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Ur. 291
160. Jahrgang
Montag. 12. Dezember 1910
ZGietzeimAnzeigM
MU, M Genera! -Anzeiger für Cberyeffen WM
für die Snqex-nummer lfotaSottröruckvndVerlag dervrühl'schen Univ.-Vuch' und Steindruckerei K Lange. Reöaftion, Expedition und Druckerei: Schulftratze 7.
b-s vormittags S Uhr. Expedition für Büdingen: Bahnhofstraße 16a. - Telephon Nr. 50. Anzeigenteil:H. Beck.
Die heutige Nummer umfaßt 16 Seiten.
Was nun?
Wie vorauszusehen war, sind auf die Betrachtungen der Lage in unserem Reichstagswahlkreise Gießen-Grunberg- Wda, die wir am Samstag veröffentlichten, uns einige a e u e Z u s ch r i f t e n zugegangen, die wir gleichfalls wörtlich abbrudcn tooflcn. Wem: auch eine volle Einigung aller bürgerlichen Parteien schwerlich zustande fommeii oird und die zunächst hier folgende Zuschrift, die Herrn Stadtverordneten Troß als gemeinsamen Kandidaten in Vorschlag bringt, in bezug aus die allgemeine künftige Gestaltung unserer deutschen Parteiverhältnisse reichlich ovttrnistisch klingt — so ist doch jedenfalls eine ruhige, von Agitationsphrasen freie Aussprache dec verschiedenen Partci- lnchtungen der Sache nur förderlich. Zunächst also der Vorschlag einer neuen Kandidatur Troß. Man schreibt uns:
Gießen, 11. Dez.
Ihre gestrige Zuschrift über die nächste Reichstagswahl gibt einem Manne, der den Wahlkreis auf Grund jahrelanger eiw gehender Beobachtungen kennt und auch die Stimmung infolge bei nationalliberalen Kandidatur Gisevins allseits erforscht hat zu folgenden Bemerkungen Anlaß:
Der Artikel spricht vom Bürgertum und von der bedauere lichen Aufstellung eines zweiten bürgerlichen Vertreters (also neben dem Nationalist) eralen noch eines vottsparteilick)en-. Ge-, üören denn die 9000 Wähler des Herrn Köhler, gehört Köhler nicht selbst zu den bürgerltchen Parteien?
Ist 5l*ö bl er nicht stets für die Interessen des Kleinhandels und Handwerks eiligen et en? Ueberhaupt l)at es einen eisrigccen Lerscaüer der Interessen der Selbstwirtschafter, der Nichlange- ft eilten, gegeben als Köhler? Ter Artikel ruft nach dem Hansa- bund? Will jemand bestreiten, daß dieser in seiner Art weniger einem ist, als der Bund der Landwirte? Was soll eine bloße Verständigung der „Liberalen"? Das gibt doch weiter nichts wie wiederum Flickwerk. Warum will man unter allen Umständen in einseitiger Verblendung die Landbevölkerung von einem Zusammengehen bei der Reichstagswahl aus- schließen? Warum liest man immer von Verhand-- I ungen zwischen Ratio na liberal en und Volkspartei? Warum nicht einmal toon einer solchen mit den 9000 Wählern Köhlers? Ist eine Vereinigung aller bürgerlichen Wähler auf eine Person unmöglich? Ich behaupte, sie ist möglich und sollte für diese Wahl schon angestrebt werden. Köhler selbst hat ja in ehrlicher Weise die Hand dazu geboten. Ihm war Gisevius als gemeinsamer Kandidat recht — er hat's ihm selbst gesagt — aber nur mit einer Einschränkung, er dürfe sich nicht einseitig einer Partei, der nationalliberalen, anichließen. (Denn dann sind wir wieder keinen einzigen Schritt »eiter, die alte gegenseitige Scheelsucht zwischen den Bürgerlichen aller Schattierungen bleibt bestehen.) Vielmehr als parteiloser Kaudckat. jolie Gi.evius auf treten. Das war doch seilens Kohlers ein gewiß sel/r weites Entgegenkommen, das alle Parteien, denen das Ganze höher steht, als das Partei- inieresse, freudig hätten anerkennen sollen. Hätte Herr Gisevius nach einem derartigen Entgegenkommen Köhlers der naiionallibo Taten Partei erklärt, ich bin Köhler dankbar, daß er mich als parteilosen Nachfolger haben und mUerftütjen will, benutzt mit mir diesen großen Augenblick, wirft allen Hader über Bord, weg n it dem Trennenden, em Zusammensckstuß aller bür geil i.üjen Elemente von Rechts bis tief in die Reihen der Freisinnigen, ist letzt möglich, ich, Gisevius, will der „gemeinsame", parteilose 5rcmdidat werden — dann hätte er eine große Tat vollbracht und nll der Aerger und die Verbitterung, die bis jetzt schon entstanden ist, wäre unterblieben.
