Ausgabe 
16.7.1910 Erstes Blatt
 
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2luslaito.

Aus London hnrb gemeldet: 'Der deutsche Botschaf­ter stattete dem Premierminister Asguith einen Besuch ab und hatte eine längere Unterredung mit ihm, die sich wahrscheinlich um die Flottenbesprechung im Unterhause drehte.

'Das belgische Königspaar wurde am Freitag-vor­mittag im Pariser Rathaus feierlich empfangen und hat dann im Elysee an einem intimen Frühstück tcilgenommen. 'Das Königspaar ist nach dem Besuch des Louvremuseums um 4,20 Uhr vom Jnvalidenbahnhof abgereist. Präsident Fallieres begleitete sie zum Bahnhof.

Der türkische F in anzmi nistcr Dschavid-Bey er­klärte einem Mitarbeiter desTemps", er habe mit seiner Reise vor allem den Zweck verfolgt, sich persönlich über die neueii Bedingungen Rechenschaft zu geben, unter welchen die französischen und die türkischen Interessen in Zukunft Zusammen­gehen können. Kein Land steb e der Türkei moralisch naher als Frankreich, welches mit der Türkei auch poli­tisch in vollständiger Eintracht lebe. In materieller Hinsicht habe kein Land soviel Kapitalien in der Türkei engagiert wie Frankreich. Der Zweck seiner Reise sei keine finanzielle Ver- handlungeir. Er fasse nicht die Gegenwart, sondern die Zukunft ins Auge.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 16. Juli 1910.

* * D a g eskalender. 1b. Ruderregatta auf der Lahn, veranstaltet von der RudergeseNschait 1877.' Anfang Sonntag nachmittag 3% Uhr. Vorrennen Samstag nachmittag 5* l/a Uhr und Sonntag vormittag 8 Uhr.

K i n e m a t o g ra p h: Täglich Vorstellung.

Biograph: Täglich Vorstellung.

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'Nation verdankt Der ausgezeichnete Empfang, den ich hier -stets gefunden habe, ist eine kostbare Stütze für mich gewesen, denn außerhalb der amtlichen Beziehungen fand ich hier immer eine freimütige, lovalc Freundschaft, die ich von ganzem Herzen erwidere. Es betrübt mich, Rumänien verlassen zu müssen, aber in meinem neuen Amte .wird es meine Aufgabe fern, die auge- bahnten Beziehungen fortzusetzen und das Band zwischen beu beiden Ländern enger zu knüpfen. Ich bin tief gerührt von der besonderen Gnade, die der König mir erwiesen hat, dieser Souverän, dessen edle Weisheit ganz Europa ehrt, und der nicht allein das Ideal der Staatsmänner, sondern auch der Diplomaten ist. Ich kann meiner Dankbarkeit nur dadurch Aus­druck geben, daß ich mein Glas erhebe und auf die Gesundheit des Königs von Rumänien und der Rumänen trinke?"

Ramens der persönlichen Freunde des Stcutts- sekretärs sprach Ministerpräsident Bratianu. Jeder­mann in Rumänien schätze den Freimut, die Klarheit und Sicherheit des Gefeierten, die ihm die Sympathie aller ver­schafft habe.Ich tvünsche Ihnen," sagte der Ministerpräsi­dent,daß Sic das von Ihrem großen Vorgänger zwischen Deutschland und Rumänien begonnene Werk in Berlin fort­setzen. Ich spreche von Bismarck, dessen Schüler und Nachfolger Sie, speziell was die Beziehungen zwischen den beiden Ländern anlangt, gewesen sind. Es lebe v. Kiderlen- Wächter."

Der Scheidende erwiderte:Ebenso wie ich ein Epigone dessen bin, dessen Interesse für Rumänien Sie Erwähnt haben, so werde ich seine edle Aufgabe durch die Entwicklung der freundschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Län­dern in dem Amte sortsetzen, das der Kaiser mir allergnädigst übertragen hat."

politische Tagesschau.

