Verbindung mit ber großen Verbreitung bieser besten unserer Mode- und Frauen­blätter ein gutes Ergebnis zu erhoffen steht. Tie preisgekrönten! Mobelle und solche, die allgemeiner VeachMng wert sind, sollen in der nächstes Jahr in Tresdcn stattfindenden Hygieneausstellung' ausgestellt werden. Die näheren Bedingungen für das Preis­ausschreiben sind in den neuesten Nummern derModenwelt" und Illustrierten Frauen-Zeittmg" veröftentlicht.