Ist aber feine Aenderung mehr möglich? Wir dünkt, sie ist es, wenn neben Herrn Köhle r, der sich daraus eingehen wird, auch Herr Gisevius, also bei beiden bis jetzt nominierten Kandidat en, von ihrem Sonderkaiididaturen ab st eh en und einem Dritten Platz machen, der als national-monarchisch und mittelständisch gesinnter Mann in weiten Kreisen jetzt schon d)s größte Ber-
trauen genießt — ichmeine dem Hemm Stadtrat Louis Troß in Gießen. Meine Meinung aber deckt sich mit derjeniaen von mindestens 80 Prozent der nickt sozialdemokratisckien Wähler.
Tie alten Parteien haben sich saust und sonders überlebt, haben fern Vertrauen mehr zueinander, leben in wilder Fehde, sie müssen, ob sie wollen oder nicht, früher oder später verschwinden und — angesichts der überhandnehmenden Sozialdemokratie —, muß eine einzige große monarchistische, kurz gesagt „Deutsche Partei" an ihre Stelle treten. Der Boden und das Bedürfnis dazu aber sind in den Wühlerkreiseu unb nicht zuletzt auch in dem Kreis der jetzigen Reiä-stagsabgeordneten aller Parteien schon längst vorhaliden und eine gemeinsame Kandidatur Troß mit dieseni Ziel sollte des Schveitzes aller Edlen wohl wert sein.
*
Man schreibt uns von deutsch sozialer Seite zu dem Aufsatz „Was nun ?":
Wir würdigen durchaus den Schmerz der Nationalliberalen über unsere einmütige Ablehnung der Kandidatur Gisevius. Aber fonnten sie ohne i cbe Andeutung einer Gegenleistung etwas anderes erwarten? Umso bedauerlicher erscheint es jetzt, wenn man mit offenkundigen Unwahrheiten seinem Herzen Luft macht. Es ist grober Täuschungsversuch, wenn Herr Köhler als einseitiger Agrarier und die vereinigten Deutsch- und Christlich-Sozialen als einseitige Klassenpartei bezeichnet werden. Das gerade Gegenteil ist der Fall, wie Programm und politische Arbeit beweisen.
Die Franzosen im wadaigebitte.
Paris, 11. Dez. Eine anttliche Noce über die französisch - e n g l i s ch e n B c r e i n b a r u n g e n betresfend daS W a - dai-Land bezeichnet es als einen bemerkenswerten Erfolg der französiscl-m Diplomatie, daß England Den fra n z ö - fischen M i 1 i t ä r^b c hö r d e n das Recht e i n g e r ä u m t habe, die Wadai-Siämme bis ins Da r s o u r - G e b i e t zu verfolgen, welches zur englischen Einflußsphäre gehört.
Ter in Bordeaux eingelrossene General-Gouverneur in Egua- torial-Afrila, Al e r l i n , erklärte mehreren Journalisten, er habe bei seiner Abreise gewußt, daß Oberstleutnant Moll einen Angriff an der Grenze des Wadaigebietes unternehmen wolle, da ein solcher infolge der Niederlage der Kolonne des Hauptmanns Fiegenfchuh vom moralischen Standpunkt aus notwendig geworden sei. In diesem Gebiete könne dauernde Ruhe nur durch eine energische Militärische Besetzung des gesamten Wadailandes herbeigesührt werden.
Meutereien in vrasiiien.
Rio de Janeiro, 10. Dez. Heute nacht kurz vor Mitternacht meuterte ein Seebalaillon, das in der Kaserne auf der in der Bai von Rio de Janeiro in geringer Entfernung der Sladt gelegenen Insel Cobras untergebracht ist. Nach hestigcm Geschützfeuer, das die Kriegsschiffe gegen 5 Uhr früh gegen die Insel eröffneten, botendieMeutereran,srchzuergeben. Um 11 Uhr vormittags herrschte in der Stadt völlige Ruhe.