Disziplinlose Genossen.

Der Nürnberger sozialdemokratische Parteitag hatte sich bekanntlich mit großer Majorität gegen jede Bud^etbewilli- gung durch die Sozialdemokratie ausgesprochen: es sollte damit den süddeutschen Genossen strikte Weisung gegeben werden, die cs schon in früheren Jahren gewagt hatten, für das Budget zu stimmen, obgleich sie damit gegen den Geist der Entschließung der Parteitage von Lübeck und Dres^- den verstießen. Der Zweck des Nürnberger Beschlusses war, in dieser Beziehung jeden Zweifel auszuschließen:An­gesichts der Tatsache, daß die Gesamtabstimmung über das Budget als Vertrauensvotum für die Regierung aufgefaßt werden muß, ist j e d e r gegnerischen Regierung das Staats­budget bei der Gesamtabstimmung zu verweigern."

Trotz dieses Beschlusses hat jetzt die badische sozial­demokratische Fraktion für das Budget gestimmt; ihr Führer, Abg. Dr. Frank-Mannheim, erklärte, daß seine Freundemit Rücksicht auf die besonderen politischen Ver­hältnisse" auf dieDemonstration" der Ablehnung ver­zichten und für das Finanzgesetz stimmen. In dieser Tat erblickt derVorwärts" eine Mißachtung der Beschlüsse der Gesamtpartci, und er hält denn auch bereits den dis­ziplinlosen Genossen eine fast drei Spalten lange Vorlesung über ihren Fehltritt. Insbesondere wendet er sich gegen die Auffassung, daß die Budgetverweigerung eine bloße Demonstration sei, sie fließe vielmehr unmittelbar aus der sozialdemokratischen Grundanschauung, weil darin das Be­kenntnis zum sozial!stischeu Endziel liege. Der Vorwärts" 'kündigt an, daß auf dem nächsten Parteitag diese Frage endgültig gelöst werden müsse. Wie er mit- teilt, wird die badische Fraktion sich sogar bei der nächsten, am Samstag stattfindenden feierlichen Schließung der Kammer, bei der der Minister v. Dusch das übliche Hoch auf den Groß Herzog ausbringen wird, beteiligen.

Besondere politische Verhältnisse gibt es nach dem Vorwärts" überhaupt nicht. Der Klassenkampf des Prole­tariats dürfe nicht abgeschwächt und nicht verschleiert wer­den; denn jede derartige Abschwächungvermindert auf die Dauer unsere Anziehungskraft auf die Massen". Dieses offene Eingeständnis verdient immer wieder festgehalten zu werden, weil es denen die Augen öffnen muß, die sich der Illusion hingeben, die Sozialdemokratie werde zu posi­tiver politischer Arbeit herangezogen werden können.

gteicht Bernhard Dernburg am Meisten seinem mütterlichen Groß­vater, dem Pfarrer Karl Stahl, und feinem Oheim Heinrich 'Dern- burg.