Die Blätter behaupten, daß die Beweggründe der Meuterer geringfügiger Natur seren. Tie Empörung auf Rio Grande del Sui dauerte nur kurze Zeit. M e h r e r e M a n n sind gefallen, darunter em Offizier. Tas Artilleriefeuer auf die Insel Cobras dauerte bis 31/2 Uhr nachmittags. Von der Insel wurde das Schießen erwidert. Am Ufer unD den angrenzenden Wegen lagen mehrere Tote.
Der Senat bcichloß, trotz des Einspruchs von Ruy Barbosa, die Verhängung des Belagerungszustandes für dreißig Tage. Die ausftändiiche Bewegung ist nunmehr ganz erstickt. Tie Bataillone der Ausstandiicheu hatten über 2 0 0 Tote und Verwundete. Die Stadt ist ruhig.
Da die Meuterer um einen Waffenstillstand bis 10 Uhr 30 Min. morgens gebeten haben, um die Verwunbeten weg-
zuschasfen wurde die Beschießung der Insel Cobras ausgesetzt und um 11 Uhr wieder ausgenommen. Wenn sich die Aufrührer nicht ergeben, wird em Sturm auf die Insel unternommen. Die Zahl der Opfer auf dec Insel wird als beträchtlich geschätzt. Präsident Hermes da Fonseca wird noch dem Senat eine Botschaft überreichen, die ein Expo so über die Situation enthält. Es ist wahrscheinlich, daß der Kongreß den Belagerungszustand beschlieyeii wird. Die Landbatterien unterstützen die Kriegsschiffe in der Beschießung der Insel.
Bcöuinengräuel.
Konstantinopel, 10. Tez. Beduinen stamme griffen die Stadt Kerak östlich des Toten Meeres an, machten die Besatzung nieder, schlachteten Hunderte von Christen ab, überfielen und zerstörten die Station Katräne an der 5)edschasbal)n und metzelten die Beamten mit ihren Familien nieder.
„Jkdam" gibt die Zahl der in Kerak Ermordeten auf •10 an. In die bedrohten Gegenden wurden Truppen entsandt.
Ueber die Vorgänge in Kerak liegen, sagt eine spätere Meldung, authentische Meldungen vor, nach denen 5000 Beduinen den Mittest ar if, alle Zivil- beackten mit Familien und die ganze Garnison n i e d e r m e tz e l t e n. Unter den Opfern befindev sich viele Christen.
Die Wahlen in England.
London, 10. Dez. (11 Uhr.) Gewählt sind 182 Liberale, 255 Unionisten, 32 Vertreter der Arbeiterpartei, 56 Redmvndisten, 6 Obrienisten. Tie Liberalen gewinnen 17, die Unionisten 21, die Arbeiterpartei 4 Sitze.
Aus
Der Termin 3uc Wahl deZ Landta gS-Ab- geordneten für die Stadt Worms an Stelle des verstorbenen Abg. 9t einhart ist auf Freitag, 16. Dezember, vormlttags 10 Uhr, im Nctthanssaale zu Worms anberaumt ivorden. Die Wayl erfolgt durch die für die jetzige Landtagspertode berelts besti'uutten 74 Wcchlmänner.
Oberlehrer Dr. Strecker hat, wie in der Presse niitgeteilt wird, die (Eröffnung deS Diszipltnar- oerfa hrenS gegen sich bei dem Mmisterium des Innern beantragt.
Ocutjckes Heid).
Aus Station Wildpark wird gemeldet: Ter Kaiser mit fernen Iagdgasten ist am Samstag abend 9 Uhr 15 Min. aus Springe in Wildpark eingetrofien. Der Kaiser begleitete den Erzherzog Franz Ferdinand zu dem für diesen bereitstehcnden Sonderzug. Nachdem sich der Kaiser vom Erzherzog aus das herzlichste verabschiedet hatte, setzte sich der Zug, der den österreichischen Throusolger über Berlin nach Wien bringt, we- rige Minuten vor 10 Uhr in Bewegung. Der Kaiser begab sich zum Palais. Erzherzog Friedrich bleibt bis auf weiteres in Potsdam und nahm bei der Erbprinzessin zu Salm-Salm Wohnung.
Das Wolsssche Bureau berichtet aus Colombo: Der zuendegehende Aufenthalt des Kronprinzen und der Kronprinzessin aus Ceylon ist in ieder Beziehung durchaus beirie- bigenb verlaufen. Trotz des emgebaltenen Inkognitos ist von den Behörden und der Bevölkerung alles geschehen, um daß Verweilen der hohen Gäste so angenehm wie möglich zu gestalten. Der Kronprinz benutzte, wie bekannt, die in Ceylon^verlebten Tage, um die ihm hier zum erstenmal entgegenttetendc Tropenwelt kennen zu lernen und nahm an mehreren Iagdexpeditionen
(Skfccncr Könnet (verein.
Gieren, 11. Dez.
Z w eiter S 0 l i ft e n a b e n b.
Beethovens große A-dur-Sonctte, die _ berühmte „Kreutzer- sonatt", leitete den heutigen Abend ein; ihr folgte Bach mit feinem grandiosen Präludium mit Fuge in G-moll für Solovioline; den Schluß bildeten — in diesem Sinne und Zusammenhang gilt dies auch für die Brahmsschen Tänze — kleine Nichtigkeiten, entgegen» gesell dem doch auch für ein Konzertprogramm gültigen Gesetz, durch Steigerung die Wirkung zu erhöhen. Wahrend so der tiese, nachhaltige Eindruck der Kreutzersonate durch die Fülle des Folgenden fast verloren ging, fchuf die Canlilene des Laloschen Adagios, namentlich aber die stupende Technik und der prickelnde Rhythmus der „Ungarischen Tänze" dem Künstler allerdings einen wohl effektvolleren Abgang, dessen doch ein Künstler wie S)aDcmann nicht bedarf. Es ist nicht nur hessischer Lokal- Patriotismus, wenn das Publikum ihn, dessen junger Ruhm vor wenigen Jahren von Darmstadt ausging, das ihn dann an das größere Hamburg abgeben mußte,_ mit einer selbst in Gießen lelteneii Begeisterung empfing, nach jeder Nummer il)n mit Beifall überschüttete und zum Schluß ihn gar nicht gehen lassen wollte, fo daß er sich zu zwei Zugaben, beide entzückend gespielt, verstehen mußte; Herr Havemann ist in der Tat eine der erfreu» I ich st en Erscheinungen in dec Reihe der führenden Geiger unserer Zeit, ein Geiger, der mit vollendeter Technik das vereint, was mehr ist, eine gediegene künstlerische Bildung, vornehmen Geschmack, Xieic in Anpassung und Wiedergabe der Werke, und eine aTüdlirbc Neigung zu den Schöpfungen der klassischen Meister Bach, u^thooen, auch Mozart. Beethovens Violinkonzert von ihm zu hören, ist ein feiner Genuß; ein nicht minderer war heute die Wiedergabe der Kreutzersonate, bereu intime Sclstm- neiten er liebevoll Herausholte; vorzüglich getroffen im Charakter schien mir das schlichte Thema des Aiwante und seine Vcr- atbeit'inqen in ben Variationen, namentlich der berühmten zweiten. Auch u i Größe des BacksÄen Präludiums würbe er in Ton, Technik uno Auffassung vollkommen gerecht.
, Em ihm ebenbürtiger Künstler i|t Herr Willy Rehberg, der außer der yannonischen femiühligen Begleitung Herrn Have- mflnm> noch als Solist die Chopinsche Klaviersonate in Ä-inoll, die bekannte Rhapsodie Nr. 12 von Liszt, eine Romanze von Lchun anii und — neben der Kreutzersonate für mich der £kjlK» punli dcj },uur,ert'j Die großartige -toccaia und Zuge von Bach in bei Tiaussigschen Bearbeitung für Klavier fpielte. Man glaubte die Orgel in allen ihren Registern brausen zu höre»! geivaltige
Tonsluten gab ber Flügel her; und es war wie ein ftllles ermattetes Ausruhen nach dem Sturm, als bann Schumanns Romanze leise, wie flüsternd hingeyaucht, erklang. Herrn Rehbergs überaus plastisches ausdrucksvolles Spiel, seinen vollen, männlichen und doch wieder unendlich zarten Ton, seine ausgezeichnete "Technik zu zeigen, war die Verschiedenartigkeit der Vorträge ganz besonders geeignet. Das Publikum spendete auch ihm lebhaften Beifall; ja der Beifall klang fast ein bischen demonstratio, als wolle man gutmachen, was ein eigenartiges Empfinden für richtig gehalten hatte, von den 2 Solisten des Abends ben einen burch eine Rieseiilorbeerfpende bcsonbers auszuzeicknen. Ein bejon- bercr D a n t gebührte ja Herrn Havemann allerdings dafür, daß er bereitwillig in die durch die Avsage des Herrn Szigeti entstandene Lücke eingetreten ist. m*
Die Trauerfeiern für Koch und KnauS.