Das Haus, in dem Bernhard Dernburg seine Jugend ver­brachte, war, während ich als Parlamentarier und Ehefredakteur derNationalzeitnng" tätig v>ar, ein vielaufgesuchter politischer und literarischer Mittelpunkt hervorragender Leiter und Abge­ordneter der nationalliberalen Partei, wie Stauffenberg, Lasker, Bamberger, Schriftsteller wie Berthold Auerbach und Friedrich Spielhagen, die Künstlerschaft war reich vertreten, die Mitarbeiter und Korrespondenten der Zeitung kamen und gingen. Fremde aller Länder stellten sich ein. Herr v. Holstein brachte die Bis- marcksche Atmosphäre in das Haus. Alle literarischen, parla­mentarischen und polttischen Vorgänge wurden unausgesetzt ver­handelt. Als ein ungemein frühreifer Knabe nahm Bernhard Dernburg hieran lebhaftes Jntercksse. Unter diesen vielseitigen Interessen litt natürlich in erster Reihe die Schule. Die Mehr­zahl seiner Lehrer hatte für die eigentümliche Begabung und Geistesrichtung des jungen Manneis kein Verständnis, selbst da, wo er an Fassungskraft und Scharfsinn seine Mitschüler überragte, wurde bei ihm nur Ucberhebung konstatiert, er paßte nicht in das Schema des Joachimstaler Gymnasiums. Mtt einem raschen Ent­schluß warf er das Gymnasium /hinter sich, nachdem er das Reifezeugnis für Prima erlangt hatte. Es war für ihn wie für die Schule eine Erlösung, als er diese verließ. Trotz dieser Schulerlebnisse ist er ein Freund der humanistischen Studien ge­blieben. Bis heute bilden klassische Autoren fene Lieblings­lektüre, Homer, Livius, Demosthewes und Aeschilos, Thukidides, Tacitus und Sallust sind ständige Begleiter für ihn, felbst auf seinen Reisen. Sonst teilen sich Bismarck, Shakespeare und Goethe und die von ihm hochverehrte Bil>el in seine freien Momente.

Auf seine Militärzeit sieht Bernhard Dernburg mit großer Befriedigung zuttick. Er biente als Einjähriger beim zweiten Gardefeldartillerieregsiment und hat sich auch hier trotz mancher Schwierigkeiten, bie rhm entgegentraten, burchgesetzt. Er bekam rechtzeitig die Tressen. Als es sich indessen um Erlangung der Offiziersaualisikation handelte, erklärte sein Batteriechef, der die Einjährigen überhaupt auf dem Strich hatte, er hätte keinen zu empfehlen. Das paßte dem Regimentskommandeur nicht, der bestimmte Vorschläge verlangte. So nannte er denn auch Bern­hard Dernburg, der im Exarwcm die höchste erreichbare Zahl von Punkten gewann. Er erhielt die Offitziersqualifikation und machte die vorgeschriebenen Hebungen .in der Spandauer Festungsartillerie. Er erhielt die ungewöhnliche QualifikationVorzüglich". Zur Offizierswahl hat er sich nicht gestellt, da er nach Beendigung der Hebung alsbald nach Amerika ging.

Für die Art, wie ein patriotischer Mann seine Pflicht gegen das Vaterlamd erfüllt, schweben Bernhard Dernburg die ameri­kanischen Staatsmänner als Meister vor. Wie diese nach zurück- gelegter Amtsperiodc wieder ,in das einfache bürgerliche Leben zurücktreten, so ist auch Bernhard Dernburg im Begriff, den gewohnten Beruf wieder aufzunehmen. Schon vor Jahresfrist teilte er insr mit, daß er zu Ofeern seinDienstbuch fordern werde", oder wie er im Scherz sagie:Cincinnatiis kehret zn seinem Pfluge zwcück".

Bis zu jenem Termin glaubte er die in seinem dem Kaiser unterbreiteten Antrittsprogramm vorgesehenen organisatorischen Maßnahmen durchführen zu können; eine lediglich verwal­tende Tätigkeit entsprach weder seiner Veranlagung, noch konnte sie ihn politisch befriedigen; dies um so weniger, als die Staats­sekretäre pes Reiches ohne jeden Einfluß und häufig selbst ohne Kenntnis bezüglich der Ziele der Regierung und ihrer oft wechselnden Beziehumgew zu den Parteien sind, ein für ihre parlamentarischen Aufgaben undurchführbares Verhältnis.

Seiner ganzen Veranlagung nach, kann Bernhard Dernburg von einer Regierung S ch che am wenigsten ertragen. Die Preisgabe des kaiserlichen Ansehens unter Fürst Bülow hat er für einen schweren Fehler gehalten. Man nennt ihn oft eineHerrennatur". In dieser Bezeichnung liegt indessen ein Zug von egoistischer Selbstherrlichkeit, die ihm fremd ist. Aber als Mpmn der Autorität verlangt er eine feste Hand; seine Devise ist: Wer in schwankenber Zeit schwankend gesinnt ist, der ver/mehret das Hebel. Was er in einer rückschauenden Selbst­kritik 'bei sich am stärksten beanstandet, ist, daß er die Zeit als entscheidender Faktor nicht hoch genug eingeschätzt und von seinem starken Temperament verfahrt, manchmal den Augenblick zu sehr belastet hat. Was er daher gegenüber den mancherlei Wünschen für seine weitere JBetätig-nmg, die an ihn herantreten, auf das ernftefte begehrt, ist, daß ihm nach der atemlosen Arbeit an der Darmstädter Bank und in der Organisation der Kolonien eine Zett gegönnt werde, sich selbst und die Dinge ausreifen zu lassen. SoMen sich wieder einmal Aufgaben finden, für die er sich speziell begabt glaubt, so würden seine «Dienste dem Vaterlande nicht sehken.

Der hamburgische Staat und die Heilsarmee.

Im Jahre 1907 erregte es einiges Aufsehen, als der hamburgische Staat der Heilsarmee auf drei Jahre je 5000 Mk. zur Verfüjgung stellte. Er verfolgte bamit jedoch einen sozialen Zweck, denn das Geld war für das Männer- h eim der Heilsarmee in Hamburg bestimmt. Diese Männer­heime entsprechen ungefähr den Asylen für Obdachlose. Bettler, Obdachlose, entlassene Gefangene alles findet dort Unterfunft. Die Heilsarmee hat heute 10 solcher Heime .in Deutschland. 1907, nach der Dotation, eröffnete sic in Hamburg das zweite Heim. Mit diesem Jahre war nun die Dotation abgelaufen. Die Leitung der Hamburger Heime vertraute jedoch auf die Munifizenz und soziale Einsicht der Hansestadt und-erbat lühn 10 000 Mk. jährlich. Gie konnte in ihrer Eingabe mit Stolz darauf Hinweisen, daß Dorn'

1 Oktober 1907 bis zum 31. März d .I. in ihren beiden, Heimen 102 214 Mann Unterfunft gesunden hatten, daß in. dieser Zeit 320136 Mahlzeiten verabreicht, daß ihr 794 Männer von Hamburger Behörden überwiesen wurden und' daß 1586 Männer Stellung gefunden hatten. Nach ein­gehender Prüfung der Polizeibehörden, der Armenverwal- tung und der Finanzdeputation beschloß der Senat, das! Gesuch der Bürgerschaft zugehen zu lassen. Diese verhan­delte nun in diesen Tagen darüber in einer interessantem Sitzung und bewilligte mit Überwältigender Majorität die 10000 Mk. auf drei Jahre. Die 5)eilsarmee will nun sofort ein drittes Männerheim einrichten. Das erste vergrößert sie augenblicklich, so daß sie 300 Betten zur Verfügung haben wird. Hamburg ist die erste Stadt, dH in dieser Weise die soziale Tätigkeit der Heilsarmee durrh laufende Beiträge unterstützt.

Deutjcdes

Der Reichskanzler traf am Freitag morgen in Berttn etn. Im Laufe des' Vormittags trat unter seinem Vorsitz das Staatsministerium zu einer Sitzung zusammen. Der Reichskanzler stattete nachmittags dem Fürsten und der Fürstin von Bülow in dessen Hotel einen Besuch a?b. Der Reichskanzler nahm bei seinem zweistündigen Be- ilch bei dem Fürsten und der Fürstin Bülow auch den D e e bei diesen ein. Abends machte Fürst Bülow einen Längeren Spaziergang im Tiergarten und stattete mehrere Besuche ab.