In der neuen Uitcverficktsania zu Berlin fand am Tage des 67. Geburtstages des verstorbenen großen Gelehrten eine Trauerseier für Robert Koch statt. Ein glänzendes Auditorrum aus aller Herren Länder füllte den Saal bis aus den letzten Platz. Geheimrat Dr. G a f s k y hielt die Gedächtnisrede, in dec ec dem Lebensgang und der Lebensarbeit des Verewigten gerecht wurde.
Berlin, 11. Dez. Für den verstorbenen Maler Pro- sessor Ludwig Knaus sand heute mittag im großen Saale der Kgl. Akademie ber Künste eine Trauerfeier statt. Im Austrage des Kaisers war dec Chef des Zivilkabinetts v. Baien tini erschienen, der Kultusminister war durch den Unterstaatssekceläc Schwartzlopjf vertreten, auch der Bürgermeister Dr. Reicke und die Senatsmilglieder der Akademie besanden sich in der Trauerversammlung. Pfarrer Prosessor D. Frhr. 0. Soden, der Prchident der Akademie, Geh. Banrat v. Großheim, und der'Vorsitzende des Vereins Berliner Künstler Prof. Schulte hielten Ge- dächtnisanfprachen. Nach der Feier wurde der Sarg in langem Zuge nach dem Friedhose in Dahien stbergefuhrt, wo die Besetzung erfolgt
Die Verteilung des Nspelpreises.
I Stockholm, 10. Dez. Zum zehnten Male fand die Verteilung der N 0 b c l p r o i 1 e statt. UMi ueii vier Preisträgern
I waren anwsi'end Promior von der Waals-Amsterdam (Mylis),
Professor Wallach-Göttingen (Chemie), Professor Kossel- Heidelberg (Medizin). Sie erhielten vom König den ihnen zuerkannten Preis, ein Diplom und Goldene Medaille, überreicht. Für den abwesenden Paul Heyse emp.ing der deutsche Gesandte Graf von Pückler den Litemturpreis. Der Sekretär der chwedischen Akadem',2 der Wissenichaiten Heyse erhielt auf, Vorschlag von sechs bedeutenden Männern Deutschlands auf den Gebieten der Literatur, Kunst und Philosophie diese Ehrung. Nach der Feier fand ein Festmahl zu Eyren der Preisträger statt, an dem der Kronprinz und die Kronprinzessin, andere Mitglieder der Königlichen "Familie, sowie 300 Eingeladene teilnahmen.
Der Friede ns - Nobelpreis von 193 000 Frants wurde dem Internationalen Friedensbureau in Bern zuerteilt.
Zwangserziehung und öeodachtungsheime.
Man schreibt uns:
In einer amtlichen Lehrerkonferenz des Kreises Worms hielt Pros. Dr. Klnmter-Fcankfnrt a. M., Direttor der dortigen „Zentrale für private Fürsorge", einen Vortrag über „Zwangserziehung und Beobachtungsansiatten" Der Redner suhrte ungesähr folgendes aus:
Zu allen Zeiten, nicht nur in den letzten Jahrzehnten, sind Klagen über die Verwahrlosung der Jugend geführt worden. Doch sind heute die Ursachen der Verwahrlosung andere wie srüher. Hauptsächlich in Großstädten werden durch die Art der Beschäftigung des Vaters uni) in vielen Fallen auch der Mutter die Beziehungen der FamilicngUcdcr untereinander immer mehr gelockert. Aus die,em Gcimde erweist sich die Familienerziehung, die sicherste (.Gewähr einer normalen Entwickelung des Kindes, oft als unzureichend. Auch sind die Anjorderungen, die die Gesellschast an jedes einzelne ihrer Mitglieder lU’Lt, höher wie srüher. Dte Einwtttung der ÖVcfcIifdiaft auf einzelne ist nicht mehr ein Alt der Wohltätigkeit, sondern eine Forderung, eine ethische und soziale Aufgabe. Das Gesetz gibt ihr eine Handhabe, auch über ein Kind zu bestimmen, sogar über den Willen dec Eltern hinweg jalls diese versagen. In zwei Formen fachen die Behörden, die Organe der Geselischajt, das El^rnhaus und des,en Einfluß zu ersetzen. Entweder werden die Kinder in einer anderen Familie untergebracht, vder aber au Steile der Familienerziehung