Aus B a l c st r a n d wird gemeldet: Der Kaiser unternahm Donnerstag vormittag einen längeren Spaziergang und besuchte den hier in Balholm wohnenden Maler Hans Dahl, der mit feiner Familie, ebenso wie her eingetroffene Bildhauer Professor Unger, zur Abendtafel geladen wurde. Nachmittags verblieb der Kaiser wegen der großen Wärme an Bord. Freitag vormittag besichtigte der Kaiser das SchulschiffHansa" und unternahm mit den Herren der Umgebung bei schönstem Wetter eine Fahrt auf demSleipner". Die Umgebung der Ankerstelle bei Balholm ge­hört besonders bei diesem Sonnenschein zu dem Schönsten, was Norwegen bieten kann. Samstag geht dieHohenzollern" in See nach Olden, wo die Ankunft zirka 7 Uhr abends r z

Dernburgs Persönlichkeit.

DieKoloniate Rundschau" bringt eine Dernburiz- Nummer, in der auch ^Friedrich Dernburg, der Vater beS früheren Siaatsselretärs, über seinen Sohn, der. wie gteidy falls mitgeteilt wird, von der staatswissenschaftlichen Fakn!,- tät der Universität München und von der Universität Mnigs-- berg zum Ehrendoktor ernannt lnorden ist, das Wort ergreift. In di'ser Schilderung von Dernbnrgs Werdegansj steckt manches Neue. Friedrich Dernburg schreibt u. a.:

In einer Zett, wo jo viel von Rasse und Rassenpolttik dies Rede ist, wird die B l u t m i s ch u n g , die hier vorliegt, des Interesses nicht entbehren. '2>er väterliche Großvater stammt aus einer jüdischen Gelehrtenfamilie, die feit Vorzeiten im Harz angesessen war imd an den Rhein verzog. Hartioig Jakob Dcrn-- 6urg trat in den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhundert-: Bum Christentum über, galt als hervorragender Jurist und ftarb als Richter am obersten Gerichtshof in Darmstadt. Auf mütter­licher Seite zeigt sich eine eigentümliche Zusammensetzung Dew Großvater, selbst Pfarrer, stammt aus einer Pfarrersainttie, die bis zur Reformation in Schweinfurt a. M. nachweisbar seßhaft ist. Die Großmutter ist her bekannten Frankfurter Bankierfamilie von Heyder-Mctzler entsprossen. In der äußeren Erschintmiiig

Vom Großherzoglichen Hofe. Das Groß- herzogSpaar, das feit dem 15. Juli im Seebade Filey verweilte, begab sich am 15. ds. Mts. nach London. Die beiden Prinzen bleiben in Filey zurück. Die Abreise von England erfolgt am 28. d. Mts. über OstendeBrüssel und die Ankunft in Wolfsgarten, n. d.Darmst. Ztg.", am 31. ds. Mts., vormittags.

**Ordensangelcgenheitcn. S. KH. der Groß-- Herzog fyat nachstehenden Personen die Erlaubnis zur An­nahme und zum Tragen für die ihnen von dem deutschen Kaiser verliehenen Auszeichnungen erteilt: dem Postdirektor Simm er in Bingen für den Kronen-Orden 3. Klasse, dem Oberpostsekretär, Rechnungsrat Grimm in Darmstadt für den Roten Adler-Orden 4. Klasse und öcm Oberbriefträger S ch r ö d e r in Mainz für das Preußische Allgemeine Ehren­zeichen. Der Kaiser hat dem Proviantamtsdirektor a. D. Rechnungsrat Kieselbach zu Demmin, bisher Vorstand der Armee-Konservenfabrik in Mainz, den Kronen-Orden 3. Klasse verliehen und dem Oberlt. Frhrn. Schaeffer v. Bernstein im 5. Rhein. Jnf.-Regt. Nr. 65 die Erlaub­nis zur Anlegung des Ritterkreuzes 2. Klasse des Hessischen Verdienst-Ordens Philipps des Großmütigen verliehen.

* * Anonyme Zuschriften an die Redaktion sinden in feinem Fall Berücksichtigung.

** Neue Gesellenprüsungsausschüsse wurden von der Handwerkskammer bei der freien Fleischer-Innung Alsfeld lVorfitzender I. F. Gundrum, Metzgermeister zu Als­feld; Stellvertreter B. Duchardt, Metzgermeister zu Alsfeld) und beim Ortsgewerbeverein Allendarf a. d. Lumda ! Vorsitzender E. Ranft, Weißbindermeister zu Mendorf a. d. L.; Stellvertreter H. Bergen, Schreinermeister zu Allendorf a. d. L.) gebildet.

** Für blinde Handwerker. Der hessischen Hand­werkskammer sind durch Vermittlung der Bank für Handel und Industrie 38,75 Mk. überwiesen worden, die der Bank anonym von Hildesheim zugegangen waren mit der Bestimmung zur Erholungsreise für blinde Handwerker. Ein früher überwiesener Betrag mit 20 Mk. und diese 38,75 Mk. wurden auf Vorschlag der Blinden-Anstalt zu Friedberg an drei blinde Korb- und Stuhl- flechter verteilt.

Siegatta. Es fei darauf hingewiesen, daß am Sonntag abend nach Schluß der Negatta für die Mitglieder und auswärtigen Gäste der Ruder-Gefellschaft in Steins Garten ein Gartenfest mit Tanz stattfindet, bei dem die gesamte Homburger Militärkapelle konzertiert. Die sehr wertvollen Preise, die am Sonntag auf der Lahn unstritten werden, sind im Schaufenster der Firma Aug. Oßmann, Seltersweg, ausgestellt. Besonders hervorzuheben sind die vom Großherzog, von dem Prinzen Eitel Friedrich, von der Universität und von der Stadt Gießen gestifteten Preise. Die wegen der zahlreichen Meldungen erforderlichen Vor- rennen beginnen heute nachmittag um 5 Uhr und Sonntag früh 8 Uhr. Die Inhaber von Eintrittskarten zur Regatta Haden freien Zutritt. Da auch bei den Vorrennen sehr spannende Kämpfe zu erwarten sind, dürfte ihr Besuch schon recht lebhaft werden.

** Weibliche Lehrlinge. Die Gewerbeordnung macht keinen Unterschied im Geschlecht, so daß deren Vor­schriften über das Lehrlings wesen sowohl auf männliche wie weibliche Lehrlinge anzuwenden sind. Aus den Kreisen der Beteiligten heraus sind daher an die hessische Hand­werkskammer Anträge ergangen, die Lehrzeit für weib­liche Lehrlinge im Handwerk zu regeln und zwar für Weiß­näherinnen, Weißstickerinnen, Putzmacherinnen und Damen­friseusen 2 Jahre, in den übrigen Handwerkszweigen für weibliche Lehrlinge 3 Jahre Lehrzeit festzusetzen.

* Beim Kaiser Wilhelm-Regiment find aber­mals etwa 300 Landwehrleute auf 10 Tage zur Hebung ein- gezogen worden. Sie üben in zwei besonderen Kompagnien.

** Fun d einer unbekannten Leiche. Am 10. Juli wurde in RodHeim v. d. H. im Walde verborgen die etwa 188 Atm. große Leiche eines unbekannten 6070 Jahre alten Mannes gefunden. Der Schädel wies ein nahezu einpfenniggroßes 'Loch auf, das von einem Schuß aus einer großkalibrigen Pistole herrührt. Eine Schußwaffe wurde nicht bei der Leiche gefunden, weswegen der Verdacht eines Verbrechens begründet ist. Die Leiche, die ganz verlvest war und offenbar schon sehr lange im Walde liegt, war bekleidet mit kleinkariertem, schwärzlick>em Sackrock, Weste und ebensolchem Beinkleid, doppeltem Hemd von hellgrauer Farbe, braunwoklenerHuter- hose, braunen Strümpfen und gut erhaltenen Schnürschuhen. Die Hose war befestigt mit noch gut erhaltenen Unterhosen- trägem von Gunrmi mit Schnallen. In der linken äußeren Brusttasche fand sich! ein früher Weißes, jetzt ganz schmieriges Taschentuch. Auf dem Kopse fand sich ein schwarzer weicher Mzhut ohne Futter mit schwarzem Baude. Nachrichten über die Persönlichkeit des Verstorbenen an die Polizei­behörden sind im Interesse der Aufklärung der Sache sehr erwünscht.

= Hess. Veteranen-Appell in Darmstadt. Es dürfte wohl von Interesse fein, zu erfahren, daß die Eisenbahn- direktioneir Mainz und Frankfurt für den 13. und 14. August Verwaltungssonderzüge entlegen werden zu dem er­mäßigten Preise von 1,75 Mk. für den Kilometer in der 3. Klasse, so daß die Reisekosten sich bedeutend erniedrigen werden Am 14. werden voraussichtlich solche Züge ab Worms, Bingen, Erbach, Heppenheim und Gießen abgelassen werden. Für Nachmel­dungen von Teilnehmern wurde ein Termin zum 1. August fest­gesetzt. Abmeldungen mit Rückzahlung des eingesandten Beitrags werden bis zum 10. August einschließlich angenommen.

Hungtzn, 15. Juli. Die l>essisck)e Staatsregierung hat an die hiesige Stadt das Ansinnen gestellt, die Kosten für Erhaltung unserer höheren Bürgers chule aus eigenen Mitteln aufz'ubrmgen. Mtt Entziehung des Staatszuschusses ist unsere Schule vor die Frage des Seins ober Nichtseins gestellt; sollte oer Stacttszuschuß für die Folge nickst gewährt werden, so wird mc Stadt Hungen kaum in der Lage fein, diese Kosten aufzu- bnngen. Der gemeinnützige Verein befaßte sich in einer allge- mEn'Versammlung mit dieser Frage. Der Vorsitzende Rechts­anwalt Sandmann wies auf die Bedeutung der Sache hin, während Lehramtsreferendar Köhler in eingehender^ Weife dastir eintrat, daß die Schule der Stadt auf jeden Fall erhalten bleiben müsse. Man könne das Schulgeld entsprechend erhöhen und die Schulerzahl werde sich voraussichtlich vermehren. Lehrer Leh- n i n g hält den Zeitpunkt für' gekommen, die Schule noch weiter ausznbauen. Lehrer Staubach weist darauf hin, daß man vor zwei Jahren die Obertertia ohne irgend welche Mel)rbelastung der otabt hätte einrichten können; ferner tritt er für bie Er­richtung einer l andwir t scha f tl. Realschule ein ?(ber abgesehen htervon müsse man beftrebt fein, die hiesige höhere Bürgerschule auf bie Höhe ber Einjährigen-Bereckstiguirg zu brin- ocn. . 3m Vergleich zu Schotten sei Hungen mit seiner äußerst gutniügcm Lage minbestens ebensogut in der Lage, die hiesige hoher» Schule auf diese Höfe- zu bringen. Dekan Hainer evkennt ^vorerst noch nickst an, daß der Staat sich völlig ab- lehnend auf eilte bezüglickf-e Eingabe verhalte. Die sogen Schul- fahtten mtt der Bahn habiu für die jungen Leute verschiedene Nachteile intb Gefahren im Gefolge, auf die die Lehrkräfte tlller- dmgs keilten Einfluß haben^ Er hoffe, daß sich der Geineinderat bezüglich der Erhaltung der schule entgegenkommend zeige Lehrer aak tritt für die Gründung eines Schittvereins ein mit jähr»